Ein Herisauer Abend

Am 22. Januar 2017, wird der SC Herisau 75-jährig. Im Rahmen des stolzen Jubiläums feiert der Appenzeller Traditionsclub am Samstag, 21. Januar sein 75-jähriges Bestehen. Nach einer Bilderausstellung und einem NLA-Aufstiegs-Kinoanlass, empfängt das Fanionteam, vor Legenden wie Ex-Spieler Claude Vilgrain und prominenten Gästen, als ungeschlagener Leader der 2. Liga, Gruppe 2, den zweitplatzierten HC Prättigau-Herrschaft.

Herisauer Abend überall

Auch die 42. Runde der National-League-A (NLA) steht ganz im Rahmen des SCH, ich berichte aus Langnau für den SRF-Journalisten in Zürich, er hält mich im Gegenzug über den Spielstand des 2. Liga-Knüllers auf dem laufenden. Wir haben eine gemeinsame Vergangenheit, denn unsere Stammclubs, der SC Lyss und Herisau duellierten sich zwischen 1989 und 1993 während vier Jahren 18-mal in der Nationalliga B und wir verpassten kaum eine Heimpartie.

Erster «Herisau» Torschütze des Abends ist aber ein Langnauer, Thomas Nüssli trifft 19 Uhr 52 gegen Freiburgs Benjamin Conz zum 1:0 für die SCL Tigers. Erst um 20 Uhr startet das 2. Liga-Spitzenspiel im Sportzentrum Herisau vor 1’231 Zuschauern. 20 Uhr 25 trifft der erste aktuelle Herisauer, Ivan Hausammann erzielt auf Zuspiel von Matthias Popp und Sandro Bleiker den ersten Treffer im 2. Liga-Knüller.


„Nüssli ist erster Herisau-Torschütze des Abends.“

— Michael Krein, Langnau

Bis zur 27. Minute geht der 2. Liga-Leader mit 3:1 in Führung, dennoch meldet Zürich nach 40 Minuten den ernüchternden 3:7-Spielstand aus dem Appenzell. Was ist passiert? Innert zehn Minuten schiessen die Prättigauer sechs Tore und verwandeln den 1:3-Rückstand in eine 7:3-Führung. In der gleichen Zeitspanne stehts im Emmental, hier gastierten die Herisauer in den 90er Jahren regelmässig, erst 2:1 für die Tigers.

Herisaus Exil-Spieler

Ehe die «aktuellen» Herisauer nochmals auf 5:8 rankommen, gibt Beat Forster, zu Herisau-Zeiten hiess er noch Beat Schiess-Forster, in der 59. Minute den Assistpunkt zum 2:0 der Bündner in Kloten. Nicht im Einsatz stehen an diesem Abend Jonas Hiller (EHC Biel), Luca Homberger (EHC Kloten), Jens Nater (HC Thurgau) und der zur Zeit wichtigste Export Timo Meier (San Jose Sharks). Herisau muss ausgerechnet am Jubiläumsabend im 15. Spiel die erste Niederlage hinnehmen, dafür gewinnen die Exil-Spieler Forster (2:0) mit Kloten, Emanuel Peter (6:0) mit Zug und Nüssli (4:2) mit Langnau, selbstverständlich wählen wir Nüssli als Interviewpartner nach dem Spiel.

Schon am Abend zuvor duellieren sich die Herisauer Nüssli und Hiller in Biel, dabei bezwingt der Stürmer den Torhüter zum zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich. Am Gründungsdatum, 22. Januar punkten weitere Herisauer: Ryan McGregor trifft eine Sekunde vor Schluss zum 4:3-Sieg der Rapperswil-Jona Lakers gegen den EHC Winterthur. Tomas Dolana (Assist zum 1:0), gewinnt mit dem EHC Visp 6:2 gegen den EHC Olten.

21. Januar 2017

SCL Tigers – Fribourg-Gottéron 4:2 (2:1, 0:0, 2:1)
Ilfishalle. – 6’000 Zuschauer (ausverkauft). – SR Müller /Wehrli, Gnemmi /Kaderli. – Tore: 5. Nüssli (DiDomenico, Albrecht) 1:0. 9. Macenauer (Strafe angezeigt) 2:0. 19. Rathgeb (Cervenka /Ausschlüsse Weisskopf, Sven Lindemann) 2:1. 41. (40:39) Koistinen (DiDomenico, Albrecht) 3:1. 46. Cervenka (Rathgeb) 3:2. 60. (59:59) Macenauer (Pascal Berger) 4:2. – Strafen: SCL Tigers 5-mal 2 Minuten, Fribourg-Gottéron 3-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: PostFinance-Topskorer: DiDomenico; Sprunger. SCL Tigers ohne Yannick Blaser, Stettler (beide verletzt) und Schremp (überzählig), Fribourg-Gottéron ohne Bykow, Marchon, Schilt und Picard (alle verletzt).
SCL Tigers: Punnenovs; Zryd, Koistinen (2); Seydoux, Weisskopf (2); Yves Müller, Flurin Randegger; Currit, Adrian Gerber; Elo, Macenauer, Nils Berger; DiDomenico, Albrecht, Nüssli (2); Kuonen, Pascal Berger, Sven Lindemann (2); Dostoinow, Schirjajew, Claudio Moggi (2).
Fribourg-Gottéron: Conz (9.-10. Säikkönen); Rathgeb (2), Marc Abplanalp; Kienzle, Leeger; Stalder, Chavaillaz; Glauser, Chiquet; Sprunger, Cervenka (4), Birner; John Fritsche, Rivera, Caryl Neuenschwander; Mauldin, Vesce, Mottet; Daniel Steiner, Flavio Schmutz, Neukom.

In Langnauer Ehren

Am 23. Dezember 2016, werden die beiden langjährigen SCL Tigers-Mitarbeiter, Speakerin Christine «Chrige» Nyfeler und Pressechef Rolf Schlapbach für 35- bzw. 30 Dienstjahre vor dem Spiel gegen den HC Davos geehrt. Beide gehören zu den SCL Tigers wie der Tigerkäse, ihren Wert für die Organisation kann nicht in Worte gefasst werden.

Christine Nyfeler mit dem Blumenstrauss für 35 Jahre als Speakerin.. (Michael Langenegger)

Christine Nyfeler debütiert in ihrem Amt im Oktober 1981 gegen den EHC Kloten. Nyfeler speakt seither nicht nur für das Fanionteam, sondern auch seit Jahren für den gesamten Langnauer Nachwuchs. Rolf Schlapbach, zunächst 12 Jahre als Mannschaftsleiter, startet im Herbst 1987 bei den Emmentalern. Nach dem Spiel stehen Langnaus «Off-Ice» Kult-Figuren exklusiv in der ungeschnittenen (directors-uncut) Version vor der Kamera des Schweizer Radio und Fernsehens, das Interview wurde nicht ausgestrahlt.

Sparta beschert Rekord

Der SC Bern, europäisch so weit gekommen wie seit 1992 nicht mehr und damit erstmals überhaupt in einer K.O.-Phase der Champions-Hockey-League, erhält zum „Samichlausen“ ein tschechisches Säckli aus Prag. Sparta spielt bei seinem elften Europa-Auftritt zum zehnten Mal in der K.O.-Phase und gilt als europäisches Schwergewicht, dieses Schwergewicht beschert den Mutzen mit 14’500 Fans die höchste Zuschauerzahl in einem europäischen Wettbewerb seit 41 Jahren.

Unter den 14’500 befinden sich auch ein paar als Prager getarnte Seeländer, die Fraktion um Tschechien-Experte und „Dukla-Jihlava-Schweiz Präsident“ Chris Habegger trägt Sparta-Jerseys aller Epochen. Darunter ist auch das Jersey von Spartas erstem Europa-Cup-Auftritt im Herbst 1990 in Lugano. Sparta qualifizierte sich damals zum ersten Mal für ein europäisches Endrundenturnier und traf im Bronze-Spiel auf die Mannschaft des heutigen SCB-Trainers Kari Jalonen. Turku ohne den verletzten Spieler Jalonen bezwang die Spartaner mit 4:3.

Die „Prager“ aus dem Berner Seeland, von links Bo Hofmann, Chris Habegger, Michael Krein und Mates Hurst, verstärkt durch Ostblock-Kenner Beat Kurt im Dukla Jihlava Sweater. (Milan Zwahlen)

26 Jahre später muss Jalonen wieder zusehen, als Trainer – und anders als Turku kommen die Berner gegen die Tschechen nicht über ein 1:1 hinaus. Das Rückspiel folgt in einer Woche in der O2 World in Prag. Mit Sparta kehrt Europa in Zuschauerzahlen endlich nach Bern zurück, die Partie bringt den Mutzen die zweithöchste Zuschauerzahl der Europa-Cup-Geschichte – was ausser vielleicht Berns Pressechef Christian Dick keinen interessieren wird – und in einer Woche werden wir wissen ob die Berner auch noch an die sportlichen Europa-Cup-Erfolge der 90er Jahre anknüpfen können.

Berns „Top-of-Europe

DatumSpielZuschauer
6.2.1975Berliner SC16’151
7.12.2016Sparta Prag14’567
11.10.2016Salzburg13’667
1.11.2016Jyväskylä13’660
18.10.1977Köln11’616
Statistik: Krein

Von Gentlemen und Weltenbummlern

Zum 101. mal trifft Langnau in einem NLA-Spiel auf den EHC Biel. Im Presseraum herrscht wie üblich eine gute Ambiance und die Verpflegung durch Gisela Schlapbach ist wie immer herzlich und charmant. Die Presseverantwortlichen Rolf Schlapbach (SCL Tigers) und Silvan Andrey (EHC Biel) informieren 19 Uhr 17 über die Aufstellungen ihrer Mannschaften, auf Andreys Info: «Marc-Antoine Pouliot ist überzählig», meldet sich der weltbekannte Eishockey-Chronist zu Wort: «Was heter vergässe?» und sorgt unter dem «who-is-who» am Tisch der journalistischen Berner-Hockey-Fraktion für einen Lacher.

Von Läderach bis Tuma

Am «Tisch der aussergewöhnlichen Gentlemen» fällt der Name Heinz Läderach, «ou was macht dä?», «Dasch dr schneuscht Schlittschuehläufer xi vor NLB», «är het dr Siegträffer gäge SCB gschosse» oder «är het gspiut wie dr Peter Sullivan.» Die Lorbeeren für den ehemaligen Stürmer vom SC Langenthal könnten nicht grösser sein. In diesem Augenblick betritt ein älterer Herr den Presseraum, der Publizist: «und da chunt si Trainer», Jaroslav Tuma ist verblüfft und begrüsst die fachkundige Runde. Auch Tuma verliert über Läderach nur gute Worte. Der gebürtige Tschechoslowake verlässt 1968 im Alter von 21-Jahren seine Heimat Richtung Holland, via Tilburg, Rosenheim, Mannheim, Iserlohn, Schwenningen und Ingolstadt heuert er 1983 bei Langenthal an. Noch heute ist der 69-Jährige als Spieler-Agent tätig und betreut weltweit rund 80 Spieler.

Zwei Weltenbummler im besten Alter

Ebenfalls in den 80er Jahren kommt der aktuelle Biel-Trainer Mike McNamara in die Schweiz. 1981 verpflichtet der NLB-Club HC Villars McNamara als neuen Headcoach. Im Frühjahr 1982 steigt der Traditionsclub mit McNamara in die 1. Liga ab. Kein erfolgreicher Start für den Kanadier, dennoch setzt der damals 32-Jährige seine Karriere in der Schweiz fort. Lugano, Dübendorf, Fribourg-Gottéron, Zug, Visp, Ajoie, Lugano, Chur, Lugano, Lausanne und Biel heissen seine Stationen als Head- und Assistenzcoach bis 2016.

Zum dritten Mal interims-Trainer

Auf seiner Trainer-Odyssee heuert der heute 67-Jährige dreimal beim HC Lugano an, 1983, 2006 und 2009. Als Assistent und Ersatzausländer von «Magier» John Slettvoll ist er bei den Meistertiteln 1986 und 1987 dabei, später kehrt er zweimal als Headcoach der Elite-Junioren zurück ins Tessin. Auch mit der Rolle als interims-Trainer ist der ehemalige WHA-Spieler der Quebec Nordiques bestens vertraut. Bereits zum dritten Mal übernimmt er während der Saison einen Trainerposten in der National-League (NL), 2007-08 beim EHC Chur kommt er für Andreas Fischer, 2010-11 übernimmt er in Lugano für Philippe Bozon und am 14. November 2016 in Biel für «Hockeygott» Kevin Schläpfer.

Die Uhr im Presseraum zeigt 19 Uhr 35, es ist höchste Zeit seinen Platz auf der Pressetribüne aufzusuchen. Zugegeben, ohne bevorstehende Eishockey-Partie der 27. Runde, hätte man den Abend – gefüllt mit Anekdoten aus längst vergangenen Zeiten – im gemütlichen Langnauer Presseraum unter der Bewirtung von Frau Schlapbach ausklingen lassen können. Die zwei älteren Herren und Hockey-Koryphäen sind längst auf ihren Plätzen. Tuma auf der Pressetribüne als Beobachter, McNamara hinter der Bande als Trainer, zwei Weltenbummler im besten Alter. Und ja, McNamara und die Bieler gewinnen in einem packenden Spiel mit 5:3 und SI-Mann Stefan Sommer*, er wettet jeweils unter den Gentlemen gegen seine Mannschaft, kassiert 120 Franken Schmerzensgeld.

*gehört seit Jahren zum Tisch der aussergewöhnlichen Gentlemen und berichtet für die Sportinformation.

29. November 2016 – 27. Runde

SCL Tigers – Biel 3:5 (1:0, 0:2, 2:3)
Ilfishalle. – 5’694 Zuschauer. – SR Mandioni /Massy, Abegglen /Kaderli. – Tore: 11. Elo (Schremp, Nils Berger) 1:0. 33. Micflikier (Lundin/Ausschluss Koistinen) 1:1. 38. Horansky (Fabian Sutter, Wetzel) 1:2. 45. Fey (Huguenin/Ausschluss Nils Berger) 1:3. 49. Earl (Julian Schmutz, Lundin) 1:4. 56. (55:02) Schremp (Elo, DiDomenico/Ausschlüsse Horansky, Maurer) 2:4. 56. (55:37) Elo (Schremp/Ausschluss Maurer) 3:4. 60. (59:38) Fey (Ausschluss Jan Neuenschwander!) 3:5 (ins leere Tor). – Strafen: SCL Tigers 3-mal 2 Minuten, Biel 4-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: SCL Tigers ohne Pascal Berger, Blaser, Lukas Haas, Nüssli, Stettler (alle verletzt) und Shinnimin, Biel ohne Pouliot (überzählig), Valentin Lüthi, Tschantré (beide verletzt) und Wellinger (krank). – Timeouts: SCL Tigers (59:03); Biel (55:37).
SCL Tigers: Punnenovs (49. Ciaccio); Seydoux, Koistinen (2); Zryd, Flurin Randegger; Weisskopf, Yves Müller; Currit; Elo, Schremp, Nils Berger (2); DiDomenico, Albrecht, Sven Lindemann; Claudio Moggi, Schirjajew (2), Kuonen; Roland Gerber, Adrian Gerber, Wyss; Rüegsegger.
Biel: Hiller; Lundin, Dufner; Maurer (4), Dave Sutter; Huguenin, Fey; Nicholas Steiner, Jecker; Julian Schmutz, Earl, Micflikier; Rossi, Jan Neuenschwander (2), Fabian Lüthi; Pedretti, Gaëtan Haas, Rajala; Horansky (2), Fabian Sutter, Wetzel.

Hier gehts zum SRF-Spielbericht und zum Interview mit Mike McNamara.

Der Patron von Court

Die Fahrt durchs Vallée-du-Tavannes führt im östlichen Teil ins verschlafene Dörfchen Court. Das ehemalige Strassenzeilendorf liegt im Berner Jura, hier scheint die Zeit noch stehengeblieben, es ist als würde man zurück in die 80er Jahre versetzt. Treffpunkt ist die Rôtisserie La Calèche, zwischen der Hauptstrasse und der Bahnlinie. Im schmucken, typisch welschen Landgasthof sticht ein Service-Tablar mit dem Mannschaftsfoto des EHC Biel ins Auge. Der ehemalige EHCB-Spieler Francis Lardon führt das Restaurant, Lardon gehörte 1978 zum ersten Bieler Meisterteam.

Den Chef des Hauses sehen wir nicht, denn dies ist auch nur die Zwischenstation auf dem Weg zum Haus von Monsieur Charpié. Der 67-Jährige lebt seit Jahren in seinem eigenen Eishockey-Museum in Court. Auf der Fahrt zu Monsieur Charpié erblicken wir, nach dem Überqueren der Birs, den Wegweiser zur Patinoire de Court, die offene Eisbahn auf einer ehemaligen Kuhweide liegt nur 800 Meter von Charpiés Haus entfernt.

ACBB Paris und Wembley Lions

Der Patron, im Team-Kanada-Pullover, öffnet seine Türe wie die Tore zu einem geheimen Nummerndepot einer Schweizer Bank. Bereits der erste Blick bringt uns zurück in die 50er Jahre, das Trikot vom Athletic-Club-de-Boulogne-Billancourt (ACBB) Paris hängt am Treppengeländer, welches zu Charpiés persönlicher Hall-of-Fame in den Dachstock führt. «Das ist das Original-Trikot von Jean Ayer», sagt der passionierte Hockeysammler. Er habe noch mehr von Ayer, unter anderem sämtliche Matchprogramme aus seiner Zeit bei den Wembley Lions in London.


„Du wirst schlichtweg erschlagen.“

– Michael Krein, in Court

Schon nur diese Aussage, lässt uns zumindest im Ansatz erahnen, was sich noch alles in seinem Archiv verbergen könnte. Dann betreten wir das Reich Charpiés, es erinnert an den Bieler Spielzeugladen Schöni an der Kanalgasse 37, hier gibt es alles – alles – vom Trikot des EHC Nidau, über sämtliche Trikots des HC Villars und CP Court, bis zu einer Jacke der Montreal Canadiens 1952 von Doug Harvey, die Lizenzen der Croci-Torti’s (Guy, Jean-Luc und Yves), Presseordner des EHC Olten oder sämtliche Chroniken vom Lausanne HC bis zum HC Le Fuet Bellelay.

Emotionale Erschöpfung

Nach ca. 90 Minuten schleicht sich im Denkzentrum eine psychische Übermüdung ein, man ist nicht mehr in der Lage neue Informationen und Eindrücke einzuordnen. Selbst der hartgesottenste Hockey-Romantiker erreicht hier mit der emotionalen Erschöpfung die erste Stufe eines Burnouts. Allerdings lässt sich das Burnout nicht auf negative-, sondern auf den massiven Überfluss positiver Eindrücke zurückführen. Du wirst schlichtweg erschlagen. Und Monsieur Charpié? Der Patron stöbert, räuspert, erzählt und präsentiert einen Leckerbissen nach dem andern.

Hat er selber noch den Überblick? Weiss er wo er was verstaut hat? Woher hat er nur all diese Zeitzeugen? Und was sagt Madame Charpié? Diese Fragen gehen einem zusätzlich durch den Kopf. Es ist pure Eishockey-Romantik, in diesem Archiv scheint die Zeit noch langsamer zu laufen, als dies im Dörfchen Court der Fall zu sein scheint – und das ist gut so. Es ist ein Eintauchen in eine andere Welt mit einem gutmütigen Patron, der hier einen wichtigen, längst verloren gegangenen Teil des Schweizer Eishockeys in welscher Manier, aber mit grösster Sorgfalt beherbergt.

Schremp-Show in Lyss

Beim sechsten Swiss-Ice-Hockey-Day in Lyss erweist, neben den einstigen Lyssern Philippe und Simon Rytz, sowie Matthias Rossi, Nicolas Steiner, Ivars Punnenovs und Brendan Shinnimin, Langnaus Rob Schremp dem Lysser Nachwuchs die Ehre.

Bei Schremps Posten gehts um das Thema Stickhandling, gespannt beobachten die Kleinsten die Kunststücke des Amerikaners (Foto). Das Highlight folgt beim anschliessenden Penaltyschiessen zwischen dem SC Lyss und den Stars der National-League. Der 114-fache NHL-Spieler zeigt seinen Lieblingsmove gegen den verblüfften Lyss-Goalie Fabian Zaugg.

Wick und Sega-Mega-Drive

Einmal pro Saison laden die ZSC Lions zu einem Retro-Spiel, wo die Lions in einem Trikot – welches durch eine Abstimmung der Fans bestimmt wird – aus vergangenen Zeiten antreten. In der jüngsten Ausgabe treten die Zürcher im Trikot aus den Saisons 1992-94 gegen den HC Genf-Servette an. Das schwarze Trikot von damals war von Adidas und trug die Sponsorenschriftzüge «Inag» und «Lehmann», Hosensponsor von damals war der japanische Softwareentwickler und Spielkonsolenhersteller «SEGA». Die besten Spieler jeder Heimpartie wurden jeweils mit einer SEGA-Mega-Drive Spielkonsole ausgestattet. Die Kinder der 70er und 80er Jahre sind damit bestens vertraut, eishockeytechnisch sind «EA-Hockey» oder «NHLPA Hockey ’93» Kult.

„zwei Minuten später folgt der lupenreine Hattrick und ein weiterer dreifacher Roman“

— Wie einst auf EA-Hockey der Sega-Spielkonsole

Zu jener Zeit, dümpelte Zürichs Retro-Gegner Genf-Servette noch in der Gruppe 3 der 1. Liga, dies ist nicht abwertend gegenüber der Amateurliga gemeint, rum. Auf dem Match-Magazin des Retro-Spiels 2016 ist Roman Wick abgebildet, als ob die Verantwortlichen der Lions oder Stadionspeaker Giovanni «Giovi» Marti dies hätten vorausahnen können. Als Zürichs Topskorer Wick in der 27. Minute das 3:1 erzielt skandiert Marti Wicks Namen gleich dreimal «dä Rrr-oman, dä Rrr-oman, dä Rrr-oman», dies war bei Morris Trachsler (Torschütze zum 1:0) und Ryan Shannon (2:1) nicht der Fall. Marti: «beim dritten Treffer der Lions skandiere ich jeweils dreimal den Vornamen». Beim vierten Treffer der Lions, dem zweiten Wicks, wiederholt Marti spontan den dreifachen Roman und tatsächlich folgt zwei Minuten später der lupenreine Hattrick und ein weiterer dreifacher Roman.

Schnellster Lions-Hattrick

Retro-Wick erzielt drei Tore im 2. Drittel, es ist innert 11 Minuten und 23 Sekunden der schnellste Hattrick oder «HattWick» in der Geschichte der Lions, damit unterbietet Zürichs Topskorer seinen Teamkollegen Morris Trachsler um 20 Sekunden. Einen Hattrick den Mann/Kind selbst im alten SEGA-EA-Hockey mit der Schweiz gegen Spanien kaum hätte unterbieten können. Das Retro-Jersey 2016, Replika durch Ochsner, beschert also nicht nur Retro-Wick, sondern auch den Zürchern einen überlegenen Sonntag-Nachmittag. Der klare 5:1-Sieg über Servette ist der sechste Sieg im sechsten Retro-Spiel und damit rücken die Lions an die Tabellenspitze. Und Wick? In der 93er Ausgabe hätte er als «Best Player» einen SEGA-Mega-Drive erhalten, heute ist es ein Gutschein des Zürcher Reisebüros Cruisetour AG.

Die Lions Retro-Spiele

16.10.2016Trikot 1992-94Genf-Servette 5:1
25.10.2015Trikot 1948-49SCL Tigers 6:3
12.10.2014Trikot 1948-49Davos 4:1
27. 10.2013Trikot 1988-89Bern 6:0
14.10.2012Trikot 1982-83Biel 4:1
6.11.2010Trikot 30er JahreLugano 6:2

16. Oktober 2016 – Hier gehts zum SRF-Beitrag

ZSC Lions – Genf-Servette 5:1 (1:0, 4:1, 0:0)
Hallenstadion. – 9’143 Zuschauer. – SR Eichmann /Vinnerborg, Küng /Wüst. – Tore: 17. Trachsler (Geering, Schäppi) 1:0. 24. Jacquemet (Simek, Ehrhardt) 1:1. 27. Shannon (Chris Baltisberger, Blindenbacher /Ausschlüsse Traber, Rubin) 2:1 28. (27:34) Wick (Sjögren, Bärtschi /Ausschluss Rubin) 3:1. 37. (36:43) Wick 4:1. 39. (38:57) Wick (Rundblad, Nilsson) 5:1. – Strafen: ZSC Lions 8-mal 2 Minuten, Genf-Servette 7-mal 2 plus 10 Minuten (Slater). – Bemerkungen: ZSC Lions ohne Hächler, Karrer, Künzle, Pestoni, Siegenthaler. Genf-Servette ohne Wick, Massimino, Antonietti, Vukovic, Détraz, Almond und Rod (alle verletzt).
ZSC Lions: Flüeler; Geering (2), Blindenbacher; Phil Baltisberger, Rundblad (2); Marti, Seger; Guerra; Thoresen, Shannon, Chris Baltisberger (2); Wick (2), Sjögren (4), Nilsson; Herzog, Cunti (2), Suter (2); Kenins, Trachsler, Schäppi; Bärtschi.
Genf-Servette: Mayer (2, 41. Bays); Ehrhardt (2), Loeffel; Fransson, Jacquemet; Kast, Mercier; Petschenig, Chuard; Riat, Romy, Schweri; Douay (2), Slater (12), Traber (2); Spaling (2), Rubin (2), Simek; Impose, Heinimann, Leonelli.

Weltrekord ohne Goalie?

Das Hinspiel gewannen die Berner in Salzburg mit 4:1, die Gäste brauchen also einen Sieg mit drei Toren Differenz. Nach 25 Minuten liegen die Österreicher aber wieder mit zwei Toren im Hintertreffen. Jetzt hilft nur noch «äänen Red Bull», der den Ösis Flügel verleiht. Der Energiedrink scheint zu wirken, denn innert neun Minuten gleichen die Mozartstädter zum 3:3 aus. Den Bullen fehlen aber immer noch zwei Tore um überhaupt in die Overtime zu kommen.

Der richtige Kraftakt des österreichischen Meisters kommt erst in der Schlussphase. Torhüter Luka Gracnar wird bereits fünf Minuten vor Schluss durch einen sechsten Feldspieler ersetzt, ob das gut kommt? Trotz aller Energie, welche eine Red Bull Dose freisetzen kann, scheint ein weiterkommen der Mannschaft von Greg Poss ein Ding der Unmöglichkeit.


Luka Gracnar

„Während vier Minuten und 51 Sekunden einen leeren Kasten.“

— ein Weltrekord?

Zu einem weiteren Treffer kommen die Salzburger nicht. Beeindruckend ist aber die Tatsache, dass die Red Bulls während 4 Minuten und 51 Sekunden keinen Gegentreffer in den leeren Kasten hinnehmen müssen. Die Berner kommen in dieser Phase zu keinem Abschluss. Nur kurzzeitig kehrt Gracnar, beim Bully in der eigenen Zone, für fünf Sekunden in seinen Kasten zurück.

Trotz dem Aus in den Sechzehntelfinals, scheinen die Männer in den silber-blauen Helmen in Bern einen Weltrekord aufgestellt zu haben. Red Bull verleiht bekanntlich Flügel, oder zumindest einen Eintrag ins Guiness Buch.

Die Red-Bull-Dosen in Form eines Helms verleihen erst am Schluss Flügel. (Krein)

Vom «Röselichöhli» zum Fleisch

Unter Heinz Ehlers spielt der HC Lausanne drei Jahre lang unattraktives, aber sehr erfolgreiches Defensiv-Eishockey. Unter Ehlers erreichen die Waadtländer sogar zweimal die Playoffs und sichern sich im vergangenen Jahr souverän den Ligaerhalt. Mit Daniel Ratushny steht neu ein offensiv-ausgerichteter Trainer an der Bande der Löwen und der defensive Froschkönig verwandelt sich in einen offensiven Kronprinzen.

Oder wie es ein Seeländer Polizei-Spotter, ein ziviler Stadionüberwacher im Eisstadion, passend formuliert: «Es ist wie mit dem Röselichöhli», gibts du deinen Kindern drei Jahre Rosenkohl ist das gut, weil sie nichts anderes kennen. Unter dem neuen Familienoberhaupt Ratushny gibts jetzt erstmals Pommes-Frites serviert und die Mannschaft läuft neuerdings auch offensiv auf Hochtouren.

Erfolgreichster Saisonstart

Auch Lausannes Presseverantwortlicher Omar Guess ist von Ratushnys Arbeit begeistert: «Man bemerkt es im Training, die Stimmung ist super, alle haben Freude am Offensiv-Stil des neuen Trainers». Es war auch unter Ehlers gut, fügt der Pressechef dazu. Aber eben, nur gut wie «Röselichöhli». Nach drei Jahren Magerkost geht Lausanne endlich zu frittierter Offensiv-Kreativität über. Unter Ratushny starten die Waadtländer so erfolgreich wie noch nie in ihrer 22-jährigen NLA-Geschichte und holen sieben Siege in den ersten acht Spielen.

Nach drei Jahren Magerkost geht Lausanne endlich zu frittierter Offensiv-Kreativität über

Der österreichische Meistertrainer führte zuletzt den EC Red Bull Salzburg durch Offensiv-Spektakel 2015 und 2016 zu zwei Meistertiteln. Ratushnys Aufgabe in Lausanne ist so schwer wie einen Veganer zum Vegatarier umzufunktionieren. Statistisch ausgedrückt: Vermittle dem schwächsten Offensivteam der NLA der letzten zwei Jahre den Spielstil des stärksten Offensiv-Teams Österreichs der letzten zwei Jahre.

Vorsicht Fleisch

Die Salzburger erzielten in den vergangenen zwei Spielzeiten unter Ratushny in 54 Spielen 200 (3.7 Tore/Spiel) und 208 Tore (3.85 Tore/Spiel), Lausanne unter Ehlers in 50 Spielen 105 (2.1 Tore/Spiel), respektive 123 (2.5 Tore/Spiel) Treffer. Gespielt ist erst ein Fünftel der Qualifikation, dennoch haben die Lausanner bereits einen Drittel der Punkte der vergangenen Saison auf ihrem Konto. Aber Vorsicht, riecht der ehemalige Veganer erstmals das «Fleisch», genügen in der Waadtländer Kantonshauptstadt auch die vegetarischen Pommes-Frites nicht mehr.

Foto: Hervé Chavaillaz

Hamburgs DEL-Uhr «eingefreezert»

Der Hamburger Sportverein (HSV) ist der einzige Fussballverein Deutschlands, der seit der Saison 1963-64 nie aus der Bundesliga abgestiegen ist. Die langjährige Liga-Zugehörigkeit veranlasste den Club-Sponsor Hamburgische Electricitäts-Werke AG (HEW) 2001, einen Zeitmesser zu installieren. Das Zifferblatt der mittlerweile kultigen Digital-Stadion-Uhr steht beim HSV bei 52 Jahren, 274 Tagen und ein paar Stunden.

Mit anderen zeitlichen Dimensionen hatten die Eishockeyaner der Hamburg Freezers zu kämpfen. Am vergangenen Mittwoch, am 18. Mai 2016 hatte der US-amerikanische Besitzer Anschutz-Entertainment-Group (AEG), die Amerikaner stiegen 2005 auch beim HC Genf-Servette aus, verkündet, keine neue Lizenz für die Spielzeit 2016-17 beantragen zu wollen. Gerade mal eine Woche blieb den Hamburgern Zeit einen neuen Käufer zu finden.

Der langjährige Kapitän Christoph Schubert hat alles versucht die Freezers zu retten

— über das Engagement des Captains

Der Ankündigung folgte eine Welle der Solidarität und ein grosser Spendenaufruf, Fans überwiesen insgesamt mehr als eine halbe Million Euro zur Rettung des Vereins. Doch selbst mit dieser Summe würden die Freezers in der kommenden Saison rote Zahlen schreiben, für die der Betreiber aufkommen müsse, sagte Anschutz-Europapräsident Tom Miserendino. Die Frist zum Lizenzantrag ist gestern Mitternacht, am 24. Mai 2016 verstrichen und heute steht das ganze Kader (darunter ex-Fribourg-Goalie Sébastien Caron) der Freezers auf dem Transfermarkt.

Die Lizenz und Schubert

Anders als die Uhr der kickenden Stadtnachbarn, ist die Uhr der Eishockeyaner nach 13 Jahren und 356 Tagen «eingefreezert» worden. Auch Freezers-Mannschaftskapitän Christoph Schubert, er hatte die Spendenaktion organisiert, trauert um «seinen Club». Schuberts Verbindung mit «seinem Club»  könnte tiefer nicht sein, oder anders gesagt, Schubert und die DEL-Lizenz der Freezers sind praktisch unzertrennlich.

Im Sommer 1999 wurde die Lizenz vom EV Landshut, dem damaligen Club Schuberts, nach München verkauft. Schubert wechselte ein Jahr später zu Landshuts Lizenznehmer München Barons. 2002 wurde die Lizenz von Bayern in die Hansestadt weiterverkauft, zeitgleich startete der Verteidiger seine achtjährige NHL-Odysse, um 2010 wieder bei Landshuts Lizenznehmer in Hamburg anzuheuern. Sage mir wo die Lizenz hingeht und ich sage dir wo Schubert spielen wird, warum nicht zurück nach Landshut…

Die Pizza vor dem Sturm

Es herrscht die pure Idylle im Garten-Restaurant der Osteria-Resega, die Sonne scheint, das Klima ist sommerlich warm und die Pizza-Prosciutto wird in Kürze serviert – während wir auf unsere Pizza warten – finden auch andere Medienvertreter aus dem Züribiet die „Via Sonvico uno“. Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen aber erahnen, die „Prosciutto“ ist die letzte Ruhe vor dem Sturm. Unsere Tickets erhalten wir vom Lugano-Offiziellen Dany El-Idrissi, direkt beim Sekretariat an der Via Chiosso. Dann gehts los in die Höhle des „Panthers“, sieben Plätze neben uns sitzt der ehemalige Lugano-Spieler und dreifache Schweizermeister Florian Blatter.

Wie in den Neunzigern

Die Bianconeri stehen erstmals seit ihrem letzten Meistertitel, also nach zehn Jahren, wieder im Final. Die Erwartung ist gross und das Publikum geladen wie an einem siebten Spiel. Lugano muss heute im dritten Spiel der Serie (Stand 1:1) wieder vorlegen. Die Rivalität zwischen Bern und Lugano lässt die alten 90er Jahre wieder aufleben, als sich die heutigen Gegner dreimal in Folge im Endspiel duellierten. Mit dabei war damals auch der heutige Final-Schiedsrichter Didier Massy, wohl kaum einer der aktuellen Fans mag sich an Lugano-Massy (2-mal Meister) noch erinnern.

Die Schiedsrichter sind während der ganzen Partie dem Gefahrenherd des heissblütigen Mobs ausgesetzt. Wenns für den Gegner läuft, fliegt alles aufs Eis was nicht niet- und Nagelfest ist. Bierbecher, Schlüsselketten, Sonnenbrillen oder Lippenstifte führen mehrfach zu Unterbrüchen. Kurz vor Ablauf der regulären Spielzeit wird sogar die Plexiglasscheibe der Berner Strafbank, wo Simon Moser sitzt, zertrümmert. Vielleicht ist es wie im alten Rom, während der Zirkusspiele im Colosseum, den Unparteiischen hätte man damals wohl den Daumen nach unten gezeigt. Die Ruhe der Osteria-Resega ist auf der Pista-Resega kaum noch zu erahnen und das Spiel?

Non mollare mai

Endet zum Schrecken aller, ausser den Spielern des SCB, zu Gunsten der falschen Gladiatoren und der Mob wütet, wie einst bei der Schande von Lugano, bei Zürichs Meistertitel 2001. Das Erlebnis ist aber auch für meinen „Berner“ Freund unvergesslich, auch wenn er zeitweise um sein Leben fürchtet – für alles andere gibts die Mastercard, das ist die Resega und das ist Lugano. „Non mollare Mai“ (gib niemals auf), sind unvorstellbare Leidenschaft und Enthusiasmus, gekoppelt mit einer Finalpartie weltweit unübertreffbar.

Die letzte Ruhe vor dem Sturm gilt auch für die Schiedsrichter Roger Bürgi (75), Didier Massy (22), Danny Kurmann (66) und Simon Wüst (44). (Krein)

7. April 20163. Finalspiel

Lugano – Bern 2:3nV (0:0, 2:1, 0:1, 0:1)
Resega. – 7’800 Zuschauer (ausverkauft). – SR Kurmann/Massy, Bürgi/Wüst. – Tore: 21. Bodenmann (Ebbett /Ausschluss Rüfenacht!) 0:1. 26. Martensson (Ulmer /Ausschluss Blum) 1:1. 38. Lapierre (Chiesa, Sannitz) 2:1. 47. Ebbett (Moser, Jobin) 2:2. 70. Scherwey (Plüss) 2:3. – Strafen: Lugano 8-mal 2 Minuten, Bern 10-mal 2 plus 10 Minuten (Roy). – Bemerkungen: PostFinance-Topskorer Klasen, Conacher. Lugano ohne Steinmann (verletzt), Stapleton, Sartori, Romanenghi (alle überzählig), Bern ohne Hischier, Kobasew, Bergenheim, Bührer, Kousa (alle verletzt), Kreis, Ness, Smith (alle überzählig). 4. Pfostenschuss von Pascal Berger. 73. Timeout von Lugano.
Lugano: Merzlikins; Hirschi, Kparghai; Chiesa (2), Furrer; Ulmer, Vauclair; Kienzle (2); Brunner, Hofmann, Bertaggia; Walker (2), Sannitz, Lapierre (6); Kostner, Schlagenhauf, Fazzini; Martensson, Klasen (2), Pettersson (2).
Bern: Stepanek; Jobin, Untersander; Krueger, Blum (2); Helbling (4), Gerber; Flurin Randegger; Bodenmann, Ebbett, Moser (2); Conacher, Roy (12), Rüfenacht (8); Scherwey, Plüss, Reichert; Alain Berger (2), Pascal Berger, Gian-Andrea Randegger.

Der andere Riesen

Alain Riesen besucht am 23. Januar 2016 das Spiel zwischen bern und Kloten. (Krein)

Eishockeytechnisch hat die Schweiz und Australien nicht viele Gemeinsamkeiten. An der C-Weltmeisterschaft 1974 trafen die beiden Nationalteams im Palais-des-Sports in Grenoble erstmals aufeinander. Der 20:0-Sieg der Eisgenossen ist bis heute der höchste Sieg der Geschichte des Schweizer Nationalteams, der ehemalige Nationaltorhüter Robert «Robelon» Meuwly sagt noch heute «i ha ke Pögg berüehrt». Auf die Frage wie hoch wohl seine Mannschaft (Canberra Brave) gegen die beiden heutigen Gegner SC Bern und Kloten Flyers verlieren würde, antwortet Alain Riesen mit demselben Resultat: «twenty-zero.»

Ursprung in der Berner Allmend

Alain Riesen? Sein Name lässt nichts über seine wahre Herkunft vermuten: Australien. Riesens Eltern sind 1987 durch ein Jobangebot in Australiens Hauptstadt Canberra aus Bern nach Down Under ausgewandert. Drei Jahre später, am 5. September 1990 hat Alain Riesen in Canberra das Licht der Welt erblickt. Im Alter von zwölf Jahren reist Riesen mit seinen Eltern in die Schweiz und besucht sein erstes Eishockeyspiel im Berner Allmend-Stadion. «Seit diesem Spiel wollte ich Hockey spielen», nennt Riesen, der auch ein gebrochenes Berndeutsch spricht, als Grund für seine exotische sportliche Affinität im Land des Rugbys.

„Seit diesem Spiel wollte ich Hockey spielen.“

— Alain Riesen über Bern

Alain Riesen (#32) am 6. Juni 2015, bei Canberras 4:1-Sieg gegen die Sydney Ice Dogs. (Paul Furness)

Der erste Australier in der Schweiz

Als 18-Jähriger debütiert der Doppelbürger 2009 in der Australian-Ice-Hockey-League (AIHL) bei den Canberra Knights, dem traditionsreichsten von acht AIHL-Teams. Seine Schweizer Wurzeln führen den Stürmer in der Saison 2012/2013 zum EHC St. Moritz. Er habe ein paar Schweizer Klubs, darunter auch den EHC Wiki-Münsingen wo einst sein Grossvater gespielt hat, kontaktiert, sagt Riesen. Die Bündner boten dem College-Absolventen neben dem Hockey-Abenteuer auch eine Saisonstelle in einem Sportgeschäft, also spielte der erste Australier in der Schweiz unter Trainer Gian-Marco Crameri bei St. Moritz in der 2. Liga.

Saisonstart im April

Im Dezember 2015 kehrt der 25-Jährige für einen Monat in die Schweiz zurück um seiner Freundin Chloe neben Paris und London auch sein Mutterland zeigen zu können. Neben den obligaten Sehenswürdigkeiten wie Luzern, Zermatt oder Genf gehören auch drei Eishockeyspiele dazu. Riesen, der bei seinem Onkel in Gasel weilt, besucht zwei Spiele in Bern, seinem Lieblingsclub und ein Spiel in Davos. Beeindruckt von der imposanten Kulisse in Bern startet der «Australier» im April 2016, die AIHL läuft von April bis August, in seine achte AIHL-Saison mit den CBR (Canberra) Brave, dort spielt der Rechtsschütze seine Heimspiele vor 800 Zuschauern. Die Leidenschaft für den schnellsten Mannschaftsport der Welt ist aber auch beim «anderen» Riesen mindestens so gross wie die Kulisse der PostFinance Arena.

Canberra Brave-Spieler Riesen besucht seinen Ursprungsort, die Berner PostFinance Arena. (Krein)

Seit 18 Jahren warten wir auf Shinkaruk

Im Kultfilm «Zurück in die Zukunft II» wird der fliegende DeLorean mit Doc Emmet Brown (Christopher Lloyd) in den Schlussminuten von einem Blitz getroffen, einen Augenblick später kommt ein Postbote mit einem Brief von 1885 für Marty McFly (Michael J. Fox): «Wir haben diesen Umschlag nun schon seit 70 Jahren in unserem Besitz!… …Wir hatten schon Wetten abgeschlossen, ob dieser Marty hier sein würde!»

Nicht 70 aber 18 Jahre warte ich auf das verfassen dieses Berichts über den Kanadier Hunter Shinkaruk. 1997 stiess auf ein Foto eines zweijährigen Knirps, der im WHL-Team (Western-Hockey-League) der Calgary Hitmen bei der Torbeschwörung mittun durfte. Sein Vater war Klub-Zahnarzt und der kleine Hunter war jeweils beim Warm-up mit den Grossen auf dem Eis. Zu seiner Unzufriedenheit musste man den «Kleinen» kurz vor Spielbeginn vom Eis nehmen. «Mein Vater sagte, ich war wütend weil ich nicht mitspielen durfte», sagt Shinkaruk heute.

Wie das Postamt von Hill Valley in «Zurück in die Zukunft II», habe ich das Foto von Calgary-Sun-Fotograf Dave Chidley vor 18 Jahren in mein Archiv, ein Ordner mit nicht alltäglichen Zeitungsartikeln, gelegt um die Geschichte in ferner Zukunft zu Ende zu bringen. Tatsächlich stösst mir 2010 im Kader der Medicine Hat Tigers der Name «Shinkaruk» ins Auge, es ist der «Kleine» aus der Zeitung. 2013 wird Shinkaruk in der ersten Runde als Nummer 24 von den Vancouver Canucks gedrafted.

Am 16. November 2015 ist es soweit. Bei den Canucks fallen die Stürmer Alexandre Burrows (Geburt seines Sohnes Jacob, vielleicht der nächste Hunter?) und Brandon Sutter (verletzt) aus und Shinkaruk wird für die Partie gegen die Montreal Canadiens vom AHL-Farmteam Utica Comets für die NHL aufgeboten. Nach 18 Jahren darf der «Kleine» endlich bei den ganz Grossen ran, der Center spielt in einer Linie mit Adam Cracknell und Derek Dorsett und kommt dabei auf 13 Einsätze und eine Eiszeit von 9 Minuten und 35 Sekunden. Vielleicht hätte ich wie der Postbote bei «Zurück in die Zukunft» eine Wette abschliessen sollen…

Shinkaruk aus dem «Sport 1997»

Hunter Shinkaruk bei seinem NHL-Debüt 2015 und rechts bei seinem Auftritt als 2-Jähriger mit den Calgary Hitmen 1997. (Claus Anderson/Getty Images, Dave Chidley/Calgary Sun)

Die Indianer von Pilsen

Was steckt hinter dem Indianerkopf im Logo von Pilsen? (Krein)

Pilsen gehört schon während der Tschechoslowakei zu den interessanten Klubs des Landes und ist vor allem als HC Skoda Pilsen (Plzen) bekannt. Wie es der Name bereits verrät, trägt „Skoda“ das Logo der damals in Westeuropa noch unbekannten Automarke an. Für die Eishockeyfamilie ebenso wichtig ist die Brauerei „Pilsner Urquell“, welche noch vor Spielbeginn die erste Anlaufstation ist.

An besagtem Sonntag gastiert in der Home-Monitoring-Aréna der Titelanwärter aus der Hauptstadt. Als HC Skoda Pilsen trägt der Klub bis 1997 das unverwechselbare Skoda-Logo, allerdings handelt es sich hier nicht um den Autokonzern, der liegt in Mlada Boleslav, sondern um die Skoda-Transportbetriebe. Dennoch stellt sich immer wieder die Frage nach dem Indianerkopf auf dem Logo mitten im Westen von Böhmen. Oder gilt Pilsen vielleicht schon als „wilder Westen“ Tschechiens?

Nur einer kennt die Antwort

Eine durch uns (mit Chris Habegger) gestartete Umfrage auf den Sitzplätzen ergibt zunächst keine Antwort, keiner weiss warum hier die „Indianer von Cleveland“ spielen. Etwas was mich an Fans, dies ist in der Schweiz nicht anders, immer wieder verblüfft, sie hinterfragen nichts. Sie sind Anhänger eines Klubs und sind bereits durch die erste Frage über ihren Lieblingsverein aus-gecoacht.

In der zweiten Drittelspause kann uns doch noch einer der „Indianer“ eine Antwort geben. Der Indianerkopf symbolisiert die Zweite US-Infanterie-Division während des zweiten Weltkriegs. Nach der Landung am „Omaha-Beach“, kämpft sich die Zweite US-Division durch Frankreich, Belgien und Deutschland bis in die Tschechoslowakei und trifft am 8. Mai 1945 in Pilsen ein. Pilsen wird durch die Zweite US-Division, welche noch heute den Indianerkopf trägt, von den Nazis befreit.

Der Indianer von Pilsen steht vor dem Spiel auf dem Eis. (Krein)

Amerikaner

Gegen Sparta Prag steigen die Indianer aber ohne ihre beiden Amerikaner Nick Johnson und Ryan Hollweg, welche Verletzungsbedingt fehlen, in den Kampf. Seit die Pilsener als «Indianer» unterwegs sind, spielt jeweils mindestens ein Amerikaner im Team. Ohne Amerikaner reichts in der 22. Qualifikationsrunde aber nicht gegen Sparta und dort trifft mit Curtis Hamilton ausgerechnet ein Amerikaner gegen die Indianer.

Stimmung in Pilsen nach dem Ausgleichstreffer in der 48. Minute durch Jakub Lev. (Krein)

HC Škoda Pilseň – HC Sparta Prag 2:4 (0:0, 0:1, 2:3)
36′ Kumstát (Eminger) 0:1,
48′ Lev (Kracík) 1:1,
50′ Čajkovský (J. Hlinka, J. Mikuš) 1:2,
52′ Lev (Jeřábek, Kracík) 2:2,
54′ Netík (Polášek) 2:3,
56′ Hamilton (Cingel) 2:4.

Home-Monitoring-Aréna: 6100 Zuschauer
SR: Hradil, Hrubý; Komárek, Ondráček.
Str. (P): 6×2
Str. (Sp): 5×2
Pilseň: Machovský; Jeřábek, Chalupa; Holý, Pulpán; Kubka, D. Sklenička; Indrák, Kracík, D. Kubalík; Poletín, Bližňák, Johnson; J. Sýkora, Preisinger, F. Suchý; Schleiss, Lev, M. Beran.
Sparta Prag: Lukáš; Čajkovský, Barinka; Eminger, Polášek; Hrbas, J. Mikuš; Netík, Klimek, Buchtele; Sabolič, J. Hlinka, Kumstát; Hamilton, Cingel, A. Kudrna; M. Procházka, Pech, Forman.

Wenn Tradition sich in der zweiten Liga trifft

Dukla Jihlava, der frühere tschechoslowakische Spitzenklub spielt heute in der zweiten tschechischen Liga. Rund ums Stadion, im beschaulichen Iglau, könnte es sich auch um eine Partie der obersten Spielklasse handeln. Die Fans von Motor, ebenfalls ein Traditionsclub der 1951 seinen einzigen Meistertitel feiern kann, pilgern zahlreich ins betagte Stadion von Dukla an der «Tolstého 1566.» Unser Reiseführer Chris Habegger wird von Tschechien-Legende Bedrich Scerban persönlich abgeholt und in die Büroräumlichkeiten geführt. Habegger wird überall schon von weitem erkannt und herzlich empfangen. Es ist wie wenn Wayne Gretzky in Edmonton eintreffen würde.

Motor Budweis und Dukla Iglau sind in den 80er Jahren regelmässige Gäste in der Schweiz, der Bekanntheitsgrad der Iglauer ist bedeutend höher, dies nicht zuletzt dank dem Dutzend von Meistertiteln, sowie durch zahlreiche Europacup- und Spenglercup Teilnahmen. Die Budweiser, eher bekannt durch die Bierbrauerei als durch meisterliche Eishockey-Künste, spielen zwischen 1936 und 2013, mit nur einer Ausnahme 2004-05, immer im Oberhaus.

Lieber Budweiser als Konkurrenzbier

Durch einen Sponsorenwechsel der Extraliga, werden die Südböhmen durch den «Bierskandal» in die zweite Liga zwangsrelegiert. Durch den neuen Liga-Vertrag mit der Radegast-Brauerei, darf in sämtlichen Stadien nur noch das Bier des Hauptsponsors ausgeschenkt werden. Für die Budvar-Arena und die Stadt Budweis keine Option, so dass der Klub seine Rechte an den Zweitligisten Hradec Kralove abtritt. Lieber Budweiser in der zweiten Liga als Konkurrenzbier im eigenen Stadion.

Der frühere Armeesportclub Dukla muss den sportlichen Gang in die Zweitklassigkeit schon 1999 antreten. Seit dem Fall der Tschechoslowakei fliessen in Jihlava keine Staatsgelder mehr, seither gehts an der böhmisch-mährischen Grenze Jahr für Jahr ums Überleben. Die besten Spieler aus dem eigenen Nachwuchs verlassen den Klub in Richtung Extraliga und die Infrastruktur ist immer noch wie zu Spitzenzeiten der 70er und 80er Jahre.

Geblieben sind aber Tradition, Leidenschaft und Herzblut für den tschechischen Nationalsport. Knapp 5’000 Fans wollen den Spitzenkampf gegen Motor sehen und die «1. Liga», wie sich die zweite tschechische Spielklasse nennt, hat es in sich, mit Slavia Prag und Rityri Kladno (Inhaber ist Jaromir Jagr) spielen zwei weitere ehemalige Meisteradressen im Spitzenquartett der Liga.

Dukla Jihlava – Motor Ceske Budejovice 4:2 (1:0, 3:2, 0:0)
Horacky Zimni. – 4’975 Zuschauer. – SR Würtherle; Beneš/Štofa. – Tore: 14. Gríger (Diviš) 1:0. 23. Flek (Malec, Anděl) 2:0. 27. Anděl (Gríger) 3:0. 30. Kolmann (Babka) 3:1. 30. Skořepa (Jergl, Důras) 4:1. 39. Heřman (Straka, Vráblík) 4:2. – Strafen: Jihlava 4-mal 2 Minuten, Ceske Budejovice 3-mal 2 Minuten.
Dukla Jihlava: Honzík; Řezníček, Štebih; Dundáček, Kaláb; Šafář, Grebenyuk; Dobrovolný; Diviš, Seman, Gríger; Jergl, Skořepa, Důras; Jícha, Melenovský, Prokš; Anděl, Flek, Malec
Motor Ceske Budejovice: Bláha (27. Gába); Kříž, Kolmann; Vráblík, Suchánek; Klinecký, Žovinec; Květoň, Mikyska, Kuchejda; Heřman, Straka, Nouza; Švihálek, Rob, Žálčík; Škoda, Babka.

Wie zu Gottwalds Zeiten

Zlin ist die zweite Station der Tschechien-Kurztournee, die Stadt ist eine Schuhhochburg, wer kennt sie nicht die Bata-Schuhe, schon Eingangs der Stadt sind mehrere Bata-Gebäude zu sehen. Der Schuhkonzert bestimmt auch die Anfangszeit des Hockeyclubs SK Bata Zlin. Zwischen 1949 und 1990 heisst die Stadt Gottwaldov, benannt nach dem tschechoslowakischen Staatspräsidenten Klemens Gottwald. Noch älter als der Name Gottwaldov ist das Hotel Moskva, in Sichtweite des Eisstadions. Der alte Plattenbau wird 1933 fertig gestellt und gibt dir als Gast ein Hauch des Gefühls der kommunistischen Zeit der Tschechoslowakei. In einem kalten Winter könnte zumindest der Innenraum der Unterkunft durchaus an Stanley Kubricks Shining erinnern.

Überhaupt scheint hier vieles noch so wie zu tschechoslowakischen Zeiten. Die Treppenstufen zum Stadion und natürlich die Eishalle selbst, welche von aussen auch ein Schulhaus oder ein «Bata-Schuhaus» sein könnte. Der Sichtbackstein-Bau aus dem Jahre 1957 erstreckt sich über die ganze Eingangsfront, so wie dies in den 50er und 60er Jahren üblich war. Empfangen werden wir Dank Chris Habegger auf der VIP-Tribüne, abgeholt werden wir von Helena Cachotska, die Frau des Stürmers Tomas Cachotsky. Cachotsky, wie könnte es auch anders sein, stammt aus Jihlava, von dort kennt er unseren Reiseführer.

Der VIP-Raum ähnelt einem grossen Wohnzimmer, mit Teppichbelag ausgestattet und mehreren Stehtischen, blickt man durch die «Wohnzimmerfenster» (siehe Foto unten) ins Stadion. Als VIP-Häppchen werden die traditionellen, tschechischen belegten Brote serviert. Trotz aller Gastfreundschaft und dem angenehmen Klima fühlt man sich irgendwie wie zu «Gottwalds Zeiten», die Zeit scheint hier langsamer zu laufen als in Westeuropa, Gottwaldov ist zwar schon seit 25 Jahren vorbei, dennoch könnte man sich an den Gedanken gewöhnen.

An seiner Gegner gewöhnen kann sich das Heimteam an diesem Abend leider nicht. Das Team aus Karlsbad schiesst im zweiten Drittel innert neuen Minuten vier Tore und die Partie ist für die gelb-blauen gelaufen. Nach dem Spiel entgangen wir einen enttäuschten Cachotsky, welchen wir anschliessend zum Dinner im Restaurant «Restaurace Koliba U Cerneho medveda» in der Nähe des Zimni Stadions zu einem feinen Stück Fleisch begleiten. Am nächsten morgen besuchen wir noch eine Trainingseinheit Cachotskys unter der Leitung von Headcoach Rostislav Vlach, dem ehemaligen tschechischen Internationalen, der in seiner achten Spielzeit an der Bande der Zliner steht.

Hier gehts zum Spiel

Das Herz von Prag

Die Reise führt mich via Zürich nach Prag, vorher nehme ich aber den Zug nach Genf, so absurd es auch sein mag, die Flugreise «Genf-Zürich-Prag» ist einiges günstiger als ein Direktflug «Zürich-Prag», daher die umständliche Reise in die tschechische Hauptstadt. Der Zeitplan ist eng, denn Chris Habegger (Dukla Jihlava-Koryphäe und Tschechien-Reiseführer) und Beat Kurt (langjähriger Kenner des Ostens- und des Hockeys) reisen bereits am Vortag per Skoda via Jihlava an.

Am Vaclav-Havel-Flughafen (Vaclava Havla) bleiben mir nur wenige Minuten um in den richtigen Bus (100) zu steigen, um dann in Zlicin die Metro nach Cerny-Most zu nehmen. Direkt bei der Haltestelle Českomoravská steht die O2-Arena des HC Sparta Prag, in diesem eishockeytechnischen Prunkstück befindet sich auch die Hall-of-Fame. Dort treffe ich meine beiden Schweizer Kollegen und die Zeit in einer solchen Ruhmeshalle will voll und ganz genutzt werden. Bereits beim Ticket-Automaten habe ich Probleme, weil ich nur grosse Noten habe, das U-Bahn-Ticket kostet gerade mal 32 Kronen (ca. SFr 1.44), beim Wechseln mit 1000 Kronen schaut die Kiosk-Frau etwas verdutzt, willigt aber ein.

Das U-Bahn Ticket nach Českomoravská für 32 Kc (Tschechische Kronen). (Krein)

Českomoravská, mir gefällt der Name, erreicht – erblickt man die imposante O2-Arena, Heimstätte von Sparta Prag, gut zu sehen der Bordeaux-rote «S», welcher Sparta seit jeher symbolisiert. Das Prunkstück der Arena ist aber nicht zwingend «Sparta», sondern das ganze Herz des tschechischen- und tschechoslowakischen Eishockeys, die Hall-of-Fame.

Die bevorstehenden Stunden werden abwechselnd durch glückselige- und ermüdende Momente geprägt. Nach rund zwei Stunden tritt die emotionale Erschöpfung ein, so gilt es, sich in diesen zwei Stunden aufs wesentliche zu konzentrieren, kein leichtes Unterfangen, bei so viel Hockey Know-How, Kollege Habegger, Gründer des Dukla Jihlava Fanklubs Schweiz und Besitzer von 600 Hockey-Jerseys aus der kommunistischen Zeit, hat einen Teil der Ausstellung selber beigesteuert und Beat Kurt kann dir von jedem slawischen Dorf die deutsche Bezeichnung nennen.

Nach langem stöbern, räuspern und staunen erheizt ein goldener Pokal in Form einer nackten Frau die Gemüter. Was zum Teufel für ein Pokal ist das – diesen hochzustemmen muss wohl ein tolles Gefühl gewesen sein, zeihen wir uns gegenseitig auf. Der Hingucker, entpuppt sich bei genauerem hin-gucken als Trophäe von Genf. Die «Perrot-Duval-Challenge» von Genf? Nie gehört und genau da kommt der Punkt, «ich will alles über die Perrot-Duval-Challenge wissen, was man wissen muss», dazu später mehr.

Zum Abendessen sind wir bei einen tschechischen Hockeyfreund «Christophovi» Habeggers in einer keinen Plattenbau-Wohnung in Prag eingeladen. Wie in Tschechien üblich, werden köstliche belegte Brote serviert. Ein Abend, wie er tschechischer nicht sein könnte, in guter und freundlicher Gesellschaft, mitten im Herz von Prag.

In der tschechischen Ruhmeshalle also, erfahren wir von einem längst in Vergessenhgeit geratenen Turniers auf Schweizer Boden, dank des Perrot-Duval-Challenge-Pokals. Eine nackte Frau in Gold zeirt die wirklich spezeille Trophäe, Spender ist Gaston Perrot, Gründer der Perrot Duval Holding in Genf, einem Unternehmer der Automatisierungstechnologie, welches ursprünglich in der Automobilbranche täti ist. Automobil und Genf = Autosalon – und da sind wir beim besagten Turnier. Während des Autosalons witd in den 60er Jahren parallel dazu ein internationales Turnier ausgetragen. 1964 etwa nehmen neben dem Tschechoslowakischen Nationalteam, das sowjetische Klubteam von Chimik Wosskresensk, die Kanadier der Winnipeg Maroons und eine kanadische Auswahl von in Europa tätigen Kanadiern teil.

Inhaber der Trikots in der Dukla-Vitrine: «Christophovi Habegger»

Wenn alles anders ist

Die Ilfishalle erstrahlt in den französischen Nationalfarben. (Krein)

Im Vorfeld des Spieles vom 17. November 2017 ist alles ein bisschen anders. Langnau Trainer Benoît Laporte fragt den Bund-Journalist schon zwei Stunden vor dem Spiel ob ich schon da sei. Um sechs Uhr treffe ich beim Ilfisstadion ein und werde sogleich in die Trainerkabine zitiert. Im Vorfeld hatte ich bereits Kontakt mit dem Frankokanadier, Grund dafür war Laportes Trikot (mehr dazu ganz unten) aus der Saison 1991-92.

Nun war es soweit, der angenehme und umgängliche Headcoach der Tigers überreicht mir sein Rouen-Trikot. Ein Trikot welches ich seit Kindertagen immer wieder gezeichnet und illustriert habe, ein Jersey meines absoluten Lieblingsturniers und das „Maillot“, es ist ja aus Frankreich, in dem Laporte am 28. Dezember 1991 zwei Tore erzielt hat und als bester Spieler ausgezeichnet wurde. Für mich ein unbezahlbarer Moment, den Konditionstrainer Nik Hess fotografisch festhält.

Benoît Laporte überreicht mir vor dem 7:0-Sieg gegen Biel sein Rouen-Juwel. (Nik Hess)

Und das alles kurz vor dem wichtigen Derby gegen den EHC Biel. Anders präsentiert sich auch das Kleid der Ilfishalle, ganz im Zeichen Frankreichs erstrahlt die Halle, man könnte meinen wegen Laportes Trikot-Übergabe? Nein, natürlich als solidarisches Zeichen und dem Mitgefühl an die Opfer der Terroranschläge in Paris vom 13. November. Neben Langnau-Coach Laporte steht bei Biel mit Eliot Berthon ein weiterer Franzose auf dem Eis.

Höchster Sieg egalisiert

Doch anders ist es auch für Berthon und die Bieler, denn die stehen eher neben dem Eis und gehen in der frankophonen Halle regelrecht unter. Das 7:0 der Langnauer egalisiert sogar den bisher höchsten Sieg, das 12:5 vom 13. Oktober 1981, gegen die Seeländer. Ob das Rouen-Juwel in meiner Tasche einen Einfluss hatte? Ob die in französisch strahlende Ilfishalle einen Einfluss hatte? Oder war es wieder der Wetteinsatz, er wettet immer gegen seine eigene Mannschaft, von SI-Journalist Stefan Sommer?

Für Sommer eine „Win-Win-Situation“, verliert Langnau bezahle ich, gewinnt Langnau bezahlt Sommer. (Krein)

SCL Tigers – EHC Biel 7:0 (1:0, 5:0, 1:0)
Ilfishalle. – 5’945 Zuschauer. – SR Eichmann/Koch, Dumoulin/Tscherrig. –Tore: 7. Nüssli (DiDomenico) 1:0. 25. Kim Lindemann (Clark, Gustafsson) 2:0. 27. Tom Gerber (Albrecht, Koistinen) 3:0. 32. (31:24) Gustafsson (Clark) 4:0. 32. (31:41) Gustafsson (Bucher, Clark) 5:0. 36. Gustafsson (Nüssli/Ausschluss Joggi) 6:0. 46. Koistinen (DiDomenico/Ausschluss Wetzel) 7:0. – Strafen: SCL Tigers 3-mal 2 Minuten, Biel 4-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: SCL Tigers ohne Müller, Gossweiler, Lukas Haas, Murray, Bärtschi, Hecquefeuille, Schirjajew, Berger und Wyss (alle verletzt). Biel ohne Nicholas Steiner, Olausson, Gaëtan Haas (alle verletzt) und Ehrensperger (überzählig). Pfostenschuss Nüssli (19.). Time-out Biel (31:24).
SCL Tigers: Ciaccio; Stettler, Koistinen; Weisskopf, Kim Lindemann; Zryd, Adrian Gerber; Ronchetti, Currit; Clark, Gustafsson, Bucher; Nüssli, DiDomenico, Olesz; Sandro Moggi, Claudio Moggi, Haberstich; Tom Gerber, Albrecht, Sven Lindemann.
EHC Biel: Rytz (32. Meili); Huguenin, Maurer; Dave Sutter, Fey; Jecker, Wellinger; Joggi, Dufner; Stapleton, Macenauer, Rossi; Spylo, Tschantré, Arlbrandt; Daniel Steiner, Fabian Sutter, Herburger; Wetzel, Lüthi, Berthon.

Jari Kurri als Scout in Biel

Mitte November 2015 ist Jokerit Helsinkis General-Manager (GM) Jari Kurri in der Schweizer National-League-A (NLA) unterwegs, begleitet wird der fünffache Stanley-Cup-Sieger von Thomas Roost (Central Scouting Europe) und Janne Vuorinen (Direktor of Player Development, Jokerit Helsinki). Seit 2013 ist Kurri bei Jokerit in der KHL als GM tätig und seine Arbeit scheint Früchte zu tragen, denn der finnische Topclub liegt in seiner zweiten KHL-Saison hinter ZSKA Moskau an zweiter Stelle der «Western Conference.»

Salminen im Fokus

Zurzeit spielen mit Niklas Hagman Jesse Joensuu, Niko Kapanen und Peter Regin vier ehemalige Schweizer-Söldner bei Jokerit. Beim Spiel zwischen dem EHC Biel und dem HC Fribourg-Gottéron wird Gottérons Finne Sakari Salminen als Kandidat für die Kontinental-Hockey-League (KHL) ins Visier genommen. Der 42-fache finnische Internationale hat bereits zwei Jahre in Russland bei Torpedo Nischni Nowgorod (ehemals Gorki) gespielt. Die beiden Vertreter aus Helsinki sehen bei Freiburgs 3:1-Sieg in der Tissot-Arena drei Skorerpunkte (1 Tor und 2 Assists) ihres finnischen Kandidaten.

Die lebende Legende Kurri, seine Rückennummer 17 wird in Edmonton, bei Jokerit und im finnischen Nationalteam nie mehr vergeben, ist der prominenteste Gast seit der Eröffnung der Tissot-Arena. Aber zum Erstaunen vieler, ist dies nicht Kurris erste Begegnung mit Biel. Im September 1990 spielte das Hall-of-Fame-Mitglied im 20 Kilometer entfernten Tramelan ein Vorbereitungsspiel gegen den EHC Biel. «Oh yes, i remember, did you play?», antwortet Kurri mit der gewohnten Höflichkeit einer NHL-Legende. Damals war ich erst 13 Jahre alt, dass Kurri mich als ehemaligen möglichen Gegenspieler bezeichnet, könnte nur noch Kurri’s langjähriger Sturmpartner Wayne Gretzky toppen.

Kurri einst gegen Biel

Ein Bieler kann sich an seinen Einsatz gegen den Ausnahmekönner erinnern. «Ich habe damals gespielt», sagt Biel-Sportchef Martin Steinegger (er verteidigte in diesem Spiel zusammen mit Beat Cattaruzza), der Kurri auf der Medientribüne die Hand schüttelt. Ein Dritter sagt, «ich erinnere mich, die Partie ging mit zu eins, gegen uns aus». Die besagte Partie in der Patinoire-des-Lovières endete mit 5:5 und Kurri hatte nur bei zwei Mailänder-Treffern den Stock im Spiel.

Kurri wechselte im Sommer 1990 als frischgebackener Stanley-Cup-Sieger nach Mailand, dieser Transfer scheint heute selbst in einem Lockout-Jahr undenkbar für ein italienisches Serie-A-Team. Durch die finanziellen Mittel von Klub-Besitzer Silvio Berlusconi kam der Transfer, auch der HC Lugano soll ein Angebot vorgelegt haben, zu den Devils Mailand, dem eishockeyspielenden pendant der Fussballer des AC Mailand zustande. Kurri soll für die Saison bei den roten Teufel rund 350‘000 US-Dollar, ein halbes Schloss als Wohnsitz plus einen Mercedes erhalten haben. Einziges Manko, Kurri musste sich das Schloss mit AC-Milan-Star Ruud Gullit teilen.

Hans Kossmann auf Albert Müllers Spuren

Am Sonntag, 25. Oktober 2015, wird Hans Kossmann beim HC Ambrì-Piotta als neuer Trainer präsentiert. Der Kanada-Schweizer unterzeichnet beim Tabellenschlusslicht einen Vertrag bis Ende der Saison 2016-17. Dass Kossmann mal in Ambrì anheuern würde, wusste der frühere Eishockey-Ausrüster «Albert Müller» schon vor 26 Jahren.

Amateur in Dübendorf

Seit 30 Jahren lebt und arbeitet Kossmann in der Schweiz. Durch seine Schweizer Wurzeln (sein Vater ist im zweiten Weltkrieg nach Kanada ausgewandert), lancierte Kossmann seine Schweizer Karriere 1985 beim HC Genf-Servette in der NLB. 1989 wechselte der Stürmer zum Erstligisten EHC Dübendorf, wo der Eishockey-Händler Albert Müller im Schlossacher 21 seinen Hauptsitz hatte.

Fotomodell bei Albert Müller

Die Dübendorfer 1. Liga-Cracks standen in dieser Zeit regelmässig als Teilzeit-Models für den Hockey-Katalog ihres Ausrüsters vor der Kamera, so auch der unbekannte Kossmann. Der 27-Jährige stand für einen CCM-Schulterschutz und diverse Trikots Modell. So ist der neue Ambrì-Trainer von 2015 bereits 1989/90 auf der Seite 92 im Ambrì Fan-Jersey abgebildet. Des weiteren präsentierte er sich im Dress des Kantonsrivalen HC Lugano, der Sowjetunion, den Toronto Maple Leafs, New York Rangers, Boston Bruins und Dynamo Riga. Was nicht ist, kann ja noch werden, zumindest bei Hans Kossmann.

Beim Blick jedenfalls wurde man derart auf diese Blog-Zeilen aufmerksam, dass man sie praktisch 1:1 abgedruckt hat, denn, wer ausser Albert Müller und mir hätte dies wissen können? Auf meine Intervention, wurde mir als Entschädigung ein dreistelliger Betrag überwiesen.

Gerbers Zeitreise

Martin Gerber steht zum zweiten Mal als Gegner vor der Langnauer Stehrampe. (Krein)

Am 23. Oktober 2015 gastiert Martin Gerber mit den Kloten Flyers im Alter von 41 Jahren erstmals als Gegner in Langnau. Sämtliche Medien vermelden den ersten Auftritt Gerbers als Langnau-Gegner. Wer aber tief in den Eishockey-Geschichtsbücher stöbert muss sich eines besseren belehren lassen, denn es ist Gerbers zweiter Auftritt als Ilfis-Gegner. Auch der damalige Keeper Werner Eberle, der vor dem Spiel als Feuerwehrmann im Einsatz vor der Halle steht, bestätigt dies.

Vor 22 Jahren in der 1. Liga

In der Saison 1993 steigt der SC Langnau zum zweiten Mal in die 1. Liga ab, gleichzeitig sucht der damals frisch fusionierte SC Thun (Zusammenschluss des SC Thunerstern und der Nachwuchsabteilung des EHC Thun-Steffisburg) einen Ersatztorhüter für das neu formierte 1. Liga-Team. Im Vorjahr spielt der SC Thunerstern ein Kantonalcup-Spiel gegen den Zweitligisten SC Signau, «der Torhüter der Emmentaler zeigte eine sackstarke Partie», sagt der ehemalige Thun-Spieler und aktuelle Thun-Vizepräsident Alex Reymondin über Martin Gerbers Auftritt mit den Signauern.

In Langnau habe ich gespielt, beim Rückspiel stand Schwendimann im Tor.“

— Martin Gerber

So bietet man dem 18-jährigen Signauer in Thun eine KV-Praktikumsstelle und einen Backup-Goalie-Posten hinter Stammtorhüter Markus Schwendimann und lotzt den in Langnau als ungenügend empfundene Gerber ins Berner Oberland. Bereits in der vierten Runde der Saison 1993/94 gastieren die Thuner beim haushohen Favoriten und NLB-Absteiger Langnau in der Ilfishalle. Thun Coach Christoph Schenk setzt auf den jungen Martin Gerber (19) im Familienduell gegen Vater Simon Schenk und die Langnauer.

Das NHL-Duell von Morgen in der 1. Liga

Vor 3’394 Zuschauer (1. Liga!) können die Aussenseiter mit Gerber zwei Drittel lang mithalten, erst drei Tore im Schlussdrittel besiegeln die Niederlage der Berner Oberländer. Beim fünften Gegentreffer in der 51. Minute muss sich Gerber sogar von einem 17-jährigen Nachwuchstalent geschlagen geben. Der 17-jährige Reto von Arx und Thun-Keeper Gerber schreiben rund ein Jahrzehnt später Schweizer Eishockey-Geschichte in der National-Hockey-League (NHL).

Bei seinem ersten Besuch als Langnau-Gegner muss sich Gerber gegen die übermächtigen Emmentaler noch geschlagen geben. 22 Jahre und über 900 Spiele später gastiert Gerber wieder in der Ilfishalle und holt als 41-Jähriger doch noch seinen ersten Auswärts-Sieg (5:4) gegen seinen Stammclub. Auf Gerbers Seite steht mit Michael Liniger ein weiterer Langnauer, dessen Stiefbruder Res Liniger die Partie 1993 knapp verpasst hat (siehe Telegramm).

Als ob es gestern gewesen wäre

Besonders Beeindruckend ist die Begegnung nach dem Spiel, vor dem Interview frage ich den 241-fachen NHL-Spieler ob er sich noch an seinen Gastauftritt mit dem EHC Thun-Steffisburg in Langnau erinnern könne? «Ja klar aber es war mit dem SC Thun, der Club hat damals fusioniert» antwortet Gerber. «In Langnau habe ich gespielt, beim Rückspiel stand Schwendimann im Tor», so Gerber weiter. Der Schwedische Meister von 2002, Stanley-Cup-Sieger von 2006 und WM-Silber-Held von 2013, erinnert sich auf eindrückliche Art und Weise an sein 1. Liga-Debüt als ob es gestern gewesen wäre. Langnau-Torschütze Yannick Lennart-Albrecht (21) war zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht auf der Welt.

Hier gehts zum SRF-Bericht

Gerbers Gastspiele in Langnau

19. Oktober 1993 (1. Liga)

Langnau – SC Thun 6:1 (1:1, 2:0, 3:0)
Ilfishalle. – 3’394 Zuschauer. – SR Stettler, Salvisberg/Ryffel. – Tore: 3. Moser (Ausschluss Mani) 1:0. 3. Brügger 1:1. 25. Markus Hirschi (Lüthi) 2:1. 35 Michael Rentsch (Lüthi) 3:1. 45. Lüthi (Michael Rentsch) 4:1. 52. Reto von Arx (Wüthrich) 5:1. 52. Walter Gerber (Moser) 6:1. – Strafen: Langnau 3-mal 2 Minuten, SC Thun 5-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: Langnau ohne Brechbühl, Friedrich (beide verletzt) und Liniger (Vertrag aufgelöst). SC Thun ohne Zürcher (RS), Blaser und Bruhin (beide verletzt).
Langnau: Eberle; Probst, Nyffenegger; Leuthold, Stoller; Schneider, Wüthrich; Leuenberger, Moser, Walter Gerber; Markus Hirschi, Stäger, Walker; Alan Hirschi, Reto von Arx, Lüthi; Michael Rentsch.
SC Thun: Martin Gerber; Reymondin, Dällenbach: Burri, Bosshardt; Weber, Wüthrich; Minder, Mani, Marti; Andreas Kormann, Frutiger, Bruno Kormann; Siegfried, Grubenmann, Brügger.

23. Oktober 2015 (NLA)

SCL Tigers – Kloten 4:5 (0:3, 2:1, 2:1)
Ilfishalle. – 5’842 Zuschauer. – SR Clément/Vinnerborg, Abegglen/Kovacs. – Tore: 1. (0:43) Kolarik 0:1. 15. Sheppard (Kellenberger, Kolarik/Ausschluss Schirjajew) 0:2. 20. (19:37) Praplan (Von Gunten/Ausschluss Clark) 0:3. 21. (20:37) Nüssli (DiDomenico) 1:3. 30. DiDomenico (Ausschluss Schelling) 2:3. 37. Liniger (Erik Gustafsson) 2:4. 49. Albrecht (Nüssli, Hecquefeuille /Ausschluss Von Gunten) 3:4. 55. DiDomenico (Clark) 4:4. 60. (59:37) Sheppard (Bieber) 4:5. – Strafen: Je 4-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: PostFinance-Topskorer: Di Domenico; Kolarik. SCL Tigers ohne Murray, Claudio Moggi, Nils Berger (alle verletzt), Gossweiler und Weisskopf (beide überzählig), Kloten ohne Collenberg (gesperrt), Guggisberg, Leone, Hasani, Obrist, Boltshauser, Back und Olver (alle verletzt). – 4. Pfostenschuss Kolarik. – 59:37 Timeout SCL Tigers, ab 59:43 ohne Torhüter.
SCL Tigers: Ciaccio; Stettler, Koistinen; Hecquefeuille, Kim Lindemann; Müller, Ronchetti; Zryd, Adrian Gerber; Lukas Haas, Albrechts, Sven Lindemann; Sandro Moggi, Anton Gustafsson, Nüssli; Clark, DiDomenico, Bucher; Wyss, Schirjajew, Haberstich.
Kloten: Martin Gerber; Von Gunten, Stoop; Erik Gustafsson, Harlacher; Schelling, Frick; Büsser; Praplan, Santala, Hollenstein; Kolarik, Sheppard, Bieber; Hartmann, Kellenberger, Casutt; Romano Lemm, Liniger, Studer.

Quellen: Rolf Schlapbach (SCL Tigers), Alex Reymondin (EHC Thun)