Pustertal, Bozen und Olympia

Im Februar rückt Italien zum zweiten Mal in den olympischen Fokus der NHL, nach Turin 2006, sind die NHL-Stars auch in Milano Cortina 2026 wieder mit dabei. Doch wie steht es um Italiens Eishockey? Die Landkarte hat sich seit der «Blütezeit» stark verändert, denn sie ist mit Österreich, Slowenien und Ungarn zusammengewachsen. In der Folge spielen nur noch zwei italienische Klubs Spitzeneishockey: Der HC Bozen Südtirol «Alperia» und der HC «Falkensteiner» Pustertal aus Bruneck. Hätte dies 1990 jemand vorausgesagt, hätte man ihn für verrückt erklärt. «Italia 90» war nicht nur durch die Fussball-WM ein Begriff, es war mit Jari Kurri auch der Start zur letzten Glanzzeit der Azzurri. Die Mailänder Klubs «Devils» und «HC» duellierten sich vor 10‘800 Fans im neuen Forum von Mailland und Italiens Nationalteam, selbstverständlich mit vielen Italokanadiern, genannt «Italos», überflügelte das Schweizer Nationalteam zwischen 1993 und 1997. Zu dieser Zeit konnte nur der HC Bozen den Lombarden Paroli bieten, während der SG Bruneck mit dem Ligaerhalt beschäftigt gewesen war. Heute mischen Bozen und Bruneck (Pustertal), wo einst Jan Alston entdeckt wurde, an der Spitze der «win2day ICE-Hockey-League» in Österreich mit.

Das erste Saisonderby steigt in Bruneck. Via Brennerautobahn, wo im Oktober 1997 der ehemalige SC Bern- und Italien-Trainer Bryan Lefley, tödlich verunglückte, ist Bruneck in gut einer Stunde von Bozen zu erreichen. Im Derby gegen Bozen pilgern im Pustertal 3‘104 Zuschauer in die ausverkaufte Intercable-Arena. Dreh- und Angelpunkt in Bruneck ist Patrick «Patza» Kirchler, als Stadionwirt der «Go-West Bar-Restaurant-Sports», ist er auch Presseverantwortlicher und Animator auf dem Eis. Das «Go-West» ist am Spieltag gegen Bozen schon Stunden vorher proppenvoll, die Stimmung ist bombastisch, Bier und klangvolle Burger (einen Fetisow, Larionow, Tretiak oder Topatigh) zählen sich wie die Jerseys im Untergeschoss. Denn nebenbei besitzt Kirchler die eindrücklichste Sammlung von Eishockey-Jerseys, die 1‘000er Marke hat der Südtiroler, welcher auch Jahr-für-Jahr an den Weltmeisterschaften anzutreffen ist, bereits geknackt.

Geknackt werden an diesem eindrücklichen Abend auch die Favoriten aus Bozen. Der Sieg gegen den langjährigen Rivalen aus der Serie-A, Alpenliga und der Gegenwart, wird anschliessend mit dem Lied «PuschtraZiSein», der Band «Matschedonia», gefeiert wie eine Meisterschaft. Das Südtiroler-Derby zeigt «Italia Hockey» in bestem Licht. Die Hochburgen Bruneck und Bozen verfügen über alles was erfolgreiche Organisationen ausmacht. Und Mailand? Im Stadtteil Santa Giulia steht für Olympia 2026 die neuste Arena des Landes. Einem Gerücht zufolge soll die ehemalige Eishockey-Abteilung des AC Milan (Devils) wieder reaktiviert werden. Wenn nun noch die Leidenschaft der «Puschtra» das olympische Feuer in Mailand entfacht, dann wird die nächste «Blütezeit» eingeläutet.

Artikel ist im SLAPSHOT Magazin unter KREIN ON TOUR erschienen.