Vor rund 100 Jahren formierten sich die Eishockeyhochburgen in den Bergregionen und dort, nicht selten, auf den gefrorenen Seen. So auch im bayrischen Hinterland der Sport- Club Riessersee. Eigentlich ist Garmisch-Partenkirchen heute vor allem durch die Vierschanzentournee bekannt. Die Grosse Olympiaschanze ist das Wahrzeichen des bekannten Fremdenverkehrsortes und hier wagte einst auch ein gewisser Michael Edwards, besser bekannt als «Eddie the Eagle» seine ersten Sprünge. Geflogen ist bis 1981 auch die Eishockeyabteilung des SC Riessersee, zwischen 1927 und 1981 stehen zwölf Deutsche Meistertitel im Palmarès, zudem wurden die Olympischen Winterspiele 1936 an der Zugspitze, dem höchsten Berg Deutschlands, ausgetragen. Heute fristen die Eishockeyaner ihr Dasein in der drittklassigen Oberliga-Süd. Doch dies in einer imposanten Art und Weise. An Spieltagen, wie am Sonntag, 26. September, pilgern über 1000 Fans der Olympiastrasse entlang Richtung Olympia-Eissport-Zentrum, schon zwei Stunden vorher tummeln sich zahlreiche Anhänger vor dem imposanten Stadion. Drei Ticketschalter sind gleichzeitig bedient und im «SCR-Stüberl» gehen vor Spielbeginn, Schnitzel, Burger und gar ein Schweizer Wurstsalat über die Theke. Die Wall-of-Fame erinnert an jene Flugjahre mit zehn Meisterschaften, auf dem Teamfoto von 1978/79 ist gar Kent Ruhnke als Spielertrainer auszumachen.
An diesem Sonntag spielt in der Schweiz der EHC Biel gegen den HC Genf-Servette und das interessiert hier keine Seele, das Thema ist der Spitzenkampf zwischen Riessersee und den Heilbronner Falken. Nur rund 450 Kilometer entfernt geht es zwar um die gleiche Sportart, dies jedoch in zwei komplett verschiedenen Eishockeywelten. Faszinierend wie die einzelnen Mikrokosmen nebeneinander funktionieren, so nah und doch so fern. Wie nah diese Welt sein kann, zeigt der Headcoach des heutigen Gegners aus Heilbronn, denn ihm ist sogar Hasle-Rüegsau, wo wir uns einst als Hockeyväter trafen, ein Begriff. Jason O’Leary, einst in Langenthal, Genf, Zug und Langnau an der Bande coacht nun die Falken aus Heilbronn, welche den Wiederaufstieg in die DEL2 anstreben. O’Leary ist einer, der es versteht sich zwischen den einzelnen Mikrokosmen zu bewegen, seine europäischen Stationen ausserhalb der Schweiz hiessen Iserlohn (DEL), Angers (Frankreich), Spisska Nova Ves (Slowakei) und Odense (Dänemark). In Heilbronn habe man grosses vor und ein neues Stadion sei in Planung. Im Vergleich zur Schweiz mit nur sechs Grossstädten (über 100’000 Einwohner), gibt es in Deutschland deren 80 Städte mit dem wirtschaftlichen Einzugsgebiet von Zürich, Genf, Basel, Lausanne, Bern oder Winterthur. Dazu gehört auch Heilbronn. Die Dimensionen in Deutschland sind rund neunmal grösser als in der Schweiz. Ob Riessersee, Innsbruck, Grenoble oder Brandis, die Faszination Eishockey kennt keine Grenzen, so wie der Werdegang Jason O’Learys.
Riessersee – Heilbronn 1:3 (0:0, 0:1, 1:2)
29’Cabana (Ettwein) 0:1,
42’Nix (Bauhof, Gauch) 0:2,
58’Gauch (Cabana, Seewald) 0:3,
60’Porsberger (Becker) 1:3.
Olympia-Eissport-Zentrum: 1098 Zuschauer
SR: Haas, Pletzer
Str. (R): 2×2′
Str. (H): 3×2′
