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Boucher und die Lightning-Connection

Die Berner TAmpa-Fraktion:

Die Lightning-Connection: Timo Helbling, Guy Boucher, Trevor Smith, Cory Conacher und Sean Bergenheim. (Fotos: zvg)

Beim SC Bern sind aktuell fünf ehemalige Protagonisten der Tampa Bay Lightning engagiert. Die Neuzugänge Cory Conacher, Trevor Smith, Sean Bergenheim und Timo Helbling, sowie der bisherige Headcoach Guy Boucher. Sie alle standen einst in der Organisation der Lightning. Die drei Stürmer Bergenheim, Conacher und Smith spielten zwischen 2010 und 2013 unter Boucher bei Tampa in der National-Hockey-League (NHL). Der Pionier unter dem Quintett ist aber Helbling, er stand bereits 2005/06 beim damaligen Stanley-Cup-Sieger unter Vertrag.

Thinking to the gameplan under pressure, thats mental toughness (Guy Boucher)

In der NHL realisierte das Berner-Quartett in 156 Spielen 70 Skorerpunkte. In der Schweiz kommen die ehemaligen «Blitze» in den ersten 15 Qualifikations-Runden auf 29 Zähler. Am 20. Oktober 2015 gastiert der Tabellenzehnte HC Ambrì-Piotta in der PostFinance Arena. Nach 40 Minuten führen die Leventiner mit 3:1 und Bouchers Trainerstuhl gerät, gezeichnet durch die jüngsten Berner Auftritte und die nordamerikanische Gerüchteküche, ins Wanken. Doch die Blitze am Berner Eishockeyhimmel scheinen die Notsignale ihres ehemaligen NHL-Coaches noch rechtzeitig zu erhören.

Sechs Skorerpunkte der Lightning-Connection

Im letzten Drittel schlagen die «SCB-Blitze» gleich fünfmal in Ambrìs Gehäuse ein und der SCB gewinnt in einem spektakulären Eishockeyabend mit 6:3. Bouchers Lightning-Connection steuert bei der grossen Tampa-Show sechs Skorerpunkte (Helbling 3, Conacher 2, Smith 1) bei und verschafft ihrem ehemaligen NHL-Trainer Luft nach oben. «Thinking to the gameplan under pressure, thats mental toughness», nennt Boucher als Schlüssel zum siegreichen Abend. Anders als die «Bern Lightning» präsentiert sich das Fanionteam in der NHL. Tampa Bay verliert am selben Abend gegen Roman Josi und die Nashville Predators mit 4:5 nach Penaltyschiessen, ob Jon Coopers Gameplan nicht konsequent umgesetzt wurde?

Premieren in Grenoble

Foto: Das Stade-de-Glace (heute) bot 1968 eine Premiere, Timo Helbling 2015. (Michael Krein/Mario Gehrer) 

Die Schweiz gewinnt am 24. April 2015 in Genoble das WM-Vorbereitungsspiel gegen Frankreich mit 3:2. Für die Schweiz war es der 34. Sieg im 47. Länderspiel gegen die Franzosen, nach 1984 (7:2) und 2010 (2:1) standen sich die beiden Mannschaften erst zum dritten Mal in Grenoble gegenüber. 1984 aber noch im Olympiastadion «Stade-de-Glace», welches im Oktober 1967 für die Olympischen Winterspiele 1968 fertiggestellt wurde.

Noch heute, 47 Jahre später, ist das Stadion eine imposante Erscheinung. Architektonisch wirkt die Hülle des Prunkstücks wie eine Mischung zwischen der Oper von Sydney und dem Eisstadion Davos (Baujahr 1979). Möglicherweise diente das architektonische Meisterwerk von Robert Demartini und Pierre Junillon als Davoser Vorlage. Das Dach besteht aus zwei sich kreuzenden zylindrischen Gewölben. Die Halle mit 12’000 Sitzplätzen befindet sich im Parc Paul Mistral, dem zentral gelegenen Stadtpark von Grenoble und dient heute für Konzerte, Messeveranstaltungen und verschiedene sportliche Anlässe, wie etwa das Sechstagerennen. Die Olympischen Spiele von Grenoble sorgten 1968 für einige Premieren. Die Franzosen präsentierten mit «Schuss», das erste Olympia-Maskottchen, hatten mit 37 Ländern einen neuen Teilnehmerrekord und montierten im Stade-de-glace erstmals durchsichtige Plexiglas-Banden, wie sie erst beim Winter-Classic-Game zwischen Genf-Servette und Lausanne am 11. Januar 2014 im Stade-de-Genève wieder aufgetaucht sind.

Die Olympischen Spiele von Grenoble sorgten 1968 für einige Premieren

Michael Krein

Beim Rundgang um den «Palais des Sports», wie die multifunktionale Halle heute heisst, versucht sich das Unterbewusstsein an die alten Zeiten zurück zu erinnern. Es scheint als sei man plötzlich mittendrin, am 15. Februar 1968, eine Stunde vor Spielbeginn (21 Uhr) zwischen der Tschechoslowakei und der Sowjetunion, dem Höhepunkt des Turniers. Das Publikum strömt aus allen Seitenstrassen in den Parc Paul Mistral, Richtung Eingänge O (Oest) und E (Est). Fantrikots sind da noch fehl am Platz, die Leute sind elegant in grau, beige oder schwarz gekleidet und betreten das Eisstadion gesittet wie beim Gang in die Oper. Vor dem Eingangsportal E, am Boulevard Clemenceau ist eine Bushaltestelle, ein blau-weisser Bus bringt die Zuschauer direkt vors Stadion. Die Stimme des Speakers durchdringt die Stadionwände und verstärkt den Drang, endlich ins Stadion zu gelangen und die beiden Weltklassemannschaften aus dem Osten beim Einspielen zu bestaunen.

Der Höhepunkt des Olympiaturniers

Durch Tore von Frantisek Ševčík, Petr Hejma und Jan Havel führt die CSSR nach dem ersten Drittel mit 3:1. Durch zwei weitere Treffer von Jozef Golonka und Jaroslav Jiřík gewinnt die Mannschaft von Coach Jaroslav Pitner mit 5:4 und die Sensation ist perfekt. Was für ein Spiel, für einen kleinen Moment scheint man gedanklich tatsächlich dabei gewesen zu sein. Vor der letzten Runde führen die Tschechoslowaken die Tabelle an, verpassen aber mit einem 2:2 gegen Schweden, Golonka hatte den 3:2-Siegtreffer auf dem Stock, den Gewinn der Goldmedaille. Der Olympiasieg geht am 17. Februar 1968 durch das abschliessende 5:0 der Sbornaja gegen Kanada an die Sowjetunion.

Helblings Premiere

Vier Kilometer südlich hat sich das Stadion Pole du Sud geleert, Schweizer und Franzosen geben ihre Interviews. Hauptprotagonist ist Verteidiger Timo Helbling, er hat in seinem 77. Länderspiel zum ersten- und zweiten Mal getroffen und avanciert zum Matchwinner. Grenoble hat eben auch 47 Jahre später noch seine Premieren, gestern waren es Plexiglasbanden und Maskottchen, heute ist es Helbling. Was der Solothurner zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste, er hat an diesem Abend das WM-Ticket für Prag tatsächlich gelöst.

Šimeks prominenter Passgeber bei Torpremiere

Juraj Simek beim interview nach seinem ersten Treffer für TPS Turku. (Foto: Timo Savela)

Juraj Simek im Interview bei den finnischen TV-Kollegen nach seinem ersten Treffer für TPS Turku. (Foto: Timo Savela)

Im Dezember 2014 wechselte der Genfer Stürmer Juraj Šimek zum elffachen finnischen Meister TPS Turku in die SM-liiga. Schweizer in der SM-liiga? Šimek ist erst der vierte Schweizer in der obersten finnischen Spielklasse. Das erste Spiel für TPS (Turun Palloseura) bestritt Simek am  27. Dezember 2014 bei der 1:4-Heimniederlage gegen Lukko Rauma.

Bereits im zweiten Spiel schoss Šimek in der 35. Minute nach einem Zuspiel von Petteri Nummelin, der am 30. Dezember 2014 im Alter von 42 Jahren sein Comeback gab, das zwischenzeitliche 3:1 für Turku gegen Ilves Tampere. Die Gäste drehten das Spiel aber noch und gewannen mit 6:4. Mit seinem Treffer geht Simek als erst dritter Schweizer SM-liiga-Torschütze in die Geschichte ein.

Šimeks SM-liiga-Vorgänger

SM-liiga-Pionier ist der Worber Laurent Müller, der ehemalige Stürmer gab in der Saison 2005/06 ein kurzes Gastspiel bei JYP Jyväskylä und buchte in 10 Spielen 3 Skorerpunkte (2 Tore). Müller ging am 21. September 2001 als erster Schweizer SM-liiga-Torschütze (ins leere Tor) beim 0:3-Sieg Jyväskyläs bei Jokerit Helsinki in die Geschichte ein. Am 26. September schoss Müller seinen ersten „richtigen“ Treffer im Powerplay gegen SaiPa Lappeenranta.

Nach Müller und Helbling ist Šimek erst der dritte Schweizer SM-liiga-Torschütze

Auf Müller folgte eine Saison später der Verteidiger Philippe Seydoux zum damaligen finnischen Meister HPK Hämeenlinna, Seydoux absolvierte nur 6 Partien und sass dabei zweimal auf der Strafbank. Erst vier Jahre später wechselte mit Timo Helbling der dritte Schweizer nach Finnland zu Kärpät Oulu. Der Verteidiger absolvierte 42 Spiele für den aktuellen finnischen Meister und kam auf 5 Skorerpunkte (2 Tore).

Die Finnland-Pioniere

Der heimliche Finnland Pionier heisst aber Krister Cantoni. Der Tessiner war schon 1989 als Junior für zwei Jahre in Turku bei TPS, im selben Team stand damals ein gewisser Petteri Nummelin. Ambri-Verteidiger Marc Gautschi spielte 2002/03 in der zweiten finnischen Liga (Mestis) bei Hermes Kokkola und kam in 43 Spielen auf 16 Skorerpunkte (3 Tore).

Dauerbrenner Nummelin

Fast schon unheimlich ist Nummelins Comback mit 42 Jahren. Der fünffache WM-All-Star-Team Verteidiger debütierte vor 22 Jahren in der SM-liiga bei TPS, damals war Šimek gerade mal 5-jährig. In der Zwischenzeit sammelte Nummelin in 22 Saisons und 15 Weltmeisterschafts-Turnieren 62 Titel (darunter 4 Meistertitel, 7 WM-Medaillen, 1 Olympia-Medaille) und Auszeichnungen (darunter 9 All-Star-Team Nominationen), ehe er nun nach einem zwischenzeitlichen Rücktritt als Captain wieder zu seinem Stammclub aufs Eis zurückgekehrt ist. Für Turku bestreitet Nummelin aber erst die fünfte Saison.

 

30. Dezember 2014

TPS Turku – Ilves Tampere 4:6 (0:1, 3:1, 1:4)
HK Arena. – 4’907 Zuschauer. – SR Hakkarainen, Metsälä. – Tore: 9. Meskanen (Savilahti, Asplund/PPG) 0:1. 30. Sointu (Lasch, Koskiranta) 1:1. 34. Sointu (Seigo, Lasch/PPG) 2:1. 35. Šimek (Nummelin, Nakladal) 3:1. 40. Meskanen (Savilahti, Kukkonen) 3:2. 43. Zalewski (Tyrväinen, Järventie) 3:3. 45. Lasch (Sointu, Mojzis/PPG) 4:3. 56. Meskanen (Savilahti, Asplund) 4:4. 58. Tyrväinen (Järventie, Rautiainen) 4:5. 60. Sandell (Laakso/ins leere Tor) 4:6.
TPS Turku: Lassila; Eronen, Fryman, Gysbers, Koskiranta, Kulmala, Lasch, Lindsten, Lucenius, Mojzis, Nakladal, Nieminen, Nummelin, Pikkarainen, Seigo, Seikola, Siiki, Šimek, Sointu, Virtala.
Ilves Tampere: Korpisalo; Asplund, Järventie, Kivistö, Kukkonen, Laakso, Levo, Mäkinen, Meskanen, Moiso, Näppilä, Polak, Rautiainen, Riekkinen, Salmela, Sandell, Savilahti, Tyrväinen, Veistola, Zalewski.