Der Erdnuss-Pokal

Seit 1981 ist das HC Davos-Urgestein Paul Berri im Betreuungsstab des 31-fachen Schweizermeisters. In 34 Jahren hat Berri acht Schweizer-Meistertitel (1984, 1985, 2002, 2005, 2007, 2009, 2011, 2015) mit dem HCD gefeiert. Beim achten- und gleichzeitig 31. Titel des Klubs lässt Berri in den Katakomben des Hallenstadions den gelben Plexiglaspokal fallen und der als «unzerstörbar» geltende «Twin-Skate» zerfällt in seine Einzelteile. Kein aktueller Betreuer hat mehr Pokale und Meistertitel gefeiert als der HCD-Teamleiter. In Berris Laufbahn waren schon vier verschiedene Meister-Pokale im Umlauf, drei davon gingen schon durch Berris Hände. Der aktuellste ging eine halbe Stunde nach der Pokalübergabe in die Brüche, das Video ist ein absolutes Highlight. War der Kult-Betreuer etwa zu fahrlässig?

Pokaltechnisch ein Eishockey-Entwicklungsland

Nein. Die Schweiz ist das einzige Land mit einem Plexiglas-Pokal, sogar die Neuseeländer und Spanier jubeln mit traditionsreichem Edelmetall. Seit 1997 feiert der Schweizermeister jeweils in Glas oder Kunststoff. Der SC Bern gewann 1997 als erstes den hässlichen blauen «Schirmständer». Zehn Jahre hat der Schirmständer, welcher auch schon geklaut, zerscherbelt und umgespritzt wurde, überlebt. Den letzten Schirmtitel feierte der HC Davos 2007, ehe der neue postgelbe «Plexi-Ständer» mit dem sechsten Meistertitel der ZSC Lions 2008 seine Premiere feiern konnte. Der von der Designagentur Hug & Dorfmüller gestaltete «Twin-Skate», wurde bei seiner Vorstellung als unzerstörbar betitelt. So kurz wie 2015 war seine Lebensdauer nach einem Titelgewinn aber noch nie, glücklicherweise war es nur ein Replica, denn das Original kommt jewils nicht bis ins Stadion.

If you pay peanuts, you get monkeys

— Sir James Goldsmith (1933 – 1997)

2008 hat sich der ehemals Schweizerische Eishockeyverband (SEHV) marketingtechnisch ein neues Label verpasst. Die Swiss Ice Hockey Federation (SIHF) hat sich der Amerikanisierung des Westens angepasst. Seither wird hier nicht mehr in der traditionellen Nationalliga A und B, sondern in der «National-Hockey-Lea…», natürlich der «National League A and B» gespielt. Anstatt sich pokaltechnisch dem Westen, welcher die Tradition sämtlicher Trophäen ehrenhaft zu pflegen weiss, anzupassen hat die sich die Liga leider nur Namenstechnisch angepasst und damit gleich zwei Identitäten verloren: Den Liga-Namen, gegründet 1937, und den Pokal.

Die verlorene Pokal-Kultur 

Der letzte, richtige Pokal (gestifted durch die Uhrenfirma Omega) wurde mit dem sechsten Titelgewinn des HC La Chaux-de-Fonds 1973 aus dem Verkehr gezogen, seither gibts in der Schweiz nur noch «Erdnuss-Pokale». Sir James Goldsmith sagte einmal: «If you pay peanuts, you get monkeys» (Wer nur mit Erdnüssen bezahlt, braucht sich nicht wundern wenn er von Affen bedient wird), nichts passt treffender als die Plastik-Krönung des Schweizermeisters und dessen Umgang mit dem Lohn für den Titel. Der «Twin Skate»  hat weder Kult noch Tradition, daher ist auch ein «fallen und liegen lassen» für einen frischgebackenen Schweizermeister nur eine Randnotiz. Ein echter und geschichtsträchtiger Pokal wie etwa der erste Omega-Pokal (bis 1957 in einer siebener-Serie vom EHC Arosa gewonnen) würde auch in der Schweiz in ehrenhafter und «nordamerikanischer Tradition»  den Respekt von Trainern, Spielern, Betreuern und Medien ohne auch nur den Hauch von Erdnuss-Kontamination geniessen können.

Für den Schweizermeister 2008 wurde der alte blaue Pokal mit dem Übernamen «Schirmständer» durch den neuen goldenen «Twin-Skate»-Pokal abgelöst. Der «Twin-Skate» ist ein goldener Plexiglaspokal, der einen Eiskristall darstellen soll. Diese Trophäe ist kein Wanderpokal und bleibt im Besitz des Meisters. Der Pokal hat einen Wert von 10’000 Franken, wiegt 12 Kilogramm und ist 60cm gross. Gestaltet wurde der Pokal von der Luzerner Designagentur Hug & Dorfmüller. Nicht nur in der National League kommt dieser Pokal zum Einsatz. Er wird auch den Meisterteams der Swiss-League sowie der Junioren Elite A und B vergeben. Jedoch werden sie dort von Liga zu Liga kleiner.

1946*– 1957Omega-Pokal
1958 – 1973Omega-Pokal II
1974 – 1991Omega-Pokal III
1992 – 1996PlastikIvo Soldini, Ligornetto
1997 – 2007SchirmständerOskar Buchs, Gstaad
*Angabe ohne Gewähr

Die Lakers haben es geschafft

Nur drei Nationalliga-A Teams sind noch nie aus der obersten Spielklasse abgestiegen, die Kloten Flyers, der HC Fribourg-Gottéron und die SC Rapperswil-Jona Lakers. Die drei Überlebenskünstler gelten in finanzieller- und sportlicher Hinsicht nicht nur in den Medien als unabsteigbar. Nun haben es die Lakers geschafft und stehen zumindest in der Liga-Qualifikation gegen den Meister der Nationalliga-B.

Selbstverständlich hat dies niemand verdient im Umfeld der freundlichen Organisation am Zürichsee, schon gar nicht der flotte Pressechef René Schmid, der nun wie viele seiner Arbeitskolleginnen und Kollegen um seinen Job bangt, wie er nach dem Spiel gegen Ambrì-Piotta im Presseraum erzählt.

Nach verlorener 3:6-Schlacht am Samstag gegen Ambrì-Piotta sagte Trainer Anders Eldebrink «Wenn ich in den Final komme will niemand mit mir reden, wenn ich verliere wollen alle mit mir reden.» Der Schwede hat nicht unrecht, aber Rapperswils Gang in die Liga-Quali schien für die St. Galler bisher noch unwahrscheinlicher als ein Vorstoss in den Playoff-Final.

„Wenn ich in den Final komme will niemand mit mir reden, wenn ich verliere wollen alle mit mir reden.“

— Anders Eldebrink

Seit dem NLA-Aufstieg 1994 konnten sich die Rapperswiler neun Mal vorzeitig in den Playouts retten, ausgerechnet im 70. Jubiläumsjahr verpassen die St. Galler das zehnjährige Playout-Jubiläum. Entgegen der Meldung auf der Club-Homepage und Artikel inkompetenter Medien stehen die Lakers nicht zum ersten-, sondern zum zweiten Mal in der Klubgeschichte in der Ligaqualifikation. Die Saison 1999-00 muss sämtlichen Medien- und Club-Verantwortlichen entgangen sein. Denn da spielte der damalige SC Rapperswil-Jona in der Liga-Qualifikation gegen den NLB-Meister EHC Chur und konnte sich in der «best-of-seven» Serie in fünf Spielen (5:4, 5:1, 4:5nP, 5:2, 3:1) durchsetzen.

Allerdings gibt es dazu ein «aber». Die oberste Spielklasse wurde nach dieser Saison von 10 auf 12 Mannschaften ausgestockt und die beiden NLB-Finalisten EHC Chur und der HC La Chaux-de-Fonds wurden in die NLA promoviert. So gesehen hätten die Rapperswiler wohl (Wobei 1986 der Zürcher SC als A-Letzter gegenüber dem B-Zweiten SC Bern durch den freiwilligen Rückzug Arosas auch nicht oben bleiben durfte) auch nach einer verlorenen Liga-Quali nicht absteigen können. Enger war es nur einmal, in Rapperswils erster NLA-Saison 1994-95 musste der Playout-Final-Verlierer direkt in die NLB absteigen. Die Rosenstädter konnten sich in sechs Spielen (0:7, 5:4nP, 5:4nP, 2:4, 7:4, 7:3) gegen den EHC Biel durchsetzen.

Alles spricht dagegen

2015 spricht eigentlich alles gegen Rapperswil-Jona. Das Jubiläumsjahr (Rapperswil feiert das 70-jährige Jubiläum, Basel stieg 2008 zum 85-Jährigen in die NLB ab, Biel rettete sich im 75-Jährigen erst in der Liga-Quali), die Reduktion in der Liga-Quali von vier- auf zwei Ausländer (im Powerplay spielten stets vier Söldner), der voraussichtliche verletzungsbedingte Ausfall von Kapitän Stefan Hürlimann (wechselt nach der Saison zum EHC Olten) und der Druck der geplanten Zukunft mit dem SC Herisau. Zudem gibts in der Liga-Quali für den Oberklassigen nichts mehr zu gewinnen, sondern nur noch schlimmeres zu verhindern. Dazu ist Topskorer Nicklas Danielsson für die ersten vier Spiele noch gesperrt.

Langnau wie 1998?

Anders als die Lakers werden die SCL Tigers voller Selbstvertrauen in ihre vierte Liga-Qualifikation starten. Zum ersten Mal treten die Langnauer dabei als Aussenseiter an, was sich als Vorteil erweisen kann. Die SCL Tigers haben nicht nur die Qualifikation mit 23 Punkten Vorsprung auf den Tabellenzweiten dominiert, sondern auch die NLB-Playoffs (je 4:0-Siege gegen Thurgau und Langenthal). Erst im Playoff-Final um den B-Meistertitel erwies sich der EHC Olten als echter Prüfstein, also als perfekter Sparringpartner für das bevorstehende Duell gegen die angeschlagenen Lakers.

Die Geschichte spricht allerdings für die St. Galler, drei Mal (2002, 2010 und 2013) besiegten sie die Emmentaler in einer NLA-Playout-Serie. Die Langnauer schickten die Rapperswiler aber bisher in ihre einzige Liga-Qualifikation in der Saison 1999-00. Dazu kommt eine bittere, offene Rechnung aus dem Playout-Final 2013, welche die Tigers nach zwei Jahren endlich begleichen wollen. Statistisch stehen die Chancen für den Underdog bei immerhin 33%, in den letzten 15 Jahren schafften fünf NLB-Meister (zweimal Lausanne, Genf-Servette, Biel und Basel) den Aufstieg. Langnau schaffte die Promotion bereits drei Mal, 1961, 1987 und zuletzt 1998, allerdings noch nach altem Modus.

Duell der Weltmeister von 1987

Mit den beiden Headcoaches Anders Eldebrink (Lakers) und Bengt-Ake Gustafsson (Tigers) stehen sich zwei Weltmeister von 1987 gegenüber. Auch bei ihrem ersten gemeinsamen Weltmeisterschafts-Turnier 1981 in Göteborg holten die ehemaligen Weltklasse-Spieler einst WM-Silber. Danach kreuzten sich ihre Wege als Spieler noch zwei Mal beim Europa-Cup 1994 und 1995, mit Feldkirch (Gustafsson) und Kloten (Eldebrink) gabs zwei Unentschieden (2:2 und 3:3). Nun steht den früheren Teamkollegen als Trainer das brisanteste Direktduell ihrer ganzen Karriere bevor.

Daniel Steiner wechselt auf die kommende Saison nach Biel. (Andreas Hatos)
Daniel Steiner ist der letzte Ambrì-Torschütze 2015. (Andreas Hatos)

28. März 2015

Rapperswil-Jona – Ambrì-Piotta 3:6 (2:1, 0:2, 1:3)
Diners-Club-Arena. – 5306 Zuschauer. – SR Eichmann/Stricker, Espinoza/Küng. – Tore: 2. Pedretti (Kuonen) 1:0. 11. Johansson (Ausschlüsse Stucki; Hächler) 2:0. 14. Lauper (Hall) 2:1. 29. O’Byrne (Lauper) 2:2. 30. Birbaum (Pestoni) 2:3. 51. Aucoin (Pestoni, Bouillon /Ausschlüsse Profico; Lhotak) 2:4. 52. Walsky (Geyer) 3:4. 54. Pestoni (Lhotak) 3:5. 59. Steiner (Poudrier) 3:6 (ins leere Tor). – Strafen: Rapperswil-Jona 5-mal 2 Minuten, Ambrì-Piotta 6-mal 2 Minuten.
Rapperswil-Jona: Wolf; Blatter, Fransson; Hächler, Walser; Fröhlicher, Geyer; Profico; Walsky, Persson, Johansson; Kuonen, Obrist, Pedretti; Ryser, Hürlimann, Schommer; Rizzello, Flavio Schmutz, Sieber; Nils Berger.
Ambrì-Piotta: Zurkirchen; O’Byrne, Zgraggen; Birbaum, Bouillon; Trunz, Sidler; Grieder, Chavaillaz; Steiner, Hall, Lauper; Pestoni, Aucoin, Stucki; Dostoinow, Schlagenhauf, Elias Bianchi; Grassi, Poudrier, Lhotak.

Die Liga-Qualifikation

JahrPaarungSerie
2014Biel – Visp4:1
2013SCL Tigers – Lausanne2:4
2012Ambrì-Piotta – Langenthal4:1
2011Ambrì-Piotta – Visp4:1
2010Biel – Lausanne4:3
2009Biel – Lausanne4:3
2008Basel – Biel0:4
2007SCL Tigers – Biel4:1
2006Freiburg-Gottéron – Biel4:2
2005Lausanne – Basel2:3
2004Lausanne – Biel4:0
2002Chur – Genf-Servette0:4
2001La Chaux-de-Fonds – Lausanne2:4
2000Rapperswil-Jona – Chur4:1
1999SCL Tigers – Chur4:3

Der Mythos um die unbekannte Legende

Stellen Sie sich vor sie gehen am obenstehenden Bild vorbei und erwidern die historische Zeichnung, was tun Sie? Der uninteressierte 08/15-Fan geht weiter ohne das Foto genauer zu betrachten, der etwas ältere Ambrì-Tifosi oder der Eishockey-Historiker wird sich möglicherweise an die drei Spieler erinnern- und deren Namen aus seinem Langzeit-Gedächtnis ausgraben können. Versuchen Sie es gleich selber, bestenfalls werden Sie zwei Namen nennen, denn nicht einmal die Ambrì-Spieler wissen welche ihrer Vorgänger ihren Mannschafts-Car verzieren.

Der erste NHL-Superstar in Europa

Das Luzerner Carunternehmen Gössi aus Horw fährt den HC Ambrì-Piotta jeweils an die Auswärtsspiele. Das Legendentrio ist auf der Rückseite des Cars und lässt einem in längst vergangene Leventiner Zeiten abschweifen. Alle drei Spieler haben in der Valascia Kultstatus erlangt. Links ist Andy Bathgate, der erste grosse NHL-Superstar, der sich in Europa niedergelassen hat. Bathgate bestritt über 1’000 Partien in der NHL und seine Rückennummer 9 hängt unter der Hallendecke des Madison-Square-Gardens. 1971 kam der Kanadier direkt aus Pittsburgh in die Leventina, mit diesem Transfer schaffte es der Tessiner Dorfclub sogar in die «New York Times». Bathgate blieb drei Jahre im Tessin.

Der erste Number-One-Draftpick

Rechts ist das unverkennbare Porträt von Dale McCourt. McCourt wurde 1977 als Nummer 1 von den Detroit Red Wings gedrafted und war 1984 der erste  «NHL-Number-One-Draftpick» in der Schweiz (Nationalliga B). Für die Detroit Red Wings, Buffalo Sabres und Toronto Maple Leafs bestritt der Kanadier über 500 Spiele. Zwischen 1984 und 1992 schoss sich der Mann mit indianischen Wurzeln für die Biancoblu in die Unsterblichkeit, sein Trikot mit der Nummer 15 wird in Ambrì nicht mehr vergeben und hängt unter der Hallendecke der Valascia.

Der Mythos um die unbekannte Ambrì-Legende

Doch wer ist der unbekannte Mann in der Mitte? Seine Darstellung im Mittelpunkt von Bathgate und McCourt lässt darauf schliessen, dass es sich hierbei um die grösste Legende handeln muss. Er trägt das älteste bekannte Ambrì-Trikot und braune Lederhandschuhe. Geschichtlich betrachtet ist es Einer aus der ältesten Epoche des Kultvereins. Ein Foto vom Januar 1939 in Origlio zeigt die Mannschaft des HCAP im selben Trikot. Ist es etwa einer aus dem Celio-Clan? Bixio, Cipriano oder Numa? Auch Ambrìs Presseverantwortlicher und sämtliche anwesende Tessiner Journalisten können den Spieler vorerst nicht identifizieren – der Mythos und das Interesse um den Unbekannten steigt. Wer ist der Mann?

Die drei Legenden auf Ambrì-Piotta's Mannschaftscar verpassen kein Auswärtsspiel. (Foto: Krein)
Die drei Legenden auf Ambrì-Piotta’s Mannschafts-Car von Gössi verpassen kein Auswärtsspiel. (Krein)

Infiziert durch meine Neugierde wird auch Raffaela Agustoni, freischaffende Journalistin, hellhörig und geht ebenfalls auf die Suche nach der unbekannten Legende. Um die sagenhafte Geschichte noch zu steigern, drohe ich den Leventinern mit Ambrìs Gang in die Ligaqualifikation, falls der Name der Ambrì-Legende bis zum Ende der «best-of-seven» Serie gegen die SC Rapperswil-Jona Lakers nicht bekannt sein wird. Per Whatsapp bleibe ich auch nach dem zweiten Play-Out-Finalspiel zwischen Rapperswil-Jona und Ambrì (3:2) mit Signora Agustoni in Kontakt. Die Tessinerin macht sich während des dritten Spiels in der Valascia auf die Suche, Derek Holmes oder Nani Zamberlani kursieren als mögliche Legenden – trotz des zweiten Ambrì-Sieges (4:3nP), bleibt die Legende aber weiterhin nicht bestätigt.


„Der erste Ausländer und Spielertrainer in der Geschichte des HC Ambrì-Piotta.“

— über Bob Kelly

Spiel vier in Rapperswil, wieder betrachte ich das Legenden-Trio auf Gössis Car und frage den Car-Chauffeur Roberto Zilio. Wie erwartet ist auch ihm der mittlere Spieler unbekannt, doch weiss er, dass es sich um ein Kalenderbild aus der vergangenen Saison handelt. Auf der hcap-Homepage findet Zilio unter «Saldi» den «Serigrafia Vintage» mit dem Bild der gesuchten Legenden. Der letzte Mosaikstein scheint in Griffnähe, denn die Namen der drei sind unter dem Porträt publiziert, die Bildauflösung ist aber zu schlecht um die Buchstaben entziffern zu können.

Nach längerer Betrachtung scheint die Morgenröte der Leventina durch die Buchstaben durchzusickern, Bob Kelly? Es muss Bob Kelly sein. Kelly ging 1953 als erster Ausländer und Spielertrainer in die Geschichte des HC Ambrì-Piotta ein. In fünf Jahren realisierte der Kanadier in 70 Spielen, 126 Tore für die Leventiner. Kelly spielte auch noch für die britischen Spitzenclubs Paisley Pirates, Brighton Tigers und Wembley Lions. Kelly starb 2012 im Alter von 83 Jahren. Und der HC Ambrì-Piotta 2015? Wie von Geisterhand zauberten sich die Tessiner im vierten Play-Out-Spiel durch die Rapperswiler Abwehr, nach 15 Minuten lagen die Leventiner durch Tore von Keith Aucoin, Inti Pestoni und Christian Stucki bereits mit 3:0 in Führung. Meine Drohung scheint sich zu bewahrheiten, die Legende ist bekannt und Ambrì realisierte problemlos den dritten Sieg und liegt damit nur noch einen Schritt vom Ligaerhalt entfernt – vielleicht war es auch der Geist Bob Kellys welcher seine Nachkommen übers Eis fliegen liess…

19. März 2015 – Spiel 2

Rapperswil-Jona Lakers – Ambrì-Piotta 3:2 (0:1, 2:1, 1:0)
Diners-Club-Arena. – 4’511 Zuschauer. – SR Koch/Wiegand, Bürgi/Kohler. – Tore: 7. Aucoin (Sidler) 0:1. 29. (28:00) Danielsson (Walser, Schommer /Ausschluss Zgraggen) 1:1. 35. Steiner (Dostoinow /Ausschluss Hürlimann) 1:2. 36. Hürlimann (Ryser) 2:2. 51. Pedretti (Kuonen) 3:2. – Strafen: Rapperswil-Jona 6-mal 2 plus 5 Minuten (Rizzello) plus Spieldauer (Rizzello), Ambrì-Piotta 5-mal 2 plus 5 Minuten (Steiner) plus Spieldauer (Steiner). – Bemerkungen: PostFinance-Topskorer Danielsson; Giroux. Rapperswil-Jona ohne Punnenovs, Valentin Lüthi, Friedli, Frei, Obrist, Neukom, Sven Berger, Thibaudeau (alle verletzt), Persson (krank), Rapuzzi und Penker. Ambrì-Piotta ohne Poudrier, Forget, Masalskis, O’Byrne (überzählige Ausländer), Grassi und Fuchs (beide verletzt). – 10. Zurkirchen hält Penalty von Kuonen. – Murray nach erstem Drittel verletzt ausgeschieden. Timeout Ambri (59:29). – Ambri von 59:21 bis 60:00 ohne Goalie.
Rapperswil-Jona Lakers: Wolf; Walser, Fröhlicher; Fransson, Blatter; Hächler, Profico; Geyer; Danielsson, Johansson, Nils Berger; Kuonen, Walsky, Murray; Ryser, Hürlimann, Schommer; Rizzello, Flavio Schmutz, Pedretti; Sieber.
Ambrì-Piotta: Zurkirchen; Gautschi, Zgraggen; Birbaum, Bouillon; Trunz, Sidler; Grieder, Chavaillaz; Steiner, Hall, Lauper; Pestoni, Aucoin, Giroux; Stucki, Fabian Lüthi, Bianchi; Duca, Schlagenhauf, Dostoinow.

24. März 2015 – Spiel 4

Rapperswil-Jona Lakers – Ambrì-Piotta 0:4 (0:3, 0:1, 0:0)
Diners-Club-Arena. – 4’323 Zuschauer. – SR Eichmann/Wehrli; Bürgi/Kohler. – Tore: 6. Aucoin (Pestoni) 0:1. 14. Pestoni (Aucoin) 0:2. 15. Stucki 0:3. 30. Dostoinow (Schlagenhauf, Zgraggen /Ausschlüsse Hächler, Pestoni) 0:4. – Strafen: Rapperswil-Jona 4-mal 2 Minuten, Ambrì-Piotta 5-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: PostFinance-Topskorer: Danielsson; Giroux. Rapperswil-Jona ohne Punnenovs, Valentin Lüthi, Friedli, Frei, Neukom, Sven Berger, Thibaudeau, Jordan Murray (alle verletzt), Johansson, Rapuzzi und Penker (überzählige Ausländer), Sataric, Nils Berger. Ambri-Piotta ohne Bouillon, Grassi und Fuchs (alle verletzt), Forget, Masalskis, Poudrier (überzählige Ausländer), Gautschi. – 6. Pfostenschuss Aucoin (Ambri-Piotta). 6. Lattenschuss Duca (Ambri-Piotta). -Timeout Rapperswil-Jona (14:36).
Rapperswil-Jona Lakers: Wolf; Walser, Weisskopf; Fransson, Blatter; Hächler, Profico; Geyer, Fröhlicher; Danielsson, Persson, Sieber; Kuonen, Obrist, Walsky; Ryser, Hürlimann, Schommer; Rizzello, Flavio Schmutz, Pedretti.
Ambrì-Piotta: Zurkirchen; O’Byrne, Zgraggen; Birbaum, Chavaillaz; Trunz, Sidler; Kobach; Steiner, Hall, Lauper; Pestoni, Aucoin, Giroux; Stucki, Fabian Lüthi, Bianchi; Duca, Schlagenhauf, Dostoinow; Lhotak.

Bob Kelly

Tino Celio, damals ETH-Student an der Universität Zürich, hatte im Winter 1953 den Auftrag, den ersten Ausländer der Klubgeschichte am Zürcher Hauptbahnhof abzuholen und über den Gotthard in die Leventina zu bringen. Bob Kelly kam direkt aus Schottland, wo er für die Paisley Pirates in 55 Spielen, 88 Skorerpunkte erzielt-, aber die Playoffs verpasst hat. Für einen Wochenlohn von 400 Franken, schoss Kelly am 29. November 1953, bei der 4:6-Niederlage gegen die Grasshoppers, den ersten NLA-Treffer der Leventiner.

2’600 Fans beim 2. Liga-Final

2'614 Zuschauer in der 2. Liga, davon träumen sogar einige NLB-Teams. (Foto: HC Sierre)
2’614 Zuschauer in der 2. Liga, davon träumen sogar einige Teams in der NLB. (Foto: HC Sierre)

Tatort Playoff-Final in der 2. Liga, Gruppe 6, Westschweiz, Spiel 4 zwischen dem HC Sierre und dem Villars HC, 2’614 Zuschauer! Eine 2. Liga-Partie mit mehr als 2’600 Zuschauern? Kaum zu glauben. Mit den beiden Traditionsklubs Villars und Sierre messen sich zwei ehemals Grosse des Schweizer Eishockeys in dieser Finalserie. Immerhin gehörte Villars zu den acht Gründungsmitgliedern der Schweizerischen Eishockeyliga (die anderen sieben waren ebenfalls Romands) und wurde in den 60ern sogar zwei Mal Schweizermeister.

Wie konnte es überhaupt soweit kommen? Während der Villars HC immer noch in der von Madame Potin gesponserten Halle spielt und eigentlich zum Inventar der 1. Liga Westschweizer Gruppe gehört, hat sich Sierre nach dem Zwangs-Abstieg 2013 (notabene unter Trainer Morgan Samuelsson) aus der NLB direkt in der 3. Liga wiedergefunden.

Die Helden um die Gebrüder Croci-Torti und Boucher

Die Villardous (wie sie daheim genannt werden) hatten in der letzten Saison das Pech, die Playoffs in der 1. Liga um einen einzigen Punkt zu verpassen. Vor der Relegationsrunde wurde der Trainervertrag mit dem langjährigen Villars-Crack Gaëtan Boucher verlängert. Doch es kam anders als geplant. Niederlagen gegen Vallée de Joux (mit Coach Beat Kindler) und Yverdon besiegelten den Abstieg der Renards. Das alles hat Boucher an der Bande gar nicht mehr miterlebt. Zunächst wurde er krank gemeldet, anschliessend entlassen.

Das welsche Eishockey-Märchen von einst, erlebt in der 2. Liga eine Renaissance…

Der Abstieg war in Villars-sur-Ollon, wie die Station in den Waadtländer Alpen korrekt heisst, ein Drama. Trotzdem haben sich einige der routinierten Spieler auch für die 2. Liga zur Verfügung gestellt: Sémir Dufresne (Captain und Topscorer), Thierry Marro (der Patrick Kane des armen Mannes, würde Michael Krein in Anlehnung an einen berühmten Chronisten sagen), Nicolas Bernasconi (Ex-Martigny), Yves Jelovac (Bruder des EHC Biel Verteidigers) oder Vincent Ermacora (Ex-Gottéron). Präsident Philippe Bonzon (einst Teil der Meistermannschaft in den 60ern und nicht zu verwechseln mit dem französischen Nationalspieler und ex-Servettien Philippe Bozon!) holte junge Spieler, die in Villars ausgebildet wurden, zurück ins Team. Unterstützung erhalten die Renards auch von Lausanne-Hexer Cristobal Huet, der mit seiner Familie in Villars wohnhaft ist. Seine beiden Söhne spielen für die Nachwuchsteams des VHC und oft ist der französische Nationalgoalie in den Trainings der Youngsters engagiert.

Einst Aldo Zenhäusern und Didier Massy, heute Jan Zenhäusern und Johan Massy

Die Sierrois (oder Siderser) haben im März 2013 die Bilanz deponiert und mussten in der 3. Liga einen Neustart als HC Sierre wagen. Dort hielten sie sich nicht lange auf und sind direkt in die 2. Liga aufgestiegen (23 Siege in 23 Spielen). Das deponieren der Bilanz war auch für die stolzen Walliser ein Drama. Die altehrwürdige Patinoire-de-Graben ist dem Schreibenden noch bestens aus Duellen mit dem EHC Biel Mitte der 90er Jahre bekannt. Seither hat sich im Graben nicht viel geändert. Die mehrheitlich aus Stehplätzen bestehende Tribüne ist immer noch aus Holz – die Ambiance dafür einmalig. Hier wie dort wurde rund um altgediente Spieler junges Personal eingebaut. Der Erfolg hat sich rasch eingestellt. Und Sierre kämpft bereits wieder um den Aufstieg in die höchste Amateurklasse!

Zwischenstand in der Finalserie: 2:2

Am Sonntag um 20 Uhr wird es in der Patinoire-de-Villars nochmals heiss zu und her gehen. Die beiden Teams treffen sich zum alles entscheidenden fünften Finalspiel. Die Kapazitäten der Halle in Villars liegen zwar deutlich tiefer als in Sierre – aber mehr als 1’000 Zuschauer werden auch am Sonntag wieder ihre Teams anfeuern. Der Sieger wird sich in einer weiteren best-of-five Serie mit dem HC Star La Chaux-de-Fonds um den Romand-Titel in der 2. Liga messen. Eigentlich würde es sich lohnen, dabei zu sein…

Sierres Michaël Pont im Zweikampf mit Villars' xxx. (Foto: HC Sierre).
Am Sonntag kommt’s in Villars zum 2. Liga-Showdown zwischen Michaël Pont (links) und Mathieu Kohli. (HC Sierre).

Die 77er Dauerbrenner

Um mit den Topnationen mithalten zu können, brauche die Schweiz mehr Spieler vom Format eines Mark Streit oder Martin Plüss. Diese Aussage hat Reijo Ruotsalainen an der Eishockey Weltmeisterschaft 2009 in Bern gemacht. Der Weltklasse-Verteidiger weiss wovon er spricht, der finnische Internationale hat mit dem SC Bern zwischen 1988 und 1992 drei Meistertitel geholt.

Nach einer kurzen Rückkehr für 18 Spiele beim damaligen Zürcher SC beendete der hervorragende Schlittschuhläufer 1996 seine Schweizer Karriere. In der National-Hockey-League (NHL) bestritt der in Oulu geborene Finne zwischen 1981 und 1990, 532 Spiele (84 Tore, 75 Assists) für die New York Rangers, Edmonton Oilers und die New Jersey Devils. 1987 und 1990 gewann er mit den Oilers den Stanley-Cup, 1986 spielte er nach Jari Kurri als zweiter Finne an einem NHL All-Star-Game.

Im gleichen Jahr als Ruotsalainen 1977 als 17-Jähriger in der SM-liiga debütierte, erblickten die beiden von Ruotsalainen gelobten Schweizer Martin Plüss (5. April) und Mark Streit (11. Dezember) das Licht der Welt. Plüss und Streit gehören heute zu den weltbesten Spieler ihres Jahrgangs. Doch dies war nicht immer so.

Als Nachwuchsspieler nie erste Wahl

Ab 1995 wurde in der Schweiz ein inoffizielles Ranking mit den besten Nachwuchsspielern des Landes geführt. Plüss wurde damals noch nicht einmal unter den Top 21 Stürmer berücksichtigt. Ein Jahr später lag der Dielsdorfer immerhin auf Rang 14. Mark Streit wurde 1995 als 9. und 1996 als 7. Verteidiger, hinter Spielern wie Jerry Zuurmond oder Daniel Aegerter geführt.

An der U20 Weltmeisterschaft 1996 in Boston gehörten die beiden zwar zum berühmten Juniorenteam welches erstmals mit den ganz grossen (1:2 gegen Kanada) mitspielen konnte, die beiden waren (Jahrgänge 1976 und jünger) aber erst Ergänzungsspieler. Streit schoss in fünf Partien ein Tor, Plüss blieb blieb in sechs Spielen punktelos. Punktbester Schweizer mit Jahrgang 1977 war Grasshoppers-Stürmer André Baumann. Baumann beendete seine Karriere 1999 in der NLB bei Lausanne.

1997 erstmals im Rampenlicht

Ein Jahr später an der Junioren Heim-WM 1997 in Genf und Morges erreichten die beiden mit dem 7. Platz das bis damals beste Ergebnis einer Schweizer U20-Nationalmannschaft. Plüss lag hinter dem um zwei Jahre jüngeren damaligen Supertalent Michel Riesen schon an zweiter Stelle der internen Skorerliste. Streit schoss das erste Tor für die Schweiz beim wichtigen 1:1 gegen Tschechien und spielte sich als erst zweiter Schweizer, nach Pauli Jaks 1991, in ein U20 WM All-Star-Team.

Den Titel holten sich die Kanadier. Unter Headcoach Mike Babcock standen unter anderem Christian Dubé, Daniel Brière und der erst 18-jährige Joe Thornton im Weltmeisterteam von Genf. Im 22-Mann Kader des Weltmeisters standen 17 Spieler mit Jahrgang 1977, davon spielten 14 später in der NHL. Heute noch aktiv in der besten Liga der Welt ist aber nur noch, mehr schlecht als recht, Daniel Brière (Colorado Avalanche). Der zweite heute noch aktive Weltmeister ist Kanadas Junior des Jahres 1996, Christian Dubé (Fribourg-Gottéron). Die beiden Jahrhundert-Talente der 90er Jahre stehen heute in ihren Ligen nur noch im Schatten ihrer Altersgenossen Streit und Plüss.

Nur noch neun Spieler mit Jahrgang 1977 spielen in der NHL, in der Schweiz sind es nur noch fünf

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In der NHL sind heute (Stand März 2015) nur noch neun Spieler mit Jahrgang 1977 unter Vertrag. Die Verteidiger Zdeno Chara (Boston), Willie Mitchell (Florida), Stéphane Robidas (Toronto), Marek Zidlicky (New Jersey) und Mark Streit, sowie die Stürmer Kevyn Adams (Pittsburgh), Daniel Brière, Jarome Iginla (beide Colorado) und Shawn Thornton (Florida). Ausser vielleicht Jarome Iginla und Zdeno Chara hat heute keiner nur annähernd eine so tragende Rolle wie Streit in Philadelphia. Dasselbe gilt für Martin Plüss in der Schweiz. Auch da ist die einzige Ausnahme ZSC-Lions-Captain Mathias Seger. Die weiteren 77er Dubé (wird er Sportchef in Fribourg?), Joël Kwiatkowski und Byron Ritchie haben ihren Zenit längst überschritten.

Dauerbrenner Streit und Plüss

SCB-Captain Plüss spielt mit 37 Jahren vielleicht so gut wie nie zuvor und erreicht seine zweithöchste Punktzahl (45 Punkte) in der Skorerwertung seiner ganzen NLA-Karriere. Nur 2001 war er noch besser (Nicht berücksichtigt sind die 50 Punkte aus der Saison 2006-07 in der schwedischen Elitserien bei Frölunda Göteborg). Der SCB-Teilzeit Captain und Topskorer ist auf und neben dem Eis immer noch der absolute Leader und wurde, nach 2001 und 2013, zum dritten Mal in seiner Karriere zum wertvollsten Spieler (MVP) der NLA gewählt.

Philadelphia-Assistenz-Captain Streit steht mit 37 Jahren unter den Top-12 aller NHL-Verteidigern und liegt aktuell nur drei Zähler hinter seinem Altersgenossen und Mittelstürmer Iginla in der Gesamt-Skorerwertung. Aktuell ist Streit statistisch der weltbeste Verteidiger in seinem Jahrgang und er gehört auf und neben den Eis zu den Führungspersönlichkeiten des Teams von Headcoach Craig Berube. Selbst die NHL-Werte Ruotsalainens hat Streit, mit Ausnahme des Stanley-Cup-Gewinns, längst geknackt – und aktiv ist er mindestens noch bis 2017 und steht dann in seinem 40. Lebensjahr.

1977er in obersten Spielklassen

SpielerKlub
Jiri BurgerVitkovice
Ilja GorochowLokomotiv Jaroslawl
Jochen HechtAdler Mannheim
David HruskaKarlovy Vary
Petr KadlecSkoda Pilsen
Tomi KallioVäxjö Lakers
Alexei KaljuschnjDynamo Minsk
Ondrej KratenaSkoda Pilsen
Ville NieminenLukko Rauma
Marcus NilsonDjurgarden Stockholm
Esa PirnesKärpät Oulu
Ales PisaPardubice
Jaroslav RoubikPardubice
Radovan SomikPardubice
Alexei WassiljewLokomotiv Jaroslawl
Lukas ZibVitkovice

Wenn der Slogan verwirrt

Beschwerlich ist sie manchmal, die Anreise ins bündnerische Landwassertal, an einem Freitag dauert sie geschlagene vier Stunden. Meistens bleibt da auch keine Zeit für einen Zwischenhalt und wenn du in Davos einfährst hast du Hunger und bist Müde, verschwitzt, hast Durst und musst auf die Toilette, doch eigentlich solltest du in voller Frische deinen Arbeitstag starten. Dies geschieht dann auch, nach abarbeitung der Aufzählung bei der Einfahrt.

Nach der Auffrischung führt der Gang zum Davoser Medienraum entweder durch den inneren Teil der Kathedrale, vorbei vor der Davoser-Fankurve, welche sich schon eine Stunde vor Spielbeginn weit in bierlagigem Zustand befindet oder den Weg aussen um die «Eissporthalle», um dann nochmals das Presseticket vorzuweisen.

Im Davoser Medienraum angekommen hängt das Plakat «DAVOS HOCKEY ZUHAUSE IST.» Was ist denn dass für ein Satz? Germanismen mit Mundart gekreuzt. Eigentlich noch ein cooler Slogan mit coolem Wortspiel, doch warum in zwei Sprachen? «Da vos Hockey dahei isch.» Der Deutsche wird den Slogan zu Beginn nicht verstehen und der Schweizer versteht die durchmischung der Sprachen nicht.

«Zuhause ist» Davos an diesem Abend gegen die ZSC Lions der Verlierer. Zu «Reden-» gibt nicht nur das Werbeplakat, sondern HCD-Neuzugang «bach», oder eben Tyler Redenbach. Reden tut er auch nach dem Spiel, zusammen mit Morris Trachsler, Andres Ambühl und Samuel Guerra im SRF-Interview: «Davos Hockey zuhause ist» oder «Da vos Hockey dahei isch?» Nachhause fahren heissts dann auch für den erneut durch Hunger geplagten, müden, verschwitzten und durstigen Mann aus dem Unterland, einzig der Gang zur Toilette wird noch in Davos erledigt.

20. Februar 2015 – 48. Spieltag

Davos – ZSC Lions 1:2 (0:0, 1:1, 0:1)
Vaillant Arena. – 5’247 Zuschauer. – SR Fischer /Kurmann, Bürgi /Fluri. – Tore: 23. Trachsler (Bergeron, Nilsson) 0:1. 35. Redenbach (Axelsson, Heldner) 1:1. 50. Shannon (Malgin) 1:2. – Strafen: Je 3-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: Davos ohne Reto von Arx, Koistinen, Camperchioli, Lindgren und Sciaroni, ZSC Lions ohne Seger, Keller, Bastl, Neuenschwander, Smith und Fritsche (alle verletzt/krank). Davos ab 59:07 ohne Torhüter.
Davos: Genoni (Senn); Du Bois (2), Kindschi; Heldner, Forster; Jan von Arx, Guerra; Schneeberger (2), Paschoud; Marc Wieser, Ambühl, Dino Wieser; Hofmann, Redenbach, Paulsson; Aeschlimann, Corvi, Axelsson; Simion, Walser (2), Jörg.
ZSC Lions: Flüeler (Boltshauser); Geering, Tallinder; Tabacek, Bergeron; Blindenbacher, Siegenthaler; Karrer, Schnyder; Baltisberger, Cunti (2), Wick; Künzle, Shannon (2), Malgin; Bärtschi, Trachsler, Nilsson; Bachofner, Senteler, Schäppi (2).

Advents- und Scouting-Zeit

Sie tummeln sich wieder in den Eisstadien Europas, die Späher der National-Hockey-League (NHL). Allein am letzten Wochenende mit drei Spielrunden waren ein Dutzend NHL-Scouts in der Schweiz unterwegs. Die beiden Scouts der Buffalo Sabres, Fredrik Andersson und Teemu Numminen pendeln von Bern via Zürich nach Kloten. In Bern beobachten die beiden Skandinavier unter anderem Christoph Bertschy (Game-Winning-Goal), dessen Rechte allerdings schon bei den Minnesota Wild liegen. In Zürich sind es Jonas Siegenthaler und Denis Malgin, in Kloten sind es die jungen Davoser welche die Späher kurz vor ihrem Rückflug interessieren. Auch Pittsburgh-Scout Tommy Westlund ist in Zürich und Kloten anzutreffen.

Ehemalige Spieler 

Andersson, und Numminen waren einst selber Spieler. Andersson langjährier Torhüter bei MoDo Hockey Örnsköldsvik und Numminen war einst auf dem Weg in die NHL seinem älteren Bruder Teppo Numminen zu folgen. Wie Teppo, wurde auch der fünf Jahre jüngere Teemu von den Winnipeg Jets gedrafted, allerdings blieb es beim Draft. Nun beobachtet er selber mögliche Draft-Kandidaten für die Buffalo Sabres. Die beiden Skandinavier sind für das Amateur-Scouting in Europa zuständig. Als Pro-Scout in Buffalo ist übrigens Ex Bern- und Lausanne Trainer John van Boxmeer tätig.

Kalevi Numminen 

Apropos Trainer, Teppo- und Teemus Vater Kalevi Numminen ist in Finnland eine Legende, nach ihm ist sogar die Auszeichnung für den SM-liiga-Trainer des Jahres benannt. Vier Gewinner der Kalevi-Numminen-Trophy waren schon Trainer in der Schweiz. Ex Zug-Trainer Rauno Korpi gewann die Trophäe 1982, 1986 und 1987, der langjährige Kloten-Ausbildner Wladimir Jursinow wurde zwischen 1993 und 1995 drei Mal in Serie ausgezeichnet, ex SCB-Coach Hannu Jortikka zwischen 1999 und 2001 ebenfalls. Der vierte ist Raimo Summanen 2002.


Connor McDavid und Jack Eichel sind die heissesten Anwärter für die Nummer Eins

— Teemu Numminen (Buffalo Sabres)

Kalevi und Teppo Numminen haben bereits Eishockey-Geschichte geschrieben, Teemu Numminen soll als Scout zumindest den europäischen Teil des Kapitels der Buffalo Sabres von Morgen schreiben. Zu den heissesten Draft-Kandidaten für den Number-One-Draft 2015 zählen der Kanadier Connor McDavid (Erie Otters) und der Amerikaner Jack Eichel (Boston University). Die ersten Europäer sind auf den Positionen sieben und dreizehn des Rankings des International-Scouting-Services (ISS) vertreten: Oliver Kylington von Färjestads BK Karlstad und der Finne Mikko Rantanen von TPS Turku.

Die Schweizer Draft-Kandidaten

Die hoffnungsvollsten Schweizer Talente des ISS-Rankings sind Jonas Siegenthaler und Denis Malgin (Sohn von Albert Malgin) und dürften beim Draft vom nächsten Juni (26./27.) in Sunrise, Florida zum Zug kommen. Auf der nordamerikanischen Liste stehen die beiden in der Quebec-Major-Junior-Hockey-League (QMJHL) engagierten Kay Schweri (Sherbrooke Faucons) und Timo Meier (Halifax Mooseheads).

Unter Beobachtung stehen auch weitere Schweizer Talente wie Dominik Diem (GCK Lions), Colin Fontana (HC Lugano), Fabian Haberstich (SCL Tigers), Auguste Impose (HC Genf-Servette), Roger Karrer (GCK Lions), Timo Haussener (Rapperswil-Jona), Calvin Thürkauf (Zug) sowie die Berner Luca Hischier, Yanik Burren und Dario Meyer.

5. Dezember 2014

Bern – Ambrì-Piotta 4:1 (2:1, 2:0, 0:0)
PostFinance Arena. – 15’771 Zuschauer. – SR Michael Küng/Stricker, Dumoulin/Peter Küng. – Tore: 29. Giroux (Aucoin /Ausschluss Pestoni!) 0:1. 34. Loichat (Scherwey, Blum) 1:1. 40. (39:15) Bertschy (Blum /Ausschluss Lauper) 2:1. 49. Gardner (Scherwey) 3:1. 57. Gardner (Martin Plüss, Ritchie /Ausschluss Grieder) 4:1. – Strafen: Bern 5-mal 2 Minuten, Ambri-Piotta 6-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: Bern ohne Kobasew, Reichert und Philippe Furrer, Ambri-Piotta ohne O’Byrne, Grassi, Elias Bianchi, Zurkirchen, Flückiger (alle verletzt). – Pfostenschuss Holloway (46.).
Bern: Bührer; Beat Gerber, Blum; Krueger, Gragnani; Jobin, Flurin Randegger; Kreis; Holloway, Ritchie, Cloutier; Bertschy, Martin Plüss, Scherwey; Simon Moser, Gardner, Ruefenacht; Alain Berger, Pascal Berger, Loichat.
Ambri-Piotta: Tobler; Birbaum, Bouillon; Gautschi, Zgraggen; Trunz, Sidler; Grieder, Chavaillaz; Daniel Steiner, Hall, Lauper; Stucki, Aucoin, Giroux; Duca, Schlagenhauf, Dostoinow; Pestoni, Fuchs, Lhotak.

7. Dezember 2014

Kloten – Davos 5:1 (3:0, 2:1, 0:0)
Schluefweg. – 6’923 Zuschauer (Saisonrekord). – SR Kurmann/Wiegand, Dumoulin/Küng. – Tore: 2. Schelling (Guggisberg, Hollenstein) 1:0. 11. Liniger (Guggisberg, Stancescu) 2:0. 20. (19:39) Kellenberger (Schelling) 3:0. 28. Guggisberg (Kellenberger, Back /Ausschluss Axelsson) 4:0. 31. Marc Wieser (Paschoud) 4:1. 37. Casutt (Guggisberg) 5:1. – Strafen: Kloten 5-mal 2 Minuten, Davos 6-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: Kloten spielt im Jubiläums-Jersey (80 Jahre). Kloten ohne Gerber, Jenni, Bühler, Stoop und Santala, Davos ohne Dino Wieser, Du Bois, Forster, Kindschi und Schommer (alle verletzt). Timeout Davos (11.).
Kloten: Müller; Back, von Gunten; DuPont, Harlacher; Vandermeer, Frick; Schelling, Randegger; Hollenstein, Bieber, Bodenmann; Praplan, Liniger, Stancescu; Leone, Lemm, Mueller; Guggisberg, Kellenberger, Casutt.
Davos: Genoni; Guerra, Reto von Arx; Schneeberger, Koistinen; Jung, Camperchioli; Jan von Arx, Paschoud; Ryser, Ambühl, Axelsson; Marc Wieser, Lindgren, Paulsson; Sciaroni, Walser, Hofmann; Simion, Corvi, Jörg.

Der Schlüssel zu Kochlöfl

Kennen sie den Kochlöffel? Vielleicht den aus der Küche, nicht aber Jaroslav Kochlöfl, es sei denn sie sind ein Anhänger des EV Zug oder ein Kenner des tschechoslowakischen Eishockeys. Jaroslav Kochlöfl immigrierte 1971 als tschechoslowakischer Flüchtling in die Innerschweiz. Kochlöfl spielte in der Saison 1971-72 beim damaligen Erstligisten EV Zug und wurde in seiner einzigen Zuger Saison mit 21 Toren und 4 Assists in 17 Spielen Topskorer. Dieser Status befördert den Exil-Tschechoslowaken in die Kategorie Drei der «EVZ Wall-of-Fame». Das bedeutet «mindestens fünf Saisons beim EVZ oder mindestens eine Saison EVZ-Topskorer». Wer in Zug an die Wände kommt, wird nach einem genauen Schlüssel definiert.

Jaroslav Kochlöfl, Mitglied er «EVZ Wall-of-Fame»
Jaroslav Kochlöfl, entspricht dem Schlüssel zur «EVZ Wall-of-Fame» (Krein)

Patrick Fischer und Patrick Fischer 

Zwei Kategorien höher und zwei Schriftklassen grösser ist der Status von Patrick Fischer II. Der Verteidiger bestritt zehn Saisons für die Zuger und trat im vergangenen Sommer zurück. Fischer wird vor dem Spiel gegen den HC Lugano (1:7) offiziell in der Kategorie Eins der Wall-of-Fame aufgenommen. Ebenfalls auf der Wall-of-Fame steht Lugano-Trainer Patrick Fischer. Zusätzlich hängt Fischers Rückennummer 21 unter der Hallendecke der Bossard-Arena. Damit erfüllt der ehemalige Zuger-Junior mindestens vier von fünf Kriterien, Fischer erfüllt sogar noch ein weiteres Kriterium, welches ihm dann die Ehre einer «Retired Number» unter dem Hallendach gebührt.

Lugano-Trainer Patrick Fischer steht unter seiner gesperrten Rückennummer 21 in Zug. (Krein)

Peter Andersson und Peter Andersson

Peter Andersson spielte ebenfalls in Zug. Gemeint ist aber nicht Luganos aktueller Assistenzcoach und Vater von Ex-Zug-Spieler Calle Andersson, sondern Peter Andersson aus Timra. Zugs Peter Andersson spielte in der Saison 1989-90 beim EVZ und ist aktuell Assistenzcoach bei den SCL Tigers. Peter Andersson (II) aus Karlstad steht seit 2013, als Assistent von Patrick Fischer an der Bande der Bianconeri. Und was macht der andere Patrick Fischer? Sein Name steht auf der Wall-of-Fame, ganz in der Nähe von Kochlöfl. Der Wall-of-Fame würdig sind an diesem Abend aber nur die Spieler von Luganos Patrick Fischer.

Zug – Lugano 1:7 (0:5, 0:1, 1:1)
6’706 Zuschauer. – SR Eichmann/Prugger, Bürgi/Rohrer. – Tore: 4. Bertaggia (Filppula) 0:1. 5. Klasen (Pettersson) 0:2. 8. Pettersson (Klasen, Steinmann) 0:3. 11. Walker (Andersson, Klasen) 0:4. 18. Filppula (Pettersson, Chiesa /Ausschluss Ramholt; McLean) 0:5. 24. Vauclair (Dal Pian) 0:6. 55. Filppula (Klasen, Pettersson /Ausschluss Lüthi) 0:7. 57. Ramholt (Bouchard, Grossmann) 1:7. – Strafen: Zug 8-mal 2 Minuten, Lugano 6-mal 2 plus 10 Minuten (Chiesa). – Bemerkungen: Zug ohne Holden, Blaser, Morant, Bürgler (alle verletzt), Lugano ohne Kostner, Balmelli (beide verletzt), Walsky (krank). PostFinance-Topskorer: Bouchard; Pettersson. 11. Pfostenschuss von Lüthi und Timeout von Zug.
Zug: Stephan (21. Hauser); Schlumpf, Sondell; Ramholt, Grossmann; Alatalo, Lüthi; Stämpfli, Erni; Martschini, Sutter, Suri; Christen, Earl, Bouchard; Lammer, Diem, Schnyder; Zangger, Marchon, Herzog.
Lugano: Manzato; Ulmer, Vauclair; Andersson, Hirschi; Chiesa, Kienzle; Maurer, Kparghai; Walker, Filppula, Bertaggia; Pettersson, Steinmann, Klasen; Murray, McLean, Reuille; Dal Pian, Sannitz, Kuonen.

Der erfolgreichere Gretzky?

Gerd Zenhäusern (rechts) ist beim überbrücken der Wartezeit sichtlich gerührt von seinem Bild als 16-jähriger Schnösel. Beobachtet von SRF-Aufnahmeleiter Silvan Schmutz. (Hervé Chavaillaz)

Gerd Zenhäusern (42) soll neuer HC Fribourg-Gottéron werden, vermeldet die «Le Matin» schon in aller Frühe des besagten Samstags, am 18. Oktober 2014.

Der Auftrag war klar für alle Medienschaffende. Trotz des Berner-Derbys gegen den SC Bern stand eigentlich nur Biels «Noch-Assistenztrainer» im Fokus. Allerdings gab es da noch ein kleines Problem, offiziell wurde Zenhäuserns Wechsel von Gottéron noch nicht bestätigt, dennoch würde ich nach dem Spiel den neuen Fribourg-Trainer zu seinem Wechsel befragen dürfen.

Pressemitteilung erst nach dem Spiel

Fribourg gibt bekannt, seinen neuen Trainer am Samstag nach dem Spiel gegen den HC Davos um 22 Uhr 15 offiziell per «Communiqué de presse» zu verkünden. Währenddessen schreitet die Partie zwischen Biel und Bern in rasantem Tempo und wenig Unterbrüchen voran. Beide Mannschaften agieren diszipliniert und nach der 3:1-Führung der Gäste aus Bern scheint auch eine Verlängerung kein Thema zu sein. Nach einer ersten Hochrechnung müsste das Spiel in Biel um ca. 21 Uhr 55 zu Ende sein, dass heisst 20 Minuten zu früh für das Zenhäusern-Interview. Kann ich den neuen Fribourg-Trainer nach dem Spiel so lange hinhalten?

Er übernimmt seine Aufgaben für den Club ab Montag den 20. Oktober 2014.

Pressemitteilung HC Fribourg-Gottéron

Selbstverständlich bin ich vorbereitet, denn ich habe genügend Infos über Zenhäusern in meinem psychischen Lexikon dabei. Zenhäusern betrat nämlich als 3-jähriger erstmals das Bieler Eis. Mit Sechs stand er bei den Bieler Moskitos im Einsatz, weil Vater Aldo Zenhäusern (bildete das Meister-Backpaar Zenhäusern-Kölliker 1978 und 1981) zur gleichen Zeit für seine Familie die Brötchen in Biel verdiente.

Gretzky einst Zenhäuserns Idol

Als 16-Jähriger eiferte Gerd seinem Eishockey-Idol Wayne Gretzky nach, als Headcoach dürfte Gretzky (2005-09 erfolglos bei den Phoenix Coyotes) bei Gerd seinen Idol-Status aber verloren haben. Der im freiburgischen Courtepin wohnhafte Walliser führte im Frühjahr 2013, in seinem ersten Job als Headcoach, den HC Lausanne in die NLA. Als Nachfolger von Hans Kossmann kann er in Fribourg eigentlich nur gewinnen, ist er als Trainer gar der bessere Gretzky? … die Nachricht aus der Patinoire St-Léonard (heute BCF-Arena) erreicht mich früher als erwartet, um 22 Uhr 04 per SMS von Blog- und SRF-Kollege Mathias Marti … es kann losgehen mit dem neuen Headcoach von Gottéron.

Biel – Bern 1:4 (1:0, 0:2, 0:2)
Eisstadion. – 5’342 Zuschauer (Saisonrekord). – SR Michael Küng/Vinnerborg, Ambrosetti/Peter Küng. – Tore: 3. Ehrensperger (Untersander, Kamber) 1:0. 28. Bertschy (Gragnani, Kobasew) 1:1. 38. Alain Berger 1:2. 49. Bertschy (Kobasew, Krueger) 1:3. 59. Ruefenacht (Holloway, Gerber) 1:4 (ins leere Tor). – Strafen: je 2mal 2 Minuten. – Bemerkungen: PostFinance-Topskorer: Arlbrandt (Biel); Ritchie (Bern). Biel ohne Berthon, Olausson (beide verletzt), Tschantré und Joggi (beide krank), Bern ohne Moser (verletzt). Timeouts: Biel (58); Bern (45.). Biel von 58:25 bis 58:54 ohne Goalie.
Biel: Rytz; Rouiller, Gossweiler; Cadonau, Fey; Steiner, Wellinger; Untersander, Jelovac; Umicevic, Haas, Mosimann; Arlbrandt, Peter, Spylo; Rossi, Wetzel, Ulmer; Ehrensperger, Kamber, Herburger.
Bern: Bührer; Gerber, Blum; Gragnani, Jobin; Krueger, Furrer; Kreis, Randegger; Kobasew, Plüss, Bertschy; Alain Berger, Reichert, Pascal Berger; Holloway, Ritchie, Scherwey; Ruefenacht, Gardner, Rüfenacht.

Der Berner will Aromat

Spielt Bern in Europa bleibt die Stehrampe zu. Dies ist bereits in den 90er Jahren so. Anlässlich des Europa-Cups 1991-92 gastiert zum Auftakt des Halbfinalturniers der jugoslawische Vertreter Olimpija Laibach – gerade mal 800 Leute wollen den Schweizermeister gegen den unbekannten Gegner sehen. 23 Jahre später bleibt die Stehrampe, wie zu Gilligans-Zeiten, wieder zu. Der Gegner kommt aber nicht aus Jugoslawien, sondern aus dem Land des WM-Finalisten Finnland.

„Dr Bärner wott Aromat“ sagt Massimo Rocchi in seiner Nummer, „ja dr Bärner wott Langnou u Bieu“ – quasi das Aromat des hiesigen Hockeylandes statt ein neues, unbekanntes Gewürz aus dem hohen Norden. Ausgerechnet in Bern klappts nicht mit Europa, der Zuschauerkrösus Europas glänzt seit 2001 nur in der heimischen, bekannten Meisterschaft. „Kommen die Finnen ist keiner mehr dinnen“ oder „kommt Tappara ist keiner mehr da“ oder eben, wie Rocchi es passend in seiner Nummer „Essen in der Schweiz“ beschreibt, der Berner will Aromat.


„Dr Bärner wott Aromat.“

– Massimo Rocchi, über das Essen in der Schweiz

In den beiden CHL-Partien gegen die europäischen Topadressen Ocelari Trinec und Tappara Tampere füllen die 4’677 und 4’731 Fans nicht einmal die 6’800 Sitzplätze und bringen den SCB auf einen Schnitt von 4’704 Fans pro Spiel. Damit liegt Europas Krösus in Europas Königsklasse zuschauermässig nur auf Rang sieben. Der 08/15-Fan kann (noch) nichts mit der neugeschaffenen CHL anfangen. Erstens verfügt er nur über mangelnde Kenntnisse und zweitens reicht sein Hockey-Horizont knapp bis zu den Tribünen des Stade-de-Suisse, schade eigentlich.

Die ersten 50 Minuten geben dem 08/15-Fan jedoch recht, denn die Partie gegen Tappara beginnt erst nach 49 Minuten, ab da wird dann alles geboten was ein Spitzenspiel haben muss: Spannung, Aufholjagd, Penalty in der Overtime, Schlägereien und als Krönung noch das Penaltyschiessen mit einem Berner Sieg. Was will man mehr? Aromat? Nach der Niederlage gegen Trinec sagt ein SCB-Funktionär: «diä Tschämpiens-Liiig isch doch ä Schissdräck» und nach dem Knüller gegen Tappara sagt Trainer Guy Boucher immerhin: «Ich konnte mein Team im Penaltyschiessen beobachten», doch so richtig angekommen ist der SCB noch nicht.

Zuschauer (alle 2 Heimspiele)

#ClubLandSchnitt
1.Eisbären BerlinDe5’930
2.Hamburg FreezersDe5’509
3.Adler MannheimDe5’250
4.KosiceSlk5’124
5.LinköpingSd4’824
6.Frölunda GöteborgSd4’723
7.BernSz4’704
8.Genf-ServetteSz4’645

Vor sechs Jahren  

An die Zahlen der Champions-Hockey-League, der Ausgabe 2008-09, kommen die Berner nach zwei Partien ebenfalls nicht. 6’756 und 7’057 wollen im Herbst 2008 die beiden Spiele (Schnitt 6’907) gegen die Espoo Blues und HV71 Jönköping sehen.

4. September 2014 – 3. Runde (Gruppe E)

Bern – Ocelari Trinec 0:4 (0:3, 0:1, 0:0)
PostFinance-Arena. – 4’677 Zuschauer. – SR Schukies (De) /Wiegand, Kohler /Rohrer (alle Sz). – Tore: 5. Orsava (Jasek) 0:1. 7. Zejdl (Polansky, Nosek /Ausschluss Scherwey) 0:2. 20. Zejdl (Nosek, Troncinsky /Ausschluss Plüss) 0:3. 33. Orsava (Matus) 0:4. – Strafen: Bern 4-mal 2 Minuten, Ocelari Trinec 6-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: Bern ohne Kobasew, Moser (verletzt) und Wellinger überzählig. 
Bern: Bührer; Krueger, Furrer; Gerber, Blum; Jobin, Gragnani; Kinrade, Kreis; Holloway (2), Ritchie, Rüfenacht; Pascal Berger, Plüss (2), Reichert; Bertschy, Gardner, Scherwey (2); Loichat (2), Randegger, Alain Berger.
Ocelari Trinec: Hamerlik; Klesla (2), Roth; Nosek, Linhart; Doudera, Troncinsky; Ciencala, Galvas; Kreps, Plihal (2), Dravecky; Irgl (2), Polansky (2), Rufer (2); Jasek, Zejdl, Orsava (2); Ruzicka, Matus, Kindl.

Hier gehts zum SRF-Beitrag

6. September 2014 – 4. Runde (Gruppe E)

Bern – Tappara Tampere 4:3nP (0:0, 2:0, 1:3, 1:0)
PostFinance-Arena. – 4’731 Zuschauer. – SR Eichmann /Hribik (Sz/Tsch), Fluri /Kovacs (Sz). – Tore: 25. Ritchie (Holloway, Rüfenacht) 1:0. 37. Ritchie (Gardner, Holloway /Ausschlüsse Alain Berger; Kankaanperä, Mäkinen) 2:0. 49. Pascal Berger (Reichert, Gerber) 3:0. 53. Kaksonen 3:1. 56. Kolomatis (Kuusela, Erkinjuntti) 3:2. 59. Aalto (Tappara ohne Torhüter) 3:3. – Penaltyschiessen: Furrer -, Peltola -, Ritchie -, Da Costa 0:1, Gardner -, Palola -, Holloway 1:1, Jormakka -, Plüss -, Kuusela -, Palola -, Pascal Berger 2:1. – Strafen: Bern 7-mal 2 Minuten, Tappara Tampere 4-mal 2 plus 5 Minuten plus Spieldauer (Kankaanperä). – Bemerkungen: Bern ohne Kobasew, Moser (verletzt) und Wellinger (überzählig). – 56. Time-out Bern. Tappara Tampere ab 57:51 bis 58:49 ohne Torhüter. 63. Kinrade verschiesst Penalty.
Bern: Bührer; Kinrade, Kreis; Gerber (2), Blum; Jobin, Gragnani; Furrer (2); Bertschy (2), Gardner, Scherwey; Holloway (2), Ritchie, Rüfenacht; Pascal Berger, Plüss (2), Reichert; Loichat, Randegger, Alain Berger (4).
Tappara Tampere: Metsola; Aalto, Mäntylä; Kolomatis, Saravo; Mäkinen (2), Kankaanperä (25); Rauhala, Elorinne; Kuusela (2), Malinen, Erkinjuntti; Palola, Järvinen, Jormakka; Karjalainen (2), Green (2), Kallela; Da Costa, Peltola, Kaksonen.

Hier gehts zum SRF-Beitrag

Via Würenlos nach Stockholm

Der schwedische Vizemeister Färjestads BK Karlstad gastiert im Rahmen der Champions-Hockey-League (CHL) in Zürich. Beim Spaziergang ums alterwürdige Hallenstadion rollt ein Fussball direkt vor meinen Augen auf die Hauptstrasse. Selbstverständlich schnappe ich mir noch vor einem anbrausenden Auto den Ball, wie ich mich zurückdrehe winkt mir Färjestad-Keeper Justin Pogge (Foto oben) zu und bittet um den Ball, wie könnte es auch anders sein, denn BK steht schliesslich für «Boll Klub.»

Mein Spaziergang führt mich, vorbei an der Chad-Silver-Bronzeplastik, welche ursprünglich für die Weltmeisterschaft 1998 erstellt worden ist, weiter ins benachbarte «Stadiönli» in Oerlikon. Drinnen läuft grad ein Freundschaftsspiel zwischen den «Minis» der GCK Lions und dem HC Dragon/Thun. An der Bande der Berner Oberländer steht der ehemalige Nationalmannschafts-Verteidiger Christian Silling.

Die WM-Plastik von 1998, wurde erst nach Chad Silvers Tod zur Gedenkstatue umfunktioniert. (Krein)

Von der Konkursmasse in die Champions-Hockey-League

Im Hallenstadion läuft das «Warm-up» der ZSC Lions und der Gäste aus Schweden, dazu gibts folgende Anmerkungen: Färjestads Rickard Wallin spielte einst beim HC Lugano, Zürichs Severin Blindenbacher und der verletzte Ersatzgoalie Luca Boltshauser einst für Färjestad. Der schwedische Headcoach Tommy Samuelsson absolvierte eine NLB-Saison beim SC Luzern und verteidigte an der Weltmeisterschaft 1989 für Schweden in Stockholm.

Dazu kommt Basels ex-Goalie Urban Leimbacher, welcher ab der 21. Minute für den angeschlagenen Lukas Flüeler zum europäischen Handkuss kommt, von Basels Konkursmasse direkt in die Champions-Hockey-League. Die Partie bietet gute Unterhaltung, denn beide Mannschaften schenken sich nichts und müssen in die Verlängerung.

Von Wasen bis Stockholm

Auf der Rückfahrt ins «Bernbiet» treffe ich im Würenloser Fressbalken zufällig auf den ehemaligen Weltklasse-Schiedsrichter Willi Vögtlin. Bei einem Schlummertrunk sprechen wir über «Gott und die Hockeywelt», nur wenige Eishockeyverrückte würden bei unserem Themenkatalog mitreden wollen.


„Willi Vögtlin an der Weltmeisterschaft 1989 in Stockholm, beim nachmessen des Stockes von Vladimir Ruzicka.“

— Michael Krein, Archiv

Wir philosophieren über den Europacup, die C-Weltmeisterschaften im spanischen Puigcerda, die Olympischen Spiele in Calgary, den Industriecup in Lyss, die U18-Europameisterschaft 1987 in Hämeenlinna, über den ehemaligen EHC Wasen-Sumiswald-Spieler Gerhard «Schöge» Schöni oder die bereits erwähnte WM 1989 in Stockholm, wo einst Färjestads Headcoach Samuelsson verteidigte- und Vögtlin geschiedsrichtert hat.

23. August 2014

ZSC Lions – Färjestad Karlstad 2:3nV (0:1, 1:0, 1:1, 0:1)
Hallenstadion. – 3’515 Zuschauer. – SR Sindler /Vinnerborg (Tsch/Sd), Küng /Bürgi (Sz). – Tore: 6. Hillding (Lalonde, Klepis /Ausschluss Chris Baltisberger) 0:1. 35. Chris Baltisberger (Bergeron, Shannon /Ausschluss Hillding) 1:1. 42. Rohdin (Aquino, Klepis) 1:2. 50. Chris Baltisberger (Wick) 2:2. 61. Gudas 2:3. – Strafen: ZSC Lions 9-mal 2 Minuten, Färjestad Karlstad 7-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: ZSC Lions ohne Boltshauser, Siegenthaler, Stoffel, Bärtschi (alle verletzt), Zangger (überzählig). 26. Keller verletzt ausgeschieden. 58:21 Time-Out Färjestad. Torschüsse 43:33 (15:13, 15:6, 13:13, 0:1).
ZSC Lions Flüeler (21. Leimbacher); Geering, Blindenbacher; Tabacek, Seger; Smith (4), Bergeron (4); Schnyder; Nilsson (2), Shannon, Keller (2); Schäppi (2), Trachsler, Künzle (2); Wick, Cunti, Baltisberger (2); Bastl, Neuenschwander, Fritsche; Senteler.
Färjestad Karlstad Pogge; Tollefsen (4), Lalonde (4); Jensen, Grundel; Bystrom (2), Gunnarsson; Kylington, Rohdin; Aslund, Hillding (2), Gulas; Nygard, Klepis, Aquino; Hedman, Wallin (2), Persson; Roymark, Forsberg, Olofsson.

Holpriger Provinzstart und Shampo

In Dübendorf startet der längste Champions-Hockey-League (CHL) Titelverteidiger ZSC Lions zum Auftakt der neugeschaffenen CHL gegen den norwegischen Vizemeister Vålerenga IF Oslo. Der Start in der «Provinz» in Dübendorf erweist sich als holprige Angelegenheit. In der Kabine der Lions geht plötzlich das Licht aus, daher muss Assisten Rob Cookson auf die Toilette ausserhalb der Kabine, Aufstellungen gibt’s keine und eine Pressekonferenz wird von anrennenden Journalisten vergeblich gesucht – rechtzeitig zum Bully liegen die Aufstellungen aber doch noch vor – und der höchste europäische Clubwettbewerb startet in seiner fünften Ausgabe.

Die Gäste aus Norwegen treten mit nur zehn Stürmern und sechs Verteidigern an, dennoch hält die Mannschaft vom ehemaligen NHL-Star Espen Knutsen – der Star ist der Trainer – in den ersten zwanzig Minuten gut mit. Übrigens gewann Vålerenga sein letztes europäisches Pflichtspiel gegen eine Schweizer Mannschaft, in der European-Hockey-League, am 8. Dezember 1998, beim 5:3-Sieg gegen den EV Zug. Dies dürfte wohl keinem der 1’917 Zuschauer im Stadion «im Chreis» in Erinnerung sein, vielleicht kann sich Oslos Kapitän Morten Ask noch daran erinnern, denn er ist der einzige der damals schon dabei war.

Dabei in Dübendorf war einst auch Zürichs Luca Cunti, vor sieben Jahren beim 1. Liga Ostschweizer-Meistertitel 2007 mit dem EHCD, welcher erst im gesamtschweizerischen 1. Liga-Final gegen den EHC Zuchwil-Regio gestoppt wurde. Vom Siegreichen CHL-Team der Lions von 2009 sind auch heute noch sieben Spieler im Kader von NHL-Coach Marc Crawford. NHL-Erfahrung hat auch Oslos Coach, Espen „Shampo“ Knutsen, der bis heute grösste norwegische Spieler allere Zeiten spielt zwischen 1997 und 2004 207-mal für die Anaheim Ducks und die Columbus Blue Jackets.

Wie viele Plätze fasst «im Chreis»?

Zurück zum EHC Dübendorf, wie viele Plätze fasst eigentlich das ehemalige Nationalliga-B Stadion? Offizielle Zahlen sagen das Stadion mit dem markanten Schrägdach habe 4’100 Plätze. In der zweiten Drittelspause frage ich mich durch die Halle und keiner, ausser einem älteren Herrn, scheint mir eine Antwort geben zu können. Der langjährige Dübendorf-Fan erzählt mir ein paar Episoden aus vergangenen Zeiten und zeigt mir einen nummerierten Sitzplatz im Viertausender Bereich. Doch beim heutigen Champions-League-Spiel wirken bereits die 1’900 wie ein volles Haus, so wie es sich gehört für ein Spiel der europäischen Königsklasse.

Die Champions-Hockey-League ist nach fünf jähriger Pause endlich wieder zurück. (Krein)

21. August 2014Gruppe B, 1. Runde

ZSC Lions – Valerenga IF Oslo 4:1 (1:1, 1:0, 2:0)
Im Chreis, Dübendorf. – 1’917 Zuschauer. – SR Eichmann /Öhlund (Sz/Sd), Kaderli/Kohler (beide Sz). – Tore: 3. Baltisberger (Blindenbacher/Ausschluss Bröms) 1:0. 13. Karterud (Bräck) 1:1. 22. Keller (Nilsson, Shannon) 2:1. 45. Bastl (Fritsche) 3:1. 52. Zangger (Trachsler/Ausschluss Jörgensen) 4:1. – Strafen: ZSC Lions 4-mal 2 Minuten, Valerenga Oslo 6-mal 2 plus 10 Minuten (Hilt-Jörgensen).
ZSC Lions Flüeler; Geering, Blindenbacher; Smith (2), Seger (2); Bergeron, Tabacek; Neuenschwander, Schnyder; Schäppi (2), Trachsler, Zangger (2); Nilsson, Shannon, Keller; Wick, Cunti, Baltisberger; Bastl, Fritsche, Künzle.
Valerenga IF Oslo Soeberg; Bonsaksen (4), Bräck; Csiszar (2), Follestad-Johansen; Hilt-Jörgensen (14), Lyngset; Karterud, Ask, Stene; Salsten, Bröms (2), Lindström; Juell, Hoel, Gunnarsson; Jonas Knutsen.

Huet und der «Fluch Zürichs»

Cristobal Huet und die ZSC Lions, die Geschichte beginnt in Playoff-Final 2000 zwischen dem HC Lugano und den ZSC Lions. Als amtierender Meister verliert das in der Qualifikation übermächtige Lugano die Finalserie gegen die Zürcher mit 2:4. Dies vor allem, weil die Tessiner mit Huet im Tor in Zürich alle drei Spiele (2:3, 1:3 und 3:4) verlieren.

Huets einziger Playoff-Sieg in vier Spielzeiten

Der gleiche Schauplatz ein Jahr später. Die ZSC Lions verlieren Spiel vier Zuhause mit 0:4 und liegen in der Serie mit 1:3 hinten. Luganos 4:0-Auswärts-Sieg ist zu diesem Zeitpunkt Huets einziger Sieg auf Zürcher-Playoff-Eis. Lugano verliert in der Folge nicht nur die restlichen drei Spiele (Endstand 3:4) sondern auch noch zum zweiten Mal in Folge den Meistertitel an die Lions.

Gleicher Schauplatz eine weitere Saison später. Huet und der HC Lugano scheitern bereits im Halbfinal an den Zürchern und gewinnen im Hallenstadion wieder keine einzige Playoff-Partie (1:6, 1:2nP und 3:4nP). Nach der Saison verlässt Huet das Tessin in Richtung National-Hockey-League.

Auch mit den Blackhawks klappts nicht

In der Zwischenzeit holen die Lions den Titel der Champions-Hockey-League und qualifizieren sich 2009 für den Victoria-Cup gegen den späteren Stanley-Cup-Sieger Chicago Blackhawks. Zu diesem Zeitpunkt steht Huet zwischen den Pfosten der Blackhawks. Am Vortag fegen die NHL-Stars um Patrick Kane, Jonathan Toews und Duncan Keith den HC Davos mit 9:2 vom Eis, im Tor steht Huets Backup-Goalie Antti Niemi.

Einen Tag später spielen die Blackhawks in Bestbesetzung mit Standard-Hüter Huet gegen die Zürcher Underdogs. An diesem Tag sollte Huet mit Chicago den «Zett» endlich in die Knie zwingen. Doch Huets ZSC-Fluch scheint, egal in welcher Besetzung Huet gegen die Löwen antritt, stärker zu sein als die gesamte Klasse des späteren Stanley-Cup-Siegers (acht Monate später holen die Blackhawks den Stanley-Cup). Sensationell unterliegen die Blackhawks mit Huet gegen die ZSC Lions mit 1:2 und verlieren das Spiel um den Victoria-Cup.

Was mit Chicago nicht klappt, gelingt mit Lausanne

In drei Playoff-Serien mit dem Grande-Lugano der zweiten Epoche und den Chicago Blackhawks gelingt dem Franzosen gerade Mal ein Sieg in Zürich. Anders ausgedrückt, spielt Huet, gewinnt Zürich? Bis zum ersten Viertelfinalspiel 2013-14 gegen den HC Lausanne zumindest. Ausgerechnet mit der nominell schwächsten Mannschaft, mit der Huet je gegen die Zürcher angetreten ist, dem Qualifikations-Achten Lausanne holt Huet gleich im ersten Spiel ein Sieg im Hallenstadion. Zufall? Die richtige Chemie zwischen dem gebürtigen Franzosen und der Romandie? …oder kehren die alten Begebenheiten des «Fluchs» im zweiten Spiel in Zürich wieder zurück? Huet wird in der 29. Minute, beim Stand von 3:0 für die Lions ausgewechselt, doch die Serie geht weiter und der «Fluch» wird uns die Antwort bis spätestens am 25. März 2014 geben.

15. März 2014 – Viertelfinal Spiel 3 SRF

ZSC Lions – Lausanne 3:1 (1:0, 2:1, 0:0)
Hallenstadion – 10’722 Zuschauer. – SR Mandioni /Massy, Mauron /Tscherrig. – Tore: 10. Kenins (Bärtschi) 1:0. 28. Keller (Schäppi, Bergeron) 2:0. 29. Wick (Cunti, McCarthy) 3:0. 34. Bang (Genoway, Setzinger /Ausschluss Wick) 3:1. – Strafen: ZSC Lions 6-mal 2 Minuten, Lausanne 5-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: ZSC Lions ohne Tabacek, Künzle, Zangger, Hächler (alle überzählig). Lausanne ohne Bürki, Augsburger, Morant, Reist. Bays ersetzt Huet im Tor von Lausanne (28:38), Time-out Lausanne (57:50), Lausanne von ab 58:20 ohne Torhüter. Torschüsse 30:15 (11:2, 13:5, 6:8). Kenins (ZSC Lions) und Setzinger (Lausanne) als beste Spieler ausgezeichnet.
ZSC Lions: Flüeler (Wolf); McCarthy, Seger (2); Bergeron, Stoffel (2); Geering, Blindenbacher (2); Schnyder; Wick (2), Cunti (2), Nilsson; Schäppi, Shannon, Keller (2); Kenins, Trachsler, Bärtschi; Bastl, Senteler, Fritsche; Baltisberger.
Lausanne: Huet (29. Bays); Leeger, Gobbi (2); Lardi, Jannik Fischer; Stalder, Genazzi (2); Seydoux; Bang (2), Hytönen, Antonietti; Setzinger (2), Genoway, Conz; Gailland, Froidevaux (2), Neuenschwander; Simon Fischer, Savary, Derungs; Primeau.

SCB-Details und auch ein «Meister» wird nicht erkannt

Bewusst oder unbewusst falsch aufgehängt? Das WM-Logo in den Katakomben der Arena.
Bewusst oder unbewusst falsch aufgehängt? Das WM-Logo in den Katakomben der Arena.

Beim SC Bern bin ich immer gern, denn hier sind die besten Medienplätze der Nationalliga A, die Sicht aufs Eisfeld ist hervorragend. Das Matchblatt heute weist zwei kleine Schreibfehler auf und auf dem neuen Videowürfel leuchtet immer noch das «alte» Logo des heutigen Gegners HC Genf-Servette. Bis auf ein paar Details ist hier alles up-to-date.

Die fehlenden Interview-Partner

In der zweiten Drittelspause vermeldet Berns Medienchef Christian Dick den Ausfall von Silberheld und Post-Topskorer Martin Plüss – ausgerechnet Plüss, er sollte bei meinem «Kollegen» vom Teleclub zum Interview antreten, das wird wohl nix. Glücklicherweise ist mein Interview-Partner bereits zum Interview angemeldet und die Fragen sind bereit.

Vier Minuten vor Schluss: Matt Lombardi wird von einem Geoff-Kinrade-Schuss am Gesicht getroffen, der Kanadier muss in der Kabine verarztet werden. Tja und das wäre mein Interview-Partner gewesen und auch das wird nun  nix. Kurzfristig einigen wir uns auf Goran Bezina und Kaspars Daugavins anstelle Lombardis. Beim Abgang in die Interview-Zone «Bärengraben», sehe ich wie selbst SCB-Goalietrainer Rupert Meister, ehemaliger DEL und Bundesliga Goalie, ohne gültiges Ticket nicht an den Security-Frauen vorbei gelassen wird.

Horizontale Lage

Nach dem Spiel genehmigen sich ein paar Medienvertreter beim gemütlichen Talk mit einem ehemaligen SCB-Manager ein paar Bierchen. Der SCB-Manager wurde 1990 im Rahmen der Weltmeisterschaft in Bern offiziell als Schiedsrichter verabschiedet. Das Logo der 90er WM hängt noch heute in den Katakomben der ehemaligen Allmend, aber warum zum Teufel in der horizontalen Lage? Doch dies interessiert leider eben so wenig wie das falsche Servette-Logo auf dem Berner Videowürfel…

Der Japaner von San Jose

Auch unsere Liga wird regelmässig von National-Hockey-League-Scouts heimgesucht. So auch am 7. Dezember 2013 beim Spiel EHC Biel – ZSC Lions (3:5). Angekündigt war zunächst nur Shin Larsson, oder eben Shin Yahata-Larsson. Der Scout der San Jose Sharks ist schwedisch-japanischer Doppelbürger und kann seinen Namen wie Biels Ahren Spylo-Nittel variabel einsetzen. So spielte der Stürmer 1998 an den Olympischen Spielen in Nagano – unter dem ehemaligen Biel-Coach Björn Kinding – als Shin Yahata (den ledigen Namen seiner Mutter). Ursprünglich stammt der Scout aber aus dem schwedischen Leksand, wo man ihn Shin Larsson nennt.

Patrick Kane lässt Biel grüssen

Bekanntlich sind die Scouts ja nie alleine unterwegs, so auch in Biel. Yahata-Larsson wird von seinem Berufskollegen aus Chicago begleitet. Dieser überbringt dem Bieler Pressechef Silvan Andrey gleich ein «Hello from Patrick Kane», welches Andrey gerne in die Bieler Katakomben weitergegeben hat, worauf einige geantwortet haben sollen «welcher Kane?». Wie Kane ist auch Yahatas Kollege, der Hüne (192cm, 97kg) aus Chicago in der Schweiz kein unbekannter. Der Schwede Mats Hallin bestritt in der Saison 1986-87 vier Spiele für den HC Lugano, wobei seine Hauptaufgabe darin bestand, HC Ambrì-Piotta-Bösewicht Misko Antisin zu verprügeln. Das Spiel zwischen Ambrì und Lugano ging als grösste Massenschlägerei im Schweizer Eishockey in die Geschichte ein.

Die Schweizer Draft-Kandidaten 

Wen wollen die beiden NHL-Scouts beobachten? Auf der Liste des NHL-Central-Scoutings ist von den heutigen Gegnern kein einziger Draft-Kandidat nominiert. Lions-Goalie Melvin Nyffeler wurde bereits im Vorjahr als möglicher Draft-Kandidat gehandelt. Die aktuellen Draft-Kandidaten sind Klotens Fabio Högger, Luca Hischier (Bern), Luca Fazzini (Lugano), Cédric Maurer und Patrick Brändli (beide Zug), Simon Kindschi und Gilles Senn (beide Davos), Noah Rod und Gauthier Descloux (Genf-Servette), Andy Ritz (Langnau), Noele Trisconi (Ambrì-Piotta), Fabian Heldner (Visp) und Silvio Schmutz (Thurgau).

Shin Yahata-Larsson wurde mit Kokudo fünfmal japanischer Meister, 1999 Liga-Topskorer, sowie ins All-Star-Team gewählt.

Der falsche Goalie und die Kamber Show

Simon Rytz war zwar die Nummer eins auf dem Matchblatt, spielte aber nicht. (Hervé Chavaillaz)

Biel gewinnt zum zweiten Mal im dritten Heimspiel den Zusatzpunkt nach Penaltyschiessen. Im Gedränge der Katakomben der Kabinengänge wird Biel-Goalie Simon Rytz interviewt. Auf die Frage eines Journalisten «heiter scho mau drü Penaltys ghäbt» muss sich Rytz kurz hintersinnen, denn der Lysser stand ja gar nicht im Tor!

Meili statt Rytz

Ausgangspunkt für den Lapsus gab die Mannschaftsaufstellung, denn gemäss Matchblatt wurde vor dem Spiel Rytz als Nummer eins im Spiel gegen den Kantonsrivalen aus Bern gemeldet. Tatsächlich steht aber Lukas Meili von Beginn weg zwischen den Pfosten – doch kaum einer bemerkt den Wechsel – was mir höchst bedenklich erscheint. Es ist als ob man bei einem Date erst nach zwei Stunden bemerken würde, dass die falsche Frau am Tisch sitzt.

Welcher Goaliewechsel?

Teilweise mussten die ganzen Matchberichte, welche während zwei Stunden auf Rytz geschrieben wurden nochmals gründlich revidiert werden – andere fragten wann denn Biel den Torhüter gewechselt hätte oder ob Biel auf das Penaltyschiessen einen Goaliewechsel vorgenommen habe. Selbstverständlich sind mir die Namen der betroffenen Medien entfallen. Zudem fängt Meili mit der rechten Hand, Rytz mit der linken.

Schläpfer wie Hartley?

«Das isch ä Fehler vo dämm wo s Matchblatt gschriebä het, mit so Sache befassi mi nid», sagte Kevin Schläpfer auf die Frage ob Rytz absichtlich als Nummer eins aufgeführt wurde. Wir erinnern uns an Bob Hartley, seine Mannschaftsaufstellungen sind schon heute Kult, denn seine wild durcheinander gewirbelten, unkorrekten Matchblätter waren Teil des siebten Meistertitels.

Kambers Vorankündigung

Alles andere als eine Irreführung war Oliver Kambers Facebook-Eintrag vor dem SCB-Spiel: «How many fans go to EHCB – SC BERN ?! Are you ready for Kamber’s show?» postete der Facebook-Profil-Verantwortliche des Baselbieters. Kamber’s Worten folgten Taten: Mit einem Zuckerpass war er Vorbereiter des Bieler Ausgleichstreffers, mit einem verwerteten Penalty war er der Vollstrecker beim Penaltyschiessen. Wer war nun der Matchwinner, Torhüter Rytz oder Kamber?

Kevin Schläpfer gratuliert Oliver Kamber zu seiner «Show.» (Hervé Chavaillaz)

Biel – Bern 2:1nP (0:0, 0:1, 1:0, 0:0)
Eisstadion. – 5’297 Zuschauer. – SR Kämpfer/Massy, Abegglen/Mauron. – Tore: 25. Kinrade (Ritchie) 0:1. 52. Cadonau (Kamber) 1:1. – Penaltyschiessen: Lehtonen -, Ellison -; Rubin, Spylo -; Gardner -, Kamber 1:0; Plüss -, Ulmer 2:0. – Strafen: Biel 3-mal 2 Minuten, Bern 7-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: Kamber (Biel) und Bührer (Bern) als beste Spieler ausgezeichnet.
Biel: Meili; Untersander, Bell; Cadonau, Gloor; Fey, Gossweiler; Truttmann; Wieser, Kellenberger, Tschantré; Spylo, Kamber, Herburger; Ehrensperger, Peter, MacMurchy; Ulmer, Ellison, Wetzel; Füglister.
Bern: Bührer; Roche, Furrer; Kinrade, Hänni; Krueger, Randegger; Kreis; Pascal Berger, Ritchie, Vermin; Lehtonen, Martin Plüss, Rüthemann; Dostoinov, Gardner, Scherwey; Loichat, Bertschy, Rubin.

Captain Mathieu Tschantré interessiert den Goalie-Fauxpas der Medien nicht. (Hervé Chavaillaz)

Von Rangers, Kaffi und Bertaggia

Erstmals seit 1984 lief trug wieder ein Bertaggia die Zuger-Farben auf heimischem Eis. Lugano-Legende Sandro Bertaggias Sohn Alessio wechselte auf die aktuelle Saison von den Brandon Wheat Kings aus der Western-Hockey-League an den Zugersee. Der junge Bertaggia trug sich mit einem Assist auch gleich in die Skorerliste ein, es war der erste EVZ-Skorerpunkt eines Bertaggias seit 1984, was für eine Geschichte.

Wer’s mit den Rangers nicht schafft, schaffts mit Biel

Eine andere Geschichte ist die Story von Biel’s Brendan Bell. Der Kanadier ging hier im Herbst 2011 mit den New York Rangers mit 4:8 unter – mit Biel führte der Verteidiger nach 34 Minuten mit 3:0! Was er mit den Rangers nicht schaffte, schafft er mit Biel? Nein, denn ausgerechnet Bell leitete mit einem dummen Scheibenverlust das 1:3 der Zuger und somit den Untergang bis zur 3:4-Niederlage aus Sicht der Seeländer ein.

Schnapszeiten und Kaffi-fertig

Und was gabs sonst noch in der Bossard-Arena «von Zug» – ach ja die Schnapszahlen, die gib’s in jedem verdammten Spiel – die Spielzeit in Zug wurde Beispielsweise bei 28:28, bei 30:30 und bei 49:49 gestoppt. Apropos Schnaps oder Kaffi-Schnaps – wo ist eigentlich der Fanklub von Rotkreuz? In der alterwürdigen Hertihalle wurde man jeweils von den Rotkreuzern, die nie ohne Militärkanister Kaffee-Schnaps angereist sind und ihre Sitze direkt unterhalb der Kommentatoren-Plätze hatten, pausentlich mit Kaffi-Schnaps verpflegt, kalt aber herrlich wars.

14. September 2013

Zug – Biel 4:3 (0:1, 1:2, 3:0)
Bosshard. – 6’026 Zuschauer. – SR Prugger/Stricker, Tscherrig/Wüst. – Tore: 18. Spylo (Gossweiler, Ehrensperger) 0:1. 31. Brendan Bell (Ellison/Ausschluss Patrick Fischer II) 0:2. 34. Wetzel (Kellenberger, MacMurchy) 0:3. 38. Suri 1:3. 45. Fabian Schnyder (Bertaggia) 2:3. 47. Christen 3:3. 52. Tim Ramholt 4:3. – Strafen: Zug 6-mal 2 Minuten, Biel 5-mal 2 Minuten. – PostFinance-Topskorer: Fabian Sutter; Tschantré. – Bemerkungen: Zug ohne Hutchinson, Holden und Yannick Blaser, Biel ohne Gaetan Haas (alle verletzt), Untersander (krank) und Sutter (gesperrt). – Timeout: Zug (59:53); Biel (58:57).
Zug: Boucher; Chiesa, Tim Ramholt; Patrick Fischer II, Erni; Simon Lüthi, Alatalo; Schmuckli, Diem; Christen, Fabian Sutter, Casutt; Suri, Schremp, Martschini; Bertaggia, Wellwood, Fabian Schnyder; Sven Lindemann, Schneuwly, Lammer.
Biel: Meili; Brendan Bell, Dario Trutmann; Gossweiler, Fey, Christian Moser, Gloor; Cadonau, Rouiller; Marc Wieser, Ellison, Tschantré; Ehrensperger, Peter, Spylo; Herburger, Oliver Kamber, Ulmer; MacMurchy, Kellenberger, Wetzel.

Plötzlich im russischen TV

Ein heisser Juli-Abend in Worb, im Wislepark ist der Badirummel in der frühen Abenddämmerung noch voll im Gang, ebenfalls voll im Gang in der Eisbahn nebenan ist das Warm-up, auf dem Eis stehen aber nicht etwa der EHC Mirchel, EHC Worb oder der SC Ursellen, welcher das KHL-Spiel organisiert, sondern die beiden KHL-Vertreter SKA St. Petersburg und die Kasachen von Barys Astana.

Vor den Kabinen-Containern steht der fünffache Weltmeister und zweifache Olympiasieger Alexei Kasatonow, der ehemalige Verteidigungspartner von Wjatscheslaw Fetisow ist seit zwei Jahren General-Manager beim russischen Topklub SKA St. Petersburg. Nach einem kurzen Small-Talk und einem Erinnerungsfoto wird das hauseigene TV von SKA darauf aufmerksam und will ein Interview, mit Kasatonow? Nein mit mir?

Ein Schweizer der über SKA Auskunft geben kann ist der Aufhänger der Russen. Selbstverständlich willige ich ein, mal auf der anderen Seite der Kamera zu stehen und das bei SKA-TV in Sankt Petersburg. Einst gab ich hier mein 2. Liga-Debüt, heute das russische TV-Debüt. Das idyllische Worb scheint mir aber heute besser gesinnt als vor 13 Jahren.

SKA St. Petersburg – Barys Astana 3:3 (1:0, 1:1, 1:2)
Wislepark, Worb. – SR Clément/Eichmann; Borga/Schüpbach. – Tore: 7. Korostin (Malischew, Alexandrow) 1:0. 30. Kalinin (Panarin, Ketow/Ausschluss Schailauow) 2:0. 34. Polischuk (Spiridonow /Ausschluss Rjasenski) 2:1. 54. Upper (Starschenko, Rudenko /Ausschluss Burdasow) 2:2. 57. Starschenko (Semenow, Lundin) 2:3. 60. (59:19) Schipaschow (Kalinin, Ketow) 3:3. – Strafen: Je 5-mal 2 Minuten.

Die beiden Ausnahmekönner Tony Martensson und Patrick Thoresen sind überzählig. (Krein)
Das Interview aus Worb, auf SKA-TV, ab 1:17

Der falsche Josi

Der Auftrag für den 14. Juni 2013 lautet, die drei Schweizer NHL-Grössen Roman Josi, Mark Streit und Yannick Weber bei ihrem Krafttraining in Bern zu begleiten. Die drei Berner NHL-Verteidiger trainieren alle zusammen bei Harry Andereggen. Für das Sportpanorama vom 16. Juni, treffen wir (SRF) die drei am Freitag Nachmittag zwischen 15 und 18 Uhr im Fitnessstudio Fit-Line in der Nähe des Insel-Spitals in Bern.

Der fehlende Journalist

Die Kamerafrau kommt direkt aus Zürich, auch ich habe sie noch nie gesehen, so warten wir (Streit, Weber, die Kamerafrau und ich) an der Getränkebar des Studios auf den noch fehlenden Akteur und frischgebackenen Silbermedaillengewinner und wertvollsten Spieler der Weltmeisterschaft in Stockholm, Roman Josi. Bereits gibts ein erstes Erinnerungsfoto mit Streit und Weber und die Kamerafrau sagt «nun fehlt nur noch der Journalist,» aber da stehe ich doch? Streit, Weber und ich als «falscher Josi» warten auf Krein?

Der falsche und der echte Josi. (Angela Meschini)

Wer ist Roman Josi?

Die beiden NHL-Cracks Streit und Weber verstehen nicht ganz und wissen nicht, dass sich die Kamerafrau und ich bis heute nie begegnet sind, und antworten «nein Josi fehlt.» Für einen kurzen Augenblick bin ich eine NHL-Grösse und ein WM-MVP. Nach einer kurzen Aufklärung nehmen es alle mit Humor, ehe der echte Josi doch noch eintrifft. Ehrlich gesagt, am liebsten hätte ich als «falscher Josi» gleich mittrainiert. Wobei mir Fitnesscoach Andereggen während des harten Trainings erklärt, dass dies eher ein lockeres Training sei, so stehe ich doch Lieber auf der anderen Seite der Kamera und lasse dem echten Josi den Vortritt fürs Grobe.

Trainings-Drahtzieher Mark Streit beim rackern. (Krein)

Hier gehts zum SRF-Beitrag

Verloren in Lausanne

Es ist angerichtet, in der proppenvollen Patinoire de Malley. (Krein)

Am 4. März 1961 verliert der NLA-Klub HC Lausanne gegen NLB-Meister SC Langnau das zweite Spiel in der Liga-Qualifikation im Emmental mit 3:8, die Langnauer steigen damit zum ersten Mal in die Nationalliga A auf und Lausanne steigt nach vier Jahren im Oberhaus wieder in die Zweitklassigkeit ab.

52 Jahre später stehen die gleichen Teams wieder im Fokus der Ligazugehörigkeit, dieses Mal in umgekehrten Rollen und Langnau muss in Lausanne zum sechsten Spiel antreten. Die unterklassigen Waadtländer revanchieren sich und schiessen den Traditionsclub aus dem Emmental nach 15 Jahren in die Nationalliga B.

„Wo ist die Kamera?“

— Michael Krein (SRF) und Alex Tamburini (RSI)

Nach dem Spiel brechen alle Dämme, fürs Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) soll ich vier Interviews liefern, Jörg Reber und Wolfgang Schickli von den Tigers, Oliver Setzinger und Gerd Zenhäusern für den Aufsteiger. Bis zur Spielerbank kämpfe ich mich, zusammen mit RSI-Kommentator Alessandro «Alex» Tamburini, durch – doch wo ist die Kamera oder wo ist der Kameramann?

Verloren in Lausanne sind nicht nur wir, auf der Suche nach dem rettenden Kameramann, sondern vor allem die Langnauer. Die Organisation mit all ihren treuen Helfern und Funktionären ist mir in den letzten elf Jahren ans Herz gewachsen, keiner in der Organisation der SCL Tigers verdient diesen Abstieg. Mit Lausanne kehrt trotzdem eine hervorragende und historische Eishockeystätte ins Rampenlicht zurück.

16. April 2013, der Aufstieg ist perfekt, kurze Zeit später brechen alle Dämme. (Krein)

Lausanne – SCL Tigers 3:2 (1:0, 2:0, 0:2)
Malley. – 9’244 Zuschauer (ausverkauft). – SR Kurmann/Massy, Kaderli/Wüst. – Tore: 11. Kamerzin (Conz, Savary) 1:0. 24. Dostoinow (Genoway, Setzinger) 2:0. 26. Dostoinow (Genoway, Setzinger/Ausschluss McLean) 3:0. 51. El Assaoui (Pelletier) 3:1. 57. McLean (Pelletier) 3:2. – Strafen: Lausanne 3-mal 2 Minuten, SCL Tigers 4-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: Lausanne ohne Gailland, Primeau, Augsburger (alle verletzt), Ulmer und Corso (überzählige Ausländer). SCL Tigers ohne Claudio Moggi, Haas, Stettler, Genazzi, Lampman (alle verletzt), Bomersback und Popovic (überzählige Ausländer). 26. Timeout SCL Tigers. 31. Pfostenschuss Dostoinow. 57. Timeout Lausanne. Langnau ab 59:05 ohne Torhüter.
Lausanne: Huet; Reist, Stalder; Kamerzin, Seydoux; Jannik Fischer, Leeger; Chavaillaz; Dostoinow, Genoway, Setzinger; Antonietti, Schirjajew, Berthon; Déruns, Savary, Conz; Küng, Burki, Simon Fischer.
SCL Tigers: Ciaccio; Rytz, El Assaoui; Lardi, Valentin Lüthi; Simon Lüthi, Reber; Christian Moser; Pelletier, McLean, Bucher; Jacquemet, Adrian Gerber, Sandro Moggi; Simon Moser, Froidevaux, Brunner; Sterchi, Rexha, Leblanc; Nüssli.

Hier gehts zum SRF-Matchbericht

Du weisst nichts!

Vierte Runde, 29. September 2012, erstes Spiel in Biel von Tyler Seguin, der NHL-Star kommt, trotz der 3:6-Niederlage gegen die SC Rapperswil-Jona Lakers, wie für einen NHL-Star gewohnt, höflich zum Interview.

Knapp zwei Monate später, gleicher Ort, gleicher Spieler, wieder eine Niederlage (1:2 gegen Kloten). Seguin erscheint wieder zum Interview, dieses mal aber ist er aufgebracht und sagt „you know nothing!“ Wieso sagt er das? Ich habe die Boston Bruins schon gekannt bevor Seguin das Licht der Welt erblickt hat, geht mir leicht verärgert durch den Kopf.

„You know nothing!“

— Tyler Seguin

Ich sage ihm „would you like to talk about the Boston Bruins?“ Ich hätte mit dem Boston-Star gerne über die Bruins gesprochen. Die Situation beruhigt sich und das Interview mit dem Stanley-Cup-Sieger (2011) geht im üblichen Rahmen über die Bühne.

Die Erleichterung

Dennoch bin ich leicht perplex nach seiner Reaktion und frage mich was wohl los gewesen ist. Dann kommt mir ein lachender Bieler Medienchef entgegen und sagt, beim letzten Interview, sei Seguin wütend geworden, weil der Fernseh-Journalist kein Englisch konnte.

Beruhigt nehme ich das zur Kenntnis und werde die Begegnung wohl nie mehr vergessen. Nur vier Tage später habe ich den Nummer-zwei-Draft in Davos, bei einer weiteren Bieler-Niederlage (3:4) schon wieder vor dem Mikrofon, dieses mal aber wieder im höflichen Rahmen.

27. November 2012, ein genervter Tyler Seguin nach der 1:2-Niederlage gegen Kloten. (Hervé Chavaillaz)

Hier gehts zum SRF-Spielbericht und Interview in Biel

Hier gehts zum SRF-Spielbericht und Interview in Davos