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Schlagwort-Archiv SCL Tigers

Herisauer Meisterhelden wieder vereint

Drei Herisauer auf einen Streich: Beat Forster (links), Jonas Hiller und Thomas Nüssli (SCL Tigers) beim Bieler Heimauftakt 2017-18. (Foto: Hervé Chavaillaz)

Es gilt bis heute als kuriosestes Eigentor der Schweizer Hockey-Geschichte. Im Weltmeisterschafts-Viertelfinal in Quebec, am 14. Mai 2008, bezwingt Philippe Furrer mit einem Slapshot seinen eigenen Torhüter Martin Gerber und bringt Russland noch im ersten Drittel mit 3:0 in Führung.

Was hat der 14. Mai 2008 mit dem EHC Biel zu tun? An diesem Tag bestreiten die beiden Herisauer Beat Forster und Jonas Hiller (er wird in der 27. Minute, beim Stand von 0:5, für Gerber eingewechselt) ihr letztes gemeinsames Pflichtspiel. Vorher absolvieren die beiden vier gemeinsame Profi-Saisons mit dem HC Davos und die WM 2007 in Russland.

Gemeinsam Meister mit Herisau

Forster und Hiller stammen beide aus der Nachwuchsabteilung des SC Herisau und spielen schon 1990 zusammen bei den Piccolos, später gehören sie zu den Teamstützen bei Herisaus Elite-Novizen. welche unter Trainer Marcel Bruderer sensationell den Schweizermeistertitel ins Appenzell holen. Neben Forster und Hiller gehören auch die Ex-Bieler und aktuellen Langnauer Thomas Nüssli und Emanuel Peter zu Herisaus Meisterkader 1997-98.

Hiller und Forsters erstes gemeinsames Pflichtspiel seit neun Jahren

Im Sommer 1999 wechselt Forster nach Davos, Hiller folgt dem Weg ins Bündnerland erst ein Jahr später. 2001 wird Forster von den Phoenix Coyotes als Nummer 78 gedrafted und Hiller wird übergangen. Auch Peter (Nr. 142) und Nüssli (Nr. 277) werden 2002 im Draft gezogen. Eine NHL-Karriere macht aber nur der im Draft übergangene Hiller, der sich in 404 NHL-Spielen in neun Saisons zum Dollarmillionär entwickelt.

Schon im ersten NLA-Spiel siegreich

Ihre erste gemeinsame NLA-Partie bestreitet das Appenzeller-Duo am 17. September 2004 mit dem HC Davos gegen den HC Lugano, vor 6’333 Zuschauern bezwingen sie die Tessiner mit 3:2 und Forster erzielt in der 58. Minute das «Game-Winning-Goal.» Durch den NHL-Lockout stehen auch die NHL-Stars Rick Nash und Joe Thornton erstmals auf Davoser Eis. Siegreich sind Forster und Hiller auch bei ihrem ersten gemeinsamen Auftritt seit neun Jahren, beim 3:0-Auswärtssieg am 8. September 2017 in Kloten. Forster spricht in Biel sogar vom Meistertitel, auch für Herisaus Novizen schien dies einst unmöglich…

Von Gentlemen und Weltenbummlern


Gisela Schlapbach serviert einen Kaffee am Tisch der aussergewöhnlichen Gentlemen. (Foto: eishockeyblog)

Gisela Schlapbach serviert einen Kaffee am Tisch der aussergewöhnlichen Gentlemen, mit Markus Jutzi und Stefan Sommer (rechts). (Foto: eishockeyblog)

Zum 101. mal trifft Langnau in einem NLA-Spiel auf den EHC Biel. Im Presseraum herrscht wie üblich eine gute Ambiance und die Verpflegung durch Gisela Schlapbach ist wie immer herzlich und charmant. Die Presseverantwortlichen Rolf Schlapbach (SCL Tigers) und Silvan Andrey (EHC Biel) informieren 19 Uhr 17 über die Aufstellungen ihrer Mannschaften, auf Andreys Info: «Marc-Antoine Pouliot ist überzählig», meldet sich der weltbekannte Eishockey-Chronist zu Wort: «Was heter vergässe?» und sorgt unter dem «who-is-who» am Tisch der journalistischen Berner-Hockey-Fraktion für einen Lacher.

Von Läderach bis Tuma

Am «Tisch der aussergewöhnlichen Gentlemen» fällt der Name Heinz Läderach, «ou was macht dä?», «Dasch dr schneuscht Schlittschuehläufer xi vor NLB», «är het dr Siegträffer gäge SCB gschosse» oder «är het gspiut wie dr Peter Sullivan.» Die Lorbeeren für den ehemaligen Stürmer vom SC Langenthal könnten nicht grösser sein. In diesem Augenblick betritt ein älterer Herr den Presseraum, der Publizist: «und da chunt si Trainer», Jaroslav Tuma ist verblüfft und begrüsst die fachkundige Runde. Auch Tuma verliert über Läderach nur gute Worte. Der gebürtige Tschechoslowake verlässt 1968 im Alter von 21-Jahren seine Heimat Richtung Holland, via Tilburg, Rosenheim, Mannheim, Iserlohn, Schwenningen und Ingolstadt heuert er 1983 bei Langenthal an. Noch heute ist der 69-Jährige als Spieler-Agent tätig und betreut weltweit rund 80 Spieler.

zwei Weltenbummler im besten Alter

Ebenfalls in den 80er Jahren kommt der aktuelle Biel-Trainer Mike McNamara in die Schweiz. 1981 verpflichtet der NLB-Club HC Villars McNamara als neuen Headcoach. Im Frühjahr 1982 steigt der Traditionsclub mit McNamara in die 1. Liga ab. Kein erfolgreicher Start für den Kanadier, dennoch setzt der damals 32-Jährige seine Karriere in der Schweiz fort. Lugano, Dübendorf, Fribourg-Gottéron, Zug, Visp, Ajoie, Lugano, Chur, Lugano, Lausanne und Biel heissen seine Stationen als Head- und Assistenzcoach bis 2016.

Zum dritten Mal interims-Trainer

Auf seiner Trainer-Odyssee heuert der heute 67-Jährige dreimal beim HC Lugano an, 1983, 2006 und 2009. Als Assistent und Ersatzausländer von «Magier» John Slettvoll ist er bei den Meistertiteln 1986 und 1987 dabei, später kehrt er zweimal als Headcoach der Elite-Junioren zurück ins Tessin. Auch mit der Rolle als interims-Trainer ist der ehemalige WHA-Spieler der Quebec Nordiques bestens vertraut. Bereits zum dritten Mal übernimmt er während der Saison einen Trainerposten in der National-League (NL), 2007-08 beim EHC Chur kommt er für Andreas Fischer, 2010-11 übernimmt er in Lugano für Philippe Bozon und am 14. November 2016 in Biel für «Hockeygott» Kevin Schläpfer.

Die Uhr im Presseraum zeigt 19 Uhr 35, es ist höchste Zeit seinen Platz auf der Pressetribüne aufzusuchen. Zugegeben, ohne bevorstehende Eishockey-Partie der 27. Runde, hätte man den Abend – gefüllt mit Anekdoten aus längst vergangenen Zeiten – im gemütlichen Langnauer Presseraum unter der Bewirtung von Frau Schlapbach ausklingen lassen können. Die zwei älteren Herren und Hockey-Koryphäen sind längst auf ihren Plätzen. Tuma auf der Pressetribüne als Beobachter, McNamara hinter der Bande als Trainer, zwei Weltenbummler im besten Alter. Und ja, McNamara und die Bieler gewinnen in einem packenden Spiel mit 5:3 und SI-Mann Stefan Sommer*, er wettet jeweils unter den Gentlemen gegen seine Mannschaft, kassiert 120 Franken Schmerzensgeld.

*gehört seit Jahren zum Tisch der aussergewöhnlichen Gentlemen und berichtet für die Sportinformation.

Unerklärliches aus dem Tal der heulenden Winde

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«AUES GÄH FÜR ROT U GÄUB», Langnaus Heim-Saisonauftakt gegen die ZSC Lions ging in den letzten 100 Sekunden verloren. (Foto: Krein)

Die Krise der SCL Tigers sollte nicht unterschätzt werden. In Langnau beruhigte einst der «Geri vom Bärou», im Zeitnehmerhäuschen in der Ilfishalle die Langnauer-Hockeyfamilie in Krisenzeiten mit dem Spruch: «Ke Angst. So lang i Zytnähmer bi, stige mir nid ab.» Er legte sein Amt völlig überraschend im Sommer 2011 nieder. Im Frühjahr 2013 stiegen die Langnauer noch überraschender zum dritten Mal in die NLB ab.

Wie gross ist Geris Einfluss?

Geri vom Bärou hat, ohne es zu ahnen, auch vor diesem Saisonstart eine Erklärung geliefert: «Müesst de luege ir Vorbereitig heimer aues gwunnä, u ir Meisterschaft verlüre mir de grad diä erste zwe Mätch.» Und es kam noch schlimmer als Geri es erahnte, die Tigers haben die ersten sechs Spiele verloren, drei davon im letzten Drittel und eines nach Verlängerung. Geri hat heute immer noch viel mit Eishockey und den Tigers am Hut. Aber in die Ilfishalle geht er nicht mehr, er ist dafür mehr Zuhause «ums Huus». Könnte Geris Einfluss auf die Langnauer so gross sein wie einst der Einfluss von Godi vom Katzengrat?

So lang i Zytnähmer bi, stigt Langnou nid ab

Alles Chabis? Vielleicht, die seltsame Verbindung zwischen unerklärlichen Begebenheiten im Tal der heulenden Winde und Glück und Pech im Eishockey gibt es. Klaus Zaugg beispielsweise erinnert sich noch gut an Godi vom Katzengrat. Die Langnauer mochten in den 70er und 80er Jahren noch so sehr in Abstiegsgefahr stecken, doch Godi beruhigte in den Wirtshäusern: «So lang i läbe stigt Langnou nid ab.» Und tatsächlich: Die Langnauer retteten sich immer und immer wieder. 1982 sogar auf Kosten des SC Bern.

Wie einst unter Godi vom Katzengrat

Im Herbst 1984 verstarb Godi vom Katzengrat überraschend – und im folgenden Frühjahr stieg der SC Langnau 1985 völlig unerwartet und entgegen jeder Eishockey-Logik zum ersten Mal aus der NLA ab, sechs Jahre später folgte sogar der Gang in die 1. Liga. Ähnliches kann man über Geri vom Bärou berichten, sass er jeweils Zeitnehmerhäuschen neben Kult-Speakerin Christine «Chrige» Nyffeler, konnten sich die Langnauer seit Geris Amtsantritt und dem Wiederaufstieg 1998 über Jahre durch die Playout-Serien und Liga-Qualifikationen retten und Geri beruhigte im Kabäuschen, «So lang i Zytnähmer bi, stigt Langnou nid ab.» Und tatsächlich: Die Langnauer retteten sich, in Geris Gegenwart immer und immer wieder, wie einst unter Godi vom Katzengrat. In der Zeit nach Godi folgten 14 schwere Jahre bis zum Wiederaufstieg der Emmentaler – und in der Zeit nach Geri stehen die Tigers erst im sechsten Jahr…

 

Die Redaktion: Der Blog ist eine Adaption von Klaus Zauggs Geschichte über Godi vom Katzengrat.

Gerbers Zeitreise in die Ilfishalle

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Martin Gerber beim SRF-Interview nach seinem ersten Sieg im zweiten Auswärtsspiel in Langnau. (Foto: SRF)

Am 24. Oktober 2015 gastiert Martin Gerber mit den Kloten Flyers im Alter von 41 Jahren erstmals als Gegner in Langnau. Sämtliche Medien vermelden den ersten Auftritt Gerbers als Langnau-Gegner. Wer aber tief in den Eishockey-Geschichtsbücher stöbert muss sich eines besseren belehren lassen, denn es ist Gerbers zweiter Auftritt als Ilfis-Gegner.

Vor 22 Jahren in der 1. Liga

In der Saison 1993 steigt der SC Langnau zum zweiten Mal in die 1. Liga ab, gleichzeitig sucht der damals frisch fusionierte SC Thun (Zusammenschluss des SC Thunerstern und der Nachwuchsabteilung des EHC Thun-Steffisburg) einen Ersatztorhüter für das neu formierte 1. Liga-Team. Im Vorjahr spielt der SC Thunerstern ein Kantonalcup-Spiel gegen den Zweitligisten SC Signau, «der Torhüter der Emmentaler zeigte eine sackstarke Partie», sagt der ehemalige Thun-Spieler und aktuelle Thun-Vizepräsident Alex Reymondin über Martin Gerbers Auftritt mit den Signauern.

In Langnau habe ich gespielt, beim Rückspiel stand Schwendimann im Tor (Martin Gerber)

So bietet man dem 18-jährigen Signauer in Thun eine KV-Praktikumsstelle und einen Backup-Goalie-Posten hinter Stammtorhüter Markus Schwendimann und lotzt den in Langnau als ungenügend empfundene Gerber ins Berner Oberland. Bereits in der vierten Runde der Saison 1993/94 gastieren die Thuner beim haushohen Favoriten und NLB-Absteiger Langnau in der Ilfishalle. Thun Coach Christoph Schenk setzt auf den jungen Martin Gerber (19) im Familienduell gegen Vater Simon Schenk und die Langnauer.

Das NHL-Duell von Morgen in der 1. Liga

Vor 3’394 Zuschauer (1. Liga!) können die Aussenseiter mit Gerber zwei Drittel lang mithalten, erst drei Tore im Schlussdrittel besiegeln die Niederlage der Berner Oberländer. Beim fünften Gegentreffer in der 51. Minute muss sich Gerber sogar von einem 17-jährigen Nachwuchstalent geschlagen geben. Der 17-jährige Reto von Arx und Thun-Keeper Gerber schreiben rund ein Jahrzehnt später Schweizer Eishockey-Geschichte in der National-Hockey-League (NHL).

Bei seinem ersten Besuch als Langnau-Gegner muss sich Gerber gegen die übermächtigen Emmentaler noch geschlagen geben. 22 Jahre und über 900 Spiele später gastiert Gerber wieder in der Ilfishalle und holt als 41-Jähriger doch noch seinen ersten Auswärts-Sieg (5:4) gegen seinen Stammclub.

Als ob es gestern gewesen wäre

Besonders Beeindruckend ist die Begegnung nach dem Spiel, vor dem Interview frage ich den 241-fachen NHL-Spieler ob er sich noch an seinen Gastauftritt mit dem EHC Thun-Steffisburg in Langnau erinnern könne? «Ja klar aber es war mit dem SC Thun, der Club hat damals fusioniert» antwortet Gerber. «In Langnau habe ich gespielt, beim Rückspiel stand Schwendimann im Tor», so Gerber weiter. Der Schwedische Meister von 2002, Stanley-Cup-Sieger von 2006 und WM-Silbermedaillen Gewinner von 2013, erinnert sich auf eindrückliche Art und Weise an sein 1. Liga-Debüt als ob es gestern gewesen wäre. Langnau-Torschütze Yannick Lennart-Albrecht (21) war zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht auf der Welt.

 

Martin Gerbers Gastspiele in Langnau

19. Oktober 1993, 1. Liga: SC Langnau – SC Thun 6:1 (1:1, 2:0, 3:0)
3’394 Zuschuer. – Gerbers Gegentore: 3. Moser. 25. Markus Hirschi. 35. Michael Rentsch. 46. Lüthi. 51. Reto von Arx. 51. Walter Gerber.

23. Oktober 2015, NLA: SCL Tigers – Kloten Flyers 4:5 (0:3, 2:1, 2:1)
5’842 Zuschauer. – Gerbers Gegentore: 21. Nüssli. 30. DiDomenico. 49. Albrecht. 55. DiDomenico.

 

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Martin Gerber (vorderste Reihe, dritter von rechts) 1992/93 beim Zweitligisten SC Signau. (Foto: Krein-Archiv)

 

Quellen: Rolf Schlapbach (SCL Tigers), Alex Reymondin (EHC Thun)

Die Lakers haben es endlich geschafft

Vor zwei Jahren noch Weltmeister, jetzt kämpf er mit den Lakers um den Ligaerhalt. (Foto: 20min)

Für Weltmeister Niklas Person gibts bei den Lakers nichts mehr zu gewinnen, nur schlimmeres zu verhindern. (Foto: 20min)

Nur drei aktuelle NLA Teams sind noch nie aus der obersten Spielklasse abgestiegen, die Kloten Flyers, der HC Fribourg-Gottéron und die SC Rapperswil-Jona Lakers. Die drei Überlebenskünstler gelten in finanzieller- und sportlicher Hinsicht bis heute als unabsteigbar.

Nun haben es die Lakers endlich geschafft und stehen zumindest in der Ligaqualifikation gegen den Meister der NLB. Nach verlorener Schlacht am Samstag gegen Ambrì-Piotta sagte Trainer Anders Eldebrink «Wenn ich in den Final komme will niemand mir reden, wenn ich verliere wollen alle mit mir reden.» Der Schwede hat nicht unrecht, aber Rapperswils Gang in die Ligaquali schien für die St. Galler bisher noch unwahrscheinlicher als ein Vorstoss in den Playoff-Final.

Nun haben es die Lakers endlich geschafft und stehen in der Ligaqualifikation

Seit dem NLA-Aufstieg 1994 konnten sich die Rapperswiler neun Mal vorzeitig in den Playouts retten, ausgerechnet im 70. Jubiläumsjahr verpassen die St. Galler das 10-jährige Playout-Jubiläum. Entgegen der Meldung auf der Club-Homepage und Artikel inkompetenter Schweizer Medien stehen die Lakers nicht zum ersten-, sondern zum zweiten Mal in der Klubgeschichte in der Ligaqualifikation. Die Saison 1999/00 muss sämtlichen Medien- und Club-Verantwortlichen entgangen sein. Denn da spielte der damalige SC Rapperswil-Jona in der Ligaqualifikation gegen den NLB-Meister EHC Chur und konnte sich in der «best-of-seven» Serie in fünf Spielen (5:4, 5:1, 4:5 nP, 5:2, 3:1) durchsetzen.

Allerdings gibt es dazu ein «Aber». Die oberste Spielklasse wurde nach dieser Saison von 10 auf 12 Mannschaften ausgestockt und die beiden NLB-Finalisten EHC Chur und der HC La Chaux-de-Fonds wurden in die NLA promoviert. So gesehen hätten die Rapperswiler wohl (Wobei 1986 der Zürcher SC als A-Letzter gegenüber dem B-Zweiten SC Bern durch den freiwilligen Rückzug Arosas auch nicht oben bleiben durfte) auch nach einer verlorenen Ligaquali nicht absteigen können. Enger war es nur einmal, in Rapperswils erster NLA-Saison 1994/95 musste der Playout-Final-Verlierer direkt in die NLB absteigen. Die Rosenstädter konnten sich in sechs Spielen (0:7, 5:4 nP, 5:4 nP, 2:4, 7:4, 7:3) gegen den EHC Biel durchsetzen.

Alles spricht dagegen

2015 spricht eigentlich alles gegen Rapperswil-Jona. Das Jubiläumsjahr (Rapperswil feiert das 70-jährige Jubiläum, Basel stieg 2008 zum 85-Jährigen in die NLB ab, Biel rettete sich im 75-Jährigen erst in der Ligaquali), die Reduktion in der Ligaquali von vier- auf zwei Ausländer (im Powerplay spielten stets vier Söldner), der voraussichtliche verletzungsbedingte Ausfall von Kapitän Stefan Hürlimann (wechselt nach der Saison zum EHC Olten) und der Druck der geplanten Zukunft mit der Zusammenarbeit mit dem SC Herisau. Zudem gibt’s in der Ligaquali für den Oberklassigen nichts mehr zu gewinnen, sondern nur noch schlimmeres zu verhindern. Dazu ist Topskorer Nicklas Danielsson für die ersten vier Spiele noch gesperrt.

Langnau wie 1998?

Anders als die Lakers werden die SCL Tigers voller Selbstvertrauen in ihre vierte Ligaqualifikation starten. Zum ersten Mal treten die Langnauer dabei als Aussenseiter an, was sich als Vorteil erweisen kann. Die SCL Tigers haben nicht nur die Qualifikation mit 23 Punkten Vorsprung auf den Tabellenzweiten dominiert, sondern auch die NLB-Playoffs (je 4:0-Siege gegen Thurgau und Langenthal). Erst im Playoff-Final um den B-Meistertitel erwies sich der EHC Olten als echter Prüfstein, also als perfekter Sparringpartner für die bevorstehende Ligaqualifikation gegen die angeschlagenen Lakers.

Die Geschichte spricht allerdings für die St. Galler, drei Mal (2002, 2010 und 2013) besiegten sie die Emmentaler in einer NLA-Playout-Serie. Die Langnauer schickten die Rapperswiler aber bisher in ihre einzige Ligaqualifikation in der Saison 1999/00. Dazu kommt eine bittere, offene Rechnung aus dem Playout-Final 2013, welche die Tigers nach zwei Jahren endlich begleichen wollen.

Statistisch stehen die Chancen für den Underdog bei immerhin 33%, in den letzten 15 Jahren schafften fünf NLB-Meister (2x Lausanne, Servette, Biel und Basel) den Aufstieg. Langnau schaffte die Promotion bereits drei Mal, 1961, 1987 und zuletzt 1998, allerdings noch nach altem Modus.

Duell der Weltmeister von 1987

Mit den beiden Headcoaches Anders Eldebrink (Lakers) und Bengt-Ake Gustafsson (Tigers) stehen sich zwei Weltmeister von 1987 gegenüber. Auch bei ihrem ersten gemeinsamen WM-Turnier 1981 in Göteborg holten die ehemaligen Weltklasse-Spieler einst WM-Silber. Danach kreuzten sich ihre Wege als Spieler noch zwei Mal beim Europa-Cup 1994 und 1995, mit Feldkirch (Gustafsson) und Kloten (Eldebrink) gabs zwei Unentschieden (2:2 und 3:3). Nun steht den früheren Teamkollegen als Trainer das brisanteste Direktduell ihrer ganzen Karriere bevor.

Option Erste-Bank-Eishockey-Liga oder KHL

Falls in Rapperswil das «worst case» mit dem Abstieg eintreffen sollte, könnten die Ostschweizer immer noch einen Antrag in Österreichs «Erste-Bank-Eishockey-Liga*»- oder für Rapperswiler-Verhältnisse eher angemessen in der russischen Kontinental-Hockey-League (KHL) stellen. In beiden Fällen könnte dann der Plan mit dem SC Herisau als Farmteam in der NLB trotzdem umgesetzt werden und der Unterhaltungswert würde selbst den Zirkus Knie in seinen besten Zeiten erblassen lassen. *eishockeyblog berichtete schon 2011: https://www.eishockeyblog.ch/2011/01/lakers-ab-nach-sterreich/

Die Liga-Qualifikation im aktuellen Modus

2014 Biel – Visp 4:1
2013 SCL Tigers – Lausanne 2:4
2012 Ambrì-Piotta – Langenthal 4:1
2011 Ambrì-Piotta – Visp 4:1
2010 Biel – Lausanne 4:3
2009 Biel – Lausanne 4:3
2008 Basel – Biel 0:4
2007 SCL Tigers – Biel 4:1
2006 Fribourg-Gottéron – Biel 4:2
2005 Lausanne – Basel 2:3
2004 Lausanne – Biel 4:0
2002 Chur – Genève-Servette 0:4
2001 La Chaux-de-Fonds – Lausanne 2:4
2000 Rapperswil-Jona – Chur 4:1
1999 SCL Tigers – Chur 4:3

 

Auch der Blick wollte von einer Ligaqualifikation 1999/00 der Lakers nichts wissen.

Auch der Boulevard wollte von einer Ligaqualifikation 1999/00 der Lakers nichts mehr wissen…

 

Der sinnloseste Abstieg aller Länder, Ligen und Zeiten

Der Abstieg der SCL Tigers ist der sinnloseste Abstieg aller Länder, Ligen und Zeiten. Noch nie ist eine Mannschaft so sinnlos abgestiegen. Das Abstiegsprotokoll: Im Spiel 6 des Playout-Finals (beim Stand von 3:2 für die Tiger) schiesst Etienne Froidevaux die Langnauer 1 Minute und 17 Sekunden vor Schluss mit 3:2 in Führung. Die Ilfis-Halle bebt und die Tiger stehen mit einem Bein in den Ferien.

Die Götter für die Rosenstädter

Doch die Hockeygötter entscheiden sich gegen die Emmentaler. 54 Sekunden vor Schluss erzielt Adrian Wichser den Ausgleich (David Aebischer hat für einen 6. Feldspieler Platz gemacht). Und es kommt wie es kommen muss, Langnau kassiert in der Overtime auch noch einen Shorthander und verliert das entscheidende 7. Spiel am Zürichsee. Der Rest ist Geschichte und die Langnauer steigen zum 3. Mal in der Clubgeschichte (nach 1985 und 1988) in die NLB ab.

Langnau wie Signau

Langnaus Abstieg ist mindestens so spektakulär wie jener des früheren 1. Liga-Partnerteams des SC Signau. Im Frühjahr 1996 verpassten die Signauer die 1. Liga-Playoffs um knappe 3 Punkte und mussten als 9. Platzierte gegen Worb, Thun und Aarau in die Abstiegsrunde. Auf die 11. Platzierten Aarauer (Abstiegsplatz) hatten die Emmentaler 9 Punkte Vorsprung, die es in 6 Spielen (2 Punkte für einen Sieg) zu verwalten gab. Kein unmögliches Unterfangen.

Ablösung innerhalb des Emmentals

Doch Signau verlor in der Folge sämtliche 6 Spiele gegen das abgeschlagene Worb, Thun und Aarau. Während die abstiegsgefährdeten Aarauer von möglichen 12 Punkten nur einen Punkt beim Unentschieden gegen Thun abgeben mussten. Das Team von Arnold Lörtscher überflügelte die Emmentaler um 2 Punkte und schaffte sensationell den Ligaerhalt und Signau musste, trotz einiger ehemaligen Langnau-Spielern, den Gang in die 2. Liga antreten. Am 16. April 2013 wurde Signaus «sinnloser Abstieg» ausgerechnet durch die SCL Tigers innerhalb des Emmentals egalisiert.

Meine Begegnung mit Langnaus Kultfigur

Wale Gerber sw

Walter Gerber, 1969-2012 (Foto: EHC Mirchel)

Der Kultspieler des SC Langnau hatte in der Saison 1997/98 grossen Anteil am Wiederaufstieg der Emmentaler in die Nationalliga A (NLA). Bereits vier Jahre zuvor ist Gerber mit Langnau von der 1. Liga in die Nationalliga B (NLB) aufgestiegen. Dieser Erfolg gelang ihm in der Saison 1999/00 nochmals mit dem HC Ajoie. Zwischen 2001 und 2012 spielte er in der 2. Liga für den EHC Oberlangenegg. Gerber absolvierte für Langnau, Lyss, Chur und Ajoie 383 Spiele in der NLB, erzielte 65 Tore und buchte 141 Assists.

2. Liga Saison 2001/02

Ich erinnere mich an den 17. November 2001, mit dem SC Biberen gastierten wir im Hinterland der Schallenberger Berge beim 2. Liga-Aufsteiger EHC Oberlangenegg. Nach dem «Warm-up» sagte mir Biberen-Coach Andreas «Res» Kohler (ebenfalls eine Kultfigur): «Michel (er nannte mich jeweils Michel) du bist der einzige, der die läuferischen Fähigkeiten besitzt Wale Gerber auf Schritt und Tritt zu folgen.»

Gerbers Rucksack

Der Auftrag war klar, mit mir als «Rucksack», sollte die ehemalige Nationalliga-Kultfigur kein Tor erzielen. Kohlers Worte sollten sich als richtig erweisen. An diesem kalten November-Abend legte ich meine grösste taktische Leistung ab und folgte Gerber auf Schritt und Tritt, wie einst Biels Bernhard Wist dem Freiburg-Kanadier Jean-François Sauve. Gerber erzielte keinen einzigen Skorerpunkt, dennoch mussten wir kurz vor Schluss noch den 5:5-Ausgleich hinnehmen und ich habe während 65 Minuten keine einzige Scheibe gesehen.

 

In Erinnerung an Walter Gerber, der 2012 im jungen Alter von 43 Jahren an einem Hirntumor erlegen ist. Seine Rückennummer 44 wird in Langnau nicht mehr vergeben.

«Frei-Nacht» statt Freinacht!

http://www.videoportal.sf.tv/video?id=5be99a9f-65cf-4c79-a365-a93709cb0fe2

Der Spezialauftrag lautet: Wenn die SCL Tigers die erstmalige Playoff-Quali schaffen, darf ich mit einem Kameramann bis in die frühen Morgenstunden auf eine Langnauer Kneipentour (die Kneipen sind mir seit längerer Zeit, nach Sauftouren mit Langenegger Michael, bekannt) um Stimmen und Impressionen einzufangen – doch durch Langnaus Niederlage und durch die überraschenden Siege von Biel und Lugano wurde aus der möglichen „Freinacht“ eine „frei Nacht!“ In den Interviews mit Jörg Reber und Simon Moser hören wir die Gründe für das Scheitern. Eine Langenegger-Freinacht in Langnau ist mir trotzdem jederzeit herzlich Willkommen.

Wenn Mike Mike nicht kennt…

http://www.videoportal.sf.tv/video?id=0a78cdac-2e32-4b7c-8bcf-0df9f44e13c3;DCSext.zugang=sfsport

Kurz vor dem Interview, wir haben bereits einen Small-Talk und ein Handshake hinter uns und haben uns gegenseitig mit „Mike“ vorgestellt. Doch als es mit dem Interview losgehen kann habe ich ein Blackout… wie heisst der nette Kanadier mit Vornamen? Ich kann ja nicht beginnen mit „Iggulden congratulation for the victory..“ Gottseidank habe ich noch eine Mannschaftsaufstellung in meiner Hosentasche und das Interview beginnt doch noch mit einer kleinen Verzögerung. Und Mike? …hat nicht bemerkt warum Mike nochmals in die Hosentasche greifen musste!