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Wenn die Eisbahn einem Parkhaus weichen muss

Foto: Der Parkhaus-Eingang unter dem Dach der Weena Ijshal (in rot), der Rest des Halleneingangs (Michael Krein)

Wer kennt den «IJHC Gunco Pandas Rotterdam?» Vielleicht eine Handvoll Hockeyfanatiker – «SCB-Jüre» Jürg Wymann inklusiv – und der langjährige EHC Chur-Trainer (1985-87, 1992-93, 2010-11, 2013-14) Alex Andjelic kennen den klingenden Namen. Der serbisch-holländische Doppelbürger stand 1991/92 nur eine halbe Saison hinter der niederländischen Bande, ehe er noch im selben Winter Leo Schumacher in Chur (NLA) ersetzen musste. Der prominenteste «Rotterdamer» ist der aktuelle Headcoach der Kloten Flyers, Sean Simpson. Mit den Pandas feierte Simpson 1989 seinen ersten Titelgewinn in Holland und seinen zweiten Meistertitel der Karriere. In 43 Spielen buchte der Kanadier 100 Skorerpunkte für die Mannschaft welche den WWF (World-Wildlife-Fund) Panda auf seinen Trikots trug.

Unter den besten Acht Europas

Mit dem Titelgewinn Rotterdam’s qualifizierten sich die «fliegenden Holländer» zum zweiten Mal für den Europacup, wo sie 1989 bis unter die besten acht Klubteams Europas vorstiessen. Bei der knappen 2:3-Niederlage im Europacup-Halbfinalturnier gegen den SC Bern, brachten die Holländer sogar den Schweizermeister an den Rand einer Niederlage. Dabei sass ihr letztjähriger Topskorer Simpson nur noch als Zuschauer unter den 800 Fans in Bern auf der Tribüne, denn der Kanadier hatte in der Zwischenzeit beim SC Lyss in der Nationalliga B angeheuert und stattete seinen ehemaligen Teamkollegen einen Besuch ab.

Eishalle muss einem Parkhaus weichen 

Zwischen 1987 und 1990 holten die Pandas, welche zwischenzeitlich auch als Turbana‘s (gesponsert durch den weltweit bekannten Bananen-Importeur) aufliefen, drei Titel (1987, 1989, 1990) in vier Jahren und gehörten zu den Top-Klubs des Landes. Doch der steile Aufstieg war nur von kurzer Dauer. Nach nur neun Saisons in der obersten Spielklasse «Eredivisie», standen die Hafenstädter ohne Stadion da. Die Weena Ijshal an der Schaatsbahn 41 bis 45, beim Rotterdamer Bahnhof, musste 1996 aus finanziellen Gründen die Tore schliessen und einem Parkhaus weichen. Wo einst Meistertitel und Europacup-Abenteuer geschrieben wurden, parken heute beim Rotterdamer Bahnhof bis zu 230 Autos gleichzeitig.

Ungewisse Rückkehr

Seit Mitte der 90er Jahre ist Rotterdam auf Hollands Eishockeylandkarte verschwunden und der ehemalige Glanz an der Schaatsbahn scheint an der Rheinmetropole für immer erloschen. Seither ist die Stadt Rotterdam um den Bau einer neuen Eishalle bemüht, ein idealer Standort scheint in nächster Zukunft aber noch nicht in Sicht. In eine gute Zukunft steuert dafür der Niederländische Eishockeyverband, zusammen mit Belgien startet im Herbst 2015 die neue BeNe-League. 17 Mannschaften aus Holland und Belgien spielen in zwei Gruppen. Der holländische Meister Tilburg Trappers bestreitet neben der BeNe-League auch noch die deutsche Oberliga-Meisterschaft, während die Rotterdamer immer noch auf ihre Eisbahn warten.

Foto (links): IJHC Gunco Pandas Rotterdam 1991-92 mit Headcoach Alex Andjelic (unten, fünfter von links). (snipview.com)

Daniel Bongni, einst unter Simpson, heute für Hiller

Wenn das alte Hallenstadion-Feeling in Lyss auflebt

Hockey Day Lyss

Swiss Ice Hockey Day 2013 in Lyss

Tatort: Eishalle Lyss

Anlass: Swiss Ice Hockey Day 2013

Anwesend: Nationaltrainer Sean Simpson, die ex-Lysser Philipp & Simon Rytz, Geoff Kinrade (SCB), Manuel Gossweiler (EHC Biel), rund 50 begeisterte Kids

Organisiert: SC Lyss und seine Juniorenverantwortlichen

Essen: Fondue und Lysser Bratwurst in der Hallenbeiz

Stimmung: Ausgelassen bis enthusiastisch; Eine Atmosphäre in der Fondue-geschwängerten Halle, wie beim legendären ZSC…..

Erfolgsfaktor: Viele kleine Eisflitzer, welche in einer gut vorbereiteten Umgebung dem Puck nachjagen konnten!

Verbesserungspotenzial: Die Lysser hätten es verdient, noch mehr Publikum anzuziehen.

Wasa, Starköl und ein Lotterteam

Foto: Weltmeisterschafts-Maskottchen Icy flankiert von fünf Schweizern. (Unbekannter Schwede)

Der Startschuss unserer diesjährigen WM-Reise erfolgte in Lyss. Lyss ein «kleines Dorf»  mit 13000 Einwohnern im Berner Seeland, wo einst der aktuelle Nationaltrainer(held) Sean Simpson am Industriecup (dem Flachland Spenglercup) 1989 gegen den EHC Biel debütierte. Bereits in der 5. Minute musste er damals durch eine Verletzung die Partie beenden und so startete die wohl eindrücklichste Trainerkarriere der Schweizer Hockeygeschichte (Champions-Hockey-League-Sieger 2009, Victoria-Cup-Sieger 2009 und WM Silber 2013).

Starköl und das «Lotterteam» 

Ein bekannter Schweizer Eishockey «Chronist» erzählte mir nach unserem 3:2-Auftaktsieg, übrigens der 1. Schweizer Sieg in Stockholm seit 1948!!!, über den Gastgeber: «Schweeedä het äs Lotter-Team.» Er hatte nicht unrecht, denn bis zur Ankunft der Sedin-Zwillinge war der Gastgeber alles andere als überzeugend und erknorzte sich ein 2:1-Sieg gegen Weissrussland und musste gegen die Schweiz (2:3), sowie gegen Kanada (0:3) die (Wasa)-Segel streichen. Die Segel streichen mussten auch wir, ohne dabei etwas bemerkt zu haben, da wir 24 Stunden lang nichts flüssiges zu uns genommen ausser dem tückischen Starköl.

Die Zwillinge aus Örnsköldsvik

Dank der Ankunft der Sedins verwandelten sich die Schweden vom «Lotter» zu einem «Team» und segelten wie eine schwedische Galeone zum 9. WM-Titel, so wie es das schwedische Kriegsschiff Wasa vor 385 Jahren hätte tun sollen. Ich bin überzeugt, ohne die Sedins wären die „Lotter-Schweden“ des Chronisten wohl schon im Viertelfinal gegen die Kanadier wie die Wasa auf ihrer Jungfernfahrt im Hafen (Globen) von Stockholm mit wehenden Fahnen abgesoffen. Übrigens haben die Sedins in 10 Pflicht-Spielen (inkl. Junioren WM) gegen die Schweiz nur 1 mal verloren, an der U20 WM 1998 (mit Julien Vauclair) mit 1:2 nach Penaltyschiessen. Vorsicht: Die Sedins werden gerne mit ihrem Schweizer Pendant, den Marti-Bros (beide sprechen fliessend schwedisch und es fliesst schwedisch) verwechselt.

In 78 Jahren um die Welt

Etwas jünger als der Untergang der Wasa ist der letzte Silber-Medaillengewinn der Schweiz. 1935 holten die Eisgenossen zum einzigen Mal WM-Silber. Den heutigen Weltmeister Schweden schlug man im Eröffnungsspiel in Davos mit 6:1. Es folgten Siege über Holland, Frankreich, Grossbritannien und die Tschechoslowakei. Gegen Ungarn und Österreich kamen wir nicht über ein Unentschieden hinaus. Die 1. Niederlage mussten wir damals wie heute erst im Finalspiel hinnehmen beim 2:4 gegen Kanada (vertreten durch die Winnipeg Monarchs). Damals noch nicht dabei waren die USA und die Sowjetrussen.

Der Kreis der Silber-Helden

Bis zum 19. April 2013 gab es 12 Schweizer Silber-Medaillen-Gewinner: Die Goalies Albert Künzler und Arnold Hintz, die Verteidiger Ernst Hug, Christian Badrutt und Oscar Schmid sowie die Stürmer Pic (Ferdinand) und Hans Cattini, Bibi Torriani (der Ni-Sturm), Herbert und Charly Kessler, Peter Müller und Thomas Pleisch. Die 12 Legenden von anno 1935 werden nun komplettiert durch Martin Gerber, Reto Berra, Mathias Seger, Roman Josi, Julien Vauclair, Raphael Diaz, Philippe Furrer, Eric Blum, Patrick von Gunten, Robin Grossmann, Severin Blindenbacher, Andres Ambühl, Nino Niederreiter, Martin Plüss, Simon Moser, Denis Hollenstein, Simon Bodenmann, Luca Cunti, Ryan Gardner, Reto Suri, Matthias Bieber, Julian Walker, Morris Trachsler und Thibaut Monnet.

All-Star-Abwehr

Mit Julien Vauclair und Roman Josi figurieren erstmals in der Hockeygeschichte gleich 2 Schweizer im WM All-Star-Team, ebenfalls werden jeweils die 3 besten Spieler jeder Mannschaft gewählt. Dabei ist Vauclair der einzige Spieler aus dem All-Star-Team welcher nicht unter die 3 besten seiner Mannschaft gewählt wurde, wie das? Das All-Star-Team wird jeweils durch die Medienvertreter gewählt, die 3 besten Spieler durch die Headcoaches. Josi wurde zudem noch zum «besten Verteidiger» sowie zum «wertvollsten Spieler» der WM ausgezeichnet. Als dann Kommentator Jann Billeter (nicht zu verwechseln mit Biljeter) mit Malkin und Kovalchuk MVPs aus vergangenen Jahren aufgezählt hat, fügte Mario Rottaris (Burgdorf-Gretzky) noch «Yzerman» hinzu. Steve Yzerman wurde an der WM 1990 in Bern und Fribourg zwar WM-Topskorer, aber nicht zum «MVP» gewählt, da diese Auszeichnung erst seit 1999 (Teemu Selänne) vergeben wird.

Offene Fragen

Ein paar Fragen bleiben aber auch nach der WM unbeantwortet. Warum haben die Schwedinnen hinten an ihrer Hose immer einen kleinen Reissverschluss? Warum war die Schweizerin aus dem Aargau mit ihrem Bruder an der WM? Warum waren die Prinzessinnen Victoria und Madeleine nie im Stadion? Warum sagte mir der Türsteher vor dem Club «you give me a drunk impression?» Und die Mutter aller Fragen, warum zum Teufel ist die Wasa gesunken?

Die Silber-Helden von Stockholm: Reto Berra, Martin Gerber; Severin Blindenbacher, Eric Ray Blum, Raphael Diaz, Philippe Furrer, Robin Grossmann, Roman Josi, Mathias Seger, Julien Vauclair, Patrick von Gunten; Andres Ambühl, Mathias Bieber, Simon Bodenmann, Luca Cunti, Ryan Gardner, Denis Hollenstein, Simon Moser, Nino Niederreiter, Martin Plüss, Reto Suri, Morris Trachsler, Julian Walker

Simpson zurück an alter Wirkungsstätte

Simpsons Team der ersten Stunde wurde im August 2011 kurzzeitig wieder vereint. Vorne von links: Patrick Stuker, Sean Simpson, Herbert Schütz, Patrick Schütz. – Mitte von links: Sven Schmitz, Thomas Weber, Jérôme Wiederkehr. – Hinten von links: Michael Krein (Initiant des Treffens, damals bei den Novizen), Marc Rudin, Denis Schmitz, Serge Meyer. – Es fehlen: Bruno von Allmen, Joachim Stückrad, Stefan Lauper, Alain Zbinden, Stefan Siegenthaler, Sven Fallegger, Thomas Reber. (Foto: Pius Koller)

Nationaltrainer Sean Simpson folgte einer Einladung des SC Lyss und kehrte zurück, wo seine Trainerkarriere vor 20 Jahren begann. Mit dieser Mannschaft reiste Simpson im Januar 1992 bis hinter den eisernen Vorhang ins sowjetische Sibieren nach Nowosibirsk. Ein Erlebnis welches im nachhinein als Pionierleistung des Provinzclubs nicht hoch genug eingeschätzt werden kann.

Im Rahmen des 39. Lysser Industriecups wurde Simpson, der noch heute Kontakte ins Seeland pflegt, als Ehrengast nach Lyss eingeladen. Beim damaligen NLB-Team SC Lyss, hat Simpson vor 20 Jahren als Nachwuchs-Chef und Ersatzausländer seine Trainerlaufbahn begonnen, ehe er zum EV Zug wechselte.

Nebst Nationalcoach Simpson wurden auch alle Spieler seines Teams der ersten Stunde, die Junioren A2 des SC Lyss 1991-92, eingeladen. Und sie kamen fast alle. Der bekannteste unter ihnen ist Serge Meyer (hinten rechts), welcher seine Karriere vor wenigen Monaten beim SC Langenthal beendet hat.

Das «meet and greet», bei dem auch ehemalige Teamkollegen der NLB-Mannschaft und langjährige Lysser Clubmitglieder erschienen sind, dauerte bis in die frühen Morgenstunden. Und nicht nur Sean Simpson verabschiedete sich mit den Worten: «it was a great night.» Als Dank, lud Simpson seine ehemaligen Schützlinge im Februar nach Bern an ein Länderspiel ein.

http://www.blick.ch/sport/eishockey/sean-simpson-zurueck-an-alter-wirkungsstaette-180252

Und keiner kennt Renato Tosio…

Wir schreiben das Jahr 1990, der unbekannte Kanadier Sean Simpson spielt als Ersatzausländer beim damaligen NLB Club SC Lyss. Zum gleichen Zeitpunkt ist SCB- und Natihüter Renato Tosio ein Star – jeder kennt ihn. Knapp mehr als zwanzig Jahre später, 2011 in Langenthal: Sean Simpson macht sich als Naticoach fürs Interview bei mir bereit, die Weissrussen wurden im letzten WM-Test 3:0 abgefertigt. Einige Meter von Sean Simpson entfernt, reisst ein glatzköpfiger Mann mühselig Bandenwerbungen (mit den Natisponsoren) von den Kunststoffbanden ab. Niemand scheint ihn zu erkennen – es ist Renato Tosio! Die Gegensätze sind heute nicht anders als vor 20 Jahren, einfach in getauschten Rollen. Eine Begegnung zwischen Simpson und Tosio gabs aber auch schon vor zwei Jahrzenten, als die Lysser Simpson an den NLA-Club Olten ausgeliehen haben, traf der unbekannte Kanadier beim 4:2 Sieg über den SCB ausgerechnet gegen Renato Tosio.

http://www.videoportal.sf.tv/video?id=4e8c970e-2735-478b-9596-1c507c698803

Von Lyss zum Champions-Hockey-League Sieg!

SC Lyss Junioren A2 1991 - 1992

(Foto: Krein Archiv)

Unglaublich und sensationell was die ZSC Lions gegen Metallurg Magnitogorsk geleistet und erreicht haben. Noch nie hat ein Schweizer Klub-Team einen internationalen Meistertitel holen können. Am 28. Januar 2009 wird Schweizer Eishockey-Geschichte geschrieben. Einer der Baumeister dieses Erfolgs ist ZSC Lions-Headcoach Sean Simpson.

Wer hätte dies gedacht, als in der Saison 1991 – 1992 beim damaligen Nationalliga-B-Klub SC Lyss der Kanadier Sean Simpson aus der ersten Mannschaft, die Junioren A2 des SC Lyss als Headcoach übernommen hatte. Bei den Lysser Junioren sammelte Simpson seine ersten Erfahrungen seiner Trainerkarriere. Das junge Lysser Juniorenteam (darunter viele, welche noch im Novizenalter waren) schloss die Saison auf dem vierten Schlussrang ab. Siebzehn Jahre später holt Simpson mit den ZSC Lions die «Silverstone-Trophy!»

Siebzehn Jahre später holt Simpson mit den ZSC Lions die Silverstone-Trophy!

Der Erfolg der ZSC Lions zeigt auf, dass es für «Schweizer» doch möglich ist internationale Erfolge zu feiern. Warum nicht auch für die Nationalmannschaft an der Weltmeisterschaft 2009 im eigenen Land? Es ist höchste Zeit, dass auch das Nationalteam eine Medaille holt. Ralph Krueger hat dasselbe Kunststück (wie Simpson) bereits 1998 mit Österreichs VEU Feldkirch in der European-Hockey-League (EHL), dem Vorläufer der aktuellen Champions-Hockey-League, vollbracht.

Kamber und Simpson

Nochmals zurück zur Saison 1991 1992, damals spielte ich als 14-Jähriger bei den Novizen des SC Lyss. In unserer Gruppe spielte auch der EHC Zunzgen/Sissach mit einem Talent namens Oliver Kamber. Kamber schoss uns in Lyss im Alleingang ab und Simpson schaute als Lysser-Nachwuchs-Chef bei diesem Spiel vorbei. Ob Simpson Kamber da schon notiert hat, um den Baselbieter siebzehn Jahre später im Champions-Hockey-League Final gegen die Russen einsetzen zu können?