Schlagwort-Archiv Simon Rytz

Das doppelte Saisonende

Morgen, 6 Uhr 45 in der Früh, der Wecker klingelt – ein Mammut-Programm steht bevor. Die Eishockeytasche meines Sohnes ist schon gepackt. Heute heisst die Hockey-Destination Olten. Olten, verkörpert auch meine alte Hockey-Liebe, wie haben mich doch die NLA-Zeiten der Oltner in der «Blacky-Ära» geprägt. Das Stadion Kleinholz in Olten liegt an der Sportstrasse 95, dies ist die Adresse, mit dem das Navigationsgerät gespeist wird, vor der Eingabe steht da immer noch das Ziel der letzten Destination, «Rue des Mélèzes 2, La Chaux-de-Fonds.» Eine Hockeysaison ist lange, kalt, intensiv und kräfteraubend, aber auch bereichernd, erfüllend und meine einzige Passion, welche ich seit meinem elften Lebensjahr intravenös verabreicht bekommen habe.

Von Lyssern und Oltern

Kurz nach dem Start holen wir noch einen Teamkollegen ab, dann gehts Richtung Solothurn. Um 8 Uhr 30 begrüssen wir, Headcoach Noël Gerber und ich, unsere Mannschaft. Es ist das letzte Turnier der Saison, wir appellieren an den wichtigsten Faktor unseres Hockey-Daseins, der Freude: «Geniesst das letzte Turnier, dann gibts eine lange Pause.» Die Mannschaft schlägt sich gut und der Spassfaktor steigt. Das Highlight ist ein Sieg gegen Lokalmatador EHC Olten. Mit 2:1 kämpfen wir das Heimteam in die Knie und beenden unsere Gruppe auf dem zweiten Schlussrang. Während des Turniers versende ich ein paar «Grüsse» aus dem Kleinholz an den Goalie des Fanionteams, «Simon, wir vertreten dich als Lysser im Kleinholz.» Der Lysser Simon Rytz ist am Vorabend mit dem EHC Olten gegen seinen Bruder Philippe und den SC Langenthal im Swiss-League-Halbfinal ausgeschieden. Hätten Simon und die Oltner gestern gewonnen, hätten sie am Mittag, während unseres Mittagessens, ein Training absolviert.

Meine physisch und psychisch härteste Saison aller Zeiten

Michael Krein

Während des Turnieres erspähe ich auch EHC Biel-Trainer Antti Törmänen, denn dessen Sohn steht für den EHC Biel-Spirit im Einsatz. Zu unserem Spiel um die Bronze-Medaille, trifft auch noch MySports-Kollege Andreas Hagmann ein, ein Oltner der nur fünf Minuten vom Stadion entfernt Zuhause ist. Die Eishockey-Welt ist klein und einfach wunderbar, sie ist der Puls meines Lebens und infiziert bereits die nächste Generation. Die deutsche Firma «Rookie-Playercards», gibt ihr Know-How zum besten, mit einem Zwei-Mann Fotografen-Team fertigt sie innerhalb eines halben Tages ein komplettes Fotoset sämtlicher Nachwuchs-Akteure an. Für die Kinder ein Leckerbissen, die professionellen Bilder und Karten verkaufen sich wie «warme Semmel.»

Von Olten nach Freiburg

Um 16 Uhr 30 gings wieder zurück ins Berner Seeland, dies für mich allerdings nur als Zwischenstation, denn um 18 Uhr muss ich in Freiburg sein. Meine nächste Destination heisst gleichentags «Allée du Cimetière 1, Fribourg.» Müdigkeit hat heute keinen Platz, ein solcher Tag verkörpert quasi meine übliche Tätigkeit zwischen August und März, da gibts mit Ausnahme der Festtage, kein hockeyfreies Wochenende. Es war zweifellos meine physisch und psychisch härteste Saison, mein wohl intensivster, längster und härtester Winter aller Zeiten. Mit dem letzten Piccolo-Turnier und dem letzten MySports Einsatz Vorort, wird der harte Winter gleich doppelt beendet. Was jeweils im August voller Vorfreude beginnt, endet im März mit einer grossen Genugtuung und entspannter Zufriedenheit.

Nach der Saison ist vor der Saison

Zu Ende geht auch die Ära der ehemaligen «Patinoire St. Leonard», 1982 erbaut, wird die BCF-Arena rundum saniert, die Baustelle ist rund ums Stadion bereits seit längerem im Gang. Zum letzten Mal sitze ich an diesem Abend in der kultigen und brüchigen Kommentatoren-Kombüse (Foto), etwas Wehmut macht sich breit, denn ich bin ein Traditionist, die Vergangenheit pflege ich oftmals besser als die Gegenwart. Nie vergessen werde ich mein erstes Spiel, welches ich mit meinem Vater in der ersten Saison der Bykow/Chomutow-Ära besuchen konnte, oder das Viertelfinal-Wunder Gottérons gegen den damaligen Champions-Hockey-League-Sieger ZSC Lions, im Frühling 2009. Doch nun gilt es wieder nach vorne zu schauen, die Saison mit der Weltmeisterschaft in Bratislava abzuschliessen und sich in den Sommermonaten gut zu erholen, denn bereits im August gehts wieder los, mit dem doppelten Kickoff, bei MySports und bei den Piccolos des SC Lyss.

Top of Europe Trophy 2013

Im Rahmen der Top of Europe Trophy empfängt der SC Unterseen-Interlaken am 28. Dezember den EHC Biel. Der NLA-Klub gastiert nach 2010 zum zweiten Mal auf dem Bödeli.

In den 80er und 90er Jahren boten die «Super Series» zwischen den NHL-Profis und den Herausforderer aus der damaligen Sowjetunion in der Altjahreswoche höchstes Eishockey-Spektakel. In Westeuropa wurde dies damals kaum zur Kenntnis genommen und in der Schweiz gilt das Interesse zwischen Weihnacht und Neujahr jeweils dem Spengler Cup in Davos. Was für den Davoser der Spengler Cup, ist für den Interlakner die Top of Europe Trophy. Die Idee wurde von 2004 (damals noch unter dem Namen Energy on Ice) von SCUI-Präsident Beni Knecht in die Wirklichkeit umgesetzt: «Nach langen Verhandlungen, gastierte mit dem EV Zug erstmals ein NLA Team im Bödeli.»

Jubiläumsjahr 2013

In diesem Jahr steht bereits die zehnte Austragung auf dem Programm. Zum zweiten Mal (nach 2010) stellt sich der EHC Biel als «Sparringpartner» für den SC Unterseen-Interlaken zur Verfügung. Beim letzten Auftritt der Seeländer liessen die NLA Profis, beim 9:3-Sieg, dem Unterdog keine Chance. Immerhin sorgten die Einheimischen im anschliessenden Penaltyschiessen, welches jeweils unabhängig zum Resultat durchgeführt wird, beim 2:1-Sieg für ein kleines Erfolgserlebnis. Die aktuellen Bieler Manuel Gossweiler, Mathieu Tschantré, Philipp Wetzel und Gianni Ehrensperger waren vor drei Jahren auch schon dabei.

Simon Rytz kennt die 1. Liga

Ebenfalls zum zweiten Mal dabei ist Biels Torhüter Simon Rytz. Vor sieben Jahren gastierte Rytz mit dem HC Fribourg-Gottéron auf dem Bödeli. Beim 9:2-Sieg musste er sich bis zum Torhüterwechsel bei Spielhälfte nur von Simon Ingold bezwingen lassen. «Diese Teilnahme war mir gar nicht mehr bewusst, weil ich damals vom 1. Ligisten HC Neuchâtel-Sports Young-Sprinters nach Fribourg ausgeliehen wurde» sagt Rytz. Der Lysser kennt also nicht nur die Top of Europe Trophy, sondern ist auch mit dem 1. Liga Eishockey bestens vertraut. In der Saison 2000/01 stand er mit dem SC Lyss in der 1. Liga-Finalrunde und spielte in der Qualifikation auch gegen die Steinböcke. «Für uns ist dieser Event eine Abwechslung zum NLA-Alltag, dass wir dazu noch unsere Familien mitnehmen können ist ideal», sagt Rytz weiter. Wie ernst nehmen denn die Bieler dieses Spiel gegen den Tabellenzehnten aus der 1. Liga? «Wir nehmen den Auftritt in Unterseen sehr ernst, er gilt als Hauptprobe für den bevorstehenden Schweizer-Cup», fügt Rytz hinzu.

Findet Unterseen aus der Krise?

Beni Knecht freut sich auf den Gast aus dem Seeland: «Die Stimmung in der Halle war jeweils sehr gut, wenn wir gegen eine Berner Mannschaft antraten.» Zehn aktuelle Spieler waren beim letzten Auftritt gegen den EHC Biel auch schon dabei. Neuzugang Nico Spolidoro trifft auf seine alten Teamkollgen, der Emmentaler spielete zwischen 2004 und 2007 drei Jahre für den EHCB. Mit Tschantré, Gossweiler und Emanuel Peter trifft Spolidoro auf drei ehemalige Teamkollegen. Ein Erfolgserlebnis des Underdogs wird aber auch in diesem Jahr kaum zu realisieren sein. Die Mannschaft von Trainer Stefan Schneider muss in der aktuellen 1. Liga Saison unten durch und die aktuelle Formkurve zeigt nach sieben Niederlagen in Serie – der letzte Sieg datiert vom 20. November beim 5:1 gegen Belp – stark nach unten.

Wieder zurück zur Geschichte. Auch die Sowjets boten in den legendären «Super Series» ihren  «übermächtigen» Gegner aus der NHL in spektakulären Spielen stets paroli, warum nicht auch der SCUI gegen den übermächtigen Gegener aus Biel? Die Top of Europe Trophy 2013 bietet so oder so – als «Oberländer pendant»  zum Spengler Cup – beste Unterhaltung.

Die bisherigen Spiele der Top of Europe Trophy:
2012 ZSC Lions 3:11 (0:4, 2:4, 1:3)
2011 HC Lugano 1:10 (0:4, 1:2, 0:4)
2010 EHC Biel 3:9 (0:3, 0:2, 3:4)
2009 EV Zug 3:4 (1:2, 2:0, 0:2)
2008 SCL Tigers 2:9 (1:3, 1:3, 0:3)
2007 ZSC Lions 6:11 (2:7, 2:2, 2:2)
2006 HC Fribourg-Gottéron 2:9 (0:4, 1:3, 1:2)
2005 SCL Tigers 2:4 (1:0, 0:3, 1:1)
2004 EV Zug 2:4 (1:2, 1:1, 0:1)

Wenn das alte Hallenstadion-Feeling in Lyss auflebt

Hockey Day Lyss

Swiss Ice Hockey Day 2013 in Lyss

Tatort: Eishalle Lyss

Anlass: Swiss Ice Hockey Day 2013

Anwesend: Nationaltrainer Sean Simpson, die ex-Lysser Philipp & Simon Rytz, Geoff Kinrade (SCB), Manuel Gossweiler (EHC Biel), rund 50 begeisterte Kids

Organisiert: SC Lyss und seine Juniorenverantwortlichen

Essen: Fondue und Lysser Bratwurst in der Hallenbeiz

Stimmung: Ausgelassen bis enthusiastisch; Eine Atmosphäre in der Fondue-geschwängerten Halle, wie beim legendären ZSC…..

Erfolgsfaktor: Viele kleine Eisflitzer, welche in einer gut vorbereiteten Umgebung dem Puck nachjagen konnten!

Verbesserungspotenzial: Die Lysser hätten es verdient, noch mehr Publikum anzuziehen.

Der falsche Goalie und die Kamber Show

Biel gewinnt zum 2. Mal im 3. Heimspiel den Zusatzpunkt nach Penaltyschiessen. Im Gedränge der Katakomben der Kabinengänge wird Biel-Goalie Simon Rytz interviewt. Auf die Frage eines Journalisten «heiter scho mau 3 Penaltys ghäbt» muss sich Rytz kurz hintersinnen, denn der Lysser stand ja gar nicht im Tor!

Meili statt Rytz

Ausgangspunkt für den Lapsus gab die Mannschaftsaufstellung, denn gemäss Matchblatt wurde vor dem Spiel Rytz als Nummer 1 im Spiel gegen den Kantonsrivalen aus Bern gemeldet. Tatsächlich steht aber Lukas Meili von Beginn weg zwischen den Pfosten – doch kaum einer bemerkt den Wechsel – was mir höchst bedenklich erscheint. Es ist als ob man bei einem Date erst nach 2 Stunden bemerken würde, dass die falsche Frau am Tisch sitzt.

Welcher Goaliewechsel?

Teilweise mussten die ganzen Matchberichte, welche während 2 Stunden auf Rytz geschrieben wurden nochmals gründlich revidiert werden – andere fragten wann denn Biel den Torhüter gewechselt hätte oder ob Biel auf das Penaltyschiessen einen Goaliewechsel vorgenommen habe. Selbstverständlich sind mir die Namen der betroffenen Medien entfallen.

Schläpfer wie Hartley?

«Das isch ä Fehler vo dämm wo s Matchblatt gschriebä het, mit so Sache befassi mi nid», sagte Kevin Schläpfer auf die Frage ob Rytz absichtlich als Nummer 1 aufgeführt wurde. Wir erinnern uns an Bob Hartley, seine Mannschaftsaufstellungen sind schon heute Kult, denn seine unkorrekten Matchblätter waren Teil des 7. Meistertitels.

Kamber’s Vorankündigung

Alles andere als eine Irreführung war Oliver Kambers Facebook-Eintrag vor dem SCB-Spiel: «How many fans go to EHCB – SC BERN ?! Are you ready for Kamber’s show?» postete der Facebook-Profil-Verantwortliche des Baselbieters. Kamber’s Worten folgten Taten: Mit einem Zuckerpass war er Vorbereiter des Bieler Ausgleichstreffers, mit einem verwerteten Penalty war er der Vollstrecker beim Penaltyschiessen. Wer war nun der Matchwinner, Torhüter Rytz oder Kamber?

 

New York retour in extremis… kurz vor dem Vulkanausbruch

Foto: Die wichtigste Eishockey-Trophäe der Welt: Der Stanley Cup, gestiftet am 18. März 1892. (Philippe Delisle)

Die Hockeyreise via Toronto nach New York beginnt bereits im Zug. Schon auf dem Perron treffen wir (Telebärn-Mann Philippe Delisle und ich) HC Ajoie-Hüter Simon Rytz, im gleichen Zug sitzt Kent Ruhnke und am Flughafen in Zürich checken wir mit EHC Olten-Kanadier und Langnau-Playout-Held Brent Kelly ein. Neben Brent Kelly sitzt auch ein kanadisches Juniorenteam auf dem Flug «Air Canada 879» von Zürich nach Toronto. Eine kanadische Passagierin fragt mich «are you from the Hockeyteam?»

Fribourg-Gottéron im Madison Square Garden

In New York angekommem, gehts noch am gleichen Abend ins ESPN beim Times Square zu einem Burger, während wir das NCAA, sprich: «EN-Cee-double A» Halbfinalspiel zwischen Boston College und Miami Ohio (7:1) auf ESPN2 verfolgen. Das erste Highlight folgt am nächsten Tag an gewohnter Spielstätte, im Madison Square Garden (The Worlds Most Famous Arena). Die New York Rangers empfangen die Philadelphia Flyers (4:3), mit dabei Fribourg-Gottéron-Hüter Sébastien Caron als Backup von Brian Boucher. Ich frage mich, wer ausser uns wohl Carons Fribourger-Logo auf seiner Maske erkennt?

Langnaus Speakerin im Prudential Center?

Ausgangspunkt für den nächsten Spieltag ist die Penn-Station an der 34. Strasse. Mit dem Zug gehts in ca. 20 Minuten nach Newark, Spielstätte der New Jersey Devils. Das zweite Hockey-Highlight ist die Partie zwischen den Devils und den New York Islanders (7:1). In der zweitobersten Reihe, Sektion 229, Reihe 8, Platz 11 in einem Stadion (Prudential Center) mit 17’625 Sitzplätzen, ist selbst Mark Streit auf dem Eis schwer zu erkennen. Streits Team erwischt einen rabenschwarzen Abend, deshalb gefallen mir die Worte des Speakers am besten: «Travis Seeejtschaaac, Dainuuuus Zuuuuuubruuus» oder «Segg Pariiiisiiii» – man stelle sich vor Langnaus-Hobby-Speakerin Chrige Nyffeler müsste im Prudential Center ran…

Drei Streit-Assists

Es geht Schlag auf Schlag, Tag drei = Spiel drei zwischen den New York Islanders und dem aktuellen Stanley-Cup-Sieger Pittsburgh Penguins (5:6 Overtime). Doch vorher müssen wir per Zug und Taxi nach Uniondale kommen. Erneut startet die Reise in Manhattan, 34. Strasse, 7. Avenue (Penn-Station). Mit der «Long-Island-Rail-Road» fahren wir bis Mineola (ca. 45 Minuten), ab Mineola steigen wir um ins Taxi und sind nach 10 Minuten beim Nassau-Veterans-Memorial-Coliseum der New York Islanders, Mark Streits Spielstätte. Wir erleben einen würdigen Saisonabschluss der Isles: Nach einem 2:5 Rückstand gleichen die Islanders mit 3 Streit Assists zum 5:5 aus und erzwingen die Verlängerung. Sidney Crosby erzielt seine Saisontore 50 und 51 im letzten Spiel der Regular Season.

Von Gretzky bis Isknattleiksfélagio

Zum Abschluss gibts am fünften Tag einen Abstecher in Torontos Hockey Hall-of-Fame, ein absolutes Muss. Selbstverständlich dürfen ein Besuch im Maple Leafs Store, gleich beim Air Canada Centre (Torontos Spielstätte) und in «Wayne Gretzky’s Sportbar» am 99, Blue Jays Way nicht fehlen. Was wir zu diesem Zeitpunkt, am 14. April 2010 noch nicht wussten: ca. 12 Stunden nachdem wir den Nordatlantik und die isländische Küste überfliegen, meldet sich der isländische Vulkan Eyjafjallajökull nach 187 Jahren Stillstand eindrücklich wieder zurück. Ein Heimflug in Extremis also, ansonsten hätten wir auch in Reykjavik notlanden können, denn auch in Island wird Eishockey gespielt, die drei Klubs heissen fast gleich wie der Vulkan: Skautafélag Akureyrar, Skautafélag Reykjavik und Isknattleiksfélagio Björninn.