Brot und Färjestad

Zum dritten Mal geht ein Champions-Hockey-Leauge Final auf Schweizer Boden über die Bühne, dabei zum zweiten Mal für die ZSC Lions. Schon vor diesem geschichtsträchtigen Endspiel sind die Zürcher das erfolgreichste Schweizer Hockey-Unternehmen auf internationalem Parkett, dies mit einem europäischen Titel (2009) und dem Victoria Cup. Keine andere Schweizer Clubmannschaft hat grösseres vollbracht, auch nicht die Schweden von Färjestads BK Karlstad. Der zehnfache schwedische Meister konnte europäisch noch nie reüssieren. 1987 und 1989 spielten die Schweden aus der Provinz Värmland zweimal um die europäische Krone. Höchste Zeit also, endlich auch die European-Trophy in die Annalen der Clubgeschichte zu holen. Der Knüller in der Swiss-Life-Arena ist ausverkauft und die ganze Hockeyprominenz der Schweiz ist in den VIP-Zonen zu Gast.

Im Lift mit Jenni’s

Auch zwei ehemalige Schweizer Söldner des schwedischen Vertreters sind mit dabei, Martin Gerber und Marcel Jenni, letzterer fährt mit mir im gleichen Lift, welchen ich, mit der in Zürich traditionellen, Portion «G’hackts und Hörnli» betrete. Mit dieser Portion werde ich die Liftfahrt bis in die fünfte Etage nicht kommentarlos überstehen – noch bevor sich der Lift bewegt kommt der erste Spruch, dem Ghackets-Hörnli-Duft entgegen. Daniela Jenni, Marcel’s Frau, bittet um eine Empfehlung. Auf meine positive Antwort folgt ein Spruch meinerseits – Sie (Frau Jenni) habe in Schweden ja das Brot vermisst – das Schweizer Fernsehen besuchte vor 20 Jahren Jenni und seine damalige Freundin und jetzige Frau in Karlstad. Geblieben ist mir vor allem, dass Jenni’s Partnerin das «Brot» aus der Schweiz vermisst hatte. Zurück im Lift, zeigt sich Frau Jenni äusserst verblüfft und positiv überrascht über meine Bemerkung.

Kein Brot für Färjestad

Das Brot fehlt dann auch Jenni’s Ex-Team. Der schwedische Qualifikationssieger des Vorjahres, immerhin mit sieben ehemaligen und drei künftigen NHL-Spielern, findet nur schwer in die Partie und gerät durch eine Unachtsamkeit im eigenen Slot mit 0:1 in Rückstand. Zürich’s Reihe um Denis Malgin, Sven Andrighetto und Rudolfs Balcers, zusammen 661 NHL-Partien, läuft auf Hochtouren und ist auch für den zweiten Treffer verantwortlich. Reicht es für Färjestad wieder nicht? Holt Zürich erstmals die europäische Krone im eigenen Stadion? Die Stimmung ist bombastisch, 12000 Fans tragen die Lions zum zweiten europäischen Gold der Klubgeschichte. «Mir sind Züri», heisst nun «mir sind d Könige vo Europa». Die Trophäe von 2009 steht, zusammen mit dem Victoria-Cup, in der Vitrine der «Sports Bar 1930», nun kommt ein Kübel dazu, kein Schweizer Team hat international mehr erreicht. Den Victoria-Cup müsste man unbedingt wieder reaktivieren, die NHL kann kommen. Vorher gilt es jedoch, sich zum elften Mal zum König der Schweiz zu krönen.

Der schmale Grat

Beim SC Lyss in der MySports-League (MSL) spielt der 10-fache Biel-Spieler Kristian Suleski. Der punktbeste Verteidiger, der in Biel den Sprung (noch) nicht geschafft hat, nimmt unter dem ehemaligen Elite-Trainer Serge Meyer einen neuen Anlauf. Der läuferisch starke «Back» gehörte an der U18 Weltmeisterschaft 2015 in Zug und Luzern, zum letzten grossen Schweizer Team.

Tor im WM-Halbfinal

Suleski schoss im WM-Habfinal gegen Finnland, gegen den aktuellen Columbus Blue Jackets-Prospect Veini Vehviläinen, den zwischenzeitlichen 2:1-Führungstreffer für die Schweiz. Aus der Mannschaft von Manuele Celio, welche erst in der Overtime den WM-Final verpasst hat, spielen heute Nico Hischier, Denis Malgin und Jonas Siegenthaler in der NHL und mit Calvin Thürkauf steht ein weiterer auf dem Sprung in die beste Liga der Welt.

Zehn Akteure spielen in der National-League, sechs in der Swiss-League, und einer in der 1. Liga. Warum spielt der sechstbeste WM-Skorer von damals beim HC St. Imier und warum haben es sechs Spieler bis zum NHL-Draft geschafft? In einer Karriere entscheidet oft nur ein Quäntchen Glück über «Sein oder Nichtsein.» Eine Verletzung, ein verpasstes Training-, ein Klub- oder Trainerwechsel kann eine Laufbahn in eine andere Richtung lenken.

Zwischenstation

Für Suleski ist die MSL nur eine Zwischenstation, der Seeländer hat für den SC Langenthal, zusammen mit seinen U18-Weggefährten Alain Bircher und Serge Weber, bereits vier Spiele in der Swiss-League bestritten. Derweil kreuzen sich die Wege von Roger Karrer und Raphael Prassl im Nationalteam beim Deutschland-Cup.

Suleskis MSL-Punkt-Spiele

DatumGegnerTorAssist
25.9.2019a-Düdingen10
28.9.2019a-Huttwil01
5.10.2019Wiki12
16.10.2019Wiki12

Suleski gehört, wie in jedem Spiel, zu den besten Lysser Akteuren, gegen Arosa steuert der Verteidiger mit der Rückennummer 88 seinen sechsten Assist- und seinen neunten Skorerpunkt zum zwischenzeitlichen Ausgleich bei. Trotz Suleski reichts gegen Mitaufsteiger Arosa an diesem Abend nicht zu einem Punktegewinn der Seeländer.

Advents- und Scouting-Zeit

Sie tummeln sich wieder in den Eisstadien Europas, die Späher der National-Hockey-League (NHL). Allein am letzten Wochenende mit drei Spielrunden waren ein Dutzend NHL-Scouts in der Schweiz unterwegs. Die beiden Scouts der Buffalo Sabres, Fredrik Andersson und Teemu Numminen pendeln von Bern via Zürich nach Kloten. In Bern beobachten die beiden Skandinavier unter anderem Christoph Bertschy (Game-Winning-Goal), dessen Rechte allerdings schon bei den Minnesota Wild liegen. In Zürich sind es Jonas Siegenthaler und Denis Malgin, in Kloten sind es die jungen Davoser welche die Späher kurz vor ihrem Rückflug interessieren. Auch Pittsburgh-Scout Tommy Westlund ist in Zürich und Kloten anzutreffen.

Ehemalige Spieler 

Andersson, und Numminen waren einst selber Spieler. Andersson langjährier Torhüter bei MoDo Hockey Örnsköldsvik und Numminen war einst auf dem Weg in die NHL seinem älteren Bruder Teppo Numminen zu folgen. Wie Teppo, wurde auch der fünf Jahre jüngere Teemu von den Winnipeg Jets gedrafted, allerdings blieb es beim Draft. Nun beobachtet er selber mögliche Draft-Kandidaten für die Buffalo Sabres. Die beiden Skandinavier sind für das Amateur-Scouting in Europa zuständig. Als Pro-Scout in Buffalo ist übrigens Ex Bern- und Lausanne Trainer John van Boxmeer tätig.

Kalevi Numminen 

Apropos Trainer, Teppo- und Teemus Vater Kalevi Numminen ist in Finnland eine Legende, nach ihm ist sogar die Auszeichnung für den SM-liiga-Trainer des Jahres benannt. Vier Gewinner der Kalevi-Numminen-Trophy waren schon Trainer in der Schweiz. Ex Zug-Trainer Rauno Korpi gewann die Trophäe 1982, 1986 und 1987, der langjährige Kloten-Ausbildner Wladimir Jursinow wurde zwischen 1993 und 1995 drei Mal in Serie ausgezeichnet, ex SCB-Coach Hannu Jortikka zwischen 1999 und 2001 ebenfalls. Der vierte ist Raimo Summanen 2002.


Connor McDavid und Jack Eichel sind die heissesten Anwärter für die Nummer Eins

— Teemu Numminen (Buffalo Sabres)

Kalevi und Teppo Numminen haben bereits Eishockey-Geschichte geschrieben, Teemu Numminen soll als Scout zumindest den europäischen Teil des Kapitels der Buffalo Sabres von Morgen schreiben. Zu den heissesten Draft-Kandidaten für den Number-One-Draft 2015 zählen der Kanadier Connor McDavid (Erie Otters) und der Amerikaner Jack Eichel (Boston University). Die ersten Europäer sind auf den Positionen sieben und dreizehn des Rankings des International-Scouting-Services (ISS) vertreten: Oliver Kylington von Färjestads BK Karlstad und der Finne Mikko Rantanen von TPS Turku.

Die Schweizer Draft-Kandidaten

Die hoffnungsvollsten Schweizer Talente des ISS-Rankings sind Jonas Siegenthaler und Denis Malgin (Sohn von Albert Malgin) und dürften beim Draft vom nächsten Juni (26./27.) in Sunrise, Florida zum Zug kommen. Auf der nordamerikanischen Liste stehen die beiden in der Quebec-Major-Junior-Hockey-League (QMJHL) engagierten Kay Schweri (Sherbrooke Faucons) und Timo Meier (Halifax Mooseheads).

Unter Beobachtung stehen auch weitere Schweizer Talente wie Dominik Diem (GCK Lions), Colin Fontana (HC Lugano), Fabian Haberstich (SCL Tigers), Auguste Impose (HC Genf-Servette), Roger Karrer (GCK Lions), Timo Haussener (Rapperswil-Jona), Calvin Thürkauf (Zug) sowie die Berner Luca Hischier, Yanik Burren und Dario Meyer.

5. Dezember 2014

Bern – Ambrì-Piotta 4:1 (2:1, 2:0, 0:0)
PostFinance Arena. – 15’771 Zuschauer. – SR Michael Küng/Stricker, Dumoulin/Peter Küng. – Tore: 29. Giroux (Aucoin /Ausschluss Pestoni!) 0:1. 34. Loichat (Scherwey, Blum) 1:1. 40. (39:15) Bertschy (Blum /Ausschluss Lauper) 2:1. 49. Gardner (Scherwey) 3:1. 57. Gardner (Martin Plüss, Ritchie /Ausschluss Grieder) 4:1. – Strafen: Bern 5-mal 2 Minuten, Ambri-Piotta 6-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: Bern ohne Kobasew, Reichert und Philippe Furrer, Ambri-Piotta ohne O’Byrne, Grassi, Elias Bianchi, Zurkirchen, Flückiger (alle verletzt). – Pfostenschuss Holloway (46.).
Bern: Bührer; Beat Gerber, Blum; Krueger, Gragnani; Jobin, Flurin Randegger; Kreis; Holloway, Ritchie, Cloutier; Bertschy, Martin Plüss, Scherwey; Simon Moser, Gardner, Ruefenacht; Alain Berger, Pascal Berger, Loichat.
Ambri-Piotta: Tobler; Birbaum, Bouillon; Gautschi, Zgraggen; Trunz, Sidler; Grieder, Chavaillaz; Daniel Steiner, Hall, Lauper; Stucki, Aucoin, Giroux; Duca, Schlagenhauf, Dostoinow; Pestoni, Fuchs, Lhotak.

7. Dezember 2014

Kloten – Davos 5:1 (3:0, 2:1, 0:0)
Schluefweg. – 6’923 Zuschauer (Saisonrekord). – SR Kurmann/Wiegand, Dumoulin/Küng. – Tore: 2. Schelling (Guggisberg, Hollenstein) 1:0. 11. Liniger (Guggisberg, Stancescu) 2:0. 20. (19:39) Kellenberger (Schelling) 3:0. 28. Guggisberg (Kellenberger, Back /Ausschluss Axelsson) 4:0. 31. Marc Wieser (Paschoud) 4:1. 37. Casutt (Guggisberg) 5:1. – Strafen: Kloten 5-mal 2 Minuten, Davos 6-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: Kloten spielt im Jubiläums-Jersey (80 Jahre). Kloten ohne Gerber, Jenni, Bühler, Stoop und Santala, Davos ohne Dino Wieser, Du Bois, Forster, Kindschi und Schommer (alle verletzt). Timeout Davos (11.).
Kloten: Müller; Back, von Gunten; DuPont, Harlacher; Vandermeer, Frick; Schelling, Randegger; Hollenstein, Bieber, Bodenmann; Praplan, Liniger, Stancescu; Leone, Lemm, Mueller; Guggisberg, Kellenberger, Casutt.
Davos: Genoni; Guerra, Reto von Arx; Schneeberger, Koistinen; Jung, Camperchioli; Jan von Arx, Paschoud; Ryser, Ambühl, Axelsson; Marc Wieser, Lindgren, Paulsson; Sciaroni, Walser, Hofmann; Simion, Corvi, Jörg.