Eine NHL-Destination

Über 8’000 Zuschauer sehen das Spiel des Tabellenzweiten Fribourg-Gotteron und dem Elftplatzierten HC Ajoie. Mit der BCF-Arena erklimmt der Dienstälteste NL-Verein den Eishockey-Olymp-Europas, diese Arena hat alles was ein modernes Stadion bieten muss. Fast 9’000 Fans finden in der umgebauten ehemaligen WM-Arena (1985 und 1990) Platz. Schon im alten Stadion liegen die Freiburger in Sachen Zuschauer europaweit in den letzten zwölf Jahren jeweils zwischen den Rängen 19 und 36 und beim aktuellen Formstand in der neuen Arena dürfte Gottéron in neue Zuschauer-Sphären vorstossen.

Die steilen Tribünen verwandeln das Stadion in eine imposante Arena, die Sitze bieten eine hervorragende Sicht aufs Eis, durchtrennt durch zahlreiche Logen ist der untere Ring immer noch Teil des «alten Gottérons» und lässt die Geschichte der «ehemaligen» Patinoire Saint-Leonard auch im neuen Kleid weiterlaufen, die Halle wurde gekonnt und äusserst taktvoll umgebaut. Damit erhebt die neuste Spielstätte des Landes den Anspruch zum erneuten Austragungsort einer Weltmeisterschaft oder einem Auftritt einer NHL-Organisation im Rahmen der Global-Series. Die NHL gastierte bisher erst in Genf, Zürich, Bern, Zug und Lausanne, Freiburg hätte dieses Spektakel mehr als verdient.

Selbst der Coachingstaff verfügt über glorreiche NHL-Erfahrung, Torhüter-Trainer David Aebischer ist der erste Schweizer Stanley-Cup-Sieger, die Coaches Christian Dubé und Pavel Rosa haben je 36-mal in der besten Liga der Welt gespielt. Mit Ausnahme von Chris DiDomenico (27 Spiele), verfügen die Spieler David Desharnais, Raphael Diaz und Reto Berra über noch mehr NHL-Erfahrung und New Jersey Devils-Draftpick Mauro Jörg befindet sich in der besten Form seit seinem Draft 2010. Gegen Ajoie bereitet der 31-Jährige drei Tore vor, darunter ein Zuckerpass zu Desharnais Treffer zum 3:1.


HCFG

„Bykow und Chomutow sind das beste Duo welches die Schweiz je gesehen hat.“

— in Hochachtung

Seit 1977 haben die Freiburger ihr Logo von den Montreal Canadiens leicht abgeändert adaptiert. Aus dem ursprünglichen «Montreal-HCF» in blauem statt rotem «Montreal C» wird 1999 ein ein «FG» in rotem «G.» Der Blick nach Übersee ist also auch in der Logo-History der Freiburger tief verankert. Im Frühling 1990 schnappt man der NHL, durch den Geniestreich des damaligen Präsidenten Jean Martinet, sogar zwei absolute Weltklassespieler den Quebec Nordiques vor der Nase weg.

«Fribourg-Gottéron empfängt die Montreal Canadiens», nichts wäre der BCF-Arena würdiger als ein Duell gegen den Rekord-Titelträger, dem Original-Six-Team und Liga-Gründungsclub aus der frankophonen Provinz Quebec. Desharnais hat acht Jahre in der Organisation der Canadiens verbracht, davon drei zusammen mit Diaz. Der letzte NHL-Auftritt im Rahmen der Global-Series ist im Herbst 2020 in Bern der Pandemie zum Opfer gefallen.

Für den nächsten Auftritt muss Freiburg, wie 1990 für die Sowjetrussen, für absolutes Weltklasse-Eishockey ein Thema sein. Bis dahin müssen sich die fanatischen und treuen Fans aber weiterhin mit unbequemen Gegnern aus dem Jura- oder mit ein paar Leckerbissen aus der Champions-Hockey-League begnügen.

8. Oktober 2021 – 13. Runde

Fribourg-Gottéron – Ajoie 4:1 (0:1, 2:0, 2:0)
BCF-Arena. – 8’079 Zuschauer. – SR Urban /Hürlimann, Altmann /Wermeille. – Tore: 19. Frossard (Pouilly) 0:1. 22. Marchon (Walser, Jörg) 1:1. 38. Diaz (Rossi, Bykow) 2:1. 55. Desharnais (Jörg, Marchon) 3:1. 59. Walser (Marchon, Jörg, ins leere Tor) 4:1. – Strafen: Fribourg-Gottéron 2-mal 2 Minuten, Ajoie 3-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: Fribourg-Gottéron ohne Kamerzin (verletzt), Ajoie ohne Asselin und Hazen (beide verletzt). Ajoie von 55:52 bis 56:57 und 58:49 bis 58:56 ohne Torhüter.
Fribourg-Gottéron: Berra; Gunderson, Chavaillaz; Sutter, Furrer; Diaz, Dufner; Jecker; Brodin, Desharnais, Mottet (2); Marchon, Walser, Jörg; Sprunger, Schmid (2), DiDomenico; Herren, Bykow, Jobin; Rossi.
Ajoie: Wolf; Leduc, Hauert (2); Birbaum, Eigenmann; Rouiller, Pouilly (4); Helfer; Bogdanoff, Devos, Schnegg; Huber, Frossard, Schmutz; Rohrbach, Romanenghi, Joggi; Frei, Ness, Macquat.

Wenn Sporthistorik in der Luft liegt

Julien Sprunger hat Geschichte geschrieben. (Krein)

Julien Sprunger kann heute Geschichte schreiben, nur noch ein Skorerpunkt fehlt dem 34-jährigen um den Klubrekord von Wjatscheslaw Bykow zu egalisieren. 651 Skorerpunkte hat Bykow zwischen 1990 und 1998 für die Freiburger realisiert. Ein 22-jähriger Rekord kann also heute gebrochen werden, dies im beschaulichen Emmental. Immer wieder Langnau und immer wieder anders als geplant heissen die Spiele in der kompliziertesten Saison aller Zeiten.

Eigentlich hätte Gottéron heute ja in Lugano gespielt und Genf-Servette wäre ins Emmental gefahren. Stattdessen kommt es zur 135. NLA-Begegnung (auch vor Einführung der Playoffs mitgezählt) zwischen Emmentalern und Üechtländern und die Chance einen sporthistorischen Moment zu erleben. Solche Momente liegen manchmal in der Luft, kommt dazu, dass ich in den letzten 18 Jahren einige hockeyhistorische Schlüsselmomente miterleben durfte.

„Michu mich erwärmt dieses Spiel nicht““

— Alfred Bohren

Doch die Partie entpuppt sich im zweiten Drittel als zähe und lustlose Angelegenheit, kaum eine nennenswerte Szene erwärmt die wenigen Gemüter. Neben mir sitzt, wie in Langnau üblich, Hockey-Koryphäe Alfred Bohren und sagt „Michu mich erwärmt dieses Spiel nicht“, die Spielzüge passen zur bitterkalten Ilfishalle. In der Pause wird die Angelegenheit immerhin durch ein angeregtes Gespräch zwischen Bohren und dem ersten Schweizer Stanley-Cup-Sieger kurzzeitig aufgeheizt.

Erst in der Schlussphase

Auch der Hauptprotagonist bleibt bis zur 48. Minute blass. Dann punktet Sprunger mit der Vorlage zum 4:0 durch Daniel Brodin und die Partie beginnt zumindest sporthistorisch an Bedeutung. In den letzten zwölf Minuten gehts nur noch um Sprungers Rekord oder den ersten Shutout von Goalie-Neuling Connor Hughes (sprich „Juus“). Der Freiburger Captain hat in 17 Spielen vier Punkte erzielt und heute soll er zweimal punkten?

Und er tut es, in der 58. Minute realisiert Sprunger seinen 652. Skorerpunkt und überholt den Ausnahmekönner aus der ehemaligen Sowjetunion. Und dieser gehört zu den ersten Gratulanten per Whatsapp, wie Sprunger im Interview erzählt. Die kalte Ilfis-Nacht gerät ins vergessen und das sporthistorische Ereignis lässt den 15. Dezember 2020 in die Geschichtsbücher eingehen. Und Hughes? Feiert ganz nebenbei noch seinen ersten Sieg und Shutout in der National-League und wer weiss, vielleicht gewinnt auch dieses Ereignis erst in 22 Jahren an Bedeutung?

SCL Tigers – Freiburg-Gottéron 0:5 (0:2, 0:0, 0:3)
Ilfishalle. – 0 Zuschauer. – SR Salonen (Fi)/Staudenmann, Progin/Duarte. – Tore: 7. Gunderson (DiDomenico, Schmid) 0:1. 18. Bykov (Stalberg, Rossi/ Ausschluss Schilt) 0:2. 43. Herren (DiDomenico, Walser) 0:3. 48. Brodin (Sprunger, DiDomenico /Ausschluss Bircher) 0:4. 58. Sprunger (Gunderson /Ausschluss Blaser) 0:5. – Strafen: SCL Tigers 6-mal 2 plus 2-mal 10 Minuten (Berger, Blaser), Freiburg-Gottéron 4-mal 2 Minuten. – PostFinance-Topskorer: Maxwell; Stalberg. – Bemerkungen: SCL Tigers ohne Erni, Leeger, Zaetta (alle krank), Diem, Kuonen (beide verletzt) und Earl (überzählig), Freiburg-Gottéron ohne Furrer (verletzt) und Desharnais (überzählig).
SCL Tigers: Punnenovs; Blaser, Schilt; Glauser, Grossniklaus; Huguenin, Lardi; Bircher; Sturny, Flavio Schmutz, Julian Schmutz; Weibel, Maxwell, Nilsson; Neukom, Berger, Dostoinov; Rüegsegger, Melnalksnis, Andersons; Petrini.
Freiburg-Gottéron: Hughes; Gunderson, Chavaillaz; Aebischer, Abplanalp; Sutter, Jecker; Bougro, Kamerzin; DiDomenico, Schmid, Herren; Brodin, Marchon, Stalberg; Sprunger, Andrei Bykow, Mottet; Rossi, Walser, Jörg.