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Durchgerafflte Hanlon-Äpfel

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Die beiden Villacher Brüder Thomas und Michael Raffl, in den Fussstapfen ihres Vaters Peter. (Foto: alamy.com)

Unter Raffeln versteht man die Zerkleinerung von Obst oder Gemüse mittels einer Raffel. Typische Anwendungen sind Karotten- und Selleriesalat oder Äpfel. Im Weltmeisterschafts-Spiel zwischen der Schweiz und Österreich ist es die Schweiz, die «gerafflt» wird. Die letzte Schweizer WM-Niederlage gegen Österreich datiert vom 2. Mai 1995, als man im schwedischen Gävle unter Mats Waltin im Abstiegsspiel der WM A-Gruppe gegen den kleinen Nachbar sang- und klanglos mit 0:4 unterging. Auf den Tag genau 20 Jahre später (hat noch kein Medium bemerkt), werden die «Hanlon-Äpfel» von den Österreichern mit 4:3 für die Zubereitung eines Schweizer Birchermüeslis «durchgerafflt».

Thomas und Michael Raffl

Dabei treffen die beiden Brüder Thomas und Michael Raffl gleich im Doppelpack zum Ausgleich: Thomas in der 23. Minute zum 1:1 und Michael auf Zuspiel von Thomas, 50 Sekunden vor Schluss zum wichtigen 3:3 für den A-WM-Neuling. Im Penaltyschiessen trifft zwar kein Raffl mehr, Mark Streits Flyers-Teamkollege Michael scheitert an Reto Berra, dennoch stehen die Raffl’s am Ursprung der ersten Schweizer Niederlage gegen die Ösis seit 20 Jahren. Oder anders gesagt, wird «gerafflt», gibt’s keinen Schweizer Sieg.

Wird gerafflt, gibt’s keinen Schweizer Sieg und bei einer Niederlage gegen Österreich folgt der Abstieg

Dies war schon 1983 so. Am 22. März, beim B-WM Auftakt in der japanischen Hauptstadt Tokio lag die Schweiz gegen Österreich mit 5:2 und 7:5 in Front. Weil es aber damals schon «rafflte», reichte es auch 1983 nicht zu einem Schweizer-Sieg. Peter Raffl schoss beim 8:8-Schlussresultat in der 36. Minute den wichtigen 5:5-Ausgleichstreffer. Der Vater der beiden Raffl-Brüder Thomas und Michael beendete seine internationale Karriere nach der B-WM 1991. Seither siegten die Österreicher nur noch ein Mal gegen die Schweiz und verbannte sie 1995 bis zum Aufstieg am grünen Tisch (für die Heim-WM 1998) in die WM B-Gruppe.

Der Abstieg kam nur einmal nicht

Verlor die Schweiz gegen Österreich folgte jeweils der Abstieg. Nicht nur 1995, sondern auch schon 1967 und 1973. An der B-WM 1967 in Wien verlor die Schweiz gegen die Ösis mit 6:7 und stieg in die C-Gruppe ab. An der B-WM 1973 in Graz, ging die Schweiz gegen Österreich mit 4:8 unter und es folgte erneut der Gang in die C-Gruppe. Nur an der B-WM 1966 in Zagreb, schaffte die Schweiz den bisher einzigen Ligaerhalt trotz einer Niederlage gegen Österreich (6:7). Der einzige Trost für die Schweizer: Die Konstellation Raffl und Abstieg gab es bisher noch nie.

Abstecher in die «Operettenliga»

Foto: Wiens Andreas Nödl setzt sich gegen die beiden Salzburger Brett Sterling (links) und Ryan Duncan durch. (Markus Knoblechner, MK Media)

Fünf Tage nach dem Start zum Schweizer Playoff-Final sind auch unsere östlichen Nachbarn zur Endspielserie gestartet. Die beiden Champions-Hockey-League-Teilnehmer EC Red Bull Salzburg und Vienna Capitals stehen sich in der «Best-of-Seven» Serie gegenüber. Die Wiener haben letzten Herbst auf europäischem Parkett immerhin den Schweizer Meister und aktuellen Finalisten ZSC Lions in der Gruppenphase ausgeschaltet. Salzburg blieb gegen schwache Kloten Flyers ebenfalls zweimal siegreich und scheiterte äusserst ärgerlich in den Playoffs am schwedischen Spitzenteam und späteren Cup-Sieger Lulea HF.

Im Zeichen des roten Bullen

Zum Auftakt der Operettenliga-Finals, wie ein Schweizer Chronist die Ösi-Liga jeweils bezeichnet, steht sich die stärkste Mannschaft aus der Qualifikationsphase (Salzburg) und der Tabellenfünfte (Vienna Capitals) im Salzburger Volksgarten, der Spielstätte des Eishockeyteams von Dietrich Mateschitz gegenüber. Hier steht alles im Zeichen des roten Bullen. Selbst die Bandenwerbung lässt neben der Dosen-Werbung nur drei weitere Sponsoren zu, Stiegl, Suzuki und die Erste Bank, der Rest gehört zum Red Bull-Imperium.

In den letzten 20 Minuten werden die «Wiener-Schnitzel» durch vier weitere Bullen-Treffer verspeist

Michael Krein

Logisch gibt’s auch im «Red Bullschen» Presseraum einen ganzen Kühlschrank des gesamten Salzburger Produktemixes. Selbstverständlich darf sich der Journalist nach belieben der kühlen Dosengetränke und dem Bullen-Wasser LunAqua bedienen. Zum Hauptgang gibt’s Wiener Schnitzel, etwa ein Wink zum Verzehr des heutigen Gegners aus der Hauptstadt? Übrigens, der letzte Wiener-Sieg (4:2) in Salzburg datiert vom 24. März 2013.

Die Vienna Capitals treten mit zehn Legionären an, davon haben acht Spieler Erfahrung in der NHL gesammelt. Der bekannteste unter ihnen ist aber ein Österreicher: Andreas Nödl, in der vergangenen Saison noch bei den Bullen und im Try-Out beim HC Lausanne, bestritt 195 Spiele für die Philadelphia Flyers und die Carolina Hurricanes. Salzburg spielt mit neun Ausländern (mit Ex-Ambrì Verteidiger Zdenek Kutlak) und zahlreichen österreichischen Internationalen, angeführt von Thomas Raffl (Bruder von Philadelphias Michael Raffl). Raffl ist es, welcher in der 20. Minute das Skore der Final-Serie 2015 eröffnet. Trotz des Verzehrs von mehreren Dutzend Wiener Schnitzel in besagtem Presseraum, steht es nach 40 Minuten erst 2:1 für die Bullen.

Hinkender Zuschauerschnitt

In den letzten 20 Minuten werden die «Wiener-Schnitzel» durch vier weitere Bullen-Treffer vor offiziell 3’200 Zuschauern endgültig mit 6:1 verspeist. Gemäss der Salzburger Nachrichten (SN) sollen aber 3’600 Fans in der Halle gewesen sein. Der offizielle Zuschauerschnitt der Mozartstädter liegt unter 3’000 und damit sind die Bullen nicht einmal unter den Top-100 Europas klassiert. Sogar die Schweizer NLB-Klubs Langnau (5’053) und Olten (3’634) haben den höheren Schnitt. Der Finalgegner aus Wien, die Vienna Capitals liegen mit einem Schnitt von 4’569, knapp hinter dem EHC Biel, immerhin auf Rang 71 des europäischen Klub-Rankings. Die 14’000 Karten für die ersten beiden Playoff-Final-Heimspiele gegen Salzburg waren innert Kürze ausverkauft.

In Sachen Zuschauerzahlen mögen die Österreicher mit den Schweizern derzeit (noch) nicht mitzuhalten, aus sportlicher Sicht hatten die Ösis im letzten Direktvergleich aber die Nase vorn. Vor dem nächsten Direktvergleich stehen in den beiden Nachbarländern aber noch zwei heisse Finalserien an.