Wiener-Schnitzel in Salzburg

Fünf Tage nach dem Start zum Schweizer Playoff-Final sind auch unsere östlichen Nachbarn zur Endspielserie gestartet. Die beiden Champions-Hockey-League-Teilnehmer EC Red Bull Salzburg und Vienna Capitals stehen sich in der «Best-of-Seven» Serie gegenüber. Die Wiener haben letzten Herbst auf europäischem Parkett immerhin den Schweizer Meister und aktuellen Finalisten ZSC Lions in der Gruppenphase ausgeschaltet. Salzburg blieb gegen schwache Kloten Flyers ebenfalls zweimal siegreich und scheiterte äusserst ärgerlich in den Playoffs am schwedischen Spitzenteam und späteren Cup-Sieger Lulea HF.

Im Zeichen des roten Bullen

Zum Auftakt der Operettenliga-Finals, wie ein Schweizer Chronist die Ösi-Liga jeweils bezeichnet, steht sich die stärkste Mannschaft aus der Qualifikationsphase (Salzburg) und der Tabellenfünfte (Vienna Capitals) im Salzburger Volksgarten, der Spielstätte des Eishockeyteams von Dietrich Mateschitz gegenüber. Hier steht alles im Zeichen des roten Bullen. Selbst die Bandenwerbung lässt neben der Dosen-Werbung nur drei weitere Sponsoren zu, Stiegl, Suzuki und die Erste Bank, der Rest gehört zum Red Bull-Imperium.

Logisch gibt’s auch im «Red Bullschen» Presseraum einen ganzen Kühlschrank des gesamten Salzburger Produktemixes. Selbstverständlich darf sich der Journalist nach belieben der kühlen Dosengetränke und dem Bullen-Wasser LunAqua bedienen. Zum Hauptgang gibt’s Wiener Schnitzel, etwa ein Wink zum Verzehr des heutigen Gegners aus der Hauptstadt? Übrigens, der letzte Wiener-Sieg (4:2) in Salzburg datiert vom 24. März 2013.

Die Vienna Capitals treten mit zehn Legionären an, davon haben acht Spieler Erfahrung in der NHL gesammelt. Der bekannteste unter ihnen ist aber ein Österreicher: Andreas Nödl, in der vergangenen Saison noch bei den Bullen und im Try-Out beim HC Lausanne, bestritt 195 Spiele für die Philadelphia Flyers und die Carolina Hurricanes. Salzburg spielt mit neun Ausländern (mit Ex-Ambrì Verteidiger Zdenek Kutlak) und zahlreichen österreichischen Internationalen, angeführt von Thomas Raffl (Bruder von Philadelphias Michael Raffl). Raffl ist es, welcher in der 20. Minute das Skore der Final-Serie 2015 eröffnet. Trotz des Verzehrs von mehreren Dutzend Wiener Schnitzel in besagtem Presseraum, steht es nach 40 Minuten erst 2:1 für die Bullen.

Hinkender Zuschauerschnitt

In den letzten 20 Minuten werden die «Wiener-Schnitzel» durch vier weitere Bullen-Treffer vor offiziell 3’200 Zuschauern endgültig mit 6:1 verspeist. Gemäss der Salzburger Nachrichten (SN) sollen aber 3’600 Fans in der Halle gewesen sein. Der offizielle Zuschauerschnitt der Mozartstädter liegt unter 3’000 und damit sind die Bullen nicht einmal unter den Top-100 Europas klassiert. Sogar die Schweizer NLB-Klubs Langnau (5’053) und Olten (3’634) haben den höheren Schnitt. Der Finalgegner aus Wien, die Vienna Capitals liegen mit einem Schnitt von 4’569, knapp hinter dem EHC Biel, immerhin auf Rang 71 des europäischen Klub-Rankings. Die 14’000 Karten für die ersten beiden Playoff-Final-Heimspiele gegen Salzburg waren innert Kürze ausverkauft.

In Sachen Zuschauerzahlen mögen die Österreicher mit den Schweizern derzeit (noch) nicht mitzuhalten, aus sportlicher Sicht hatten die Ösis im letzten Direktvergleich aber die Nase vorn. Vor dem nächsten Direktvergleich stehen in den beiden Nachbarländern aber noch zwei heisse Finalserien an.

Kein Durchkommen für Wiens Andreas Nödl gegen die beiden Salzburger Brett Sterling (links) und Ryan Duncan. (Markus Knoblechner)

7. April 2015 Final – Spiel 1

EC Red Bull Salzburg – UPC Vienna Capitals 6:1 (1:0, 1:1, 4:0)
Eisarena Volksgarten. – 3’200 Zuschauer (ausverkauft!). – SR Smetana/Trilar, Kaspar/Nagy. – Tore: 20. Raffl (Trattnig, Heinrich) 1:0. 38. Duncan (Fahey) 2:0. 40. Magowan (Rotter) 2:1. 41. Hughes (Heinrich, Sterling/Ausschluss Bois) 3:1. 50. Fahey (Heinrich, Walter/Ausschlüsse Foucault, Bois) 4:1. 52. Beach (Fahey, Walter) 5:1. 60. (59:29) Sterling (Hughes, Heinrich) 6:1. – Strafen: Salzburg 3×2 Minuten, Vienna 9×2 Minuten.
EC Red Bull Salzburg: Gracnar; Milam, Fahey; Heinrich, Pallestrang; Trattnig, Kutlak; Mühlstein, Pöck; Latusa, Komarek, Raffl; Hughes (2), Duncan, Sterling; Beach (4), Walter, Kristler; Rauchenwald, Brucker, Cijan.
UPC Vienna Capitals: Zaba; Iberer, Carson; Fraser, Lakos; Klimbacher, Peter (4); Hackl, Puschnik; Foucault (2), MacArthur, Ferland; Magowan, Watkins (2), Rotter; Nödl (2), Bois (4), Sylvester; Fischer (2), Schiechl, Hartl (2).

Gracnars Abend

1993 trinke ich in der Schweiz meine erste Red-Bull-Dose, die damals noch verbotene Substanz ist zu diesem Zeitpunkt hierzulande verboten und wird direkt aus dem Kofferraum vor den Partylokalen «illegal» verkauft. Ein Dose geht für einen Fünfliber über den Parkplatz. Später gibts das Energiegetränk dann legal auch in kleinen Flaschen. Rund 20 Jahre später stehe ich im Januar an einem Dienstag-Abend nun in der Salzburger Eisarena und „Red Bull“ wird hier in Kürze als österreichischer Spitzenklub das Eis betreten. Die Faszination der Bullen und die Abwechslung zum Schweizer Alltag ist aufregend wie einst der Dosenkauf aus dem Kofferraum.

Die Bullen legen los wie es ihr Geld- und Namensgeber verspricht, nach einem fulminanten Start fliegen die Bullen förmlich über den Tabellenführer aus Wien hinweg und führen nach fünf Minuten mit 2:0. Dies erkennt auch Vienna Capitals-Coach Tommy Samuelsson und nimmt bereits nach vier Minuten ein Time-out. Innert kürze kommen die Gäste zu zwei Break-Möglichkeiten, scheitern aber an Luka Gracnar, welcher heute Bernd Brückler vertritt. Der Slowene scheint ebenfalls Flügel zu haben und feiert gar einen Shutout.

„Shutout auf dem Eis, umgänglich neben dem Eis.“

— Krein über Luka Gracnar

Anschliessend gibt der slowenische Nationalgoalie für seine Teamkollegen Troy Milam und Co. in «Die Bar», einer Karaoke-Bar am Salzburger Rudolfskai eine kleine Privatparty. Gracnar spendiert auch unserer Studenten-Runde, bei uns mit dabei sind auch zwei ehemalige Red-Bull-Spieler mit gutem Draht zum Team, einen Kübel Gerstenwein, welcher bis in die frühen Morgenstunden direkt an der Salzach durch die Kehlen fliesst.

21. Januar 2014 – 72. Runde

Red Bull verleiht Flügel gegen Flügel

Von der ersten Red Bull Dose, welche in den frühen 90er Jahren in der Schweiz als verbotene Substanz direkt vor den Party-Lokalitäten aus Auto-Kofferräumen verkauft wird, bis zum ersten Spiel im Salzburger Volksgarten dauert es gute 20 Jahre. Die verbotene Substanz ist auch in der Schweiz längst legal und die silber-blaue Dose ist der Helm des Eishockey-Clubs der Mozartstadt.

Aber auch der Gegner, welcher zur Zeit der verbotenen Substanz bei uns nur als „Torte“ bekannt ist, trägt keine normale Helmfarbe. Die Helme sind kupferfarbig und glänzen im Scheinwerferlicht wie einst unsere UBS-Goldhelme der 90er Jahre. Der Linzer Verteidiger mit der Rückennumer 41 ist nicht mit den Goldhelmen, aber mit der Schweiz bestens vertraut, er verteidigte zwsichen 2007 und 2001 vier Jahre für die SCL Tigers. Curtis Murphy ist auch an deisem Abend im Salzburger Volksgarten einer der auffälligsten Akteure und steuert für die Kupferhelme die Vorlage zum 2:4 Gregor Baumgartners bei.

Dieses mal reichts nicht für die Black Wings, welche den Bullen ihre letzte Niederlage am 20. Oktober in Salzburg zugefügt haben. Salzburg realisiert, durch Red Bull Flügel verleiht, den zwölften Sieg in Serie schon im ersten Drittel und drei Treffern in den ersten 14 Minuten und einem unheimlichen Tempo in den ersten Minuten. Diese Operettenliga, wie die Liga in der Schweiz jeweils despektierlich genannt wird, hat einiges zu bieten und manches NLA-Team, nicht nur die „Schwarzen Flügel“ aus Linz, hätte heute hier Flügel lassen müssen.

26. November 2013 – 41. Spieltag