Faszination Brehmstrasse

In den 90er Jahren ist das Eisstadion an der Brehmstrasse Hauptschauplatz der europäischen Eishockeybühne. Zwischen 1990 und 1993 ist die «Brehmstrasse» vier Jahre hintereinander Austragungsort für das Europacup-Finalturnier. Dazu kommt der Epson-Cup und natürlich sechsmal in Serie das Meisterschaftsfinale der Bundesliga. Alle diese Anlässe laufen zuerst auf Eurosport, dann auf dem Sportkanal in sämtlichen deutschsprachigen Wohnzimmern.

Am 29. Juli 2015, wird mein Navigationsgerät endlich mit «Düsseldorf, Brehmstrasse», gefüttert. Vom Hotel am Hofgarten kommend, biege ich 25 Jahre zu spät, die Düsseldorfer EG spielt längst im ISS-Dome, im Düsseldorfer Zooviertel in die Brehmstrasse ein. Das Stadion, welches Kultstatus erreicht hat, wird glücklicherweise weiterhin für den Trainingsbetrieb und den Nachwuchs genutzt.

Blick auf das Eisstadion an der Brehmstrasse. (Krein)

Parkplätze direkt vor dem Stadion sind rar, direkt gegenüber parkiere ich neben einem «Hyundai» der DEG, mit dem Nummernschild «D EG 1550» und es kommen bereits nostalgische Gefühle auf. Ich höre «hier kommt die DEG», Sprechchöre aus der Halle und sehe endlich den Treppenaufgang, welchen ich seit dem «Eishockey Jahrbuch 1990» von einem Foto auf der Seite 60 kenne. Die Vorfreude ist riesig und das überqueren der «Brehmstrasse» bereits eine Fahrlässigkeit, weil ich die Umwelt nicht mehr wahrnehme.

Dann trete ich ein, ins Stadion an der Brehmstrasse, alles was ich von Fernsehbildern und Fotos dutzende Male angeschaut habe, ist nun da. Sämtliche Tribünen führe ich mir zu Gemüte und setze mich hie- und da einfach mal hin. Grossartig muss es gewesen sein, damals ein Ding der Unmöglichkeit hierhin zu kommen. Bei mir zuhause hängen immerhin zwei Trikots aus der Epson-Ära, Uli Hiemer und Michael Flemming. Ein anderer dieser Zeit ist der Mann mit dem schwarzen Gitter, Oliver Kasper, seine Bilder sind mir des Gesichtsschutzes wegen in bester Erinnerung. Ich weiss in welchen Büchern und Magazinen er abgebildet ist. Ein Griff und das Bild hätte ich vor mir.

Links vom Stadion ist ein kleiner Schlittschuhverleih, der Laden heisst «Eissport Kasper», ein älterer Herr heisst mich herzlich willkommen und entpuppt sich als Ladenbesitzer Kasper. Es kommt noch besser, der gesprächige Mann ist der Vater des einstigen DEG-Cracks. «Er sollte jeden Moment vorbeikommen und mir am Computer helfen», meint Hans Kasper freundlich. An einer Wand hängt noch ein Foto des Sohnes, aus der «Zamek-Ära» von 1985-86, ein perfektes Sujet für das Erinnerungsfoto. Kasper-Junior schwärmt ebenfalls von der grossen Zeit der DEG, von den Spielen gegen die Edmonton Oilers und St. Louis Blues. Wie cool wäre es, gleich jetzt an eines dieser Spiele gehen zu können? Wie es wohl hier im Shop, eine Stunde vor Spielbeginn ausgesehen hat?

Oliver Kasper (rechts), im Schlittschuhchop «Eissport Kasper» an der Brehmstrasse. (Hans Kasper)

Die Spiele von heute steigen im ISS Dome, wo die DEG seit 2006 beheimatet ist. Nach 20-jähriger Abstinenz, gibts diesen Sommer erstmals wieder europäisches Spitzeneishockey in der Rheinstadt. Die Plakate der Champions-Hockey-League hängen in der Innenstadt rund um die Königsallee. Der EHC Black Wings Linz und das altbekannte TPS Turku, gastiert in den 90er Jahren dreimal an der Brehmstrasse, sind die Gegner der Gruppe G.

Champions-Hockey-League in Düsseldorf 2015. (Krein)

Ein Blick zurück ins legendäre Stadion an der Brehmstrasse. Zu dieser Zeit hat die DEG, hinter dem SC Bern, mit rund 11’000 Fans jeweils den zweithöchsten Zuschauerschnitt Europas.

SaisonDüsseldorfBern
1985-8610’0208’966
1986-8710’41411’666
1987-8810’21510’502
1988-899’53011’227
1989-9010’53011’742
1990-9110’46012’731
1991-9211’16012’818
1992-9311’05011’975
1993-9410’93912’041
1994-959’15812’170

Hier gehts zum sportlichen Höhepunkt der Clubgeschichte. Am 30. Dezember 1991 steht die DEG im Europacup-Endspiel gegen Titelverteidiger Djurgardens IF Stockholm, dies vor ausverkauftem Haus an der Brehmstrasse.

Horst Eckert und Curt Frenzel

Augsburg steht schon lange auf der Wunschliste, nicht primär wegen der Augsburg Panther, sondern wegen des Deutschen Eishockey Museums, der deutschen Hall-of-Fame mit Sitz in Augsburg. Präsident und Förderer des Museums, welche in einem ehemaligen Hallenbad untergebracht ist, ist Horst Eckert. «Horst Eckert», rund zwei Dutzend seiner Eishockey-Bücher lagern in meinen Regalen und Eckert hat es sogar zu meinem «Lieblingsschriftsteller» geschafft, in den «Freundschaftsbüchern» der Schulzeit.

Eine Begegnung für die Ewigkeit, mit Horst Eckert in seinem Eishockey-Museum. (Bettina Gutmann)

Eckert, ein Eishockey-Gentleman

Bei einem dreitägigen Augsburg-Trip ist das Eishockey-Museum an der Schwimmschulstrasse die erste Adresse. Statt ins kühle Nass, taucht man in den umgebauten Räumlichkeiten des ehemaligen Hallenbads in die Welt des Eishockeys ein. Gewisse Relikte sind durch Abbildungen in den Büchern von Eckert bekannt. Beeindruckend ist die Ecke über das Eishockey in der DDR oder das Skandal-Trikot des ECD Iserlohn, mit der Werbung «das grüne Buch» von Muammar al-Gaddafi. Die Hockey-Leckerbissen könnten nur durch ein Treffen mit Horst Eckert noch überflügelt werden.

Die Frau an der Kasse erzählt mir, dass Eckert samstags immer kurz vorbeischaue, die Möglichkeit ihn zu treffen ist also so intakt, wie der Ausstellungsteil über «Great One» Wayne Gretzky. Doch Gretzkys-Utensilien werden durch Eckerts Eintreffen am frühen Nachmittag noch getoppt. Der Mann, von dem ich ziemlich jedes seiner Bücher mehrfach durchgelesen und durchgeblättert habe, schüttelt mir die Hand. Wir tauschen uns aus und plaudern über unseren Lieblingssport. Eckert hat mir sogar zwei Freikarten fürs Abendspiel der Augsburg Panther gegen die Düsseldorfer EG, welches sowieso auf meinem Programm steht.

Curt-Frenzel-Stadion

Keine fünf Minuten vom Museum entfernt, liegt das Curt-Frenzel-Stadion. Eine altehrwürdige Spielstätte, 1938 erbaut und 1978 renoviert, trägt den Namen seines Geldgebers und Förderers seit 1971. Frenzel ist in seiner Epoche langjähriger Vorsitzender eines der ältesten Eislaufclubs Deutschlands, der Augsburger EV wird 1878 aus der Taufe gehoben.

Das Stadion ist zwar überdacht, jedoch seitlich offen und daher an diesem Vorweihnachtsabend des 5. Dezember 2003, bitterkalt. Das kalte Bier trägt nicht zur Wärme bei, dafür die warmen Würstel und die sagenhafte Stimmung. Die Deutschen Fan-Gesänge scheinen einen Tick lauter als in den Schweizer Stadien. In der Pause wird Augsburgs All-Star-Team der letzten zehn Jahre verkündet, ebenfalls gewählt wird der aktuelle Keeper Magnus Eriksson, dennoch erweisen sich die Gäste aus Düsseldorf, angeführt von den Norwegern Trond Magnussen und Tore Vikingstad, trotz des neunten Tabellenranges als harter Brocken.

Die hitzige Partie – es kommt zu mehreren Unterbrüchen wegen Gegenständen die aufs Eis fliegen – erwärmt die Gemüter, welche die DEG Metro Stars in Eckerts und meiner Anwesenheit gegen das viertplatzierte Augsburg mit 3:1 gewinnen. Für die Mannschaft von Benoît Laporte ist es die erste Heimniederlage nach 60 Minuten und der Düsseldorfer Vikingstad trifft mit dem zweiten «Tore» und Game-Winning-Goal erstmals nach 1’712 Minuten wieder ins Schwarze.

Freitag, 5. Dezember 2003
(25. Spieltag)

Augsburger Panther – Düsseldorfer EG Metro Stars 1:3 (0:1, 1:1, 0:1)
Curt-Frenzel-Stadion. – 5’595 Zuschauer. – SR Reichert. – Tore: 12. Mikesch (Tory, Kreutzer/Ausschlüsse Augsburg) 0:1. 35. Oravec (Girard, Kofler) 1:1. 38. Vikingstad (Ulrich) 1:2. 52. Magnussen (Kreutzer, Mikesch) 1:3. – Strafen: Augsburger Panther 13-mal 2 Minuten, DEG Metro Stars 9-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: DEG Metro Stars ohne Brittig (krank), 2. Drittel Pfostenschuss Mikesch, Torschüsse 18:27.