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Von Gentlemen und Weltenbummlern

Foto: Gisela Schlapbach serviert einen Kaffee am Tisch der aussergewöhnlichen Gentlemen, mit Markus Jutzi und Stefan Sommer (rechts). (eishockeyblog)


Zum 101. mal trifft Langnau in einem NLA-Spiel auf den EHC Biel. Im Presseraum herrscht wie üblich eine gute Ambiance und die Verpflegung durch Gisela Schlapbach ist wie immer herzlich und charmant. Die Presseverantwortlichen Rolf Schlapbach (SCL Tigers) und Silvan Andrey (EHC Biel) informieren 19 Uhr 17 über die Aufstellungen ihrer Mannschaften, auf Andreys Info: «Marc-Antoine Pouliot ist überzählig», meldet sich der weltbekannte Eishockey-Chronist zu Wort: «Was heter vergässe?» und sorgt unter dem «who-is-who» am Tisch der journalistischen Berner-Hockey-Fraktion für einen Lacher.

Von Läderach bis Tuma

Am «Tisch der aussergewöhnlichen Gentlemen» fällt der Name Heinz Läderach, «ou was macht dä?», «Dasch dr schneuscht Schlittschuehläufer xi vor NLB», «är het dr Siegträffer gäge SCB gschosse» oder «är het gspiut wie dr Peter Sullivan.» Die Lorbeeren für den ehemaligen Stürmer vom SC Langenthal könnten nicht grösser sein. In diesem Augenblick betritt ein älterer Herr den Presseraum, der Publizist: «und da chunt si Trainer», Jaroslav Tuma ist verblüfft und begrüsst die fachkundige Runde. Auch Tuma verliert über Läderach nur gute Worte. Der gebürtige Tschechoslowake verlässt 1968 im Alter von 21-Jahren seine Heimat Richtung Holland, via Tilburg, Rosenheim, Mannheim, Iserlohn, Schwenningen und Ingolstadt heuert er 1983 bei Langenthal an. Noch heute ist der 69-Jährige als Spieler-Agent tätig und betreut weltweit rund 80 Spieler.

Zwei Weltenbummler im besten Alter

Ebenfalls in den 80er Jahren kommt der aktuelle Biel-Trainer Mike McNamara in die Schweiz. 1981 verpflichtet der NLB-Club HC Villars McNamara als neuen Headcoach. Im Frühjahr 1982 steigt der Traditionsclub mit McNamara in die 1. Liga ab. Kein erfolgreicher Start für den Kanadier, dennoch setzt der damals 32-Jährige seine Karriere in der Schweiz fort. Lugano, Dübendorf, Fribourg-Gottéron, Zug, Visp, Ajoie, Lugano, Chur, Lugano, Lausanne und Biel heissen seine Stationen als Head- und Assistenzcoach bis 2016.

Zum dritten Mal interims-Trainer

Auf seiner Trainer-Odyssee heuert der heute 67-Jährige dreimal beim HC Lugano an, 1983, 2006 und 2009. Als Assistent und Ersatzausländer von «Magier» John Slettvoll ist er bei den Meistertiteln 1986 und 1987 dabei, später kehrt er zweimal als Headcoach der Elite-Junioren zurück ins Tessin. Auch mit der Rolle als interims-Trainer ist der ehemalige WHA-Spieler der Quebec Nordiques bestens vertraut. Bereits zum dritten Mal übernimmt er während der Saison einen Trainerposten in der National-League (NL), 2007-08 beim EHC Chur kommt er für Andreas Fischer, 2010-11 übernimmt er in Lugano für Philippe Bozon und am 14. November 2016 in Biel für «Hockeygott» Kevin Schläpfer.

Die Uhr im Presseraum zeigt 19 Uhr 35, es ist höchste Zeit seinen Platz auf der Pressetribüne aufzusuchen. Zugegeben, ohne bevorstehende Eishockey-Partie der 27. Runde, hätte man den Abend – gefüllt mit Anekdoten aus längst vergangenen Zeiten – im gemütlichen Langnauer Presseraum unter der Bewirtung von Frau Schlapbach ausklingen lassen können. Die zwei älteren Herren und Hockey-Koryphäen sind längst auf ihren Plätzen. Tuma auf der Pressetribüne als Beobachter, McNamara hinter der Bande als Trainer, zwei Weltenbummler im besten Alter. Und ja, McNamara und die Bieler gewinnen in einem packenden Spiel mit 5:3 und SI-Mann Stefan Sommer*, er wettet jeweils unter den Gentlemen gegen seine Mannschaft, kassiert 120 Franken Schmerzensgeld.

*gehört seit Jahren zum Tisch der aussergewöhnlichen Gentlemen und berichtet für die Sportinformation.

Der sinnloseste Abstieg aller Länder, Ligen und Zeiten

Der Abstieg der SCL Tigers ist der sinnloseste Abstieg aller Länder, Ligen und Zeiten. Noch nie ist eine Mannschaft so sinnlos abgestiegen. Das Abstiegsprotokoll: Im Spiel 6 des Playout-Finals (beim Stand von 3:2 für die Tiger) schiesst Etienne Froidevaux die Langnauer 1 Minute und 17 Sekunden vor Schluss mit 3:2 in Führung. Die Ilfis-Halle bebt und die Tiger stehen mit einem Bein in den Ferien.

Die Götter für die Rosenstädter

Doch die Hockeygötter entscheiden sich gegen die Emmentaler. 54 Sekunden vor Schluss erzielt Adrian Wichser den Ausgleich (David Aebischer hat für einen 6. Feldspieler Platz gemacht). Und es kommt wie es kommen muss, Langnau kassiert in der Overtime auch noch einen Shorthander und verliert das entscheidende 7. Spiel am Zürichsee. Der Rest ist Geschichte und die Langnauer steigen zum 3. Mal in der Clubgeschichte (nach 1985 und 1988) in die NLB ab.

Langnau wie Signau

Langnaus Abstieg ist mindestens so spektakulär wie jener des früheren 1. Liga-Partnerteams des SC Signau. Im Frühjahr 1996 verpassten die Signauer die 1. Liga-Playoffs um knappe 3 Punkte und mussten als 9. Platzierte gegen Worb, Thun und Aarau in die Abstiegsrunde. Auf die 11. Platzierten Aarauer (Abstiegsplatz) hatten die Emmentaler 9 Punkte Vorsprung, die es in 6 Spielen (2 Punkte für einen Sieg) zu verwalten gab. Kein unmögliches Unterfangen.

Ablösung innerhalb des Emmentals

Doch Signau verlor in der Folge sämtliche 6 Spiele gegen das abgeschlagene Worb, Thun und Aarau. Während die abstiegsgefährdeten Aarauer von möglichen 12 Punkten nur einen Punkt beim Unentschieden gegen Thun abgeben mussten. Das Team von Arnold Lörtscher überflügelte die Emmentaler um 2 Punkte und schaffte sensationell den Ligaerhalt und Signau musste, trotz einiger ehemaligen Langnau-Spielern, den Gang in die 2. Liga antreten. Am 16. April 2013 wurde Signaus «sinnloser Abstieg» ausgerechnet durch die SCL Tigers innerhalb des Emmentals egalisiert.

Vorsicht während Interviews

Der folgende Bericht vom Lokalsender Tele Bilingue wurde von meinem Berufskollegen Philippe Delisle (TeleBärn) ausfindig gemacht.
Eine saubere Recherche, denn mir ist mein Lapsus zum Zeitpunkt des Geschehens, am 15. September 2009, nicht aufgefallen, andere behaupten ich sei Mediengeil…