In Langnauer Ehren

Am 23. Dezember 2016, werden die beiden langjährigen SCL Tigers-Mitarbeiter, Speakerin Christine «Chrige» Nyfeler und Pressechef Rolf Schlapbach für 35- bzw. 30 Dienstjahre vor dem Spiel gegen den HC Davos geehrt. Beide gehören zu den SCL Tigers wie der Tigerkäse, ihren Wert für die Organisation kann nicht in Worte gefasst werden.

Christine Nyfeler mit dem Blumenstrauss für 35 Jahre als Speakerin.. (Michael Langenegger)

Christine Nyfeler debütiert in ihrem Amt im Oktober 1981 gegen den EHC Kloten. Nyfeler speakt seither nicht nur für das Fanionteam, sondern auch seit Jahren für den gesamten Langnauer Nachwuchs. Rolf Schlapbach, zunächst 12 Jahre als Mannschaftsleiter, startet im Herbst 1987 bei den Emmentalern. Nach dem Spiel stehen Langnaus «Off-Ice» Kult-Figuren exklusiv in der ungeschnittenen (directors-uncut) Version vor der Kamera des Schweizer Radio und Fernsehens, das Interview wurde nicht ausgestrahlt.

Sparta beschert Rekord

Der SC Bern, europäisch so weit gekommen wie seit 1992 nicht mehr und damit erstmals überhaupt in einer K.O.-Phase der Champions-Hockey-League, erhält zum „Samichlausen“ ein tschechisches Säckli aus Prag. Sparta spielt bei seinem elften Europa-Auftritt zum zehnten Mal in der K.O.-Phase und gilt als europäisches Schwergewicht, dieses Schwergewicht beschert den Mutzen mit 14’500 Fans die höchste Zuschauerzahl in einem europäischen Wettbewerb seit 41 Jahren.

Unter den 14’500 befinden sich auch ein paar als Prager getarnte Seeländer, die Fraktion um Tschechien-Experte und „Dukla-Jihlava-Schweiz Präsident“ Chris Habegger trägt Sparta-Jerseys aller Epochen. Darunter ist auch das Jersey von Spartas erstem Europa-Cup-Auftritt im Herbst 1990 in Lugano. Sparta qualifizierte sich damals zum ersten Mal für ein europäisches Endrundenturnier und traf im Bronze-Spiel auf die Mannschaft des heutigen SCB-Trainers Kari Jalonen. Turku ohne den verletzten Spieler Jalonen bezwang die Spartaner mit 4:3.

Die „Prager“ aus dem Berner Seeland, von links Bo Hofmann, Chris Habegger, Michael Krein und Mates Hurst, verstärkt durch Ostblock-Kenner Beat Kurt im Dukla Jihlava Sweater. (Milan Zwahlen)

26 Jahre später muss Jalonen wieder zusehen, als Trainer – und anders als Turku kommen die Berner gegen die Tschechen nicht über ein 1:1 hinaus. Das Rückspiel folgt in einer Woche in der O2 World in Prag. Mit Sparta kehrt Europa in Zuschauerzahlen endlich nach Bern zurück, die Partie bringt den Mutzen die zweithöchste Zuschauerzahl der Europa-Cup-Geschichte – was ausser vielleicht Berns Pressechef Christian Dick keinen interessieren wird – und in einer Woche werden wir wissen ob die Berner auch noch an die sportlichen Europa-Cup-Erfolge der 90er Jahre anknüpfen können.

Berns „Top-of-Europe

DatumSpielZuschauer
6.2.1975Berliner SC16’151
7.12.2016Sparta Prag14’567
11.10.2016Salzburg13’667
1.11.2016Jyväskylä13’660
18.10.1977Köln11’616
Statistik: Krein

Von Gentlemen und Weltenbummlern

Zum 101. mal trifft Langnau in einem NLA-Spiel auf den EHC Biel. Im Presseraum herrscht wie üblich eine gute Ambiance und die Verpflegung durch Gisela Schlapbach ist wie immer herzlich und charmant. Die Presseverantwortlichen Rolf Schlapbach (SCL Tigers) und Silvan Andrey (EHC Biel) informieren 19 Uhr 17 über die Aufstellungen ihrer Mannschaften, auf Andreys Info: «Marc-Antoine Pouliot ist überzählig», meldet sich der weltbekannte Eishockey-Chronist zu Wort: «Was heter vergässe?» und sorgt unter dem «who-is-who» am Tisch der journalistischen Berner-Hockey-Fraktion für einen Lacher.

Von Läderach bis Tuma

Am «Tisch der aussergewöhnlichen Gentlemen» fällt der Name Heinz Läderach, «ou was macht dä?», «Dasch dr schneuscht Schlittschuehläufer xi vor NLB», «är het dr Siegträffer gäge SCB gschosse» oder «är het gspiut wie dr Peter Sullivan.» Die Lorbeeren für den ehemaligen Stürmer vom SC Langenthal könnten nicht grösser sein. In diesem Augenblick betritt ein älterer Herr den Presseraum, der Publizist: «und da chunt si Trainer», Jaroslav Tuma ist verblüfft und begrüsst die fachkundige Runde. Auch Tuma verliert über Läderach nur gute Worte. Der gebürtige Tschechoslowake verlässt 1968 im Alter von 21-Jahren seine Heimat Richtung Holland, via Tilburg, Rosenheim, Mannheim, Iserlohn, Schwenningen und Ingolstadt heuert er 1983 bei Langenthal an. Noch heute ist der 69-Jährige als Spieler-Agent tätig und betreut weltweit rund 80 Spieler.

Zwei Weltenbummler im besten Alter

Ebenfalls in den 80er Jahren kommt der aktuelle Biel-Trainer Mike McNamara in die Schweiz. 1981 verpflichtet der NLB-Club HC Villars McNamara als neuen Headcoach. Im Frühjahr 1982 steigt der Traditionsclub mit McNamara in die 1. Liga ab. Kein erfolgreicher Start für den Kanadier, dennoch setzt der damals 32-Jährige seine Karriere in der Schweiz fort. Lugano, Dübendorf, Fribourg-Gottéron, Zug, Visp, Ajoie, Lugano, Chur, Lugano, Lausanne und Biel heissen seine Stationen als Head- und Assistenzcoach bis 2016.

Zum dritten Mal interims-Trainer

Auf seiner Trainer-Odyssee heuert der heute 67-Jährige dreimal beim HC Lugano an, 1983, 2006 und 2009. Als Assistent und Ersatzausländer von «Magier» John Slettvoll ist er bei den Meistertiteln 1986 und 1987 dabei, später kehrt er zweimal als Headcoach der Elite-Junioren zurück ins Tessin. Auch mit der Rolle als interims-Trainer ist der ehemalige WHA-Spieler der Quebec Nordiques bestens vertraut. Bereits zum dritten Mal übernimmt er während der Saison einen Trainerposten in der National-League (NL), 2007-08 beim EHC Chur kommt er für Andreas Fischer, 2010-11 übernimmt er in Lugano für Philippe Bozon und am 14. November 2016 in Biel für «Hockeygott» Kevin Schläpfer.

Die Uhr im Presseraum zeigt 19 Uhr 35, es ist höchste Zeit seinen Platz auf der Pressetribüne aufzusuchen. Zugegeben, ohne bevorstehende Eishockey-Partie der 27. Runde, hätte man den Abend – gefüllt mit Anekdoten aus längst vergangenen Zeiten – im gemütlichen Langnauer Presseraum unter der Bewirtung von Frau Schlapbach ausklingen lassen können. Die zwei älteren Herren und Hockey-Koryphäen sind längst auf ihren Plätzen. Tuma auf der Pressetribüne als Beobachter, McNamara hinter der Bande als Trainer, zwei Weltenbummler im besten Alter. Und ja, McNamara und die Bieler gewinnen in einem packenden Spiel mit 5:3 und SI-Mann Stefan Sommer*, er wettet jeweils unter den Gentlemen gegen seine Mannschaft, kassiert 120 Franken Schmerzensgeld.

*gehört seit Jahren zum Tisch der aussergewöhnlichen Gentlemen und berichtet für die Sportinformation.

29. November 2016 – 27. Runde

SCL Tigers – Biel 3:5 (1:0, 0:2, 2:3)
Ilfishalle. – 5’694 Zuschauer. – SR Mandioni /Massy, Abegglen /Kaderli. – Tore: 11. Elo (Schremp, Nils Berger) 1:0. 33. Micflikier (Lundin/Ausschluss Koistinen) 1:1. 38. Horansky (Fabian Sutter, Wetzel) 1:2. 45. Fey (Huguenin/Ausschluss Nils Berger) 1:3. 49. Earl (Julian Schmutz, Lundin) 1:4. 56. (55:02) Schremp (Elo, DiDomenico/Ausschlüsse Horansky, Maurer) 2:4. 56. (55:37) Elo (Schremp/Ausschluss Maurer) 3:4. 60. (59:38) Fey (Ausschluss Jan Neuenschwander!) 3:5 (ins leere Tor). – Strafen: SCL Tigers 3-mal 2 Minuten, Biel 4-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: SCL Tigers ohne Pascal Berger, Blaser, Lukas Haas, Nüssli, Stettler (alle verletzt) und Shinnimin, Biel ohne Pouliot (überzählig), Valentin Lüthi, Tschantré (beide verletzt) und Wellinger (krank). – Timeouts: SCL Tigers (59:03); Biel (55:37).
SCL Tigers: Punnenovs (49. Ciaccio); Seydoux, Koistinen (2); Zryd, Flurin Randegger; Weisskopf, Yves Müller; Currit; Elo, Schremp, Nils Berger (2); DiDomenico, Albrecht, Sven Lindemann; Claudio Moggi, Schirjajew (2), Kuonen; Roland Gerber, Adrian Gerber, Wyss; Rüegsegger.
Biel: Hiller; Lundin, Dufner; Maurer (4), Dave Sutter; Huguenin, Fey; Nicholas Steiner, Jecker; Julian Schmutz, Earl, Micflikier; Rossi, Jan Neuenschwander (2), Fabian Lüthi; Pedretti, Gaëtan Haas, Rajala; Horansky (2), Fabian Sutter, Wetzel.

Hier gehts zum SRF-Spielbericht und zum Interview mit Mike McNamara.

Der Patron von Court

Die Fahrt durchs Vallée-du-Tavannes führt im östlichen Teil ins verschlafene Dörfchen Court. Das ehemalige Strassenzeilendorf liegt im Berner Jura, hier scheint die Zeit noch stehengeblieben, es ist als würde man zurück in die 80er Jahre versetzt. Treffpunkt ist die Rôtisserie La Calèche, zwischen der Hauptstrasse und der Bahnlinie. Im schmucken, typisch welschen Landgasthof sticht ein Service-Tablar mit dem Mannschaftsfoto des EHC Biel ins Auge. Der ehemalige EHCB-Spieler Francis Lardon führt das Restaurant, Lardon gehörte 1978 zum ersten Bieler Meisterteam.

Den Chef des Hauses sehen wir nicht, denn dies ist auch nur die Zwischenstation auf dem Weg zum Haus von Monsieur Charpié. Der 67-Jährige lebt seit Jahren in seinem eigenen Eishockey-Museum in Court. Auf der Fahrt zu Monsieur Charpié erblicken wir, nach dem Überqueren der Birs, den Wegweiser zur Patinoire de Court, die offene Eisbahn auf einer ehemaligen Kuhweide liegt nur 800 Meter von Charpiés Haus entfernt.

ACBB Paris und Wembley Lions

Der Patron, im Team-Kanada-Pullover, öffnet seine Türe wie die Tore zu einem geheimen Nummerndepot einer Schweizer Bank. Bereits der erste Blick bringt uns zurück in die 50er Jahre, das Trikot vom Athletic-Club-de-Boulogne-Billancourt (ACBB) Paris hängt am Treppengeländer, welches zu Charpiés persönlicher Hall-of-Fame in den Dachstock führt. «Das ist das Original-Trikot von Jean Ayer», sagt der passionierte Hockeysammler. Er habe noch mehr von Ayer, unter anderem sämtliche Matchprogramme aus seiner Zeit bei den Wembley Lions in London.


„Du wirst schlichtweg erschlagen.“

– Michael Krein, in Court

Schon nur diese Aussage, lässt uns zumindest im Ansatz erahnen, was sich noch alles in seinem Archiv verbergen könnte. Dann betreten wir das Reich Charpiés, es erinnert an den Bieler Spielzeugladen Schöni an der Kanalgasse 37, hier gibt es alles – alles – vom Trikot des EHC Nidau, über sämtliche Trikots des HC Villars und CP Court, bis zu einer Jacke der Montreal Canadiens 1952 von Doug Harvey, die Lizenzen der Croci-Torti’s (Guy, Jean-Luc und Yves), Presseordner des EHC Olten oder sämtliche Chroniken vom Lausanne HC bis zum HC Le Fuet Bellelay.

Emotionale Erschöpfung

Nach ca. 90 Minuten schleicht sich im Denkzentrum eine psychische Übermüdung ein, man ist nicht mehr in der Lage neue Informationen und Eindrücke einzuordnen. Selbst der hartgesottenste Hockey-Romantiker erreicht hier mit der emotionalen Erschöpfung die erste Stufe eines Burnouts. Allerdings lässt sich das Burnout nicht auf negative-, sondern auf den massiven Überfluss positiver Eindrücke zurückführen. Du wirst schlichtweg erschlagen. Und Monsieur Charpié? Der Patron stöbert, räuspert, erzählt und präsentiert einen Leckerbissen nach dem andern.

Hat er selber noch den Überblick? Weiss er wo er was verstaut hat? Woher hat er nur all diese Zeitzeugen? Und was sagt Madame Charpié? Diese Fragen gehen einem zusätzlich durch den Kopf. Es ist pure Eishockey-Romantik, in diesem Archiv scheint die Zeit noch langsamer zu laufen, als dies im Dörfchen Court der Fall zu sein scheint – und das ist gut so. Es ist ein Eintauchen in eine andere Welt mit einem gutmütigen Patron, der hier einen wichtigen, längst verloren gegangenen Teil des Schweizer Eishockeys in welscher Manier, aber mit grösster Sorgfalt beherbergt.

Schremp-Show in Lyss

Beim sechsten Swiss-Ice-Hockey-Day in Lyss erweist, neben den einstigen Lyssern Philippe und Simon Rytz, sowie Matthias Rossi, Nicolas Steiner, Ivars Punnenovs und Brendan Shinnimin, Langnaus Rob Schremp dem Lysser Nachwuchs die Ehre.

Bei Schremps Posten gehts um das Thema Stickhandling, gespannt beobachten die Kleinsten die Kunststücke des Amerikaners (Foto). Das Highlight folgt beim anschliessenden Penaltyschiessen zwischen dem SC Lyss und den Stars der National-League. Der 114-fache NHL-Spieler zeigt seinen Lieblingsmove gegen den verblüfften Lyss-Goalie Fabian Zaugg.

Wick und Sega-Mega-Drive

Einmal pro Saison laden die ZSC Lions zu einem Retro-Spiel, wo die Lions in einem Trikot – welches durch eine Abstimmung der Fans bestimmt wird – aus vergangenen Zeiten antreten. In der jüngsten Ausgabe treten die Zürcher im Trikot aus den Saisons 1992-94 gegen den HC Genf-Servette an. Das schwarze Trikot von damals war von Adidas und trug die Sponsorenschriftzüge «Inag» und «Lehmann», Hosensponsor von damals war der japanische Softwareentwickler und Spielkonsolenhersteller «SEGA». Die besten Spieler jeder Heimpartie wurden jeweils mit einer SEGA-Mega-Drive Spielkonsole ausgestattet. Die Kinder der 70er und 80er Jahre sind damit bestens vertraut, eishockeytechnisch sind «EA-Hockey» oder «NHLPA Hockey ’93» Kult.

„zwei Minuten später folgt der lupenreine Hattrick und ein weiterer dreifacher Roman“

— Wie einst auf EA-Hockey der Sega-Spielkonsole

Zu jener Zeit, dümpelte Zürichs Retro-Gegner Genf-Servette noch in der Gruppe 3 der 1. Liga, dies ist nicht abwertend gegenüber der Amateurliga gemeint, rum. Auf dem Match-Magazin des Retro-Spiels 2016 ist Roman Wick abgebildet, als ob die Verantwortlichen der Lions oder Stadionspeaker Giovanni «Giovi» Marti dies hätten vorausahnen können. Als Zürichs Topskorer Wick in der 27. Minute das 3:1 erzielt skandiert Marti Wicks Namen gleich dreimal «dä Rrr-oman, dä Rrr-oman, dä Rrr-oman», dies war bei Morris Trachsler (Torschütze zum 1:0) und Ryan Shannon (2:1) nicht der Fall. Marti: «beim dritten Treffer der Lions skandiere ich jeweils dreimal den Vornamen». Beim vierten Treffer der Lions, dem zweiten Wicks, wiederholt Marti spontan den dreifachen Roman und tatsächlich folgt zwei Minuten später der lupenreine Hattrick und ein weiterer dreifacher Roman.

Schnellster Lions-Hattrick

Retro-Wick erzielt drei Tore im 2. Drittel, es ist innert 11 Minuten und 23 Sekunden der schnellste Hattrick oder «HattWick» in der Geschichte der Lions, damit unterbietet Zürichs Topskorer seinen Teamkollegen Morris Trachsler um 20 Sekunden. Einen Hattrick den Mann/Kind selbst im alten SEGA-EA-Hockey mit der Schweiz gegen Spanien kaum hätte unterbieten können. Das Retro-Jersey 2016, Replika durch Ochsner, beschert also nicht nur Retro-Wick, sondern auch den Zürchern einen überlegenen Sonntag-Nachmittag. Der klare 5:1-Sieg über Servette ist der sechste Sieg im sechsten Retro-Spiel und damit rücken die Lions an die Tabellenspitze. Und Wick? In der 93er Ausgabe hätte er als «Best Player» einen SEGA-Mega-Drive erhalten, heute ist es ein Gutschein des Zürcher Reisebüros Cruisetour AG.

Die Lions Retro-Spiele

16.10.2016Trikot 1992-94Genf-Servette 5:1
25.10.2015Trikot 1948-49SCL Tigers 6:3
12.10.2014Trikot 1948-49Davos 4:1
27. 10.2013Trikot 1988-89Bern 6:0
14.10.2012Trikot 1982-83Biel 4:1
6.11.2010Trikot 30er JahreLugano 6:2

16. Oktober 2016 – Hier gehts zum SRF-Beitrag

ZSC Lions – Genf-Servette 5:1 (1:0, 4:1, 0:0)
Hallenstadion. – 9’143 Zuschauer. – SR Eichmann /Vinnerborg, Küng /Wüst. – Tore: 17. Trachsler (Geering, Schäppi) 1:0. 24. Jacquemet (Simek, Ehrhardt) 1:1. 27. Shannon (Chris Baltisberger, Blindenbacher /Ausschlüsse Traber, Rubin) 2:1 28. (27:34) Wick (Sjögren, Bärtschi /Ausschluss Rubin) 3:1. 37. (36:43) Wick 4:1. 39. (38:57) Wick (Rundblad, Nilsson) 5:1. – Strafen: ZSC Lions 8-mal 2 Minuten, Genf-Servette 7-mal 2 plus 10 Minuten (Slater). – Bemerkungen: ZSC Lions ohne Hächler, Karrer, Künzle, Pestoni, Siegenthaler. Genf-Servette ohne Wick, Massimino, Antonietti, Vukovic, Détraz, Almond und Rod (alle verletzt).
ZSC Lions: Flüeler; Geering (2), Blindenbacher; Phil Baltisberger, Rundblad (2); Marti, Seger; Guerra; Thoresen, Shannon, Chris Baltisberger (2); Wick (2), Sjögren (4), Nilsson; Herzog, Cunti (2), Suter (2); Kenins, Trachsler, Schäppi; Bärtschi.
Genf-Servette: Mayer (2, 41. Bays); Ehrhardt (2), Loeffel; Fransson, Jacquemet; Kast, Mercier; Petschenig, Chuard; Riat, Romy, Schweri; Douay (2), Slater (12), Traber (2); Spaling (2), Rubin (2), Simek; Impose, Heinimann, Leonelli.

Weltrekord ohne Goalie?

Das Hinspiel gewannen die Berner in Salzburg mit 4:1, die Gäste brauchen also einen Sieg mit drei Toren Differenz. Nach 25 Minuten liegen die Österreicher aber wieder mit zwei Toren im Hintertreffen. Jetzt hilft nur noch «äänen Red Bull», der den Ösis Flügel verleiht. Der Energiedrink scheint zu wirken, denn innert neun Minuten gleichen die Mozartstädter zum 3:3 aus. Den Bullen fehlen aber immer noch zwei Tore um überhaupt in die Overtime zu kommen.

Der richtige Kraftakt des österreichischen Meisters kommt erst in der Schlussphase. Torhüter Luka Gracnar wird bereits fünf Minuten vor Schluss durch einen sechsten Feldspieler ersetzt, ob das gut kommt? Trotz aller Energie, welche eine Red Bull Dose freisetzen kann, scheint ein weiterkommen der Mannschaft von Greg Poss ein Ding der Unmöglichkeit.


Luka Gracnar

„Während vier Minuten und 51 Sekunden einen leeren Kasten.“

— ein Weltrekord?

Zu einem weiteren Treffer kommen die Salzburger nicht. Beeindruckend ist aber die Tatsache, dass die Red Bulls während 4 Minuten und 51 Sekunden keinen Gegentreffer in den leeren Kasten hinnehmen müssen. Die Berner kommen in dieser Phase zu keinem Abschluss. Nur kurzzeitig kehrt Gracnar, beim Bully in der eigenen Zone, für fünf Sekunden in seinen Kasten zurück.

Trotz dem Aus in den Sechzehntelfinals, scheinen die Männer in den silber-blauen Helmen in Bern einen Weltrekord aufgestellt zu haben. Red Bull verleiht bekanntlich Flügel, oder zumindest einen Eintrag ins Guiness Buch.

Die Red-Bull-Dosen in Form eines Helms verleihen erst am Schluss Flügel. (Krein)

Vom «Röselichöhli» zum Fleisch

Unter Heinz Ehlers spielt der HC Lausanne drei Jahre lang unattraktives, aber sehr erfolgreiches Defensiv-Eishockey. Unter Ehlers erreichen die Waadtländer sogar zweimal die Playoffs und sichern sich im vergangenen Jahr souverän den Ligaerhalt. Mit Daniel Ratushny steht neu ein offensiv-ausgerichteter Trainer an der Bande der Löwen und der defensive Froschkönig verwandelt sich in einen offensiven Kronprinzen.

Oder wie es ein Seeländer Polizei-Spotter, ein ziviler Stadionüberwacher im Eisstadion, passend formuliert: «Es ist wie mit dem Röselichöhli», gibts du deinen Kindern drei Jahre Rosenkohl ist das gut, weil sie nichts anderes kennen. Unter dem neuen Familienoberhaupt Ratushny gibts jetzt erstmals Pommes-Frites serviert und die Mannschaft läuft neuerdings auch offensiv auf Hochtouren.

Erfolgreichster Saisonstart

Auch Lausannes Presseverantwortlicher Omar Guess ist von Ratushnys Arbeit begeistert: «Man bemerkt es im Training, die Stimmung ist super, alle haben Freude am Offensiv-Stil des neuen Trainers». Es war auch unter Ehlers gut, fügt der Pressechef dazu. Aber eben, nur gut wie «Röselichöhli». Nach drei Jahren Magerkost geht Lausanne endlich zu frittierter Offensiv-Kreativität über. Unter Ratushny starten die Waadtländer so erfolgreich wie noch nie in ihrer 22-jährigen NLA-Geschichte und holen sieben Siege in den ersten acht Spielen.

Nach drei Jahren Magerkost geht Lausanne endlich zu frittierter Offensiv-Kreativität über

Der österreichische Meistertrainer führte zuletzt den EC Red Bull Salzburg durch Offensiv-Spektakel 2015 und 2016 zu zwei Meistertiteln. Ratushnys Aufgabe in Lausanne ist so schwer wie einen Veganer zum Vegatarier umzufunktionieren. Statistisch ausgedrückt: Vermittle dem schwächsten Offensivteam der NLA der letzten zwei Jahre den Spielstil des stärksten Offensiv-Teams Österreichs der letzten zwei Jahre.

Vorsicht Fleisch

Die Salzburger erzielten in den vergangenen zwei Spielzeiten unter Ratushny in 54 Spielen 200 (3.7 Tore/Spiel) und 208 Tore (3.85 Tore/Spiel), Lausanne unter Ehlers in 50 Spielen 105 (2.1 Tore/Spiel), respektive 123 (2.5 Tore/Spiel) Treffer. Gespielt ist erst ein Fünftel der Qualifikation, dennoch haben die Lausanner bereits einen Drittel der Punkte der vergangenen Saison auf ihrem Konto. Aber Vorsicht, riecht der ehemalige Veganer erstmals das «Fleisch», genügen in der Waadtländer Kantonshauptstadt auch die vegetarischen Pommes-Frites nicht mehr.

Foto: Hervé Chavaillaz

Hamburgs DEL-Uhr «eingefreezert»

Der Hamburger Sportverein (HSV) ist der einzige Fussballverein Deutschlands, der seit der Saison 1963-64 nie aus der Bundesliga abgestiegen ist. Die langjährige Liga-Zugehörigkeit veranlasste den Club-Sponsor Hamburgische Electricitäts-Werke AG (HEW) 2001, einen Zeitmesser zu installieren. Das Zifferblatt der mittlerweile kultigen Digital-Stadion-Uhr steht beim HSV bei 52 Jahren, 274 Tagen und ein paar Stunden.

Mit anderen zeitlichen Dimensionen hatten die Eishockeyaner der Hamburg Freezers zu kämpfen. Am vergangenen Mittwoch, am 18. Mai 2016 hatte der US-amerikanische Besitzer Anschutz-Entertainment-Group (AEG), die Amerikaner stiegen 2005 auch beim HC Genf-Servette aus, verkündet, keine neue Lizenz für die Spielzeit 2016-17 beantragen zu wollen. Gerade mal eine Woche blieb den Hamburgern Zeit einen neuen Käufer zu finden.

Der langjährige Kapitän Christoph Schubert hat alles versucht die Freezers zu retten

— über das Engagement des Captains

Der Ankündigung folgte eine Welle der Solidarität und ein grosser Spendenaufruf, Fans überwiesen insgesamt mehr als eine halbe Million Euro zur Rettung des Vereins. Doch selbst mit dieser Summe würden die Freezers in der kommenden Saison rote Zahlen schreiben, für die der Betreiber aufkommen müsse, sagte Anschutz-Europapräsident Tom Miserendino. Die Frist zum Lizenzantrag ist gestern Mitternacht, am 24. Mai 2016 verstrichen und heute steht das ganze Kader (darunter ex-Fribourg-Goalie Sébastien Caron) der Freezers auf dem Transfermarkt.

Die Lizenz und Schubert

Anders als die Uhr der kickenden Stadtnachbarn, ist die Uhr der Eishockeyaner nach 13 Jahren und 356 Tagen «eingefreezert» worden. Auch Freezers-Mannschaftskapitän Christoph Schubert, er hatte die Spendenaktion organisiert, trauert um «seinen Club». Schuberts Verbindung mit «seinem Club»  könnte tiefer nicht sein, oder anders gesagt, Schubert und die DEL-Lizenz der Freezers sind praktisch unzertrennlich.

Im Sommer 1999 wurde die Lizenz vom EV Landshut, dem damaligen Club Schuberts, nach München verkauft. Schubert wechselte ein Jahr später zu Landshuts Lizenznehmer München Barons. 2002 wurde die Lizenz von Bayern in die Hansestadt weiterverkauft, zeitgleich startete der Verteidiger seine achtjährige NHL-Odysse, um 2010 wieder bei Landshuts Lizenznehmer in Hamburg anzuheuern. Sage mir wo die Lizenz hingeht und ich sage dir wo Schubert spielen wird, warum nicht zurück nach Landshut…

Die Pizza vor dem Sturm

Es herrscht die pure Idylle im Garten-Restaurant der Osteria-Resega, die Sonne scheint, das Klima ist sommerlich warm und die Pizza-Prosciutto wird in Kürze serviert – während wir auf unsere Pizza warten – finden auch andere Medienvertreter aus dem Züribiet die „Via Sonvico uno“. Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen aber erahnen, die „Prosciutto“ ist die letzte Ruhe vor dem Sturm. Unsere Tickets erhalten wir vom Lugano-Offiziellen Dany El-Idrissi, direkt beim Sekretariat an der Via Chiosso. Dann gehts los in die Höhle des „Panthers“, sieben Plätze neben uns sitzt der ehemalige Lugano-Spieler und dreifache Schweizermeister Florian Blatter.

Wie in den Neunzigern

Die Bianconeri stehen erstmals seit ihrem letzten Meistertitel, also nach zehn Jahren, wieder im Final. Die Erwartung ist gross und das Publikum geladen wie an einem siebten Spiel. Lugano muss heute im dritten Spiel der Serie (Stand 1:1) wieder vorlegen. Die Rivalität zwischen Bern und Lugano lässt die alten 90er Jahre wieder aufleben, als sich die heutigen Gegner dreimal in Folge im Endspiel duellierten. Mit dabei war damals auch der heutige Final-Schiedsrichter Didier Massy, wohl kaum einer der aktuellen Fans mag sich an Lugano-Massy (2-mal Meister) noch erinnern.

Die Schiedsrichter sind während der ganzen Partie dem Gefahrenherd des heissblütigen Mobs ausgesetzt. Wenns für den Gegner läuft, fliegt alles aufs Eis was nicht niet- und Nagelfest ist. Bierbecher, Schlüsselketten, Sonnenbrillen oder Lippenstifte führen mehrfach zu Unterbrüchen. Kurz vor Ablauf der regulären Spielzeit wird sogar die Plexiglasscheibe der Berner Strafbank, wo Simon Moser sitzt, zertrümmert. Vielleicht ist es wie im alten Rom, während der Zirkusspiele im Colosseum, den Unparteiischen hätte man damals wohl den Daumen nach unten gezeigt. Die Ruhe der Osteria-Resega ist auf der Pista-Resega kaum noch zu erahnen und das Spiel?

Non mollare mai

Endet zum Schrecken aller, ausser den Spielern des SCB, zu Gunsten der falschen Gladiatoren und der Mob wütet, wie einst bei der Schande von Lugano, bei Zürichs Meistertitel 2001. Das Erlebnis ist aber auch für meinen „Berner“ Freund unvergesslich, auch wenn er zeitweise um sein Leben fürchtet – für alles andere gibts die Mastercard, das ist die Resega und das ist Lugano. „Non mollare Mai“ (gib niemals auf), sind unvorstellbare Leidenschaft und Enthusiasmus, gekoppelt mit einer Finalpartie weltweit unübertreffbar.

Die letzte Ruhe vor dem Sturm gilt auch für die Schiedsrichter Roger Bürgi (75), Didier Massy (22), Danny Kurmann (66) und Simon Wüst (44). (Krein)

7. April 20163. Finalspiel

Lugano – Bern 2:3nV (0:0, 2:1, 0:1, 0:1)
Resega. – 7’800 Zuschauer (ausverkauft). – SR Kurmann/Massy, Bürgi/Wüst. – Tore: 21. Bodenmann (Ebbett /Ausschluss Rüfenacht!) 0:1. 26. Martensson (Ulmer /Ausschluss Blum) 1:1. 38. Lapierre (Chiesa, Sannitz) 2:1. 47. Ebbett (Moser, Jobin) 2:2. 70. Scherwey (Plüss) 2:3. – Strafen: Lugano 8-mal 2 Minuten, Bern 10-mal 2 plus 10 Minuten (Roy). – Bemerkungen: PostFinance-Topskorer Klasen, Conacher. Lugano ohne Steinmann (verletzt), Stapleton, Sartori, Romanenghi (alle überzählig), Bern ohne Hischier, Kobasew, Bergenheim, Bührer, Kousa (alle verletzt), Kreis, Ness, Smith (alle überzählig). 4. Pfostenschuss von Pascal Berger. 73. Timeout von Lugano.
Lugano: Merzlikins; Hirschi, Kparghai; Chiesa (2), Furrer; Ulmer, Vauclair; Kienzle (2); Brunner, Hofmann, Bertaggia; Walker (2), Sannitz, Lapierre (6); Kostner, Schlagenhauf, Fazzini; Martensson, Klasen (2), Pettersson (2).
Bern: Stepanek; Jobin, Untersander; Krueger, Blum (2); Helbling (4), Gerber; Flurin Randegger; Bodenmann, Ebbett, Moser (2); Conacher, Roy (12), Rüfenacht (8); Scherwey, Plüss, Reichert; Alain Berger (2), Pascal Berger, Gian-Andrea Randegger.

Der andere Riesen

Alain Riesen besucht am 23. Januar 2016 das Spiel zwischen bern und Kloten. (Krein)

Eishockeytechnisch hat die Schweiz und Australien nicht viele Gemeinsamkeiten. An der C-Weltmeisterschaft 1974 trafen die beiden Nationalteams im Palais-des-Sports in Grenoble erstmals aufeinander. Der 20:0-Sieg der Eisgenossen ist bis heute der höchste Sieg der Geschichte des Schweizer Nationalteams, der ehemalige Nationaltorhüter Robert «Robelon» Meuwly sagt noch heute «i ha ke Pögg berüehrt». Auf die Frage wie hoch wohl seine Mannschaft (Canberra Brave) gegen die beiden heutigen Gegner SC Bern und Kloten Flyers verlieren würde, antwortet Alain Riesen mit demselben Resultat: «twenty-zero.»

Ursprung in der Berner Allmend

Alain Riesen? Sein Name lässt nichts über seine wahre Herkunft vermuten: Australien. Riesens Eltern sind 1987 durch ein Jobangebot in Australiens Hauptstadt Canberra aus Bern nach Down Under ausgewandert. Drei Jahre später, am 5. September 1990 hat Alain Riesen in Canberra das Licht der Welt erblickt. Im Alter von zwölf Jahren reist Riesen mit seinen Eltern in die Schweiz und besucht sein erstes Eishockeyspiel im Berner Allmend-Stadion. «Seit diesem Spiel wollte ich Hockey spielen», nennt Riesen, der auch ein gebrochenes Berndeutsch spricht, als Grund für seine exotische sportliche Affinität im Land des Rugbys.

„Seit diesem Spiel wollte ich Hockey spielen.“

— Alain Riesen über Bern

Alain Riesen (#32) am 6. Juni 2015, bei Canberras 4:1-Sieg gegen die Sydney Ice Dogs. (Paul Furness)

Der erste Australier in der Schweiz

Als 18-Jähriger debütiert der Doppelbürger 2009 in der Australian-Ice-Hockey-League (AIHL) bei den Canberra Knights, dem traditionsreichsten von acht AIHL-Teams. Seine Schweizer Wurzeln führen den Stürmer in der Saison 2012/2013 zum EHC St. Moritz. Er habe ein paar Schweizer Klubs, darunter auch den EHC Wiki-Münsingen wo einst sein Grossvater gespielt hat, kontaktiert, sagt Riesen. Die Bündner boten dem College-Absolventen neben dem Hockey-Abenteuer auch eine Saisonstelle in einem Sportgeschäft, also spielte der erste Australier in der Schweiz unter Trainer Gian-Marco Crameri bei St. Moritz in der 2. Liga.

Saisonstart im April

Im Dezember 2015 kehrt der 25-Jährige für einen Monat in die Schweiz zurück um seiner Freundin Chloe neben Paris und London auch sein Mutterland zeigen zu können. Neben den obligaten Sehenswürdigkeiten wie Luzern, Zermatt oder Genf gehören auch drei Eishockeyspiele dazu. Riesen, der bei seinem Onkel in Gasel weilt, besucht zwei Spiele in Bern, seinem Lieblingsclub und ein Spiel in Davos. Beeindruckt von der imposanten Kulisse in Bern startet der «Australier» im April 2016, die AIHL läuft von April bis August, in seine achte AIHL-Saison mit den CBR (Canberra) Brave, dort spielt der Rechtsschütze seine Heimspiele vor 800 Zuschauern. Die Leidenschaft für den schnellsten Mannschaftsport der Welt ist aber auch beim «anderen» Riesen mindestens so gross wie die Kulisse der PostFinance Arena.

Canberra Brave-Spieler Riesen besucht seinen Ursprungsort, die Berner PostFinance Arena. (Krein)