Cristobal Huet und die ZSC Lions, die Geschichte beginnt in Playoff-Final 2000 zwischen dem HC Lugano und den ZSC Lions. Als amtierender Meister verliert das in der Qualifikation übermächtige Lugano die Finalserie gegen die Zürcher mit 2:4. Dies vor allem, weil die Tessiner mit Huet im Tor in Zürich alle drei Spiele (2:3, 1:3 und 3:4) verlieren.
Huets einziger Playoff-Sieg in vier Spielzeiten
Der gleiche Schauplatz ein Jahr später. Die ZSC Lions verlieren Spiel vier Zuhause mit 0:4 und liegen in der Serie mit 1:3 hinten. Luganos 4:0-Auswärts-Sieg ist zu diesem Zeitpunkt Huets einziger Sieg auf Zürcher-Playoff-Eis. Lugano verliert in der Folge nicht nur die restlichen drei Spiele (Endstand 3:4) sondern auch noch zum zweiten Mal in Folge den Meistertitel an die Lions.
Gleicher Schauplatz eine weitere Saison später. Huet und der HC Lugano scheitern bereits im Halbfinal an den Zürchern und gewinnen im Hallenstadion wieder keine einzige Playoff-Partie (1:6, 1:2nP und 3:4nP). Nach der Saison verlässt Huet das Tessin in Richtung National-Hockey-League.
Auch mit den Blackhawks klappts nicht
In der Zwischenzeit holen die Lions den Titel der Champions-Hockey-League und qualifizieren sich 2009 für den Victoria-Cup gegen den späteren Stanley-Cup-Sieger Chicago Blackhawks. Zu diesem Zeitpunkt steht Huet zwischen den Pfosten der Blackhawks. Am Vortag fegen die NHL-Stars um Patrick Kane, Jonathan Toews und Duncan Keith den HC Davos mit 9:2 vom Eis, im Tor steht Huets Backup-Goalie Antti Niemi.
Einen Tag später spielen die Blackhawks in Bestbesetzung mit Standard-Hüter Huet gegen die Zürcher Underdogs. An diesem Tag sollte Huet mit Chicago den «Zett» endlich in die Knie zwingen. Doch Huets ZSC-Fluch scheint, egal in welcher Besetzung Huet gegen die Löwen antritt, stärker zu sein als die gesamte Klasse des späteren Stanley-Cup-Siegers (acht Monate später holen die Blackhawks den Stanley-Cup). Sensationell unterliegen die Blackhawks mit Huet gegen die ZSC Lions mit 1:2 und verlieren das Spiel um den Victoria-Cup.
Was mit Chicago nicht klappt, gelingt mit Lausanne
In drei Playoff-Serien mit dem Grande-Lugano der zweiten Epoche und den Chicago Blackhawks gelingt dem Franzosen gerade Mal ein Sieg in Zürich. Anders ausgedrückt, spielt Huet, gewinnt Zürich? Bis zum ersten Viertelfinalspiel 2013-14 gegen den HC Lausanne zumindest. Ausgerechnet mit der nominell schwächsten Mannschaft, mit der Huet je gegen die Zürcher angetreten ist, dem Qualifikations-Achten Lausanne holt Huet gleich im ersten Spiel ein Sieg im Hallenstadion. Zufall? Die richtige Chemie zwischen dem gebürtigen Franzosen und der Romandie? …oder kehren die alten Begebenheiten des «Fluchs» im zweiten Spiel in Zürich wieder zurück? Huet wird in der 29. Minute, beim Stand von 3:0 für die Lions ausgewechselt, doch die Serie geht weiter und der «Fluch» wird uns die Antwort bis spätestens am 25. März 2014 geben.
Der 21-jährige Schweizer Léonardo Heitor Fuhrer spielt seit 2012 beim Farmteam des EC Red Bull Salzburg in Österreich. Aktuell spielen die Bullen in der obersten russischen Juniorenliga MHL (Molodjoschnaja-Chokkeinaja-Liga). Der Sohn der Schweizer Eishockey-Legende Riccardo Fuhrer gehört zu den Leistungsträgern und Topskorern des Teams und ist der erste Schweizer in der MHL.
Am 8. Januar 2014, verliert Red Bull gegen Dynamo St. Petersburg mit 2:6, nach dem Spiel der 37. Runde treffe ich mich, zusammen mit Markus Knoblechner (Fotos, Video), im Salzburger Medienraum mit dem jungen Schweizer Talent. Fuhrer erzählt was ihn in der Organisation der Bullen fasziniert und warum er gerne noch ein weiteres Jahr in der Mozartstadt anhängen würde.
Wie es sich gehört, eine Red-Bull-Dose ist stets dabei. (Markus Knoblechner)
Léonardo Fuhrer, du bestreitest die zweite Saison in Salzburg, wie wohl fühlst du dich hier? Fuhrer: Salzburg ist eine richtig schöne Stadt, man hat alles hier, Skate-Mill, viele Trainings (jeweils Vormittags und Abends), qualifizierte Trainer und eine professionelle Organisation. Salzburg ist perfekt für die Weiterentwicklung jedes einzelnen Spielers, ich fühle mich wohl in dieser Umgebung.
Warum eigentlich Salzburg? Fuhrer: Ich absolvierte die ganze Nachwuchsabteilung bei Fribourg-Gottéron und war bis zu meinem Wechsel nur „Fribourg“ orientiert, bis mir mein Vater aufzeigte, dass es noch anderes gibt als Fribourg. Mein Vater hat den damaligen Red Bull Headcoach Pierre Pagé (Ex-Ambrì-Piotta, heute EHC Red Bull München) kontaktiert, so konnte ich mir während der Nationalmannschafspause im Februar 2013 die Akademie in Salzburg anschauen und habe drei Trainings absolviert. Ich war sofort begeistert. Page wollte mich und so ging ich und wagte das Abenteuer Salzburg.
Wie hat dein Umfeld reagiert? Fuhrer: Meine Mannschafskollegen waren alle schockiert als Sie von meinem Wechsel erfahren haben und konnten den Wechsel nicht verstehen. Für meine Mutter war es auch hart, es ist für keine Mutter einfach wenn ihr Kind wegzieht. Mein Vater hat mich bei meinem Entscheid unterstützt, denn der Weg zum Eishockeyprofi hat auch seinen Preis gab er mir auf dem Weg.
Dies ist ein untypischer Weg, sonst kommen die Österreicher eher in die Schweiz, du machst das Gegenteil, du symbolisierst eine Vorreiterrolle als erster Schweizer in der MHL… Fuhrer: Was Salzburg bieten kann können sonst nicht viele Klubs bieten, medizinisch, infrastrukturell und in der Betreuung der eigenen Entwicklung ist Salzburg führend. Dies gab für mich den Ausschlag nach Salzburg zu kommen.
In der Betreuung der eigenen Entwicklung ist Salzburg führend
Léonardo Fuhrer
Kann das in der Schweiz niemand bieten? Fuhrer: Hier sind sehr viele Personen innerhalb des Team-Staffs, welche alle vollamtlich für uns tätig sind, sowas ist in der Schweiz bei keinem Juniorenteam üblich.
Du bist im Vorjahr direkt von den Elite-A-Junioren in den Red-Bull-Hockey-Rookies-Cup (RBHRC) gekommen, wie schwierig war die Umstellung? Fuhrer: Das schwierigste war die Umstellung der weiten Distanzen, wir spielten vorwiegend gegen tschechische Mannschaften, dabei war die kürzeste Strecke eine fünfstündige Reise nach Pilsen, die längste Reise dauerte acht Stunden nach Prag.
Auch am Bully ist Fuhrer stark. (Markus Knoblechner)
Und wie war die Umstellung vom RBHRC zur MHL (Molodezhaya Hokkeinaya Liga)? Fuhrer: Noch schwieriger (lacht), wir reisen jeweils nach München oder Wien, von dort aus fliegen wir direkt nach St. Petersburg oder nach Moskau. Die längste Reise hatten wir nach Jaroslawl. Zuerst flogen wir nach Moskau, dann gings nach einer 10-stündigen Busfahrt weiter nach Tscherepowetz (3:1-Sieg gegen Almas) zum Spiel, dort haben wir anschliessend übernachtet. Am nächsten Tag ging es nach 14 weiteren Busstunden nach Jaroslawl (2:8-Niederlage gegen Lokomotiv) zum nächsten Spiel. Die weiteste Reise liegt aber noch vor uns, gegen Chabarowsk (Amur Tigers) fliegen wir ca. acht bis neun Stunden bis an die chinesische Grenze (8000 km). Doch es wird jeweils genügend Zeit eingeplant, so dass wir uns vor und nach den langen Reisen gut erholen können.
Krein: Wie hoch schätzt du das Niveau der MHL ein? Fuhrer: Hier wird dir definitiv nichts geschenkt, jeder Fehler wird sofort gnadenlos ausgenutzt und du musst dir jeden Punkt hart erkämpfen. Es gibt hier keine schlechten Gegner.
Harte Arbeit zahlt sich aus, Jubel gegen St. Petersburg. (Markus Knoblechner)
Red Bull Salzburg liegt aktuell auf einem Playoff-Platz (Rang 11. in der Western Conference), was ist das Saisonziel? Fuhrer: Ganz klar die Playoffs zu erreichen und diese werden wir auch erreichen.
Du gehörst zu den besten Skorern des Teams, Salzburg scheint dir gut zu liegen? Fuhrer: Man muss auch gute Mitspieler haben, denn in erster Linie zählt nur das Team.
Wie wirst du als Red Bull-Spieler in der Schweiz wahrgenommen? Fuhrer: Bei meinem Transfer hab ich sicherlich die Aufmerksamkeit auf mich gezogen, doch wie ich in der Schweiz wirklich wahrgenommen werde kann ich nicht beurteilen. Zu Beginn meines Wechsels spielten wir mit den Red Bulls (U20) gegen die Schweizer U19 Nationalmannschaft und konnten das Spiel mit 3:2 gewinnen. Sean Simpson (Schweizer Nationaltrainer) stand damals bei der Schweiz an der Bande und weiss das ich in Salzburg spiele.
Wie wichtig ist die Rolle deines Vaters? Fuhrer: Wir diskutieren und telefonieren viel. Wir besprechen jeweils persönliche Details und setzen uns gemeinsame Ziele, welche wir nach dem Spiel zusammen analysieren.
Wie sieht so ein persönliches Ziel aus? Fuhrer: Zum Beispiel jedes 1:1-Duell an der Bande zu gewinnen, zwei Torschüsse pro Drittel abzugeben, meinen Mitspielern gute Torchancen zu offerieren oder das Backchecking – es sind kleine aber entscheidende Dinge die ich mit meinem Vater als Ziele definiere.
Wie sieht deine Zukunft aus? Fuhrer: Im Moment konzentriere ich mich voll auf die aktuelle Saison, mit den Red Bulls will ich die Playoffs in der MHL bestreiten und möglichst lange dabei sein. Danach werde ich mit Red Bull über die Zukunft sprechen, ich würde sehr gerne in Salzburg bleiben. Es gibt hier keinen Tag wo ich nicht etwas Neues dazulernen kann, dies will ich geniessen solange ich hier bin. Langfristig ist eine Rückkehr in die Schweiz sicher ein Thema.
Red Bull in der Molodjoschnaja-Chokkeinaja-Liga
Das Farmteam der Red Bulls, das sich aus Spielern des EC Red Bull Salzburg und des EHC Red Bull München zusammensetzt, nimmt in dieser Saison erstmals an der MHL, der russischen Juniorenliga, teil. Für die Red Bulls ist dieser Schritt nicht nur sportlich, sondern auch logistisch eine unglaubliche Herausforderung. Zugleich bieten sich ungeahnte Möglichkeiten, die Entwicklung der jungen Farmteam-Spieler noch stärker zu forcieren und die Talente aus dem Red Bull Hockey Model schrittweise an ein sehr hohes internationales Niveau heranzuführen. Total 39 Mannschaften messen sich in 56 Runden auf der höchsten «russischen» Juniorenstufe. Am 5. März 2014 besuche ich eine weitere Partie zwischen Salzburg und Dynamo Riga (1:9).
Fotos/Kamera: Markus Knoblechner
Interview im Rahmen des Studienlehrgangs an der Universität Salzburg.
1993 trinke ich in der Schweiz meine erste Red-Bull-Dose, die damals noch verbotene Substanz ist zu diesem Zeitpunkt hierzulande verboten und wird direkt aus dem Kofferraum vor den Partylokalen «illegal» verkauft. Ein Dose geht für einen Fünfliber über den Parkplatz. Später gibts das Energiegetränk dann legal auch in kleinen Flaschen. Rund 20 Jahre später stehe ich im Januar an einem Dienstag-Abend nun in der Salzburger Eisarena und „Red Bull“ wird hier in Kürze als österreichischer Spitzenklub das Eis betreten. Die Faszination der Bullen und die Abwechslung zum Schweizer Alltag ist aufregend wie einst der Dosenkauf aus dem Kofferraum.
Die Bullen legen los wie es ihr Geld- und Namensgeber verspricht, nach einem fulminanten Start fliegen die Bullen förmlich über den Tabellenführer aus Wien hinweg und führen nach fünf Minuten mit 2:0. Dies erkennt auch Vienna Capitals-Coach Tommy Samuelsson und nimmt bereits nach vier Minuten ein Time-out. Innert kürze kommen die Gäste zu zwei Break-Möglichkeiten, scheitern aber an Luka Gracnar, welcher heute Bernd Brückler vertritt. Der Slowene scheint ebenfalls Flügel zu haben und feiert gar einen Shutout.
„Shutout auf dem Eis, umgänglich neben dem Eis.“
— Krein über Luka Gracnar
Anschliessend gibt der slowenische Nationalgoalie für seine Teamkollegen Troy Milam und Co. in «Die Bar», einer Karaoke-Bar am Salzburger Rudolfskai eine kleine Privatparty. Gracnar spendiert auch unserer Studenten-Runde, bei uns mit dabei sind auch zwei ehemalige Red-Bull-Spieler mit gutem Draht zum Team, einen Kübel Gerstenwein, welcher bis in die frühen Morgenstunden direkt an der Salzach durch die Kehlen fliesst.
Bewusst oder unbewusst falsch aufgehängt? Das WM-Logo in den Katakomben der Arena.
Beim SC Bern bin ich immer gern, denn hier sind die besten Medienplätze der Nationalliga A, die Sicht aufs Eisfeld ist hervorragend. Das Matchblatt heute weist zwei kleine Schreibfehler auf und auf dem neuen Videowürfel leuchtet immer noch das «alte» Logo des heutigen Gegners HC Genf-Servette. Bis auf ein paar Details ist hier alles up-to-date.
Die fehlenden Interview-Partner
In der zweiten Drittelspause vermeldet Berns Medienchef Christian Dick den Ausfall von Silberheld und Post-Topskorer Martin Plüss – ausgerechnet Plüss, er sollte bei meinem «Kollegen» vom Teleclub zum Interview antreten, das wird wohl nix. Glücklicherweise ist mein Interview-Partner bereits zum Interview angemeldet und die Fragen sind bereit.
Vier Minuten vor Schluss: Matt Lombardi wird von einem Geoff-Kinrade-Schuss am Gesicht getroffen, der Kanadier muss in der Kabine verarztet werden. Tja und das wäre mein Interview-Partner gewesen und auch das wird nun nix. Kurzfristig einigen wir uns auf Goran Bezina und Kaspars Daugavins anstelle Lombardis. Beim Abgang in die Interview-Zone «Bärengraben», sehe ich wie selbst SCB-Goalietrainer Rupert Meister, ehemaliger DEL und Bundesliga Goalie, ohne gültiges Ticket nicht an den Security-Frauen vorbei gelassen wird.
Horizontale Lage
Nach dem Spiel genehmigen sich ein paar Medienvertreter beim gemütlichen Talk mit einem ehemaligen SCB-Manager ein paar Bierchen. Der SCB-Manager wurde 1990 im Rahmen der Weltmeisterschaft in Bern offiziell als Schiedsrichter verabschiedet. Das Logo der 90er WM hängt noch heute in den Katakomben der ehemaligen Allmend, aber warum zum Teufel in der horizontalen Lage? Doch dies interessiert leider eben so wenig wie das falsche Servette-Logo auf dem Berner Videowürfel…
Auch unsere Liga wird regelmässig von National-Hockey-League-Scouts heimgesucht. So auch am 7. Dezember 2013 beim Spiel EHC Biel – ZSC Lions (3:5). Angekündigt war zunächst nur Shin Larsson, oder eben Shin Yahata-Larsson. Der Scout der San Jose Sharks ist schwedisch-japanischer Doppelbürger und kann seinen Namen wie Biels Ahren Spylo-Nittel variabel einsetzen. So spielte der Stürmer 1998 an den Olympischen Spielen in Nagano – unter dem ehemaligen Biel-Coach Björn Kinding – als Shin Yahata (den ledigen Namen seiner Mutter). Ursprünglich stammt der Scout aber aus dem schwedischen Leksand, wo man ihn Shin Larsson nennt.
Patrick Kane lässt Biel grüssen
Bekanntlich sind die Scouts ja nie alleine unterwegs, so auch in Biel. Yahata-Larsson wird von seinem Berufskollegen aus Chicago begleitet. Dieser überbringt dem Bieler Pressechef Silvan Andrey gleich ein «Hello from Patrick Kane», welches Andrey gerne in die Bieler Katakomben weitergegeben hat, worauf einige geantwortet haben sollen «welcher Kane?». Wie Kane ist auch Yahatas Kollege, der Hüne (192cm, 97kg) aus Chicago in der Schweiz kein unbekannter. Der Schwede Mats Hallin bestritt in der Saison 1986-87 vier Spiele für den HC Lugano, wobei seine Hauptaufgabe darin bestand, HC Ambrì-Piotta-Bösewicht Misko Antisin zu verprügeln. Das Spiel zwischen Ambrì und Lugano ging als grösste Massenschlägerei im Schweizer Eishockey in die Geschichte ein.
Die Schweizer Draft-Kandidaten
Wen wollen die beiden NHL-Scouts beobachten? Auf der Liste des NHL-Central-Scoutings ist von den heutigen Gegnern kein einziger Draft-Kandidat nominiert. Lions-Goalie Melvin Nyffeler wurde bereits im Vorjahr als möglicher Draft-Kandidat gehandelt. Die aktuellen Draft-Kandidaten sind Klotens Fabio Högger, Luca Hischier (Bern), Luca Fazzini (Lugano), Cédric Maurer und Patrick Brändli (beide Zug), Simon Kindschi und Gilles Senn (beide Davos), Noah Rod und Gauthier Descloux (Genf-Servette), Andy Ritz (Langnau), Noele Trisconi (Ambrì-Piotta), Fabian Heldner (Visp) und Silvio Schmutz (Thurgau).
Shin Yahata-Larsson wurde mit Kokudo fünfmal japanischer Meister, 1999 Liga-Topskorer, sowie ins All-Star-Team gewählt.
Von der ersten Red Bull Dose, welche in den frühen 90er Jahren in der Schweiz als verbotene Substanz direkt vor den Party-Lokalitäten aus Auto-Kofferräumen verkauft wird, bis zum ersten Spiel im Salzburger Volksgarten dauert es gute 20 Jahre. Die verbotene Substanz ist auch in der Schweiz längst legal und die silber-blaue Dose ist der Helm des Eishockey-Clubs der Mozartstadt.
Aber auch der Gegner, welcher zur Zeit der verbotenen Substanz bei uns nur als „Torte“ bekannt ist, trägt keine normale Helmfarbe. Die Helme sind kupferfarbig und glänzen im Scheinwerferlicht wie einst unsere UBS-Goldhelme der 90er Jahre. Der Linzer Verteidiger mit der Rückennumer 41 ist nicht mit den Goldhelmen, aber mit der Schweiz bestens vertraut, er verteidigte zwsichen 2007 und 2001 vier Jahre für die SCL Tigers. Curtis Murphy ist auch an deisem Abend im Salzburger Volksgarten einer der auffälligsten Akteure und steuert für die Kupferhelme die Vorlage zum 2:4 Gregor Baumgartners bei.
Dieses mal reichts nicht für die Black Wings, welche den Bullen ihre letzte Niederlage am 20. Oktober in Salzburg zugefügt haben. Salzburg realisiert, durch Red Bull Flügel verleiht, den zwölften Sieg in Serie schon im ersten Drittel und drei Treffern in den ersten 14 Minuten und einem unheimlichen Tempo in den ersten Minuten. Diese Operettenliga, wie die Liga in der Schweiz jeweils despektierlich genannt wird, hat einiges zu bieten und manches NLA-Team, nicht nur die „Schwarzen Flügel“ aus Linz, hätte heute hier Flügel lassen müssen.
Simon Rytz war zwar die Nummer eins auf dem Matchblatt, spielte aber nicht. (Hervé Chavaillaz)
Biel gewinnt zum zweiten Mal im dritten Heimspiel den Zusatzpunkt nach Penaltyschiessen. Im Gedränge der Katakomben der Kabinengänge wird Biel-Goalie Simon Rytz interviewt. Auf die Frage eines Journalisten «heiter scho mau drü Penaltys ghäbt» muss sich Rytz kurz hintersinnen, denn der Lysser stand ja gar nicht im Tor!
Meili statt Rytz
Ausgangspunkt für den Lapsus gab die Mannschaftsaufstellung, denn gemäss Matchblatt wurde vor dem Spiel Rytz als Nummer eins im Spiel gegen den Kantonsrivalen aus Bern gemeldet. Tatsächlich steht aber Lukas Meili von Beginn weg zwischen den Pfosten – doch kaum einer bemerkt den Wechsel – was mir höchst bedenklich erscheint. Es ist als ob man bei einem Date erst nach zwei Stunden bemerken würde, dass die falsche Frau am Tisch sitzt.
Welcher Goaliewechsel?
Teilweise mussten die ganzen Matchberichte, welche während zwei Stunden auf Rytz geschrieben wurden nochmals gründlich revidiert werden – andere fragten wann denn Biel den Torhüter gewechselt hätte oder ob Biel auf das Penaltyschiessen einen Goaliewechsel vorgenommen habe. Selbstverständlich sind mir die Namen der betroffenen Medien entfallen. Zudem fängt Meili mit der rechten Hand, Rytz mit der linken.
Schläpfer wie Hartley?
«Das isch ä Fehler vo dämm wo s Matchblatt gschriebä het, mit so Sache befassi mi nid», sagte Kevin Schläpfer auf die Frage ob Rytz absichtlich als Nummer eins aufgeführt wurde. Wir erinnern uns an Bob Hartley, seine Mannschaftsaufstellungen sind schon heute Kult, denn seine wild durcheinander gewirbelten, unkorrekten Matchblätter waren Teil des siebten Meistertitels.
Kambers Vorankündigung
Alles andere als eine Irreführung war Oliver Kambers Facebook-Eintrag vor dem SCB-Spiel: «How many fans go to EHCB – SC BERN ?! Are you ready for Kamber’s show?» postete der Facebook-Profil-Verantwortliche des Baselbieters. Kamber’s Worten folgten Taten: Mit einem Zuckerpass war er Vorbereiter des Bieler Ausgleichstreffers, mit einem verwerteten Penalty war er der Vollstrecker beim Penaltyschiessen. Wer war nun der Matchwinner, Torhüter Rytz oder Kamber?
Kevin Schläpfer gratuliert Oliver Kamber zu seiner «Show.» (Hervé Chavaillaz)
Erstmals seit 1984 lief trug wieder ein Bertaggia die Zuger-Farben auf heimischem Eis. Lugano-Legende Sandro Bertaggias Sohn Alessio wechselte auf die aktuelle Saison von den Brandon Wheat Kings aus der Western-Hockey-League an den Zugersee. Der junge Bertaggia trug sich mit einem Assist auch gleich in die Skorerliste ein, es war der erste EVZ-Skorerpunkt eines Bertaggias seit 1984, was für eine Geschichte.
Wer’s mit den Rangers nicht schafft, schaffts mit Biel
Eine andere Geschichte ist die Story von Biel’s Brendan Bell. Der Kanadier ging hier im Herbst 2011 mit den New York Rangers mit 4:8 unter – mit Biel führte der Verteidiger nach 34 Minuten mit 3:0! Was er mit den Rangers nicht schaffte, schafft er mit Biel? Nein, denn ausgerechnet Bell leitete mit einem dummen Scheibenverlust das 1:3 der Zuger und somit den Untergang bis zur 3:4-Niederlage aus Sicht der Seeländer ein.
Schnapszeiten und Kaffi-fertig
Und was gabs sonst noch in der Bossard-Arena «von Zug» – ach ja die Schnapszahlen, die gib’s in jedem verdammten Spiel – die Spielzeit in Zug wurde Beispielsweise bei 28:28, bei 30:30 und bei 49:49 gestoppt. Apropos Schnaps oder Kaffi-Schnaps – wo ist eigentlich der Fanklub von Rotkreuz? In der alterwürdigen Hertihalle wurde man jeweils von den Rotkreuzern, die nie ohne Militärkanister Kaffee-Schnaps angereist sind und ihre Sitze direkt unterhalb der Kommentatoren-Plätze hatten, pausentlich mit Kaffi-Schnaps verpflegt, kalt aber herrlich wars.
14. September 2013
Zug – Biel 4:3 (0:1, 1:2, 3:0) Bosshard. – 6’026 Zuschauer. – SR Prugger/Stricker, Tscherrig/Wüst. – Tore: 18. Spylo (Gossweiler, Ehrensperger) 0:1. 31. Brendan Bell (Ellison/Ausschluss Patrick Fischer II) 0:2. 34. Wetzel (Kellenberger, MacMurchy) 0:3. 38. Suri 1:3. 45. Fabian Schnyder (Bertaggia) 2:3. 47. Christen 3:3. 52. Tim Ramholt 4:3. – Strafen: Zug 6-mal 2 Minuten, Biel 5-mal 2 Minuten. – PostFinance-Topskorer: Fabian Sutter; Tschantré. – Bemerkungen: Zug ohne Hutchinson, Holden und Yannick Blaser, Biel ohne Gaetan Haas (alle verletzt), Untersander (krank) und Sutter (gesperrt). – Timeout: Zug (59:53); Biel (58:57). Zug: Boucher; Chiesa, Tim Ramholt; Patrick Fischer II, Erni; Simon Lüthi, Alatalo; Schmuckli, Diem; Christen, Fabian Sutter, Casutt; Suri, Schremp, Martschini; Bertaggia, Wellwood, Fabian Schnyder; Sven Lindemann, Schneuwly, Lammer. Biel: Meili; Brendan Bell, Dario Trutmann; Gossweiler, Fey, Christian Moser, Gloor; Cadonau, Rouiller; Marc Wieser, Ellison, Tschantré; Ehrensperger, Peter, Spylo; Herburger, Oliver Kamber, Ulmer; MacMurchy, Kellenberger, Wetzel.
Ein heisser Juli-Abend in Worb, im Wislepark ist der Badirummel in der frühen Abenddämmerung noch voll im Gang, ebenfalls voll im Gang in der Eisbahn nebenan ist das Warm-up, auf dem Eis stehen aber nicht etwa der EHC Mirchel, EHC Worb oder der SC Ursellen, welcher das KHL-Spiel organisiert, sondern die beiden KHL-Vertreter SKA St. Petersburg und die Kasachen von Barys Astana.
Vor den Kabinen-Containern steht der fünffache Weltmeister und zweifache Olympiasieger Alexei Kasatonow, der ehemalige Verteidigungspartner von Wjatscheslaw Fetisow ist seit zwei Jahren General-Manager beim russischen Topklub SKA St. Petersburg. Nach einem kurzen Small-Talk und einem Erinnerungsfoto wird das hauseigene TV von SKA darauf aufmerksam und will ein Interview, mit Kasatonow? Nein mit mir?
Ein Schweizer der über SKA Auskunft geben kann ist der Aufhänger der Russen. Selbstverständlich willige ich ein, mal auf der anderen Seite der Kamera zu stehen und das bei SKA-TV in Sankt Petersburg. Einst gab ich hier mein 2. Liga-Debüt, heute das russische TV-Debüt. Das idyllische Worb scheint mir aber heute besser gesinnt als vor 13 Jahren.
Alexei Kasatonow, sein Palmarès ist unerschöpflich. (Anna Nasarowa)
Es ist ein heisser Sommertag, niemand denkt in der Umgebung der Bozner Eiswelle «Palaonda» an Eishockey, ein kleiner, geschlossener Imbissstand in den Farben des HC Bozen deutet einzig auf den Eishockeysport hin. Auch das Eisstadion, welches im Mai 1994, bei ähnlichen Temperaturen, auch WM-Schauplatz ist, ist auf den ersten Blick nicht als Eishalle auszumachen. Die Stadion-Beiz ist offen und eine Handvoll Stammgäste diskutieren schon am frühen Nachmittag feuchtfröhlich mit dem Stadionwirt. Dieser gewährt, durch das Stadionbeizli hindurch, auch im Sommer Einlass in die Heimstätte der erfolgreichsten italienischen Eishockey-Organisation.
Ruhmreiche Hallendecke
Die Saison 2012-13 ist leider schon Geschichte und die unteren Sitzreihen in der Multifunktionshalle, wie beim Zürcher Hallenstadion, schon eingefahren. Dennoch gibts noch Spuren aus der vergangenen Meisterschaft, ein Matchprogramm liegt noch auf der Medientribüne. Als Qualifikationsdritter scheitert Bozen vorzeitig im Viertelfinal am späteren Meister AS Asiago. Für die Bozner ist es die vorerst letzte Meisterschaft in der heimischen Serie-A, die Südtiroler wechseln auf kommende Saison hin in die österreichische Erste-Bank-Eishockey-Liga (EBEL).
42 Spiele, 76 Tore und 78 Assists – das ist die Bilanz von Mark Napier, dem Star von Meister HC Bozen
– Franz Sinn, Eishockey-Journalist
Damit verliert die Serie-A, welche in den 90er Jahren ihre letzte Blütezeit erlebt, den wichtigsten Klub der heimischen Liga. Unter der Hallendecke der Bozner Eiswelle hängen Fahnen von 19 italienischen Meistertiteln, in schweizerdeutsch ausgedrückt, es ist als würde der HC Davos in die KHL wechseln. Die Meisterfahne 1990, sie hängt vor dem ersten Alpenliga-Titel, lässt mich in Gedanken an den fabelhaften Bericht von Franz Sinn, einem bedeutenden Eishockey-Reporter Italiens, zurück schwelgen. Die Seite 107 im deutschen «Eishockey Jahrbuch 1990» sind die Zeilen über «Italien» und dessen Meisterstück, welches als regelrechter Krimi niedergeschrieben ist. Wer diese Zeilen liest, wer sich die Messehalle, die Vorgängerin der Palaonda, vorstellen kann und wer dieses Foto (oben) von Mark Napier im rot-weissen Lancia-Jersey sieht, will nach Bozen. Doch diese Bozner wollen nach Österreich und spielen künftig lieber gegen Tiroler, statt gegen Vicenzer oder Ladiner. Ein Tiefschlag für die italienische Liga, aber eine Chance für Bozen, welches sich durch den Ligawechsel und seine, für italienische Verhältnisse, hohen Zuschauerzahlen, neue finanzielle- und sportliche Möglichkeiten erhofft.
Wie einst in der Alpenliga?
Bozen spielt schon früher eine grosse Rolle in der länderübergreifenden Meisterschaft der 90er Jahre. In der Alpenliga spielen die Südtiroler immer an der Spitze mit und holen, nach zwei Silbermedaillen, 1994 vor heimischer Kulisse gegen die grossen Devils aus Mailand den ersten Alpen-Cup-Pokal. 1995 folgt der zweite internationale Titel, beim gewinn der Euroliga, verstärkt der zweifache Stanley-Cup-Sieger Jaromir Jagr die «Weiss-roten» im Endspiel gegen den HC Rouen. Bozen hat immer schon grosse Stars ins Alto-Adige (Südtirol) gelockt, wie etwa Ron Chipperfield, Kent Nilsson, Mark Pavelich oder eben Napier, einst überragender Mann bei Franz Sinn’s Krimi-Titel 1990. Seine 154 Skorerpunkte in 42 Spielen sind noch heute eine Rekordmarke. Ein «Scudetto» kommt vorerst keiner mehr dazu und das «alte Matchprogramm» auf der Pressetribüne wird zum Relikt.
Künftige Bozner-Stars, wie einst der grosse Napier, schreiben ihre erfolgreiche Hockey-Geschichte in Zukunft wieder zusammen mit Österreichern und Slowenen, wie früher in der guten, alten Alpenliga. Auch auf der anderen Seite des Brennerpasses (Brennero) dürfte ein Titelgewinn um die «Champions-Trophy» bald als Fahne unter der Hallendecke der Palaonda hängen und Franz Sinn wird den einstigen Krimi neu als Symphonie niederschreiben.
Der Auftrag für den 14. Juni 2013 lautet, die drei Schweizer NHL-Grössen Roman Josi, Mark Streit und Yannick Weber bei ihrem Krafttraining in Bern zu begleiten. Die drei Berner NHL-Verteidiger trainieren alle zusammen bei Harry Andereggen. Für das Sportpanorama vom 16. Juni, treffen wir (SRF) die drei am Freitag Nachmittag zwischen 15 und 18 Uhr im Fitnessstudio Fit-Line in der Nähe des Insel-Spitals in Bern.
Der fehlende Journalist
Die Kamerafrau kommt direkt aus Zürich, auch ich habe sie noch nie gesehen, so warten wir (Streit, Weber, die Kamerafrau und ich) an der Getränkebar des Studios auf den noch fehlenden Akteur und frischgebackenen Silbermedaillengewinner und wertvollsten Spieler der Weltmeisterschaft in Stockholm, Roman Josi. Bereits gibts ein erstes Erinnerungsfoto mit Streit und Weber und die Kamerafrau sagt «nun fehlt nur noch der Journalist,» aber da stehe ich doch? Streit, Weber und ich als «falscher Josi» warten auf Krein?
Der falsche und der echte Josi. (Angela Meschini)
Wer ist Roman Josi?
Die beiden NHL-Cracks Streit und Weber verstehen nicht ganz und wissen nicht, dass sich die Kamerafrau und ich bis heute nie begegnet sind, und antworten «nein Josi fehlt.» Für einen kurzen Augenblick bin ich eine NHL-Grösse und ein WM-MVP. Nach einer kurzen Aufklärung nehmen es alle mit Humor, ehe der echte Josi doch noch eintrifft. Ehrlich gesagt, am liebsten hätte ich als «falscher Josi» gleich mittrainiert. Wobei mir Fitnesscoach Andereggen während des harten Trainings erklärt, dass dies eher ein lockeres Training sei, so stehe ich doch Lieber auf der anderen Seite der Kamera und lasse dem echten Josi den Vortritt fürs Grobe.
Trainings-Drahtzieher Mark Streit beim rackern. (Krein)
Der Startschuss unserer diesjährigen WM-Reise erfolgte in Lyss. Lyss ein «kleines Dorf» mit 13’000 Einwohnern im Berner Seeland, wo einst der aktuelle Nationaltrainer(held) Sean Simpson am Industriecup (dem Flachland Spenglercup) 1989 gegen den EHC Biel debütierte. Bereits in der 5. Minute musste er damals durch eine Verletzung die Partie beenden und so startete die wohl eindrücklichste Trainerkarriere der Schweizer Hockeygeschichte (Champions-Hockey-League-Sieger 2009, Victoria-Cup-Sieger 2009 und WM Silber 2013).
Starköl und das «Lotterteam»
Ein bekannter Schweizer Eishockey «Chronist» erzählte mir nach unserem 3:2-Auftaktsieg, übrigens der erste Schweizer Sieg in Stockholm seit 1948!, über den Gastgeber: «Schweeedä het äs Lotter-Team.» Er hatte nicht unrecht, denn bis zur Ankunft der Sedin-Zwillinge war der Gastgeber alles andere als überzeugend und erknorzte sich ein 2:1-Sieg gegen Weissrussland und musste gegen die Schweiz (2:3), sowie gegen Kanada (0:3) die (Wasa)-Segel streichen. Die Segel streichen mussten auch wir, ohne dabei etwas bemerkt zu haben, da wir 24 Stunden lang nichts flüssiges zu uns genommen ausser dem tückischen Starköl.
Antti Törmänen ist Experte beim finnischen TV. (Finnischer TV-Mann)
Die Zwillinge aus Örnsköldsvik
Dank der Ankunft der Sedins verwandelten sich die Schweden vom «Lotter» zu einem «Team» und segelten wie eine schwedische Galeone zum 9. WM-Titel, so wie es das schwedische Kriegsschiff Wasa vor 385 Jahren hätte tun sollen. Ich bin überzeugt, ohne die Sedins wären die «Lotter-Schweden» des Chronisten wohl schon im Viertelfinal gegen die Kanadier wie die Wasa auf ihrer Jungfernfahrt im Hafen (Globen) von Stockholm mit wehenden Fahnen abgesoffen. Übrigens haben die Sedins in zehn Pflicht-Spielen (inkl. Junioren WM) gegen die Schweiz nur einmal verloren, an der U20 WM 1998 (mit Julien Vauclair) mit 1:2 nach Penaltyschiessen. Vorsicht: Die Sedins werden gerne mit ihrem Schweizer Pendant, den Marti-Bros (beide sprechen fliessend schwedisch und es fliesst schwedisch) verwechselt.
In 78 Jahren um die Welt
Etwas jünger als der Untergang der Wasa ist der letzte Silber-Medaillengewinn der Schweiz. 1935 holten die Eisgenossen zum einzigen Mal WM-Silber. Den heutigen Weltmeister Schweden schlug man im Eröffnungsspiel in Davos mit 6:1. Es folgten Siege über Holland, Frankreich, Grossbritannien und die Tschechoslowakei. Gegen Ungarn und Österreich kamen wir nicht über ein Unentschieden hinaus. Die 1. Niederlage mussten wir damals wie heute erst im Finalspiel hinnehmen beim 2:4 gegen Kanada (vertreten durch die Winnipeg Monarchs). Damals noch nicht dabei waren die USA und die Sowjetrussen.
Während Schweden – Tschechien fädelt SCB-Sportchef Sven Leuenberger die Rückkehr von Justin Krueger ein. (Rolf Pfeiffer)
Der Kreis der Silber-Helden
Bis zum 19. April 2013 gab es zwölf Schweizer Silber-Medaillen-Gewinner: Die Goalies Albert Künzler und Arnold Hintz, die Verteidiger Ernst Hug, Christian Badrutt und Oscar Schmid sowie die Stürmer Pic (Ferdinand) und Hans Cattini, Bibi Torriani (der Ni-Sturm), Herbert und Charly Kessler, Peter Müller und Thomas Pleisch. Die zwölf Legenden von anno 1935 werden nun komplettiert durch Martin Gerber, Reto Berra, Mathias Seger, Roman Josi, Julien Vauclair, Raphael Diaz, Philippe Furrer, Eric Blum, Patrick von Gunten, Robin Grossmann, Severin Blindenbacher, Andres Ambühl, Nino Niederreiter, Martin Plüss, Simon Moser, Denis Hollenstein, Simon Bodenmann, Luca Cunti, Ryan Gardner, Reto Suri, Matthias Bieber, Julian Walker, Morris Trachsler und Thibaut Monnet, sowie die überzähligen Tobias Stephan und Dario Bürgler.
All-Star-Abwehr
Mit Vauclair und Josi figurieren erstmals in der Hockeygeschichte gleich zwei Schweizer im WM All-Star-Team, ebenfalls werden jeweils die drei besten Spieler jeder Mannschaft gewählt. Dabei ist Vauclair der einzige Spieler aus dem All-Star-Team welcher nicht unter die drei besten seiner Mannschaft gewählt wurde, wie das? Das All-Star-Team wird jeweils durch die Medienvertreter gewählt, die drei besten Spieler durch die Headcoaches. Josi wurde zudem noch zum «besten Verteidiger» sowie zum «wertvollsten Spieler» der WM ausgezeichnet. Als dann Kommentator Jann Billeter (nicht zu verwechseln mit Biljeter) mit Malkin und Kovalchuk MVPs aus vergangenen Jahren aufgezählt hat, fügte Mario Rottaris (Burgdorf-Gretzky) noch «Yzerman» hinzu. Steve Yzerman wurde an der WM 1990 in Bern und Fribourg zwar WM-Topskorer, aber nicht zum «MVP» gewählt, da diese Auszeichnung erst seit 1999 (Teemu Selänne) vergeben wird.
Offene Fragen
Ein paar Fragen bleiben aber auch nach der WM unbeantwortet. Warum haben die Schwedinnen hinten an ihrer Hose immer einen kleinen Reissverschluss? Warum war die Schweizerin aus dem Aargau mit ihrem Bruder an der WM? Warum waren die Prinzessinnen Victoria und Madeleine nie im Stadion? Warum sagte mir der Türsteher vor dem Club «you give me a drunk impression?» Und die Mutter aller Fragen, warum zum Teufel ist die Wasa gesunken?
Die Schweizer Delegation im Globen. (Krein)Die Stimmung nach Schwedens Sieg gegen Tschechien. (Krein)Reto Berra (Würfel im Globen) ist gegen Schweden Back-up. (Krein)Eindrückliche Eröffnungszeremonie nach dem Warm-up. (Krein)
Der Djurgarden, zu deutsch «Tiergarten», nachdem der schwedische Rekordmeister Djurgardens IF Stockholm benannt ist, muss durchquert werden auf dem Weg ins Wasa-Museum. Aber auch der Weg durch den Garten ist seit der Kindheit ein Ziel. Passend zum goldenen Eingangstor, trägt sich der «Djurgarden» in den 90er Jahren gleich doppelt in die Siegerliste der europäischen Königsklasse ein.
Djurgardsslätten. (Krein)Das Tor zum Djurgarden. (Krein)Die Karte des Djurgarden. (Krein)Nicklas Lidström’s Stock in Djurgarden’s Fan-Shop. (Selfie)
Es ist angerichtet, in der proppenvollen Patinoire de Malley. (Krein)
Am 4. März 1961 verliert der NLA-Klub HC Lausanne gegen NLB-Meister SC Langnau das zweite Spiel in der Liga-Qualifikation im Emmental mit 3:8, die Langnauer steigen damit zum ersten Mal in die Nationalliga A auf und Lausanne steigt nach vier Jahren im Oberhaus wieder in die Zweitklassigkeit ab.
52 Jahre später stehen die gleichen Teams wieder im Fokus der Ligazugehörigkeit, dieses Mal in umgekehrten Rollen und Langnau muss in Lausanne zum sechsten Spiel antreten. Die unterklassigen Waadtländer revanchieren sich und schiessen den Traditionsclub aus dem Emmental nach 15 Jahren in die Nationalliga B.
„Wo ist die Kamera?“
— Michael Krein (SRF) und Alex Tamburini (RSI)
Nach dem Spiel brechen alle Dämme, fürs Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) soll ich vier Interviews liefern, Jörg Reber und Wolfgang Schickli von den Tigers, Oliver Setzinger und Gerd Zenhäusern für den Aufsteiger. Bis zur Spielerbank kämpfe ich mich, zusammen mit RSI-Kommentator Alessandro «Alex» Tamburini, durch – doch wo ist die Kamera oder wo ist der Kameramann?
Verloren in Lausanne sind nicht nur wir, auf der Suche nach dem rettenden Kameramann, sondern vor allem die Langnauer. Die Organisation mit all ihren treuen Helfern und Funktionären ist mir in den letzten elf Jahren ans Herz gewachsen, keiner in der Organisation der SCL Tigers verdient diesen Abstieg. Mit Lausanne kehrt trotzdem eine hervorragende und historische Eishockeystätte ins Rampenlicht zurück.
16. April 2013,der Aufstieg ist perfekt, kurze Zeit später brechen alle Dämme. (Krein)
Innert 30 Minuten gehts vom Flughafen Wien-Schwechat über die Grenze nach Pressburg oder in slowakisch Bratislava. Das Wiener Schnitzel gibts noch an der österreichischen Donau, dann gehts in die Geburtsstadt unserer Reiseführer Ladislav und Jaroslav Brom. Mit Ladislav steige ich 2000 mit dem HC Weiss-Blau Lyss in die 2. Liga auf, nun steige ich mit ihm durch Bratislava. Das Finalturnier der European-Trophy steigt in Bratislava und Wien und aufsteigen will dort auch das Heimteam Slovan, mit dem Einzug in den Halbfinal.
Alle in Strellson, gekauft in Wien-Schwechat, Brom, Brom, Brom, Krein und Pfeiffer (Tappara-Fan)
Der slowakische Meister spielt in dieser Saison erstmals in der «sowjetischen» Kontinental-Hockey-League (KHL) und ist daher der einzige KHL-Vertreter des europäischen Wettbewerbs. Umso enttäuschender ist das sofortige aus der «ge-schwechaten» Slowaken gegen den schwedischen Spitzenklub Färjestads BK. Eigentlich ist es ja das Salzburger «Red-Bulls-Salute-Turnier», welches 2010 vom Vorsaisonturnier zu Europas Finalturnier umfunktioniert wird und so sind die Salzburger am eigenen Turnier erstmals nicht dabei. Nicht dabei sind auch die Schweizer Vertreter, Zug, Bern, Freiburg-Gottéron und die ZSC Lions scheiden in der Vorrunde aus. Mit dabei dafür die Finnen von Tappara Tampere, mit den auffälligsten, in Schiedsrichterkluft gekleideten Fans, lautstark und biertrinkend im drei-Minutentakt singend «Taaapppaaaraaaaaaaaaaaa!»
Michel Miklik, Werbeträger Slovans. (Krein)KHL in Bratislava. (Krein)
Dennoch treffen wir im Pressburger Nachtleben auf die Schweizer Delegation der ZSC Lions und unterhalten uns über den Stellenwert des Turniers und deren Zukunftspläne. Zum Halbfinal gehts wieder in die «Ondreja Nepelu», die Halle ist nach dem berühmten tschechoslowakischen Eiskunstläufer aus Bratislava benannt. Ondrej Nepela holt 1972 Olympia-Gold, 1971 und 1973 wird er Weltmeister. Gold gibts 2012 für einen schwedischen Vertreter, von den acht Finalisten kommen vier aus Schweden und Färjestad und Lulea stehen im Final. Für den Lokalmatador aus der slowakischen Hauptstadt ist es eine schwache Leistung oder wie man über den Wiener Flughafen kommend sagen würde, «dia san gonz g-schwechat» oder wie bei Szene1.at «in ist wer drin ist.»
Das Aus für das slowakische KHL-Team im ersten Spiel. (Krein)Tappara muss gegen zwei Schweden-Vertreter ran. (Krein)
Vierte Runde, 29. September 2012, erstes Spiel in Biel von Tyler Seguin, der NHL-Star kommt, trotz der 3:6-Niederlage gegen die SC Rapperswil-Jona Lakers, wie für einen NHL-Star gewohnt, höflich zum Interview. Knapp zwei Monate später, gleicher Ort, gleicher Spieler, wieder eine Niederlage (1:2 gegen Kloten). Seguin erscheint wieder zum Interview, dieses mal aber ist er aufgebracht und sagt „you know nothing!“ Wieso sagt er das? Ich habe die Boston Bruins schon gekannt bevor Seguin das Licht der Welt erblickt hat, geht mir leicht verärgert durch den Kopf.
Ich sage ihm „would you like to talk about the Boston Bruins?“ Ich hätte mit dem Boston-Star gerne über die Bruins gesprochen. Die Situation beruhigt sich und das Interview mit dem Stanley-Cup-Sieger (2011) geht im üblichen Rahmen über die Bühne. Dennoch bin ich leicht perplex nach seiner Reaktion und frage mich was wohl los gewesen ist. Dann kommt mir ein lachender Bieler Medienchef entgegen und sagt, beim letzten Interview, sei Seguin wütend geworden, weil der Fernseh-Journalist kein Englisch konnte. Beruhigt nehme ich das zur Kenntnis und werde die Begegnung wohl nie mehr vergessen. Nur vier Tage später habe ich den Nummer-zwei-Draft in Davos, bei einer weiteren Bieler-Niederlage (3:4) schon wieder vor dem Mikrofon, dieses mal aber wieder im höflichen Rahmen.
27. November 2012, ein genervter Tyler Seguin nach der 1:2-Niederlage gegen Kloten. (Hervé Chavaillaz)Biel, 29. September 2012, Tyler Seguin (Boston Bruins) nach dem 3:6 gegen Rapperswil. (Hervé Chavaillaz)Biel, 29. September 2012, Tyler Seguin (Boston Bruins) nach dem 3:6 gegen Rapperswil. (Hervé Chavaillaz)
Bereits nach 26 Sekunden gleicht die Bossard-Arena einer überdimensionalen Kindertagesstätte. Nach dem ersten Schuss- und ersten Treffer durch Corsin Casutt fliegen die Plüschtiere für hospitalisierte Kinder in der Region und Russland aufs Eis. Auch echte Plüschtiger sind dabei, aber auch die «echten Tiger» erweisen sich als Plüschtiger, denn nach 19 Minuten ist die Partie beim stand von 3:0 für die Innerschweizer gelaufen.
Den nächsten längeren Unterbruch nach dem Plüschtier-Regen gibts in der 26. Minute, denn da verschwindet der Puck bei Yannick Blasers Tor spurlos im Emmentaler Kasten, nach langer Suche finden die Unparteiischen die Scheibe in der Plastikfolie des Gehäuses. Die Lockout-Spieler Damien Brunner, Henrik Zetterberg (beide Detroit Red Wings) und Tyler Ennis (Buffalo Sabres) treffen auf beiden Seiten. Für die Doppelrunde des «Entlebuch-Derbys» bin ich am Samstag beim Rückspiel ebenfalls wieder im Einsatz.
Nach dem Plüschtier-Regen helfen die EVZ-Spieler tatkräftig beim einsammeln mit (Krein)
23. November 2012
Zug – SCL Tigers 6:2 (3:0, 2:0, 1:2)> Matchbericht SRF Bossard-Arena. – 6’061 Zuschauer. – SR Hribik/Kurmann (Tsch/Sz), Espinoza/Kohler. – Tore: 1. (0:26) Casutt (Diaz, Holden) 1:0. 9. Björn Christen (Casutt, Patrick Fischer II /Ausschluss Reber) 2:0. 19. Zetterberg (Holden, Omark /Ausschluss Simon Lüthi) 3:0. 26. Yannick Blaser (Herzog, Schneuwly) 4:0. 27. Martschini (Fabian Sutter, Diaz) 5:0. 42. Ennis (Kurtis McLean) 5:1. 44. Damien Brunner (Omark, Zetterberg) 6:1. 56. Froidevaux 6:2. – Strafen: Zug 3-mal 2 Minuten, SCL Tigers 4-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: PostFinance-Topskorer: Damien Brunner; Kurtis McLean. Zug ohne Fabian Lüthi, Lammer, Rossi, Wozniewski, Zurkirchen und Erni, Langnau ohne Popovic, Kim Lindemann, Sandro Moggi, Spurgeon und Simon Moser (alle verletzt). – Timeout Langnau (27.). Zug: Markkanen; Diaz, Yannick Blaser; Helbling, Patrick Fischer II; Chiesa, Andreas Furrer; Zubler; Fabian Schnyder, Holden, Casutt; Damien Brunner, Zetterberg, Omark; Suri, Fabian Sutter, Martschini; Björn Christen, Schneuwly, Sven Lindemann; Herzog. SCL Tigers: Hübl; Rytz, Reber; Simon Lüthi, Genazzi; Stettler, Lardi; Christian Moser; Jacquemet, Froidevaux, Lukas Haas; Ennis, Kurtis McLean, Pelletier; Tobias Bucher, Claudio Moggi, Adrian Brunner; Leblanc, Adrian Gerber, Rexha; Sterchi.
Am Vorabend debütiert der 17-jährige Zuger Junior Fabrice Herzog als 13. Stürmer im Fanionteam. Nur 24 Stunden später schiesst der Elite-Junior seine NLA-Tore Eins und Zwei. Drei Punkte aus den ersten zwei Spielen stehen auf dem Punktekonto des einstigen Nachwuchsspielers des EHC Frauenfeld. Die Tigers stehen mit Null Punkten aus dem Zuger-Wochenende weiterhin am Schluss der Tabelle.
Wer an einem Freitag Nachmittag von Bern nach Zürich fahren muss, kann nicht früh genug losfahren oder reist wie der Kluge, halt im Zuge. Zuge oder Zug statt Zürich heisst meine Destination, dies ist schon besser als alles ennet dem Gubrist-Tunnel. Kommt dazu, dass die Zuger Bossard-Arena mit der neuen Umfahrung A4a noch besser zu erreichen ist. Rechtzeitig dort zu sein ist heute zwingend, denn beim SC Bern läuft, neben den Lockout-Spielern Roman Josi und Mark Streit, erstmals John Tavares auf und dies bedeutet, ein Interview gibts schon vor dem Spiel um 19 Uhr 10.
Das Unheil beginnt schon in Kirchberg
Nach einem ersten Stau bei Kirchberg, bin ich frühzeitig kurz vor der Ausfahrt Zug, via Zug ist man innert 10 Minuten über die Hauptstrasse im Herti-Quartier, doch an einem Freitag-Abend entscheide ich mich für die Umfahrung, welche mich quasi durch die Hintertür noch schneller an den Zielort bringt. Dummerweise gibts kurz nach der Umfahrung einen Unfall und mein Auto kommt kurz nach der Ausfahrt Zug zum Stehen. Und es kommt, wie es nach Drehbuch eben kommen muss, in etwa wie bei Falling Down.
Du sitzt im Auto, es geht nichts mehr, die Luft im Auto wird stickig, im Radio vermeldet der Moderator den Unfall mit acht Fahrzeugen! Das Navigationsgerät bleibt zeitlich immer noch im Limit, du greifst mehrfach zur Trinkflasche. So verstreicht locker eine halbe Stunde und die Sanduhr beginnt zu laufen. Die Nervosität nimmt zu und du greifst in die Natel-Tasten um den Regisseur und den Journalisten in Zürich über ein mögliches „Worst-Case-Szenario“ zu informieren.
So nah und doch so fern, auf der A4a Richtung Baar oder „holt mich hier raus.“ (Krein)
Die Regie-Besprechung um 18 Uhr ist verpasst, auch der Tontest um 18 Uhr 45 und die Pressekonferenz vor dem Spiel um 19 Uhr sind Geschichte. Tavares aber, wird um 19 Uhr 10 bei der Spielerbank der Gäste zum Interview bereit stehen. Die Zeit drängt und der Stau wegen des Unfalls bleibt ein Nadelöhr. Mein Auto steht in Höhe der Unterführung Zugerstrasse welche direkt zur Arena führt, wenn ich aussteigen würde, wäre ich zu Fuss nur 500 Meter vom Stadion entfernt. Tavares, welchen ich schon dreimal in New York und einmal in New Jersey gesehen habe, werde ich sicher nicht heute Abend in Zug verpassen.
Sämtliche Möglichkeiten werden durchgespielt
Ob ich wie Michael Douglas in Falling Down aussteigen sollte? Ob ich auf dem Pannenstreifen im Rückwärtsgang zur Ausfahrt Zug zurückfahren sollte? Solche Geistesblitze schiessen im Minutentakt durch den Kopf, nicht durch den Kopf, aber durch Harnröhre drückt die ganze Flüssigkeit welche ich in den letzten zwei Autobahn-Stunden zu mir genommen habe. Die Hände sind schwitzig, der Autositz unbequem und die Situation kaum länger zu erdulden, es fehlen nur noch die quälende Fliege und quengelnde Kinder von „Falling Down“, ehe ich Amok laufen würde.
Trotz der misslichen Lage reicht es mir, durch einen Endspurt vom Parkhaus bis zur Arena joggend und telefonischer Ankündigung zum Öffnen der Hintertüre durch einen TPC-Produktionsmitarbeiter, zur Berner Spielerbank. Unter Hochdruck, die Toilette ist jetzt nicht Thema, stelle ich dem bereits wartenden NHL-Star der New York Islanders die drei Fragen zu seinem Einstand in der Schweiz. Das wars, fix und fertig erklimme ich völlig ausgebrannt und durch den Stress gezeichnet die Medientribüne, SRF-Radio-Mann Mathias Marti, der die Ausfahrt Zug nach mir genommen hat, trifft den Nagel auf den Kopf: „Läck gsehsch du Scheisse us,“ und die Partie hat noch nicht einmal begonnen…
Gezeichnet durch die Staustunden, und links hinten der entspannte Radiomann Marti. (Krein)
Zug – Bern 3:1 (1:1, 1:0, 1:0) Bossard Arena. – 6’395 Zuschauer. – SR Rochette, Mauron /Tscherrig. – Tore: 2. Diaz (Brunner, Omark) 1:0. 14. Danielsson (Hänni, Jobin/Ausschluss Fabian Sutter) 1:1. 31. Brunner (Diaz, Omark/Ausschluss Rubin) 2:1. 55. Omark (Patrick Fischer) 3:1. – Strafen: Zug 5-mal 2 plus 10 Minuten (Blaser), Bern 5-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: PostFinance-Topskorer Brunner; Ritchie. Zug ohne Markkanen, Suri, Erni und Fabian Schnyder, Bern ohne Roche, Flurin Randegger (alle verletzt) und Collenberg (überzählig). Timeout Bern (59.). Bern von 59:01 bis 59:35 ohne Torhüter. Zug: Zurkirchen; Helbling, Patrick Fischer; Diaz, Blaser; Chiesa, Wozniewski; Andreas Furrer; Björn Christen, Fabian Sutter, Casutt; Brunner, Holden, Omark; Sven Lindemann, Martschini, Fabian Lüthi; Rossi, Schneuwly, Lammer. Bern: Bührer; Kinrade, Streit; Josi, Beat Gerber; Jobin, Philippe Furrer; Hänni; Danielsson, Ritchie, Pascal Berger; Gardner, Tavares, Rubin; Caryl Neuenschwander, Martin Plüss, Rüthemann; Déruns, Vermin, Scherwey; Bertschy.
In Rapperswil gibts seit letzten Samstag alles von Lockout-Star Jason Spezza. Da gibts eine Hot-Dog SpezzialWurst für 7 Franken, ein Spezza Mini-Trikot für 20 Franken und einen Spezza-Schal für 30 Franken, satte 57 Franken kostet der ganze Spezza-Lockout-Spass. Der Star der Ottawa Senators ist in der «Diners» Arena in aller Munde.
Die Hot-Dog SPEZZiAl Wurst im Ottawa-Look gibts für 7 Franken. (Krein)
Was es von Spezza noch nicht gibt sind Spezza-Tore, Spezza-Assists und Spezza-Punkte und dies trotz 14 Lakers-Toren in den letzten zwei Spielen. Beim 8:4-Heimsieg gegen die SCL Tigers hat der NHL-Star sogar eine minus-zwei-Bilanz.
„Jason Spezza, auf Doug Gilmours Spuren?“
— Michael Krein
In der NHL erzielt Spezza mehr als einen Skorerpunkt pro Spiel und in Rapperswil bleibt er nach drei Spielen immer noch punktlos. Doch so einfach ist das nicht, auch ein NHL-Schlüsselspieler braucht seine Anlaufzeit. Ein kleiner Trost, auch Doug Gilmour traf beim ersten Lockout 1994-95 erst in seinem letzten Spiel für die Rapperswiler.
Die Frage ist nicht ob Spezza trifft, sondern nur wann Spezza trifft und dann fehlt in der «Diners» Arena nur noch die «Dieci» Spizza, denn die Pizza zu Spezzas Ehren (Foto oben die normale Lakers-Pizza) ging beim kulinarischen Angebot bisher vergessen.
Meine Wahl fällt auf die zwei NHL-Söldner Jared Spurgeon und «Spezza Hot-Dog.» (Krein)
Vor einem Interview bietet sich manchmal die Gelegenheit über ganz andere Dinge als den aktuellen Bieler 4:3-Sieg gegen Lugano zu diskutieren. Die Unterhaltung mit Mathieu Tschantré beginnt bei Rick Nash’s Hattrick in Davos und endet mit dem Bieler-Lockout-Star vor 18 Jahren.
Während des ersten NHL-Lockouts 1994-95 war der aktuelle Biel-Captain Mathieu Tschantré gerade Mal zehn Jahre alt und spielte bei den Moskitos des EHC Biel. Auf meine Frage ob er sich denn an das Engagement von Chris Chelios erinnern könne, antwortet Tschantré mit grosser Begeisterung: «Ich war im Freihockey als der NHL-Star Chelios im Bieler Eisstadion eingetroffen war, für uns war dies das Grösste.»
In dieser Woche trifft mit Tyler Seguin erneut ein ganz grosser aus der NHL in Biel ein. Seguin ist Biels grösster Transfercoup seit der Stippvisite (3 Spiele) Chelios‘ vor 18 Jahren. Der damals zehnjährige Mathieu empfängt dieses Mal den NHL-Star als Biel Team-Captain und womöglich wird auch da wieder ein Bieler Nachwuchsspieler den grossen Seguin bestaunen – und wer weiss in 18 Jahren…
Das verpasste NHL-Duell
Und übrigens… …vor 18 Jahren trafen die zwei grössten Attraktionen auf Schweizer Eis, Doug Gilmour und Chris Chelios mit Rapperswil-Jona und Biel nicht aufeinander. Chelios verletzte sich im dritten Spiel gegen Davos und musste frühzeitig nach Kanada zurückkehren. Eine Woche später mussten die Bieler ohne Chelios gegen Gilmour-Rappi ran. Diesen Samstag kommts nun doch noch zum NHL-Knüller zwischen Biel und Rapperswil, mit den Attraktionen Tyler Seguin (Boston Bruins) und Jason Spezza (Ottawa Senators).
In der 14. Minute erzielt Andreas Camenzind durch ein herrliches Zuspiel Adrian Wichsers den 1:1-Ausgleich gegen den HC Davos. Die SC Rapperswil-Jona Lakers gewinnen das zweite Saisonspiel mit 3:2 nach Verlängerung gegen Davos. Für den zum Verteidiger umfunktionierten Camenzind ist es der erste Treffer der neuen Saison.
Von Brisbane nach Rapperswil-Jona
Und – es ist der erste Treffer seit «nur» knapp vier Monaten, Camenzinds Pause dauerte kürzer als die seiner Teamkollegen. Seinen letzten Treffer erzielte er mitten im Sommer oder im australischen Winter, am 19. Mai 2012, vor 260 Zuschauern in Melbourne mittels Penalty gegen den Australier Fraser Carson im Tor der Melbourne Mustangs.
Irgendwie verrückt, nach sieben Spielen und 17 Punkten bei den Gold Coast Blue Tongues in Brisbane kehrt der gebürtige Wettinger wieder an den Zürichsee zurück. Nun heissen die Gegner wieder ZSC Lions und HC Davos statt Melbourne Ice und Adelaide Adrenaline und die Mitspieler Jason Spezza statt Marco Bertossa.
Dennoch eine spannende Erfahrung für den Zürcher, der mit einer Australierin verheiratet ist und deshalb die Sommerpause in der Heimat seiner Partnerin als Sommertraining der speziellen Art genutzt hat. Ein kurzer SRF-Auszug von Camenzinds Treffer gibts in der Audio-Datei.
Im Sopraceneri, also oberhalb des Monte-Ceneri ist Ambrì überall, über den Nufenen begegnet man dem HC Ambri-Piotta bereits auf dem Weg zur Passhöhe, später im Val Bedretto. Aber auch tief im Süden, beispielsweise im Vallemaggia in Avegno. Im urchigen aber typischen Tessiner „Antico Grotto Mai Morire“ begegnet man einem bemerkenswerten Autogramm einer ehemaligen Ambrì-Legende.
Im schmucken Grotto ist schon eine grosse Eishockey-Legende abgestiegen. Kaum einer mag dies erahnen, wenn er seine „Polenta e brasato“ oder sein „Bistecca di manzo“, unter Begleitung von Tessiner Folklore-Musik, genüsslich verzehrt. Beim Gang zur Toilette und einem Blick ins innere des Grottos wird Ambrì wieder allgegenwärtig. Waleri Kamensky war am 21. August 2009, letztmals hier zu Besuch.
Der HC Ambrì-Piotta im Antico Grotto Mai Morire in Avegno. (Krein)
Eine Autogrammkarte der New York Rangers und eine Widmung für „Lalo und Monica“, unterstreicht die Wirkungskraft der Leventiner. Weltstar Kamensky spielte während des Lockouts 1994-95 zwölf Partien für die Biancoblù. Sein Sohn Viktor spielte zwischen 2009 und 2011 für den GDT Bellinzona und den HC Locarno Dogs, dies erklärt Waleris Besuch vor drei Jahren.
Kamenskys Autogramm der New York Rangers im Grotto in Avegno. (Krein)
Die Wirkungskraft ist sogar so gross, dass auch wir uns nach einem heissen Sommer-Tag in der Badi Locarno, einen Abstecher nach Biasca (Foto oben) leisten. Der HC Ambrì-Piotta empfängt zum Saisonauftakt das ukrainische Team von Berkut Kiew (2:1).
Die neuste Ausgabe der Leventiner empfängt in Biasca die Ukrainer von Berkut Kiew. (Krein)
21. August 2012
Ambri-Piotta – HK Berkut Kiew 2:1 (0:1, 2:0, 0:0) Pista-Ghiacco, Biasca. – 1’600 Zuschauer. – SR Kurmann, Ambrosetti /Espinoza. – Tore: 5. Klimentjew (Dewetschka /Ausschluss Sidler) 0:1. 21. Botta (Noreau /Ausschlüsse Gnidenko, Isajenko) 1:1. 32. Pestoni (Kutlak, Trunz /Ausschluss Jakimowitsch) 2:1. – Strafen: Ambri-Piotta 7-mal 2 plus 5 Minuten plus Spieldauer (Stucki), Berkut Kiew 6-mal 2 plus 3-mal 5 Minuten (Gnidenko, Isajenko und Klimentjew) plus Spieldauer. – Bemerkungen: Ambri-Piotta ohne Müller (verletzt), Park (noch nicht eingetroffen), Williams (Kanada), Duca, Raffainer, Kobach und Donati (alle überzählig). Ambri-Piotta: Croce; Dotti, Noreau; Kutlak, Trunz; Casserini, Schulthess; Sidler, Bonnet; Stucki, Weber, Pedretti; Reichert, Mieville, Pestoni; Elias Bianchi, Schlagenhauf, Grassi; Lakhmatov, Mattia Bianchi, Botta.