Im Hirschen zu Langnau

Zweimal pro Jahr lädt Markus «Sigi» Siegenthaler zum Hockey-Dinner im legendären Hotel, Restaurant Hirschen zu Langnau. Am 1. Mai 2026 pilgerten die Gäste, 127 an der Zahl, zum zweiten Mal in den Bankettsaal. Als Legenden wurden Willi Vögtlin, Martin Gerber, Daniel Steiner und Michael Horisberger auf die Bühne gebeten. Der Viergänger wurde zwischen den jeweiligen Bühnentalks gekonnt serviert. Gastgeber Siegenthaler eröffnete mit dem Meisterbecher von 1976, der Omega-Trophäe in der dritten Ausgabe, mit den Worten «Friburg hetne sit gester, mir aber scho sit 50 Jahr.» Horisberger begrüsste am Tisch mit «Michael, diä Qualität vo de Neme brchöme si hüt nümm here», ganz im Sinne von Hans von Gunten selig aus Sigriswil.

Gar der Meisterpokal von 1976, die Omega-Trophäe in der dritten Version, konnte neben Gerbers Stanley-Cup-Ringen der Carolina Hurricanes bewundert werden. Willi Vögtlin hätte eine ganze Stunde aus dem Nähkästchen plaudern können und neben ihm am Tisch sass das legendäre Kult-Linesman-Duo Simmen/Sommer, die beiden gaben zahlreiche Anekdoten während des Viergängers zum Besten. Dasselbe galt, am gleichen Tisch für Daniel Steiner, welcher seine Anekdoten von der Strassenhockey-Mannschaft Ersigen Dynamights bis zu den Columbus Blue Jackets mit viel Witz erzählte. Das Highlight bildete die Story aus seiner AHL-Saison mit den Rochester Americans, als ihn NHL-Goon Brad May, mit 2360 Strafminuten, im Spiel gegen Grand Rapids Griffins zum Faustkampf bitten wollte und Steiner entgegnete «i’m from Europe, i never Fight.» May liess den Neuankömmling unbestraft vom Eis ziehen und Steiners Teamkollegen waren verblüfft und feierten den ehemaligen Burgdorfer anschliessend in der Kabine.

Neben Steiner hatte Martin Gerber den gleichen Werdegang, aus der 2. Liga bis in die NHL, aus heutiger Sicht ein absoluter Wahnsinn im Sinne von «Eddie the Eagle, nichts ist unmöglich.» Gerber war im Oktober 2002 erst der sechste Schweizer NHL-Spieler und 2006 erst der zweite Schweizer Stanley-Cup-Sieger. Das Meisterteam von 2006, mit dem ganzen Tross, wurde im April nach Übersee eingeladen, wie Gerber bei Markus «Sigi» Siegenthaler auf dem Sofa eindrücklich erzählte. Keine Auskünfte über das Salär beim HC Genf-Servette, in der Saison 1974/75, wollte Horisberger geben, da es deutlich höher gewesen sein musste, als das Gehalt im Emmental. Neben einem Halbtax-Job konnte man sich in Genf aufs Hockey konzentrieren. Horisberger, damals zusammen mit René Wittwer von Langnau nach Genf gezogen, kehrte glücklicherweise im Sommer 1975, nach Genfs Abstieg in die NLB, nach Langnau zurück und war beim einzigen Titel und eben dieser Omega-Trophäe mit dabei, während Wittwer noch ein weiteres Jahr in Genf verblieb und den Titel verpasste. Wittwer durfte jedoch 1975 beim Tina-Turner-Konzert in «Les Vernets» als Bediener des Scheinwerfers den Weltstar begleiten. Ein Hockey-Bankett wie es nicht besser inszeniert und serviert werden könnte, die Fortsetzung folgt am 11. September.

Und dann gingen die Lichter aus

Wenn Ambri-Piotta in Genf gastiert, dann geschieht nicht selten etwas Spezielles. Kurz vor Genfs 2:0 durch Vili Saarijärvi gingen bei den Kommentatoren die Lichter aus. Die Bildschirme aller drei Sprachregionen sind ausgefallen. Der Ausfall konnte bis Spielende nicht behoben werden, so war improvisieren angesagt. «Warum braucht ihr Kommentatoren den einen Bildschirm? Ihr könnt ja das Spiel direkt schauen und kommentieren», lautet der Tenor. Beim Unterbruch konzentrieren wir uns auf den Bildschirm, denn da läuft das Bild welches die TV-Zuschauer in der Stube empfangen. Wenn der Kommentator also nichts mehr zu einem Pfostenschuss in der Zeitlupe kommentiert oder den Zuckerpass von Jesse Puljujärvi auf Markus Granlund nicht mehr erläutert… …dann stehen wir dumm da.

Wie komme ich zum TV-Bild, möglichst so, dass der TV-Zuschauende nichts von unserem Ausfall mitkriegt? Es gibt den gleichen Kanal auf Genfs Videowürfel, jedoch wird dieser immer wieder durch eigene Einspieler und Klubwerbung unterbrochen. Links von mir sitzt Ambris Goalietrainer Pauli Jaks und dieser hat das TV-Bild auf seinem Notebook, welches weiter funktioniert. Also ist der erste Schweizer NHL-Spieler der Geschichte meine Rettung in Genf. So kommentiere ich mehr als das halbe Spiel, während den Unterbrüchen von Jaks‘ Notebook, jedoch hat dieser Stream eine leichte Verzögerung von 1-2 Sekunden. Trotzdem komme ich, mehr recht als schlecht, wie die Gäste aus der Leventina durch diese Partie.

Der Staub der Stahlträger

Les Vernets 1958 (Bibliothèque de Genève)

Genf-Servette liegt im vierten Heimspiel, im zweiten Drittel, gegen Ambri-Piotta mit 2:4 zurück, eine Mannschaft, welche auf dem Papier den Titel holen kann, sich bisher aber mehr schlecht als recht präsentiert denn die 0:11-Schlappe in Lausanne warf Fragen auf. Doch genau diese zwei Gesichter machen Genf in seiner 120-jährigen Geschichte aus. «Wenn ein Ort keine Geschichte hat, interessiert er mich nicht», sagt ein kultiger Berner Mundartsänger. Und Genf, ist «die Mutter» dieser Aussage. Kein anderer Club hat so vieles durchgemacht wie der HC Genf-Servette und kein anderes Eisstadion ist so lange mit dabei wie die Patinoire-les-Vernets.

Ein Ort der interessanter nicht sein könnte. Auf dem ehemaligen Areal der schweizerischen Landesausstellung von 1896 wird die Patinoire, am 28. November 1958 eröffnet und ist zu diesem Zeitpunkt, nach dem Zürcher Hallenstadion, erst die zweite Eishalle der Schweiz. Heute ist sie als älteste Halle immer noch in Betrieb und wirkt, weitaus jünger als es der Bau des Architekturtrios Albert Cingria, François Maurice und Jean Duret erahnen lässt. Der Bereich der Presseplätze, direkt unter den massiven Stahlträgern, wurde im Lauf der Jahrzehnte verbreitert und es scheint, als ob man hier die Geschichte förmlich riechen kann.

Das Gefühl auf den Presseplätzen gleicht einem alten Theaterbalkon, ein Granatroter Teppich ebnet den Weg zum Kommentatoren Platz, welcher die alten Reporterkabinen während der Ära-Chris McSorley, die längste eines Genfer-Trainers, ersetzt hat. Unverändert sind die imposanten Stahlträger, an denen noch der Staub der vergangenen 67 Jahre zu haften scheint. Etwa von 1959, als hier erstmals zwei Profiteams, die Boston Bruins und die New York Rangers, aus der NHL in der Schweiz gastierten. Oder von 1961, von den Weltmeisterschaften, wo für Frankreich ein gewisser Alain Bozon, der Grossvater von Servettes Tim und Vater von Philippe, dessen Nummer 12 heute unter der Hallendecke hängt, auflief.

Oder von 1963, als sich die beiden Clubs, Urania-Sports und Servette zum Genève-Servette HC formierten und zwischen 1966 und 1971 fünf Vizemeister-Titel und zwei Cupsiege feiern konnten. Selbst der 27-jährige Tiefschlaf, welcher bis in die Niederungen der drittklassigen 1. Liga und fast zum finanziellen Kollaps führte, scheint in den verstaubten Stellen der Stahlträger zu hängen. Während dieser Epoche trat das Schweizer Nationalteam im Dezember 1987 gegen den «Superblock» der Sowjetunion, welche drei Monate zuvor den hochkarätigsten Final in der Geschichte des Canada-Cups bestritten hat, an.

Sogar die Rue-Hans-Wilsdorf 4, die offizielle Adresse der Patinoire, ernannt nach dem Rolex-Gründer schreibt seine eigene Geschichte. Die Geschichte des sechsten Spieltages 2025, zwischen Genf-Servette und Ambri-Piotta, wird von einem 2:4-Rückstand in einen 5:4-Sieg umgewandelt und ein Teil davon bleibt irgendwo an den Stahlträgern hängen.

Unter Tarantinos Regie

Einmal pro Saison gibts in Genf die Pink-Night, am 2. Oktober 2021 geht die Aktion zugunsten des Brustkrebs-Fonds zum 16. Mal über die Bühne der Les Vernets. Die Pink-Night entpuppt sich dieses Mal zu einem wahren Quentin-Tarantino-Klassiker. Tarantinos «From-Dusk-Till-Dawn» ist im ersten Teil ein Gangsterfilm, welcher sich im zweiten Teil zum Vampir-Film entwickelt. Genfs «Pink-Night» ist im ersten Teil ein Spiel zum Gähnen, welches sich im zweiten Teil zum Spiel des Jahrzehnts entwickelt.

Die Eishockeykost in den ersten 20 Minuten sogar weit von einem «Gangsterfilm» entfernt und einer Pink-Night unwürdig, «aber Vorsicht das stimmt nicht», sagte einst Peter «Cool-Man» Steiner im Milka-Werbespot und dies ändert sich ab der 22. Minute und ein neuer Teil beginnt. Bei Tarantino startet der Vampir-Teil und in Genf startet das Spiel des Jahrzehnts. Unter der Regie von Tarantino sind die Ereignisse kaum noch festzuhalten:

Servette gleicht zweimal einen Zweitore-Rücktand aus, NHL-Star-Einkauf Sami Vatanen erzielt seine ersten beiden Tore auf Schweizer Eis, ein Tor – Grassi gibt den Pass von der Strafbank aus – welches eigentlich nicht hätte zählen dürfen übersehen die Schiedsrichter, Inti Pestoni erzielt zum ersten mal in seiner NL-Karriere vier Tore in einem Spiel, Yanik Burren erzielt sein erstes Tor für die Leventiner, Dario Bürgler ist, wie Vatanen, Doppeltorschütze und Stéphane Charlin erwischt, wie seine Vorderleute, einen schwarzen Abend.

Tarantinos Streifen dauert von der Abenddämmerung (From-Dusk) bis zum Morgengrauen (Till-Dawn) und der Genfer-Streifen spult die Superlative bereits von der Abenddämmerung (From-Dusk) bis Mitternacht (Till-Midnight) ab – oder eben von Pink bis Mitternacht, damit alles im Rahmen des offiziellen Anlasses bleibt. Genf kassiert in seiner ganzen Geschichte erst zum dritten Mal eine zweistellige Heim-Niederlage, dabei die erste seit 1974.

Alle zweistelligen Genfer-NL-Niederlagen

Statistik: eishockeyblog

Genf-Servette – Ambri-Piotta 4:10 (0:1, 3:3, 1:6)
6′ Bürgler (Hietanen, Heim) 0:1,
22′ Zwerger (Pestoni) 0:2,
25′ Smirnovs (Maurer, Berthon) 1:2,
27′ Filppula (Vatanen) 2:2,
32′ Pestoni (Zwerger) 2:3,
35′ Bürgler 2:4,
39′ Vatanen 3:4,
41′ Vatanen (Tömmernes, Jooris) 4:4,
45′ I. Dotti (Grassi) 4:5,
50′ Burren 4:6,
53′ Kostner 4:7,
55′ (54:10) Pestoni 4:8,
55′ (54:31) Pestoni (Zwerger) 4:9,
59′ Pestoni (Zwerger) 4:10.

Les Vernets: 5105 Zuschauer
SR: Wiegand, Hungerbühler; Progin, Dreyfus
Str. (G): 5×2′
Str. (A): 9×2′

Genf-Servette: Charlin; Jacquemet, Tömmernes (2); Vatanen (2), LeCoultre (2); Karrer, Maurer; Smons; Vouillamoz, Filppula, Winnik; Moy, Jooris, Miranda; Völlmin, Vermin (4), Patry; Riat, Berthon, Smirnovs; Cavalleri.
Ambri-Piotta: Ciaccio; Fora, I. Dotti; Hietanen (2), Fischer; Burren, Z. Dotti (2); Hächler (2), Pezzullo; Kozun, Regin, Kneubühler (2); Bürgler, Heim (2), McMillan (2); Pestoni, Grassi (4), Zwerger; Trisconi (2), Kostner, Bianchi.

Der Wahnsinn von Genf

Nach 57 Minuten und 28 Sekunden steht es 1:0 für den HC Genf-Servette, der EHC Biel braucht unbedingt einen Sieg um sich noch direkt für die Playoffs zu qualifizieren. Nach 59 Minuten und 21 Sekunden steht es 5:1 für Biel – unmöglich? Deshalb lieben wir den faszinierendsten Sport der Welt, Biel schiesst innert 112 Sekunden fünf Tore und bleibt damit im Rennen um einen direkten Playoff-Platz. Beat Forster, Yannick Rathgeb (Biel ohne Torhüter), zweimal Fabio Hofer und Janis Moser heissen die Torschützen des «Wahnsinns von Genf.»

Wie vor 45 Jahren

Was für ein Spiel, sechs Kommentatoren legen nach 60 Minuten mit ungläubigen aber glücklichen Gesichtern ihr Headset ab, einen Treffer haben wir in 57 Minuten kommentiert… …der Rest geht in die Geschichtsbücher ein. Apropos Geschichte, die Seeländer verblüfften schon einmal mit einem Torrausch: Am 6. Januar 1976 lag Biel nach 57 Minuten gegen den HC Sierre mit 4:6 Toren in Rückstand in die Überraschung für die Walliser gegen den Leader schien perfekt. Nur eine Minute später stand es 8:6 für die Hausherren. Was für ein Schlussspurt, angefeuert von 7’700 Zuschauern, schossen die Seeländer innert 53 Sekunden vier Tore. Reto Lohrer, René Berra, Barry Jenkins und René Stämpfli hiessen die Torschützen zwischen 57:21 und 58:14 beim «Wunder» von Biel.

Das «Wahnsinn» von Genf geht unter die Haut, Direktbeteiligte und Journalisten sind Minuten später noch beflügelt durch den Effort der Seeländer. Aber nicht alle sind derart aufgewühlt, Beat Forster, «Flaschenöffner» für Biel und Urheber des Genfer Unheils, ist schon kurz nach dem Spiel äusserst gelassen, was man von mir und meinen Fragen nicht behaupten kann (Interview): Sollte es nicht «abgezeichnet» heissen? Einen äusserst turbulenten Tag hinter sich hat Biel-Sportchef Martin Steinegger, am Nachmittag sieht er wie Biels U20-Elit-Junioren im Playoff-Final gegen Zug (2:7) fünf Gegentore innert 12 Minuten und 42 Sekunden hinnehmen müssen, ein paar Stunden später wird er Zeuge des Wahnsinns von Genf.

Verarbeiten ohne Bier

Auch Fabio Hofer, der an drei Treffern beteiligt ist, hat sowas weder in Österreich noch in der Schweiz je erlebt und muss dies geistig noch verarbeiten. Nach den Interviews würden sich die Berichterstatter nach so einem Spiel normalerweise in der Prime’s Fine Food & Sports Bar, dem ehemaligen «McSorley’s», ein Bierchen gönnen um erlebtes gemeinsam zu verarbeiten. Ja dieses Spiel hätte eine ausverkaufte Les Vernets Halle mehr als verdient gehabt, es ist eines jener Spiele über welches man in 45 Jahren noch darüber spricht, ob dann noch einer weiss, weshalb es keine Zuschauer gab?

Wie ich, muss Fabio Hofer eben erlebtes noch verarbeiten. (Andreas Ruefer)

Der 112-Sekunden Wahnsinn von 2021

ZeitSekundenTorschützeSpielstand
57:290Forster (Hofer, Künzle)1:1
57:4112Rathgeb (Pouliot, Trettenes)1:2
58:0334Hofer (Lindbohm, Komarek)1:3
58:5687Hofer (Van Pottelberghe)1:4
59:21112Moser (Pouliot, Brunner)1:5

Das 53-Sekunden Wunder von 1976

ZeitSekundenTorschützeSpielstand
57:210Lohrer5:6
57:4625Berra6:6
57:5938Jenkins7:6
58:1453Stämpfli8:6

3. März 2021

Genf-Servette – Biel 1:5 (1:0, 0:0, 0:5)
Les Vernets. – 0 Zuschauer. – SR Hebeisen /Fluri; Obwegeser /Progin. – Tore: 19. Omark 1:0. 57:29 Forster (Hofer) 1:1. 57:41 Rathgeb (Ausschluss) 1:2. 58:04 Hofer 1:3. 58:56 Hofer (Ausschluss/ins leere Tor) 1:4. 59:21 Moser (Komarek/Ausschluss) 1:5. – Strafen: Genf-Servette 4-mal 2 Minuten, Biel 3-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: Genf-Servette ohne Maurer, Mercier (beide verletzt), Fritsche und Riat (beide überzählig). Biel ohne Fey (verletzt während Einlaufen), Hischier, Hügli (beide Isolation), Rajala (rekonvaleszent), Kreis, Tanner (beide vorsorgliche Quarantäne), Fuchs, Lindgren, Lüthi (alle verletzt) und Schläpfer (Langenthal), dafür erstmals mit Augsburger und Jaquet (B-Lizenz La Chaux-de-Fonds). Biel von 57:33 bis 57:41 ohne Torhüter. Genf-Servette von 58:12 bis 58:56 ohne Torhüter.
Genf-Servette: Descloux; Jacquemet, Tömmernes; Karrer, Le Coultre; Völlmin, Smons; Guebey; Moy, Fehr, Miranda; Vouillamoz, Winnik, Omark; Patry, Richard, Vermin; Montandon, Kast, Berthon; Smirnovs.
Biel: Van Pottelberghe; Moser, Stampfli; Rathgeb, Lindbohm; Sartori, Forster; Jaquet; Brunner, Pouliot; Trettenes; Ulmer, Komarek, Hofer; Kessler, Cunti, Künzle; Kohler, Gustafsson, Augsburger.

Wenn du Schach-Matte bist

Der Auftrag ist klar, im Rahmen unserer Sendung «behind-the-bench» (auf MySports One) soll es ein Doppelinterview mit den Matte-Zwillingen, Louis (HC Genf-Servette) und René (HC Ambrì-Piotta) geben. Schon im Presseraum der Les-Vernets-Halle gebe ich meine Interview-Wünsche bekannt. Mein Tessiner Kommentatoren-Pendant fragt, wer der beiden Matte-Zwillinge denn älter sei? René ist eine Minute älter als Louis. Und Louis erklärte mir mal in Biel: «Nicht einmal unser Vater kann uns auseinanderhalten, wenn wir Einzel erscheinen.»

Genf-Louis besiegt Ambrì-René

Das Spiel ist zu Ende, René Matte und Ambrì haben gegen Louis Matte und Genf-Servette mit 1:3 verloren, Louis ist schon da und wir warten gemeinsam auf seinen Bruder René. Nun muss ich mich konzentrieren, denn René muss links im Bild stehen, dass heisst auf meiner rechten Seite, René muss rechts-, zu meiner linken Seite im Bild stehen. Die Vorgabe muss eingehalten werden, sonst sind die beiden während des Interviews falsch angeschrieben (die Untertitel in Erlenbach sind schon bereit). Zumindest die Eselsbrücke «René-rechts und Louis-links» funktioniert.

Schach-Matte

Die Matte-Zwillinge wechseln kurz vor dem Interview nach einmal die Seiten, ich konzentriere mich auf die Fragen und die Eselsbrücke, bemerke die falsche Konstellation nicht mehr rechtzeitig und starte mit dem brisanten Doppel-Interview. Die Frage an Louis geht an René und die Matte-Zwillinge haben mich kurzerhand «Schach-Matte» gesetzt – ach ja und die Eselsbrücke? Die Brücke hab ich nicht mehr gesehen, aber den Esel.

25. Oktober 2019

Genf-Servette – Ambri-Piotta 3:1 (1:1, 0:0, 2:0)
Les Vernets. – 6’080 Zuschauer. – SR DiPietro/Salonen, Duarte/Fuchs. – Tore: 2. D’Agostini (Trisconi/Ausschluss Incir!) 0:1. 20. Winnik 1:1. 44. Tömmernes (Rod) 2:1. 60. (59:13) Tömmernes (Wingels/Ausschlüsse D’Agostini; Rod) 3:1 (ins leere Tor). – Strafen: Genf-Servette 4-mal 2 Minuten, Ambri-Piotta 3-mal 2 plus 10 Minuten (D’Agostini). – Bemerkungen: Genf-Servette ohne Fritsche, Richard, Tanner (alle verletzt) und Olsson (überzähliger Ausländer), Ambri-Piotta ohne Conz, Kostner, Rohrbach, Sabolic und Zwerger (alle verletzt). Hofer verletzt ausgeschieden (41.). PostFinance-Topskorer: Wingels; Fora.
Genf-Servette: Descloux; Jacquemet, Tömmernes; Karrer, Maurer; Mercier, Le Coultre; Völlmin; Wingels, Smirnovs, Rod; Wick, Fehr, Winnik; Miranda, Kast, Bozon; Douay, Berthon, Maillard; Riat.
Ambri-Piotta: Hrachovina; Fora, Dotti; Plastino, Jelovac; Fischer, Payr; Pinana; D’Agostini, Müller, Hofer; Trisconi, Flynn, Egli; Incir, Goi, Bianchi; Neuenschwander, Dal Pian, Kneubuehler; Mazzolini.

Bozon und Godynyuk

Für die ehemalige Genf-Servette-Legende Philippe Bozon ist schon am 21. Dezember Weihnachten. Vor dem Spiel wird Bozons Rückennummer 12 unter die Hallendecke der Patinoire les Vernets gezogen. Selbstverständlich passt das zum heutigen Gegner aus Kloten, denn dort steht Philippes Sohn Tim unter Vertrag. Papa Philippe ist Trainer des französischen Erstligisten Bordeaux Boxers und steht mit dem Tabellenvierten erst morgen wieder im Einsatz gegen Strasbourg. Ebenfalls von Bordeaux nach Genf gekommen ist Servettes heutiger Keeper Remo Giovannini, dies aber schon am 19. Oktober. Nicht nach Genf gekommen ist dafür der NHL-Scout der Vegas Golden Knights oder «Las Vegas Knights», wie die Genfer den reservierten Platz bezeichnen. Der Platz des ehemaligen 48-fachen SCB-Söldners Alexander Godynyuk bleibt über die 60 Minuten leer.

Bozon und Godynyuk

Godynyuk und Bozon treffen während ihrer NHL-Karrieren zweimal aufeinander, am 7. Oktober 1993 gewinnt Bozon mit den St. Louis Blues gegen Godynyuk und die Florida Panthers mit 5:3 und am 6. Januar 1994 in Hartford nochmals gegen Godynyuk und die Whalers mit 2:1. Bozon und Godynyuks Wege kreuzen sich auf Schweizer Eis nicht, Godynyuk verlässt 1999 den SCB, Bozon kommt 1999 nach Lugano. Am 5. November 1998 gewinnt Godynyuk mit der Ukraine erstmals ein Direktduell gegen Bozon mit Frankreich, im Rahmen der WM-Qualifikation in Ljubljana mit 4:1.

https://twitter.com/kr1blog/status/943909918830153728?s=20

Bozens Ehrung zu Servietten Unsterblichkeit verpasst der einstige Gegner und heutige NHL-Scout der Knights. Montreals NHL-Draft Tim Bozon, durch Vaters Engagement 1994 in St. Louis geboren, übergibt als Kloten-Spieler seinem Vater das Genfer-Trikot mit der Rückennummer 12. Der 198-fache Servettien ist damit einer von sechs unsterblichen in der 113-jährigen Ära der Grenats. Bozon-Junior bleibt in der elften Minuten ein Treffer (zum 0:2) verwehrt, stattdessen wendet der ehemalige Klub seines Vaters den Rückstand in einen 4:1-Sieg und Genf-Junior Thomas Heinimann erlebt seine Tor-Premiere, leider ohne den Scout der Golden Knights…

21. Dezember 2017

Genf-Servette – Kloten 4:1 (1:1, 2:0, 1:0)
Les Vernets. – 6’441 Zuschauer. – SR Dipietro /Wiegand, Fluri /Stuber. – Tore: 4. Praplan (Hollenstein) 0:1. 19. Rod 1:1. 29. Spaling (Da Costa, Tömmernes /Ausschluss Boltshauser) 2:1. 32. Heinimann (Fransson) 3:1. 51. Rubin (Rod) 4:1. – Strafen: Genf-Servette 3-mal 2 Minuten, Kloten 4-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: Genf-Servette ohne Descloux, Bezina, Mercier, Almond, Bays, Gerbe, Hasani und Mayer (alle verletzt), Kloten ohne Back, Bieber, Lemm, Bircher (alle verletzt) und Egli (U20-Nationalmannschaft).
Genf-Servette: Giovannini; Fransson, Tömmernes (2); Loeffel, Wick; Vukovic, Petschenig; Jacquemet; Da Costa, Richard, Spaling; Schweri, Romy, Simek; Riat (2), Rubin (2), Rod; Holdener, Heinimann, Douay.
Kloten: Boltshauser (2); Von Gunten, Harlacher; Ramholt, Kellenberger; Bäckman, Stoop; Brunner; Praplan, Santala, Hollenstein (4); Sallinen, Trachsler, Bozon; Grassi, Schlagenhauf, Leone (2); Marchon, Obrist, Lehmann; Bader.