Schlagwort-Archiv SC Rapperswil-Jona Lakers

Wenn Lysser in Rapperswil-Jona…

Am 23. Oktober 2018 schiesst Steve Mason innert 6 Minuten und 39 Sekunden seine National-League-Tore eins und zwei. Beide Treffer fallen im Powerplay und die Lakers gewinnen gegen Genf-Servette mit 4:3. Die Mason-Doublette zum 3:2 und 4:2 ist wegweisend für Rapperswil-Jonas zweiten Sieg im zwölften Spiel. Der holländisch-kanadische Doppelbürger spielt seit 2015 für die Lakers und kam während der Saison 2015-16 vom niederländischen Spitzenklub Tilburg Trappers in die Rosenstadt.

diese Karte habe ich auch noch

Vor dem Interview mit MySports frage ich den holländischen Internationalen, Mason bestritt fünf Weltmeisterschaften, ob er sich an seinen ersten Verein erinnern könne, die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen, «ja den SC Lyss.» Steves Vater Doug Mason wurde im Sommer 1992 vom damaligen NLB-Club Lyss als Nachfolger von Mike McParland verpflichtet, so unternahm «klein-Steve» im alter von vier Jahren bei den Lysser Bambinis die ersten Gehversuche auf dem Eis.

Einst gegen Rapperswil-Jona

Vater Doug wurde, in der schlechtesten Lysser NLB-Saison, mit nur einem Sieg nach neun Spielen im Oktober 1992 entlassen. Mason wurde im Heimspiel gegen den HC Thurgau, in der zweiten Drittelspause beim Stand von 0:4 seines Amtes enthoben. Dennoch erinnert sich Steve immer noch bestens an das kurze Gastspiel: «Diese Karte (siehe Foto) habe ich auch noch», sagt der freundliche Mittelstürmer der Lakers. Übrigens, den Saisonauftakt 1992 verloren die Lysser unter Coach Mason gegen Rapperswil-Jona mit 1:8.

Die Lakers haben es endlich geschafft

Vor zwei Jahren noch Weltmeister, jetzt kämpf er mit den Lakers um den Ligaerhalt. (Foto: 20min)

Für Weltmeister Niklas Person gibts bei den Lakers nichts mehr zu gewinnen, nur schlimmeres zu verhindern. (Foto: 20min)

Nur drei aktuelle NLA Teams sind noch nie aus der obersten Spielklasse abgestiegen, die Kloten Flyers, der HC Fribourg-Gottéron und die SC Rapperswil-Jona Lakers. Die drei Überlebenskünstler gelten in finanzieller- und sportlicher Hinsicht bis heute als unabsteigbar.

Nun haben es die Lakers endlich geschafft und stehen zumindest in der Ligaqualifikation gegen den Meister der NLB. Nach verlorener Schlacht am Samstag gegen Ambrì-Piotta sagte Trainer Anders Eldebrink «Wenn ich in den Final komme will niemand mir reden, wenn ich verliere wollen alle mit mir reden.» Der Schwede hat nicht unrecht, aber Rapperswils Gang in die Ligaquali schien für die St. Galler bisher noch unwahrscheinlicher als ein Vorstoss in den Playoff-Final.

Nun haben es die Lakers endlich geschafft und stehen in der Ligaqualifikation

Seit dem NLA-Aufstieg 1994 konnten sich die Rapperswiler neun Mal vorzeitig in den Playouts retten, ausgerechnet im 70. Jubiläumsjahr verpassen die St. Galler das 10-jährige Playout-Jubiläum. Entgegen der Meldung auf der Club-Homepage und Artikel inkompetenter Schweizer Medien stehen die Lakers nicht zum ersten-, sondern zum zweiten Mal in der Klubgeschichte in der Ligaqualifikation. Die Saison 1999/00 muss sämtlichen Medien- und Club-Verantwortlichen entgangen sein. Denn da spielte der damalige SC Rapperswil-Jona in der Ligaqualifikation gegen den NLB-Meister EHC Chur und konnte sich in der «best-of-seven» Serie in fünf Spielen (5:4, 5:1, 4:5 nP, 5:2, 3:1) durchsetzen.

Allerdings gibt es dazu ein «Aber». Die oberste Spielklasse wurde nach dieser Saison von 10 auf 12 Mannschaften ausgestockt und die beiden NLB-Finalisten EHC Chur und der HC La Chaux-de-Fonds wurden in die NLA promoviert. So gesehen hätten die Rapperswiler wohl (Wobei 1986 der Zürcher SC als A-Letzter gegenüber dem B-Zweiten SC Bern durch den freiwilligen Rückzug Arosas auch nicht oben bleiben durfte) auch nach einer verlorenen Ligaquali nicht absteigen können. Enger war es nur einmal, in Rapperswils erster NLA-Saison 1994/95 musste der Playout-Final-Verlierer direkt in die NLB absteigen. Die Rosenstädter konnten sich in sechs Spielen (0:7, 5:4 nP, 5:4 nP, 2:4, 7:4, 7:3) gegen den EHC Biel durchsetzen.

Alles spricht dagegen

2015 spricht eigentlich alles gegen Rapperswil-Jona. Das Jubiläumsjahr (Rapperswil feiert das 70-jährige Jubiläum, Basel stieg 2008 zum 85-Jährigen in die NLB ab, Biel rettete sich im 75-Jährigen erst in der Ligaquali), die Reduktion in der Ligaquali von vier- auf zwei Ausländer (im Powerplay spielten stets vier Söldner), der voraussichtliche verletzungsbedingte Ausfall von Kapitän Stefan Hürlimann (wechselt nach der Saison zum EHC Olten) und der Druck der geplanten Zukunft mit der Zusammenarbeit mit dem SC Herisau. Zudem gibt’s in der Ligaquali für den Oberklassigen nichts mehr zu gewinnen, sondern nur noch schlimmeres zu verhindern. Dazu ist Topskorer Nicklas Danielsson für die ersten vier Spiele noch gesperrt.

Langnau wie 1998?

Anders als die Lakers werden die SCL Tigers voller Selbstvertrauen in ihre vierte Ligaqualifikation starten. Zum ersten Mal treten die Langnauer dabei als Aussenseiter an, was sich als Vorteil erweisen kann. Die SCL Tigers haben nicht nur die Qualifikation mit 23 Punkten Vorsprung auf den Tabellenzweiten dominiert, sondern auch die NLB-Playoffs (je 4:0-Siege gegen Thurgau und Langenthal). Erst im Playoff-Final um den B-Meistertitel erwies sich der EHC Olten als echter Prüfstein, also als perfekter Sparringpartner für die bevorstehende Ligaqualifikation gegen die angeschlagenen Lakers.

Die Geschichte spricht allerdings für die St. Galler, drei Mal (2002, 2010 und 2013) besiegten sie die Emmentaler in einer NLA-Playout-Serie. Die Langnauer schickten die Rapperswiler aber bisher in ihre einzige Ligaqualifikation in der Saison 1999/00. Dazu kommt eine bittere, offene Rechnung aus dem Playout-Final 2013, welche die Tigers nach zwei Jahren endlich begleichen wollen.

Statistisch stehen die Chancen für den Underdog bei immerhin 33%, in den letzten 15 Jahren schafften fünf NLB-Meister (2x Lausanne, Servette, Biel und Basel) den Aufstieg. Langnau schaffte die Promotion bereits drei Mal, 1961, 1987 und zuletzt 1998, allerdings noch nach altem Modus.

Duell der Weltmeister von 1987

Mit den beiden Headcoaches Anders Eldebrink (Lakers) und Bengt-Ake Gustafsson (Tigers) stehen sich zwei Weltmeister von 1987 gegenüber. Auch bei ihrem ersten gemeinsamen WM-Turnier 1981 in Göteborg holten die ehemaligen Weltklasse-Spieler einst WM-Silber. Danach kreuzten sich ihre Wege als Spieler noch zwei Mal beim Europa-Cup 1994 und 1995, mit Feldkirch (Gustafsson) und Kloten (Eldebrink) gabs zwei Unentschieden (2:2 und 3:3). Nun steht den früheren Teamkollegen als Trainer das brisanteste Direktduell ihrer ganzen Karriere bevor.

Option Erste-Bank-Eishockey-Liga oder KHL

Falls in Rapperswil das «worst case» mit dem Abstieg eintreffen sollte, könnten die Ostschweizer immer noch einen Antrag in Österreichs «Erste-Bank-Eishockey-Liga*»- oder für Rapperswiler-Verhältnisse eher angemessen in der russischen Kontinental-Hockey-League (KHL) stellen. In beiden Fällen könnte dann der Plan mit dem SC Herisau als Farmteam in der NLB trotzdem umgesetzt werden und der Unterhaltungswert würde selbst den Zirkus Knie in seinen besten Zeiten erblassen lassen. *eishockeyblog berichtete schon 2011: https://www.eishockeyblog.ch/2011/01/lakers-ab-nach-sterreich/

Die Liga-Qualifikation im aktuellen Modus

2014 Biel – Visp 4:1
2013 SCL Tigers – Lausanne 2:4
2012 Ambrì-Piotta – Langenthal 4:1
2011 Ambrì-Piotta – Visp 4:1
2010 Biel – Lausanne 4:3
2009 Biel – Lausanne 4:3
2008 Basel – Biel 0:4
2007 SCL Tigers – Biel 4:1
2006 Fribourg-Gottéron – Biel 4:2
2005 Lausanne – Basel 2:3
2004 Lausanne – Biel 4:0
2002 Chur – Genève-Servette 0:4
2001 La Chaux-de-Fonds – Lausanne 2:4
2000 Rapperswil-Jona – Chur 4:1
1999 SCL Tigers – Chur 4:3

 

Auch der Blick wollte von einer Ligaqualifikation 1999/00 der Lakers nichts wissen.

Auch der Boulevard wollte von einer Ligaqualifikation 1999/00 der Lakers nichts mehr wissen…

 

Wo bleibt die Dieci-(S)p(e)zza?

Die Rapperswiler Spezza-Wurst…

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In Rapperswil gibts seit letzten Samstag alles von Lockout-Star Jason Spezza. Da gibts eine Hot Dog Spezzial Wurst für CHF 7.-, ein Spezza Mini-Trikot für CHF 20.- und einen Spezza-Schal für CHF 30.-, satte CHF 57.- kostet der ganze Spezza-Lockout-Spass.

Was es von Spezza noch nicht gibt sind: Spezza-Tore, Spezza-Assists und Spezza-Punkte. Und dies trotz 14 Lakers-Treffern in den letzten zwei Spielen. Da muss doch Spezza Mal getroffen haben? Nein.

Spezza erzielt in der NHL mehr als einen Skorerpunkt pro Spiel und in Rapperswil bleibt er nach drei Spielen immer noch punktelos. Es ist als müsste ein Süsswasser-Krokodil plötzlich im Salzwasser schwimmen, die Umstellung auf das grosse Eisfeld und die neuen Mitspieler ist auch für einen Mann wie Spezza gewiss nicht ganz einfach.

Ein kleiner Trost, auch Doug Gilmour traf beim ersten Lockout 1994/95 erst in seinem letzten Spiel für die Rapperswiler. Wann trifft Spezza und warum gibts in der Diners Club Arena eigentlich noch keine „Dieci“ (S)p(e)zza?

Tyler Seguin auf Chris Chelios‘ Bieler-Spuren…

Biel Captain Mathieu Tschantré kurz vor dem Interview. Foto: Hervé Chavaillaz

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vor einem Interview bietet sich manchmal die Gelegenheit über ganz andere Dinge als den aktuellen Bieler 4:3-Sieg gegen Lugano zu diskutieren. Die Unterhaltung mit Mathieu Tschantré beginnt bei Rick Nash’s Hattrick in Davos und endet mit dem Bieler-Lockout-Star vor 18 Jahren.

Während des ersten NHL-Lockouts 1994/95 war der aktuelle Biel-Captain Mathieu Tschantré gerade Mal 10 Jahre alt und spielte bei den Moskitos des EHC Biel. Auf meine Frage ob er sich denn an das Engagement von Chris Chelios erinnern könne, antwortet Tschantré mit grosser Begeisterung: „Ich war im Freihockey als der NHL-Star Chelios im Bieler Eisstadion eingetroffen war, für uns war dies das Grösste.“

In dieser Woche trifft mit Tyler Seguin erneut ein ganz grosser aus der NHL in Biel ein. Seguin ist Biels grösster Transfercoup seit der Chelios Kurzvisite (3 Spiele) vor 18 Jahren. Der damals 10-jährige Mathieu empfängt dieses Mal den NHL-Star als Bieler Team-Captain. Und womöglich wird auch da wieder ein Bieler Nachwuchsspieler den grossen Seguin bestaunen – und wer weiss in 18 Jahren…

Und übrigens… …vor 18 Jahren trafen die zwei grössten Attraktionen auf Schweizer Eis, Doug Gilmour und Chris Chelios mit Rapperswil und Biel nicht mehr aufeinander. Chelios verletzte sich im dritten Spiel gegen Davos und musste frühzeitig nach Kanada zurückkehren. Eine Woche später mussten die Bieler ohne Chelios gegen Gilmour-Rappi ran.

Am Samstag kommts nun doch noch zum NHL-Knüller zwischen Biel und Rapperswil mit den Attraktionen Tyler Seguin und Jason Spezza.