Nur noch der Victoria Cup

Der Victoria Cup, die höchste Trophäe des europamerikanischen Club-Eishockeys wird 2008 und 2009 nur zweimal ausgespielt. Schade, denn beide Spiele, zwsichen dem europäischen Champion- und einem Original-Six-Team der National-Hockey-League sind ein absoluter Knüller. Es folgen zwar weiter europäische Titelträger, jedoch keine Austragung der Superlative mehr und das ist sportlich- und spektakeltechnisch ein Jammer.

Die prestigeträchtige Trophäe steht seit dem Herbst 2009 und dem Sieg der ZSC Lions gegen die Chicago Blackhawks in den Räumlichkeiten des Hallenstadions und wird irgendwann in Vergessenheit geraten. Dabei wäre ein Duell zwischen dem aktuellen europäischen Titelträger und einer Organisation aus Übersee heute ein absolutes Spektakel.

In ihrer europäischen Dominanz gibts für die Schweden aus Göteborg keinen Gegner mehr, nur noch der Victoria Cup wäre ein echter Gradmesser. Warum nicht eine Dreierpoule mit dem CHL-, dem Gagarin-Cup- und dem Stanley-Cup-Sieger? Das Format wäre in Sachen Prestige kaum zu überbieten. Frölunda kam bereits viermal zum NHL-Vergleichsgenuss, zweimal 1981, 2008 und 2011 gastierten die Überseer im Scandinavium von Göteborg, die letzten beide Vergleiche verloren die Indians mit 1:4 und 2:4 gegen Ottawa und die New York Rangers.

Seit Headcoach Roger Rönnberg 2013 das Zepter in Göteborg übernommen hat, konnte seine Mannschaft schon sechs Titel feiern. Frölunda hat noch keine CHL-Saison verpasst und stand in sechs Spielzeiten fünfmal im Final. Seit der Wiedereinführung der europäischen Königsklasse sind die Indianer das Mass aller Dinge, eine bessere Mannschaft gibts nur noch in der NHL oder der KHL.

Frölunda findet immer einen Weg

Dies spürt im CHL-Viertelfinal auch der EHC Biel, der mit dem 3:2-Auswärtssieg in Schweden eine hervorragende Ausgangslage hat. Bis zur 57. Minute führen die Seeländer gegen den Titelverteidiger wieder mit 3:2 und stehen mit einem Bein im Halbfinal. Doch Frölunda ist eben Fölunda und findet immer einen Weg, in Biel dauert er für die Tore zum 3:3 und 3:4 nur 19 Sekunden. In der Overtime kommt der logische Todesstoss durch den zweifachen Torschützen Patrik Carlsson. Schon in den Achtelfinals kehren die Indianer aus Westschweden eine 3:6-Auftakt-Niederlage im Rückspiel in einen 8:2-Sieg gegen ihre Landsleute aus Karlstad.

Zu schnell für den Bieler-Spieltisch, der fünfte Treffer Frölundas wird nicht mehr registriert, es steht immer noch 3:4. (Krein)

10. Dezember 2019 – Viertelfinal

Biel – Frölunda Indians 3:5nV (0:2, 1:0, 2:2, 0:1)
Tissot Arena. – 5’592 Zuschauer. – SR Pesina/Jerabek (Tsch), Kovacs /Progin (Sz). – Tore: 4. Lasch (Gormley /Ausschluss Kreis) 0:1. 16. Lundqvist (Friberg) 0:2. 31. Ulmer (Gustafsson) 1:2. 53. Pouliot (Rajala) 2:2. 57. (56:02) Schneider (Cunti /Ausschluss Fagemo) 3:2. 58. (57:10) Carlsson (Lasch, ohne Torhüter) 3:3. 58. (57:29) Lennström (Friberg) 3:4. 66. (65:53) Carlsson (Ausschluss Rathgeb) 3:5. – Strafen: Biel 5-mal 2 Minuten, Frölunda Indians 3-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: Biel ohne Fey, Hügli, Lüthi, Riat, Tschantré (alle verletzt), Schläpfer, Wüest (beide U20-National-mannschaft), Karaffa, Tanner (beide La Chaux-de-Fonds) und Prysi (Ajoie).
Biel: Hiller (Paupe); Salmela, Sataric; Kreis (2), Moser; Rathgeb (6), Forster; Ullström, Pouliot, Rajala; Brunner, Cunti, Künzle (2); Schneider, Fuchs, Neuenschwander; Kohler, Gustafsson, Ulmer.
Frölunda Indians: Mattsson (Rubin); Moverare, Ekbom; Lennström, Stollery; Grönlund, Gormley; Printz, Stalberg; Mustonen (4), Lundqvist, Friberg; Carlsson, Sundström, Fagemo (2); Peterson, Hjalmarsson, Lasch; Söderblom, Lasu, Rakhshani.

Huet und der «Fluch Zürichs»

Cristobal Huet und die ZSC Lions, die Geschichte beginnt in Playoff-Final 2000 zwischen dem HC Lugano und den ZSC Lions. Als amtierender Meister verliert das in der Qualifikation übermächtige Lugano die Finalserie gegen die Zürcher mit 2:4. Dies vor allem, weil die Tessiner mit Huet im Tor in Zürich alle drei Spiele (2:3, 1:3 und 3:4) verlieren.

Huets einziger Playoff-Sieg in vier Spielzeiten

Der gleiche Schauplatz ein Jahr später. Die ZSC Lions verlieren Spiel vier Zuhause mit 0:4 und liegen in der Serie mit 1:3 hinten. Luganos 4:0-Auswärts-Sieg ist zu diesem Zeitpunkt Huets einziger Sieg auf Zürcher-Playoff-Eis. Lugano verliert in der Folge nicht nur die restlichen drei Spiele (Endstand 3:4) sondern auch noch zum zweiten Mal in Folge den Meistertitel an die Lions.

Gleicher Schauplatz eine weitere Saison später. Huet und der HC Lugano scheitern bereits im Halbfinal an den Zürchern und gewinnen im Hallenstadion wieder keine einzige Playoff-Partie (1:6, 1:2nP und 3:4nP). Nach der Saison verlässt Huet das Tessin in Richtung National-Hockey-League.

Auch mit den Blackhawks klappts nicht

In der Zwischenzeit holen die Lions den Titel der Champions-Hockey-League und qualifizieren sich 2009 für den Victoria-Cup gegen den späteren Stanley-Cup-Sieger Chicago Blackhawks. Zu diesem Zeitpunkt steht Huet zwischen den Pfosten der Blackhawks. Am Vortag fegen die NHL-Stars um Patrick Kane, Jonathan Toews und Duncan Keith den HC Davos mit 9:2 vom Eis, im Tor steht Huets Backup-Goalie Antti Niemi.

Einen Tag später spielen die Blackhawks in Bestbesetzung mit Standard-Hüter Huet gegen die Zürcher Underdogs. An diesem Tag sollte Huet mit Chicago den «Zett» endlich in die Knie zwingen. Doch Huets ZSC-Fluch scheint, egal in welcher Besetzung Huet gegen die Löwen antritt, stärker zu sein als die gesamte Klasse des späteren Stanley-Cup-Siegers (acht Monate später holen die Blackhawks den Stanley-Cup). Sensationell unterliegen die Blackhawks mit Huet gegen die ZSC Lions mit 1:2 und verlieren das Spiel um den Victoria-Cup.

Was mit Chicago nicht klappt, gelingt mit Lausanne

In drei Playoff-Serien mit dem Grande-Lugano der zweiten Epoche und den Chicago Blackhawks gelingt dem Franzosen gerade Mal ein Sieg in Zürich. Anders ausgedrückt, spielt Huet, gewinnt Zürich? Bis zum ersten Viertelfinalspiel 2013-14 gegen den HC Lausanne zumindest. Ausgerechnet mit der nominell schwächsten Mannschaft, mit der Huet je gegen die Zürcher angetreten ist, dem Qualifikations-Achten Lausanne holt Huet gleich im ersten Spiel ein Sieg im Hallenstadion. Zufall? Die richtige Chemie zwischen dem gebürtigen Franzosen und der Romandie? …oder kehren die alten Begebenheiten des «Fluchs» im zweiten Spiel in Zürich wieder zurück? Huet wird in der 29. Minute, beim Stand von 3:0 für die Lions ausgewechselt, doch die Serie geht weiter und der «Fluch» wird uns die Antwort bis spätestens am 25. März 2014 geben.

15. März 2014 – Viertelfinal Spiel 3 SRF

ZSC Lions – Lausanne 3:1 (1:0, 2:1, 0:0)
Hallenstadion – 10’722 Zuschauer. – SR Mandioni /Massy, Mauron /Tscherrig. – Tore: 10. Kenins (Bärtschi) 1:0. 28. Keller (Schäppi, Bergeron) 2:0. 29. Wick (Cunti, McCarthy) 3:0. 34. Bang (Genoway, Setzinger /Ausschluss Wick) 3:1. – Strafen: ZSC Lions 6-mal 2 Minuten, Lausanne 5-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: ZSC Lions ohne Tabacek, Künzle, Zangger, Hächler (alle überzählig). Lausanne ohne Bürki, Augsburger, Morant, Reist. Bays ersetzt Huet im Tor von Lausanne (28:38), Time-out Lausanne (57:50), Lausanne von ab 58:20 ohne Torhüter. Torschüsse 30:15 (11:2, 13:5, 6:8). Kenins (ZSC Lions) und Setzinger (Lausanne) als beste Spieler ausgezeichnet.
ZSC Lions: Flüeler (Wolf); McCarthy, Seger (2); Bergeron, Stoffel (2); Geering, Blindenbacher (2); Schnyder; Wick (2), Cunti (2), Nilsson; Schäppi, Shannon, Keller (2); Kenins, Trachsler, Bärtschi; Bastl, Senteler, Fritsche; Baltisberger.
Lausanne: Huet (29. Bays); Leeger, Gobbi (2); Lardi, Jannik Fischer; Stalder, Genazzi (2); Seydoux; Bang (2), Hytönen, Antonietti; Setzinger (2), Genoway, Conz; Gailland, Froidevaux (2), Neuenschwander; Simon Fischer, Savary, Derungs; Primeau.