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Die Zukunft liegt in Brooklyn

«We're all Islanders», I'm Hintergrund das Marriott's Hotel, unmittelbar neben dem Nassau Coliseum. (Foto: M. Krein)

«We’re all Islanders», I’m Hintergrund das Marriott’s Hotel, unmittelbar neben dem Nassau Coliseum. (Foto: Krein)

Seit ihrer Gründung 1972, spielen die New York Islanders im Nassau-Veterans-Memorial-Coliseum auf Long Island. Aktuell stehen die Islanders als Topteam der Metropolitan Divison an der Tabellenspitze. Für die ehemaligen Teamkollegen von Mark Streit und Nino Niederreiter ist es die letzte Saison in Uniondale. Im Sommer 2015 zügelt die Franchise innerhalb Long Islands nach Brooklyn, einem Stadtteil südöstlich von Manhattan. 73 Jahre nach den Brooklyn Americans (1941/42) kehrt das NHL-Eishockey wieder in den zweitdichtesten Stadtbezirk New Yorks zurück.

NHL-Kult-Spielstätte 

Das Nassau-Coliseum der Islanders ist nach dem Madison-Square-Garden die zweitälteste Arena der Liga und entspricht nicht mehr den heutigen Anforderungen einer modernen NHL-Arena. 1985 schloss der damalige Besitzer John Pickett mit dem Stadionbetreiber des Nassau-Coliseums einen 30-Jahres-Vertrag ab, welcher im Sommer dieses Jahres ausläuft. Unter dem Management von Besitzer Charles B. Wang wird das 18’000 Plätze fassende Barclays Center in Brooklyn die neue Heimat der Islanders.

Das Nassau-Veterans-Memorial-Coliseum versprüht den Charme der NHL der 80er Jahre noch heute und ist Kult. (Foto: Krein)

Das Nassau-Veterans-Memorial-Coliseum versprüht den Charme der NHL der 80er Jahre noch heute. (Foto: Krein)

Mit einer sportlich möglichst erfolgreichen Saison wollen sich die Spieler von Uniondale verabschieden: «Das sind wir unseren Fans Schuldig», meint der Österreicher Michael Grabner. «Eigentlich will ich gar nicht weg von hier, es gefällt mir hier sehr gut», meint einer der schnellsten Stürmer der Liga weiter. Dies betrifft nicht nur Grabner, sondern die meisten möchten lieber in der gewohnten Umgebung bleiben. Das Barclays Center (Eröffnung 2012) in Brooklyn gehört ab 2015 zu den modernsten Hallen der Liga, lässt aber vor dem Umzug noch einige Fragen offen. Die Parkmöglichkeiten sind begrenzt und trainiert wird weiterhin im 50 km entfernten Syosset, am 175 Underhill Boulevard.

Mit dem jüngsten Umzug in ein neues Stadion verliert die Liga nach Boston, Buffalo, Chicago, Detroit, Los Angeles, New Jersey, Philadelphia, Pittsburgh, St. Louis, Toronto, Vancouver und Washington eine weitere Kultstätte. Neben dem All-Star-Game 1983, wurden im Coliseum drei Stanley-Cups (1980, 1981 und 1983) in die höhe gestemmt, der letzte 1983 beim 4:2-Sieg im vierten Spiel gegen die Edmonton Oilers. Der damalige Torschütze zum 3:2, Mike Bossy wird am 29. Januar 2015 vor der Partie gegen die Boston Bruins geehrt, der «Hall-of-Famer» gewann mit den Islanders vier Stanley-Cups und seine Rückennummer 22 wird bei den Isles nicht mehr vergeben.

Das Nassau-Veterans-Memorial-Coliseum in seiner 42. Saison mit den Islanders. (Foto: Krein)

Das Nassau-Veterans-Memorial-Coliseum in seiner letzten und 42. Saison mit den Islanders. (Foto: Krein)

Neues Kapitel steht bevor

Mit dem Umzug nach Brooklyn wird das erfolgreiche Islanders-Kapitel aus der Vergangenheit endgültig abgeschlossen. Nach einer langen Durststrecke ist die Mannschaft um Superstar John Tavares auf dem besten Weg an die Erfolge von Bossy und Co. anzuknüpfen. Den ersten Grundstein wollen die Islanders aber schon in ihrer letzten Saison im Kult-Stadion Nassau-Veterans-Memorial-Coliseum legen.

Das Barclays Center in Brooklyn ist ab 2015 die neue Spielstätte der Islanders. (Foto: nyc-architecture.com)

Das Barclays Center in Brooklyn ist ab 2015 die neue Spielstätte der Islanders. (Foto: nyc-architecture.com)

 

«Nino is my Buddy»

Foto: Aussteigen vor dem Marriott’s Hotel in Uniondale: v. li. Brom, Bodmer, Zurbuchen (unten), Saxer, Pfeiffer, Krein und Taxifahrer Serge Mars (hinten). (eishockeyblog.ch)

«I think Track six, but i’m not sure, i let you know about this» sagt der Zugbegleiter als ich ihn über die Gleisnummer beim umsteigen in Jamaica frage. Jamaica? Gemeint ist nicht der Karibikstaat, sondern ein Vorort von New York. Rolf Pfeiffer und ich haben keine guten Erinnerungen an Jamaica, gingen wir doch vor einem Jahr beinahe «lost in Jamaica». Viele Immigranten aus dem Karibikstaat wohnen dort, erklärt uns Taxifahrer Serge Mars zwei Tage vorher. Die letzte und fünfte Station des fünftägigen NHL-Road-Trips ist zum zweiten Mal Uniondale.

Flyers, Sabres, Devils, Ducks, Islanders, Hurricanes, Rangers, Blue Jackets und Senators heissen die klingenden Namen des diesjährigen Trips. Wells Fargo Center, Prudential Center, Nassau Veterans Memorial Coliseum und nicht zu vergessen «The Worlds Most Famous Arena» der Madison Square Garden heissen die NHL-Schauplätze. Nirgends sonst auf der Welt sind innerhalb von zwei Stunden vier NHL-Teams stationiert und nirgends sonst auf der Welt kann man innert fünf Tagen fünf NHL-Spiele in solch kurzer Distanz bewältigen.

Man wird freundlich gebeten die Lobby wieder zu verlassen

Michael Krein

New York gilt nicht nur als «Hauptstadt» der Welt, sondern auch als NHL-Headquarter, an der 1185 Avenue of the Americas oder besser bekannt als 6th Avenue logiert die NHL seit Jahren. Die NHL Hauptzentrale ist in New York so unsichtbar wie die geheimen Waffenlabore des britischen Geheimdienstes in den James Bond Filmen. Von aussen findet man nicht einmal ein Türschild oder ein Logo. Erst an der Rezeption erntet man beim Fragen nach der «NHL» einen verblüfften Blick und wird freundlich gebeten die Lobby wieder zu verlassen. Dabei ist man im offiziellen NHL Reebok Store nebenan schon näher als man denkt, doch kaum ein Kunde würde im Traum erahnen, dass sich das NHL-Hauptquartier im gleichen Gebäude nur wenige Stockwerke höher befindet.

Streets of Philadelphia

Unser NHL-Road-Trip beginnt aber nicht in New York, sondern in Philadelphia – per Amtrak kommt man innert anderthalb Stunden vom Herzen Manhattans in die „Streets of Philadelphia“, sogar Bruce Springsteen hat eine „Retired Number“ an der Stadiondecke – nach einer 15-minütigen Taxifahrt erreicht man das Wells Fargo Center der Philadelphia Flyers. Wir sehen wie die Flyers einen 0:2 Rückstand nach dem ersten Drittel noch in einen 7:2-Sieg ge Buffalo Sabres verwandeln. Dabei erleben wir das erste NHL-Tor von Erik Gustafsson und den Ausfall von Daniel Brière. Und ja, das Blut wie zu Zeiten der „Broad Street Bullies“ fliesst jetzt nach dem Spiel, wenn zwei betrunkene Schweizer durch die Sitzreihen die Stadiontreppe herunterstürzen.

Meet-and-Greet mit Hiller und Sbisa

Am zweiten Tag steht Newark auf dem Programm. Beim „Will Call“ Schalter hinterlässt uns Jonas Hiller sechs Karten für die Familienzone, wo wir uns nach dem Spiel kurz mit Luca Sbisa und Jonas Hiller unterhalten können. Die Ducks um Hiller und Sbisa verlieren erst im Penaltyschiessen mit 2:3 gegen die New Jersey Devils. Die nächsten Schweizer sehen wir 24 Stunden später auf Long Island. Zu sechst buchen wir ein Taxi und erleben auf der Hinfahrt eine anderthalbstündige Sightseeing Tour – mit dem besten Taxifahrer Long Islands, wie Serge Mars selber von sich behauptet – durch Queens, Jamaica und Uniondale.

Der Weg ins Nassau Veterans Memorial Coliseum führt immer durchs Marriott’s Hotel. Vor und nach dem Spiel ist die „Champions-Bar“ besser besetzt als das Nassau Veterans Memorial Coliseum während des Spiels. Erstmals sehen wir zwei Schweizer im selben Team, Mark Streit und Nino Niederreiter sind die letzten welche nach dem Warm-Up das Eisfeld verlassen. John Tavares ist der Mann des Spiels, Streit bucht zwei Assists und Niederreiter holt in seiner dezimierten Eiszeit das Optimum heraus, die Islanders gewinnen gegen die Carolina Hurricanes verdient mit 4:3.

The World’s Most Famous Arena

Zurück nach Manhattan und zum Madison Square Garden. Die New York Rangers sind, gemessen an ihrer Zeitachse, das traditionsreichste- aber auch die erfolgloseste Mannschaft New Yorks. Seit der Gründung 1926 holen die Rangers vier Stanley-Cups, die Islanders, holen in 46 Spielzeiten weniger ebenfalls vier mal den Pott. Noch besser sind die New Jersey Devils, denn sie müssen in 76 Jahren nur noch einen Titel holen um das Palmarés der Rangers zu egalisieren. Trotzdem gelten die Rangers als „Kultteam der Original Six“ und der Madison Square Garden ist Weltberühmt. Ruhm und Kult sind grösser als New Yorks Erfolge, umso wichtiger, dass die Rangers aktuell die Rangliste der Eastern Conference anführen.

Gegen den Conference-Letzten aus dem Westen, die Columbus Blue Jackets um Captain Rick Nash, reichts erst zum Overtime–Sieg (3:2). Schlüsselszene ist ein nicht gegebener regulärer Rangers-Treffer im Mitteldrittel. Das Head-Duo Stephane Auger/Don van Massenhoven (pfeifen schon am Vortag in Uniondale) greift zum Telefonhörer nach Toronto – sämtliche Torentscheide werden in Toronto gemanagt, wie uns Luca Sbisa in Newark erzählt hat – wo sich dieses mal die Verantwortlichen in der Zentrale im 11 Stock an der Bay Street wohl gerade ein Nickerchen gönnen? Denn das Video auf dem Screen zeigt die Puck-Überquerung der Torlinie bei 00:01 Sekunden und führt zu einem kurzzeitigen „raunen“ im Garden.

Howie und die Rookies

Zurück zu meinem Long-Island-Rail-Road-Trip nach Uniondale, nach anderthalb Stunden und einer kurzen Taxifahrt erreiche ich das Marriott’s Hotel in Unodale. Das Marriott’s ist Dreh- und Angelpunkt des Nassau Veterans Memorial Coliseum, hier logieren nicht nur sämtliche Gästeteams und Gegner der Islanders, sondern auch sämtliche Fans oder die Islanders-Rookies. Und wer das Marriott’s mit dem Taxi verlässt, kommt kaum an Howie Kats vorbei. Kats ist selbständiger Taxifahrer, gehört aber seit Jahren zum Hotelinventar. Kats ist eine Art fahrendes Islanders-Lexikon oder der Hockey-Journalist unter den Taxifahrern. „Nino is my Buddy“ sagt Kats nachdem ich ihn über meine Herkunft orientiere. Howie begleitet jeden Rookie bei dessen Ankunft und kennt die neuen Spieler zu Beginn besser als Isles-Headcoach Jack Capuano.

Das Marriott’s ist Dreh- und Angelpunkt des Nassau Coliseums

Ich selber fahre nach dem letzten Spiel, welches für die Islanders die bitterste Niederlage (0:6) der aktuellen Saison absetzt, zum dritten Mal mit Howie’s Taxi und die Fahrt zum JFK Airport ist kurzweilig. Wir unterhalten uns über David Ullström, Rick Di Pietro, Evgeny Nabokov, Mark Streit, Nino Niederreiter und über die guten, alten Stanley-Cup-Zeiten (1980-83) der Isles. Als Schweizer (Mark und Nino sei Dank) kann ich sogar mit Schweizer Franken bezahlen. Unsere NHL-Söldner leisten also nicht nur Pionierarbeit für Sven Bärtschi und Co., sondern auch für Meier und Müller, welche zumindest auf Long Island bei Howie Kats nicht mehr mit Andersson und Johansson verwechselt werden. Und übrigens, Kats ist jüdischer Abstammung und hat sowenig mit Katzen zu tun wie Schweizer mit Schweden.