Göteborg

Was für eine Abwechslung, was für eine wunderbare Aufgabe, nach einem Jahr innerhalb des eigenen Hockeylandes sehnt sich das Hockey-Herz nach Abwechslung und diese könnte kaum besser sein. Es geht ins schwedische Göteborg, Rögle BK Ängelholm gastiert dabei im Scandinavium der Frölunda Indians. Es spielt der Leader der Svenska-Hockey-Ligan (SHL) gegen den schwedischen Meister und Champions-Hockey-League (CHL) Sieger.

Doppelmeister in der Krise

Europas Nummer eins liegt in Schweden derzeit «nur» auf Rang fünf und steckt nach zuletzt drei Niederlagen in Serie in der dritten kleinen Saisonkrise. Ganz anders der Leader, Rögle spielt seine beste Saison der gesamten Klubgeschichte und reist mit drei Siegen im Gepäck nach Göteborg. Ängelholm liegt rund zwei Autostunden südlich von Göteborg und diese Reise simuliere ich mit meiner rund zweistündigen Fahrt vom Berner Seeland an die Zürcher Goldküste nach Erlenbach. «Ich rausche zwar nicht am Grauholz vorbei, Richtung Zürich Flughafen, auf der Autobahn» wie es Kuno Lauener in seinem Song «Göteborg» zum besten gibt. Doch auch meine Reise, ist wie im Videoclip von ZüriWest nur eine Simulation.

Statt im Scandinavium, welches im südlichen Stadtteil Heden liegt und 1971 erbaut wurde, sitze ich in der Kombüse in der ehemaligen Schärer-Fabrik, gegründet 1921, an der Seestrasse am Zürichsee in meinem simulierten «Göteborg.» Im leeren Scandinavium, aus Pandemietechnischen Gründen, stehen einige Protagonisten mit Schweiz-Bezug zumindest im Rampenlicht der Kameras, das Spiel der 44. Runde wird neben MySportsOne auch auf den schwedischen Sendern TV4 und C-More übertragen.

Altebekannte Schweden

Ted Brithén, der ex-Berner, gibt die Vorlage zum 3:0, dann spielen da noch die hierzuland Bekannten Dennis Everberg, Mattias Sjögren, Adam Tambellini auf der Seite des Leaders und Jan Mursak beim Fünftplatzierten. Mit Jan Larsson, als Assistent an der Bande Rögles steht ein weiterer «alter (bekannter) Schwede» mit Schweizer Vergangenheit. Seine Mannschaft baut mit dem 4:0-Sieg die Leaderposition weiter aus und Frölunda kassiert die vierte Niederlage in Serie und ist weit von seiner Champions-League-Form entfernt. Die Autoreise nach «Göteborg» ist dennoch, auch wenn nur in der Simulation eine absolute Bereicherung.

20. Februar 2021

Frölunda Göteborg – Rögle Ängelholm 0:4 (0:0, 0:3, 0:1)
Scandinavium. – 0 Zuschauer. – SR Linde/Bjalkander. – Tore: 22. Ryfors (Zaar) 0:1. 32. Ryfors (Zaar) 0:2. 35. Zaar (Ryfors, Brithén /Ausschluss Söderblom) 0:3. 45. Palola (Andersson, Lesung) 0:4. – Strafen: Frölunda Indians 5-mal 2 Minuten, Rögle Ängelholm 6-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: Tor von Frölunda Göteborg in der 28. Minute aberkannt.
Frölunda Göteborg: Mattsson; Elliot, Sellgren; Johansson (2), Olsson; Norlinder, Sigalet; Ekbom; Friberg, Lundqvist, Alvarez; Hjalmarsson, Lasu, Rosseli-Olsen (4); Mursak, Sundström (2), Carlsson; Nässen, Henriksson, Söderblom (2).
Rögle Ängelholm: Rifalk; Johannesson, Jonsson; Seider, Gelinas (4); Lesung, LaLeggia; Ekestahl-Jonsson; Zaar, Ryfors, Everberg (4); Tambellini, Brithén (2), Bristedt (2); Andersson, Sjögren, Palola; Matson, Ferguson, Edström.

Nur noch der Victoria Cup

Der Victoria Cup, die höchste Trophäe des europamerikanischen Club-Eishockeys wird 2008 und 2009 nur zweimal ausgespielt. Schade, denn beide Spiele, zwsichen dem europäischen Champion- und einem Original-Six-Team der National-Hockey-League sind ein absoluter Knüller. Es folgen zwar weiter europäische Titelträger, jedoch keine Austragung der Superlative mehr und das ist sportlich- und spektakeltechnisch ein Jammer.

Die prestigeträchtige Trophäe steht seit dem Herbst 2009 und dem Sieg der ZSC Lions gegen die Chicago Blackhawks in den Räumlichkeiten des Hallenstadions und wird irgendwann in Vergessenheit geraten. Dabei wäre ein Duell zwischen dem aktuellen europäischen Titelträger und einer Organisation aus Übersee heute ein absolutes Spektakel.

In ihrer europäischen Dominanz gibts für die Schweden aus Göteborg keinen Gegner mehr, nur noch der Victoria Cup wäre ein echter Gradmesser. Warum nicht eine Dreierpoule mit dem CHL-, dem Gagarin-Cup- und dem Stanley-Cup-Sieger? Das Format wäre in Sachen Prestige kaum zu überbieten. Frölunda kam bereits viermal zum NHL-Vergleichsgenuss, zweimal 1981, 2008 und 2011 gastierten die Überseer im Scandinavium von Göteborg, die letzten beide Vergleiche verloren die Indians mit 1:4 und 2:4 gegen Ottawa und die New York Rangers.

Seit Headcoach Roger Rönnberg 2013 das Zepter in Göteborg übernommen hat, konnte seine Mannschaft schon sechs Titel feiern. Frölunda hat noch keine CHL-Saison verpasst und stand in sechs Spielzeiten fünfmal im Final. Seit der Wiedereinführung der europäischen Königsklasse sind die Indianer das Mass aller Dinge, eine bessere Mannschaft gibts nur noch in der NHL oder der KHL.

Frölunda findet immer einen Weg

Dies spürt im CHL-Viertelfinal auch der EHC Biel, der mit dem 3:2-Auswärtssieg in Schweden eine hervorragende Ausgangslage hat. Bis zur 57. Minute führen die Seeländer gegen den Titelverteidiger wieder mit 3:2 und stehen mit einem Bein im Halbfinal. Doch Frölunda ist eben Fölunda und findet immer einen Weg, in Biel dauert er für die Tore zum 3:3 und 3:4 nur 19 Sekunden. In der Overtime kommt der logische Todesstoss durch den zweifachen Torschützen Patrik Carlsson. Schon in den Achtelfinals kehren die Indianer aus Westschweden eine 3:6-Auftakt-Niederlage im Rückspiel in einen 8:2-Sieg gegen ihre Landsleute aus Karlstad.

Zu schnell für den Bieler-Spieltisch, der fünfte Treffer Frölundas wird nicht mehr registriert, es steht immer noch 3:4. (Krein)

10. Dezember 2019 – Viertelfinal

Biel – Frölunda Indians 3:5nV (0:2, 1:0, 2:2, 0:1)
Tissot Arena. – 5’592 Zuschauer. – SR Pesina/Jerabek (Tsch), Kovacs /Progin (Sz). – Tore: 4. Lasch (Gormley /Ausschluss Kreis) 0:1. 16. Lundqvist (Friberg) 0:2. 31. Ulmer (Gustafsson) 1:2. 53. Pouliot (Rajala) 2:2. 57. (56:02) Schneider (Cunti /Ausschluss Fagemo) 3:2. 58. (57:10) Carlsson (Lasch, ohne Torhüter) 3:3. 58. (57:29) Lennström (Friberg) 3:4. 66. (65:53) Carlsson (Ausschluss Rathgeb) 3:5. – Strafen: Biel 5-mal 2 Minuten, Frölunda Indians 3-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: Biel ohne Fey, Hügli, Lüthi, Riat, Tschantré (alle verletzt), Schläpfer, Wüest (beide U20-National-mannschaft), Karaffa, Tanner (beide La Chaux-de-Fonds) und Prysi (Ajoie).
Biel: Hiller (Paupe); Salmela, Sataric; Kreis (2), Moser; Rathgeb (6), Forster; Ullström, Pouliot, Rajala; Brunner, Cunti, Künzle (2); Schneider, Fuchs, Neuenschwander; Kohler, Gustafsson, Ulmer.
Frölunda Indians: Mattsson (Rubin); Moverare, Ekbom; Lennström, Stollery; Grönlund, Gormley; Printz, Stalberg; Mustonen (4), Lundqvist, Friberg; Carlsson, Sundström, Fagemo (2); Peterson, Hjalmarsson, Lasch; Söderblom, Lasu, Rakhshani.

Zu spät für Plüss

Martin Plüss knapp verpasst, erblicke ich am Sonntag, 17. August 2008 das imposante Scandinavium in Göteborg. Hier hat Plüss die letzten vier Jahre als Hockey-Profi sehr erfolgreich verbracht. In der Lockout-Saison, in der wohl qualitativ besten Spielzeit Schwedens, holte der ehemalige Klotener am 12. April 2005 den Meistertitel mit den Südschweden. In der Finalserie von fünf Spielen, wurde Martin Gerbers Färjestads BK Karlstad in einer 4:1-Serie bezwungen.

Die Multifunktionshalle, welche bereits 1971 eröffnet wurde, war 1981 und 2002 auch schon zweimal Gastgeber für die Weltmeisterschaft. Zum Zeitpunkt der Eröffnung war das Scandinavium, hinter dem Berner Allmend-Stadion, die zweitgrösste Eishalle des Kontinents. In diesem Sommer wechselt Plüss vom drittgrössten Publikum zum grössten Anhang Europas.

Am 2. Oktober gastieren die Ottawa Senators, im Rahmen der NHL-Challenge, im Scandinavium und spielen gegen die Indianer. In den Genuss eines NHL-Vergleichs kommt Plüss in Bern sogar noch zwei Tage früher, denn der SCB misst sich mit den New York Rangers und deren Weltklasse-Keeper Henrik Lundqvist, einst Teamkollege und Meisterspieler von Plüss in Göteborg.

Für Plüss zu spät und für den «Fans Day» knapp einen Monat zu früh, stehe ich am Valhallagatan 1, im südlichen Stadtbezirk Heden von Göteborg. Die Stadt ist, wie in Schweden üblich, äussert Velo-Freundlich, die Fahrradspur verläuft sehr prominent bis ins Zentrum durch die «Halb-Millionen-Stadt», welche innert vier Kilometern vom Eisstadion zu erreichen ist.

Auf dem Weg vom Scandinavium ins Stadtzentrum, fährt man am «Skanegatan» auch beim Ullevi-Stadion der Fussballer vom IFK Göteborg vorbei. Hauptaugenmerk bleibt aber die «Halle» der Hockeyaner, welche übrigens von aussen dem Saddledome in Calgary ähnelt. Allerdings stand das von Poul Hultberg entworfene Stadion schon zwölf Jahre vor der Eröffnung der Olympia-Halle der Calgary Flames.

Die Frölunda Indians gehören seit der Eröffnung des Scandinaviums zu den führenden Adressen Europas, in den letzten vier Jahren pilgerten jeweils über 11’000 Fans an die Spiele des schwedischen Krösus. Bereits 1980-81 verzeichnete Frölunda einen Schnitt von 11’546 Fans pro Spiel, dies bedeutete schon damals Rang zwei hinter dem SC Bern (14’040).

SaisonSchnittRang
89-9011’1752
90-919’0563
91-9210’2183
92-9310’1903
93-948’7173
94-957’9696
95-969’2402
96-976’61812
97-987’5745
98-998’2374
99-008’4166
00-018’1615
01-028’4217
02-039’9664
03-0410’9424
04-0511’6764
05-0611’6823
06-0711’4694
07-0811’6883