Samstag, 21. November 2009 – Nostalgie im Eisstadion Biel. Zum 70-jährigen Jubiläum spielt der EHC Biel im blauen Retro-Trikot der 83er Meistersaison. Im Vorfeld dieser Partie (Biel-Fribourg) recherchiere ich nach alten Ergebnissen und Spielern der Saison 1982/83.
Die Resultate aus der Saison 1982/83 zwischen Biel und Fribourg waren sehr Torreich: 7:2, 10:4 und 1:7, lauteten die Heimspiele für die Seeländer. Biel krönte die Saison 1982/83 mit dem dritten und bis heute letzten Meistertitel.
Einer der damals hautnah dabei war, ist der aktuell bei TSR arbeitende Robert „Robelon“ Meuwly. Natürlich konfrontiere ich ihn vor dem Spiel mit der Vergangenheit. Ich staune nicht schlecht als er mir erzählt: „hier haben wir 1982/83 eine deutliche Abfuhr bekommen, zehn Gegentore hab‘ ich damals in einem Spiel kassiert!“
Tatsächlich, es gab ein 10:4 sage ich zu ihm. Robert Meuwly sagt darauf: „ich weiss noch genau an welchem Tag es war“, ich bin verblüfft, Meuwly weiss noch das genaue Datum? Er scheint mindestens so Hockeyverrückt zu sein wie ich?! Er erinnert sich an den 28. September 1982, an jenem Tag hat seine Frau Geburtstag und Meuwly sagte ihr an jenem Morgen: „Heute mache ich ein Shutout, ich fühle mich grossartig, ich schenke dir einen Shutout zum Geburtstag.“
Der folgende Bericht vom Lokalsender TeleBilingue wird durch meinen Berufskollegen Philippe Delisle (TeleBärn) ausfindig gemacht.
Zwischen 0:15 und 0:37 lauere ich durch das Interview von TeleBilingue, allerdings bin vorher selber mit einem SRF-Interview mit Langnau-Trainer Christian Werber beschäftigt. Ist mir dieser Lapsus, am 15. September 2009, wirklich nicht aufgefallen? Andere behaupten der Mann im Hintergrund sei einfach Mediengeil…
Wieder Mal steht Rapperswil-Jona auf dem Programm. Nach einer eher mühsamen und langen, trotz neuer „Züri-West“ Umfahrung, Autofahrt in die Rosenstadt komme ich gut gelaunt in der Diners-Club-Arena an. Kurz vorher noch etwas zu essen? Nein ich spare mir den Appetit auf ein „Schnitzel-Baguette-Brot“ für später auf, nach Arbeitsschluss.
Zu Gast ist der SC Bern, welcher den gleichen Weg auf dem „langen und grauen Band“ hinter sich gelassen hat. Während das Spiel läuft und ich fleissig am kommentieren bin, fällt mir auf, dass sich mindestens drei Lysser im Stadion befinden. Michel Riesen bei den Lakers, Philippe Rytz beim SCB und meine Wenigkeit auf der Tribüne. Mit Riesen habe ich bei den Moskitos des SC Lyss ein paar Spiele bestritten. Philippe Rytz war damals noch zu klein, doch mit seinem Bruder habe ich mehr als nur eine Saison absolviert.
So haben wir alle unseren Weg gemacht, erfolgreicher oder eben weniger erfolgreicher, je nach dem von WO und WIE man es betrachtet. Schliesslich sind wir alle am 23. Oktober 2009 in Rapperswil-Jona gelandet.
Nach dem Spiel gibts leider kein Interview mit Riesen oder Rytz, sondern mit Rappi-Hüter Daniel Manzato (einem Fribourger). Und was war da noch vor dem Spiel? Ach ja ein „Schnitzel-Brot“, doch leider bin ich zu spät, die Food-Theke ist nach Spielschluss bereits geschlossen.
Um den Appetit doch noch stillen zu können blieb mir nur noch eine Möglichkeit: 10′ DIECI! Einer der Mitgründer der in Rapperswil bekannten Pizza-Kette (welche auch noch eine Bar und eine Gelateria an bester Lage betreibt) ist ex-NLA-Crack Harry Rogenmoser. Als ich meine Bestellung aufgebe, erkenne ich neben mir Sandro Tschuor (Lakers), der kurz vorher noch mit Riesen und gegen Rytz um Punkte gekämpft hat. Unsere beiden Pizzen kommen sogar auf dieselbe Rechnung, doch wir bezahlen selbstverständlich getrennt. Ich wünsche ihm einen guten Appetit und ein gutes Spiel morgen in Biel, wo auch ich wieder dabei sein werde… Rapperswil-Bern, Biel-Rapperswil.
Nach den ersten Stationen Biel und Bern gings einmal mehr ins Tal der heulenden Winde. Langnau stand wieder auf dem Programm, ich hab mich gefragt, wie viele Male ich wohl schon hier gewesen bin? An meinen erstmaligen Besuch in der Ilfis-Halle kann ich mich noch gut erinnern, als 11-jähriger bestritt ich hier mein erstes Meisterschaftsspiel mit den Moskitos des SC Lyss. Wir kamen ohne Vorahnung, wir wussten nicht, dass wir hier auf den wohl besten Nachwuchs der Schweiz treffen werden und gingen gegen Jan von Arx & Co. mit 0:10 unter.
Heute kam ich unter ganz anderen Umständen in die Ilfis. Nach einem verrückten Spiel, welches die Gäste aus Biel noch für sich entscheiden konnten, gab es zwei Stimmen der beiden Coaches (Ruhnke und Weber). Während der Verlängerung klingelte noch mein Natel, eine Nummer aus Genf, TSR wollte auch noch ein Kommentar zum Spiel von Philippe Seydoux. Ausgerechnet Seydoux, Ihn hatte ich vier Tage vorher im Blick-Bericht als „die Pflaume des Spiels“ bezeichnet. Doch Seydoux hatte glücklicherweise keine Ahnung wen er vor sich hatte, falls er den Bericht vom letzten Samstag überhaupt gelesen hat?
Es ist wieder soweit, die ersten Spiele sind irgendwie immer etwas spezielles, neue Spieler, neue Trikots, neue und alte Gesichter im Stadion – einige alte Hockeyfreunde meiner Aktivzeit oder aktuelle Bekannte und Journalisten kehren, nach einem langen Sommer, alle wieder in die Eishallen zurück. Schon auf dem Weg ins Stadion lief der Draht heiss – letzte Anweisungen der Sportredaktion, seinen es Zeilenangaben oder inhaltliches. Auch der Kollege vom Schweizer Radio DRS, der den Auftakt in Freiburg erleben wird, wollte kurz wissen wo und für wen ich heute im Einsatz stehe.
Gottérons Juniorentrainer
Dann gehts endlich los, Pressekonferenz und Spielbeginn – und der Saisonauftakt 2009-10 ist schon bald wieder Geschichte. Neben mir auf der Medientribüne sitzt Gottérons Elite-Juniorentrainer und hat die Aufgabe, den morgigen Gegner (HC Genf-Servette) zu beobachten. Der Beobachter, ein ehemaliger NLA- und 1. Liga Torhüter, ist mir vor allem durch seine Zeit beim SC Lyss bekannt. Wir haben sogar Mal ein Freundschaftsspiel im selben Team bestritten, er konnte sich sogar noch daran erinnern, ans Spiel natürlich – nicht an mich.
„Der Respekt gegenüber ausländischen Trainer ist dort riesig gewesen.“
— Alex Reinhard über Salzburg
Während unserem Gespräch in den Drittels-Pausen, hat mir vor allem sein Engagement im Ausland imponiert. Drei Jahre war er als Junioren- und Torhütertrainer in der Mozart- und Red-Bull-Stadt Salzburg tätig. Eine Erfahrung welche er nicht missen möchte, der Respekt gegenüber ausländischen Trainer sei dort riesig gewesen. Nicht zu vergleichen mit einem Engagement im eigenen Land. Kommt dazu, dass es in Salzburg (fast) keine finanziellen Grenzen gab. So jettete man während der Saison kurz nach Monza um bei einer Trainingsfahrt auf der Rennstrecke den Teamgeist zu fördern.
Auch Salzburg siegte
Auch beim aktuellen Spiel zwischen dem EHC Biel und Genf-Servette standen zwei Akteure (Goran Bezina und Richard Jackman) mit Salzburger Vergangenheit auf dem Eis. Die Gäste aus Genf bezwangen die Seeländer mit 3:1. Der Matchbericht war in der Tasche und eben, der Saisonauftakt war bereits wieder Geschichte. Übrigens, auch Salzburg gewann sein erstes Spiel mit 7:6 in Klagenfurt…
Der schwedische Elitserien Klub Rögle BK Ängelholm hat sich in der vergangenen Spielzeit den Ligaerhalt erst in der Liga-Qualifikation (Kvalserien) gesichert. Der Aufsteiger von 2008 steht in dieser Spielzeit vor der schwersten Aufgabe der Klub-Geschichte. Rögles Lebensversicherung und langjähriger Captain Kenny Jönsson ist in diesem Frühjahr zurückgetreten.
Der 139-fache Internationale spielte zwischen 1991 und 1995 bereits für seinen Stammclub und war 1992 und 2008 beim Aufstieg in die Elitserien dabei. Nach Jönssons Abgang nach Nordamerika 1995, stieg die Mannschaft gleich im ersten Jahr ohne Jönsson wieder in die zweite Liga ab. Ohne seinen Weltklasseverteidiger haben die Südschweden noch keine Spielzeit in den Elitserien überstanden.
Nie ohne Jönsson
Der Auftritt gegen die SCL Tigers verspricht nichts gutes, denn die Ängelholmer werden vom Schweizer NLA-Aussenseiter aus dem Emmental klar mit 6:2 bezwungen und hinterlassen einen erschrekend schwachen Eindruck. Mit dem ehemaligen Schweizer-Söldner (Lugano und Kloten) Tommy Sjödin, steht zwar ein ehemaliger Weltklasseverteidiger vom Format von Jönsson an der Bande, für den 106-fachen NHL-Spieler ist es aber der erste Trainerjob. Seinen ersten Captain-Job übernimmt Jönsson-Nachfolger Daniel Glimmenvall.
Angeführt vom ex-Langnauer Peter Högardh verfügen die grün-weissen zwar über eine talentierte, junge Mannschaft, doch die Erfahrung und Aura von Jönsson kann damit nicht wettgemacht werden. Mit Jeremy Colliton und Eric Beaudoin, ergänzt durch den Italo-Kanadier Giulio Scandella, stehen zwei Kanadier mit NHL-Erfahrung im Kader, beide konnten sich in der besten Liga der Welt nicht durchsetzen.
Wetten dass… …es ohne die grosse Identifikationsfigur Jönsson im Frühjahr 2010 nicht reicht?
Ungewisser Blick in die Zukunft in Ängelholm. (Andreas Freitag)Rögles Betreuer erklärt Michael Krein die Schwierigkeiten. (Andreas Freitag)
Nach 19 Jahren kehrt die Eishockey Weltmeisterschaft wieder nach Bern zurück. Ich kann mich noch gut erinnern, damals als 12-Jähriger durfte ich mir drei Spiele in Bern ansehen. Als sei es gestern gewesen, nie mehr werde ich das Spiel Kanada gegen Finnland vergessen, Suomi führte mit 4:0 und verlor die Partie noch mit 5:6, ein sensationeller Steve Yzerman führte bei Kanada Regie.
Ein Akteur dieses Turniers ist auch heute noch dabei, der unermüdliche Tscheche Jaromir Jagr, damals spielte er im Junioren-Sturm mit Robert Holik und Robert Reichel und war eine der Entdeckungen dieses Turniers. Der einzige Schweizer Teilnehmer 1990 war Schiedsrichter Willi Vögtlin, 19 Jahre später ist Vögtlin mein regelmässiger Sitznachbar auf der Pressetribüne in Bern.
Die Pressetribüne hatte den zusätzlichen Vorteil, gleich hinter den Cheerleaders sitzen -und arbeiten zu können. Wobei dies in langweiligen Partien auch zur Ablenkung führen konnte. Zur Ablenkung nach den Partien, da war ach Hockey-Prominenz unterwegs, erfüllte auch die Oldies-Bar ihren Dienst. Bei einem Umtrunk wurde auch der Victoria-Cup-Gegner der ZSC Lions entlarvt. Die Chicago Blackhawks werden sich im Herbst mit dem Champions-Hockey-League-Sieger messen.
Die Presseplätze, hinter der Cheerlaeder-Bühne. (Krein)Es gibt auch konzentrierte Journalisten. (Krein)
Der heimliche WM-Star
Wer erinnert sich an das Maskottchen von 1990? Der Eisbär mit dem klingenden Namen «Pady» war vor 19 Jahren in der Kostüm-Version nur eine Zeitluppen-Ausgabe vom heimlichen WM-Star Cooly. Die Männer unter dem «Cooly-Kostüm» stammen aus Kanada, in Quebec standen sie erstmals im internationalen Rampenlicht und wurden an einer professionellen Maskottchen-Schule ausgebildet.
Alexander Radulow, bei seiner Landsfrau im Interview. (Krein)
Wieder HeldRadulow?
Wie schon im vergangenen Jahr in Quebec ist der Russe Alexander Radulow wieder omnipräsent und hat das «Zeug» auch in Bern zum WM-Helden zu avancieren. In Quebec geschah dies meistens noch neben dem Eis, in Bern aber zaubert die Quebec-Legende vor allem in spielerischer Hinsicht. Radulow ist es, welcher im Finalspiel das Game-Winning-Goal gegen die Kanadier erzielt. Zum wertvollsten Spieler wird aber sein Landsmann Ilja Kowaltschuk gewählt.
Interview-Duell im Bärengraben
In der Mixed-Zone, in Berner Sprache auch bekannt als Bärengraben und während der SCB-Spiele, Hauptstandort von «SCB-Jüre» Wymann, war während der Weltmeisterschaft auch ein Duell unter den Moderatorinnen, in den Favoritenrollen standen die USA und Russland, am 2. Mai kam zum Direktduell, quasi zum WM Final der Interviews und die Partie auf dem Eis ging ganz nebenbei mit 4:1 an die Russen.
Die amerikanische Journalistin mit Lee Stempniak… (Krein)…und das russische Pendant mit Alexander Radulow. (Krein)
Doch auch Lettland, hatte seine an der WM bekannte Frauen-Fraktion dabei. Auch SF-Mann Lukas Studer ist dies aufgefallen, so sassen wir beide (unten) gegen Österreich im lettischen Fansektor.
An jeder WM dabei, die drei blonden Lettinen. (Krein)Die SF-Fraktion Lukas Studer und Krein im lettischen Fansektor gegen Österreich. (Krein)Gewannen das entscheidende Spiel gegen die Schweiz, die Letten. (Krein)
Szuperman
Der Ungarische Torhüter und NHL-erprobte Levente Szuper wird seinem Namen mehr als gerecht. Bei genauem hinschauen erkennt man vorne auf seiner Maske das Superman-Logo, doch dieses besteht nicht nur aus einem «S», sondern aus den Buchstaben «SZ», Szuperman eben. Trotz dem Szuperman reichte es den tapferen Ungarn nicht zum Ligaerhalt, gegen die Slowakei haben nur 13 Sekunden zu einem Punktgewinn gefehlt.
Nicht ungern mit Ungarn
Die Partie Ungarn gegen Weissrussland durfte ich, durch meinen Blick-Bericht die «Gulaschtruppe», auf den offiziellen Teamplätzen der Ungarn, neben dem Nachwuchstalent Daniel Koger (20) verbringen. Die Karten habe ich vor der Partie direkt im Hotelzimmer bei Ungarns Assistenten Diego Scandella (einst auch Assistent bei den Devils Mailand) abgeholt. Koger spielt in Österreich beim EC Red Bull Salzburg und wurde nun für die Relegationsrunde nachnominiert. Koger dürfte künftig wieder mitverantwortlich, für die magyarische Rückkehr in die A-Gruppe sein.
Trotz heissblütigen Magyaren und einer Fan-Übermacht am Schluefweg… (Krein)…reichte es gegen Weissrussland nicht. (Krein)
Der WM-Standort Bern bietet neben dem Fan-Village, einem Medienbus auch eine Synthice Anlage, Timo Helbling ist Vertreter der finnischen Marke Nordicice Consulting und steht als Berater zur Stelle, das Kunststoff-Eis darf selbstverständlich in der Fanzone ausprobiert werden.
Doch Bern als Hauptschauplatz hatte auch eine Schwäche, so konnte man, wenn man sich geschickt angestellt hat, zwischen der Nachmittags- und Abendpartie in der Arena verweilen, es gab, so wurde es erzählt, eine unkontrollierte Pufferzone. Bis auf diese Kleinigkeit hat Bern als Hauptort seine Pflicht, wie schon 1990, bei teilweise sommerlichen Temperaturen erfüllt. Nicht erfüllt hat die Schweiz, welche ihr Minimalziel, trotz besserer Besetzung als vor Jahresfrist in Quebec, nicht erreicht hat.
Dänemark hat den Ligaerhalt geschafft. (Krein)Für Schweden gabs Bronze. (Krein)Den Final gegen Russland knapp verpasst, die US-Amerikaner. (Krein)
Auch der Schwarzmarkt florierte, beim Finalspiel um den Weltmeistertitel wollten die Tickethändler über 400 Franken für einen Sitzplatz. Wahnsinn und dennoch wurden solche Summen bezahlt. Trotz der hohen Preise, waren die offiziellen Plätze der IIHF nicht gut besetzt. Die Familie Bykow aber nahm ihre Plätze ein und liess sich das Spiel zwischen dem Team ihres Vaters und Gatten und den Kanadiern nicht entgehen.
Der Schluss ist an Dramatik kaum zu überbieten, es wäre sogar die 400 Franken wert, die Kanadier liegen 27 Sekunden vor Schluss mit einem Treffer zurück und kommen zum Bully in der russischen Zone. Sechs Sekunden vor Schluss kommt zum letzten Bully der Weltmeisterschaft 2009, dann feiert das Team von Wjatscheslaw Bykow den zweiten Titel in Folge.
Dramatik pur: 27 Sekunden vor Schluss, Time-out Lindy Ruff. (Krein)Letztes Bully für Danny Heatley und Co., 6 Sekunden vor Schluss. (Krein)Alexei Morosow, René Fasel und Cooly, drei Hauptdarsteller der WM. (Krein)
Im Rahmen der Weltmeisterschaft, gibts in der Einkaufspassage des Stade-de-Suisse (Wankdorf) eine historische Masken-Ausstellung von Torhüter-Legenden aus der Schweiz und aus Übersee. Die Masken von Gilles Gratton, Wayne Stephenson oder Gerry Cheevers sind auch schon im deutschen Sport-Kurier Jahrbuch erschienen, doch in Bern sind sie zum greifen nah.
Das Duell! Früher bekannt aus dem Magazin Slapshot und später aus dem Top Hockey. Jeweils monatlich duellierten sich Klaus Zaugg und Joël Wüthrich zu einem brisanten Thema. Als «Duell im Westentaschenformat» oder als «Duell Zaugg/Wüthrich der armen Männer» duellieren wir uns in der Playoff-Version Davos vs. Lugano 2009. Ein Duell, welches eigentlich schon fast ein vorgezogenes Finalspiel sein könnte. Spitzeneishockey auf beiden Seiten bereits schon im Viertelfinal. Doch wer hat nach der Best of Seven Serie die Nase vorn? HCD vs. Lugano, oder Simon Strecker vs. Michele Krein!
Strecker: Wenn man in die Vergangenheit schaut, müsste man das «Grande Lugano» klar favorisieren. Doch erstens ist die Vergangenheit vorbei und zweitens ist das Grande Lugano nicht mehr so gross, wie es fürher war. Vor Jahren hätte man sich mit einem fünften Quali Rang nicht zufrieden gegeben.
Doch wer ist überhaupt favorisiert? Beide Teams verfügen über ein starkes Kader. Der HC Lugano hat bestimmt mehr Talent im Team, vor allem die viel stärkeren Ausländer. Davos hat dafür mehr Kampfgeist, mehr Siegeswillen, Davos ist hungriger! Und dies trotz der besten Bilanz aller National-League-A Teams der letzten Jahre! Arno del Curto hat es geschafft, dass keine mentale Müdigkeit im Team einkehrt, keine Genügsamkeit, wie sie zum Beispiel der SC Bern seit Jahren verspürt.
In der Aktuellen Saison gab es bis jetzt sechs Verlängerungen. Davon konnte der HCD vier für sich entscheiden. In der Playoff Serie gab es bis jetzt immer Verlängerung. Von der Wahrscheinlichkeit her müsste es also dem Schweizer Rekordmeister reichen, die Halbfinals zu erreichen.
Doch auf Statistiken sollte man sich nicht verlassen. Es gibt weitere Gründe, warum der HCD die Tessiner schlagen wird. Gerade bei engen Serien, wo sich die Teams ebenbürtig sind, entscheidet am Schluss der Wille! Und Davos hat den stärkeren Willen. Davos hat ein jüngeres Kader mit Spielern, die zwar weniger Talent besitzen, doch dafür um so mehr daran glauben, das Ziel zu erreichen. Davos hat zudem die ausgeglichenere Mannschaft. Davos hat keinen Nummelin, keinen Thoresen und auch keinen Murray. Wenn es dem HCD gelingt, diese Spieler zu neutralisieren, dann ist ein Weiterkommen in die Halbfinals ausser Frage! Beim HCD sind die Skorer viel besser verteilt, jeder kann das entscheidende Tor schiessen. So wie Robin Grossmann im letzten Spiel in der Overtime mit einem scharfen Slapshot.
Krein: Insgesamt sechsmal standen sich die beiden Teams in Playoff-Serien schon gegenüber. Fünfmal (1986, 1988, 1999, 2003 und 2006) konnten die Tessiner die Serie für sich entscheiden. Die Playoff-Statistik spricht also ganz klar für Lugano. Die letzte Playoff-Paarung der beiden Kontrahenten, konnte Lugano mit einer 4:1 Serie im Final für sich entscheiden. Die aktuellen Saisonresultate sprechen aber für den HCD. In vier spielen ging es dreimal in die Verlängerung, wobei die Bündner deren zweimal die Overtime für sich entscheiden konnten.
Was spricht im Viertelfinal 2009 für den HC Lugano? Lugano behagt die Rolle des Aussenseiters besser als die des Favoriten. Bei den letzten drei Meistertiteln startete man aus den Rängen drei (1999), vier (2003) und zwei (2006). Obwohl Davos-Trainer Del Curto sein Team «immer» als Aussenseiter bezeichnet, betrachte ich es für Lugano als Vorteil, vom fünften Rang aus als «Aussenseiter» zu starten.
In den Jahren des Scheiterns spielte Lugano jeweils eine grandiose Qualifikation, die Spieler erreichten ihr Leistungszenit bereits in der Quali, waren aber in den Playoffs ausgebrannt. Dazu kam meistens noch das Verletzungspech. In der aktuellen Saison spielte man eine durchzogene und nicht immer überzeugende Qualifikation und musste einen Trainerwechsel verkraften. Viele Spieler wie Hirschi, Domenichelli, Robitaille, Lemm, Conne und Nummelin standen nicht immer zur Verfügung. Doch rechtzeitig auf die Playoffs kann die Mannschaft erstmals komplett (mit Ausnahme von Paterlini und Domenichelli) antreten. Gerade Steve Hirschi, welcher in den letzten drei Jahren nur 46 Spiele bestreiten konnte, kommt als Sinnbild für Luganos Rückkehr in die Playoffs rechtzeitig zurück.
Unter den besten fünf Skorern der Qualifaktion befinden sich zwei Lugano-Spieler: Patrick Thoresen (63 Punkte) und Petteri Nummelin (62 Punkte). Der beste Davoser ist Michel Riesen mit 41 Punkten (noch hinter Julien Vauclair). Skorerwerte müssen nichts heissen, schlussendlich gewinnt man als Mannschaft und nicht mit Einzelspielern. Dennoch können Thoresen und Nummelin in der Serie gegen die Bündner entscheidende Faktoren sein.
Praktisch niemand glaubt an einen Triumph Luganos über die Bündner, trotzdem traue ich dem siebenfachen Schweizermeister eine «Überraschung» zu. Doch dazu braucht es eine kompakte Mannschaftsleistung, einen David Aebischer in seiner besten NHL-Form, den Willen und den Glauben des Siegens. Dazu kommt das Wissen, dass man in den letzten Jahren alle Playoff-Serien gegen die Bündner gewinnen konnte. Der letzte und bisher einzige Davoser-Playoff-Erfolg gegen Lugano liegt elf Jahre zurück.
Foto: Chris Habegger (rechts) freut sich über das verlorene Dukla-Juwel. (Sandro Stutz)
Eine nicht unbekannte Lokalität in Lyss, es ist Herbst im Jahr 1996, ich und mein Freund Claude M. sind mit seiner Kollegin Nadine H. im Ausgang. Trotz der anwesenden Dame wird an diesem Abend auch über Eishockey gesprochen. Aus dem Gespräch heraus ergibt sich der Zufall, dass Nadine H. ein seltenes tschechisches Eishockeytrikot des Traditionsclubs Dukla Jihlava besitzt. Sie meint, ich könne dieses «Liibli» haben, sie habe es geschenkt bekommen. Beim nächsten Treffen kommt es in der Tiefgarage der nicht unbekannten Lokalität zur Trikot-Übergabe, welche mich höchstens zwei Drinks an die nette Dame kostet.
Es beginnt im Bieler Eisstadion
Doch das ist nicht der Anfang, die Geschichte beginnt schon ein paar Jahre vorher. Der damalige EHC Biel-Fan und heutige Medienverantwortliche Chris Habegger hat anno der 90er Jahre eine nette junge Dame auf der Stehplatztribüne im Bieler Eisstadion kennengelernt. Habegger war schon damals nicht nur Biel-Anhänger, sondern auch ein grosser Bewunderer der tschechoslowakischen Eishockey-Kunst und vorallem Dukla Jihlavas. Aus liebe zu besagter junger Dame, kauft er beim Eishockey-Detailhändler Albert Müller zwei gleiche Trikots des berühmten Armee-Sportklubs, eines für sich und eines für seine Liebe. Wie es bei jungen Liebesgeschichten so läuft, trennten sich nicht nur die Wege des Liebespaars, sondern auch noch die Wege der beiden Dukla-Replicas der Marke Yvette!
Das Tauschgeschäft
Jahre vergehen, Beziehungen gehen auseinander, Eishockeyvereine steigen ab (wie Dukla Jihlava 2005) und verschwinden im irgendwo im Nirgendwo. So verliert auch das Dukla-Trikot der jungen Frau seine Bedeutung. Noch vor 1996 übergibt die ehemalige Freundin Habeggers das besagte Trikot ihrer jüngeren, damals eishockeyverrückten, Schwester Nadine H. Aber auch Nadine H. findet am gelben Hockeylumpen ihrer Schwester kein Gefallen und gibt diesen bei der nächstmöglichen Gelegenheit kurzerhand für zwei Drinks an den Blogschreiber ab.
Der Kreis ist damit noch nicht geschlossen. Zu Beginn der aktuellen Saison 2008-09 lerne ich aus «beruflichen Gründen» Biels Medienchef Habegger kennen. Ich weiss, dass er nebenbei auch dem Dukla-Jihlava-Fanklub Schweiz vorsteht. In der logischen Folge unterhalten wir uns öfters über das tschechoslowakische, tschechische und slowakische Eishockey und die Trikot-Geschichte kommt ans Tageslicht. Sofort erkennt der «Kenner», dass es sich um sein Jihlava-Jersey der Marke Yvette handeln muss.
Zurück zu seinem Besitzer
Nach einer 17-jährigen Odyssee, kommt das verloren geglaubte «Liibli» endlich wieder zum Vorschein. Was für eine aussergewöhnliche Geschichte, das Replica ist mehr als nur ein normales Eishockeytrikot. Eine unerfüllte Liebesgeschichte hängt mehr als ein Jahrzehnt in meinem Kleiderschrank. Praktisch zeitgleich mit der Übergabe an mich (1996) spielt der EHC Biel während 13 Jahren (1995-2008) in der Nationalliga B, es ist als hätte Biels Aufstieg ein direkter Zusammenhang mit dem verschwundenen Trikot. Ohne die Bieler Rückkehr ins Oberhaus hätte ich Habegger nie kennengelernt und das Replica wäre noch heute in meinem Schrank. Das «Hockeyliibli» ist wieder bei seinem alten Besitzer und wird womöglich sogar an Dukla Jihlava zurückgegeben. Die Geschichte geht weiter…
Die Ruhe vor dem Spiel verspricht noch keine Hektik. (Krein)
Eisstadion Biel, eine mir sehr bekannte Spielstätte. Nach der Lysser Eissporthalle habe ich hier die meiste Zeit verbracht. Als zehnjähriger habe ich hier die ersten Eishockeyspiele gesehen. Als aktiver habe ich ein paar Dutzend Spiele als Gegner absolviert, später in der 3. Liga war es meine Heimspielstätte und nochmals kam ich als Gegner nach Biel. Meine 3. Liga Premiere erlebte ich 1997 mit einem Sieg und einem Tor in Biel. Ausgerechnet in Biel sollte ich heute Abend wieder eine Premiere erleben. Die Premiere als „schreibender Journalist“, vorher war ich fürs Fernsehen auf der gegenüberliegenden Seite, doch heute Abend durfte ich mich einer neuen Herausforderung stellen im „zarten“ alter von 31 Jahren.
Das Spiel nahm seinen Lauf, es kam so wie ich es mir nicht erhofft hatte. Das schlimmste was passieren konnte war ein langweiliges, einseitiges und unspektakuläres Spiel, welches keine Geschichten hervorbringen würde. Genau dieses Spiel wurde es. Beinahe hätte der „Aufhänger“ ein Tor erziehlt und eine perfekte Story hätte geschrieben werden können. Doch es kam anders und der erwähnte Spieler, ich habe ihn „Aufhänger“ genannt, traf das Tor nicht. Er kam mir vor wie Krein in seiner Aktivzeit, habe ich doch in Biel auch zahlreiche Torchancen nicht genutzt. Ich erinnere mich an ein Spiel mit dem SC Scheuren gegen den SC Hölstein-Niederdorf wo ich dreimal alleine auf den gegnerischen Torhüter ziehen konnte und dreimal versagte. Doch heute Abend durfte ich nicht versagen.
Natürlich klappt es nicht
Das erste Drittel war vorbei und ich hatte noch kein Drittel des Textes in meiner Word-Datei. In der zweiten Pause schrieb es sich dann besser und schliesslich musste ich am Schluss wieder kürzen, umstellen, ändern, verschieben, löschen und umschreiben. Die Zeit ging wie im Fluge und die Matchuhr zeigte 17:47 im letzten Drittel. Noch eine halbe Stunde bis der Text in der Redaktion sein musste. Danach überschlugen sich die Ereignisse, Spielschluss, Textschluss und Wireless-Schluss! Von der Tribüne hatte ich keine Internetverbindung, so zog ich um, in den Presseraum, dort wieder neu anschliessen (weil der Scheiss-Akku keine Sekunde ohne Stromanschluss läuft!!) und es nochmals versuchen. Natürlich klappte es nicht und mir blieben noch zehn Minuten um zu übermitteln.
Dies hätte auch nicht gereicht um mit dem Auto nach Aarberg zu fahren und von dort aus den Text zu senden. Der Retter war der Radio-Mann der SRG, welchen ich flüchtig kannte. Seine Mausmatte zierte das Logo der Hockey WM in Quebec (siehe Blog „von Helden und Deppen“) und für einen Moment hatte ich das beleuchtete Schloss von Quebec vor Augen. Mit meinem USB-Stick konnte ich die Daten von seinem Notebook mittels meinem E-Mail-Account genau um 22 Uhr 30 (Redaktionsschluss) übermitteln. Danach das Kontrolltelefon und es war geschafft.
Wie die Griechen
Wie die Griechen die olympischen Spiele von Athen rechtzeitig eröffnen konnten, konnte ich rechtzeitig einen schlussendlich kurzen Text übermitteln. Genau dies ist mir vor zehn Jahren nicht gelungen, den Torhüter konnte ich dreimal nicht bezwingen, doch wenigstens hatten wir die Partie mit 5:1 gewonnen. Bei aller Hektik und allem Zeitdruck, alles in allem eine gelungene Premiere? Morgen werd ich’s erst richtig wissen…
Die Autofahrt Bern-Zürich auf der A1 dauert nun einfach zwei bis zweieinhalb Stunden. Zwei Stunden muss man mindestens kalkulieren sonst reichts nicht. Und an besagtem Mittwoch ist noch nicht einmal Freitag-Abend-Verkehr, es ist ein gewöhnlicher Wochentag. Gewöhnlich? Vielleicht doch nicht, denn ich komme unter starkem Schnellfall erst um 19 Uhr in Zürich-Leutschenbach an, dort muss ich noch ein Codec-Gerät holen, mit welchem ich ab 19 Uhr 30 direkt aus dem Hallenstadion berichten soll. Zeitgleich, 500 Meter neben dem SF-Hauptgebäude findet im Hallenstadion bereits die Pressekonferenz statt, ohne mich. Schliesslich treffe ich zehn Minuten später an besagter Spielstätte ein, alles wird mit Hilfe eines deutschen Technikers noch installiert.
Die Partie, für mich ein Knüller, kann beginnen. Eine Affiche der Champions-Hockey-League zwischen dem Schweizermeister und dem Tschechischen-Meister HC Slavia Prag lässt mein Herz ohnehin schon höher schlagen. Wenn man die beiden Teams vergleicht, haben die Zürcher Akteure beispielsweise 602 Spiele in der NHL bestritten, die Prager deren 956 (alleine Kapitän Josef Beranek bestritt 588 Partien). Vier NHL-Drafts bei Zürich stehen zwölf „Draftpicks“ im Kader Slavias gegenüber, was noch nichts heissen mag.
„Ich weiss nicht ob es an diesem Abend einen Weltrekord gegeben hat.“
— über die vier erfolgreichen Penaltys von Jaroslav Bednar (Krein)
So wie der Verkehr Richtung Zürich nicht für mich zu laufen schien, schien die Hartgummischeibe nicht für die Zürcher zu laufen. Dennoch bin ich rechtzeitig auf meiner Kommentatoren-Position. Übrigens sitzen neben mir der CHL-Livestream-Kommentator und Co-Kommentator Doug Honegger. Die Tschechen liegen bei 58:10 noch mit 4:2 in Führung, ehe die Zürcher, durch Mathias Seger und Ryan Gardner, innert 18 Sekunden zum 4:4 ausgleichen. Sowas habe ich von einer Schweizer-Mannschaft noch nie gesehen, eindrücklich und unglaublich wie die ZSC Lions zurück gekommen sind, doch dies ist noch nicht der Höhepunkt.
Bednar gegen Alston
Beim Penaltyschiessen treffen unter den ersten drei Schützen nur Jaroslav Bednar (für Prag) und Teamoldie Jan Alston (für die Lions). Von nun treten nur noch Bednar und Alston gegeneinander an, und wie sie dies tun! Bednar wird zum Helden des Abends, der Prager bezwingt Zett-Hüter Ari Sulander noch weitere dreimal in Folge! Die Rolle des tragischen Helden geht an Alston, aber auch er ist sensationell und läuft noch drei weitere Male gegen Prag-Keeper Adam Svoboda an, doch beim letzten Versuch scheitert er. Ich weiss nicht ob an diesem Abend einen Weltrekord gegeben hat. Hat schon jemals ein Spieler vier Penaltys hintereinander im selben Spiel versenkt? Eines werde ich jedenfalls nie mehr vergessen, den Namen Jaroslav Bednar.
Sean Simpson sagt am Schluss, «Hey Lyss!» damit meint er mich, «ich bin ein Fan von Europäischen Vergleichen, meine Spieler wollen sich mit den besten Teams Europas messen und nehmen diese Sache sehr ernst», so Simpson weiter. Weiter begebe auch ich mich – auf die lange und beschwerliche Reise zurück ins Berner Seeland. Lange und beschwerlich, weil es schneit (im Oktober) wie im Hochwinter und weil ich mit Sommerpneus unterwegs bin. Doch auch ich bin zurückgekommen, so wie die Zürcher gegen Prag.
Immer wieder die Autobahn A1, Stau, Verkehr, Unfälle oder lästige Drängler. Immer wieder Autofahrten durch die Nacht, was mir aber Spass bereitet, dazu läuft ein Song von Züriwest: «dr Kanton Aargou flügt vrbii u millione toti Flüger chläbe chrüz u quer verquetscht a mire Windschutzschibe — chliini Dörfli i de Hügle — luter Hüsli wit u breit — wie Pfäfferchörner über nes gigantischs Rüehrei gschtröit — uf em Näbesitz schtinkt mi Täsche» — mit ein paar Unterlagen über das Eishockeyspiel, über welches soeben im Schweizer Fernsehen berichtet wird.
Das Nachtessen ist jeweils kein «Gourmet», vielleicht eine Bratwurst, ein läppisches Sandwich oder einen Hamburger – übrigens heisst der Hamburger in Klotens Kolping-Arena, trotz Namenwechsel immer noch «Schluefburger» – Fast-Food eben, für einen Fast-Food-Abend oder für zwei-, drei Fast-Food-Abende welche dann zur Fast-Food-Woche werden. Während ich am Steuer sitze, stinken meine Hände noch nach dem Schweissgeruch des Hockeyhandschuhs des Nationalliga-A-Spielers, welcher mir kurz vorher vor dem Interview die Hand schüttelt.
Fast wie die Spieler, spulen auch die Hockey-Journalisten, hauptberufliche, nebenamtliche oder selbsternannte, die Qualifikation von fünfzig Spielen ab. Manchmal erwischt man einen super Abend und alles läuft wie geschmiert, manchmal läufts nicht, so wie das langweilige Spiel auf dem Eis, welches nur eines von fünfzig ist. Doch das wichtigste ist, dass es Spass macht. «Liebe deinen Job und dein Job liebt dich!»
Nun dann, bis zum nächsten Spiel mit Hamburgern, Autofahrten durch die Nacht, stinkenden Händen aber voller Freude und Leidenschaft irgendwo auf dem langen grauen Band — «10 000 Kilometer uf däm länge graue Band — we me wie mir gäng hin u här fahrt git’s eim fei echli es Dürenand — i bi uf em Heiwäg — i weiss scho wieder nümm vo wo — u irgend so’ne Heiwehcountryschlager tropfet us em Radio…» (Züriwest)
Ein Hauch der Superlative ist schon während des Warm-Ups der New York Rangers in der PostFinance Arena zu spüren. Noch vor wenigen Jahren schien dies unmöglich, die Schweiz verpasste es 1990 die Edmonton Oilers zu engagieren, der Stanley-Cup-Sieger spielte damals in Düsseldorf, Graz und München. Doch nun sind sie da: Wade Redden, Scott Gomez, «King» Henrik Lundqvist, Chris Drury, Dan Fritsche (Neffe von John Fritsche), Nikolai Tscherdew (in journalistischem Deutsch) oder eben «Zherdev», Colton Orr, Aaron Voros oder Brandon Dubinsky… …die weissen Trikots mit dem «Rangers» Schriftzug agieren in allen Belangen eine Klasse besser als wir dies von der Nationalliga-A gewohnt sind.
Alles ist ein bisschen anders als sonst. Nicht nur die Security-Crew – nicht einmal Christian Dubé, er bestritt immerhin 36 Spiele für die Rangers, kann die Arena ohne vorweisen seines Ausweises betreten – auch die Medienplätze sind so gut besetzt wie nie zuvor. Als ich irgendwo einen Sitz für mich beanspruchen will, werde ich von einer Hostesse (im Victoria-Cup-Outfit) in höflichem englisch angesprochen: «Are you from the Aargauer Zeitung?» Leider muss ich die Frage mit «Nein» beantworten und mir einen neuen Platz, direkt hinter der Rangers-Spielerbank aufsuchen, immerhin habe ich eine offizielle Akkreditierung des Schweizer Fernsehens (SF) aber keinen fixen Sitzplatz.
„Nicht einmal Christian Dubé kann die Arena ohne vorweisen seines Ausweises betreten.“
— Beobachtung in der Tiefgarage
Das Schweizer Fernsehen (SF) produziert erstmals mit 18 Kameras, das sind sechs mehr als beim Spenglercup, was dem NHL-Standard in der Regular-Season (in den Playoffs sind es 24 Kameras) entspricht. Das Spiel wird sogar vom «Madison-Square-Garden-TV» live nach Manhattan übertragen. Für die Rangers ist es der erste Europa-Auftritt seit 1981, damals gastierte der Tross für drei Spiele in Stockholm am Dagens-Nyheter-Cup und für eine Partie in Helsinki.
Ein Hauch der Superlative
So sitze ich wie ein kleiner Junge mit grossen Augen hinter den Spielern der Rangers (siehe Foto) und lasse den Zauber des Spiels einfach so auf mich einwirken. Diese Partie gibts in 100 Jahren vielleicht einmal zu sehen. Jede einzelne Minute hat für mich den Hauch der Superlative, auch wenn die Top-Shots Markus Näslund, Henrik Lundqvist (Backup) und Marc Staal für das morgige Spiel um den Victoria-Cup gegen Metallurg Magnitogorsk noch geschont werden.
Am Spieltag des ersten Victoria-Cups der Eishockey-Weltgeschichte besuche ich das Training der Rangers zwischen 10 Uhr und 11 Uh 15. Die Stimmung ist locker und die Halle für Jedermann zugänglich, so schaut auch die russische Legende Alexander Jakuschew vorbei und unterhält sich mit Nikolai Tscherdew (siehe Video). Am Abend wird das einst so hartumkämpfte Duell zwischen Ost- und West erstmals seit dem 15. Januar 1991 und dem letzten Spiel der legendären «NHL-Super-Series» fortgesetzt. Der europäische Titelträger Metallurg Magnitogorsk empfängt die Rangers, dieses Duell zwischen Europas Nummer-Eins und einem NHL-Teams gabs schon vor Einführung des Victoria-Cups.
Wenn der HC Lugano kurz vor einem Schweizermeister-Titel steht, dies Zuhause in der «Pista-la-Resega», gibts in der «Curva-Nord» kein halten mehr. Die Spannung des fanatischen Publikums ist kaum zu beschreiben, vielleicht ist es wie kurz vor dem Start zu einem 100-Meter-Final. Wenn der Startschuss erfolgt, explodiert der 100-Meter-Sprinter. Für Lugano heisst das, die Fans brechen über Banden und Abschrankungen herein, wie beim Bruch eines Staudamms.
Es ist angerichtet, rund zwei Stunden vor Luganos siebtem Titel. (Krein) Die Curva-Nord sorgt bereits für Meisterstimmung. (Krein)
Wenn also Ville Peltonen bei Spielzeit 59 Minuten und 59 Sekunden, die Scheibe im leeren Davoser Kasten zum 3:1 versenkt, dann wars dies. Das Schauspiel ist unbezahlbar und emotional kaum zu verarbeiten und das Erlebnis für jeden nicht-Lugano-Fan fast beängstigend. Es ist die pure Leidenschaft des gesamten Sottoceneris welche hier in wenigen Minuten wie der Lago di Lugano überläuft.
„Die Dämme brechen bei Peltonens 3:1, eine Sekunde vor Schluss.“
— Michael Krein
Auf dem Videowürfel steht immer noch 59:59, die Spieler sind bereits im Fan-Taumel unter gegangen und auf dem Würfel leuchtet «CAMPIONI!!!» Wo sind die Schiedsrichter? Wo sind die Gäste aus dem Bündnerland? Muss die Sekunde noch gespielt werden oder darf man eine Sekunde vor dem offiziellen Spielende den Match so als zu Ende gespielt werten? Und der Meisterschütze Peltonen? Wird mit Sprechchören «Vii-lle Pel-too-nen» frenetisch gefeiert.
Selbstverständlich wäre in dieser Sekunde nichts mehr passiert. Lugano war seit dem vierten Viertelfinal-Spiel, am 14. März, nach dem Overtime-Sieg in der Leventina gegen den HC Ambrì-Piotta nicht mehr zu stoppen. Einen Monat später, am 13. April, knapp vor 22 Uhr 30, geht die wohl beeindruckendste Auferstehung in der Geschichte des Schweizer Eishockeys mit dem siebten Meistertitel Luganos, eine Sekunde zu früh, zu Ende.
Die Davoser können sich noch verabschieden, während die Tifosi aufs Eis strömen… (Krein)…acht Minuten später gehen nicht nur die Lichter im Nebelmeer unter. (Krein)
Der siebte Titel Luganos stillt selbst unseren Hunger noch nicht, so gibts in der ebenfalls ausverkauften Resega-Bar «Club 41», keine Champignons Pizza, sondern eine Campioni-Pizza, welche uns den Magen füllt. Die Meisterfeier auf dem Gemeinde-Boden «Porza» dauert noch bis in die frühen Morgenstunden und auch in der Meisterkabine schauen wir bei Sannitz und Co. kurz vorbei. Unser Nachtlager übrigens, wurde vor dem Spiel kurzerhand durch meine Arbeitskolleginnen der Manpower-Filiale, an der «Via Pretorio» organisiert, «Grande» dieses Lugano.
«Pizza-Campioni» mit meinem langjährigen Sturmpartner Markus Eggimann (links) und Michael Möri. (Claude Moeri)
13. April 2006 – 5. Finalspiel
Lugano – Davos 3:1 (1:0, 1:1, 1:0) Resega. – 7’800 Zuschauer (ausverkauft). – SR Reiber, Wehrli /Wirth. – Tore: 9. Nummelin (Jeannin, Gardner /Ausschluss Sutter) 1:0. 22. Guggisberg 1:1. 25. Sannitz (Nummelin, York /Ausschluss Kress) 2:1. 60. (59:59) Peltonen (Metropolit, ins leere Tor) 3:1. – Strafen: Lugano 5-mal 2 Minuten, Davos 8-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: Lugano ohne Conne (verletzt), Bianchi, Hänni, Norris und Oksa (alle überzählig), Davos ohne Heberlein (verletzt), Blatter und Wilson (beide überzählig). – Davos ab 59:19 ohne Goalie. – Time-outs: 60. (59:24) Lugano, 60. (59:49) Davos. Lugano: Rüeger; York, Vauclair; Guyaz, Cantoni; Nummelin, Hirschi; Gardner, Metropolit, Peltonen; Hentunen, Sannitz, Jeannin; Näser, Wirz, Murovic; Reuille, Romy, Fuchs. Davos: Hiller; Gianola, Jan von Arx; Hauer, Häller; Winkler, Kress; Ramholt, Ackeström; Riesen, Reto von Arx, Christen; Juhlin, Marha, Hahl; Guggisberg, Rizzi, Ambühl; Bruderer, Sutter, Burkhalter.
Bei frühlingshaften Temperaturen ins Tessin zu fahren ist ein herrliches Gefühl, wenn dazu noch die Meisterschaft des Lieblingssports entschieden werden kann, dann ist es die schönste Zeit des Jahres oder eben die wunderbare Zeit der Playoffs. Ab der Autobahnausfahrt Lugano-Nord gehts «via» Silva, Tesserete und Adolfo e Oscar Torricelli Richtung Porza, die Resega steht auf dem Gemeindeboden des 1’500-Seelen Dorfes. Auch da versuchte man sich einst, mit Trainer Andy Ton, in der dritthöchsten Klasse mit eigenem Hockey-Club, verschwand dann aber wie der Petarden-Nebel der berühmten Spielstätte.
Diese Spielstätte, 1995 erbaut, konnte heute erstmals in der Geschichte einen Meistertitel vor heimischem Publikum feiern. 1999 triumphierten die Bianconeri in Ambri und 2001 verlor man das siebte Spiel in der Overtime gegen Zürich. Heute soll die Lappalie, in der proppenvollen – wie in Finalspielen üblich – «Pista la Resega» endlich realisiert werden. Um noch einmal ins Bündnerland und damit zu einem siebten Spiel zu kommen, braucht der HC Davos, wie in Spiel zwei der Serie, einen Sieg im Tessin.
Dass sich die Luganesi schwer tun, wenn Zuhause alles für den Titelgewinn angerichtet ist, ist seit der Playoff-Serie 2001 bekannt. Am 3. April, Lugano führt in der Serie gegen die ZSC Lions mit 3:1, geht das erste «Meisterspiel» mit 3:6 verloren und auch die zweite Chance am 7. April im siebten Spiel vermasseln die Bianconeri bei der 1:2 Overtime-Niederlage. Nicht aber am 8. April 2003, der Anspruch auf den sechsten Titel machen die Luganesi schon im ersten Drittel geltend und führen mit 3:0 – der Rest ist nur noch Kür, zum zweiten Gewinn des blauen «Schirmständers» – und dieses Mal verschwindet nicht der HC Porza, sondern der HCD im Petarden-Nebel der neu gekrönten Spielstätte.
Zum ersten mal holen die Bianconeri die Meistertrophäe in der neuen Resega. (Slapshot)