Schlagwort-Archiv Schweiz

Stolperstein Bratislava

Foto: Das berühmt-berüchtige Stadioncafe „Pivaren Budik“ (Michael Krein)

Der Schweizer Stolperstein in diesem Jahr hiess Kanada, 0.4 Sekunden fehlten dem Schweizer Nationalteam zum Einzug in den WM-Halbfinal. „Stolperstein“, ist unser WM-Wort 2019. Den ersten „Stolperer“ leistete sich unser Fahrer, mit einem kleinen Umweg, bereits auf der Anfahrt Richtung Flughafen Zürich. Den nächsten „Stolperer“ leistete sich das Personal beim ersten Mittagessen im „Infiniti-Rock-Cafe“ in der Altstadt von Bratislava, über eine Stunde liess die „Burger-Bestellung“ auf sich warten.

Beim Nachmittagsspiel stolperten dann die Italiener bei ihrer 1:7-Schlappe gegen Norwegen, ehe ein Teil unsere Reisecrew für die Tickets des Abendspiels vor den Toren des Stadions-Ondreja-Nepela strauchelte. Über 250 Euro wollte die russische Ticket-Mafia für einen Eintritt. Mein Glück, war die Abwesenheit eines Vorstandsmitglieds des EHC Meinisberg, dessen Name mir soeben entfallen ist. So war ich nicht „Torrianis-Erben“, sondern „Meinisbergs-Erben“ für die beiden Schweizer Partien gegen Schweden und Russland.

Drei Stolpersteine

Gestolpert sind auch die Schweizer – und zwar gleich dreimal in unserer Anwesenheit, allerdings sind Niederlagen gegen Schweden (3:4), Russland (0:3) und Tschechien (4:5) nicht wirkliche „Stolpersteine“, aufgrund des Schweizer Kaders allerdings waren die Erwartungen weit höher als dies noch vor 30 Jahren das Fall gewesen war. Damals hiessen die Stolpersteine an der B-Weltmeisterschaft in Oslo und Lillehammer Frankreich (2:5) und Italien (6:7), dies wären auch heute noch echte „Stolperer.“

„Die Italiener feierten schon vor dem Alpenknüller!“

Michael Krein

Italien erwies sich auch für unsere östlichen Nachbarn als echten Stolperstein. Die Azzurri, erstmals mit nur vier Italokanadiern (Italos) an einer A-WM dabei, spielten vor ausverkauften Rängen mit Herz und Leidenschaft gegen die müde und blass wirkenden Österreicher. Patrick Kirchler, der Stadionbeizer des HC Pustertal, hat mir dies schon vor dem „Endspiel“ im Alpenduell prophezeiht: „Uns genügt ein Tor gegen Österreich“, es waren schlussendlich fünf Treffer, mit dem goldenen Penalty des „Italos“ Sean McMonagle. Wobei die Italiener vor dem entscheidenden Spiel, bis in die frühen Morgenstunden in unserer Hotelbar gefeiert haben… (den Ligaerhalt?)

D’Szene isch ä chlini Bar irgendwo…

Apropos „ausverkauft“, erstmals in der Geschichte der Hockey-WM, musste sich der „Schweizer“ ernsthaft um Billette (nicht verwandt mit unserem Kommentator) bemühen. Dabei ist man nicht um die „sowjetische“ Ticketmafia herum gekommen. Dreh- und Angelpunkt der Szene war das Stadioncafé „Pivaren Budik“, dort konnte man für jedes Spiel ein Ticket kaufen, aber nicht zu jedem Preis. In unserer Crew hatten wir einen aus Tschechien stammenden Sbornaja-Liebhaber, welcher sich jeweils vor den „heissen“ Spielen als unser „Winkelried“ ins Stadioncafé stürzte. In der Zwischenzeit nippten wir am hässlichen Krusovice-Bier, welches im- und rund ums Stadion exklusiv ausgeschenkt wurde.

Es gab sogar einen Einlass, welcher ohne Ticket erfolgte. Die auserwählten Schweizer wurden durch einen Seiteneingang ins Stadion gelassen, dann auf der Treppe, auf dem Weg zu den Sitzplätzen, gebeten ihren „Eintritt“ zu bezahlen und auf halbem Gang ins Glück sich selbst überlassen, in der Hoffnung, beim öffnen der Türe im obersten Sektor, von niemandem entdeckt zu werden. Gestolpert sei dabei niemand, versicherte mir der Protagonist, bei seiner etwas kuriosen aber durchaus glaubhaften Geschichte. Ach ja, fast hätte ichs vergessen, „Stolperstein Frankreich“, titelte im April 1989 das SLAPSHOT-Magazin Nr. 8, an diesen Titel erinnerten sich zwei Mitglieder unserer Reisegruppe bei der Anfahrt zum Zürcher Flughafen und an der Burgdorfer Dammstrasse liegt sogar noch heute ein echter „Stolperstein“ in den Farben der Franzosen…

Fis(c)herman’s Friend

RSI

Auch mit Patrick Fischer als Headcoach gewinnt die Schweiz gegen Dänemark. (Foto: RSI)

Im Weltmeisterschaftsspiel vom 10. Mai 2016, liegt Dänemark gegen die Schweiz bis zur 50. Minute mit 2:0 in Führung und den Nordländern fehlen nur noch zehn Minuten um Geschichte zu schreiben. Einer der dänischen Hauptdarsteller ist der in Biel gross gewordene Eishockey-Schweizer Nikolaj Ehlers. In der 19. Minute besorgt der 72-fache NHL-Spieler mit einem platzierten Hocheckschuss das 2:0 gegen seinen ehemaligen Biel-Kollegen Reto Berra. Erweisen sich nach Norwegen (3:4 nV) auch die rauen Nordländer aus Dänemark als «zu stark» für die Fis(c)herman’s aus der Schweiz? Der Werbeslogan des englischen Pastillen-Herstellers Fisherman’s Friend passt perfekt.

In zehn WM-Partien gegen Dänemark siegten immer die Schweizer. Dies musste auch Nikolajs Vater und Ex-Lausanne Coach Heinz Ehlers als Spieler an der B-WM 1989 (3:6) und 1995 (1:2) mit zwei Niederlagen anerkennen. Ehlers-Senior steuerte in den beiden Partien gegen die Schweiz 1 Assistpunkt bei. Im Gegensatz zu seinem Vater, scheint Nikolaj gleich in seinem ersten WM-Kracher gegen die Schweiz auf besten Weg einen Sieg zu realisieren.

Fischer schreibt mit dem ersten Sieg eines Schweizer Coaches seit 1962 in der obersten Klasse ein neues Kapitel.

Auf der anderen Seite steht mit Patrick Fischer erstmals seit Simon Schenk und 1987 wieder ein Schweizer Headcoach an der Bande der A-WM. Der letzte Sieg in der obersten Spielklasse unter einem Schweizer Trainer liegt aber schon 54 Jahre zurück, am 8. März 1962 gabs unter Nationaltrainer Beat Rüedi beim 6:3 über Grossbritannien den letzten Sieg. Zehn Minuten trennen Fischer oder Dänemark vor einem neuen Kapitel.

Fischers neues Kapitel

Sind sie zu stark, bist Du zu schwach? Nach 50 Minuten schwerem Seegang scheinen die starken nordländischen Pastillen dem «Schweizer Fischer» doch noch zu munden. Durch einen Kraftakt besorgen die beiden NHL-Söldner Yannick Weber und Nino Niederreiter bis zur 59. Minute den Ausgleich. «Die Fischer begannen bald, die Pastillen als ihre Freunde zu bezeichnen», hiess es im Hause Fisherman’s Friend kurz nach der Einführung der Kau-Pastillen 1865. 64:08 besiegelt der Overtime-Treffer von Eric Blum die elfte dänische Niederlage im elften WM-Spiel gegen die Eisgenossen.

Damit schreibt Fischer mit dem ersten Sieg eines Schweizer Coaches seit 1962 in der obersten internationalen Klasse ein neues Kapitel Schweizer Eishockey-Geschichte. Und Dänemark? So nahe dran sind die Dänen seit 1969 noch nie, dennoch erweisen sich die Mannen um Ehlers und Co. lediglich als Fis(c)herman’s Friend.

Die Schweizer WM-Bilanz gegen Dänemark

2016, A-WM in Moskau, 3:2 nV
2013, A-WM in Stockholm, 4:1
2008, A-WM in Quebec, 7:2
2007, A-WM in Moskau, 4:1
2003, A-WM in Tampere, 6:2
1997, B-WM in Katowice, 6:4
1996, B-WM in Eindhoven, 10:1
1994, B-WM in Kopenhagen, 2:1
1989, B-WM in Oslo, 6:3
1979, B-WM in Galati, 3:1
1969, C-WM in Skopje, 9:0

Durchgerafflte Hanlon-Äpfel

epa04744520-austrias-michael-raffl-l-and-his-brother-thomas-raffl-EP9FKN

Die beiden Villacher Brüder Thomas und Michael Raffl, in den Fussstapfen ihres Vaters Peter. (Foto: alamy.com)

Unter Raffeln versteht man die Zerkleinerung von Obst oder Gemüse mittels einer Raffel. Typische Anwendungen sind Karotten- und Selleriesalat oder Äpfel. Im Weltmeisterschafts-Spiel zwischen der Schweiz und Österreich ist es die Schweiz, die «gerafflt» wird. Die letzte Schweizer WM-Niederlage gegen Österreich datiert vom 2. Mai 1995, als man im schwedischen Gävle unter Mats Waltin im Abstiegsspiel der WM A-Gruppe gegen den kleinen Nachbar sang- und klanglos mit 0:4 unterging. Auf den Tag genau 20 Jahre später (hat noch kein Medium bemerkt), werden die «Hanlon-Äpfel» von den Österreichern mit 4:3 für die Zubereitung eines Schweizer Birchermüeslis «durchgerafflt».

Thomas und Michael Raffl

Dabei treffen die beiden Brüder Thomas und Michael Raffl gleich im Doppelpack zum Ausgleich: Thomas in der 23. Minute zum 1:1 und Michael auf Zuspiel von Thomas, 50 Sekunden vor Schluss zum wichtigen 3:3 für den A-WM-Neuling. Im Penaltyschiessen trifft zwar kein Raffl mehr, Mark Streits Flyers-Teamkollege Michael scheitert an Reto Berra, dennoch stehen die Raffl’s am Ursprung der ersten Schweizer Niederlage gegen die Ösis seit 20 Jahren. Oder anders gesagt, wird «gerafflt», gibt’s keinen Schweizer Sieg.

Wird gerafflt, gibt’s keinen Schweizer Sieg und bei einer Niederlage gegen Österreich folgt der Abstieg

Dies war schon 1983 so. Am 22. März, beim B-WM Auftakt in der japanischen Hauptstadt Tokio lag die Schweiz gegen Österreich mit 5:2 und 7:5 in Front. Weil es aber damals schon «rafflte», reichte es auch 1983 nicht zu einem Schweizer-Sieg. Peter Raffl schoss beim 8:8-Schlussresultat in der 36. Minute den wichtigen 5:5-Ausgleichstreffer. Der Vater der beiden Raffl-Brüder Thomas und Michael beendete seine internationale Karriere nach der B-WM 1991. Seither siegten die Österreicher nur noch ein Mal gegen die Schweiz und verbannte sie 1995 bis zum Aufstieg am grünen Tisch (für die Heim-WM 1998) in die WM B-Gruppe.

Der Abstieg kam nur einmal nicht

Verlor die Schweiz gegen Österreich folgte jeweils der Abstieg. Nicht nur 1995, sondern auch schon 1967 und 1973. An der B-WM 1967 in Wien verlor die Schweiz gegen die Ösis mit 6:7 und stieg in die C-Gruppe ab. An der B-WM 1973 in Graz, ging die Schweiz gegen Österreich mit 4:8 unter und es folgte erneut der Gang in die C-Gruppe. Nur an der B-WM 1966 in Zagreb, schaffte die Schweiz den bisher einzigen Ligaerhalt trotz einer Niederlage gegen Österreich (6:7). Der einzige Trost für die Schweizer: Die Konstellation Raffl und Abstieg gab es bisher noch nie.

Premieren in Grenoble

Foto: Das Stade-de-Glace (heute) bot 1968 eine Premiere, Timo Helbling 2015. (Michael Krein/Mario Gehrer) 

Die Schweiz gewinnt am 24. April 2015 in Genoble das WM-Vorbereitungsspiel gegen Frankreich mit 3:2. Für die Schweiz war es der 34. Sieg im 47. Länderspiel gegen die Franzosen, nach 1984 (7:2) und 2010 (2:1) standen sich die beiden Mannschaften erst zum dritten Mal in Grenoble gegenüber. 1984 aber noch im Olympiastadion «Stade-de-Glace», welches im Oktober 1967 für die Olympischen Winterspiele 1968 fertiggestellt wurde.

Noch heute, 47 Jahre später, ist das Stadion eine imposante Erscheinung. Architektonisch wirkt die Hülle des Prunkstücks wie eine Mischung zwischen der Oper von Sydney und dem Eisstadion Davos (Baujahr 1979). Möglicherweise diente das architektonische Meisterwerk von Robert Demartini und Pierre Junillon als Davoser Vorlage. Das Dach besteht aus zwei sich kreuzenden zylindrischen Gewölben. Die Halle mit 12’000 Sitzplätzen befindet sich im Parc Paul Mistral, dem zentral gelegenen Stadtpark von Grenoble und dient heute für Konzerte, Messeveranstaltungen und verschiedene sportliche Anlässe, wie etwa das Sechstagerennen. Die Olympischen Spiele von Grenoble sorgten 1968 für einige Premieren. Die Franzosen präsentierten mit «Schuss», das erste Olympia-Maskottchen, hatten mit 37 Ländern einen neuen Teilnehmerrekord und montierten im Stade-de-glace erstmals durchsichtige Plexiglas-Banden, wie sie erst beim Winter-Classic-Game zwischen Genf-Servette und Lausanne am 11. Januar 2014 im Stade-de-Genève wieder aufgetaucht sind.

Die Olympischen Spiele von Grenoble sorgten 1968 für einige Premieren

Michael Krein

Beim Rundgang um den «Palais des Sports», wie die multifunktionale Halle heute heisst, versucht sich das Unterbewusstsein an die alten Zeiten zurück zu erinnern. Es scheint als sei man plötzlich mittendrin, am 15. Februar 1968, eine Stunde vor Spielbeginn (21 Uhr) zwischen der Tschechoslowakei und der Sowjetunion, dem Höhepunkt des Turniers. Das Publikum strömt aus allen Seitenstrassen in den Parc Paul Mistral, Richtung Eingänge O (Oest) und E (Est). Fantrikots sind da noch fehl am Platz, die Leute sind elegant in grau, beige oder schwarz gekleidet und betreten das Eisstadion gesittet wie beim Gang in die Oper. Vor dem Eingangsportal E, am Boulevard Clemenceau ist eine Bushaltestelle, ein blau-weisser Bus bringt die Zuschauer direkt vors Stadion. Die Stimme des Speakers durchdringt die Stadionwände und verstärkt den Drang, endlich ins Stadion zu gelangen und die beiden Weltklassemannschaften aus dem Osten beim Einspielen zu bestaunen.

Der Höhepunkt des Olympiaturniers

Durch Tore von Frantisek Ševčík, Petr Hejma und Jan Havel führt die CSSR nach dem ersten Drittel mit 3:1. Durch zwei weitere Treffer von Jozef Golonka und Jaroslav Jiřík gewinnt die Mannschaft von Coach Jaroslav Pitner mit 5:4 und die Sensation ist perfekt. Was für ein Spiel, für einen kleinen Moment scheint man gedanklich tatsächlich dabei gewesen zu sein. Vor der letzten Runde führen die Tschechoslowaken die Tabelle an, verpassen aber mit einem 2:2 gegen Schweden, Golonka hatte den 3:2-Siegtreffer auf dem Stock, den Gewinn der Goldmedaille. Der Olympiasieg geht am 17. Februar 1968 durch das abschliessende 5:0 der Sbornaja gegen Kanada an die Sowjetunion.

Helblings Premiere

Vier Kilometer südlich hat sich das Stadion Pole du Sud geleert, Schweizer und Franzosen geben ihre Interviews. Hauptprotagonist ist Verteidiger Timo Helbling, er hat in seinem 77. Länderspiel zum ersten- und zweiten Mal getroffen und avanciert zum Matchwinner. Grenoble hat eben auch 47 Jahre später noch seine Premieren, gestern waren es Plexiglasbanden und Maskottchen, heute ist es Helbling. Was der Solothurner zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste, er hat an diesem Abend das WM-Ticket für Prag tatsächlich gelöst.

Höchster Auftaktsieg seit 2004

 

 

 

 

 

 

 

 

Der 5:1-Auftaktsieg gegen Kasachstan ist der höchste Start-Sieg seit acht Jahren. Damals fertigte man Frankreich in Prag mit 6:0 ab.

Das 5:1 gegen Kasachstan ist zugleich der zweithöchste Start-Erfolg der Schweizer WM-Neuzeit an A-Weltmeisterschaften (seit 1987). Wie 2012 gegen Kasachstan (2 Tore), steuerte Ivo Rüthemann auch beim 6:0 gegen Frankreich 2 Treffer bei. Die aktuellen Nati-Cracks Mark Streit (Matchwinner gegen die Kasachen), Mathias Seger, Goran Bezina und Andres Ambühl waren schon vor acht Jahren dabei.

Ausgeglichene Bilanz

Mit dem Sieg gegen Aufsteiger Kasachstan kommen die Schweizer auf eine ausgeglichene Bilanz in Start-Spielen, in 20 Partien stehen  9 Siege, 2 Unentschieden, 9 Niederlagen gegenüber. Dabei gelangen den Schweizern zuletzt 7 Siege in Folge.

Die Übersicht der Schweizer WM-Auftakt-Spiele:
2012 Kasachstan 5:1
2011 Frankreich 2:1 OT
2010 Lettland 3:1
2009 Frankreich 1:0
2008 Frankreich 4:1
2007 Lettland 2:1
2006 Italien 3:1
2005 Tschechien 1:3
2004 Frankreich 6:0
2003 Russland 2:5
2002 Tschechien 0:5
2001 Deutschland 1:3
2000 USA 3:3
1999 Lettland 5:3
1998 USA 2:5
1995 Kanada 3:5
1993 Kanada 0:2
1992 Russland 2:2
1991 Sowjetunion 1:3
1987 Sowjetunion 5:13

B WM
1997 Niederlande 8:3
1996 Weissrussland 2:4
1994 China 20:1
1990 DDR 2:2
1989 Dänemark 6:3
1986 Italien 4:1
1985 Ungarn 9:1

 

Die Mutter aller Niederlagen…

Das WM-Abenteuer „Deutschland 2010“ dauert gerade Mal einen Tag, ein Tag in Mannheim oder die „Mutter aller Niederlagen gegen Deutschland.“ Der Roadtrip beginnt vielversprechend und voller Euphorie, doch die Niederlage beginnt bereits bei unserer Abfahrt, ja sie beginnt bereits bei unserem Entscheid nach Deutschland zu fahren. Logisch, dass unsere Naivität später bestraft werden sollte.

Nach dreieinhalb Stunden ist die SAP-Arena in Sichtweite. Via Schwetzingen und Karlsruhe fahren wir praktisch vors Stadion. Im Auto „schwetzen“ wir (Rolf Pfeiffer und ich) davon, wie schön ein Schweizer Sieg heute Abend sein wird. Haben wir tatsächlich gemeint: „So wir fahren nach Deutschland und sind dabei wenn die Schweiz ins Halbfinale einzieht! Sowas darf man nicht verpassen!“ Eigentlich logisch, dass es immer anders kommt, gerade bei Spielen gegen die „verhassten“ Deutschen.

Fakt ist: Von zehn Freundschaftsspielen gegen Deutschland gewinnen wir neun. Von zehn WM-Spielen gewinnen wir vier! Von diesen vier Siegen gewinnen wir nur ein Spiel wo’s um wirklich etwas geht. Bei wichtigen Spielen gewinnen also immer die Deutschen, bis auf eine einzige Ausnahme: 1992, da gewinnen wir nur, weil wir als krasse Aussenseiter antreten können.

In Mannheim sind wir gegen die „Schwaben“ der Favorit. Im „Horst“ des Bundesadlers verlieren wir gegen eine zweitklassige Deutsche Mannschaft (auch bei Deutschland fehlen einige Leistungsträger) mit 0:1. Es ist die Höchststrafe für jeden Schweizer Hockeyfan der in Mannheim im Stadion sitzen muss. Die Sprechchöre „Scheiss Verlieeee-rer!“ oder „ihr könnt Nachhause fahr’n!“ lassen Wut, Hass und Aggressivität selbst beim „normalen“ Schweizer Hockeygeniesser aufkommen, wir müssen uns wirklich beherrschen beim Abgang aus der SAP-Arena. Wie geschlagene Hunde ertränken wir uns anschliessend beim Bier.

Es bleibt die Erkenntnis: Wir Schweizer haben’s einfach nicht drauf. Wir sind ein Verlierland, die Angst zu verlieren ist trotz 13 Krueger-Jahren immer noch grösser als der Wille zu Siegen. Im wichtigsten Spiel seit 1998 verlieren wir gegen den bisher schwächsten Gegner in einem Viertelfinal. Genau genommen haben wir gegen eine B-Nation verloren, denn die Deutsche Nati ist an der letzen WM in Bern abgestiegen.

Vor dem Spiel, verkaufe ich einem Deutschen Fan (siehe Foto) mein Deutschland-Trikot! Krein und ein Deutschland-Trikot? Dies habe ich einmal gegen ein Russland-Trikot bei meinem Kollegen und Blog-Gestalter Simon Strecker getauscht, einfach so zum Spass. Nach dem Trikot-Verkauf kurz vor Spielbeginn habe ich mich gut und siegessicher gefühlt… tja!