Die einzig wahre Trophäe

Stéphane Charlin wurde an den Swiss-Ice-Hockey-Awards, als Torhüter der Saison, mit der Jacques-Plante-Trophy ausgezeichnet. Der Genfer verdiente sich die Auszeichnung mit einer überragenden Saison bei den SCL Tigers. Damit ist Charlin, der zu seinem Stammclub HC Genf-Servette zurückgekehrt, der erste Langnauer welcher die «Trophée-Jacques-Plante», die seit 1987 vergeben wird, gewinnen konnte. Die Auszeichnung für den besten Torhüter, welche zum 38. Mal vergeben wurde, ist die traditionsreichste Auszeichnung des Schweizer Eishockeys, denn keine andere Spieler-Auszeichnung wird in der Schweiz länger vergeben.

Die «Trophée-Jacques-Plante» wurde von Raymonde Plante, der im Wallis lebenden Witwe des legendären NHL-Torhüters Jacques Plante, gestiftet und im August 1986 erstmals in Sierre präsentiert. In Anlehnung an die Georges-Vezina-Trophy (dem Vorbild aus der NHL), wurde die als «Replika» durch die «Silberschmiede» Argeta in Saxon hergestellt und war zu diesem Zeitpunkt eine absolute Neuheit im Schweizer Eishockey. Slapshot berichtete in der Januar Ausgabe von 1987 über die NHL-würdige Trophäe (Foto) mit folgenden Kriterien: Die Torhüter müssen mindestens 29 Spiele absolviert oder 1740 Minuten gespielt haben. Die Trophäe ging damals an den statistisch besten Torhüter der Qualifikation. Der Davoser Richard Bucher wurde als erster Akteur ausgezeichnet. Heute wird die Trophäe jeweils durch Caroline Plante, der Tochter der NHL-Legende, an den besten Torhüter der Liga, nach einer Jury-Wahl, überreicht.

Ihr Vater Jacques Plante wurde 1978 in die Hockey-Hall-of-Fame in Toronto aufgenommen. In 19 NHL-Spielzeiten, zwischen 1953 und 1975, gewann der Torhüter sechsmal den Stanley-Cup mit den Montreal Canadiens, dazu kommen sieben Georges-Vezina-Trophys (Auszeichnung für den besten Goalie der Liga), die Hart-Trophy (wertvollster Spieler der Regular-Season) plus sieben Nominierungen ins All-Star-Team. Seine Rückennummer 1 wird in Montreal nie mehr vergeben. Nach seiner NHL-Karriere liess sich die Torhüterlegende 1984 mit seiner Familie in der Schweiz nieder, wo er auch eine Saison beim HC Sierre als Assistenzcoach von Normand Dubé (Christians Vater) an der Bande stand. 1986, im Alter von 57 Jahren, verstarb die NHL-Legende in Genf an Magenkrebs. Noch im gleichen Jahr hat seine Frau Raymonde die Fondation-Jacques-Plante zur Förderung von Torhütern in der Schweiz gegründet und stiftete den Wanderpokal für den besten Goalie der Nationalliga-A.

Zu Plantes Ehren wird auch in seiner Heimat, in der Liga seines Geburtsortes, der Quebec-Major-Junior-Hockey-League (QMJHL), seit 1970 die «Trophée Jacques Plante» an den Torhüter mit dem geringsten Gegentorschnitt vergeben, zwei der Gewinner spielten später gar in der Schweiz. Im Gegenzug spielten sieben Jacques-Plante-Trophy-Gewinner aus der Schweiz später in der NHL.

Artikel ist im SLAPSHOT Magazin unter KREIN ON TOUR erschienen.

Inspirierendes Berner Expo-Gelände

In der neuen Berner Expohalle «Genuss & Tradition» geht es zu und her wie in einer Drittelspause der PostFinance-Arena, «Vinspiration» heisst der Genuss, welcher die Besuchenden in Massen zur Weindegustation verführt. Mittendrin ist der gleiche Mann, welcher am 24. April 2025 den Meisterpokal «Twin-Skate» nach Lausanne zur Übergabe an die ZSC Lions chauffiert hat. «Es ist aufgegangen, hätte Lausanne das fünfte Spiel gewonnen, hätte ich während der Berner Ausstellung (BEA) nach Zürich, oder gar zu Spiel sieben, nochmals nach Lausanne fahren müssen», sagt Willi Vögtlin, bei der National-League zuständig für Spiele und Pokal und bei seinem Weinhandel zuständig für Degustation und Genuss. Der Spielplan-General ist währen der finalen Hockey-Phase, gleichzeitig an der Berner Expo engagiert.

Engagiert war der ehemalige Weltklasse-Schiedsrichter vor 35 Jahren auf dem gleichen Gelände, anlässlich der Weltmeisterschaft 1990 in Bern und Freiburg. An seiner letzten WM pfiff der Baselbieter sechs Spiele in Bern, eines davon, Tschechoslowakei gegen Schweden, gehört auch zu meinen ersten WM-Eindrücken. Überhaupt gehört das Gelände rund um die Berner Expo zu mancher persönlichen Geschichte. Heute trifft man dort beispielsweise Tristan Scherwey, früher war das Gelände rund um das ehemalige Berner Allmend-Stadion das Tor zur grossen, weiten Hockeywelt. Zu Vögtlins Aktivzeit gab es kein Internet und nur SLAPSHOT lieferte sporadisch den «Blick über die Landesgrenzen.» Bei einem BEA-Besuch im Kindesalter, galt der Fokus genau zwei Adressen: Dem Fan-Shop des SC Bern und dem Verkaufsstand von Wüthrich + Co. aus Langnau. Die beiden Aussteller waren im Untergeschoss des Treppenhauses der heutigen Hallen 1.1 und 1.2 untergebracht.

Erste Priorität hatte der SCB-Shop, denn dort lag das internationale Jahrbuch des IIHF, genannt «Eishockey-Almanach», für 14 Franken und 80 Rappen ging der Almanach 90/91 über die Berner-Fan-Theke, dies galt sogar zu «Sackgeld-Zeiten» als Schnäppchen. Denn dieses Buch war mein Lebenselixier, vielleicht ist das Nachschlagewerk auf der gleichen Stufe, wie der berühmte «Sport-Almanach» in Zurück-in-die-Zukunft – mit der grossen Ausnahme, 1990 blickte man, statt in die Zukunft, ins vergangene Hockey-Jahr. Das gesamte Wissen lag in diesen knapp 200 A5-Seiten und bot mir, Jahr für Jahr, beim Selbststudium unbeschreibliche Glanzstunden. Mit dem Rest der Ersparnisse ging es vis-à-vis zu «Wüthrich», denn dort – und nur dort – gab es die NHL. Poster, Wimpel, Pucks, Ministöcke und Pins der wichtigsten NHL-Franchisen.

Die wichtigsten NHL-Franchisen sind auch an der «Vinspiration 2025» ein Thema. Vögtlin holt die nächste Weinflasche, zwischen Traubensorten, Piemont und Sizilien wird auch über die Playoff-Serie der Winnipeg Jets gesprochen. Die Zeiten haben sich längst geändert, das Gelände jedoch, rund um die Berner PostFinance-Arena, schreibt weitere Kapitel über den faszinierendsten Sport der Welt.

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Wer hat das Zähringer-Derby erfunden?

Die Playoffs 2025 bescheren uns in den Viertelfinals das «Zähringer-Derby» und damit die gewohnte Renaissance des Deutschen Adelsgeschlechts. Doch seit wann spricht man eigentlich vom Zähringer-Derby? Die Herzöge Berthold IV und V von Zähringen waren 1157 (Freiburg) und 1191 (Bern) für die Stadtgründung, das Stadtrecht und das Stadtbaukonzept verantwortlich. Unter den Herzögen von Zähringen entstanden im Mittelalter zwölf Städte in Deutschland und der Schweiz, darunter die Eishockey-Relevanten Standorte Bern, Burgdorf, Freiburg im Breisgau, Fribourg, Rheinfelden, Thun und Villingen-Schwenningen.

In der Blütezeit spielten vier Zähringer-Städte, je zwei in Deutschland und der Schweiz, in der obersten Spielklasse. Das erste Zähringer-Derby gabs am 30. September 1980 in der Augustiner-Kunsteisbahn in Freiburg vor 4’200 Zuschauern, NLA-Aufsteiger Gottéron siegte mit 4:1. Die Eishockey-Legende Jakob Lüdi, er sitzt/sass auch bei der aktuellen Serie im Stadion, erzielte einen Hattrick und eröffnete in der 4. Minute das Skore der Geschichte dieses Derbys. Dies geschah ein Jahr vor den Nachbarn aus dem Lande der Gründerväter, welche am 27. September 1981, ihr erstes Derby zweier Zähringerstädte im Oberhaus zu sehen bekamen, der Schwenninger ERC siegte vor heimischem Publikum mit 5:4 gegen den EHC Freiburg. 1993, ein Jahr vor DEL-Gründung, musste der EHC Freiburg Konkurs anmelden und verschwand von der deutschen Eishockey-Landkarte. Seither spielten Freiburger und Schwenninger nie mehr gemeinsam in der obersten Spielklasse. So ist die Paarung zwischen Bern und Freiburg-Gottéron heute weltweit das einzige Derby zwischen Zähringerstädten.

Doch über «Zähringer» und «Eishockey» spricht man erst seit diesem Jahrtausend. Die ersten zwei Playoff-Serien zwischen Bernern und Freiburgern gingen 1991 und 1992 noch fern vom Deutschen Adelsgeschlecht durch die Medien. Erst die dritte Serie, 2008 wurde medial als «Zähringer-Derby» verkauft. Derweil lief in der Zentralschweizer 1. Liga, mit Thun gegen Burgdorf, zwischen 1984 Und 2017 ebenfalls ein Derby der Zähringerstädte. In der Saison 1999/00 gesellte sich gar noch der EHC Rheinfelden für ein Jahr dazu und spielte mit dem Namen «Zähringer» im Logo, die Derbys gegen die beiden Berner Mitstreiter.

Sportjournalistisch sprach «Der Bund», am 29. Februar 1960, anlässlich des NLB-Fussball-Spiels zwischen dem FC Bern und dem FC Freiburg, erstmals von einem «Zähringer-Derby», Es dauerte bis ins Jahr 2002, ehe der Begriff «Zähringer» sich ins Eishockey einschlich. Jürg Vogel, er tippte u. a. auch unter dem Pseudonym George Bird für SLAPSHOT, schrieb in der NZZ, vom 14. September 2002, über das Duell der beiden «Zähringerstädte.» In der Folge verbreitete sich der Begriff «Zähringer-Derby» wie deren Baukunst im Mittelalter. Die Berner Altstadt gehört seit 1983 zum UNESCO-Weltkulturerbe und vielleicht findet auch das weltweit einzigartige Derby dereinst die Aufnahme, unter der Kategorie der «Schweizer Traditionen», in Kreis des immateriellen Kulturerbes.

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Der falsche Stampfli

Eigentlich sollte es eine Geschichte über «die Gallier» aus der Ajoie geben, doch der Besuch, zwei Tage vor Redaktionsschluss, im Tal der heulenden Winde lieferte ein Schmankerl, welches der hier schreibende Kolumnist festhalten musste.

Vor dem Spiel zwischen den SCL Tigers und dem EHC Biel, auf dem Weg zum Kommentatoren-Platz, kommt mir Yanick Stampfli’s Vater Thomas (Stampfli-Senior) entgegen, der Vater des Biel-Verteidigers ist auch als Assistent der Bieler U15-Elit-Mannschaft bekannt. Nach meinem «Hallo Stamme», grüsst mich der Spielervater leicht irritiert zurück, was mich kurzzeitig erstaunt, dem ich aber keine weitere Beachtung schenke.

Beachtung schenke ich einer Szene in der 40. Minute, Stampfli-Junior spielt die Scheibe in hohem Bogen über die Plexiglasscheibe und wird daraufhin für zwei Minuten in die Kühlbox geschickt. Dies entlockt mir als Kommentator, dass auch dessen Vater sich im hier Stadion befinde. In der Pause werde ich vor dem Presseraum durch Dylan Halter, einem ehemaligen Mitarbeiter des EHC Biel, abgepasst, welcher mir erklärt, dass er meinen Kommentar als WhatsApp-Nachricht seiner Freundin Michelle, der Schwester von Stampfli-Junior, erhalten habe, denn Stampfli-Senior könne unmöglich in Langnau sein.

Zur gleichen Zeit erhält Stampfli-Senior von seiner Frau einen Anruf, ob er in Langnau sei? Ein klärender Anruf Dylan Halters, bei dem der hier schreibende Kolumnist und Kommentator zuhören kann, hilft weiter. Stampfli-Senior sitzt zu diesem Zeitpunkt im U15-Mannschafts-Car, auf der Heimreise von Lausanne. Wen um Himmels Willen habe ich vor dem Spiel gegrüsst? Stampfli’s Zwillingsbruder, vermutet Halter.

Solche Geschichten kennen die Stampfli-Zwillinge, geboren am 13. Mai 1971, zu genüge, «immer wieder werden wir verwechselt», erklärt Thomas noch am Telefon. Thomas und Markus spielten einst für die Elite-Junioren (heute U20-Elit) des EHC Olten und eine gemeinsame U18-Europameisterschaft, 1989 in Kiew, ehe sich ihre Wege 1990 trennten, Goalie Thomas wechselte nach St. Moritz und Stürmer Markus zurück zum Stammclub Solothurn-Zuchwil. Kurioserweise ist ihr damaliger Headcoach aus Oltner-Zeiten, Jaroslav Tuma (SLAPSHOT Nr. 6, 1989), an diesem Abend ebenfalls in Langnau und beobachtet als Agent seinen Langnauer Klienten Jiri Felcman.

Zum Auftakt des Schlussdrittels erklärt der Kommentator und hier schreibende Kolumnist seinen Fauxpas, doch die Causa-Stampfli geht weiter. Kurz vor dem ersten O-Ton meines Interview-Partners Fabio Hofer, erblicken wir gemeinsam den «falschen Stampfli» und Hofer winkt ihm freudig zu.

Zurück in der Kabine habe Hofer von Stampfli-Senior erzählt und Yanick, ebenfalls erstaunt, habe seinen Vater – immer noch auf dem Weg von Lausanne nach Biel – telefonisch kontaktiert…

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Ruotsalainens Erben

Die New Jersey Devils fristen in ihren Anfangsjahren eher ein Schattendasein, auch in der Schweiz gibts lange Zeit keinen Bezug zum roten Teufel. Dies ändert sich, als Reijo Ruotsalainen den SC Bern nochmals Richtung National-Hockey-League verlässt. Rexi gibt im Alter von 29 Jahren ein Comeback bei den New Jersey Devils. In der Januar-Ausgabe 1990 von Slapshot erscheint ein dreiseitiger Beitrag mit der Überschrift «Rexi der Teufel» – Wow – Ruotsalainen, im weissen Jersey mit der gewohnten Rückennummer 29, in der legendären grünen CCM-Supra-Hose, in Aktion gegen die Vancouver Canucks. In der Kabine sitzt der Finne neben dem heutigen Nationalmannschaft-Assistenten Tommy Albelin. Erstmals erfährt die Schweiz, lange vor dem Internet-Zeitalter, Einzelheiten der Organisation aus East Rutherford, welche in der Brendan-Byrne-Arena im Meadowlands-Sportkomplex spielt. Teufel-Ruotsalainen erscheint auch in der NZZ (Neue Zürcher Zeitung) und im Bund. Geliefert wird die Exklusiv-Story im Slapshot von einem gewissen «George Bird», in der NZZ vom Kürzel «gel» und im Bund noch «el». Unter dem Pseudonym «Bird» berichtet Jürg Vogel in der Schweiz gleich mehrfach aus New Jersey. Das ist der Startschuss zur Organisation «enett» dem Hudson-River.

Die Schweiz trifft sich in New Jersey

33 Jahre nach Birds erstem Bericht aus dem fernen US-Bundesstaat heisst der Kapitän der Teufel Nico Hischier, der Verteidiger Jonas Siegenthaler, der Torhüter Akira Schmid und der neuste Kassenschlager und Wunschtransfer Timo Meier. Jeder Hockeyschweizer kennt heute die New Jersey Devils, die Organisation ist die «schweizerischste» die es bis heute je gegeben hat. Vier Spieler in der gleichen Organisation übertrifft die drei Akteure bei den Nashville Predators zwischen 2016 und 2019. So treffen sich die Schweizer auch während Partien der Devils rund um das Prudential Center, so auch am 28. Dezember 2022 im Restaurant Chipotle-Mexican-Grill an der Market-Street 222. Dieser Mann kommt mir doch bekannt vor? «George Bird» ist es nicht, aber mit Eishockey hat er zu tun, es ist Gérard Scheidegger, der ehemalige Manager von Biel, Davos, Langnau, Lausanne und La Chaux-de-Fonds. Man nickt einander zu und kommt ins Gespräch – beide können auf Anhieb den Namen ihres Gegenübers nicht nennen, aber kennen sich vom Sehen her. New Jersey ein Ort wo sich heute Schweizer:innen die Türklinke in die Hand geben. Aus Birds superlativem Bericht der frühen 90er Jahre ist heute ein Pendler:innen-Ort für Herr und Frau Schweizer geworden.

Zu Besuch sind beim Schweizer Kapitän auch die Familienangehörigen aus dem Wallis, die Schweiz und New Jersey stehen sich heute so nah wie keine andere NHL-Organisation. Selbst beim Einlass hilft dir das Prädikat «Switzerland» und der Ticket-Scan wird durch die Hostessen so freundlich abgefertigt, wie das Check-In in einem Wellness-Hotel im Südtirol. Selbst der langjährige Kult-Organist Pete Cannarozzi lässt dich während dem Spiel auf seinem Orgelstuhl Platz nehmen. Cannarozzi ist nicht nur ein Kult-Mann im Prudential Center, er griff schon im alten East Rutherford in die Tasten, wo einst dieser «Mister Bird» über die Teufel berichtete. «Piitii», wie seine Freunde ihn nennen, ist seit 2001 an Board der Devils und orgelte die Teufel, am 9. Juni 2003 vor 19 040 Zuschauern, in der Continental-Airlines-Arena (oder auch Brendan-Byrne-Arena) zum vorerst letzten Stanley-Cup-Triumph.

Cannarozzi’s Orgelspiel begleitet am 28. Dezember 2022 auch den Ausgleichstreffer Nico Hischiers in der 47. Minute. Die Devils sind eigentlich das bessere Team, doch die Boston Bruins spielen äusserst effizient und abgeklärt, dazu hält Schlussmann Linus Ullmark alles, was auf seinen Kasten kommt. Die Devils verlieren, wie 1990 bei Bird’s Besuch und einem 3:6 gegen die Washington Capitals, mit 1:3 durch einen Empty-Net-Goal in der letzten 59. Minute. An diesem Abend reicht es für Siegenthaler und Co. nicht. Nicht reichen tut es auch für all diejenigen welche sich während der Drittelspause eine Pizza holen wollen, dies nicht wegen der grossen Nachfrage, sondern wegen der äusserst ineffizienten Pizza-Crew.

Wegbereiter in Teufels Küche

Die Pizza-Mannschaft präsentiert sich etwa gleich schlecht wie die Devils kurz nach ihrem Umzug aus Denver, als sie am 19. November 1983 in Edmonton mit 14:3 abgefertigt und von Wayne Gretzky als «Mickey-Mouse-Team» belächelt werden. In 80 Spielen setzt es 1983-84 für die Devils 56 Niederlagen ab. Niederlagen würde es innerhalb des Prudential-Centers im Vergleich mit den anderen Imbiss-Buden auch für die Pizza-Station absetzen. Die Pizza-Crew arbeitet heute noch so wie das «Micky-Maus-Team» und in der 18-minütigen Drittelspause gehen in Teufels Küche drei Pizzen über die Theke.

In Teufels Küche befindet sich der Schweizer Wegbereiter Ruotsalainen kurz nach Bird’s Besuch und wird im Februar 1990 nach Edmonton transferiert. Dennoch ist Ruotsalainens Engagement als Teufel der Grundstein für die späteren Erben aus dem Alpenland. Ruotsalainen gilt daher als erster «Schweizer» und ist nur der Vorbote aus einem Land, welches den Devils später einen Captain und drei weitere Schlüsselspieler bescheren wird. 1990 ist die Schweiz für die Teufel genau so unbekannt wie für Bird’s oder Vogel’s Landsleute die erste Berichterstattung aus New Jersey. Heute haben bereits sieben Schweizer das Trikot der Teufel getragen, davon stehen 2023 vier auf der Gehaltsliste der Organisation von Gründer Dr. John J. McMullen. Der erfolgreichste Finne in Teufels Küche übrigens, Sami Vatanen spielt heute in der Schweiz beim HC Genf-Servette. Ruotsalainens Erben beehren eben nicht nur die teuflischen Devils, sondern auch die finnischen Schweizer.

SpielerSpielePunkte
Nico Hischier*384*284*
Jonas Siegenthaler*156*34*
Damien Brunner7732
Mirco Müller13422
Timo Meier*19*13*
Akira Schmid (G)*23**
Gilles Senn (G)2
*Aktiver Teufel, Stand 9. April 2023

Davos vs. Lugano! Strecker vs. Krein!

Das Duell! Früher bekannt aus dem Magazin Slapshot und später aus dem Top Hockey. Jeweils monatlich duellierten sich Klaus Zaugg und Joël Wüthrich zu einem brisanten Thema. Als «Duell im Westentaschenformat» oder als «Duell Zaugg/Wüthrich der armen Männer» duellieren wir uns in der Playoff-Version Davos vs. Lugano 2009. Ein Duell, welches eigentlich schon fast ein vorgezogenes Finalspiel sein könnte. Spitzeneishockey auf beiden Seiten bereits schon im Viertelfinal. Doch wer hat nach der Best of Seven Serie die Nase vorn? HCD vs. Lugano, oder Simon Strecker vs. Michele Krein!


Strecker:
Wenn man in die Vergangenheit schaut, müsste man das «Grande Lugano» klar favorisieren. Doch erstens ist die Vergangenheit vorbei und zweitens ist das Grande Lugano nicht mehr so gross, wie es fürher war. Vor Jahren hätte man sich mit einem fünften Quali Rang nicht zufrieden gegeben.

Doch wer ist überhaupt favorisiert? Beide Teams verfügen über ein starkes Kader. Der HC Lugano hat bestimmt mehr Talent im Team, vor allem die viel stärkeren Ausländer. Davos hat dafür mehr Kampfgeist, mehr Siegeswillen, Davos ist hungriger! Und dies trotz der besten Bilanz aller National-League-A Teams der letzten Jahre! Arno del Curto hat es geschafft, dass keine mentale Müdigkeit im Team einkehrt, keine Genügsamkeit, wie sie zum Beispiel der SC Bern seit Jahren verspürt.

In der Aktuellen Saison gab es bis jetzt sechs Verlängerungen. Davon konnte der HCD vier für sich entscheiden. In der Playoff Serie gab es bis jetzt immer Verlängerung. Von der Wahrscheinlichkeit her müsste es also dem Schweizer Rekordmeister reichen, die Halbfinals zu erreichen.

Doch auf Statistiken sollte man sich nicht verlassen. Es gibt weitere Gründe, warum der HCD die Tessiner schlagen wird. Gerade bei engen Serien, wo sich die Teams ebenbürtig sind, entscheidet am Schluss der Wille! Und Davos hat den stärkeren Willen. Davos hat ein jüngeres Kader mit Spielern, die zwar weniger Talent besitzen, doch dafür um so mehr daran glauben, das Ziel zu erreichen. Davos hat zudem die ausgeglichenere Mannschaft. Davos hat keinen Nummelin, keinen Thoresen und auch keinen Murray. Wenn es dem HCD gelingt, diese Spieler zu neutralisieren, dann ist ein Weiterkommen in die Halbfinals ausser Frage! Beim HCD sind die Skorer viel besser verteilt, jeder kann das entscheidende Tor schiessen. So wie Robin Grossmann im letzten Spiel in der Overtime mit einem scharfen Slapshot.

Krein: Insgesamt sechsmal standen sich die beiden Teams in Playoff-Serien schon gegenüber. Fünfmal (1986, 1988, 1999, 2003 und 2006) konnten die Tessiner die Serie für sich entscheiden. Die Playoff-Statistik spricht also ganz klar für Lugano. Die letzte Playoff-Paarung der beiden Kontrahenten, konnte Lugano mit einer 4:1 Serie im Final für sich entscheiden. Die aktuellen Saisonresultate sprechen aber für den HCD. In vier spielen ging es dreimal in die Verlängerung, wobei die Bündner deren zweimal die Overtime für sich entscheiden konnten.

Was spricht im Viertelfinal 2009 für den HC Lugano? Lugano behagt die Rolle des Aussenseiters besser als die des Favoriten. Bei den letzten drei Meistertiteln startete man aus den Rängen drei (1999), vier (2003) und zwei (2006). Obwohl Davos-Trainer Del Curto sein Team «immer» als Aussenseiter bezeichnet, betrachte ich es für Lugano als Vorteil, vom fünften Rang aus als «Aussenseiter» zu starten.

In den Jahren des Scheiterns spielte Lugano jeweils eine grandiose Qualifikation, die Spieler erreichten ihr Leistungszenit bereits in der Quali, waren aber in den Playoffs ausgebrannt. Dazu kam meistens noch das Verletzungspech. In der aktuellen Saison spielte man eine durchzogene und nicht immer überzeugende Qualifikation und musste einen Trainerwechsel verkraften. Viele Spieler wie Hirschi, Domenichelli, Robitaille, Lemm, Conne und Nummelin standen nicht immer zur Verfügung. Doch rechtzeitig auf die Playoffs kann die Mannschaft erstmals komplett (mit Ausnahme von Paterlini und Domenichelli) antreten. Gerade Steve Hirschi, welcher in den letzten drei Jahren nur 46 Spiele bestreiten konnte, kommt als Sinnbild für Luganos Rückkehr in die Playoffs rechtzeitig zurück.

Unter den besten fünf Skorern der Qualifaktion befinden sich zwei Lugano-Spieler: Patrick Thoresen (63 Punkte) und Petteri Nummelin (62 Punkte). Der beste Davoser ist Michel Riesen mit 41 Punkten (noch hinter Julien Vauclair). Skorerwerte müssen nichts heissen, schlussendlich gewinnt man als Mannschaft und nicht mit Einzelspielern. Dennoch können Thoresen und Nummelin in der Serie gegen die Bündner entscheidende Faktoren sein.

Praktisch niemand glaubt an einen Triumph Luganos über die Bündner, trotzdem traue ich dem siebenfachen Schweizermeister eine «Überraschung» zu. Doch dazu braucht es eine kompakte Mannschaftsleistung, einen David Aebischer in seiner besten NHL-Form, den Willen und den Glauben des Siegens. Dazu kommt das Wissen, dass man in den letzten Jahren alle Playoff-Serien gegen die Bündner gewinnen konnte. Der letzte und bisher einzige Davoser-Playoff-Erfolg gegen Lugano liegt elf Jahre zurück.