Stolperstein Bratislava

Der Schweizer Stolperstein in diesem Jahr hiess Kanada, 0.4 Sekunden fehlten dem Schweizer Nationalteam zum Einzug in den WM-Halbfinal. «Stolperstein», ist unser WM-Wort 2019. Den ersten «Stolperer» leistete sich unser Fahrer, mit einem kleinen Umweg, bereits auf der Anfahrt Richtung Flughafen Zürich. Den nächsten «Stolperer» leistete sich das Personal beim ersten Mittagessen im «Infiniti-Rock-Cafe» in der Altstadt von Bratislava, über eine Stunde liess die «Burger-Bestellung» auf sich warten. Gewartet hat am Tisch nebenan auch der überzählige Schweizer Goalie Robert Mayer.

Das Zimny Stadion Ondreja-Nepelu ist nach 1959, 1992 und 2011 zum vierten mal WM-Schauplatz. (Krein)

Beim Nachmittagsspiel stolperten dann die Italiener bei ihrer 1:7-Schlappe gegen Norwegen, ehe ein Teil unsere Reisecrew für die Tickets des Abendspiels vor den Toren des Stadions-Ondreja-Nepelu strauchelte. Über 250 Euro wollte die russische Ticket-Mafia für einen Eintritt. Mein Glück, war die Abwesenheit eines Vorstandsmitglieds und ehemaligen Spielers des EHC Meinisberg, dessen Name mir soeben entfallen ist. So war ich nicht «Torrianis-Erben», sondern «Meinisbergs-Erben» für die beiden Schweizer Partien gegen Schweden und Russland.

Drei Stolpersteine

Gestolpert sind auch die Schweizer – und zwar gleich dreimal in unserer Anwesenheit, allerdings sind Niederlagen gegen Schweden (3:4), Russland (0:3) und Tschechien (4:5) nicht wirkliche „Stolpersteine“, aufgrund des Schweizer Kaders allerdings waren die Erwartungen weit höher als dies noch vor 30 Jahren das Fall gewesen war. Damals hiessen die Stolpersteine an der B-Weltmeisterschaft in Oslo und Lillehammer Frankreich (2:5) und Italien (6:7), dies wären auch heute noch echte „Stolperer.“

Die Italiener feiern schon vor dem Alpengipfel-Knüller!

— Michael Krein (Hotelbar)

Italien erwies sich auch für unsere östlichen Nachbarn als echten Stolperstein. Die Azzurri, erstmals mit nur vier (Bardaro, McMonagle, Miceli und Rosa) Italokanadiern (Italos) an einer A-WM dabei, spielten vor ausverkauften Rängen mit Herz und Leidenschaft gegen die müde und blass wirkenden Österreicher. Patrick Kirchler, der Stadionbeizer des HC Pustertal in Bruneck, hat mir dies schon vor dem «Endspiel» im Alpenduell prophezeit: «Uns genügt ein Tor gegen Österreich», es waren schlussendlich vier Treffer, mit dem goldenen Penalty des «Italos» Sean McMonagle. Wobei die Italiener vor dem entscheidenden Spiel, bis in die frühen Morgenstunden in unserer Hotelbar gefeiert haben… (vorzeitig den Ligaerhalt?)

D’Szene isch ä chlini Bar irgendwo…

Apropos «ausverkauft», erstmals in der Geschichte der Hockey-WM, musste sich der «Schweizer» ernsthaft um Billette (nicht verwandt mit unserem Kommentator) bemühen. Dabei ist man nicht um die «sowjetische» Ticketmafia herum gekommen. Dreh- und Angelpunkt der Szene war das Stadioncafé «Pivaren Budik», dort konnte man für jedes Spiel ein Ticket kaufen, aber nicht zu jedem Preis. In unserer Crew hatten wir einen aus Tschechien stammenden Sbornaja-Liebhaber, welcher sich jeweils vor den «heissen» Spielen als unser «Winkelried» ins Stadioncafé stürzte. In der Zwischenzeit nippten wir am hässlichen Krusovice-Bier, welches im- und rund ums Stadion exklusiv ausgeschenkt wurde.

Bruneck-Legende Patrick Kirchler (links) prophezeit den Ligaerhalt der Italiener. (Krein)

Es gab sogar einen Einlass, welcher ohne Ticket erfolgte. Die auserwählten Schweizer wurden durch einen Seiteneingang ins Stadion gelassen, dann auf der Treppe, auf dem Weg zu den Sitzplätzen, gebeten ihren «Eintritt» zu bezahlen und auf halbem Gang ins Glück sich selbst überlassen, in der Hoffnung, beim öffnen der Türe im obersten Sektor, von niemandem entdeckt zu werden. Gestolpert sei dabei niemand, versicherte mir der Protagonist, bei seiner etwas kuriosen aber durchaus glaubhaften Geschichte. Ach ja, fast hätte ichs vergessen, «Stolperstein Frankreich», titelte im April 1989 das SLAPSHOT-Magazin, Nr. 8, an diesen Titel erinnerten sich zwei Mitglieder unserer Reisegruppe bei der Anfahrt zum Zürcher Flughafen und an der Burgdorfer Dammstrasse liegt sogar noch heute ein echter «Stolperstein» in den Farben der Franzosen…

…und Patrik Elias, der NHL-Millionär zeigte sich zwar fotogen, allerdings leicht arrogant oder genervt wirkend, sagte er «yes by walk», so bin ich kurz mit ihm der «Trnavska cesta» entlang gelaufen und hab geknipst, gestolpert bin ich glücklicherweise nicht. Ganz anders zeigte sich der Davoser Josef Marha und hat sich fünf Minuten Zeit genommen um über die Schweiz und die Welt zu reden, Marha der mich einst in Davos vor dem „Stolperstein Einbahnstrasse“ gerettet hat.

Tschechien und New Jersey Legende Patrik Elias (rechts) zu Besuch in Bratislava. (Krein)

Der Querschnitt der „vier scheenste dääg“, wie der Basler Fasnächtler sagen würde, führt durch die Ondrej-Nepela-Arena und deren Kuriositäten von österreichischen Tschechien-Fans, über Bier welches nicht rein darf und über ein komisches Sandwich.

18. Mai 2019

19. Mai 2019

20. Mai 2019

Kurioser Merzlikins-Einsatz

Lettland wechselt beim Stand von 4:4, nach 58 Minuten 07 Elvis Merzlikins für Kristers Gudlevskis ein, 25 Sekunden später geht der Lugano-Goalie für einen sechsten Feldspieler wieder zurück auf die Spielerbank. Lettland hätte drei Punkte gebraucht um die Viertelfinals zu erreichen, die Schweden erzielen den Siegtreffer ins leere Tor und Gudlevskis spielt die verbleibenden 34 Sekunden zu Ende. Aber warum kam Merzlikins zum kürzesten WM-Einsatz aller Zeiten?

Alpen-Gipfeltreffen

Die beiden Sympathischen Alpen-Länder, welche sich in den 90er Jahren mit der Gründung der gemeinsamen Alpenliga kurzzeitig in der WM A-Gruppe etabliert haben, treffen sich in Bratislava zum Alpen-Gipfeltreffen um im Oberhaus zu überleben. Der Verlierer stürzt in die B-Gruppe ab und vieles spricht für die Österreicher. Die Geschichte der WM-Neuzeit gehört Italien, welches die letzten drei Duelle auf höchstem Niveau für sich entscheiden konnte. Zuletzt siegten die Azzurri 2000 in St. Petersburg mit 3:0, 1998 gabs in Zürich ein 5:1 und 1994 in Bozen ein 3:1-Sieg für Italien. Das letzte Unentschieden spielten die beiden 1993 in München (1:1).

21. Mai 2019