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Schlagwort-Archiv Martin Gerber

Der Schiri ist Stanley-Cup-Sieger

Sonntag Morgen, die Sonne scheint auf der Kunsteisbahn Hirzenfeld in Münchenbuchsee. Auf dem Eis kämpfen Piccolos und Moskitos beim traditionellen Raiffeisen Moskito-Turnier. Der Schiedsrichter pfeift eine Strafe gegen die Mannschaft des EHC Biel. Biel-Trainer Peter Steinegger, eine Legende des Seeländer Eishockeys, ist mit dem Entscheid nicht einverstanden und gibt dies dem Referee lauthals zu spüren.

Er hat uns schon gestern in Langnau gepfiffen

Bei genauerem hinsehen, entpuppt sich der Unparteiische als ehemaliger Weltklassespieler, getarnt als Schiedsrichter. Die Spieler unserer Mannschaft erkennen den Schiri: «Er hat uns schon gestern in Langnau gepfiffen», sagen die Dreikäsehoch. Langnau war einst seine erste Station, ehe er via Signau, Thun, wieder Langnau und Färjestads BK Karlstad, den Weg nach Übersee gewagt- und sich mit den Carolina Hurricanes 2006 den Stanley-Cup geholt hat.

Bei Langnaus Elite-Novizen

Martin «Tinu» Gerber will nicht etwa Schiedsrichter werden, nein, als Assistenzcoach von Langnaus Elite-Novizen, absolviert er im Rahmen des Trainerkurses die erforderlichen Einsätze als Schiedsrichter. Die Bieler Moskitos verlieren die hartumkämpfte Partie gegen unsere Mannschaft vom SC Lyss knapp mit 0:1 und Biel-Coach Steinegger wendet sich am Ende des Spiels nochmals an Gerber: «Gerber hat recht und hat das Regelwerk richtig befolgt», sagt Kult-Coach Steinegger mit einem lachen… …in der kleinen Welt des Eishockeys.

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Gerbers Zeitreise in die Ilfishalle

Gerbe

Martin Gerber beim SRF-Interview nach seinem ersten Sieg im zweiten Auswärtsspiel in Langnau. (Foto: SRF)

Am 24. Oktober 2015 gastiert Martin Gerber mit den Kloten Flyers im Alter von 41 Jahren erstmals als Gegner in Langnau. Sämtliche Medien vermelden den ersten Auftritt Gerbers als Langnau-Gegner. Wer aber tief in den Eishockey-Geschichtsbücher stöbert muss sich eines besseren belehren lassen, denn es ist Gerbers zweiter Auftritt als Ilfis-Gegner.

Vor 22 Jahren in der 1. Liga

In der Saison 1993 steigt der SC Langnau zum zweiten Mal in die 1. Liga ab, gleichzeitig sucht der damals frisch fusionierte SC Thun (Zusammenschluss des SC Thunerstern und der Nachwuchsabteilung des EHC Thun-Steffisburg) einen Ersatztorhüter für das neu formierte 1. Liga-Team. Im Vorjahr spielt der SC Thunerstern ein Kantonalcup-Spiel gegen den Zweitligisten SC Signau, «der Torhüter der Emmentaler zeigte eine sackstarke Partie», sagt der ehemalige Thun-Spieler und aktuelle Thun-Vizepräsident Alex Reymondin über Martin Gerbers Auftritt mit den Signauern.

In Langnau habe ich gespielt, beim Rückspiel stand Schwendimann im Tor (Martin Gerber)

So bietet man dem 18-jährigen Signauer in Thun eine KV-Praktikumsstelle und einen Backup-Goalie-Posten hinter Stammtorhüter Markus Schwendimann und lotzt den in Langnau als ungenügend empfundene Gerber ins Berner Oberland. Bereits in der vierten Runde der Saison 1993/94 gastieren die Thuner beim haushohen Favoriten und NLB-Absteiger Langnau in der Ilfishalle. Thun Coach Christoph Schenk setzt auf den jungen Martin Gerber (19) im Familienduell gegen Vater Simon Schenk und die Langnauer.

Das NHL-Duell von Morgen in der 1. Liga

Vor 3’394 Zuschauer (1. Liga!) können die Aussenseiter mit Gerber zwei Drittel lang mithalten, erst drei Tore im Schlussdrittel besiegeln die Niederlage der Berner Oberländer. Beim fünften Gegentreffer in der 51. Minute muss sich Gerber sogar von einem 17-jährigen Nachwuchstalent geschlagen geben. Der 17-jährige Reto von Arx und Thun-Keeper Gerber schreiben rund ein Jahrzehnt später Schweizer Eishockey-Geschichte in der National-Hockey-League (NHL).

Bei seinem ersten Besuch als Langnau-Gegner muss sich Gerber gegen die übermächtigen Emmentaler noch geschlagen geben. 22 Jahre und über 900 Spiele später gastiert Gerber wieder in der Ilfishalle und holt als 41-Jähriger doch noch seinen ersten Auswärts-Sieg (5:4) gegen seinen Stammclub.

Als ob es gestern gewesen wäre

Besonders Beeindruckend ist die Begegnung nach dem Spiel, vor dem Interview frage ich den 241-fachen NHL-Spieler ob er sich noch an seinen Gastauftritt mit dem EHC Thun-Steffisburg in Langnau erinnern könne? «Ja klar aber es war mit dem SC Thun, der Club hat damals fusioniert» antwortet Gerber. «In Langnau habe ich gespielt, beim Rückspiel stand Schwendimann im Tor», so Gerber weiter. Der Schwedische Meister von 2002, Stanley-Cup-Sieger von 2006 und WM-Silbermedaillen Gewinner von 2013, erinnert sich auf eindrückliche Art und Weise an sein 1. Liga-Debüt als ob es gestern gewesen wäre. Langnau-Torschütze Yannick Lennart-Albrecht (21) war zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht auf der Welt.

 

Martin Gerbers Gastspiele in Langnau

19. Oktober 1993, 1. Liga: SC Langnau – SC Thun 6:1 (1:1, 2:0, 3:0)
3’394 Zuschuer. – Gerbers Gegentore: 3. Moser. 25. Markus Hirschi. 35. Michael Rentsch. 46. Lüthi. 51. Reto von Arx. 51. Walter Gerber.

23. Oktober 2015, NLA: SCL Tigers – Kloten Flyers 4:5 (0:3, 2:1, 2:1)
5’842 Zuschauer. – Gerbers Gegentore: 21. Nüssli. 30. DiDomenico. 49. Albrecht. 55. DiDomenico.

 

Foto

Martin Gerber (vorderste Reihe, dritter von rechts) 1992/93 beim Zweitligisten SC Signau. (Foto: Krein-Archiv)

 

Quellen: Rolf Schlapbach (SCL Tigers), Alex Reymondin (EHC Thun)