Selbstverständlich kenne ich den Namen Shin Yahata oder eben Shin Larsson. Ich muss aber zugeben, dass ich Herr Larsson-Yahata am 10. Dezember 2010 in der PostFinance Arena nicht auf anhieb erkenne. Erst als ich seinen Namen höre, ist mir klar wer da zusammen mit Jiri Hrdina, ehemaliger Weltklassespieler und aktueller Scout der Dallas Stars, neben mir sitzt.
1998 in Nagano
Yahata-Larsson ist ehemaliger japanische Nationalspieler und ist als Sohn einer Japanerin und eines Schweden 1974 in Stockholm geboren. Zwischen 1994 und 2002 spielte der ehemalige Stürmer in Japan, für die er auch sieben Weltmeisterschaften- und als Highlight die Olympischen Spiele 1998 in Nagano bestritten hat. Heute ist er als Scout für die San Jose Sharks unterwegs.
So sitzen die zwei NHL-Scouts beim «NLA-Knüller und Ambrì-Nuller» in Bern auf der Medientribüne und mir ist sofort klar welche Spieler sich die beiden anschauen würden, habe mir dies aber von Hrdina noch bestätigen lassen. Interessant, als Hauptproblem bei den Schweizer Spielern mit Jahrgang 1992 und jünger bezeichnet der Dallas-Scout die geringen Körpermasse, dazu gehören Joel Vermin und Grégory Hofmann.
Dallas‘ Liste
Dennoch zeigt er mir eine Liste mit den für die Dallas Stars interessanten Spieler. Und Larsson? Er hat den gleichen Auftrag für die San Jose Sharks, welche übrigens noch nie einen Schweizer gezogen haben. Die beiden Scouts sind für Europa zuständig und werden als nächstes zur U20 Weltmeisterschaft nach Buffalo fliegen.
Die Hockeyreise via Toronto nach New York beginnt bereits im Zug. Schon auf dem Perron treffen wir (TeleBärn-Mann Philippe Delisle und ich) HC Ajoie-Hüter Simon Rytz, im gleichen Zug sitzt Kent Ruhnke und am Flughafen in Zürich checken wir mit EHC Olten-Kanadier und Langnau-Playout-Held Brent Kelly ein. Neben Kelly sitzt auch ein kanadisches Juniorenteam auf dem Flug «Air Canada 879» von Zürich nach Toronto. Eine kanadische Passagierin fragt mich «are you from the Hockeyteam?» Also da sitzt du schon vor dem Take-Off mittendrin im Hockey-Geschehen.
Gottéron im Madison-Square-Garden
In New York angekommen, gehts noch am gleichen Abend in die ESPN-ZONE beim Times Square zu einem Burger, während wir das NCAA, sprich: «EN-Cee-double-A» Halbfinalspiel zwischen Boston College und Miami Ohio (7:1) auf ESPN2 verfolgen. Das erste Highlight folgt am nächsten Tag an gewohnter Spielstätte, im Madison-Square-Garden (The Worlds Most Famous Arena). Die New York Rangers empfangen die Philadelphia Flyers (4:3), mit dabei Fribourg-Gottéron Hüter Sébastien Caron als Backup von Brian Boucher. Ich frage mich, wer ausser uns wohl Carons Freiburger-Logo auf seiner Maske erkennt?
Gottérons Sébastien Caron (hinten an der Bande) gastiert am 9. April für ein Spiel im Garden. (Krein)
Langnaus Speakerin im Prudential Center?
Ausgangspunkt für den nächsten Spieltag ist die Penn-Station an der 34. Strasse. Mit dem Zug gehts in ca. 20 Minuten nach Newark, Spielstätte der New Jersey Devils. Das zweite Hockey-Highlight ist die Partie zwischen den Devils und den New York Islanders (7:1). In der zweitobersten Reihe, Sektion 229, Reihe 8, Platz 11 in einem Stadion (Prudential Center) mit 17’625 Sitzplätzen, ist selbst Mark Streit auf dem Eis schwer zu erkennen. Streits Team erwischt einen rabenschwarzen Abend, deshalb gefallen mir die Worte des Speakers am besten: «Travis Seeejtschaaac, Dainuuuus Zuuuuuubruuus» oder «Segg Pariiiisiiii» – man stelle sich vor Langnaus-Hobby-Speakerin Chrige Nyfeler müsste im Prudential Center ran…
Streits Islanders gehen beim Upper-Bay-Derby am 10. April in Newark unter. (Krein)
Drei Streit-Assists
Es geht Schlag auf Schlag, Tag drei = Spiel drei zwischen den New York Islanders und dem aktuellen Stanley-Cup-Sieger Pittsburgh Penguins (5:6 Overtime). Doch vorher müssen wir per Zug und Taxi nach Uniondale kommen. Erneut startet die Reise in Manhattan, 34. Strasse, 7. Avenue (Penn-Station). Mit der «Long-Island-Rail-Road» fahren wir bis Mineola (ca. 45 Minuten), ab Mineola steigen wir um ins Taxi und sind nach zehn Minuten beim Nassau-Veterans-Memorial-Coliseum der New York Islanders, Mark Streits Spielstätte. Wir erleben einen würdigen Saisonabschluss der Isles: Nach einem 2:5 Rückstand gleichen die Islanders mit drei Streit Assists zum 5:5 aus und erzwingen die Verlängerung. Sidney Crosby erzielt seine Saisontore 50 und 51 im letzten Spiel der Regular Season und holt, Torgleich mit Steven Stamkos – der am gleichen Abend 13 Sekunden vor Schluss gegen Florida ins leere Tor trifft, die Maurice-Richard-Trophy.
Torfestival und Crosby-Rekord zum Abschluss am 11. April in Uniondale. (Krein)
Von Gretzky bis Isknattleiksfélagio
Zum Abschluss gibts am fünften Tag einen Abstecher in Torontos Hockey Hall-of-Fame, ein absolutes Muss. Selbstverständlich dürfen ein Besuch im Maple Leafs Store, gleich beim Air Canada Centre (Torontos Spielstätte) und in «Wayne Gretzky’s Sportbar» am 99, Blue Jays Way nicht fehlen. Was wir zu diesem Zeitpunkt, am 14. April 2010 noch nicht wissen: ca. 12 Stunden nachdem wir den Nordatlantik und die isländische Küste überfliegen, meldet sich der isländische Vulkan Eyjafjallajökull nach 187 Jahren Stillstand eindrücklich wieder zurück. Ein Heimflug in Extremis also, ansonsten hätten wir auch in Reykjavik notlanden können, denn auch in Island wird Eishockey gespielt, die drei Klubs heissen fast gleich wie der Vulkan: Skautafélag Akureyrar, Skautafélag Reykjavik und Isknattleiksfélagio Björninn.
Zum Abschluss der fünftägigen NHL-Reise gibts am letzten Tag, via Rückflug nach Zürich, einen Abstecher nach Toronto. Die Hockey Hall-of-Fame, ein absolutes Muss für jeden Eishockeyliebhaber. Selbstverständlich dürfen ein Besuch im Toronto Maple Leafs-Store, gleich beim Air-Canada-Centre (Torontos Spielstätte) und in «Wayne Gretzky’s Restaurant und Sportsbar» am 99, Blue Jays Way nicht fehlen.
Beim morgendlichen Stadtbummel, mit Starbucks-Kaffee und Bagel, schlendert es sich gut Richtung Air-Canada-Centre und CN-Tower, dem Queens-Quai-Way entlang des Hafens am Ontario-See. Der See, welchen man als Kind schon dreissig Mal wegen der zahlreichen Hockeymetropolen rund um das berühmte Nass im Weltatlas mit dem Finger durchwandert hat, liegt im wohl bedeutendsten Hockey-Staat der Welt.
Der Eingang zum Air-Canada-Centre. (Krein)
Die Hall-of-Fame
Die Ruhmeshalle Kanadas, wieviel habe ich schon darüber gelesen, gesehen oder gehört. Schon als eishockeybegeistertes Kind, ist die Hall-of-Fame in Magazinen und Büchern immer wieder ein Thema. In meiner Jugendzeit höre ich immer wieder vom NHL-Kenner in unserem Dorf, niemand soll so viel über die NHL wissen wie Philippe Delisle, der «Junge» hat schon einen frankophon-kanadischen Namen und muss wirklich viel wissen, so meine Gedanken. In unserer Kind- und Jugendzeit kennt man sich nur flüchtig vom Sehen her und spricht in den 90er Jahren in der Villa Inkognito, einem Pendant zur Villa Wahnsinn, unter Alkoholeinfluss, ein paar Worte über Detroit. Erst 2001 ist Delisle der Mann, welcher die Druckvorstufe meines erstes Eishockeybuches bei Schwab Druck Lyss koordiniert und der Rest ist Geschichte. So betreten wir neun Jahre später, am 13. April um ca. 10 Uhr die heiligen Hallen von Toronto, es ist wie wenn Indiana Jones, zusammen mit seinem Vater (Delisle?) das Schatzhaus von Petra in Jordanien betritt.
Die Puckwand beim Eingang. (Krein)Hockey-Kram. (Krein)NHL-All-Star-Games. (Krein)Von Yonsei bis Tampere. (Krein)Von Nordkorea bis Ukraine. (Krein)Ehrfurcht. (Delisle)Die Halle des heiligen Grals. (Krein)Der heilige «Gral». (Delisle)
Unsere Hindernisse bis zum heiligen «Gral» sind dabei nicht tödlich, sondern lediglich zeitraubend. Sogar ein Jofa-Handschuh meiner ehemaligen Eislauftrainerin in Lyss, der Holländerin Marion Pepels, liegt in einer der hunderten Glasvitrinen. Bis zum Mittag arbeiten wir uns durch den Eishockeyjungel voller geschichtlicher Juwelen bis in die Halle des heiligen «Grals» vor. Die Dachkuppel dieser Halle ist von Aussen das Gesicht der Ruhmeshalle, die Kuppel steht an der Strassenkreuzung der Front Street West und der Yonge Street im Stadtteil «Old Toronto.» Zwei Lysser, einst noch im gleichen Kindergarten und im gleichen Schulhaus, haben es, wenn auch nur als Hockey-Liebhaber, gemeinsam bis zum «Kelch Hockey-Gottes» geschafft. Ein Kelch-Bier ist das nächste Ziel, dies beim nächsten Höhepunkt der kanadischen Metropole, im Stadtteil «Entertainment District» liegt das Restaurant «Wayne Gretzky’s.»
Ein «Türgriff» für die Ewigkeit. (Krein)
Als Zugabe nach dem heiligen Gral, folgt in der logischen Folge ein Besuch beim «letzten Kreuzritter», Wayne Gretzky’s Restaurant. Vom Hörensagen werden wir auch hier einige Zeit verbringen, für Kurzbesuche ist Toronto die falsche Stadt. Also rein gehts ins Vergnügen, schon der Türgriff übertrifft sämtliche Erwartungen und bringt als Appetitanreger die Vorfreude zum kochen. Während wir uns unsere Bier-Kelche zu Gemüte führen, berichtet Scott Laughlin vom «XM-Channel 204» für NHL-Network direkt aus dem Restaurant.
Der Eingang zu «Wayne Gretzky’s.» (Krein)Die heilige Wand. (Krein)Gretzky’s Brantford-Stats. (Krein)Scott Laughlin «live.» (Krein)
Das Restaurant bietet all das was sich ein Eishockeyfan wünschen kann. Neben einem guten Stück Fleisch ist Eishockey in aller Munde, wo das Auge hinreicht wird der Appetit zusätzlich angeregt. Ein warten aufs Essen gibts hier nicht, denn das «warten» in dieser Umgebung dauert sowieso nur einen kurzen Augenblick. Selbst die Tageszeitungen «Toronto Star» oder «Toronto Sun» kommen hier nicht richtig zum Zug, es sei denn man ist Kanadier und gastiert regelmässig am «Blue Jays Way 99.»
«Das gloubt üs ke Sou» sagten wir uns immer wieder gegenseitig am Abend des 21. Januar 2009, in der Plunge-Rooftop-Bar-and-Lounge im Hotel-Gansevoort im New Yorker Meatpacking-District.
Doch nun der Reihe nach. Nach einem bereits sehr unterhaltsamen Spiel der New Jersey Devils gegen die Montreal Canadiens (siehe Blog vom Vortag) liessen wir uns den «Last Evening in New York» in der Plunge-Bar im Hotel Gansevoort bei gemütlichem Gesprächsstoff und zwei Bierchen ausklingen. Ein ganz normaler Abend in Manhattan, oder doch nicht? Die Uhrzeiger standen bei 01 Uhr 20 (amerikanische Zeit) als am Tischchen neben uns ein cooler, südländischer Typ mit zwei wunderschönen, transilvanischen (was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten) Göttinnen niederlies.
You looks like Scott Gomez
Ich sagte zu Kollege Michael: «dä gseht us wie dr Scott Gomez, isch äch das dr Scott Gomez?» im gleichen Moment grüsste Gomez freundlich «hi guys, how are you?», ich: «you looks like Scott Gomez» und dann waren wir dabei! Der ganz normale Abend sollte zu einer «Amazing-Night» werden! Gomez bat uns ohne eine Sekunde zu zögern an seinen Tisch. Scott Gomez, Assistenzcaptain der New York Rangers, ein Mann der 7.357 Mio. US Dollar pro Saison verdient bat uns (zwei Aarberger…) zum Tisch! Wir waren überwältigt, nahezu sprachlos! Unglaublich wie locker und cool der vermeintliche Star drauf war. Ein Top-Shot der NHL und eben doch nur ein Mensch wie Du und ich, unglaublich.
Die transilvanischen Göttinnen
Später kamen noch drei Kollegen von Gomez dazu, ein Jugendfreund aus Anchorage, Alaska, ein ex-WG Kollege aus Boston (wohnte mit Gomez und Scott Niedermayer in New Jersey zusammen) und ein Freund aus Chicago. So sassen wir mittendrin bei Talk and Drinks with Gomez and Friends! Natürlich habe ich die zwei Göttinnen nicht vergessen, auch sie sassen da, links neben Scott Gomez. Die eine war seine Freundin, eine rumänische Ärztin, welche er beim Golfen kennengelernt hat, und ihre Schwester. Wir wussten nicht mehr genau von wem wir nun mehr fasziniert waren, von Scott Gomez oder den beiden Vampir-Frauen? Denn Sie waren wirklich Göttinnen (womöglich nicht von dieser Welt, möglicherweise gingen ihre Spuren bis zu Vlad Tepes zurück?) nur so konnten wir und natürlich auch Gomez (er betonte immer wieder, dass dies die «most beautiful Women in the World» sein müssen) die Schönheit dieser Geschöpfe erklären.
Am Vorabend bei Gomez‘ am Tisch, am nächsten Tag in Ehre im NHL-Store. (Michael Möri)
Irgendwo in New York
Zurück zum Eishockey. Gomez ein Star zum anfassen, natürlich hat er alle Runden übernommen, die Bardame servierte im Viertelstunden-Takt «Drinks für alle am Gomez-Tisch.» Nach Gesprächen über Rumänien, Bern, New York, Alaska, Interlaken und die Rangers neigte sich leider auch «An Amazing Night» dem Ende zu. Zurückgeblieben sind schlussendlich die beiden Michaels (Mike and Mike, wie eine Sportsendung auf ESPN heisst) mit einem Tisch voller Getränke welche zuviel serviert wurden. So sassen wir noch eine Weile in der Plunge Bar und beseitigten alle übriggebliebenen Beers und Mojitos und stellten uns die Frage nach dem Glück: In einer 8 Millionen Stadt (Manhattan) oder 20 Millionen Stadt (New York) treffen wir an einem Mittwoch Abend in einer Bar (den Tipp habe ich von meinem Kollegen Marc M. aus W. drei Tage vorher per SMS erhalten) irgendwo in New York, «irgendeinisch fingt z Glück oder dr Gomez eim» könnte man auch sagen.
Das im Oktober 2007 eröffnete Prudential-Center ist die modernste Eishockey-Arena der Welt. Innerhalb vom Einzugsgebiet von New York kann man das Prudential-Center, welches den Namen des wichtigsten Finanzunternehmen New Jerseys trägt und welches sich die Namensrechte bis 2017 gesichert hat, mit den altehrwürdigen Kultstätten der Rangers und der Islanders nicht vergleichen. Dieses Prunkstück ist knapp anderthalb Jahre jung. Vorher sind die Devils während 25 Jahren in East Rutherford in der Brendan-Byrne-Arena, später Continental-Airline-Arena, beheimatet. An alter Wirkungsstätte können die Teufel drei Stanley-Cup-Siege feiern.
Die alte und neue Spielstätte Ligen zirka 20 Autominuten voneinander entfernt. Newark ist der östlichste Teil des US-Bundesstaates New Jersey und hat den Spitznamen «Brick-City», wegen der vielen Backsteinhäuser. Die Gegensätze könnten nicht grösser sein. Die Backsteinstadt ist eine düstere Gegend, wie im Film, sind hier brennende Mülltonnen zu sehen und die Fenster der endlosen Häuserblocks sind praktisch alle vergittert.
„Es ist eine wahre Erleichterung wenn man die Arena, inmitten der dunklen Hauszeilen erblickt.“
— Gedanke im Stadtteil Newark
In mitten des heruntergekommenen Viertels, thront die neue Arena, sie wirkt auf den ersten Blick wie eine Oase in der Wüste. Die Beleuchtung ist von weitem zu sehen und strahlt eine Art Sicherheit aus, es ist eine wahre Erleichterung wenn man die Arena, inmitten der dunklen Hauszeilen erblickt und der Gedanke, schnellstmöglich in das Stadion zu kommen bestärkt sich mit jedem Schritt.
Wenn du das Prudential-Center betrittst, weisst du warum die National-Hockey-League das Ziel jedes talentierten Hockeyspielers sein muss, hier musst du hin, hier musst du spielen, dann hast du’s geschafft. Diese Gedanken kreisen durch den Kopf, wenn du die leeren Tribünen anderthalb Stunden vor Spielbeginn, begleitet durch das Orgelspiel, wie in den alten Sega-NHL-Spielen, bestaunst. Dabei lässt dich der «Bass» des Orgelspiels leicht erschüttern und noch vor dem ersten Bully bist du beeindruckt, selbstverständlich ist mir bewusst, dass dies noch für so manche NHL-Arena seine Gültigkeit hat.
Passend zur neusten Arena gastieren die Montreal Canadiens, das wohl traditionsreichste Team der Welt, dazu im hundertjährigen Jubiläum mit speziellem Badge «100 Saisons/Seasons» auf den Schultern.
New Jersey Devils – Montreal Canadiens 5:2 (1:0, 2:1, 2:1) Prudential Center. – 16’235 Zuschauer. – SR Fraser (2) /Martell (26), Devorski (54) /Driscoll (68). – Tore: 12. Martin (Elias, Madden) 1:0. 27. Zajac (Parise, Oduya) 2:0. 34. Gorges (Koivu, D’Agostini) 2:1. 39. Oduya (Martin) 3:1. 43. Parise 4:1. 48. D’Agostini (Markov /Ausschluss Martin) 4:2. 60. (59:05) Elias (Madden, White /Ausschluss Shanahan, ins leere Tor) 5:2. – Strafen: New Jersey 6-mal 2 Minuten, Montreal 3-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: New Jersey ohne Brookbank, Pandolfo und Leach, Montreal ohne Begin und Chipchura (alle verletzt). Oduya*, Parise** und Martin*** (alle New Jersey) als beste Spieler ausgezeichnet. Montreal ab 58:40 bis 59:05 ohne Torhüter. New Jersey Devils: Clemmensen (Weekes); Greene, Martin (4), Mottau, Oduya (2), Salvador, White; Clarkson, Elias, Gionta, Holik, Langenbrunner, Madden, Parise (2), Rolston, Rupp (2), Shanahan (2), Zajac, Zubrus. Montreal Canadiens: Price (Halak); Bouillon (2), Brisebois, Gorges, Hamrlik, Komisarek, Markov; D’Agostini, Koivu, Andrei Kostitsyn (2), Sergei Kostitsyn, Kostopoulos (2), Kovalev, Lang, Lapierre, Pacioretty, Plekanec, Stewart, Latendresse.
Nach dem Islanders-Trip, steht die zweite Partie des Dreitagetripps auf dem Programm. Heute in «The World’s Most Famous Arena», dem Madison-Square-Garden (MSG) inmitten Manhattans Grossstadt-Jungel. Die Geschichte des Gardens beginnt schon 1874 an der Madison Avenue mit dem ersten «Garden», welcher bereits 1890 dem zweiten «Garden» weichen muss, der sich zu diesem Zeitpunkt, dank dem 98 Meter hohen Turm das zweithöchste Gebäude Manhattans nennen darf. Erst beim Bau des dritten Gardens, 1925 kommt Eishockey ins Programm der bereits weltberühmten Veranstaltungsstätte von Inhaber Jack Dempsey. Der neue Besitzer, Boxmanager Tex Rickard lässt den dritten Garden innert 249 Tagen zwischen der 49. und 50. Strasse neu errichten.
Rickard, der erste moderne Boxpromoter in der Geschichte des Sportmarketings eröffnet den neuen Garden mit einem Spiel der National-Hockey-League zwischen den New York Americans und den Montreal Canadiens. Die Canadiens gewinnen die Partie vor 17’442 begeisterten Zuschauern mit 3:1 und werden dafür mit der Prince-of-Wales-Trophy (welche heute für das beste Team der Eastern-Conference vergeben wird) ausgezeichnet. Die Begeisterung ist so gross, dass Besitzer Rickard am 15. Mai 1926 mit den New York Giants sein eigenes Hockeyteam gründet, welches durch die Presse aber als «Tex’s Rangers» bezeichnet wird und als Geburtsstunde der Rangers gilt.
1960 sieht sich das Management des «MSG» nach Bauland um, zwei Tage später bietet die Pennsylvania-Railroad die Luftrechte über ihrem Bahnhof an der 32. Strasse an. Am 28. Oktober 1963 startet der Abriss der Penn-Station und am 11. Februar 1968 wird die aktuelle Spielstätte eröffnet. Am 20. Januar 2009 besuche ich zum zweiten Mal die «berühmteste Arena der Welt», wo Wayne Gretzky 1999 seinen Rücktritt gab, wo Muhammad Ali 1971 gegen Joe Frazier geboxt hat oder wo die Rangers 1994, nach 54 Jahren erstmals wieder einen Stanley-Cup in die Höhe stemmen konnten. Heute Abend empfangen die Rangers die Anaheim Ducks mit Jonas Hiller.
Tex Rickard
„Ist es der spezielle Geruch, welchen man seit der Eröffnung am 11. Februar 1968 noch zu riechen scheint?“
— über die Faszination im MSG
Und dieser Madison-Square-Garden versprüht auch 41 Jahre nach der Eröffnung einen Charme, den ich nicht beschreiben kann. Sind es die historischen Ereignisse die im Hinterkopf präsent sind? Ist es der spezielle Geruch, welchen man seit der Eröffnung am 11. Februar 1968 immer noch zu riechen scheint? Oder sind es einfach «nur» Ausstrahlung und Tradition der New York Rangers? Oder ist es an besagtem Abend einfach nur die Kombination von Henrik Lundqvist, Scott Gomez, Markus Näslund, Chris Drury, Wade Redden und Brandon Dubinsky? «Man muss ihn erleben», beschreibt Harry Valerien, ein Urgestein des deutschen Sportjournalismus, im Buch «Kultstätten des Sports» die Atmosphäre des Gardens.
Im 48. Saisonspiel erleben die 18’200 Fans den 28. Sieg der ehemaligen «Tex’s Rangers» gegen Hiller und die Ducks. Der Schweizer Schlussmann erlebt die Atmosphäre im Madison-Square-Garden zum ersten Mal, diese dürfte trotz Niederlage und einer Abwehrquote von 89.7% (26/29) ebenfalls ein spezieller Moment gewesen sein. Hiller ist nach Reto von Arx, David Aebischer, Martin Gerber, Timo Helbling und Mark Streit erst der sechste Schweizer der im Madison-Square-Garden zum Einsatz kommt.
Blick von der 8. Avenue in Richtung Süden, zwei Fights gibts, am 20. Januar 2009, im Madison-Square-Garden zwischen den New York Rangers und Jonas Hiller’s Anaheim Ducks. (Krein)
Es ist ein kalter Montag, am 19. Januar 2009, in Uniondale, New York, einem Vorort auf Long Island. Schon die Zugfahrt mit der Long-Island-Rail-Road (LIRR) ist ein Erlebnis, die rund 50 Kilometer lange Fahrt führt durch drei Zonen (1, 3 und 4) und 13 Stationen, unter anderem durch die Vororte Queens und Garden City, Mark Streits derzeitiger Wohnort, und endet in Hempstead. In Uniondale angekommen, erwartet uns eine eher düstere Gegend oder wie wir in der Schweiz sagen würden: «ä schäbigi Gägend.»
Dabei sind wir noch nicht mal in der Hälfte der ganzen LIRR-Strecke, denn diese zieht sich über 140 Kilometer quer über die ganze Long Island oder eben «lange Insel» bis in die hintersten Zipfel Greenport oder Montauk, diese beiden Zipfel zieren das Islanders-Logo auf der rechten Seite. Manch eine/einer hat sich schon hinterfragt was denn dieser komische orange Hintergrund soll. Die Heimstätte der Islanders befindet sich noch im ersten Drittel von Long Island.
Nach einer knapp 10-minütigen Busfahrt, erscheint am Horizont das Nassau-Veterans-Memorial-Coliseum, es ist auf diesem flachen Gelände bereits von weitem zu sehen. Auf dem anschliessenden Fussmarsch, vorbei an eben eher «schäbigen» Vorgärten und einem «Used-Gun-Store», wo wohl jeder ohne Waffenschein eine Knarre kaufen kann, stehen wir (die Red. Claude Moeri, Michael Möri und ich), nach dem überqueren des riesigen Stadion-Parkplatzes vor dem Eingang zu einer der geschichtsträchtigsten Arenen der Liga.
Das Coliseum aus Sicht des «Used-Gun-Store», links das Marriott’s. (Krein)Die düstere Gegend in Uniondale. (Krein)Ein riesiger Parkplatz und sein Coliseum, passend dazu „The Lighthouse at Long Island“, das Coliseum ist ein Leuchtturm in dieser Gegend. (Krein)Der Eingang zu den Gates 11-14. (Krein)
Ein super Gefühl, denn in Kürze sollten wir erstmals Streit im Trikot des vierfachen Stanley-Cup-Siegers zu sehen bekommen. Die Arena versprüht einen ähnlichen Charme wie das Pepsi-Colisée in Quebec oder der Madison-Square-Garden und passt zur Bauzeit der 70er Jahre. Die Banner unter der Hallendecke, als Zeitzeugen der glorreichen Islanders-Jahre mit vier Stanley-Cup-Siegen (1980 bis 1983) in Serie, lässt einem in Gedanken erahnen, welche Geschichte in dieser Organisation im Nassau-Coliseum schon geschrieben wurde.
Wow-Moment: In Kürze erblickst du das geschichtsträchtige, vierfache Stanley-Cup-Sieger, Eisfeld der Islanders. (Krein)
Beim zuschauen des Warm-ups des Heimteams wird mir klar, dies muss das Ziel jedes ambitionierten Eishockeyspielers sein, die NHL! «Wenn du irgendwie die Möglichkeit hast, musst du alles dafür tun» und Streit hat dies mit grosser Ausdauer getan. Im Islanders-Game-Day-Give-Backs (Matchprogramm über alle Spiele von Januar) ist eine fünfseitige Story (von Jason Lockhart) über den Schweizer «Streit on Time» publiziert. Bis auf einen kleinen Flüchtigkeitsfehler ist der New Yorker Journalist hervorragend über das Schweizer Eishockey und Streit in seiner Story «Long wait for NHL’s call pays off for Swiss Star», informiert.
Nicht das Team von Streit ist es welches den dadurch eben nur «fast» perfekten Eishockeytag besiegelt. Washingtons Alexander Ovechkin führt die Capitals mit zwei Treffern zum Sieg. In meinem dritten NHL-Spiel erlebe ich zum zweiten mal ein Tor in der Verlängerung, Ovechkin entscheidet die Partie mit einem Powerplay-Treffer. Immerhin steuert «Streit on Time» beim zwischenzeitlichen Ausgleich durch Kyle Okposo einen Assistpunkt bei.
New York Islanders – Washington Capitals 1:2nV (0:1, 0:0, 1:0, 0:1) Nassau-Veterans-Memorial-Coliseum. – 13’917 Zuschauer. – SR Jackson (8) /Meier (34); Devorski (54)/Sericolo (84). – Tore: 7. Ovechkin (Green, Laich /Ausschluss Witt) 0:1. 53. Okposo (Nielsen, Streit /Ausschlüsse Bäckström, Ovechkin) 1:1. 62. (61:46) Ovechkin (Semin, Fedorov /Ausschluss Witt) 1:2. – Strafen: New York 4-mal 2 Minuten, Washington 5-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: New York Islanders ohne Bergenheim, Campoli, und DiPietro, Washington Capitals ohne Fehr, Johnson und Steckel (alle verletzt). Ovechkin* (Washington) und Okposo** (New York) und Theodore*** (Washington) als beste Spieler ausgezeichnet. New York Islanders: Danis (Mannino); Streit, Gervais; Hillen, Martinek, Pöck, Witt (4); Sim, Thompson, Jackman; Okposo, Nielsen, Park, Bailey (2), Guerin, Tambellini, Kurtis McLean, Comeau (2), Comrie. Washington Capitals: Theodore (Machesney); Jurcina, Schultz; Alzner, Erskine, Green, Helmer; Clark (2), Laich, Nylander; Ovechkin (2), Semin (2), Fedorov (2), Bradley, Fleischmann, Gordon, Bäckström (2), Kozlov, Brashear.
Working-Press* Manhattan-Aarberg Diese Zeilen tippe ich im NHL-Store in New York, 47th Street West – es gibt sehr viel zu erzählen, die Berichte und Eindrücke der drei Spiele der Islanders (Washington), Rangers (Anaheim) und Devils (Montreal) folgen. Als besonderes Highlight darf die Begegnung mit Scott Gomez (verdient 8.8 Mio. $ pro Saison) betrachtet werden… …more later, greets from New York Citys NHL-Reebok-Store. *Als Anspielung auf den NHL-Journalisten Joël Wüthrich, er benutzt den Ausdruck «Working-Press» für alle seine Übersee-Artikel.
Zwei Tage nach dem «In teuflischer Umgebung» gastieren die Teufel durch den Lincoln-Tunnel auf der anderen Seite des Hudson-Rivers. Der Weg führt aber vorher schon über den Hackensack-River, einem Ausleger der Newark-Bay. Ein Derby der ersten Klasse zum 90. mal im Herzen Manhattans. Das letzte Playoff-Duell gewinnen die Devils vor knapp zwei Jahren, im April 2006, mit einem 4:0-Sweep.
Unvergessen ist die hochdramatische Stanley-Cup-Serie im Final der Eastern-Conference 1994, «über sieben Spiele müssen sie gehen», in drei Heimspielen siegen die Rangers im Madison-Square-Garden nur einmal und stehen nach fünf Partien mit 2:3 in der Serie mit dem Rücken zur Wand. Die Rangers gewinnen Spiel sechs in East Rutherford und das siebte- und entscheidende Spiel wird erst in der 84. Minute in der zweiten Overtime durch Stéphane Matteau doch noch zu Gunsten der Rangers entschieden.
Alle sieben Partien sind mit 18’200 (in New York) und 19’040 (in East Rutherford) Zuschauern ausverkauft und die Rangers holen in der Folge am 14. Juni 1994 gegen die Vancouver Canucks im siebten Spiel den letzten Stanley-Cup der Klubgeschichte. Ausverkauft ist auch die neuste Ausgabe zwischen den Rangers und Devils am 9. Dezember 2007, mit dem letztjährigen Lugano-Söldner Jason Strudwick. Die Dramaturgie ist beinahe mit dem unvergessenen Playoff-Duell aus dem Jahre 1994 vergleichbar, denn der Entscheid fällt, im torärmsten Spiel der Geschichte, ebenfalls erst in der Overtime.
Brendan Shanahan, wird im Januar 39-jährig, schiesst als ältester Mann auf dem Eis die Rangers mit dem einzigen Tor des Abends nach 30 Sekunden in der Verlängerung ins Glück. Im Tor der Devils steht in seiner 16. Saison Martin Brodeur, der Weltklasse-Goalie ist der einzige Spieler der von der damaligen «Battle-of-the-Hudson-River» 1994 noch dabei ist. Ausgerechnet Shanahan, der einst, 1987, von den Devils aus New Jersey als Nummer zwei im Draft gezogen wird und vier Spielzeiten in East Rutherford verbringt, entscheidet die 179. «Hudson Rivalry», wie das Duell auch noch genannt wird, für das Team aus Manhattan.
New York Rangers – New Jersey Devils 1:0nV (0:0, 0:0, 0:0, 1:0) Madison-Square-Garden. – 18’200 Zuschauer. – SR McCreary (7) /Kozari (40), Dapuzzo (60) /McElman (90). – Tor: 61. (60:30) Shanahan (Gomez, Tyutin) 1:0. – Strafen: New York 4-mal 2 Minuten. New Jersey 6-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: Shanahan*, Lundqvist** (beide New York) und Brodeur*** (New Jersey) als beste Spieler ausgezeichnet.
Am 6. Mai 2007 spielen die New Jersey Devils ihr letztes Spiel in ihrer Urstätte in East Rutherford, die Viertelfinalpartie gegen die Ottawa Senators geht mit 2:3- und die Serie mit 1:4 verloren. Letzter Torschütze ist Scott Gomez und das wars nach 25 Jahren in der ursprünglichen Brendan-Byrne-Arena, die ihr Ende unter dem Namen Continental-Airlines-Center erlebt.
Spielverderber Ottawa
Nach einem Saisonauftakt von neun Auswärtspartien, eröffnen die Devils ihre neue Heimat im Prudential Center am 25. Oktober 2007. Und wieder heisst der Gegner Ottawa. Und wieder gehen die Senatoren aus der kanadischen Hauptstadt mit einem 4:1 als Sieger vom Eis. Erster- und einziger Devils-Torschütze ist Brian Gionta.
Zum zwölften Heimspiel im neuen Center lande ich, an einem kalten Dezember-Abend, rechtzeitig am Flughafen Newark. Zum Hotel-Check-In reichts aber nicht mehr vor dem Spiel. So geht’s per Taxi direkt durch die düstere Gegend der «Brick-City», wie Newark rund um New York genannt wird, ans Spiel gegen die Washington Capitals. Auch für die Gäste ist es das erste Spiel in der neusten NHL-Arena.
«Devils Hockey» in der Inaugural-Season an der Lafayette Street 25, an einem kalten Dezember-Abend 2007. (Krein)
An den Strassen rund ums Stadion hängen bereits die Fahnen der Devils und lassen erste Vorfreude aufkommen, nach einem kurzen innehalten und einem Blick der kahlen und kalten Lafayette-Street entlang, kommt der Gedanke schnellst möglichst ins Stadion zu kommen. Doch irgendwie passt die düstere Umgebung zu den Devils. Der Legende nach soll es in New Jersey seit dem 18. Jahrhundert immer wieder zu Sichtungen mit einem teufelartigen Wesen gekommen sein.
Die Legende des Jersey Devil
1905 Im Januar 1909 schafft es die Legende sogar ins «Philadelphia-Evening-Bulletin», wo mehrere Augenzeugen den «Jersey Devil», welches auch als «the Beast from East» genannt wird, gesehen haben wollen. Durch diese Ereignisse werden sogar Schulen und Geschäfte kurzzeitig geschlossen. Das Teufelswesen soll Hunden oder Pferden ähneln, rotglühende Augen und Hörner haben. Die Legende wird später durch Geschichtsprofessoren, widerlegt.
Der Teufel schafft es trotzdem ins Hockeybusiness, bereits 1964 spielen die Jersey Devils (siehe Foto) in der Eastern-Hockey-League (EHL). Diese Legende inspiriert 1982, nach dem Umzug der Rockies aus Denver, auch die Macher der New Jersey Devils und die aktuelle Umgebung des Stadions könnte dies nicht besser unterstreichen, teuflisch eben.
Die Devils Trikot-History, ganz links die Jersey Devils aus der EHL. (Krein)Brian Gionta (#14), ist der erste Torschütze im neuen Heim. (Krein)Die «Starting-Six», ohne Nylander (verletzt), des heutigen Gegners. (Krein)Teuflisches im Fanshop, welcher auch direkt von der Strasse erreichbar ist. (Krein)Die teuflischen Hot-Dogs, rechts Michael Möri. (Krein)