Ge-Schwechats Pressburg

Innert 30 Minuten gehts vom Flughafen Wien-Schwechat über die Grenze nach Pressburg oder in slowakisch Bratislava. Das Wiener Schnitzel gibts noch an der österreichischen Donau, dann gehts in die Geburtsstadt unserer Reiseführer Ladislav und Jaroslav Brom. Mit Ladislav steige ich 2000 mit dem HC Weiss-Blau Lyss in die 2. Liga auf, nun steige ich mit ihm durch Bratislava. Das Finalturnier der European-Trophy steigt in Bratislava und Wien und aufsteigen will dort auch das Heimteam Slovan, mit dem Einzug in den Halbfinal.

Alle in Strellson, gekauft in Wien-Schwechat, Brom, Brom, Brom, Krein und Pfeiffer (Tappara-Fan)

Der slowakische Meister spielt in dieser Saison erstmals in der «sowjetischen» Kontinental-Hockey-League (KHL) und ist daher der einzige KHL-Vertreter des europäischen Wettbewerbs. Umso enttäuschender ist das sofortige aus der «ge-schwechaten» Slowaken gegen den schwedischen Spitzenklub Färjestads BK. Eigentlich ist es ja das Salzburger «Red-Bulls-Salute-Turnier», welches 2010 vom Vorsaisonturnier zu Europas Finalturnier umfunktioniert wird und so sind die Salzburger am eigenen Turnier erstmals nicht dabei. Nicht dabei sind auch die Schweizer Vertreter, Zug, Bern, Freiburg-Gottéron und die ZSC Lions scheiden in der Vorrunde aus. Mit dabei dafür die Finnen von Tappara Tampere, mit den auffälligsten, in Schiedsrichterkluft gekleideten Fans, lautstark und biertrinkend im drei-Minutentakt singend «Taaapppaaaraaaaaaaaaaaa!»

Dennoch treffen wir im Pressburger Nachtleben auf die Schweizer Delegation der ZSC Lions und unterhalten uns über den Stellenwert des Turniers und deren Zukunftspläne. Zum Halbfinal gehts wieder in die «Ondreja Nepelu», die Halle ist nach dem berühmten tschechoslowakischen Eiskunstläufer aus Bratislava benannt. Ondrej Nepela holt 1972 Olympia-Gold, 1971 und 1973 wird er Weltmeister. Gold gibts 2012 für einen schwedischen Vertreter, von den acht Finalisten kommen vier aus Schweden und Färjestad und Lulea stehen im Final. Für den Lokalmatador aus der slowakischen Hauptstadt ist es eine schwache Leistung oder wie man über den Wiener Flughafen kommend sagen würde, «dia san gonz g-schwechat» oder wie bei Szene1.at «in ist wer drin ist.»

13. Dezember 2012 – Viertelfinals

15. Dezember 2012 – Halbfinal

Der verpasste Meistertitel

Wenn Rumänien gegen Litauen an der B-Weltmeisterschaft vier Minuten vor Schluss noch 3:5 zurück liegt und die Partie innert zwei Minuten in einen 6:5 Sieg verwandelt, nehmen dies gerade mal 140 Nasen in der Halle von Krynica zur Kenntnis. Der Spielausgang hat im Nachhinein für beide Teams keine Auswirkung über den Klassenerhalt. Im Oktober 2011, führt AIK Solna Stockholm nach zwei Dritteln gegen HV71 Jönköping souverän mit 6:2, in der 42. Minute fällt durch Oscar Ahlström sogar noch das das 7:2. Es geht nur noch darum wie hoch der Sieg bis zur 60. Minute ausfallen würde. Doch alles kommt anders. In der 48. Minute erzielt Jönköping innerhalb von sieben Sekunden zwei Treffer – und für AIK kommts noch schlimmer. Innerhalb von 133 Sekunden gelingt Jönköping zwischen der 51. und 53. Minute der 7:7-Ausgleich! Logischerweise gelingt den Gästen aus Jönköping im Shootout durch Jukka Voutilainen der Siegestreffer zum 8:7-Endstand.

Alles ist angerichtet: Mannheim kann zuhause den siebten Titel holen. (Krein)

DEL-Final

Wer glaubt, solche «Eishockey Wunder» gibts nur in bedeutungslosen Qualifikationsspielen, wird im DEL-Final 2012 eines Besseren belehrt! In der Best-of-five-Serie führen die Adler Mannheim mit 2:1 in der Serie und können im vierten Spiel Zuhause in der proppenvollen SAP-Arena alles klar machen. In der ersten Minute erzielt Christoph Ullmann auch schon den Führungstreffer – die Halle steht bereits Kopf – und die Eisbären Berlin stehen mit dem Rücken zur Wand. Nach einem offenen Schlagabtausch führen die Adler 14 Minuten vor Schluss mit 5:2, Berlin scheint am Boden. Mannheim greift bereits nach dem Pokal und keiner der 13’600 Fans – selbst der optimistischste «Dynamo-Anhänger» im Stadion würde jetzt noch eine Reichsmark (die alte DDR-Währung) auf die Eisbären wetten.

14 Minuten vor Schluss führen die Adler mit 5:2…

die Titelgesänge sind schon im Gang

Nur zehn Sekunden nach dem 5:2, fällt der 3:5-Anschlusstreffer der Berliner durch Jimmy Sharrow. Ab diesem Zeitpunkt stehen die Mannheimer neben den Schlittschuhen und kommen kaum noch über die rote Linie. Innert sechs Minuten läuft der «Dynamo» bis zum 5:5-Ausgleich auf Hochtouren. Wie kann man einen Dreitore Vorsprung in einem Endspiel verspielen? Adler-Trainer Harold Kreis – hat immerhin in der Schweiz schon zwei Titel geholt – kann Mannheims Untergang in den letzten 14 Minuten nicht stoppen und geht mit seiner Mannschaft ehrenhaft unter. Selbst Kevin Schläpfer hätte diesen Vorsprung mit dem EHC Biel verwalten können, lässt mich der Biel-Trainer auf seiner Heimfahrt aus Straubing per Telefon wissen.

Die Eisbären gewinnen in der Verlängerung (64. T.J. Mulock) und holen als Zugabe im fünften Finalspiel Zuhause den sechsten DEL-Titel seit dem Fall der Berliner Mauer. Um es in «Schwyzerdütsch» auszudrücken, die Eisbären Berlin sind die ZSC Lions Deutschlands und die Adler müssen sich als «SCB Deutschlands» trösten lassen.

22. April 2012 (16 Uhr 30) – Spiel 4

Adler Mannheim – Eisbären Berlin 5:6nV (2:1, 1:1, 2:3, 0:1)
SAP-Arena. – 13’600 Zuschauer. – SR Brüggemann /Piechaczek, Schrade /Gemeinhardt. – Tore: 1. (0:42) Ullmann 1:0. 6. Sharrow (Regehr) 1:1. 12. Mitchell (Lee, Ullmann) 2:1. 32. Ullmann (Lehoux, Mitchell /Ausschlüsse Lee, Sim, Hördler) 3:1. 39. Christensen (Talbot, Angell) 3:2. 44. Magowan (Mitchell, Reul) 4:2. 46. MacDonald (Glumac, Sifers) 5:2. 47. Sharrow 5:3. 48. Tallackson (Olver, Busch /Ausschluss Sifers) 5:4. 54. Tyson Mulock (Laurin Braun, Hördler) 5:5. 64. (63:26) T.J. Mulock 5:6. – Strafen: Mannheim 4-mal 2 Minuten, Berlin 3-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: Mannheim ohne Kettemer und Dimitrakos (beide überzählig), Berlin ohne Supis, Rankel (beide überzählig), Pederson und Ustorf (beide verletzt). – Lattenschuss Magowan (25.). Time-out Mannheim (53:03). Torschüsse 24:55 (8:17, 8:18, 7:15, 1:5). Ullmann (Mannheim), Sharrow und Christensen (beide Berlin) als beste Spieler ausgezeichnet.
Adler Mannheim: Brathwaite; Wagner, Lee (2); Sifers (2), Belle (2); Reul, Goc; Magowan, Ullmann, Mitchell; Kink, MacDonald, Glumac; Mauer, Lehoux, Arendt; Seidenberg (2), El-Sayed, Plachta.
Eisbären Berlin: Zepp; Regehr, Hördler (4); Sharrow, Baxmann; Angell, Constantin Braun; Christensen, Talbot, T.J. Mulock; Busch, Olver, Tallackson; Sim (2), Felski, Tyson Mulock; Laurin Braun, Weiss, Bielke.