Tiroler Wasserkraft und Nordamerika-Pioniere

Innsbruck, Olympiastadt von 1964 und 1976, Wintersportort im schönen Tirol. Premiere in der österreichischen Bundesliga, in der 49. Runde gehts zum Spiel des HC «Tiroler Wasserkraft» Innsbruck gegen die Vienna Capitals. Ich erinnere mich an den «Gösser» EV Innsbruck, welcher 1989 beim Europacup in Bern gastiert oder an den Schweizer Bundestrainer Rudi Killias, welcher in der letzten Blütezeit Innsbrucks an der Bande steht. Die Sponsoren prägen das österreichische Eishockey seit Jahren. Nicht nur auf dem Eis dominiert die Werbung, sondern auch auf dem Tenü der Spieler. Als Kind ist dies für mich höchst beeindruckend und heute eher wieder gewöhnungsbedürftig.

Hohenberger und Baumgartner

Mit Martin Hohenberger (1995) und Gregor Baumgartner (1997) stehen zwei der ersten österreichischen NHL-Draftpicks in den beiden Kadern. Beide wurden von den Montreal Canadiens gezogen und beide spielten den Grossteil ihrer Karriere in Nordamerika, für Baumgartner ist es die erste Station seit seiner Rückkehr im letzten Sommer. Hohenberger bringt es auf neun AHL-Spiele für die Fredericton Canadiens, Baumgartner kommt auf 35 AHL-Partien mit den Utah Grizzlies, wo Mark Streit ein Jahr vor dem Österreicher gespielt hat. Ein weiterer ehemaliger US-Söldner ist Wiens André Lakos, der Verteidiger überflügelt mit 184 Einsätzen in der AHL seine beiden Wegbereiter, Lakos wurde 1999 von den New Jersey Devils gezogen.

Trotz der Abwesenheit von Hohenberger, erwischt das «Tabellenschlusslicht» aus Innsbruck den besseren Start und geht in der kalten Olympiahalle mit 1:0 in Führung. Der Schlüssel zum Innsbrucker Sieg ist die 23. Spielminute, innert 13 Sekunden schiessen die Haie zwei Tore und ziehen mit 3:0 davon. In der zwölften Reihe auf der Westtribüne notiere ich zwei Wiener Anschlusstreffer, das «Kelly-Chips-Team» um Baumgartner und Lakos kommt noch einmal ran, ehe Peter Kasper mit der «Tiroler Wasserkraft» für die Haie, nach acht Niederlagen in Serie, ins leere Tor der Wiener den Schlusspunkt setzt. Eine gelungene Abwechslung zur Schweiz und eine zwar etwas kalte, aber gemütliche Atmosphäre im legendären Olympiastadion, welches für die Weltmeisterschaft im kommenden Jahr umgerüstet wird.

Auch dieser alterwürdige Teil muss dem Umbau zur WM-Halle 2005 weichen. (Krein)

Sonntag, 29. Februar 2004 (Runde)

HC TWK Innsbruck – Vienna Capitals 4:2 (1:0, 2:1, 1:1)
Olympiahalle. – 1’200 Zuschauer. – SR Carlsson, Neuwirth/Six. – Tore: 7. Lindner (L. Schwitzer, Kasper) 1:0. 23. (22:33) Schlögl (Strobl) 2:0. 23. (22:46) Tropper (Fox, Guidarelli) 3:0. 29. P. Harand (Kniebügel, Latusa) 3:1. 56. Juza (C. Harand, Baumgartner) 3:2. 60. Kasper (Fox, ins leere Tor) 4:2. – Strafen: Innsbruck 6×2 Minuten, Vienna 4×2 Minuten.
Innsbruck: Dalpiaz (Gottardis); Mellitzer, Stern, Praxmarer, F. Schwitzer (2), Rahm, Silfwerplatz (2), Mana, Kasper; Schönberger, Mössmer, Höller, Lindner (2), Schlögl (2), L. Schwitzer, Guidarelli, Fox (2), Tropper (2), Strobl.
Vienna Capitals: Leinonen (Bartholomäus); Wieselthaler (2), P. Lakos (2), Ponto, Havasi, Werenka, A. Lakos, Privoznik; Kniebügel, Tsurenkov, Latusa, P. Harand, Craig (2), Podloski, C. Harand (2), Juza, Baumgartner, Leiner.

Horst Eckert und Curt Frenzel

Augsburg steht schon lange auf der Wunschliste, nicht primär wegen der Augsburg Panther, sondern wegen des Deutschen Eishockey Museums, der deutschen Hall-of-Fame mit Sitz in Augsburg. Präsident und Förderer des Museums, welche in einem ehemaligen Hallenbad untergebracht ist, ist Horst Eckert. «Horst Eckert», rund zwei Dutzend seiner Eishockey-Bücher lagern in meinen Regalen und Eckert hat es sogar zu meinem «Lieblingsschriftsteller» geschafft, in den «Freundschaftsbüchern» der Schulzeit.

Eine Begegnung für die Ewigkeit, mit Horst Eckert in seinem Eishockey-Museum. (Bettina Gutmann)

Eckert, ein Eishockey-Gentleman

Bei einem dreitägigen Augsburg-Trip ist das Eishockey-Museum an der Schwimmschulstrasse die erste Adresse. Statt ins kühle Nass, taucht man in den umgebauten Räumlichkeiten des ehemaligen Hallenbads in die Welt des Eishockeys ein. Gewisse Relikte sind durch Abbildungen in den Büchern von Eckert bekannt. Beeindruckend ist die Ecke über das Eishockey in der DDR oder das Skandal-Trikot des ECD Iserlohn, mit der Werbung «das grüne Buch» von Muammar al-Gaddafi. Die Hockey-Leckerbissen könnten nur durch ein Treffen mit Horst Eckert noch überflügelt werden.

Die Frau an der Kasse erzählt mir, dass Eckert samstags immer kurz vorbeischaue, die Möglichkeit ihn zu treffen ist also so intakt, wie der Ausstellungsteil über «Great One» Wayne Gretzky. Doch Gretzkys-Utensilien werden durch Eckerts Eintreffen am frühen Nachmittag noch getoppt. Der Mann, von dem ich ziemlich jedes seiner Bücher mehrfach durchgelesen und durchgeblättert habe, schüttelt mir die Hand. Wir tauschen uns aus und plaudern über unseren Lieblingssport. Eckert hat mir sogar zwei Freikarten fürs Abendspiel der Augsburg Panther gegen die Düsseldorfer EG, welches sowieso auf meinem Programm steht.

Curt-Frenzel-Stadion

Keine fünf Minuten vom Museum entfernt, liegt das Curt-Frenzel-Stadion. Eine altehrwürdige Spielstätte, 1938 erbaut und 1978 renoviert, trägt den Namen seines Geldgebers und Förderers seit 1971. Frenzel ist in seiner Epoche langjähriger Vorsitzender eines der ältesten Eislaufclubs Deutschlands, der Augsburger EV wird 1878 aus der Taufe gehoben.

Das Stadion ist zwar überdacht, jedoch seitlich offen und daher an diesem Vorweihnachtsabend des 5. Dezember 2003, bitterkalt. Das kalte Bier trägt nicht zur Wärme bei, dafür die warmen Würstel und die sagenhafte Stimmung. Die Deutschen Fan-Gesänge scheinen einen Tick lauter als in den Schweizer Stadien. In der Pause wird Augsburgs All-Star-Team der letzten zehn Jahre verkündet, ebenfalls gewählt wird der aktuelle Keeper Magnus Eriksson, dennoch erweisen sich die Gäste aus Düsseldorf, angeführt von den Norwegern Trond Magnussen und Tore Vikingstad, trotz des neunten Tabellenranges als harter Brocken.

Die hitzige Partie – es kommt zu mehreren Unterbrüchen wegen Gegenständen die aufs Eis fliegen – erwärmt die Gemüter, welche die DEG Metro Stars in Eckerts und meiner Anwesenheit gegen das viertplatzierte Augsburg mit 3:1 gewinnen. Für die Mannschaft von Benoît Laporte ist es die erste Heimniederlage nach 60 Minuten und der Düsseldorfer Vikingstad trifft mit dem zweiten «Tore» und Game-Winning-Goal erstmals nach 1’712 Minuten wieder ins Schwarze.

Freitag, 5. Dezember 2003
(25. Spieltag)

Augsburger Panther – Düsseldorfer EG Metro Stars 1:3 (0:1, 1:1, 0:1)
Curt-Frenzel-Stadion. – 5’595 Zuschauer. – SR Reichert. – Tore: 12. Mikesch (Tory, Kreutzer/Ausschlüsse Augsburg) 0:1. 35. Oravec (Girard, Kofler) 1:1. 38. Vikingstad (Ulrich) 1:2. 52. Magnussen (Kreutzer, Mikesch) 1:3. – Strafen: Augsburger Panther 13-mal 2 Minuten, DEG Metro Stars 9-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: DEG Metro Stars ohne Brittig (krank), 2. Drittel Pfostenschuss Mikesch, Torschüsse 18:27.

Der Stolz des australischen Eishockeys

Am 17. August 2003 unternehme ich den zweiten Versuch (erster Versuch, siehe Blog vom Juli 2003) das Eisstadion in Baulkham Hills, die Heimstätte der früheren Macquarie Bears und heutigen Sydney Bears, zu finden. Dieses Mal aber ohne Ausrüstung im Schlepptau und mit einem guten Zeitmanagement, finde ich den modernsten und komfortabelsten Eisrink, erbaut 2002, Australiens. Dabei wird mir klar, dass ich vor fünf Wochen ca. sechs Stationen zu früh aus dem Bus gestiegen bin, da hätte ich bei Nacht und Nebel „im falschen Hilldale „noch lange in den „Hills“, wie die Gegend rund ums Stadion genannt wird, suchen können…

Kurz vor 18 Uhr betrete ich das Sydney Glaciarium – das erste Glaciarium wurde 1907 an der George-Street in der Stadt eröffnet – und ich war überwältigt. So gut habe ich mir die Halle nicht vorgestellt. Im Vergleich zur veralterten Eishalle in Blacktown, wo die Ice Dogs Zuhause sind und 1989 immerhin die C-Weltmeisterschaft über die Bühne ging, ist das Glaciarium ein wahres Prunkstück, selbst mehr als die Hälfte aller Nationalliga-A Teams würde sich über eine solche Arena, freuen.

„Dieser Rink ist zweifellos das wertvollste des australischen Eishockeys!“

— Michael Krein, 17. August 2003

Erneut besuche ich ein Spiel der Australian-Ice-Hockey-League (AIHL). Dieses Mal stehen sich die Sydney Bears, das Team mit dem ich eigentlich schon vor drei Wochen hätte trainieren sollen – vor meiner Abreise war ich mit Präsident Hugh Ferrar betreffend der Trainingsmöglichkeiten in Kontakt – und die letztplatzierten Canberra Knights gegenüber. Das Heimteam der Bears trägt die Jersey-Farben weiss/schwarz/rot und silber, die Gäste aus der Hauptstadt spielen in türkisfarbenen Trikots analog der San Jose Sharks. Die Atmosphäre ist atemberaubend für mich, dieser Rink ist zweifellos das wertvollste des australischen Eishockeys. Die Sydney Bears als aktuelle Titelträger haben die beste Infrastruktur der Liga und können, nicht nur wegen dem Bären-Logo, als «die australische Antwort auf den SCB» bezeichnet werden.

Fans fiebern mit

Ich habe das Gefühl, ich besuche ein Nationalliga A Spiel der Schweiz, doch das Niveau würde ich mit der 2. Liga bei uns vergleichen. Die Fans auf der modernen Sitzplatztribüne fiebern richtig mit, so wie das wohl in keinem anderen Eisrink, wenn ich an das Spiel vom vorletzten Wochenende der Western Sydney Ice Dogs denke, Australiens der Fall sein konnte (Anm. der Red., die Stimmung in Canberra gilt als phänomenal). Ich zähle ca. 250 Zuschauer. «Bei Spitzenspielen wie letztes Wochenende gegen den Leader Adelaide Avalanche ist die Halle jeweils voll», so Bears General-Manager Wayne Hellyer, mit dem ich auch über meine Trainingsmöglichkeiten der kommenden Woche diskutiere. Die Bears bezwingen die Knights schliesslich hoch mit 8:2. Die herausragendsten Akteure sind die australischen Nationalspieler Murray Wand, Tyler Lovering und Vladimir Rubes, der einen Hattrick erzielt. Auch der U20-Nationalspieler Daniel Blythe-Edwards zeigt eine sehr gute Leistung.

Australische Kontakte 

Bears-Manager Hellyer erklärt mir während des Spiels, dass ein Spieler Canberras (Jason Tait) in Dee Why, gleich neben Manly wohnen würde. Dies ist äusserst hilfreich, so treffe ich Tait gleich nach dem Spiel und kann mit ihm nach Manly zurückfahren (eine Stunde mit dem Auto). Tait fährt einen alten Minibus und arbeitet für Kobalt Networks PTA Ltd, eine Informatik-Firma. Tait spielte nicht nur an der letzten Inline-Hockey-Weltmeisterschaft für Australien, sondern auch schon für zahlreiche Australische Vereine (unter anderem gewann er 1999 mit New South Wales den Goodall Cup). Unter den Hockeyanern ist die Begeisterung egal wo auf der Welt eben gross, Hockey sei einfach der beste Sport, meint der Australier. Dies im Land wo drei verschiedene Rugby-Arten gespielt werden, Australian-Rugby-League (AFL), Rugby-League (NRL) und Rugby-Union. Im September findet in Sydney sogar die Weltmeisterschaft statt und der Hype ist riesig.

Auf dem Parkplatz mit Rummukainen

Eine weitere Begegnung habe ich mit Mark Rummukainen, sein Name ist mir aus dem International-Ice-Hockey-Guide bekannt, daher spreche ich den grossgewachsenen „Blonden“ einfach Mal an und er ist sehr erstaunt darüber, dass ich ihn vom Namen her kenne. Rummukainen ist australisch-finnischer Doppelbürger und spielt fürs australische Nationalteam, nach einem kurzen Smalltalk tauschen wir unsere Email Adressen aus. Er will mich kontaktieren, weil er nächste Saison in der Schweiz spielen will, ich könne ihm eventuell bei der Klubsuche behilflich sein. Umgekehrt kann ich vielleicht in Canberra eine Saison bestreiten, wer weiss.

Vladan Stransky (#11) gewinnt das Bully, beobachtet durch Verteidiger Jakub Petr (#28, links). (Krein)
Die Tageszeitung «Hills News» berichtet regelmässig in der Rubrik «Hills sport» über die Sydney Bears. Die Berichte sind allerdings spärlich, was dem Stellenwert des Eishockeys in Down-Under entspricht.

Alles ist Down Under

Am 9. August 2003 um 17 Uhr 30 besuche ich erstmals ein Spiel der obersten australischen Liga, der 2001 gegründeten Australian-Ice-Hockey-League (AIHL). Dabei stehen sich die Tabellendritten Western Sydney Ice Dogs aus Blacktown und die fünftplatzierten Melbourne Ice aus dem Bundesstaat Victoria gegenüber, beide Teams stehen erst in ihrer zweiten AIHL-Saison. Bin ich im falschen Film? Nach knapp einem Monat in Down-Under finde ich mich mitten im Eishockey-Rummel wieder. Als ich das Stadion (siehe Foto oben), wobei Stadion vielleicht der falsche Ausdruck ist, mit den Worten «enjoy the game» und einem Matchprogramm (Faltblatt) passieren kann, kommen mir Fans in Trikots, Schals und Caps des Heimteams entgegen. Man hätte gerade so gut in der Schweiz bei einem 1. Liga Match, ca. 150 Fans waren in der Halle, sein können, welchem auch der Preis für das Ticket für zehn australische Dollars entspricht.

Das Spiel beginnt mit einer Verspätung von 45 Minuten, 45 Minuten Verspätung? Über den Speaker wird verkündet, dass die Mannschaft aus Melbourne aufgrund verkehrstechnischer Probleme später eintreffen wird. Für die siebte Auswärtspartie nimmt die Mannschaft aus Victoria eine neunstündige- und rund 900 Kilometer lange Fahrt in Kauf. Eine Distanz welche sich schon für mich innerhalb der gleichen Stadt bei der Anreise nach Blacktown widerspiegelt, zumindest liegt die Ice Arena, ein alter Sichtbacksteinbau der einem Einkaufszentrum ähnelt, keine fünf Minuten von der Blacktown-Station, dem Bahnhof, welcher innert knapp einer Stunde vom Zentrum Sydneys zu erreichen ist, entfernt.

Keine Zeit fürs Warm-up

Ob solche Verspätungen zur australischen Hockey-Normalität gehören? Apropos Normalität. Da es sich um eine Partie zwischen Teams aus zwei Bundesstaaten handelt, wird die australische Nationalhymne gespielt. Als das Spiel endlich beginnt, sitzen die letzten Melbourne-Cracks noch in der Kabine beim Anziehen. Doch auch komplett, spielen die stark dezimierten «Ice» mit nur elf Feldspielern. Western Sydney sieht mit drei kompletten Blöcken wesentlich professioneller aus. Melbourne wird, auch wenn die Partie nur 50 Minuten (2-mal 15 und einmal 20 Minuten) dauert, das Tempo nicht durchhalten können. Ihren Torhüter Chris Leetham, können die weiss-blauen, aufgrund der Verspätung, gar nicht einschiessen. Ein harter Alltag für die armen Gäste, welche nach der langen Busfahrt auch noch unkomplett und unvorbereitet ins Spiel starten müssen.

Und es kommt wie es kommen muss. Das Einschiessen von Leetham übernehmen die Ice Dogs und führen, durch zwei Treffer des kanadischen Import-Spielers Jason Haakstad, nach dem ersten Drittel mit zwei zu null. Haakstads Stil ähnelt dem von Marcel Jenni, in der Schweiz würde man sagen, «die australische Antwort auf Marcel Jenni.» Pro Spiel sind fünf Import-Spieler, als Ausländer gilt wer keinen Pass aus dem britischen Commonwealth besitzt, erlaubt. Bei dem Team aus Blacktown spielen mit Martin Jesko und Jason Juba zwei weitere «Imports», während Melbourne an diesem Abend mit Mel Linn, Steve Laforet, Trevor Baert und Jody Cavers, der den Ice-Dogs-Fans im Stil von Todd Elik den Stinkefinger zeigt, auf vier Imports zählen kann.

„Von den Minnesota-Duluth Bulldogs zu den Western Sydney Ice Dogs.“

— über Jason Haakstad als «Dog»

Diese gehen das Tempo erstaunlich gut mit, denn nach 23 Minuten, was in Australien schon die halbe Partie bedeutet, steht es immer noch zwei zu null für die Eishunde. Dann kommt der erwartete Einbruch und die altersschwache Anzeigetafel zeigt nach zwei Dritteln sechs zu null für das Heimteam. Am Ende steht es elf zu eins für die dominierende Mannschaft aus Blacktown, dessen Name vom ursprünglichen Siedlungsort der Aborigines stammt und 30 Kilometer westlich vom Zentrum liegt. Der Ort hiess einst «The Blacks Town» als Synonym für die gestohlene Generation von Aborigines-Kinder, welche dort bis 1833 in einer Schule kaserniert wurden. Erst 1862 erhielt der Sydneyer Vorort seinen heutigen Namen.

Zurück aufs «Eis», die meisten Tore gegen die «Ice» werden durch «Blacktowns» erste Formation mit Haakstad, dem Tschechen Martin Jesko und dem australischen Nationalspieler Andrew White erzielt. Das Niveau stufe ich zwischen unserer Ersten und Zweiten Liga ein, es ist schwer zu sagen, da Sydney an diesem Abend um Klassen besser spielt als sein Gegner. Eventuell könnte Sydney in der Ersten Liga mithalten? Ich habe über gewisse Spieler nachgeforscht und gesehen, dass Haakstad beispielsweise in der amerikanischen Western-Collegiate-Hockey-Association (WCHA) bei der Universität der Minnesota-Duluth Bulldogs gespielt hat. Der 26-Jährige war also schon vor Australien ein «Dog.»

Schäbige Banden

Das ganze Spielsystem wird stark beeinträchtigt durch den unkonventionellen und äusserst unkomfortablen Eisrink. Plexiglasscheiben hinter den Toren kennt die Blacktown-Ice-Arena nicht, da hängen einfach nur lose Netze, das sind auch die Zuschauer zu höchster Vorsicht aufgefordert. Dies macht ein Spiel, wie sonst via Bande üblich, unmöglich, Bandenpässe gibts praktisch keine. Dies gilt auch für hohe Pässe, die Hallendecke ist so tief, dass jeder Lob-Pass, durch das berühren der Decke, zum Unterbruch, unter den Schiedsrichtern ist auch eine Frau, führen würde. Down-Under gilt eben nicht nur für die auf dem Kopf stehenden Weltkarten, da liegt Australien jeweils auf dem Kopf im Zentrum, sondern auch für das ganze Spiel mit Puck und Scheibe, irgendwie ist hier alles Down-Under.

Die WM-Halle von 1989 entspricht nicht mehr den Anforderungen für 2003. (Krein, Datum falsch)
Die Bank der Sydney Ice Dogs. (Krein, Datum falsch)

Das Hilldale im falschen Jahr

Während meiner Rückfahrt aus Sydneys Stadtzentrum mit der Sydney-Ferry (Fähre) teste ich, bei einem Anruf an den General-Manager der Sydney Bears, ob meine neue Optus-Karte, die Swisscom Australiens, auch funktioniert. Er erklärt mir, dass bereits heute Abend um 20 Uhr 30 ein Eistraining stattfinden würde und dass ich zum Training kommen soll. „Okay that’s great!“ Um 18 Uhr bin ich zurück an der „Martin Street 42“ in Harbord, Manly, wo ich für sieben Wochen wohne, um meine Eishockey-Ausrüstung zu holen.

Um 18 Uhr 55 gehe ich beim Hafen von Manly, dem „Manly-Wharf“ Foto), auf die Fähre. Auf der Fähre begegne ich zwei kanadischen Touristen welche lachend sagen: „Wir dachten Kanadier sind verrückt nach Eishockey, aber dieser Schweizer…“, sie lassen sich sogar mit mir fotografieren. Um 19 Uhr 30 steige ich am Circulary-Quai, dem Zentrum von Sydney bei der Oper und der Harbour Bridge, in den Zug Richtung Parramatta. Um 20 Uhr 15 erreiche ich nach einer Rund 45 minütigen Fahrt endlich Parramatta…

…noch 15 Minuten bis zum Training, verdammt ich verpasse es. Naja dann gehe ich wenigstens noch vorbei und schaue mir das Niveau der Spieler an, denke ich mir. Von Parramatta dauert es mit dem Bus nochmals 20 Minuten bis nach Baulkham Hills, beim Solent Circuit 11, wo das Sydney Glaciarium, die Eishalle, steht. Mittlerweile ist die Sonne längst untergegangen und niemand, beim entsteigen des Buses in Baulkham Hills weiss wo das Eisstadion liegt und von Hockey erst recht nichts…

…schliesslich komme ich um 21 Uhr irgendwo in den Weiten Sydneys zu einem Tankshop, einer der tankenden Aussies, weiss tatsächlich wo es zur Eishalle geht. Yeah… …denke ich. Sechs Strassen weiter nach Westen, immer noch fest entschlossen, aber mittlerweile zirka 50 km von Manly entfernt, marschiere ich mit Hockey-Ausrüstung durch Sydneys Agglomeration von Baulkham Hills. Das Quartier muss man sich etwa so vorstellen, wie im Film „Back-To-The-Future-II“, als Marty McFly aus der Zukunft in seine „veränderte alte“ Heimat zurückkehrt, „das muss das falsche Jahr sein? sagt Michael J. Fox im Film-Klassiker. Eine düstere Gegend, alte Holzhauser, dreckige Vorgärten und dies nun schon nach 21 Uhr in einem fremden Land, mit einer fremden Sprache. Während meines Marsches in dunklen tiefen der „Hills“ oder dem Hilldale im falschen Jahr, klingelt mein Natel und meine Freundin leistet mir glücklicherweise rhetorisch Gesellschaft.

Michael Krein, Sydney Bears

„Nur noch der Mond ist mir vertraut.“

— Michael Krein, verloren in Sydney

Während des Telefonats dringe ich immer tiefer in die düstere Gegend von Baulkham Hills vor, ohne zu bemerken, dass ich mich wohl langsam aber sicher auf den Rückweg machen sollte. Schliesslich stoppe ich meine Odyssee an einer Bushaltestelle und beende, um mich zu konzentrieren, das vertraute Ferngespräch. Die letzte Fähre Richtung Manly fährt um 23 Uhr 45 und ich sehe weit und breit nichts von einer Eisbahn und das Training musste längst zu Ende gewesen sein. Nach einer Viertelstunde vergeblichen Wartens auf den Bus, überkam mich das komische Gefühl, dass hier vielleicht gar keine Busse mehr fahren, in diesem Moment waren mir nur noch meine eigene Kleidung, die Hockeytasche und der Mond vertraut.

Der Mond ist überall auf dieser grossen weiten Welt, ob ich in Aarberg auf dem Balkon sitze, auf den Malediven weile, in den Bergen bin, im Militär bei einer Nachtübung im Baselbiet, im Flugzeug oder irgendwo unterwegs in Lyss, der Mond ist immer da. Dies gibt mir eine Portion Sicherheit oder zumindest das Gefühl, doch nicht ganz alleine zu sein. Glücklicherweise kommt ein Taxi vorbei und nimmt mich mit in Richtung Bahnhof-Parramatta. Dem Taxifahrer erkläre ich mein vergebliches Warten auf den Bus, „Nein, nein der Bus fährt noch“, erklärt mir der Taxifahrer. Anstelle der drei Dollars für den Bus, kostet mich das Taxi zirka 25 australische Dollar. So bitte ich den freundlichen Taxi-Mann mich bei der nächsten Bushaltestelle wieder abzuladen, für meine Kurzfahrt muss ich nicht Mal etwas bezahlen, wirklich hilfsbereit diese Aussies. Nach einem langen und anstrengenden Tag, ohne Training, erreiche ich im Circulary-Quai die zweitletzte Fähre nach Manly. Eines ist klar, diesen Weg werde ich auf diese Weise nicht noch einmal auf mich nehmen.

Jungs aus Mexiko?

Ich wusste, dass es auch in Canterbury einen Ice Rink gibt, allerdings nicht ob er noch genutzt wird. Dies hat mir am Vorabend auch der Bruder von Leah Mitchell (ich wohne während zwei Monaten bei den Mitchells in Harbord), der auch Michael heisst, bestätigt. In Canterbury, in der Agglomeration Sydneys, habe ich nach den Beschreibungen meines Namensvetters doch tatsächlich bereits nach fünf Minuten eine Sportanlage gefunden. Zu dieser Zeit fand dort draussen ein Landhockeyspiel der Frauen statt. Gleich nebenan war die vielversprechende Halle mit der Aufschrift „Olympic Ice Rink Canterbury“ yes, endlich australisches Eis.

Ein historischer Augenblick

Am 19. Juli 2003, um 14 Uhr war es soweit, ein historischer Augenblick für meine eigene persönliche Geschichte. Michael Krein erblickt zum ersten Mal australisches Hockey-Eis! Links und rechts, längsseitig waren kleine Tribünen angebracht, hinter dem einen Tor war nichts, wie in Biel, einfach eine Wand, hinter dem anderen Gehäuse der Eingang mit einem Hockeyshop! Im Hockeyshop erkundigte ich mich gleich nach dem Team, dessen Name ich bereits kannte, die Canterbury Eagles Sydney. Der Verkäufer des Hockeyshops gab mir die Natel-Nummer dessen kanadischen Trainers.

Der Coach ist begeistert und gibt mir die Natelnummer eines Spielers der in Manly wohnt, also im selben Stadtteil wie ich. Nachdem ich den Spieler, den Kanadier Jeff Klinck, kontaktiert habe, holt er mich um 19 Uhr 30 direkt bei Mitchells in Harbord mit seinem Auto ab – super was für ein Service. Er fährt irgend ein rotes Cabriolet. Also sind wir im offenen Wagen durch die halbe Stadt gefahren, unter anderem führt der Weg auch über die Harbour Bridge und Sydney bei Nacht lässt einem sicher nicht an Eishockey denken. Den Eindrücken zum Trotz, bestreite ich am 23. Juli 2003 mein erstes Training auf australischem Eis, schon während unserer Ausbildung zum Hochbauzeichner, zwischen 1993 und 1997, sprechen Marcel Althaus und ich oft darüber einmal in Australien Eishockey zu spielen. Nun war es soweit… …zumindest für mich, obwohl es als Duo sicher einiges einfacher gewesen wäre.

„Wo hast du die Jungs her, aus Mexiko?“

— Coach Murray Chadwick (Youngblood)

Doch habe ich noch keinen Hockeystock dabei, Holz darf in Down-Under nicht eingeführt werden, also gehe ich vor dem Training in den Hockeyshop um einen Stock (Bauer, Jere Lehtinen) zu kaufen. Naja so gross ist die Auswahl nicht und der Stock kostet mich 79 australische Dollar, ich denke in der Schweiz hätte ich diesen für 40 Franken erhalten. Mein Chauffeur Jeff Klinck ist unter anderem nicht nur Spieler der Eagles, sondern auch noch Assistenz-Trainer des Juniorenteams (U20) von Canterbury. So bestreite ich zuerst das Training mit den Junioren, die ist gut zum Einstieg nach meiner anderthalb-jährigen Hockeypause. Im Juniorenteam figuriert mit John Lavery ein U20-Internationaler Australiens, der bei uns höchstens 3. Liga Niveau erreichen würde.

Das Niveau dieses Juniorenteams erinnert mich an den Film „Mighty Ducks das Superteam!“ Einige bekunden sogar Mühe beim Schlittschuhlaufen… …dies ist das schlechteste Training welches ich je gesehen habe. Nach dem Junioren-Training findet dann das richtige Training statt, mit dem „Seniorteam“ der Canterbury Eagles, einst Meister der New-South-Wales-Super-League. Auch hier spielen einige, mir bereits bekannte Namen aus dem australischen Nationalteam wie Ross Moffat, Ryan Switzer, Steve Riley oder Radomir Benicky, sie alle bestritten mehrere Weltmeisterschaften in der C- oder D-Gruppe des Welteishockeys, Ryan Switzer stand zudem im All-Star-Team des Goodall-Cups von 1988 und war Nationaltrainer der Mighty-Roos.

Von Younglood und der East-Coast-Super-League

Der Beginn des Trainings erinnert mich wieder an einen Eishockeyfilm, dieses mal an „Youngblood“ oder in der deutschen Version „Bodycheck“, mit Patrick Swayze und Rob Lowe. Beim Betreten des Eises dachte ich an Coach Murray Chadwicks Spruch: „Wo hast du die Jungs her, aus Mexiko?“ Das Niveau des Teams würde ich als schlechtes Drittliga-Niveau bezeichnen. Doch es hat Spass gemacht wieder Mal auf dem Eis zu stehen und für mein erstes „richtiges“ Training, dass gewöhnlich immer speziell ist, lief es mir sehr gut. Bereits nach 30 Minuten meinten Jeff Klinck und Manager Don Scurfield, ich solle doch mit einem Team der „East-Coast-Super-League“ trainieren! Keine Ahnung? East-Coast-Super-League, klingt oder „klinckt“ gut nicht?

Im Nebel von Porza

Bei frühlingshaften Temperaturen ins Tessin zu fahren ist ein herrliches Gefühl, wenn dazu noch die Meisterschaft des Lieblingssports entschieden werden kann, dann ist es die schönste Zeit des Jahres oder eben die wunderbare Zeit der Playoffs. Ab der Autobahnausfahrt Lugano-Nord gehts «via» Silva, Tesserete und Adolfo e Oscar Torricelli Richtung Porza, die Resega steht auf dem Gemeindeboden des 1’500-Seelen Dorfes. Auch da versuchte man sich einst, mit Trainer Andy Ton, in der dritthöchsten Klasse mit eigenem Hockey-Club, verschwand dann aber wie der Petarden-Nebel der berühmten Spielstätte.

Diese Spielstätte, 1995 erbaut, konnte heute erstmals in der Geschichte einen Meistertitel vor heimischem Publikum feiern. 1999 triumphierten die Bianconeri in Ambri und 2001 verlor man das siebte Spiel in der Overtime gegen Zürich. Heute soll die Lappalie, in der proppenvollen – wie in Finalspielen üblich – «Pista la Resega» endlich realisiert werden. Um noch einmal ins Bündnerland und damit zu einem siebten Spiel zu kommen, braucht der HC Davos, wie in Spiel zwei der Serie, einen Sieg im Tessin.

Dass sich die Luganesi schwer tun, wenn Zuhause alles für den Titelgewinn angerichtet ist, ist seit der Playoff-Serie 2001 bekannt. Am 3. April, Lugano führt in der Serie gegen die ZSC Lions mit 3:1, geht das erste «Meisterspiel» mit 3:6 verloren und auch die zweite Chance am 7. April im siebten Spiel vermasseln die Bianconeri bei der 1:2 Overtime-Niederlage. Nicht aber am 8. April 2003, der Anspruch auf den sechsten Titel machen die Luganesi schon im ersten Drittel geltend und führen mit 3:0 – der Rest ist nur noch Kür, zum zweiten Gewinn des blauen «Schirmständers» – und dieses Mal verschwindet nicht der HC Porza, sondern der HCD im Petarden-Nebel der neu gekrönten Spielstätte.

Zum ersten mal holen die Bianconeri die Meistertrophäe in der neuen Resega. (Slapshot)

Dienstag, 8. April 2003

Lugano – Davos 4:0 (3:0, 0:0, 1:0)
Resega. – 8’250 Zuschauer (ausverkauft). – SR Reiber, Mauron / Rébillard. – Tore: 7. Conne (Fuchs, Wichser) 1:0. 11. Gardner (Rötheli, Astley /Ausschluss Häller) 2:0. 17. Convery (Näser) 3:0. 52. Jeannin (Conne, Maneluk) 4:0. – Strafen: Lugano 3-mal 2 Minuten, Davos 2-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: Lugano ohne Richter und Millen (überzählig) und Sannitz (verletzt). Davos ohne Heberlein (verletzt).
Lugano: Rüeger (Lauber); Keller, Guyaz; Patrick Sutter, Astley; Nummelin, Bertaggia; Hänni; Maneluk, Convery, Jeannin; Fair, Aeschlimann (2), Näser (2); Wichser, Conne, Fuchs; Murovic, Rötheli (2), Gardner; Cantoni.
Davos: Weibel (Hiller); Kress, Gianola; Ott, Forster; Häller (2), Winkler (2); Blatter, Jan von Arx; Christen, Marha, Riesen; Miller, Reto von Arx, Bohonos; Paterlini, Rizzi, Fischer; Neff, Fabian Sutter, Ambühl.