Das «Norfolk» in Bern

Ausgebildet in der amerikanischen College-Liga National-Collegiate-Athletic-Association (NCAA) «N-CEEEE-double-A» kam der Kanadier Cory Conacher noch in seinem letzten College-Jahr zu ersten Einsätzen in der American-Hockey-League (AHL) bei den Rochester Americans (Ex-Klub von Daniel Steiner) und den Milwaukee Admirals (zusammen mit Roman Josi). In seiner ersten richtigen AHL-Saison 2011-12 realisierte der Flügelstürmer für die Norfolk Admirals auf Anhieb 95 Skorerpunkte, stand im All-Rookie-Team, spielte im All-Star-Game, stand im Second All-Star-Team, wurde Rookie des Jahres, AHL MVP und Calder-Cup-Sieger. Diese Traumsaison brachte den Mann aus Ontario in Guy Bouchers Kader der Tampa Bay Lightning. Nach Tampa folgten Kurzengagements bei den Ottawa Senators, Buffalo Sabres und den New York Islanders, wo sich Conacher nicht durchsetzen konnte und zuletzt ins Farmteam der Bridgeport Sound Tigers in die AHL abgeschoben wurde. Innerhalb der AHL wechselte der 25-Jährige in der letzten Saison zu den Utica Comets (ins Team von Sven Bärtschi) in die Organisation der Vancouver Canucks.

Wie Conacher, stammt auch Andrew Ebbett aus der NCAA-Talentschmiede, als zweifacher Central-Collegiate-Hockey-Association-Meister (2003, 2005) mit der University of Michigan Wolverines, stiess der Mittelstürmer zu den Binghamton Senators in die AHL. Während neun Jahren spielte der Mann aus British Columbia für sechs NHL-Organisationen (Anaheim Ducks, Chicago Blackhawks, Minnesota Wild, Phoenix Coyotes, Vancouver Canucks, Pittsburgh Penguins). Nur in den Saisons 2009-10 und 2011-12 wurde Ebbett nie in die AHL geschickt, sonst blieb ihm der Gang in die zweitklassige Liga nicht verwehrt. Neben der sechs NHL-Stationen spielte der Spielmacher auch für die Portland Pirates, Iowa Chops, San Antonio Rampage, Chicago Wolves und zuletzt für die Wilkes-Barre Scranton Penguins.

Trevor Smith stand 2011-12 zusammen mit Conacher im siegreichen Calder-Cup-Team der Norfolk Admirals und stand mit 85 Zählern In der internen Skorerliste gleich hinter seinem neuen SCB-Kollegen. In der siegreichen AHL-Saison absolvierte der Stürmer auch 16 Spiele unter Boucher bei den Lightning. Sein NHL-Debüt gab der ehemalige NCAA-Junior im Team von Mark Streit, 2008 bei den New York Islanders. In den letzten zwei Jahren stand der 30-Jährige in der Organisation der Toronto Maple Leafs, wo er unter anderem auch als Kapitän des AHL-Teams Toronto Marlies auflief. Im Schatten von Conacher und Smith stand damals ein gewisser Tyler Johnson. Der Amerikaner hat im Gegensatz zu den Neo-Bernern heute den Durchbruch in der NHL geschafft. Der Mittelstürmer stand in diesem Frühjahr mit Tampa Bay im Stanley-Cup-Final und wurde mit 23 Punkten, vor dem Ex-Bieler Patrick Kane (Chicago Blackhawks), Playoff Topskorer. Sein Vertrag über 3,3 Millionen US-Dollar pro Saison, läuft bei den Lightning noch bis 2017.

Beitrag im EHC Biel-Matchflyer vom 12. September 2015

Faszination Brehmstrasse

In den 90er Jahren ist das Eisstadion an der Brehmstrasse Hauptschauplatz der europäischen Eishockeybühne. Zwischen 1990 und 1993 ist die «Brehmstrasse» vier Jahre hintereinander Austragungsort für das Europacup-Finalturnier. Dazu kommt der Epson-Cup und natürlich sechsmal in Serie das Meisterschaftsfinale der Bundesliga. Alle diese Anlässe laufen zuerst auf Eurosport, dann auf dem Sportkanal in sämtlichen deutschsprachigen Wohnzimmern.

Am 29. Juli 2015, wird mein Navigationsgerät endlich mit «Düsseldorf, Brehmstrasse», gefüttert. Vom Hotel am Hofgarten kommend, biege ich 25 Jahre zu spät, die Düsseldorfer EG spielt längst im ISS-Dome, im Düsseldorfer Zooviertel in die Brehmstrasse ein. Das Stadion, welches Kultstatus erreicht hat, wird glücklicherweise weiterhin für den Trainingsbetrieb und den Nachwuchs genutzt.

Blick auf das Eisstadion an der Brehmstrasse. (Krein)

Parkplätze direkt vor dem Stadion sind rar, direkt gegenüber parkiere ich neben einem «Hyundai» der DEG, mit dem Nummernschild «D EG 1550» und es kommen bereits nostalgische Gefühle auf. Ich höre «hier kommt die DEG», Sprechchöre aus der Halle und sehe endlich den Treppenaufgang, welchen ich seit dem «Eishockey Jahrbuch 1990» von einem Foto auf der Seite 60 kenne. Die Vorfreude ist riesig und das überqueren der «Brehmstrasse» bereits eine Fahrlässigkeit, weil ich die Umwelt nicht mehr wahrnehme.

Dann trete ich ein, ins Stadion an der Brehmstrasse, alles was ich von Fernsehbildern und Fotos dutzende Male angeschaut habe, ist nun da. Sämtliche Tribünen führe ich mir zu Gemüte und setze mich hie- und da einfach mal hin. Grossartig muss es gewesen sein, damals ein Ding der Unmöglichkeit hierhin zu kommen. Bei mir zuhause hängen immerhin zwei Trikots aus der Epson-Ära, Uli Hiemer und Michael Flemming. Ein anderer dieser Zeit ist der Mann mit dem schwarzen Gitter, Oliver Kasper, seine Bilder sind mir des Gesichtsschutzes wegen in bester Erinnerung. Ich weiss in welchen Büchern und Magazinen er abgebildet ist. Ein Griff und das Bild hätte ich vor mir.

Links vom Stadion ist ein kleiner Schlittschuhverleih, der Laden heisst «Eissport Kasper», ein älterer Herr heisst mich herzlich willkommen und entpuppt sich als Ladenbesitzer Kasper. Es kommt noch besser, der gesprächige Mann ist der Vater des einstigen DEG-Cracks. «Er sollte jeden Moment vorbeikommen und mir am Computer helfen», meint Hans Kasper freundlich. An einer Wand hängt noch ein Foto des Sohnes, aus der «Zamek-Ära» von 1985-86, ein perfektes Sujet für das Erinnerungsfoto. Kasper-Junior schwärmt ebenfalls von der grossen Zeit der DEG, von den Spielen gegen die Edmonton Oilers und St. Louis Blues. Wie cool wäre es, gleich jetzt an eines dieser Spiele gehen zu können? Wie es wohl hier im Shop, eine Stunde vor Spielbeginn ausgesehen hat?

Oliver Kasper (rechts), im Schlittschuhchop «Eissport Kasper» an der Brehmstrasse. (Hans Kasper)

Die Spiele von heute steigen im ISS Dome, wo die DEG seit 2006 beheimatet ist. Nach 20-jähriger Abstinenz, gibts diesen Sommer erstmals wieder europäisches Spitzeneishockey in der Rheinstadt. Die Plakate der Champions-Hockey-League hängen in der Innenstadt rund um die Königsallee. Der EHC Black Wings Linz und das altbekannte TPS Turku, gastiert in den 90er Jahren dreimal an der Brehmstrasse, sind die Gegner der Gruppe G.

Champions-Hockey-League in Düsseldorf 2015. (Krein)

Ein Blick zurück ins legendäre Stadion an der Brehmstrasse. Zu dieser Zeit hat die DEG, hinter dem SC Bern, mit rund 11’000 Fans jeweils den zweithöchsten Zuschauerschnitt Europas.

SaisonDüsseldorfBern
1985-8610’0208’966
1986-8710’41411’666
1987-8810’21510’502
1988-899’53011’227
1989-9010’53011’742
1990-9110’46012’731
1991-9211’16012’818
1992-9311’05011’975
1993-9410’93912’041
1994-959’15812’170

Hier gehts zum sportlichen Höhepunkt der Clubgeschichte. Am 30. Dezember 1991 steht die DEG im Europacup-Endspiel gegen Titelverteidiger Djurgardens IF Stockholm, dies vor ausverkauftem Haus an der Brehmstrasse.

Der Berner will Aromat

Spielt Bern in Europa bleibt die Stehrampe zu. Dies ist bereits in den 90er Jahren so. Anlässlich des Europa-Cups 1991-92 gastiert zum Auftakt des Halbfinalturniers der jugoslawische Vertreter Olimpija Laibach – gerade mal 800 Leute wollen den Schweizermeister gegen den unbekannten Gegner sehen. 23 Jahre später bleibt die Stehrampe, wie zu Gilligans-Zeiten, wieder zu. Der Gegner kommt aber nicht aus Jugoslawien, sondern aus dem Land des WM-Finalisten Finnland.

„Dr Bärner wott Aromat“ sagt Massimo Rocchi in seiner Nummer, „ja dr Bärner wott Langnou u Bieu“ – quasi das Aromat des hiesigen Hockeylandes statt ein neues, unbekanntes Gewürz aus dem hohen Norden. Ausgerechnet in Bern klappts nicht mit Europa, der Zuschauerkrösus Europas glänzt seit 2001 nur in der heimischen, bekannten Meisterschaft. „Kommen die Finnen ist keiner mehr dinnen“ oder „kommt Tappara ist keiner mehr da“ oder eben, wie Rocchi es passend in seiner Nummer „Essen in der Schweiz“ beschreibt, der Berner will Aromat.


„Dr Bärner wott Aromat.“

– Massimo Rocchi, über das Essen in der Schweiz

In den beiden CHL-Partien gegen die europäischen Topadressen Ocelari Trinec und Tappara Tampere füllen die 4’677 und 4’731 Fans nicht einmal die 6’800 Sitzplätze und bringen den SCB auf einen Schnitt von 4’704 Fans pro Spiel. Damit liegt Europas Krösus in Europas Königsklasse zuschauermässig nur auf Rang sieben. Der 08/15-Fan kann (noch) nichts mit der neugeschaffenen CHL anfangen. Erstens verfügt er nur über mangelnde Kenntnisse und zweitens reicht sein Hockey-Horizont knapp bis zu den Tribünen des Stade-de-Suisse, schade eigentlich.

Die ersten 50 Minuten geben dem 08/15-Fan jedoch recht, denn die Partie gegen Tappara beginnt erst nach 49 Minuten, ab da wird dann alles geboten was ein Spitzenspiel haben muss: Spannung, Aufholjagd, Penalty in der Overtime, Schlägereien und als Krönung noch das Penaltyschiessen mit einem Berner Sieg. Was will man mehr? Aromat? Nach der Niederlage gegen Trinec sagt ein SCB-Funktionär: «diä Tschämpiens-Liiig isch doch ä Schissdräck» und nach dem Knüller gegen Tappara sagt Trainer Guy Boucher immerhin: «Ich konnte mein Team im Penaltyschiessen beobachten», doch so richtig angekommen ist der SCB noch nicht.

Zuschauer (alle 2 Heimspiele)

#ClubLandSchnitt
1.Eisbären BerlinDe5’930
2.Hamburg FreezersDe5’509
3.Adler MannheimDe5’250
4.KosiceSlk5’124
5.LinköpingSd4’824
6.Frölunda GöteborgSd4’723
7.BernSz4’704
8.Genf-ServetteSz4’645

Vor sechs Jahren  

An die Zahlen der Champions-Hockey-League, der Ausgabe 2008-09, kommen die Berner nach zwei Partien ebenfalls nicht. 6’756 und 7’057 wollen im Herbst 2008 die beiden Spiele (Schnitt 6’907) gegen die Espoo Blues und HV71 Jönköping sehen.

4. September 2014 – 3. Runde (Gruppe E)

Bern – Ocelari Trinec 0:4 (0:3, 0:1, 0:0)
PostFinance-Arena. – 4’677 Zuschauer. – SR Schukies (De) /Wiegand, Kohler /Rohrer (alle Sz). – Tore: 5. Orsava (Jasek) 0:1. 7. Zejdl (Polansky, Nosek /Ausschluss Scherwey) 0:2. 20. Zejdl (Nosek, Troncinsky /Ausschluss Plüss) 0:3. 33. Orsava (Matus) 0:4. – Strafen: Bern 4-mal 2 Minuten, Ocelari Trinec 6-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: Bern ohne Kobasew, Moser (verletzt) und Wellinger überzählig. 
Bern: Bührer; Krueger, Furrer; Gerber, Blum; Jobin, Gragnani; Kinrade, Kreis; Holloway (2), Ritchie, Rüfenacht; Pascal Berger, Plüss (2), Reichert; Bertschy, Gardner, Scherwey (2); Loichat (2), Randegger, Alain Berger.
Ocelari Trinec: Hamerlik; Klesla (2), Roth; Nosek, Linhart; Doudera, Troncinsky; Ciencala, Galvas; Kreps, Plihal (2), Dravecky; Irgl (2), Polansky (2), Rufer (2); Jasek, Zejdl, Orsava (2); Ruzicka, Matus, Kindl.

Hier gehts zum SRF-Beitrag

6. September 2014 – 4. Runde (Gruppe E)

Bern – Tappara Tampere 4:3nP (0:0, 2:0, 1:3, 1:0)
PostFinance-Arena. – 4’731 Zuschauer. – SR Eichmann /Hribik (Sz/Tsch), Fluri /Kovacs (Sz). – Tore: 25. Ritchie (Holloway, Rüfenacht) 1:0. 37. Ritchie (Gardner, Holloway /Ausschlüsse Alain Berger; Kankaanperä, Mäkinen) 2:0. 49. Pascal Berger (Reichert, Gerber) 3:0. 53. Kaksonen 3:1. 56. Kolomatis (Kuusela, Erkinjuntti) 3:2. 59. Aalto (Tappara ohne Torhüter) 3:3. – Penaltyschiessen: Furrer -, Peltola -, Ritchie -, Da Costa 0:1, Gardner -, Palola -, Holloway 1:1, Jormakka -, Plüss -, Kuusela -, Palola -, Pascal Berger 2:1. – Strafen: Bern 7-mal 2 Minuten, Tappara Tampere 4-mal 2 plus 5 Minuten plus Spieldauer (Kankaanperä). – Bemerkungen: Bern ohne Kobasew, Moser (verletzt) und Wellinger (überzählig). – 56. Time-out Bern. Tappara Tampere ab 57:51 bis 58:49 ohne Torhüter. 63. Kinrade verschiesst Penalty.
Bern: Bührer; Kinrade, Kreis; Gerber (2), Blum; Jobin, Gragnani; Furrer (2); Bertschy (2), Gardner, Scherwey; Holloway (2), Ritchie, Rüfenacht; Pascal Berger, Plüss (2), Reichert; Loichat, Randegger, Alain Berger (4).
Tappara Tampere: Metsola; Aalto, Mäntylä; Kolomatis, Saravo; Mäkinen (2), Kankaanperä (25); Rauhala, Elorinne; Kuusela (2), Malinen, Erkinjuntti; Palola, Järvinen, Jormakka; Karjalainen (2), Green (2), Kallela; Da Costa, Peltola, Kaksonen.

Hier gehts zum SRF-Beitrag

SCB-Details und auch ein «Meister» wird nicht erkannt

Bewusst oder unbewusst falsch aufgehängt? Das WM-Logo in den Katakomben der Arena.
Bewusst oder unbewusst falsch aufgehängt? Das WM-Logo in den Katakomben der Arena.

Beim SC Bern bin ich immer gern, denn hier sind die besten Medienplätze der Nationalliga A, die Sicht aufs Eisfeld ist hervorragend. Das Matchblatt heute weist zwei kleine Schreibfehler auf und auf dem neuen Videowürfel leuchtet immer noch das «alte» Logo des heutigen Gegners HC Genf-Servette. Bis auf ein paar Details ist hier alles up-to-date.

Die fehlenden Interview-Partner

In der zweiten Drittelspause vermeldet Berns Medienchef Christian Dick den Ausfall von Silberheld und Post-Topskorer Martin Plüss – ausgerechnet Plüss, er sollte bei meinem «Kollegen» vom Teleclub zum Interview antreten, das wird wohl nix. Glücklicherweise ist mein Interview-Partner bereits zum Interview angemeldet und die Fragen sind bereit.

Vier Minuten vor Schluss: Matt Lombardi wird von einem Geoff-Kinrade-Schuss am Gesicht getroffen, der Kanadier muss in der Kabine verarztet werden. Tja und das wäre mein Interview-Partner gewesen und auch das wird nun  nix. Kurzfristig einigen wir uns auf Goran Bezina und Kaspars Daugavins anstelle Lombardis. Beim Abgang in die Interview-Zone «Bärengraben», sehe ich wie selbst SCB-Goalietrainer Rupert Meister, ehemaliger DEL und Bundesliga Goalie, ohne gültiges Ticket nicht an den Security-Frauen vorbei gelassen wird.

Horizontale Lage

Nach dem Spiel genehmigen sich ein paar Medienvertreter beim gemütlichen Talk mit einem ehemaligen SCB-Manager ein paar Bierchen. Der SCB-Manager wurde 1990 im Rahmen der Weltmeisterschaft in Bern offiziell als Schiedsrichter verabschiedet. Das Logo der 90er WM hängt noch heute in den Katakomben der ehemaligen Allmend, aber warum zum Teufel in der horizontalen Lage? Doch dies interessiert leider eben so wenig wie das falsche Servette-Logo auf dem Berner Videowürfel…

Falling Down im Herti-Quartier

Wer an einem Freitag Nachmittag von Bern nach Zürich fahren muss, kann nicht früh genug losfahren oder reist wie der Kluge, halt im Zuge. Zuge oder Zug statt Zürich heisst meine Destination, dies ist schon besser als alles ennet dem Gubrist-Tunnel. Kommt dazu, dass die Zuger Bossard-Arena mit der neuen Umfahrung A4a noch besser zu erreichen ist. Rechtzeitig dort zu sein ist heute zwingend, denn beim SC Bern läuft, neben den Lockout-Spielern Roman Josi und Mark Streit, erstmals John Tavares auf und dies bedeutet, ein Interview gibts schon vor dem Spiel um 19 Uhr 10.

Das Unheil beginnt schon in Kirchberg

Nach einem ersten Stau bei Kirchberg, bin ich frühzeitig kurz vor der Ausfahrt Zug, via Zug ist man innert 10 Minuten über die Hauptstrasse im Herti-Quartier, doch an einem Freitag-Abend entscheide ich mich für die Umfahrung, welche mich quasi durch die Hintertür noch schneller an den Zielort bringt. Dummerweise gibts kurz nach der Umfahrung einen Unfall und mein Auto kommt kurz nach der Ausfahrt Zug zum Stehen. Und es kommt, wie es nach Drehbuch eben kommen muss, in etwa wie bei Falling Down.

Du sitzt im Auto, es geht nichts mehr, die Luft im Auto wird stickig, im Radio vermeldet der Moderator den Unfall mit acht Fahrzeugen! Das Navigationsgerät bleibt zeitlich immer noch im Limit, du greifst mehrfach zur Trinkflasche. So verstreicht locker eine halbe Stunde und die Sanduhr beginnt zu laufen. Die Nervosität nimmt zu und du greifst in die Natel-Tasten um den Regisseur und den Journalisten in Zürich über ein mögliches „Worst-Case-Szenario“ zu informieren.

So nah und doch so fern, auf der A4a Richtung Baar oder „holt mich hier raus.“ (Krein)

Die Regie-Besprechung um 18 Uhr ist verpasst, auch der Tontest um 18 Uhr 45 und die Pressekonferenz vor dem Spiel um 19 Uhr sind Geschichte. Tavares aber, wird um 19 Uhr 10 bei der Spielerbank der Gäste zum Interview bereit stehen. Die Zeit drängt und der Stau wegen des Unfalls bleibt ein Nadelöhr. Mein Auto steht in Höhe der Unterführung Zugerstrasse welche direkt zur Arena führt, wenn ich aussteigen würde, wäre ich zu Fuss nur 500 Meter vom Stadion entfernt. Tavares, welchen ich schon dreimal in New York und einmal in New Jersey gesehen habe, werde ich sicher nicht heute Abend in Zug verpassen.

Sämtliche Möglichkeiten werden durchgespielt

Ob ich wie Michael Douglas in Falling Down aussteigen sollte? Ob ich auf dem Pannenstreifen im Rückwärtsgang zur Ausfahrt Zug zurückfahren sollte? Solche Geistesblitze schiessen im Minutentakt durch den Kopf, nicht durch den Kopf, aber durch Harnröhre drückt die ganze Flüssigkeit welche ich in den letzten zwei Autobahn-Stunden zu mir genommen habe. Die Hände sind schwitzig, der Autositz unbequem und die Situation kaum länger zu erdulden, es fehlen nur noch die quälende Fliege und quengelnde Kinder von „Falling Down“, ehe ich Amok laufen würde.

Trotz der misslichen Lage reicht es mir, durch einen Endspurt vom Parkhaus bis zur Arena joggend und telefonischer Ankündigung zum Öffnen der Hintertüre durch einen TPC-Produktionsmitarbeiter, zur Berner Spielerbank. Unter Hochdruck, die Toilette ist jetzt nicht Thema, stelle ich dem bereits wartenden NHL-Star der New York Islanders die drei Fragen zu seinem Einstand in der Schweiz. Das wars, fix und fertig erklimme ich völlig ausgebrannt und durch den Stress gezeichnet die Medientribüne, SRF-Radio-Mann Mathias Marti, der die Ausfahrt Zug nach mir genommen hat, trifft den Nagel auf den Kopf: „Läck gsehsch du Scheisse us,“ und die Partie hat noch nicht einmal begonnen…

Gezeichnet durch die Staustunden, und links hinten der entspannte Radiomann Marti. (Krein)

Zug – Bern 3:1 (1:1, 1:0, 1:0)
Bossard Arena. – 6’395 Zuschauer. – SR Rochette, Mauron /Tscherrig. – Tore: 2. Diaz (Brunner, Omark) 1:0. 14. Danielsson (Hänni, Jobin/Ausschluss Fabian Sutter) 1:1. 31. Brunner (Diaz, Omark/Ausschluss Rubin) 2:1. 55. Omark (Patrick Fischer) 3:1. – Strafen: Zug 5-mal 2 plus 10 Minuten (Blaser), Bern 5-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: PostFinance-Topskorer Brunner; Ritchie. Zug ohne Markkanen, Suri, Erni und Fabian Schnyder, Bern ohne Roche, Flurin Randegger (alle verletzt) und Collenberg (überzählig). Timeout Bern (59.). Bern von 59:01 bis 59:35 ohne Torhüter.
Zug: Zurkirchen; Helbling, Patrick Fischer; Diaz, Blaser; Chiesa, Wozniewski; Andreas Furrer; Björn Christen, Fabian Sutter, Casutt; Brunner, Holden, Omark; Sven Lindemann, Martschini, Fabian Lüthi; Rossi, Schneuwly, Lammer.
Bern: Bührer; Kinrade, Streit; Josi, Beat Gerber; Jobin, Philippe Furrer; Hänni; Danielsson, Ritchie, Pascal Berger; Gardner, Tavares, Rubin; Caryl Neuenschwander, Martin Plüss, Rüthemann; Déruns, Vermin, Scherwey; Bertschy.

Hier gehts zum SRF Spielbericht und Interview.

Einfach nur Iggulden

Die SCL Tigers gewinnen erstmals seit drei Jahren wieder ein Derby gegen den SC Bern und dies erst noch in Bern. Matchwinner ist der zweifache Penalty-Torschütze Mike Iggulden. Kurz vor dem Interview, wir haben bereits einen Small-Talk und ein Handshake hinter uns und haben uns gegenseitig mit «Mike» vorgestellt. Doch als es mit dem Interview losgehen kann habe ich ein Blackout… …wie heisst der nette Kanadier mit Vornamen? Der Name ist einfach weg.

Das Interview beginnt man immer mit «Vor- und Nachnamen», die SRF-Kamera läuft, der Belichter steht da, der Aufnahmeleiter gibt das OK zum Interview-Start und der Protagonist wartet auf die erste Frage… …alle Blicke, auch diese von der Tribüne, richten sich auf den Interviewer und ich kann ja nicht beginnen mit «Iggulden, congratulation for the victory…»

Ein Blitzgedanke schiesst durch den Kopf, ich habe noch eine Mannschaftsaufstellung in meiner Hosentasche und das Interview beginnt mit einer kleinen Verzögerung. Und Mike Iggulden? …versteht nicht warum «Mike Krein» kurz vor der ersten Frage nochmals in die Hosentasche greifen muss.

21. September 2010

Bern – SCL Tigers 1:2nP (1:1, 0:0, 0:0, 0:1)
PostFinance-Arena. – 14’951 Zuschauer. – SR Reiber, Fluri/Müller. – Tore: 8. Simon Moser (Steiner, Pelletier) 0:1. 12. Rüthemann (Hänni, Martin Plüss) 1:1. – Penaltyschiessen: Steiner -, Martin Plüss 1:0; Pelletier -, Rüthemann 2:0; Iggulden 2:1, Vigier -; Brooks 2:2, Pascal Berger -; Camenzind -, McLean -; Dubé -, Iggulden 2:3. – Strafen: Bern 5-mal 2 Minuten, SCL Tigers 4-mal 2 plus 10 Minuten (Schild). – Bemerkungen: PostFinance-Topskorer: Gardner; Reber. Bern ohne Dominic Meier und Philipp Furrer, SCL Tigers ohne Christian Moser, Flückiger (alle verletzt). – Pfostenschüsse: Gardner (10.), Pelletier (37./Latte). – Timeout Bern (61.).
Bern: Bührer; Roche, Beat Gerber; Krueger, Kwiatkowski; Jobin, Hänni; Stettler; Neuenschwander, Martin Plüss, Rüthemann; Vigier, McLean, Reichert; Gardner, Dubé, Scherwey; Roland Gerber, Froidevaux, Pascal Berger.
SCL Tigers: Benjamin Conz; Curtis Murphy, Lardi; Reber, Kim Lindemann; Schilt, Simon Lüthi; Steiner, Pelletier, Simon Moser; Sandro Moggi, Camenzind, Claudio Moggi; Helfenstein, Iggulden, Brooks; Schild, Lukas Haas, Aurelio Lemm; Genazzi.

Die Rangers in Bern

Ein Hauch der Superlative ist schon während des Warm-Ups der New York Rangers in der PostFinance Arena zu spüren. Noch vor wenigen Jahren schien dies unmöglich, die Schweiz verpasste es 1990 die Edmonton Oilers zu engagieren, der Stanley-Cup-Sieger spielte damals in Düsseldorf, Graz und München. Doch nun sind sie da: Wade Redden, Scott Gomez, «King» Henrik Lundqvist, Chris Drury, Dan Fritsche (Neffe von John Fritsche), Nikolai Tscherdew (in journalistischem Deutsch) oder eben «Zherdev», Colton Orr, Aaron Voros oder Brandon Dubinsky… …die weissen Trikots mit dem «Rangers» Schriftzug agieren in allen Belangen eine Klasse besser als wir dies von der Nationalliga-A gewohnt sind.

Alles ist ein bisschen anders als sonst. Nicht nur die Security-Crew – nicht einmal Christian Dubé, er bestritt immerhin 36 Spiele für die Rangers, kann die Arena ohne vorweisen seines Ausweises betreten – auch die Medienplätze sind so gut besetzt wie nie zuvor. Als ich irgendwo einen Sitz für mich beanspruchen will, werde ich von einer Hostesse (im Victoria-Cup-Outfit) in höflichem englisch angesprochen: «Are you from the Aargauer Zeitung?» Leider muss ich die Frage mit «Nein» beantworten und mir einen neuen Platz, direkt hinter der Rangers-Spielerbank aufsuchen, immerhin habe ich eine offizielle Akkreditierung des Schweizer Fernsehens (SF) aber keinen fixen Sitzplatz.

Nicht einmal Christian Dubé kann die Arena ohne vorweisen seines Ausweises betreten.“

— Beobachtung in der Tiefgarage

Das Schweizer Fernsehen (SF) produziert erstmals mit 18 Kameras, das sind sechs mehr als beim Spenglercup, was dem NHL-Standard in der Regular-Season (in den Playoffs sind es 24 Kameras) entspricht. Das Spiel wird sogar vom «Madison-Square-Garden-TV» live nach Manhattan übertragen. Für die Rangers ist es der erste Europa-Auftritt seit 1981, damals gastierte der Tross für drei Spiele in Stockholm am Dagens-Nyheter-Cup und für eine Partie in Helsinki.

Ein Hauch der Superlative

So sitze ich wie ein kleiner Junge mit grossen Augen hinter den Spielern der Rangers (siehe Foto) und lasse den Zauber des Spiels einfach so auf mich einwirken. Diese Partie gibts in 100 Jahren vielleicht einmal zu sehen. Jede einzelne Minute hat für mich den Hauch der Superlative, auch wenn die Top-Shots Markus Näslund, Henrik Lundqvist (Backup) und Marc Staal für das morgige Spiel um den Victoria-Cup gegen Metallurg Magnitogorsk noch geschont werden.

30. September 2008

SC Bern – New York Rangers 1:8 (0:2, 0:0, 1:6)
PostFinance-Arena. – 16’022 Zuschauer. – SR Koharski/Vinnerborg (Ka/Sd), Morin/Masik (Ka/Slk). – Tore: 5. Girardi (Ausschluss Leuenberger) 0:1. 19. Redden (Rozsival/Ausschlüsse Gamache, Gerber) 0:2. 42. Roche 1:2. 44. (43:55) Drury (Tscherdew/Ausschlüsse Froidevaux, Furrer) 1:3. 45. (44:22) Dubinsky (Ausschluss Furrer) 1:4. 52. (51:35) Kalinin 1:5. 53. (52:35) Korpikoski (Potter) 1:6. 56. Potter (Sjöström/Ausschluss Ziegler) 1:7. 59. Dubinsky (Tscherdew/Ausschluss Abid) 1:8. – Strafen: Bern 9×2 Minuten, NY Rangers 3×2 Minuten. – Bemerkungen: Bern ohne Rüthemann, Plüss und Jobin (alle verletzt), NY Rangers ohne Näslund, Staal und Rissmiller (alle geschont). Torschüsse 22:46 (3:12, 12:14, 7:20)
SC Bern: Bührer (30. Müller); Roche, Furrer (4); Rytz, Josi; Gerber (2), Kobach; Leuenberger (2); Bärtschi, Dubé, Gamache (2); Bordeleau, T. Meier, Abid (4); P. Berger, Ziegler (2), Reichert; Chatelain, Froidevaux (2), D. Meier; A. Berger.
New York Rangers: Valiquette (Lundqvist); Rozsival (2), Redden; Potter, Fahey; Girardi, Kalinin; Drury, Gomez, Prucha; Tscherdew, Dubinsky, Voros; Callahan, Korpikoski, Sjöström (2); Betts, Orr (2), Fritsche.

Am Spieltag des ersten Victoria-Cups der Eishockey-Weltgeschichte besuche ich das Training der Rangers zwischen 10 Uhr und 11 Uh 15. Die Stimmung ist locker und die Halle für Jedermann zugänglich, so schaut auch die russische Legende Alexander Jakuschew vorbei und unterhält sich mit Nikolai Tscherdew (siehe Video). Am Abend wird das einst so hartumkämpfte Duell zwischen Ost- und West erstmals seit dem 15. Januar 1991 und dem letzten Spiel der legendären «NHL-Super-Series» fortgesetzt. Der europäische Titelträger Metallurg Magnitogorsk empfängt die Rangers, dieses Duell zwischen Europas Nummer-Eins und einem NHL-Teams gabs schon vor Einführung des Victoria-Cups.

1. Oktober 2008

New York Rangers – Metallurg Magnitogorsk 4:3 (0:2, 1:1, 3:0)
PostFinance Arena. – 13’794 Zuschauer. – SR O’Halloran/Rönn (Ka/Fi); Cameron/Fonselius (Ka/Fi). – Tore: 2. Platonov (Chistov) 0:1. 19. Malenkikh (Ausschluss Mara) 0:2. 31. Zavarukhin (Atyushov, Marek/Ausschluss Prucha) 0:3. 39:37 Drury (Zherdev/Ausschlüsse Kaigorodov, Zavarukhin) 1:3. 46. Fritsche (Rozsival) 2:3. 51. Drury (Gomez, Näslund/Ausschluss Chistov) 3:3. 60. (59:40) Callahan 4:3. – Strafen: NY Rangers 7×2 Minuten, Magnitogorsk 9×2 Minuten. – Bemerkungen: 50. Time-out NY Rangers. Torschüsse 44:25 (11:7, 14:12, 19:9).
New York Rangers: Lundqvist (Valiquette); Rozsival, Redden (2); Kalinin, Girardi; Mara (2), Staal; Potter; Drury, Gomez, Näslund (4); Zherdev, Dubinsky, Dawes; Fritsche (2), Betts, Rissmiller; Callahan (2), Korpikoski, Prucha (2).
Metallurg Magnitogorsk: Mezin (Proskuryakov); Atyushov (2), Varlamov (2); Malenkikh, Seluyanov; Pilar (2), Biryukov (2); Ibragimov, Bulin; Simakov, Kaigorodov (2), Marek; Chistov (2), Platonov, Zavarukhin (2); Khlystov, Fedorov, Rolinek; Kudrna, Gusmanov, Ermolayev (4).