D Zit louft u louft u louft

Im Herbst 1994 spielte ein gewisser Robert Nardella in der International-Hockey-League (IHL) für die Chicago Wolves. Zur gleichen Zeit spielte ein Martin Schmid beim Zweitligisten SC Biberen und der hier schreibende Kolumnist als Junior beim SC Lyss. Drei unterschiedliche Protagonisten in drei unterschiedlichen Rollen, dessen Wege sich später kreuzen würden. «D’Zit isch en auti Maschine wo louft u louft u louft», singt Kuno Lauener im Züri West-Song «Blues», welcher ebenfalls 1994 auf dem Album «Züri West» erschienen ist.

Durch diese «auti Maschine wo louft u louft u louft», sind die Idole von einst im Laufe der Jahre dem Eishockey-Zirkus entwachsen. So auch Nardella, welchen ich als Nationalspieler Italiens gegen die Schweiz an der A-WM 1995 spielen sah. Nardella spielte bis 1994 beim HC Alleghe, mit einem gewissen Bruce James Cassidy in der Verteidigung. Cassidy? Ja, Cassidy führte 2023 die Vegas Golden Knights zum Stanley-Cup-Titel. Die Stars von einst sind heute Headcoach, Sportchef oder bereits in Rente, denn «D’Zit isch en auti Maschine wo louft u louft u louft».

Doch die Wege, wie in jedem Hockey-Umfeld, der eingangs erwähnten Protagonisten werden sich kreuzen. Am 23. Dezember 2001 spielte ich mein erstes Spiel für den SC Biberen in der 2. Liga, zu den Teamleadern unserer Mannschaft gehörte ein gewisser Martin «Tinu» Schmid. Am 19. Oktober 2024 gewann Freiburg-Gottéron zuhause gegen Lugano mit 4:0. Doppelter Torschütze war Sandro Schmid, der Sohn meines ehemaligen Teamkollegen. So landete Schmid-Junior für das MySports-Interview (Foto) bei
mir vor der Kamera.

In der gleichen Woche verkündeten die SC Rapperswil-Jona Lakers die Verpflichtung von Bobby Nardella, Bob Nardella? Ich kannte bisher nur einen «Nardella», Rapperswils Neuzugang ist Roberts (Senior) Sohn. Nardella-Junior debütierte am 25. Oktober 2024 in Biel, welches 1993 auch die Wirkungsstätte von Cassidy, Nardellas ehemaligen Teamkollegen, gewesen ist. Neben seinem Debüt kommentierte ich vier Tage später auch Nardellas ersten Treffer auf Schweizer Eis, auswärts bei Rapperswils 2:4 in Pruntrut. 1994 noch drei willkürlich ausgewählte Namen, dessen Wege sich innerhalb des Mikrokosmos Eishockey irgendwann gekreuzt haben. Es ist der Lauf der Zeit, es ist der Lauf des Lebens und in diesem kleinen Fall nur eine, von tausenden Geschichten rund um die faszinierende «kleine» Welt des Eishockeys. «D’Zit isch en auti Maschine wo louft u louft u louft», zeigt zum einen die Endlichkeit einer Laufbahn und zum andern die Unendlichkeit des Eishockey-Mikrokosmos.

Rajala statt Cervenka

Bereits vor dem Spiel ist klar, heute ist ein Interview mit Liga-Topskorer Roman Cervenka geplant. Für die MySports-Rubrik „Insights“ soll der tschechische Ausnahmekönner nach dem Spiel in Biel über seine aktuelle Form auskunft geben. Die aktuelle Form Cervenkas bedeutet in Zahlen, 23 Skorerpunkte aus den letzten zehn Partien. Die SC Rapperswil-Jona Lakers haben in den letzten sieben Spielen nur einmal verloren, nämlich das einzige Spiel, in dem Cervenka nicht gepunktet hat.

In der 45. Runde, beim 69. Aufeinandertreffen zwischen Rapperswilern und Bielern soll der letztjährige Schweizer Liga-Topskorer und zweifache tschechische Liga-Topskorer (2010 und 2016) wieder nicht punkten. Vor dem Spiel sprücheln wir, mit Pressechef Andi Ruefer und Hausfotograf Stephan Kubacki, ein ehemaliger 2. Liga-Topskorer, im Presseraum „was wenn er einen Restausschluss erhält?“ Dies sei der einzige Fall, bei dem ich den Weltmeister von 2010 nicht interviewen könne.

Gesagt getan, Cervenka kassiert nach einem Schubser gegen den Linesman Eric Cattaneo in der achten Minute einen Restausschluss. Das wars, das Interview für die Sonntagssendung und das Spiel der Lakers gehen verloren. Dafür springt ein anderer Weltmeister in die Bresche: Biels Toni Rajala. Der Finne erzielt am Dienstag in Davos, nach 14 Spielen ohne persönlichen Torerfolg, den Game-Winner und trifft kurz nach Cervenkas Restausschluss, in der 14. Minute zum 2:0 und legt mit einer Vorlage zum 1:0 den Grundstein zum dritten Bieler-Sieg in Serie. Zu guter letzt, übernimmt der Finne auch noch Cervenkas Rolle als Interview-Partner.

3. Februar 2023 – 45. Runde

Biel – Rapperswil-Jona Lakers 3:0 (2:0, 0:0, 1:0)
Tissot-Arena. – 5’735 Zuschauer. – SR Stolc (Slk)/Hungerbühler, Cattaneo/Gurtner. – Tore: 1. (1:00) Sallinen (Hischier, Rajala) 1:0. 14. Rajala 2:0. 57. Olofsson (Hofer, Lööv) 3:0. – Strafen: Biel 4-mal 2 Minuten, Rapperswil-Jona Lakers 2-mal 2 Minuten plus Spieldauer (Cervenka). – Bemerkungen: Biel ohne Cunti, Forster und Sheahan (alle verletzt), Rapperswil-Jona Lakers ohne Alge, Elsener, Jensen (alle verletzt) und Jordan (überzähliger Ausländer).
Biel: Säteri; Rathgeb, Lööv; Delémont, Grossmann; Schneeberger, Yakovenko; Stampfli; Hofer, Haas (4), Olofsson; Hischier, Sallinen, Rajala; Brunner, Tanner (2), Künzle (2); Froidevaux, Schläpfer, Kessler; Bärtschi.
Rapperswil-Jona Lakers: Meyer; Noreau, Maier; Aebischer (2), Djuse; Vouardoux, Profico; Baragano; Aberg, Rowe, Cervenka (20); Moy, Schroeder, Wetter; Zangger (2), Albrecht, Lammer; Wick, Dünner, Forrer; Cajka.

Mythos Quarantäne

Stellen sie sich vor, sie sind in Quarantäne, kommentieren aber live aus Langnau? Doch der Reihe nach. Das Eishockey-Lexikon von Horst Eckert ist bis heute immer noch das grösste physische Eishockey-Nachschlagewerk des deutschsprachigen Raumes. Über die Faszination dieses Werkes könnte ich einen eigenen Blog schreiben. Inhalt dieser Faszination ist auch der Buchstabe «Q», welcher alle Begriffe wie etwa Quebec Nordiques, Qualifikation oder Querlatte beinhaltet. Einem Begriff habe ich bisher nie besondere Beachtung im Zusammenhang mit dem Eishockeysport gegeben: «Quarantäne (franz.) – Absonderung», steht auf der Seite 142, des 1993 im Copress-Verlag erschienenen Werkes. Was heisst denn Quarantäne im Zeitalter der jüngsten Seuche des Weltgeschehens?

Quarantäne, der Hockey-Begriff wird erst 2020 zum Mythos. (Krein)

Das Wort «Quarantäne» gelangte im 17. Jahrhundert, wie italienisch «quarantena» aus französisch «quarantaine» («vierzig») ins Deutsche. So gab es bereits 1374 in Venedig eine Sperre für pestverdächtige Schiffe und bezeichnete diese als «quaranta giorni» (vierzig Tage). Keine vierzig Tage, aber zehn Tage dauert die Quarantäne für «Covid-19-Verdächtige», die Sperre gilt dabei nicht nur für eine Hafenstadt, sondern für das ganze Land, ja sogar für die ganze Welt. Kurz nach der Wiederaufnahme der langersehnten Eishockey-Meisterschaft, purzeln die Quarantäne-Fälle wie Dominosteine durch das Tagesgeschehen und die Teletext Seiten ab 316 färben sich rot (verschoben).

„Die Hiobsbotschaft kommt noch während des Trainings, aber drei Tage zu spät!“

— Michael Krein

Im Nachwuchsbereich wurden wir bis am 21. Oktober verschont, doch die Hiobsbotschaft kommt noch während des Trainings, kurz nach Trainingsende mit der Lysser U13 hat der ganze Trainerstaff mehrere Nachrichten und verpasste Anrufe auf dem Telefon. Bisher war beim SC Lyss nur die 1. Mannschaft betroffen, doch die Spieler des Fanionteams helfen auch beim Nachwuchs kräftig mit, neben Trainings der U13-, stehen die Cracks auch in der Hockeyschule auf dem Eis.

Einer steht ausnahmsweise auch als Assistent bei den U13-Top an der Bande. Bei uns (in meiner Hockey-Jugend) war dies einst der damals unbekannte Sean Simpson, nie werden wir dies vergessen. So auch die aktuelle U13 nicht, nie werden sie den Kanadier mit Schweizerpass vergessen, wenn er einst an der Weltmeisterschaft 2043 die Schweiz zu WM-Gold führen wird. Eine schöne Geschichte, jedoch gepaart mit Nebengeräuschen, denn der hilfsbereite Ersatzcoach erhält drei Tage später die «positive» Covid-19-Nachricht und die «Pest» kommt vom Schiff ans Land.

Reicht der Kaffee für die Quarantäne?

Das normale U13-Spiel vom Sonntag wird plötzlich zum Hitchcock-Finale. Ein offizielles Schreiben des Präsidenten liegt bereits elektronisch vor, alle Details sind zu beachten und zu prüfen. Wer sich beim U13-Spiel vom Sonntag, 18. Oktober, während 15 Minuten im Umkreis von anderthalb Metern neben dem Kanadier mit Schweizerpass befand und dabei keine Maske getragen hat, muss in Quarantäne. Die Betroffenen beginnen zu rechnen und den Tagesablauf zu rekonstruieren. In der Kabine haben die Coaches eine Maske getragen, an der Bande aber nicht, jedoch war der Abstand jeweils grösser als die anderthalb Meter. Einziger Knackpunkt: Vor dem Spiel haben die drei Coaches an der Buvette einen Kaffee zusammen getrunken, dieser Moment entpuppt sich als Schlüsselereignis für die Pest-Frage.

Ruhe und Distanz auf der Lysser Bank, drei Tage vor dem Sturm. (Iwan Fink)

Um auf Nummer sicher zu gehen, entscheiden alle Protagonisten in Rücksprache mit ihren Arbeitgebern und dem Präsidenten sich in die zehntägige Quarantäne zu begeben. Es ist wie in einer Overtime, der Puck fällt zugunsten der Sicherheit, der Glaubwürdigkeit und dem gesunden Menschenverstand auf die Seite der Quarantäne. Was ist mit den Kindern? War keiner der Spieler länger als 15 Minuten neben dem sich bereits in Isolation befindenden Trainer? Was ist mit den drei Spielern, welche das Türchen neben dem pestverseuchten Trainer gemacht haben?

Wie einst in Venedig, sitzt der Pestkranke mit den Pestverdächtigen auf dem Schiff, jedoch haben sich alle «Verseuchten» bereits drei Tage frei im «Hafen von Venedig» bewegt. Das ist die Lücke der Quarantäne, du sitzt bereits drin, bevor du es weisst. Und was, wenn der Kaffee-Entscheid zu Ungunsten der Quarantäne ausgefallen wäre? Dann wäre nur der Pestkranke auf dem Schiff hängen geblieben. Und was ist mit all denen welche den Kaffee-Entscheid ganz für sich alleine hätten fällen können, wären sie freiwillig auf dem Pestschiff geblieben?

Ein «Einzeiler» wird zum Mythos

So unbedeutend die «Lexikon-Quarantäne» über Jahrzehnte auf Seite 142 dahinvegetierte, umso wirkungsvoller ist ihre aktuelle Position im Weltgeschehen. Ihre Anwendung bleibt grösstenteils im eigenen Ermessen jedes Einzelnen. Der bisherige «Einzeiler» hat nun auch bei mir den Status des Mythos erreicht und hat seinen kleinen Platz im Eishockey-Lexikon auf ein ganzes Kapitel erweitert.

Mythos Langnau Corona-Konform, die Interviews (Flurin Randegger) werden mit dem nötigen Abstand und allen Hygiene-Vorschriften jeweils sauber durchgeführt. (Krein)

Alle beteiligten Personen haben die Quarantäne ohne Symptome nach zehn Tagen wieder verlassen.

Wenn Lysser in Rapperswil-Jona…

Am 23. Oktober 2018 schiesst Steve Mason innert 6 Minuten und 39 Sekunden seine National-League-Tore eins und zwei. Beide Treffer fallen im Powerplay und die Lakers gewinnen gegen Genf-Servette mit 4:3. Die Mason-Doublette zum 3:2 und 4:2 ist wegweisend für Rapperswil-Jonas zweiten Sieg im zwölften Spiel. Der holländisch-kanadische Doppelbürger spielt seit 2015 für die Lakers und kam während der Saison 2015-16 vom niederländischen Spitzenklub Tilburg Trappers in die Rosenstadt.

diese Karte habe ich auch noch

Vor dem Interview mit MySports frage ich den holländischen Internationalen, Mason bestritt fünf Weltmeisterschaften, ob er sich an seinen ersten Verein erinnern könne, die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen, «ja den SC Lyss.» Steves Vater Doug Mason wurde im Sommer 1992 vom damaligen NLB-Club Lyss als Nachfolger von Mike McParland verpflichtet, so unternahm «klein-Steve» im alter von vier Jahren bei den Lysser Bambinis die ersten Gehversuche auf dem Eis.

Einst gegen Rapperswil-Jona

Vater Doug wurde, in der schlechtesten Lysser NLB-Saison, mit nur einem Sieg nach neun Spielen im Oktober 1992 entlassen. Mason wurde im Heimspiel gegen den HC Thurgau, in der zweiten Drittelspause beim Stand von 0:4 seines Amtes enthoben. Dennoch erinnert sich Steve immer noch bestens an das kurze Gastspiel: «Diese Karte (siehe Foto) habe ich auch noch», sagt der freundliche Mittelstürmer der Lakers. Übrigens, den Saisonauftakt 1992 verloren die Lysser unter Coach Mason gegen Rapperswil-Jona mit 1:8.

Die Lakers haben es geschafft

Nur drei Nationalliga-A Teams sind noch nie aus der obersten Spielklasse abgestiegen, die Kloten Flyers, der HC Fribourg-Gottéron und die SC Rapperswil-Jona Lakers. Die drei Überlebenskünstler gelten in finanzieller- und sportlicher Hinsicht nicht nur in den Medien als unabsteigbar. Nun haben es die Lakers geschafft und stehen zumindest in der Liga-Qualifikation gegen den Meister der Nationalliga-B.

Selbstverständlich hat dies niemand verdient im Umfeld der freundlichen Organisation am Zürichsee, schon gar nicht der flotte Pressechef René Schmid, der nun wie viele seiner Arbeitskolleginnen und Kollegen um seinen Job bangt, wie er nach dem Spiel gegen Ambrì-Piotta im Presseraum erzählt.

Nach verlorener 3:6-Schlacht am Samstag gegen Ambrì-Piotta sagte Trainer Anders Eldebrink «Wenn ich in den Final komme will niemand mit mir reden, wenn ich verliere wollen alle mit mir reden.» Der Schwede hat nicht unrecht, aber Rapperswils Gang in die Liga-Quali schien für die St. Galler bisher noch unwahrscheinlicher als ein Vorstoss in den Playoff-Final.

„Wenn ich in den Final komme will niemand mit mir reden, wenn ich verliere wollen alle mit mir reden.“

— Anders Eldebrink

Seit dem NLA-Aufstieg 1994 konnten sich die Rapperswiler neun Mal vorzeitig in den Playouts retten, ausgerechnet im 70. Jubiläumsjahr verpassen die St. Galler das zehnjährige Playout-Jubiläum. Entgegen der Meldung auf der Club-Homepage und Artikel inkompetenter Medien stehen die Lakers nicht zum ersten-, sondern zum zweiten Mal in der Klubgeschichte in der Ligaqualifikation. Die Saison 1999-00 muss sämtlichen Medien- und Club-Verantwortlichen entgangen sein. Denn da spielte der damalige SC Rapperswil-Jona in der Liga-Qualifikation gegen den NLB-Meister EHC Chur und konnte sich in der «best-of-seven» Serie in fünf Spielen (5:4, 5:1, 4:5nP, 5:2, 3:1) durchsetzen.

Allerdings gibt es dazu ein «aber». Die oberste Spielklasse wurde nach dieser Saison von 10 auf 12 Mannschaften ausgestockt und die beiden NLB-Finalisten EHC Chur und der HC La Chaux-de-Fonds wurden in die NLA promoviert. So gesehen hätten die Rapperswiler wohl (Wobei 1986 der Zürcher SC als A-Letzter gegenüber dem B-Zweiten SC Bern durch den freiwilligen Rückzug Arosas auch nicht oben bleiben durfte) auch nach einer verlorenen Liga-Quali nicht absteigen können. Enger war es nur einmal, in Rapperswils erster NLA-Saison 1994-95 musste der Playout-Final-Verlierer direkt in die NLB absteigen. Die Rosenstädter konnten sich in sechs Spielen (0:7, 5:4nP, 5:4nP, 2:4, 7:4, 7:3) gegen den EHC Biel durchsetzen.

Alles spricht dagegen

2015 spricht eigentlich alles gegen Rapperswil-Jona. Das Jubiläumsjahr (Rapperswil feiert das 70-jährige Jubiläum, Basel stieg 2008 zum 85-Jährigen in die NLB ab, Biel rettete sich im 75-Jährigen erst in der Liga-Quali), die Reduktion in der Liga-Quali von vier- auf zwei Ausländer (im Powerplay spielten stets vier Söldner), der voraussichtliche verletzungsbedingte Ausfall von Kapitän Stefan Hürlimann (wechselt nach der Saison zum EHC Olten) und der Druck der geplanten Zukunft mit dem SC Herisau. Zudem gibts in der Liga-Quali für den Oberklassigen nichts mehr zu gewinnen, sondern nur noch schlimmeres zu verhindern. Dazu ist Topskorer Nicklas Danielsson für die ersten vier Spiele noch gesperrt.

Langnau wie 1998?

Anders als die Lakers werden die SCL Tigers voller Selbstvertrauen in ihre vierte Liga-Qualifikation starten. Zum ersten Mal treten die Langnauer dabei als Aussenseiter an, was sich als Vorteil erweisen kann. Die SCL Tigers haben nicht nur die Qualifikation mit 23 Punkten Vorsprung auf den Tabellenzweiten dominiert, sondern auch die NLB-Playoffs (je 4:0-Siege gegen Thurgau und Langenthal). Erst im Playoff-Final um den B-Meistertitel erwies sich der EHC Olten als echter Prüfstein, also als perfekter Sparringpartner für das bevorstehende Duell gegen die angeschlagenen Lakers.

Die Geschichte spricht allerdings für die St. Galler, drei Mal (2002, 2010 und 2013) besiegten sie die Emmentaler in einer NLA-Playout-Serie. Die Langnauer schickten die Rapperswiler aber bisher in ihre einzige Liga-Qualifikation in der Saison 1999-00. Dazu kommt eine bittere, offene Rechnung aus dem Playout-Final 2013, welche die Tigers nach zwei Jahren endlich begleichen wollen. Statistisch stehen die Chancen für den Underdog bei immerhin 33%, in den letzten 15 Jahren schafften fünf NLB-Meister (zweimal Lausanne, Genf-Servette, Biel und Basel) den Aufstieg. Langnau schaffte die Promotion bereits drei Mal, 1961, 1987 und zuletzt 1998, allerdings noch nach altem Modus.

Duell der Weltmeister von 1987

Mit den beiden Headcoaches Anders Eldebrink (Lakers) und Bengt-Ake Gustafsson (Tigers) stehen sich zwei Weltmeister von 1987 gegenüber. Auch bei ihrem ersten gemeinsamen Weltmeisterschafts-Turnier 1981 in Göteborg holten die ehemaligen Weltklasse-Spieler einst WM-Silber. Danach kreuzten sich ihre Wege als Spieler noch zwei Mal beim Europa-Cup 1994 und 1995, mit Feldkirch (Gustafsson) und Kloten (Eldebrink) gabs zwei Unentschieden (2:2 und 3:3). Nun steht den früheren Teamkollegen als Trainer das brisanteste Direktduell ihrer ganzen Karriere bevor.

Daniel Steiner wechselt auf die kommende Saison nach Biel. (Andreas Hatos)
Daniel Steiner ist der letzte Ambrì-Torschütze 2015. (Andreas Hatos)

28. März 2015

Rapperswil-Jona – Ambrì-Piotta 3:6 (2:1, 0:2, 1:3)
Diners-Club-Arena. – 5306 Zuschauer. – SR Eichmann/Stricker, Espinoza/Küng. – Tore: 2. Pedretti (Kuonen) 1:0. 11. Johansson (Ausschlüsse Stucki; Hächler) 2:0. 14. Lauper (Hall) 2:1. 29. O’Byrne (Lauper) 2:2. 30. Birbaum (Pestoni) 2:3. 51. Aucoin (Pestoni, Bouillon /Ausschlüsse Profico; Lhotak) 2:4. 52. Walsky (Geyer) 3:4. 54. Pestoni (Lhotak) 3:5. 59. Steiner (Poudrier) 3:6 (ins leere Tor). – Strafen: Rapperswil-Jona 5-mal 2 Minuten, Ambrì-Piotta 6-mal 2 Minuten.
Rapperswil-Jona: Wolf; Blatter, Fransson; Hächler, Walser; Fröhlicher, Geyer; Profico; Walsky, Persson, Johansson; Kuonen, Obrist, Pedretti; Ryser, Hürlimann, Schommer; Rizzello, Flavio Schmutz, Sieber; Nils Berger.
Ambrì-Piotta: Zurkirchen; O’Byrne, Zgraggen; Birbaum, Bouillon; Trunz, Sidler; Grieder, Chavaillaz; Steiner, Hall, Lauper; Pestoni, Aucoin, Stucki; Dostoinow, Schlagenhauf, Elias Bianchi; Grassi, Poudrier, Lhotak.

Die Liga-Qualifikation

JahrPaarungSerie
2014Biel – Visp4:1
2013SCL Tigers – Lausanne2:4
2012Ambrì-Piotta – Langenthal4:1
2011Ambrì-Piotta – Visp4:1
2010Biel – Lausanne4:3
2009Biel – Lausanne4:3
2008Basel – Biel0:4
2007SCL Tigers – Biel4:1
2006Freiburg-Gottéron – Biel4:2
2005Lausanne – Basel2:3
2004Lausanne – Biel4:0
2002Chur – Genf-Servette0:4
2001La Chaux-de-Fonds – Lausanne2:4
2000Rapperswil-Jona – Chur4:1
1999SCL Tigers – Chur4:3

Und wenn Spezza trifft…

In Rapperswil gibts seit letzten Samstag alles von Lockout-Star Jason Spezza. Da gibts eine Hot-Dog Spezzial Wurst für 7 Franken, ein Spezza Mini-Trikot für 20 Franken und einen Spezza-Schal für 30 Franken, satte 57 Franken kostet der ganze Spezza-Lockout-Spass. Der Star der Ottawa Senators ist in der «Diners» Arena in aller Munde.

Die Hot-Dog SPEZZiAl Wurst im Ottawa-Look gibts für 7 Franken. (Krein)

Was es von Spezza noch nicht gibt sind Spezza-Tore, Spezza-Assists und Spezza-Punkte und dies trotz 14 Lakers-Toren in den letzten zwei Spielen. Beim 8:4-Heimsieg gegen die SCL Tigers hat der NHL-Star sogar eine minus-zwei-Bilanz.

„Jason Spezza, auf Doug Gilmours Spuren?“

— Michael Krein

In der NHL erzielt Spezza mehr als einen Skorerpunkt pro Spiel und in Rapperswil bleibt er nach drei Spielen immer noch punktlos. Doch so einfach ist das nicht, auch ein NHL-Schlüsselspieler braucht seine Anlaufzeit. Ein kleiner Trost, auch Doug Gilmour traf beim ersten Lockout 1994-95 erst in seinem letzten Spiel für die Rapperswiler.

Die Frage ist nicht ob Spezza trifft, sondern nur wann Spezza trifft und dann fehlt in der «Diners» Arena nur noch die «Dieci» Spizza, denn die Pizza zu Spezzas Ehren (Foto oben die normale Lakers-Pizza) ging beim kulinarischen Angebot bisher vergessen.

Meine Wahl fällt auf die zwei NHL-Söldner Jared Spurgeon und «Spezza Hot-Dog.» (Krein)

Die Spezza-Bilanz

DatumGegnerGA+/-
28.9.2012ZSC Lions 0:400-1
29.9.2012a-Biel 6:3001
2.10.2012SCL Tigers 8:400-2

Rapperswil-Jona – SCL Tigers 8:4 (0:2, 4:1, 4:1)
Diners Club Arena. – 4’110 Zuschauer. – SR Massy, Kaderli/Wüst. – Tore: 6. Genazzi (Leblanc) 0:1. 10. Haas (Froidevaux, McLean) 0:2. 22. Wichser (Geyer, Riesen /Ausschluss Claudio Moggi) 1:2. 24. Riesen (Wichser) 2:2. 25. Camichel (Earl) 3:2. 38. Camichel (Wichser, Sejna /Ausschluss Adrian Gerber) 4:2. 40. (39:17) Brunner (Sandro Moggi, Spurgeon) 4:3. 42. Camichel (Neukom, Kolnik) 5:3. 49. Sejna (Thibaudeau, Geiger) 6:3. 55. Leblanc (Adrian Gerber, Reber) 6:4. 60. (59:25) Neukom (Camichel, ins leere Tor) 7:4. 60. (59:41) Kolnik (Neukom) 8:4. – Strafen: Rapperswil-Jona 3-mal 2 Minuten, SCL Tigers 5-mal 2 plus 10 Minuten (Brunner). – Bemerkungen: Rapperswil-Jona ohne Winkler und Derrick Walser, Langnau ohne Bäumle, Ennis, Simon Moser (alle verletzt) und Popovic (überzähliger Ausländer). – Timeout: Rapperswil-Jona (7.); Langnau (25.). PostFinance-Topskorer: Earl; Sandro Moggi.
Rapperswil-Jona: Aebischer; Welti, Camenzind; Gmür, Sven Berger; Geyer, Geiger; Burkhalter, Spezza, Earl; Kolnik, Camichel, Neukom; Riesen, Wichser, Sejna; Thibaudeau, Hürlimann, Rizzello; Jörg, Nils Berger.
SCL Tigers: Hübl; Stettler, Lardi; Spurgeon, Rytz; Simon Lüthi, Reber; Kim Lindemann, Christian Moser; Sandro Moggi, Claudio Moggi, Brunner; Froidevaux, McLean, Haas; Jacquemet, Pelletier, Bucher; Leblanc, Gerber, Genazzi.

Auf Chelios‘ Spuren…

Vor einem Interview bietet sich manchmal die Gelegenheit über ganz andere Dinge als den aktuellen Bieler 4:3-Sieg gegen Lugano zu diskutieren. Die Unterhaltung mit Mathieu Tschantré beginnt bei Rick Nash’s Hattrick in Davos und endet mit dem Bieler-Lockout-Star vor 18 Jahren.

Während des ersten NHL-Lockouts 1994-95 war der aktuelle Biel-Captain Mathieu Tschantré gerade Mal zehn Jahre alt und spielte bei den Moskitos des EHC Biel. Auf meine Frage ob er sich denn an das Engagement von Chris Chelios erinnern könne, antwortet Tschantré mit grosser Begeisterung: «Ich war im Freihockey als der NHL-Star Chelios im Bieler Eisstadion eingetroffen war, für uns war dies das Grösste.»

In dieser Woche trifft mit Tyler Seguin erneut ein ganz grosser aus der NHL in Biel ein. Seguin ist Biels grösster Transfercoup seit der Stippvisite (3 Spiele) Chelios‘ vor 18 Jahren. Der damals zehnjährige Mathieu empfängt dieses Mal den NHL-Star als Biel Team-Captain und womöglich wird auch da wieder ein Bieler Nachwuchsspieler den grossen Seguin bestaunen – und wer weiss in 18 Jahren…

Das verpasste NHL-Duell

Und übrigens… …vor 18 Jahren trafen die zwei grössten Attraktionen auf Schweizer Eis, Doug Gilmour und Chris Chelios mit Rapperswil-Jona und Biel nicht aufeinander. Chelios verletzte sich im dritten Spiel gegen Davos und musste frühzeitig nach Kanada zurückkehren. Eine Woche später mussten die Bieler ohne Chelios gegen Gilmour-Rappi ran. Diesen Samstag kommts nun doch noch zum NHL-Knüller zwischen Biel und Rapperswil, mit den Attraktionen Tyler Seguin (Boston Bruins) und Jason Spezza (Ottawa Senators).

Biel – Lugano 4:3 (1:1, 0:2, 3:0)
Eisstadion. – 4’341 Zuschauer. – SR Massy, Abegglen /Dumoulin. – Tore: 8. (7:44) Jordy Murray (Brett McLean, Blatter) 0:1. 9. (8:53) Füglister (Haas, Gloor) 1:1. 30. (29:17) Vauclair (Rüfenacht, Kamber /Ausschlüsse Wieser; Reuille) 1:2. 31. McLean (Vauclair, Heikkinen /Ausschlüsse Wieser; Reuille) 1:3. 44. Beaudoin (Dominic Meier) 2:3. 47. Wieser (Micflikier, Peter) 3:3. 57. Spylo (Pouliot, Beaudoin) 4:3. – Strafen: Biel 7-mal 2 Minuten, Lugano 8-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: Biel ohne Marco Streit (verletzt), Untersander, Ehrensperger (beide überzählig) und Seguin (noch nicht eingetroffen), Lugano ohne Hirschi, Nummelin, Brady Murray (alle verletzt), Morant (gesperrt) und Sannitz (überzählig). Wetzel vom Puck getroffen und verletzt ausgeschieden (27.). Timeout Lugano (44.). Lattenschuss Spylo (57.). Lugano ab 58:12 ohne Torhüter.
Biel: Berra (Schmid); Dominic Meier, Huguenin; Grieder, Wellinger; Gossweiler, Kparghai; Trutmann; Wieser, Pouliot, Spylo; Micflikier, Peter, Beaudoin; Haas, Gloor, Füglister; Tschantré, Kellenberger, Wetzel; Lauper.
Lugano: Flückiger (Manzato); Heikkinen, Schlumpf; Vauclair, Ulmer; Kienzle, Blatter; Nodari; Diego Kostner, McLean, Jordy Murray; Domenichelli, Metropolit, Bednar; Reuille, Conne, Simion; Daniel Steiner, Kamber, Rüfenacht; Profico.