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Davos vs. Lugano! Strecker vs. Krein!

 

HC Davos (HCD) vs HC Lugano (HCL), Klaus Zaugg vs. Joël WüthrichDas Duell! Früher bekannt aus dem Magazin Slapshot und später aus dem Top Hockey. Jeweils monatlich duellierten sich Klaus Zaugg und Joël Wüthrich zu einem brisanten Thema. Als „Duell im Westentaschenformat“ oder als „Duell Zaugg/Wüthrich der armen Männer“ duellieren wir uns in der Playoff-Version Davos vs. Lugano 2008/09. Ein Duell, welches eigentlich schon fast ein vorgezogenes Finale sein könnte. Spitzeneishockey auf beiden Seiten bereits schon im Viertelfinal. Doch wer hat nach der Best of Seven Serie die Nase vorn? HCD vs. Lugano, oder Simon Strecker vs. Michele Krein!


Strecker:
Wenn man in die Vergangenheit schaut, müsste man das „Grande Lugano“ klar favorisieren. Doch erstens ist die Vergangenheit vorbei und zweitens ist das Grande Lugano nicht mehr so gross, wie es fürher war. Vor Jahren hätte man sich mit einem fünften Quali Rang nicht zufrieden gegeben.

Doch wer ist überhaupt favorisiert? Beide Teams verfügen über ein starkes Kader. Der HC Lugano hat bestimmt mehr Talent im Team, vor allem die viel stärkeren Ausländer. Davos hat dafür mehr Kampfgeist, mehr Siegeswillen, Davos ist hungriger! Und dies trotz der besten Bilanz aller National League A Teams der letzten Jahre! Arno del Curto hat es geschafft, dass keine mentale Müdigkeit im Team einkehrt, keine Genügsamkeit, wie sie z.B. der SC Bern seit Jahren verspürt.

In der Aktuellen Saison gab es bis jetzt sechs Verlängerungen. Davon konnte der HCD vier für sich entscheiden. In der Playoff Serie gab es bis jetzt immer Verlängerung. Von der Wahrscheinlichkeit her müsste es also dem Schweizer Rekordmeister reichen, die Halbfinals zu erreichen.

Doch auf Statistiken sollte man sich nicht verlassen. Es gibt weitere Gründe, warum der HCD die Tessiner schlagen wird. Gerade bei engen Serien, wo sich die Teams ebenbürtig sind, entscheidet am Schluss der Wille! Und Davos hat den stärkeren Willen. Davos hat ein jüngeres Kader mit Spielern, die zwar weniger Talent besitzen, doch dafür um so mehr daran glauben, das Ziel zu erreichen. Davos hat zudem die ausgeglichenere Mannschaft. Davos hat keinen Nummelin, keinen Thoresen und auch keinen Murray. Wenn es dem HCD gelingt, diese Spieler zu neutralisieren, dann ist ein Weiterkommen in die Halbfinals ausser Frage! Beim HCD sind die Skorer viel besser verteilt, jeder kann das entscheidende Tor schiessen. So wie Robin Grossmann im letzten Spiel in der Overtime mit einem scharfen Slapshot.

Krein: Insgesamt sechsmal standen sich die beiden Teams in Playoff-Serien schon gegenüber. Fünfmal (86, 88, 99, 03 und 06) konnten die Tessiner die Serie für sich entscheiden. Die Playoff-Statistik spricht also ganz klar für Lugano. Die letzte Playoff-Paarung der beiden Kontrahenten, konnte Lugano mit einer 4:1 Serie im Finale für sich entscheiden. Die aktuellen Saisonresultate sprechen aber für den HCD. In vier spielen ging es dreimal in die Verlängerung, wobei die Bündner deren zweimal die Overtime für sich entscheiden konnten.

Was spricht im Viertelfinale 2008/09 für den HC Lugano? Lugano behagt die Rolle des Aussenseiters besser als die des Favoriten. Bei den letzten drei Meistertiteln startete man aus den Rängen drei (99), vier (03) und zwei (06). Obwohl Davos-Trainer Del Curto sein Team „immer“ als Aussenseiter bezeichent, betrachte ich es für Lugano als Vorteil, vom fünften Rang aus als „Aussenseiter“ zu starten.

In den Jahren des scheiterns spielte Lugano jeweils eine grandiose Qualifikation, die Spieler erreichten ihr Leistungszenit bereits in der Quali, waren aber in den Playoffs ausgebrannt. Dazu kam meistens noch das Verletzungspech. In der aktuellen Saison spielte man eine durchzogene und nicht immer überzeugende Qualifikation und musste einen Trainerwechsel verkraften. Viele Spieler wie Hirschi, Domenichelli, Robitaille, Lemm, Conne und Nummelin standen nicht immer zur Verfügung. Doch rechtzeitig auf die Playoffs kann die Mannschaft erstmals komplett (mit Ausnahme von Paterlini und Domenichelli) antreten. Gerade Steve Hirschi, welcher in den letzten drei Jahren nur 46 Spiele bestreiten konnte, kommt als Sinnbild für Luganos Rückkehr in die Playoffs rechtzeitig zurück.

Unter den besten fünf Skorern der Qualifaktion befinden sich zwei Lugano-Spieler: Patrick Thoresen (63 Punkte) und Petteri Nummelin (62 Punkte). Der beste Davoser ist Michel Riesen mit 41 Punkten (noch hinter Julien Vauclair). Skorerwerte müssen nichts heissen, schlussendlich gewinnt man als Mannschaft und nicht mit Einzelspielern. Dennoch können Thoresen und Nummelin in der Serie gegen die Bündner entscheidende Faktoren sein.

Praktisch niemand glaubt an einen Triumph Luganos über die Bündner, trotzdem traue ich dem siebenfachen Schweizermeister eine „Überraschung“ zu. Doch dazu braucht es eine kompakte Mannschaftsleistung, einen David Aebischer in seiner besten NHL-Form, den Willen und den Glauben des Siegens. Dazu kommt das Wissen, dass man in den letzten Jahren alle Playoff-Serien gegen die Bündner gewinnen konnte. Der letzte und bisher einzige Davoser-Playoff-Erfolg gegen Lugano liegt elf Jahre zurück.

Simon Strecker

Langnou, Schangnou, Bärou u Gooou!

Jeder kennt das – man hört eine Geschichte oder einen Spruch und weiss eigentlich gar nicht, wovon man spricht. Trotzdem benutzt man ihn vielleicht selber.

Anno 1993 hörte ich von F. S. aus L. den Spruch „Langnou, Schangnou, Bärou u Gooou!“. Es war ein Spruch, den die Langnau Fans jeweils an den Eishockeyspielen sangen und es heute noch tun. Ein schöner Reim – drei Orte und am Schluss das „Goal“.

Auch mein sehr guter Freund Michi, der Chef von eishockeyblog.ch, kannte den Spruch. Als er dann einmal in der Ilfilshalle war, bemerkte er, dass ein Team mit der Aufschrift „Gohl“ spielte. Er musste lächeln, weil das wohl ein Spitzname oder so was sein musste. Doch als er einen Langnauer Ureinwohner fragte, erhielt er zur Antwort: „Momou, Goou isch es chlises Örtli drü Kilometer nördlich vor Bärou!“ Ich selber erfuhr es etwa ein Jahr später, am Silvesterabend 2008.

Simon Strecker

Hockey aus dem letzten Jahrtausend?

Die ZSC Lions haben gestern wieder gezeigt, dass das Schweizer Eishockey in Europa mithalten kann. Sie liessen dem Tabellenzweiten „Linköpings HC“ keine Chance. Mit modernem, schnellen und effizienten Eishockey wurden die Schweden zu Hause gebodigt.

Der SCB, die Rumpler der Schweizer Liga, kassierten jedoch zu Hause schon die zweite Niederlage im eigenen – fast leeren für Berner Verhältnisse – Stadion.

Warum können die Mutzen in der Schweiz die Liga seit Jahren, zumindest wärend der Qualifikation, dominieren und international so schlecht abschneiden?

Bern hat sich in den letzten Jahren spielerisch nicht weiterentwickelt. Es wird immer noch „Dump’n’Chase“ gespielt. Puck ins Drittel hauen, nachrennen und dann minutenlang im Drittel rumkurven und kaum gute Abschlüsse finden. Immer nach dem selben Muster. In der Nationalleague A der Schweiz funktioniert das erstaunlicherweise immer noch recht gut. Da muss man fragen, warum die anderen NLA Clubs dagegen noch kein Rezept gefunden haben. Oft ist die Angst wohl schon in den Köpfen der Spieler, wenn der grosse SC Bern kommt. Die Schweden und Finnen liessen sich dadurch jedenfalls nicht beeindrucken, und erst recht nicht bezwingen.

Auch im Powerplay fehlt es an Ideen und Kreativität bei Club mit dem grössten Budget der Schweiz. Ständig mit dem selben Muster, meistens versucht der gleiche Schütze sein Glück im gleichen Shift. Wenn man keinen Nummelin im Team hat, bringt das nichts. Warum hat man ständig den Abschluss bei Bordeleau gesucht, wenn er doch diese Saison generell an Abschlussschwäche leidet?

Was sicher bei Bern auch fehlt ist das Feuer, der Wille, der Erfolgshunger. Es reicht nicht, im 3. Drittel kurz Vollgas zu geben. Das geht vielleicht gegen Langnau oder die Rapperswiler Lakers gut. Aber nicht gegen Meisterteams aus den Top Ligen von Europa. Es braucht Verändung beim SCB. Es braucht wieder Arbeiter und Kämpfer, nicht nur Schillerfalter und Schönwetterspieler.

Zum Glück haben die Zürcher Löwen bis jetzt die Ehre des Schweizer Eishockeys gerettet – wir sprechen doch immer so gerne von der NLA, einer der besten Ligen ausserhalb der NHL! Es reicht doch, wenn wir Schweizer im Fussball eine Lachnummer sind!

Simon Strecker
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