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Wenn Brent Burns in der Rod Laver Arena spielt

 

Bent Burns, Garnet Exelby und Keith Primeau posieren mit dem Maskottchen der Sydney Bears. (Foto: Sydney Bears)

Brent Burns, Garnet Exelby und Keith Primeau posieren mit dem Maskottchen der Sydney Bears. (Foto: Sydney Bears)

Rod Laver Arena, Allphones Arena, Entertainment Centre und Perth Arena heissen die Schauplätze. Die Sportarten heissen aber nicht Tennis, Basketball oder Volleyball, sondern Eishockey. Während sich auf der gegenüberliegenden Seite des Erdballs die Tampa Bay Lightning und die Chicago Blackhawks um den begehrten Stanley-Cup duellieren, spielen eine kanadische- und amerikanische Auswahl die «Ice Hockey Classic Australia». Die Vier-Spiele-Serie, mit dem Ziel in Down Under für den Eishockeysport zu werben, wird in Melbourne, Sydney, Brisbane und Perth ausgetragen.

NHL- und Schweizer Söldner

Die beiden Mannschaften sind mit David Booth (Toronto Maple Leafs), Jerry D’Amigo (Buffalo Sabres), Taylor Beck (Nashville Predators), Zenon Konopka (HK Sanok, Polen, 354 NHL-Spiele), Garnet Exelby (Dornbirn, 412 NHL-Spiele) und WM All-Star-Team Verteidiger und Weltmeister Brent Burns (San Jose Sharks) auch in Down Under bestens besetzt. Selbst die «Schweiz» ist mit zwei ehemaligen Söldnern vertreten, Brett McLean (wechselt von Lugano nach Linz) trägt das kanadische Trikot in Sydney und Brisbane. Der Ex-Zuger und Langnauer Robbie Schremp spielt alle vier Partien für die USA.

It’s always been on my bucket list, coming to Melbourne, and I’m stoked I got to cross it off playing hockey for a great cause (Brent Burns)

Das erste Spiel fand in der legendären Rod Laver Arena in Melbourne statt, welche kurzum vom Tenniscourt in eine Eishalle verwandelt wurde. Die Atmosphäre in der Rod Laver Arena, wo sonst Roger Federer und Co. die Tennis-Fans von den Sitzen reissen, glich eher einer Riesenparty als einem Sportevent wie die Australien Open. Für Fans und Spieler war die grosse Hockeyparty sichtlich ein Genuss. Dabei avancierte San Joses Burns innert kürze zum Publikumsliebling. «It’s always been on my bucket list, coming to Melbourne, and I’m stoked I got to cross it off playing hockey for a great cause», sagte Burns nach dem 9:6-Sieg über die Amerikaner in Melbourne.

Beste Werbung fürs Eishockey

Die Resultate sind aber zweitrangig, im Vordergrund stehen Spektakel und die Faszination, den sich im Aufschwung befindende Eishockeysport in Australien weiter zu fördern. Gleichzeitig ist die Meisterschaft in der Australian Ice Hockey League (AIHL) voll im Gange. Perth Thunder und Adelaide Adrenaline stehen nach zehn Spielen an der Tabellenspitze. Der aktuelle Titelträger Melbourne Mustangs, steht nach einem enttäuschenden Start nur auf dem zweitletzten Platz. Die NHL-Cracks Brent Burns, Zenon Konopka, Garnet Exelby und USA-Headcoach Keith Primeau (1‘037 NHL-Spiele) standen während des AIHL-Spiels Sydney Bears – Melbourne Mustangs (7:6) für Fotos, Autogramme und Interviews mit den Fans zur Verfügung. Die Tour dauert noch bis am 20. Juni 2015 in Perth, dann müssen sich Australiens Hockey-Fans wieder dem normalen AIHL-Alltag widmen, welcher Ende August mit dem Goodall-Cup, der fünftältesten Hockeytrophäe der Welt, den neuen- und letzten Meister aller Ligen und Länder kührt.

Ice_Hockey_Classic_Australia

Kanada: Tyler Bunz (Edmonton, NHL/Oklahoma, AHL); Brent Burns (San Jose, NHL), Jordon Southorn (Gwinnett, ECHL), Andrew MacWilliam (Toronto, NHL/AHL), Nolan Yonkman (Adirondack, AHL/Jyväskylä, Fi), Mathieu Brisebois (Rockford, AHL); Frazer McLaren (Toronto, AHL), Logan MacMillan (Karaganda, VHL), Taylor Beck (Nashville, NHL), Matt Frattin (Toronto, NHL/AHL), Brett McLean (Lugano, Sz/Linz, Ö), Eric Neilson (Syracuse, AHL), Tyler Gron (Milano, It), Kevin Harvey (Sydney Ice Dogs, AIHL), Ryan Watson (Bakersfield, ECHL), Bryan Cameron (Alaska, ECHL)

USA: Garret Sparks (Orlando, ECHL); Garnet Exelby (Dornbirn), Ned Lukacevic (Coventry, Gb), Matt Williams (Sanok, Pol), Brad Miller (Sonthofen, De), Jason DeSantis (Klagenfurt, Ö); Kevin Baker (Quad City, ECHL), David Booth (Toronto, NHL), Zenon Konopka (Sanok), Jerry D’Amigo (Buffalo, NHL), Rob Schremp (Skelleftea, Sd), Michael Forney (Sheffield/Belfast, Gb), Mike Cichy (Sanok), Bryan Lerg (Worcester, AHL), Kip Brennan, Nick Lazorko (Pensacola, SPHL), Joe Harcharik (Sydney Bears, AIHL); Keith Primeau (Headcoach)

Ice Hockey Classic Australia Tour 2015 

Melbourne (Rod Laver Arena, 15‘000 Plätze), 5. Juni 2015, Kanada – USA 9:6 (4:1, 1:2, 4:3)
Sydney (Allphones Arena, 21‘000 Plätze), 6. Juni 2015, USA – Kanada 6:1
Brisbane (Entertainment Centre, 14‘500 Plätze), 13. Juni 2015
Perth (Perth Arena, 15‘500 Plätze), 20. Juni 2015

Blacktown Ice Arena

Kuriositäten in Blacktown

Am 9. August 2003 besuche ich erstmals ein Spiel der obersten australischen Liga, der Australian-Ice-Hockey-League (AIHL). Dabei stehen sich die Tabellendritten Western Sydney Ice Dogs und die Fünftplatzierten Melbourne Ice gegenüber. Bin ich im falschen Film? Nach einem Monat in Down Under finde ich mich wieder mitten im Eishockey-Rummel. Als ich den Stadion-Eintritt, Stadion ist vielleicht der falsche Ausdruck, mit den worten «enjoy the game» passieren kann, kommen mir Fans in Ice Dogs-Trikots, Ice Dogs Fan-Schals und Ice Dogs-Baseball-Caps entgegen. Man hätte gerade so gut in der Schweiz bei einem 1. Liga Match sein können! Übrigens, das Eintrittsticket kostet zehn australische Dollars.

Das Spiel beginnt erst mit einer Verspätung von 45 Minuten, da die Mannschaft aus Melbourne Verkehrsprobleme hat, umso grösser ist meine Spannung. Ob dies zur australischen Hockey-Normalität gehört? Ein weiteres Kuriosum: Das Spiel beginnt, während die letzten Melbourne-Cracks noch in der Kabine sitzen! Melbourne spielt mit nur zwei kompletten Linien! Sydney sieht mit drei Blöcken wesentlich professioneller aus! Melbourne wird das Tempo nicht durchhalten können. Kommt dazu, dass Melbourne keine Zeit hat sich einzuspielen, geschweige denn seinen Torhüter Chris Leetham einzuschiessen!

Melbourne hat keine Zeit seinen Torhüter Chris Leetham einzuschiessen!

Und genau so kommt es! Das Einschiessen von Leetham übernehmen die Ice Dogs und führen, durch zwei Treffer des kanadischen Import-Spielers Jason Haakstad, nach dem ersten Drittel (ein Drittel dauert 15 Minuten) mit 2:0. Haakstads Spielstil ähnelt demm Stil von Marcel Jenni, in der Schweiz würde man sagen, «der Marcel Jenni des australischen Mannes.» Nach 23 Minuten steht es immer noch 2:0 für die Eishunde, dann kommt der erwartete Einbruch: 8:0 nach zwei Dritteln, Endresultat 11:1 für Sydney! die meisten Tore werden durch Sydneys erste Formation mit dem Kanadier Haakstad, dem Tschechen Martin Jesko und dem Australier Andrew White erzielt! Das Niveau stufe ich zwischen unserer 1. und 2. Liga ein, es ist schwer zu sagen, da Sydney an diesem Abend um Klassen besser ist als sein Gegner. Eventuell könnte Sydney gut in der 1. Liga mithalten. Ich habe auch über gewisse Spieler nachgeforscht und gesehen, dass Haakstad beispielsweise in den amerikanischen Minor Leagues gespielt hat!

Das Spiel wird beeinträchtigt

Das ganze Spielsystem ist ein bisschen anders als in der Schweiz. Dies wird beeinträchtigt von einem nicht ganz komfortablen Eisrink. Plexiglasscheiben hinter den Toren kennt man in Blacktown nicht, da hängen einfach Netze. So wird automatisch weniger mit den Banden gespielt, ich sehe praktisch keinen Pass via Bande. Die Hallendecke ist so tief, dass ein Lopp-Pass die Hallendecke berühren würde und das Spiel unterbrochen wird. Doch eines ist sicher – es ist nicht das letzte Spiel, welches ich mir in Australien angesehen habe.

Die Kabine der Western Sydney Ice Dogs. (Foto: Western Sydney Ice Dogs)

Die Kabine der Western Sydney Ice Dogs. (Western Sydney Ice Dogs)

Das Hilldale im falschen Jahr

Während meiner Rückfahrt mit der Sydney Ferry testete ich, bei einem Anruf an den General-Manager der Sydney Bears (Australischer-Meister), ob meine neue Optus-Karte auch funktioniert. Er erklärte mir, dass bereits heute Abend um 20 Uhr 30 ein Eistraining stattfinden würde und dass ich ohne Probleme bei ihnen trainieren dürfe! Ok that’s great! Um 18 Uhr war ich „back to the 42 Martin Street“ in Manly (wo ich für sieben Wochen wohne) um meine Eishockey-Ausrüstung zu holen.
18 Uhr 55 ging ich am Manly-Wharf on the Ferry! 19 Uhr 30 stieg ich am Circulary-Quai (Zentrum von Sydney bei Oper und Harbour Bridge) in den Train Richtung Parramatta. Um 20 Uhr 15 erreichte ich endlich Parramatta… …noch 15 Minuten bis zum Training… to late! Naja dann geh ich wenigstens vorbei und schau mir mal das Niveau der Spieler an, dachte ich mir. Von Parramatta dauerte es mit dem Bus nochmals 20 Minuten bis Baulkham Hills, wo das Sydney Glaciarium, die Eishalle, steht! Mittlerweile ist die Sonne längst untergegangen und niemand in Baulkham Hills wusste wo das Eisstadion ist, von Hockey erst gar nichts… …schliesslich kam ich 21 Uhr zu einem Tankshop, einer der tankenden Aussies, wusste tatsächlich wo’s zur Eishalle geht. Yeah… …dachte ich! Sechs Strassen weiter nach Westen, immer noch fest entschlossen, aber mittlerweile zirka 50 km von Manly entfernt, marschierte ich mit Hockeyausrüstung durch Sydneys Agglomeration von Baulkham Hills. Das Quartier muss man sich etwa so vorstellen, wie im Film „Back To The Future II“, als Marty McFly aus der Zukunft in seine „alte“ Heimat zurückkehrte… „…das muss das falsche Jahr sein?“ düstere Gegend, alte Holzhauser, dreckige Vorgärten usw. und dies nach 21 Uhr in einem fremden Land, mit einer fremden Sprache…….. während meines Marsches, klingelte mein Natel und meine Freundin leistete mir glücklicherweise Gesellschaft.
Immer teifer drang ich in die düstere Gegend ein!
Während des Telefonates drang ich immer tiefer in die düstere Gegend von Baulkham Hills vor, ohne zu bemerken, dass ich mich wohl langsam aber sicher auf den Rückweg machen sollte! Schliesslich hielt ich an einer Bushaltestelle und beendete dann auch das Ferngespräch. Auch Bettina riet mir umzukehren. Guter Rat! (die letzte Ferrie Richtung Manly fährt um 23 Uhr 45!) weit und breit nichts von Eisbahn, das Training musste längstens zu Ende gewesen sein! Nach einer Viertelstunde vergeblichen wartens auf den Bus, überkam mich das komische gefühl, dass hier vielleicht gar keine Busse mehr fahren….. in diesem Moment war mir nur noch meine eigene Kleidung, die Hockeytasche und der Mond vertraut. Der Mond ist überall auf dieser grossen weiten Welt, dachte ich mir. Ob ich in Aarberg nachts auf dem Balkon sitze, auf den Malediven weile, in den Bergen bin, im Baselbiet bei verwandten, im Flugzeug oder irgendwo unterwegs in Lyss, der Mond war immer da. Dies gab mir eine Portion Sicherheit… …das Gefühl, doch nicht ganz alleine zu sein! glücklicherweise kam ein Taxi vorbei und nahm mich mit, Richtung Parramatta. Ich erklärte, dass ich wohl vergeblich auf den Bus wartete, er meinte: „Nein nein der Bus fährt noch!“ Anstelle der drei Dollars für den Bus, kostete mich nun das Taxi zirka 25 AUS-Dollars. Ich bat ihn bei der nächsten Bushaltestelle anzuhalten, ich wollte lieber mit dem Bus fahren. Für ihn kein Problem, ich musste nicht Mal etwas bezahlen… …wirklich hilfsbereit diese Aussies. Schliesslich erreichte ich im Circulary-Quai die zweitletzte Fähre zurück nach Manly…..

Kanadier fährt mich im Cabrio ins Training

Ich wusste, dass es auch in Canterbury einen Ice Rink gibt. dies hat mir am Vorabend auch der Bruder von Leah Mitchell (meine Homestay-mum), der auch Michael heisst, bestätigt. in Canterbury (Aussenquartier Sydneys) habe ich nach Michaels Beschreibungen doch tatsächlich nach fünf Minuten eine Sportanlage gefunden. Zu dieser Zeit fand dort draussen gerade ein Landhockeyspiel der Frauen statt. Gleich nebenan war eine Halle mit der Aufschrift: „Olympic Ice Rink Canterbury“ yeah! amazing! Am 19. Juli 2003, um 14 Uhr war es soweit, ein historischer Augenblick für meine eigene persönliche Geschichte. Michael Krein erblickt zum ersten mal australisches Hockeyeis! Links und rechts längsseitig waren kleine Tribünen angebracht, hinter dem einen Tor war nichts (wie in Biel, einfach eine Wand), hinter dem anderen Gehäuse der Eingang mit einem Hockeyshop! Im Hockeyshop erkundigte ich mich gleich nach dem Team, dessen Name ich bereits kannte, die Canterbury Eagles Sydney! Der Verkäufer des Hockeyshops gab mir die Natel-Nummer des kanadischen Trainers. Der Coach war begeistert und gab mir die Nummer eines Spielers der in Manly wohnt, also im selben Stadtteil wie ich!

Nachdem ich dann auch den Spieler (Jeff Klinck, ein Kanadier) kontaktiert habe, holte er mich um 19 Uhr 30 direkt bei Mitchells mit seinem Auto ab – super! Er fährt irgend ein Cabriolet! Also sind wir im offenen Wagen durch die halbe Stadt gefahren, u. a. auch über die Harbour Bridge! Also bestritt ich am 23. Juli 2003 mein erstes Training auf australischem Eis, schon während unserer Lehrzeit (1993 bis 1997) sprachen Marcel Althaus und ich oft darüber einmal nach Australien Hockey spielen zu gehen! Nun war es soweit… für mich! Obwohl es sicher als Duo einiges einfacher gewesen wäre! Doch nun hatte ich noch das Problem, dass ich keinen Hockeystock dabei hatte, also ging ich vor dem Training noch rasch in den Hockeyshop um einen Stock (Bauer, Jere Lehtinen) zu kaufen. Naja so gross war die Auswahl nicht! und der Stock kostete mich AUS$79, ich denke in der Schweiz hätte ich diesen für CHF 40 erhalten. Jeff Klinck ist u. a. nicht nur Spieler der Eagles, sondern auch noch Assistant-Coach des Juniorenteams (U20) von Canterbury. So bestritt ich zuerst das Training mit den Junioren, dies war gut zum Einstieg nach meiner anderthalb jährigen Hockeypause! Im Juniorenteam figurierte ein U20 internationaler Australiens, der bei uns höchstens Drittliga Niveau erreichen würde! Das Niveau dieses Juniorenteams erinnerte mich an den Film „Mighty Ducks das Superteam“! Einige bekundeten sogar Mühe beim Schlittschuhlaufen…. dies war das schlechteste Training das ich je gesehen habe! Nach dem Juniorentraining fand dann das richtige Training statt, mit dem Seniorteam der Canterbury Eagles. Auch hier spielten einige, mir bereits bekannte Namen aus dem australischen Nationalteam (Ross Moffat, Ryan Switzer oder Steve Riley), sie alle bestritten mehrere Weltmeisterschaften in der C- oder D-Gruppe des Welteishockeys! Ryan Switzer stand zudem im All-Star-Team des Goodall Cups 1988 und ist der Cousin von Mark Messier! Der beginn des Trainings erinnerte mich wieder an einen Eishockeyfilm: „Youngblood“, oder in der deutschen Version: „Bodycheck“, mit Patrick Swayze und Rob Lowe! Als ich die Spieler auf dem Eis gesehen habe dachte ich an „Coach Shadwick’s“ Spruch aus dem vorher genannten Film: „wo hast du die Jungs her, aus Mexiko?“ Das Niveau des Teams würde ich als schlechtes Drittliga-Niveau bezeichnen. Doch es hat Spass gemacht wieder Mal auf dem Eis zu stehen und für mein erstes Training, dass gewöhnlich immer etwas speziell ist, lief es mir sehr gut. Bereits nach 30 Minuten meinten Jeff Klick und Manager Don Scurfield, ich solle doch mit einem Team der „East Coast Super League“ trainieren! keine Ahnung….? East Coast Super League, klingt gut nicht?