Zum Teufel mit dem Würfel

Gleich zweimal treten die Berner innert Kürze gegen die «Teufel» an. Nach dem britischen Meister Cardiff Devils als Sparringspartner in der Champions-Hockey-League, gastieren drei Wochen später die grossen New Jersey Devils im Rahmen der Global-Series in der Hauptstadt. Doch auch die Waliser entpuppen sich als ernste Gegner. Die Berner sind gewarnt, denn vor einer Woche setzten sich die Mutzen in Wales erst in der Overtime knapp mit 3:2 durch.

Cardiff schreibt in den 90er Jahren erstmals britische und internationale Geschichte, die Devils holen zwischen 1990 und 1994 drei Meistertitel und spielen im Europa-Cup und verpassen dort knapp den EHC Kloten. Dies veranlasst mich schon damals im Schulalter einen Brief nach Cardiff zu entsenden, welcher durch die Waliser mit grosser Verwunderung, über ihren Bekanntheitsgrad bis in die Schweiz, beantwortet wird und sogar in einem Matchprogramm abgedruckt wird.

Um diesen Bekanntheitsgrad müssen die Briten heute nicht mehr kämpfen, denn Ben Blood (Blut) und Co. verlieren auch ihre zweite Partie gegen die Berner erst in den Schlussminuten. Etwas früher verliert dafür Berns Videowürfel den Kontakt zur Aussenwelt. Ob da der «Teufel» seine Finger im Spiel gehabt hat? Der kurze elektronische Aussetzer bleibt praktisch unbemerkt und der Teufel wird gleich doppelt besiegt.

8. September 2018 – Gruppe E

SC Bern – Cardiff Devils 3:2 (0:1, 1:1, 2:0)
PostFinance-Arena. – 5761 Zuschauer. – SR Prazak (Tsch) /Lemelin, Fuchs /Wüst. – Tore: 13. Myers (Hedden) 0:1. 25. Moser (Mursak, Arcobello) 1:1. 31. Martin (Fournier /Ausschlüsse Mursak; Blood) 1:2. 45. Sciaroni (Blum) 2:2. 56. Untersander (Moser) 3:2. – Strafen: Bern 5-mal 2 Minuten, Cardiff 3-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: Bern ohne Rüfenacht (privat), Colin Gerber, Fogstad Vold (überzählig) und Marti (Langenthal). 4. Pfostenschuss Blood. 20. Lattenschuss Arcobello. 55. Pfostenschuss Scherwey. 55. Time-out Cardiff. Cardiff ab 58:57 ohne Torhüter. Torschüsse 38:26 (10:8, 13:10, 15:8).
Bern: Genoni; Untersander (2), Almquist; Andersson, Beat Gerber; Krueger (4), Blum; Kamerzin, Burren; Mursak (2), Arcobello, Moser; Sciaroni (2), Haas, Scherwey; Bieber, Ebbett, Kämpf; Berger, Heim, Grassi.
Cardiff Devils: Bowns; Reddick, Blood (2); Richardson, Batch; Louis (2), Fournier; Pope, Martin, Bentivoglio (2); Haddad, Dixon, Linglet; Morisette, Myers, Moore; Faryna, Ulmer, Hedden; Rutkis.

Wenn sich IFK und Jokerit in Küssnacht heimlich duellieren

Antti Törmänen und Waltteri Immonen haben zwischen 1990 und 1998 sieben Jahre zusammen beim finnischen Topklub Jokerit Helsinki verbracht. Seit 2008 ist Immonen als Assistenztrainer in der Schweiz tätig, Törmänen kam drei Jahre später zum SC Bern. Heute stehen die zwei Finnen bei Kloten und Biel an der Bande.

Szenenwechsel: Es ist Samstag, sieben Uhr in der Früh, die ersten Eltern treffen mit ihren Kindern in der Rigihalle in Küssnacht ein. Eines von zahlreichen Piccolo-Turnieren, welches Wochenende für Wochenende auf allen Eisbahnen in der Schweiz über die Bühne geht. Erstmals dabei beim Küssnachter SC ist ein Jungtrainer, gleichzeitig spielt der Mann mit «Jokerit Helsinki» Baseballcap im Fanionteam in der 2. Liga.

Riki Immonen (links im Jokerit-Cap), vermutet keinen Törmänen. (Küssnachter SC)

Der Jungtrainer mit der Jokerit-Mütze ist der Sprössling von Waltteri Immonen. Doch er ist nicht der einzige Finne, welcher an diesen Samstag Vormittag in der Rigihalle im Einsatz steht. Bei den Piccolos des SC Lyss steht ebenfalls ein Finne auf dem Matchblatt, dabei handelt es sich um den jüngeren Sohn des Trainers der 1. Mannschaft des EHC Biel. Biel und Lyss arbeiten bei den jüngsten zusammen, so gehören solche Aufgebote zur Tagesordnung. Törmänen Junior trägt sogar noch die Stulpen von IFK Helsinki, dem letzten Klub, vor Papas Wechsel ins Berner Seeland.

Ein aufmerksamer Gegenspieler Küssnachts, neben Törmänen stehend, will mehr wissen und fragt erstaunt: «Tragen die Spieler ihre echten Namen auf ihren Trikots?» Ob dies dem Küssnachter Assistenten finnischer Herkunft ebenfalls aufgefallen ist? Vermutlich nicht, warum auch, denn Riki Immonen hat immer in der Schweiz gespielt. So duellieren sich «heimlich» die Söhne aus der finnischen Hauptstadt im schweizerischen Küssnacht, in der Schweizer-Nachwuchsausgabe mit dem besseren Ende für «Jokerit».

Geschichten von Hans Christian Andersen

Die Schweizer Reise geht nicht in die Hockeystadt Herning, sondern ins eher «unhockeyhafte» Kopenhagen. Der 16-fache dänische Meister Herning Blue Fox hat schon fünf Dänen in die NHL gebracht. Die dänische Hauptstadt kann da nur mit ihren Vororten mithalten, Rodovre, Rungsted, Herlev, Hvidovre und Gentofte heissen die Erstligisten rund um Kopenhagen. Das WM-Stadion Royal Arena ist aber eine Mehrzweckhalle und dient nicht dem Eishockey.

In Herning da soll die WM-Party abgehen, anders als im beschaulichen Kopenhagen. So bleibt uns nichts anderes (oder Anders?) übrig als am weltberühmten Nyhavn zu Speis und Trank einzukehren. Dies tun wir nicht zufällig, im Restaurant Heering. Um einen Hauch Herning zu haben, essen wir also im Heering, bedient durch Henning, einen Hering, dazu gibts, passend zum WM-Stadion, das Royal-Bier.

Und Eishockey?

In Extremis steigen wir quasi vom Taxi, das Gepäck noch im Flughafen, direkt ins erste WM-Spiel zwischen Russland und Tschechien. Trotz saftigen Preisen steigert sich der Bierkonsum von Stunde zu Stunde, sodass zumindest ein Jogging durch die Freistadt Christiania fällig wird. Eine eindrückliche Gegend, welche einst durch König Christian den vierten 1617 gegründet- und 1971 zur alternativen Wohnsiedlung umfunktioniert wird.

Zurück zum Eishockey, beeindruckt mit seiner imposanten Erscheinung hat der Russe Nikita Trjamkin (in deutscher Version) oder Tryamkin (in der englischen Trikotversion). Der Hüne aus Jekaterinenburg oder dem ehemaligen Swerdlowsk kann mit seinen 2 Meter 02 und 115 Kilos einfach einen Schritt über die Bande nehmen. Bei Frankreich gibt Sebastian Ylönen, Sohn von Goalie-Legende Petri Ylönen, gegen Tschechien seinen Einstand im Nationalteam und die Österreicher mit Stefan Ulmer und Co. sitzen nach ihrem Ligaerhalt in unseren Lieblingslokal «Cafe Europa 1989.»

Mehr als nur Ligaerhalt gilt für das Heimteam um Assistenzcoach Heinz Ehlers. Das dänische Märchen schreiben aber nicht die Dänen, sondern die Schweizer. Während die «dänen» Dänen in Herning den Viertelfinal-Einzug verpassen, zieht die Schweiz zum zweiten mal innert fünf Jahren ins Endspiel ein. «Unser» Märchen schreibt Hans Christian Andersen in Form eines Kurzfilms, die «1:05» widerspiegeln sämtliche Facetten der wunderbaren Frühlingstage von Kopenhagen.

https://twitter.com/kr1blog/status/998253034470871040?s=20

10. Mai 2018

Tschechien – Russland 4:3nV (2:1, 1:2, 0:0, 1:0)
Royal Arena. – 12’490 Zuschauer. – SR Iverson/Öhlund (Ka/Sd), Davis/Vanoosten (USA/Ka). – Tore: 2. Nesterov (Barabanov, Kablukov) 0:1. 15. Krejčí (Jaškin, Gudas) 1:1. 19. Jaškin (Pastrňák, Krejčí) 2:1. 22. Grigorenko (Buchnevich, Anisimov) 2:2. 25. Pastrňák (Krejčí) 3:2. 26. Barabanov (Zaitsev, Shalunov) 3:3. 64. (63:23) Pastrňák (Krejčí, Hronek) 4:3. – Strafen: Tschechien 3-mal 2 Minuten, Russland 2-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: Tschechien ohne Hrachovina, Krejčík und Kousal (alle überzählig). Schüsse Tschechien 25 (12, 5, 4, 4), Russland 23 (4, 8, 11, 0).
Tschechien: Rittich; Šulák (2), Gudas; Hronek, Moravčík; Jordán, Sklenička; Polášek (2); Jaškin, Krejčí, Pastrňák; Červenka, Faksa, Hyka; Kubalík, Nečas, Řepík; Chytil, Plekanec (2), Nestrašil; Horák.
Russland: Koshechkin; Gavrikov, Kiselevich; Zaitsev, Nesterov; Yakovlev, Khafizullin (2); Tryamkin; Kaprizov, Datsyuk, Dadonov; Anisimov, Buchnevich (2), Grigorenko; Andronov, Soshnikov, Mikheyev; Mamin, Kablukov, Shalunov; Barabanov.

12. Mai 2018

Slowakei – Schweden 3:4nV (1:2, 1:1, 1:0, 0:1)
Royal Arena. 12’490 Zuschauer. – SR Iverson/Reneau (Ka/USA), Jensen/Kohlmüller (Dä/De). – Tore: 11. Jurčo (Grman, Krištof) 1:0. 16. Everberg (Klingberg, Lindholm) 1:1. 19. Nyquist (Backlund, Gustafsson) 1:2. 25. De la Rose (Kempe, Wikstrand) 1:3. 37. Ďaloga (Nagy /Ausschluss Sekera!) 2:3. 47. Nagy (Krištof, Čajkovský) 3:3. 65. (64:18) Zibanejad (Rakell, Klingberg /Ausschluss Ďaloga) 3:4. – Strafen: Slowakei 4-mal 2 Minuten, Schweden 1-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: Slowakei ohne Godla, Mikúš und Pavol Skalický (alle überzählig. Schüsse Slowakei 28 (8, 6, 11, 3), Schweden 33 (21, 5, 4, 3).
Slowakei: Rybár; Čajkovský, Sekera (2); Graňák, Ďaloga (2); Jaroš, Fehérváry; Jánošík, Grman; Nagy, Krištof, Jurčo; Haščák (2), Hovorka, Bakoš; Bondra, Buc, Svitana; Cingel, Marcinko (2), Kudrna.
Schweden: Hellberg; Ekman-Larsson, Adam Larsson; Lindholm (2), Klingberg; Gustafsson, Wikstrand; Rakell, Zibanejad, Janmark; Nyquist, Backlund, Pettersson; Pääjärvi, Johan Larsson, Everberg; Andersson, Kempe, De la Rose.

Russland – Schweiz 4:3 (0:0, 3:1, 1:2)
Royal Arena. – 12’366 (ausverkauft). – SR Kubus/Schukies (Slk/De), Davis/Kilian (USA/No). – Tore: 23. Kaprizov (Datsyuk, Gusev) 1:0. 27. Untersander (Kukan, Corvi/Ausschluss Bereglazov) 1:1. 28. Dadonov (Anisimov) 2:1. 40. Nesterov (Gusev, Datsyuk /Ausschlüsse Scherwey, Niederreiter) 3:1. 52. Andrighetto (Meier, Vermin) 3:2. 57. Grigorenko (Anisimov, Gavrikov) 4:2. 59. Haas (Andrighetto, Niederreiter /Ausschluss Kaprizov, Schweiz ohne Torhüter) 4:3. – Strafen: Je 4-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: Schweiz ohne Senn (überzählig), Josi, Fiala (beide noch nicht angekommen), Walser (nicht angemeldet) und Siegenthaler (abgereist). – Pfostenschüsse: Gusev (3.), Dadonov (4.), Saizev (11.), Corvi (60.). Timeouts: Schweiz (58:12); Russland (59:01). Schweiz von 56:48 bis 58:12 und ab 58:28 ohne Goalie. Schüsse: Russland 23 (8-7-8); Schweiz 27 (5-9-13)
Russland: Koshechkin; Gavrikov, Kiselevich; Saizev, Nesterov; Bereglazov (2), Yakovlev; Tryamkin; Dadonov 2), Andronov, Mamin; Buchnevich, Anisimov, Grigorenko; Kaprizov, Datsyuk, Gusev; Shalunov, Kablukov, Barabanov (2); Mikheyev.
Schweiz: Berra; Diaz, Müller; Untersander, Kukan; Fora, Frick; Genazzi; Rod, Haas, Scherwey (2); Niederreiter, Corvi (2), Moser; Meier, Vermin, Andrighetto (2); Baltisberger, Schäppi, Hofmann; Riat.

13. Mai 2018

Ylönens Debüt

In der 28. Minute, beim Stand von 5:0 für Tschechien, wird Sebastian Ylönen eingewechselt, es ist die WM-Feuertaufe für den 26-jährigen Torhüter. Damit debütiert der Sohn von Frankreichs Goalie-Legende Petri Ylönen noch zwei Jahre vor seinem berühmten Vater für Frankreich. Petri, damals aus Finnland eingebürgert, hat sechs Weltmeisterschaften und zweimal die Olympischen Spiele für «Les Bleus» absolviert. Ylönen Junior musste, im Blickfeld seiner Freundin, nur noch einen Gegentreffer durch Necas hinnehmen.

Frankreich – Tschechien 0:6 (0:3, 0:2, 0:1)
Royal Arena. – 6’252 Zuschauer. – SR Kubus/Öhlund (Slk/Sd), Kilian/Vanoosten (No/Ka). – Tore: 4. Pastrňák (Krejčí) 0:1. 8. Pastrňák (Jaškin) 0:2. 15. Jaškin (Krejčík) 0:3. 22. Horák (Kubalik, Sulak/Ausschluss Claireaux) 0:4. 28. Horák (Chytil, Sklenicka) 0:5. 51. Nečas (Krejčík, Polášek) 0:6. – Strafen: Frankreich 6-mal 2 plus 10 Minuten (Janil), Tschechien 2-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: Frankreich ohne Hardy, Chakiachvili (beide überzählig) und Stéphane Da Costa (verletzt), Tschechien ohne Hrachovina, Jordán und Nestrašil (alle überzählig). Schüsse: Frankreich 10 (6, 3, 1), Tschechien 55 (17, 24, 14)
Frankreich: Quemener (28. Ylönen); Auvitu, Manavian (2); Gallet, Hecquefeuille; Raux, Janil (14); Thiry; Rech, Guttig, Fleury; Sacha Treille (2), Texier, Teddy Da Costa; Douay, Bouvet, Claireaux (4); Leclerc, Ritz, Perret; Lampérier.
Tschechien: Rittich; Šulák, Gudas; Hronek, Moravčík; Polášek, Sklenička; Krejčík; Jaškin, Krejčí, Pastrňák; Červenka, Faksa, Řepík (2); Kubalík, Nečas, Hyka; Horák, Plekanec, Chytil; Kousal (2).

Schweiz – Schweden 3:5 (0:2, 1:1, 2:2)
Royal Arena. – 12’255 Zuschauer (ausverkauft). – SR Jerabek /Rantala (Tsch/Fi), Otmakhov/Sormunen (Russ/Fi). – Tore: 6. Klingberg (Zibanejad, Ekman-Larsson /Ausschluss Schäppi) 0:1. 10. Hörnqvist (Pettersson, Backlund /Ausschluss Diaz) 0:2. 22. Backlund (Lindholm) 0:3. 39. Untersander (Corvi) 1:3. 45. Diaz (Fiala, Andrighetto) 2:3. 53. Adam Larsson (Backlund) 2:4. 57. Pääjärvi (Backlund, (ins leere Tor) 2:5. 60. Kukan (Untersander /Ausschluss Johan Larsson) 3:5. – Strafen: Schweiz 3-mal 2 Minuten, Schweden 4-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: Schweiz ohne Genazzi, Riat und Senn (alle überzählig); Schweden ohne Gustavsson (überzählig), Nyquist (krank), Forsberg und Ekholm (noch nicht angereist). – Schweiz von 54:25 bis 56:42 und ab 59:32 ohne Torhüter. Schüsse: Schweiz 23 (4-5-14); Schweden 41 (15-14-12).
Schweiz: Genoni; Diaz (2), Müller; Fora, Josi; Untersander, Kukan; Frick; Niederreiter, Corvi, Meier; Andrighetto, Vermin, Fiala (2); Moser, Haas, Hofmann; Rod, Schäppi (2), Scherwey; Baltisberger.
Schweden: Nilsson; Adam Larsson, Ekman-Larsson; Klingberg (2), Lindholm; Wikstrand, Gustafsson; Rakell, Zibanejad, Janmark; Hörnqvist, Backlund (2), Pettersson; Arvidsson, De la Rose, Kempe; Everberg (2), Johan Larsson (2), Pääjärvi; Andersson.

Der Juri Gagarin von Rossens

Als Kommentator von MySports kommst du auch in den Genuss der Kontinental-Hockey-League (KHL), eine Herausforderung welche mich anspornt. Die Motivation steigert sich zusätzlich wenn es im KHL-Final um den Gagarin-Cup geht. Ak Bars Kasan führt in der «Best-of-Seven-Serie» mit 3:1-Siegen und kann heute Zuhause alles klar machen. Bereits bei Spiel drei in Moskau darf ich ran.

Leider berichte ich nicht in Kasan Vorort von der Tribüne, sondern aus der Kombüse im freiburgischen Rossens, unserem MySports-Studio der Romandie. Dennoch ist die Vorfreude über den möglichen Titelgewinn Kasans bereits in der Vorbereitung ein Genuss. Es ist die zehnte Austragung des Gagarin-Cups und Kasan siegte bereits bei der ersten Titelvergabe 2009.

Pünktlich um 15 Uhr 55 gehts los mit den Worten: «Ich begrüsse Sie zum Final um den Gagarin-Cup 2018 – an diesen schönen Sonntag Nachmittag zur fünften Partie in der Final-Serie zwischen AK Bars Kasan und ZSKA Moskau – zum dritten Mal aus der Tatneft-Arena in Kasan.» Schön wärs, jetzt auf dem Kommentatoren-Platz in der Arena in Tatarstan sitzen zu können, stattdessen sitze ich mutterseelenallein in einer Kombüse zwischen Kuhweide und Autobahnanschluss der A12.

Wie Gagarin?

Juri Gagarin sass am 12. April 1961 alleine in der Raumkapsel «Wostok Eins» und umrundete in 108 Minuten einmal die Erde, fernab vom sowjetischen Festland. So auch ich, ich sitze alleine in der Kommentatoren-Kapsel «MySports Eins» und kommentiere in rund 128 Minuten den Final um den Gagarin-Cup, fernab vom russischen Festland. Der Gedanke ist selbstverständlich (K)reine Selbstironie.

Keine Ironie ist der torarme Final, über die gesamte Finalserie fallen in fünf Spielen gerade mal 16 Tore, so wenig wie noch nie. Kasan gewinnt durch den einzigen Treffer, ausgerechnet durch den Kanadier Rob Klinkhammer, in Spiel fünf den dritten Meistertitel der Clubgeschichte. Das Spektakel ist riesig und wir senden die ganze Zeremonie samt Pokalübergabe, siehe unten auf YouTube, wohl als einziger Sender des deutschsprachigen Raumes. Es hat doch was spezielles, vermutlich war ich weltweit der einzige «deutschsprachige Gagarin», der diese Partie kommentiert hat?

Bars Kasan – ZSKA Moskau 1:0 (0:0, 0:0, 1:0)
42′ Klinkhammer (Tokranov, Lander) 1:0.

Tatneft Arena: 8890 Zuschauer
SR: Ravodin, Odins; Sadovnikov, Sivov
Str. (K): 3×2′
Str. (Z): 2×2′ plus Spieldauer (Grigorenko)

Bars Kasan: Garipov; Yarullin (6), Markov; Batyrshin, Lyamkin; Tokranov, Ohtamaa; Sidorov; Azevedo, Lander, Sekáč; Galiyev, Zaripov, Tkachyov; Burmistrov, Lukoyanov, Potapov; Glukhov, Svitov, Klinkhammer.
ZSKA: Johansson; Robinson, Kiselevich; Marchenko, Nesterov; Pashnin (2), Sergeyev; Blazhiyevsky; Telegin, Andronov, Petrov; Grigorenko (20), Popov, Kaprizov; Zharkov (2), Scott, Shalunov; Popugayev, Okulov, Svetlakov; Kuzmenko.

Von Fankulturen und NHL-Kandidaten

Aus der Organisation der ZSC Lions gibts immer wieder NHL-Kandidaten. (Hervé Chavaillaz)

Tissot-Arena in Biel, die Pressekonferenz wurde von den beiden Presse-Verantwortlichen Sandro Frei und Silvan Andrey abgehalten, da betritt ein gut gekleideter, älterer Herr den Presseraum. Höflich bittet er den Pressechef um eine Aufstellung. Wer noch spät im Presseraum herumlungert, bemerkt den nicht alltäglichen Gast und erkennt ihn durch seine englische Sprache. Sofort ist klar, die Scouts aus der National-Hockey-League bummeln wieder durch die europäischen Stadien, allerdings trägt er ein Logo von ZSKA Moskau auf seiner Jacke.

Eigentlich nichts spezielles und dennoch fragt man sich, wen beobachtet er? Was notiert er? Welcher Akteur imponiert ihm? Auf der Pressetribüne, wie könnte es auch anders sein, nimmt der freundliche, ältere Herr neben mir Platz und fragt vorher ob dieser Sitz noch frei sei. Im Smalltalk gibt Danny Brooks einiges Preis: Als Scout der Washington Capitals tourt er einige Wochen durch Europa, zum Playoff-Beginn weilt er noch in der Schweiz, dann geht er eine Woche nach Schweden.

Europäisches Nashville

Auf die Frage wen er den heute Abend beobachtet, zeigt sich der Scout, wie erwartet bedeckt, «i look for everyone», sagt er lachend. Er füt hinzu, dass ihm die europäische Stadion Atmosphäre imponiert, seine Tochter und seine Frau, wären sie hier, würden sie mitten in der Stehrampe stehen. Statt über mögliche Kandidaten für die Capitals, unterhalten wir uns über die unterschiedliche Fankultur zwischen Europa und Nordamerika. «Am ehesten kommt Nashville an die Stimmung der Europäer, in Nashville ist das Publikum frenetischer als in der NHL üblich», sagt Brooks weiter.

„I look for everyone.“

— Danny Brooks (Scout, Washington Capitals)

Und Brooks weiss wovon er spricht, als Spieler hat er in den neunziger Jahren in Grossbritannien gespielt und als Assistenztrainer war ein Jahr in der Kontinental-Hockey-League bei ZSKA Moskau tätig. Zurück zum Spiel: Die Intensität gefällt ihm, auf dem Eis gehts ziemlich zur Sache, die Bieler führen nach 40 Minuten mit 2:0 und ein erster Vorgeschmack auf die Playoffs ist zu spüren. Am Montag besucht er das «Rückspiel» in Zürich oder das 50. und letzte Qualifikationsspiel.

Erste Saison für Siegenthaler

Washington hat sich 2015 die Rechte von Zürichs Jonas Siegenthaler gesichert und ihn im Draft in der zweiten Runde als Nummer 57 gezogen. Man sei in sehr zufrieden mit Siegenthaler sagt Brooks weiter. Nach zwei Stippvisiten, bestreitet der 20-jährige Verteidiger seine erste «ganze» Saison in Nordamerika und ist im AHL-Team der Hershey Bears parkiert. In Hershey ist Siegenthaler, nach David Aebischer und Timo Helbling, erst der dritte Schweizer in der 80-jährigen Klubgeschichte.

In der Schweiz ist Brooks kein unbekannter, im Juli 2014 sorgte der irisch-amerikanische Doppelbürger beim SC Bern für kuriose Schlagzeilen. Nachdem Brooks als Assistent von Guy Boucher verpflichtet wurde, wurde das Engagement nach knapp einer Woche wieder aufgelöst. Brooks, der bereits zwei Jahre als Assistent von Boucher in Drummondville tätig war, soll gleichzeitig in Frankreich einen Vertrag unterschrieben haben.

Ob sich auch Julian Schmutz ins Notizbuch von Brooks gespielt hat? (Hervé Chavaillaz)

3. März 2018

Biel – ZSC Lions 4:1 (1:0, 1:0, 2:1)
Tissot-Arena. – 5’828 Zuschauer. – SR Mollard/Müller, Altmann/Kaderli. – Tore: 14. Schmutz (Diem) 1:0. 39. Rajala (Forster/Ausschlüsse Earl; Kenins, Suter) 2:0. 44. Rajala (Pedretti) 3:0. 57. Chris Baltisberger (Sutter/Ausschluss Wetzel, ZSC Lions ohne Torhüter) 3:1. 59. Schmutz (Neuenschwander, Kreis) 4:1 (ins leere Tor). – Strafen: Biel 10-mal 2 Minuten, ZSC Lions 8-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: PostFinance-Topskorer: Pouliot; Pettersson. Biel ohne Lofquist (überzähliger Ausländer) sowie Dufner, Tschantré und Valentin Lüthi, ZSC Lions ohne Blindenbacher, Nilsson, Sjögren, Marti (alle verletzt), Klein (krank), Pelletier (überzähliger Ausländer) sowie Künzle, Pestoni und Miranda (alle überzählig). 58. Tor von Chris Baltisberger annulliert (hoher Stock). (58:08) Timeout ZSC Lions und ab 56:06 bis 56:39 und von 57:35 bis 58:42 ohne Torhüter.
Biel: Hiller; Jecker, Forster; Fey, Kreis; Maurer, Steiner; Hächler; Pedretti, Pouliot, Rajala; Micflikier, Fuchs, Earl; Schmutz, Diem, Neuenschwander; Joggi, Sutter, Wetzel; Fabian Lüthi.
ZSC Lions: Flüeler; Seger, Phil Baltisberger; Sutter, Geering; Guerra, Berni; Karrer; Pettersson, Vey, Suter; Wick, Shore, Kenins; Chris Baltisberger, Schäppi, Herzog; Bachofner, Prassl, Hinterkircher; Korpikoski.

Die kultige Kaltstätte

Die kalte Kultstätte Ambrìs könnte auch die kultige Kaltstätte heissen. Dies gilt auch für den bitterkalten Januar-Abend 2018 der 44. Runde gegen den EHC Biel. Das eingeschneite Leventiner-Dorf könnte auch jedes Jahr ein perfekter Austragungsort für eine Winter-Classic sein, dies gilt für die Pista la Valascia auch mit dem Dach, denn dieses tut nichts zur Sache.

Vorbereitet für eine Winter-Classic ist auch der welsche Kommentator David Pietronigro, der arme Kerl sitzt als einziger, ich und der Tessiner sitzen im warmen Kabäusschen, draussen. Draussen heisst zwar auf der Presssetribüne oberhalb der Strafbank, jedoch ausserhalb der zusammengeflickten Kommentatoren-Kombüse. So hat Pietronigro neben seinen Unterlagen einen kleinen Heizkörper mitgenommen.

Das ist Winter-Classic. Classic ist auch der Aufstieg zu den Kommentatoren-Plätzen. Zuerst gehts über eine Leiter, dann weiter über einen Holzsteg und Vorsicht, ohne den Kopf einzuziehen gehts nicht. Dies gilt auch für den abenteuerlichen Steg zu den Presseplätzen der schreibenden Medien. Zum Interview kommt Dominic Zwerger, der bei allen Treffern seinen Stock im Spiel hatte. Bis zur Interview-Wand schaffte es auch die Heizung des welschen Kommentators oder wenn der Journalist mit der Heizung zum Interview kommt, dann ist er in Ambrì.

MySports-Kommentator David Pietronigro mit seiner Privatheizung. (Krein)
Kalt ist es auch im Spieltisch-Kabäusschen der Valascia (Krein)

26. Januar 2018

Ambrì-Piotta – Biel 3:2nV (0:1, 2:0, 0:1, 1:0)
Pista la Valascia. – 3’929 Zuschauer. – SR Hebeisen/Wehrli, Bürgi/Stuber. – Tore: 6. Joggi (Sutter) 0:1. 22. Kubalik (Zwerger, Fora/Ausschluss Kreis) 1:1. 33. D’Agostini (Zwerger, Pinana) 2:1.59. Pouliot 2:2. 65. (64:29) Zwerger (Fora, Müller) 3:2. – Strafen: Ambrì-Piotta 3-mal 2 Minuten, Biel 2-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: Biel zwischen 57:43 und 58:33 ohne Torhüter und mit sechstem Feldspieler.
Ambrì-Piotta: Conz; Zgraggen, Plastino; Gautschi, Fora; Pinana, Ngoy; Jelovac; Zwerger, Emmerton, D’Agostini; Kubalik, Müller, Guggisberg; Lauper, Berthon, Monnet; Bianchi, Kostner, Trisconi.
Biel: Hiller; Jecker, Hächler; Fey, Kreis; Dufner, Maurer; Moser; Rajala, Pouliot, Pedretti; Earl, fuchs, Micflikier; Lüthi, Diem, Schmutz; Wetzel, Sutter, Joggi; Nussbaumer.

Bozon und Godynyuk

Für die ehemalige Genf-Servette-Legende Philippe Bozon ist schon am 21. Dezember Weihnachten. Vor dem Spiel wird Bozons Rückennummer 12 unter die Hallendecke der Patinoire les Vernets gezogen. Selbstverständlich passt das zum heutigen Gegner aus Kloten, denn dort steht Philippes Sohn Tim unter Vertrag. Papa Philippe ist Trainer des französischen Erstligisten Bordeaux Boxers und steht mit dem Tabellenvierten erst morgen wieder im Einsatz gegen Strasbourg. Ebenfalls von Bordeaux nach Genf gekommen ist Servettes heutiger Keeper Remo Giovannini, dies aber schon am 19. Oktober. Nicht nach Genf gekommen ist dafür der NHL-Scout der Vegas Golden Knights oder «Las Vegas Knights», wie die Genfer den reservierten Platz bezeichnen. Der Platz des ehemaligen 48-fachen SCB-Söldners Alexander Godynyuk bleibt über die 60 Minuten leer.

Bozon und Godynyuk

Godynyuk und Bozon treffen während ihrer NHL-Karrieren zweimal aufeinander, am 7. Oktober 1993 gewinnt Bozon mit den St. Louis Blues gegen Godynyuk und die Florida Panthers mit 5:3 und am 6. Januar 1994 in Hartford nochmals gegen Godynyuk und die Whalers mit 2:1. Bozon und Godynyuks Wege kreuzen sich auf Schweizer Eis nicht, Godynyuk verlässt 1999 den SCB, Bozon kommt 1999 nach Lugano. Am 5. November 1998 gewinnt Godynyuk mit der Ukraine erstmals ein Direktduell gegen Bozon mit Frankreich, im Rahmen der WM-Qualifikation in Ljubljana mit 4:1.

https://twitter.com/kr1blog/status/943909918830153728?s=20

Bozens Ehrung zu Servietten Unsterblichkeit verpasst der einstige Gegner und heutige NHL-Scout der Knights. Montreals NHL-Draft Tim Bozon, durch Vaters Engagement 1994 in St. Louis geboren, übergibt als Kloten-Spieler seinem Vater das Genfer-Trikot mit der Rückennummer 12. Der 198-fache Servettien ist damit einer von sechs unsterblichen in der 113-jährigen Ära der Grenats. Bozon-Junior bleibt in der elften Minuten ein Treffer (zum 0:2) verwehrt, stattdessen wendet der ehemalige Klub seines Vaters den Rückstand in einen 4:1-Sieg und Genf-Junior Thomas Heinimann erlebt seine Tor-Premiere, leider ohne den Scout der Golden Knights…

21. Dezember 2017

Genf-Servette – Kloten 4:1 (1:1, 2:0, 1:0)
Les Vernets. – 6’441 Zuschauer. – SR Dipietro /Wiegand, Fluri /Stuber. – Tore: 4. Praplan (Hollenstein) 0:1. 19. Rod 1:1. 29. Spaling (Da Costa, Tömmernes /Ausschluss Boltshauser) 2:1. 32. Heinimann (Fransson) 3:1. 51. Rubin (Rod) 4:1. – Strafen: Genf-Servette 3-mal 2 Minuten, Kloten 4-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: Genf-Servette ohne Descloux, Bezina, Mercier, Almond, Bays, Gerbe, Hasani und Mayer (alle verletzt), Kloten ohne Back, Bieber, Lemm, Bircher (alle verletzt) und Egli (U20-Nationalmannschaft).
Genf-Servette: Giovannini; Fransson, Tömmernes (2); Loeffel, Wick; Vukovic, Petschenig; Jacquemet; Da Costa, Richard, Spaling; Schweri, Romy, Simek; Riat (2), Rubin (2), Rod; Holdener, Heinimann, Douay.
Kloten: Boltshauser (2); Von Gunten, Harlacher; Ramholt, Kellenberger; Bäckman, Stoop; Brunner; Praplan, Santala, Hollenstein (4); Sallinen, Trachsler, Bozon; Grassi, Schlagenhauf, Leone (2); Marchon, Obrist, Lehmann; Bader.

Nüssli unter Fankhausers Regie

Nach genau 655. Einsätzen verabschiede ich mich, als „SRFs Antwort auf Mathias Seger“, am 22. September 2017, als dienstältester Sport-Guide. Einst habe ich Reto Brunner als dienstältesten Sport-Assistent abgelöst, nun wird der ehemalige Schiedsrichter Mike Linke das „Amt“ übernehmen.

Nach 15 Jahren als begeisterter Sport-Guide, habe ich die Möglichkeit, in meiner Lieblingssportart live auf den Sender zu gehen. Einerseits freue ich mich sehr auf die neue Herausforderung, andererseits muss ich meinen bisherigen Lieblingsjob aufgeben. Der privilegierte SRF-Job hat mich in all den Jahren stehts erfreut. Ein grosser Dank geht an all jene, mit denen ich in den vergangenen anderhalb Jahrzehnten gearbeitet habe.

Am 26. Oktober 2002, stehe ich erstmals für SRF, damals noch Schweizer Fernsehen (SF), unter Begleitung von Hans Jucker „selig“ und unter der Regie von Armin Fankhauser in Langnau im Einsatz. Die NLA-Partie zwischen den SCL Tigers und dem SC Rapperswil-Jona endet mit 4:3 für die Gäste vom Zürichsee.

„Gibt Krein seinen Einstand oder Abschied in Langnau, gewinnt Nüssli unter der Regie von Fankhauser.“

— Krein

Was einst im Emmental beginnt, soll auch dort beendet werden. So ist mein letzter SRF-Einsatz gleichzeitig mein 99. in der Ilfishalle – und dies, das Drehbuch könnte nicht besser geschrieben werden, wieder unter der Regie von Armin Fankhauser (siehe Foto). Dieses Mal gewinnen die Langnauer gegen den HC Genf-Servette mit 3:2 in der Overtime.

Langnaus Thomas Nüssli bereitet nicht nur den Siegtreffer Aaron Gagnons vor, sondern liefert auch die Vorlage zum 1:0-Führungstreffer. Nüssli ist der einzige Spieler, welcher schon am 26. Oktober 2002, an besagter Spielstätte dabei gewesen ist, damals aber im Trikot des Gegners.

Mein 655. und letzter SRF-Einsatz ist gleichzeitig der 99. in Langnau, mein Debüt gab ich am 26. Oktober 2002 (oberes Ticket), ebenfalls im Emmental. (Krein)

SCL Tigers – Genf-Servette 3:2nV (0:0, 1:1, 1:1, 1:0)
Ilfihalle. – 5248 Zuschauer. – SR Massy/Stricker, Borga/Progin. – Tore: 22. Dostoinow (Nüssli) 1:0. 24. Richard (Riat, Schweri) 1:1. 52. Gagnon (Koistinen, Albrecht) 2:1. 54. Almond (Bezina, Gerbe) 2:2. 64. (63:40) Gagnon (Erni, Nüssli) 3:2. – Strafen: SCL Tigers 2-mal 2 Minuten, Genf-Servette 3-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: PostFinance-Topskorer Erkinjuntti und Simek. SCL Tigers ohne Punnenovs, Berger, Blaser, Stettler (alle verletzt) und Himelfarb (überzähliger Ausländer), Genf-Servette ohne Mayer, Bays, Rubin, Impose und Rod (alle verletzt). – Pfostenschüsse: Zryd (9.), Neukom (17.). – Timeout SCL Tigers (59:18).
SCL Tigers: Ciaccio; Zryd, Koistinen; Seydoux, Erni; Lardi, Huguenin; Müller, Randegger; Elo, Gustafsson, Erkinjuntti; Kuonen, Gagnon, Neukom; Dostoinow, Albrecht, Nüssli; Gerber, Peter, Haas.
Genf-Servette: Decloux; Petschenig, Tömmernes; Jacquemet, Fransson; Loeffel, Mercier; Vukovic, Bezina; Gerbe, Almond, Spaling; Wick, Romy, Simek; Schweri, Richard, Riat; Traber, Hasani, Holdener.

Meisterhelden wieder vereint

Foto: Zwei Altbekannte, Beat Forster und Jonas Hiller. (Hervé Chavaillaz)

Es gilt bis heute als kuriosestes Eigentor der Schweizer Hockey-Geschichte. Im Weltmeisterschafts-Viertelfinal in Quebec, am 14. Mai 2008, bezwingt Philippe Furrer mit einem Slapshot seinen eigenen Torhüter Martin Gerber und bringt Russland noch im ersten Drittel mit 3:0 in Führung.

Was hat der 14. Mai 2008 mit dem EHC Biel zu tun? An diesem Tag bestreiten die beiden Herisauer Beat Forster und Jonas Hiller (er wird in der 27. Minute, beim Stand von 0:5, für Gerber eingewechselt) ihr letztes gemeinsames Pflichtspiel. Vorher absolvieren die beiden vier gemeinsame Profi-Saisons mit dem HC Davos und die WM 2007 in Russland.

Gemeinsam Meister mit Herisau

Forster und Hiller stammen beide aus der Nachwuchsabteilung des SC Herisau und spielen schon 1990 zusammen bei den Piccolos, später gehören sie zu den Teamstützen bei Herisaus Elite-Novizen. welche unter Trainer Marcel Bruderer sensationell den Schweizermeistertitel ins Appenzell holen. Neben Forster und Hiller gehören auch die Ex-Bieler und aktuellen Langnauer Thomas Nüssli und Emanuel Peter zu Herisaus Meisterkader 1997-98.

Hiller und Forsters erstes gemeinsames Pflichtspiel seit neun Jahren

8. September 2017, in Kloten

Im Sommer 1999 wechselt Forster nach Davos, Hiller folgt dem Weg ins Bündnerland erst ein Jahr später. 2001 wird Forster von den Phoenix Coyotes als Nummer 78 gedrafted und Hiller wird übergangen. Auch Peter (Nr. 142) und Nüssli (Nr. 277) werden 2002 im Draft gezogen. Eine NHL-Karriere macht aber nur der im Draft übergangene Hiller, der sich in 404 NHL-Spielen in neun Saisons zum Dollarmillionär entwickelt.

Schon im ersten NLA-Spiel siegreich

Ihre erste gemeinsame NLA-Partie bestreitet das Appenzeller-Duo am 17. September 2004 mit dem HC Davos gegen den HC Lugano, vor 6’333 Zuschauern bezwingen sie die Tessiner mit 3:2 und Forster erzielt in der 58. Minute das «Game-Winning-Goal.» Durch den NHL-Lockout stehen auch die NHL-Stars Rick Nash und Joe Thornton erstmals auf Davoser Eis. Siegreich sind Forster und Hiller auch bei ihrem ersten gemeinsamen Auftritt seit neun Jahren, beim 3:0-Auswärtssieg am 8. September 2017 in Kloten. Forster spricht in Biel sogar vom Meistertitel, auch für Herisaus Novizen schien dies einst unmöglich…

Artikel im Bulletin 2017/18 des Bieler Fan’s Club Seeschwalbe

Auf Madame Potins Spuren

Paris und Eishockey? Im Vorfeld der Weltmeisterschaft hält sich die Freude nach Paris zu reisen in Grenzen, nicht nur wegen der Terroranschläge, sondern auch weil in Paris kein WM-Fieber entfacht werden könne oder wie es ZüriWest im Song «Paris» treffend formuliert: «Schiss-Paris». Es ist Sonntag, die Sonne scheint, in der Brasserie Jean Baptiste in Boulogne-Billancourt gibts bereits um 11 Uhr keine Croissants mehr, die Bedienung kommt «tout-de-suite», «sofort» heisst im Pariser Aussenquartier geschlagene 20 Minuten. 1,7 Kilometer entfernt steht die Patinoire de Boulogne-Billancourt, vor rund 60 Jahren ist dies Dreh- und Angelpunkt des französischen und europäischen Eishockeys. Der Athletic-Club Boulogne-Billancourt (ACBB) wird hier im Dezember 1955 vom Pariser Unternehmer Philippe Potin aus der Taufe gehoben.

Boulogne-Billancourt

Die Eisbahn, inmitten eines verschlafenen Quartiers erinnert noch heute an die alte Zeit, nur anhand der parkierten Autos bewegt man sich in Gegenwart. Die gut erhaltene und teilweise renovierte Eishalle hat ihren Charme der 50er Jahre nicht verloren, eine Vitrine erinnert an die grossen Erfolge der Vergangenheit, 1959 gastieren mit den Boston Bruins und New York Rangers sogar zwei NHL-Teams. In der gleichen Epoche wird der französische Schauspieler, Drehbuchautor und Regisseur Jacques Tati durch seine Filme über «Monsieur Hulot» weltberühmt. Die Patinoire in Boulogne-Billancourt, 1955 eröffnet, würde den perfekten Drehort für einen seiner Filme abgeben. Es ist als würden Monsieur Hulot und Monsieur Potin, jeden Moment um die Ecke kommen. Es ist heute noch gut vorstellbar, wie es in den 60er Jahren kurz vor Spielbeginn ausgesehen haben könnte, mit Stürmer Elwin Friedrich und Torhüter Jean Ayer würden wir zwei Schweizer-Söldner gegen den HC Chamonix spielen sehen. Friedrich und das frankokanadische Starensemble holt in seiner Blütezeit drei französische Meistertitel und drei Spenglercup-Siege, ehe die legendäre Mäzenin Madame Janine Potin ihre Meistertruppe samt Friedrich nach Villars verlegt.

Spieler ohne Klubs

Paris ist eishockeytechnisch wichtiger als es scheint, ist aber in der Gegenwart tatsächlich in Vergessenheit geraten. In der obersten französischen Spielklasse, der Ligue Magnus, ist seit dem Abstieg des Pariser-Vorortklubs Jets de Viry-Châtillon im Jahr 2001 kein Klub mehr vertreten. Der letzte Pariser Meistertitel der Français-Volants Paris liegt bereits 28 Jahre zurück, die «Flügel» spielen aktuell in der Anonymität der dritthöchsten Spielklasse. Noch tiefer ist der ACBB Paris gefallen, der ehemalige Spitzenclub spielt noch eine Klasse tiefer als die Français-Volants. Im WM-Kader von Coach Dave Henderson stehen immerhin drei Spieler aus der Nachwuchsabteilung von Viry, Stéphane und Teddy Da Costa, sowie Yohann Auvitu, dazu kommen die in Paris geborenen Antonin Manavian und Ronan Quemener, dies sind 20% der «Equipe-Tricolore».

Durch die WM will der französische Verband den Eishockeysport in Paris wieder ankurbeln, doch die Begeisterung hält sich, trotz der guten Auftritte der «les Bleus», in Grenzen, die Zuschauerzahlen sind schlecht, selbst die Spiele Frankreichs (alle als «trois etoiles» Spiele deklariert und somit die teuerste Kategorie) sind nie ausverkauft. Auch der Bierkonsum hat im Stadion keinen Platz und eine alkoholfreie Brühe kostet 10 Euro. Dafür gibts rund ums Stadion an der Rue de Bercy viele «Brasserien», unser* Favorit ist die Brasserie les Spectacles mit dem Zaubertrank «Pelforth Blonde», welches der Schweizer Fan-Delegation, den Holländern des Eishockeys, ausgiebig ausgeschenkt wird.

Ausserhalb von Bercy ist nichts von der WM zu sehen, an einem Schaufenster an der Champs-Élyssés ist eine kleine Werbung zu sehen, welche aber nur den scharfsinnigsten unter den Hockey-Affinen ins Auge sticht. Dabei steht Paris am 15. Mai 1908 im Zentrum des internationalen Eishockeys, an der Rue de Province 34 wird der IIHF als Ligue Internationale de Hockey sur Glace (LIHG) durch die Landesverbände Belgien, Grossbritannien, Schweiz und Frankreich gegründet. Der Französische Verbandspräsident Louis Magnus (nach ihm sind die Liga und der Meisterpokal in Frankreich benannt) ist zugleich erster IIHF-Präsident. Seit 2007 wird der französische Cup-Final in der AccorHotels Arena vor jeweils fünfstelliger Zuschauerkulisse ausgetragen.

Die Patinoire, von der Metro-Station her kommend, an der Rue Victor Griffuelhes. (Krein)
1955 öffnete die Patinoire ihre Tore, vier Jahre später kamen die New York Rangers und die Boston Bruins. (Krein)
Die grosse Stadion-Uhr scheint, zu den grossen Zeiten des ACBB’s stehengeblieben. (Krein)
Am 4. und 5. Mai 1959 gastieren hier die Boston Bruins und die New York Rangers. (Krein)

Eisgenossen und Schweizergardisten

Mit Andres Ambühl als erster Schweizer WM-Torschütze seit des letzten WM-Treffers 1951 durch Ueli Poltera (Arosa), trifft erneut ein Bündner auf Pariser Boden. Die jüngste Schweizer Ausgabe ist auf dem besten Weg in die Fussstapfen ihrer Vorgänger zu treten, welche vor 66 Jahren unter Headcoach Bibi Torriani die Bronze-Medaille nachhause bringen. Die Mannschaft von Patrick Fischer spielt ihre zweitbeste Vorrunde der Neuzeit und steht im Viertelfinal, nur noch beim WM-Silber 2013 war man vor der Endrunde besser klassiert. Nach einem mirakul(ix)ösen (mit Verdacht auf gallischen Zaubertrank) 3:2-Sieg über Kanada, gelingt einen Tag später beinahe (der Zaubertrank hat nachgelassen) noch der erste WM-Sieg über Finnland seit 1972. Eisgenossen und «Schiss-Paris», eine Wort-Kombination welche im «Vocabulaire» des Eishockeys nicht existiert. In diesem Zusammenhang müssen die Eisgenossen wohl mit den Schweizergardisten verwechselt worden sein, welche während der französischen Revolution auf dem heutigen Place de la Concorde mehr als nur Haare lassen mussten. Apropos rollende Köpfe, an der «gallischen» WM müssen ausgerechnet die Römer (Italien) wieder in die Zweitklassigkeit absteigen.

Eindrücke und Erlebnisse von Rolf Pfeiffer und Michael Krein, unterstützt durch Pelforth

Zanotta und der grüne McNamara

Nach dem 6:3-Sieg gegen den HC Genf-Servette wird der EHC Biel zum neunten Mal in der Geschichte- und zum vierten Mal seit dem Wiederaufstieg 2008 «grün» im Teletext. Rechtzeitig vor dem Interview-Termin mit den Fernsehsendern überreicht Noè Livio Zanotta Mike McNamara ein grünes Hemd, welches sich der 67-jährige Kanadier extra für die TV-Kamera auf der Spielerbank überstreift. Zanotta, Biels offizieller Mode-Ausrüster, sagt: «Ich habe das schon lange geplant, heute habe ich gespürt, dass ich das grüne Hemd in die Tissot-Arena mitnehmen muss.»

Ein Novum in grün

In der zweiten Drittelspause steht es 3:3 und Biels Playoff-Qualifikation ist noch ungewiss. Trotzdem übergibt mir Zanotta auf der Medientribüne das grüne Hemd der Marke Olymp für McNamara, damit ich es vor meinem Interview dem Headcoach übergeben- und er es gleich überstreifen kann. Nach dem Sieg und der definitiven Playoff-Qualifikation lassen die Bieler aber auf sich warten und so kann der «Schöpfer» sein Hemd gleich persönlich übergeben. Langnau spielte nach seiner bisher einzigen Playoff-Qualifikation 2011 in grün, «ein grünes Hemd für den Headcoach gabs bisher noch nie», sagt der gut informierte Mode-Mann.

Bieler Schützlinge

Zanotta und Eishockey gibts schon seit den 90er Jahren, denn Noès Bruder Ivo spielte einst selber als Aktiver und war später als Nachwuchstrainer beim SC Lyss und Biel tätig, Biel-Kapitän Mathieu Tschantré, Mathias Joggi und auch meine Wenigkeit gehörten einst zu seinen Schützlingen. Stolz auf seine Schützlinge zeigt sich auch McNamara, denn der Interims-Coach schaffte mit Biel erst zum dritten Mal in seiner Karriere, nach 1989 und 1990 mit Fribourg-Gottéron, als Headcoach eine Playoff-Qualifikation. Zanottas neustes Testimonial scheint für die grüne Hemd-Premiere nahezu perfekt.

17. Februar 2017 – 47. Spieltag

Biel – Genf-Servette 6:3 (2:1, 1:2, 3:0)
Tissot-Arena. – 5’320 Zuschauer. – SR Koch /Wehrli, Borga /Küng. – Tore: 1. (0:38) Loeffel 0:1. 10. Earl (Schmutz) 1:1. 13. Tschantré (Maurer /Ausschluss Romy) 2:1. 26. Pouliot (Pedretti) 3:1. 30. Paré (Gerbe, Loeffel /Ausschluss Tschantré) 3:2. 32. Paré (Loeffel, Gerbe /Ausschluss Earl) 3:3. 44. Rossi (Dufner, Pouliot /Ausschluss Almond) 4:3. 56. Pouliot 5:3. 59. Schmutz (Lundin /Ausschluss Almond) 6:3. – Strafen: Biel 7-mal 2 Minuten, Genf-Servette 12-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: Biel ohne Valentin Lüthi, Haas, Fey (alle verletzt), Wellinger (persönliche Gründe) und Rajala (überzähliger Ausländer). Genf-Servette ohne Chuard, Ehrhardt, Rod (alle verletzt) und Slater (überzähliger Ausländer).
Biel: Hiller (Rytz); Dave Sutter, Lundin; Maurer, Jecker; Hächler, Steiner (2); Dufner; Schmutz, Earl (6), Micflikier (2); Rossi, Neuenschwander, Fabian Lüthi; Joggi, Fabian Sutter, Wetzel; Tschantré (2), Pouliot, Pedretti (2); Horansky.
Genf-Servette (2): Mayer (Bays); Jacquemet, Fransson; Loeffel, Mercier (2); Vukovic, Petschenig; Antonietti (4); Gerbe, Almond (4), Spaling; Wick, Paré, Rubin (2); Simek, Romy (2), Douay (4); Traber (2), Kast, Riat (2); Impose.

Ein Herisauer Abend

Am 22. Januar 2017, wird der SC Herisau 75-jährig. Im Rahmen des stolzen Jubiläums feiert der Appenzeller Traditionsclub am Samstag, 21. Januar sein 75-jähriges Bestehen. Nach einer Bilderausstellung und einem NLA-Aufstiegs-Kinoanlass, empfängt das Fanionteam, vor Legenden wie Ex-Spieler Claude Vilgrain und prominenten Gästen, als ungeschlagener Leader der 2. Liga, Gruppe 2, den zweitplatzierten HC Prättigau-Herrschaft.

Herisauer Abend überall

Auch die 42. Runde der National-League-A (NLA) steht ganz im Rahmen des SCH, ich berichte aus Langnau für den SRF-Journalisten in Zürich, er hält mich im Gegenzug über den Spielstand des 2. Liga-Knüllers auf dem laufenden. Wir haben eine gemeinsame Vergangenheit, denn unsere Stammclubs, der SC Lyss und Herisau duellierten sich zwischen 1989 und 1993 während vier Jahren 18-mal in der Nationalliga B und wir verpassten kaum eine Heimpartie.

Erster «Herisau» Torschütze des Abends ist aber ein Langnauer, Thomas Nüssli trifft 19 Uhr 52 gegen Freiburgs Benjamin Conz zum 1:0 für die SCL Tigers. Erst um 20 Uhr startet das 2. Liga-Spitzenspiel im Sportzentrum Herisau vor 1’231 Zuschauern. 20 Uhr 25 trifft der erste aktuelle Herisauer, Ivan Hausammann erzielt auf Zuspiel von Matthias Popp und Sandro Bleiker den ersten Treffer im 2. Liga-Knüller.


„Nüssli ist erster Herisau-Torschütze des Abends.“

— Michael Krein, Langnau

Bis zur 27. Minute geht der 2. Liga-Leader mit 3:1 in Führung, dennoch meldet Zürich nach 40 Minuten den ernüchternden 3:7-Spielstand aus dem Appenzell. Was ist passiert? Innert zehn Minuten schiessen die Prättigauer sechs Tore und verwandeln den 1:3-Rückstand in eine 7:3-Führung. In der gleichen Zeitspanne stehts im Emmental, hier gastierten die Herisauer in den 90er Jahren regelmässig, erst 2:1 für die Tigers.

Herisaus Exil-Spieler

Ehe die «aktuellen» Herisauer nochmals auf 5:8 rankommen, gibt Beat Forster, zu Herisau-Zeiten hiess er noch Beat Schiess-Forster, in der 59. Minute den Assistpunkt zum 2:0 der Bündner in Kloten. Nicht im Einsatz stehen an diesem Abend Jonas Hiller (EHC Biel), Luca Homberger (EHC Kloten), Jens Nater (HC Thurgau) und der zur Zeit wichtigste Export Timo Meier (San Jose Sharks). Herisau muss ausgerechnet am Jubiläumsabend im 15. Spiel die erste Niederlage hinnehmen, dafür gewinnen die Exil-Spieler Forster (2:0) mit Kloten, Emanuel Peter (6:0) mit Zug und Nüssli (4:2) mit Langnau, selbstverständlich wählen wir Nüssli als Interviewpartner nach dem Spiel.

Schon am Abend zuvor duellieren sich die Herisauer Nüssli und Hiller in Biel, dabei bezwingt der Stürmer den Torhüter zum zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich. Am Gründungsdatum, 22. Januar punkten weitere Herisauer: Ryan McGregor trifft eine Sekunde vor Schluss zum 4:3-Sieg der Rapperswil-Jona Lakers gegen den EHC Winterthur. Tomas Dolana (Assist zum 1:0), gewinnt mit dem EHC Visp 6:2 gegen den EHC Olten.

21. Januar 2017

SCL Tigers – Fribourg-Gottéron 4:2 (2:1, 0:0, 2:1)
Ilfishalle. – 6’000 Zuschauer (ausverkauft). – SR Müller /Wehrli, Gnemmi /Kaderli. – Tore: 5. Nüssli (DiDomenico, Albrecht) 1:0. 9. Macenauer (Strafe angezeigt) 2:0. 19. Rathgeb (Cervenka /Ausschlüsse Weisskopf, Sven Lindemann) 2:1. 41. (40:39) Koistinen (DiDomenico, Albrecht) 3:1. 46. Cervenka (Rathgeb) 3:2. 60. (59:59) Macenauer (Pascal Berger) 4:2. – Strafen: SCL Tigers 5-mal 2 Minuten, Fribourg-Gottéron 3-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: PostFinance-Topskorer: DiDomenico; Sprunger. SCL Tigers ohne Yannick Blaser, Stettler (beide verletzt) und Schremp (überzählig), Fribourg-Gottéron ohne Bykow, Marchon, Schilt und Picard (alle verletzt).
SCL Tigers: Punnenovs; Zryd, Koistinen (2); Seydoux, Weisskopf (2); Yves Müller, Flurin Randegger; Currit, Adrian Gerber; Elo, Macenauer, Nils Berger; DiDomenico, Albrecht, Nüssli (2); Kuonen, Pascal Berger, Sven Lindemann (2); Dostoinow, Schirjajew, Claudio Moggi (2).
Fribourg-Gottéron: Conz (9.-10. Säikkönen); Rathgeb (2), Marc Abplanalp; Kienzle, Leeger; Stalder, Chavaillaz; Glauser, Chiquet; Sprunger, Cervenka (4), Birner; John Fritsche, Rivera, Caryl Neuenschwander; Mauldin, Vesce, Mottet; Daniel Steiner, Flavio Schmutz, Neukom.

In Langnauer Ehren

Am 23. Dezember 2016, werden die beiden langjährigen SCL Tigers-Mitarbeiter, Speakerin Christine «Chrige» Nyfeler und Pressechef Rolf Schlapbach für 35- bzw. 30 Dienstjahre vor dem Spiel gegen den HC Davos geehrt. Beide gehören zu den SCL Tigers wie der Tigerkäse, ihren Wert für die Organisation kann nicht in Worte gefasst werden.

Christine Nyfeler mit dem Blumenstrauss für 35 Jahre als Speakerin.. (Michael Langenegger)

Christine Nyfeler debütiert in ihrem Amt im Oktober 1981 gegen den EHC Kloten. Nyfeler speakt seither nicht nur für das Fanionteam, sondern auch seit Jahren für den gesamten Langnauer Nachwuchs. Rolf Schlapbach, zunächst 12 Jahre als Mannschaftsleiter, startet im Herbst 1987 bei den Emmentalern. Nach dem Spiel stehen Langnaus «Off-Ice» Kult-Figuren exklusiv in der ungeschnittenen (directors-uncut) Version vor der Kamera des Schweizer Radio und Fernsehens, das Interview wurde nicht ausgestrahlt.

Sparta beschert Rekord

Der SC Bern, europäisch so weit gekommen wie seit 1992 nicht mehr und damit erstmals überhaupt in einer K.O.-Phase der Champions-Hockey-League, erhält zum „Samichlausen“ ein tschechisches Säckli aus Prag. Sparta spielt bei seinem elften Europa-Auftritt zum zehnten Mal in der K.O.-Phase und gilt als europäisches Schwergewicht, dieses Schwergewicht beschert den Mutzen mit 14’500 Fans die höchste Zuschauerzahl in einem europäischen Wettbewerb seit 41 Jahren.

Unter den 14’500 befinden sich auch ein paar als Prager getarnte Seeländer, die Fraktion um Tschechien-Experte und „Dukla-Jihlava-Schweiz Präsident“ Chris Habegger trägt Sparta-Jerseys aller Epochen. Darunter ist auch das Jersey von Spartas erstem Europa-Cup-Auftritt im Herbst 1990 in Lugano. Sparta qualifizierte sich damals zum ersten Mal für ein europäisches Endrundenturnier und traf im Bronze-Spiel auf die Mannschaft des heutigen SCB-Trainers Kari Jalonen. Turku ohne den verletzten Spieler Jalonen bezwang die Spartaner mit 4:3.

Die „Prager“ aus dem Berner Seeland, von links Bo Hofmann, Chris Habegger, Michael Krein und Mates Hurst, verstärkt durch Ostblock-Kenner Beat Kurt im Dukla Jihlava Sweater. (Milan Zwahlen)

26 Jahre später muss Jalonen wieder zusehen, als Trainer – und anders als Turku kommen die Berner gegen die Tschechen nicht über ein 1:1 hinaus. Das Rückspiel folgt in einer Woche in der O2 World in Prag. Mit Sparta kehrt Europa in Zuschauerzahlen endlich nach Bern zurück, die Partie bringt den Mutzen die zweithöchste Zuschauerzahl der Europa-Cup-Geschichte – was ausser vielleicht Berns Pressechef Christian Dick keinen interessieren wird – und in einer Woche werden wir wissen ob die Berner auch noch an die sportlichen Europa-Cup-Erfolge der 90er Jahre anknüpfen können.

Berns „Top-of-Europe„

DatumSpielZuschauer
6.2.1975Berliner SC16’151
7.12.2016Sparta Prag14’567
11.10.2016Salzburg13’667
1.11.2016Jyväskylä13’660
18.10.1977Köln11’616
Statistik: Krein

Von Gentlemen und Weltenbummlern

Zum 101. mal trifft Langnau in einem NLA-Spiel auf den EHC Biel. Im Presseraum herrscht wie üblich eine gute Ambiance und die Verpflegung durch Gisela Schlapbach ist wie immer herzlich und charmant. Die Presseverantwortlichen Rolf Schlapbach (SCL Tigers) und Silvan Andrey (EHC Biel) informieren 19 Uhr 17 über die Aufstellungen ihrer Mannschaften, auf Andreys Info: «Marc-Antoine Pouliot ist überzählig», meldet sich der weltbekannte Eishockey-Chronist zu Wort: «Was heter vergässe?» und sorgt unter dem «who-is-who» am Tisch der journalistischen Berner-Hockey-Fraktion für einen Lacher.

Von Läderach bis Tuma

Am «Tisch der aussergewöhnlichen Gentlemen» fällt der Name Heinz Läderach, «ou was macht dä?», «Dasch dr schneuscht Schlittschuehläufer xi vor NLB», «är het dr Siegträffer gäge SCB gschosse» oder «är het gspiut wie dr Peter Sullivan.» Die Lorbeeren für den ehemaligen Stürmer vom SC Langenthal könnten nicht grösser sein. In diesem Augenblick betritt ein älterer Herr den Presseraum, der Publizist: «und da chunt si Trainer», Jaroslav Tuma ist verblüfft und begrüsst die fachkundige Runde. Auch Tuma verliert über Läderach nur gute Worte. Der gebürtige Tschechoslowake verlässt 1968 im Alter von 21-Jahren seine Heimat Richtung Holland, via Tilburg, Rosenheim, Mannheim, Iserlohn, Schwenningen und Ingolstadt heuert er 1983 bei Langenthal an. Noch heute ist der 69-Jährige als Spieler-Agent tätig und betreut weltweit rund 80 Spieler.

Zwei Weltenbummler im besten Alter

Ebenfalls in den 80er Jahren kommt der aktuelle Biel-Trainer Mike McNamara in die Schweiz. 1981 verpflichtet der NLB-Club HC Villars McNamara als neuen Headcoach. Im Frühjahr 1982 steigt der Traditionsclub mit McNamara in die 1. Liga ab. Kein erfolgreicher Start für den Kanadier, dennoch setzt der damals 32-Jährige seine Karriere in der Schweiz fort. Lugano, Dübendorf, Fribourg-Gottéron, Zug, Visp, Ajoie, Lugano, Chur, Lugano, Lausanne und Biel heissen seine Stationen als Head- und Assistenzcoach bis 2016.

Zum dritten Mal interims-Trainer

Auf seiner Trainer-Odyssee heuert der heute 67-Jährige dreimal beim HC Lugano an, 1983, 2006 und 2009. Als Assistent und Ersatzausländer von «Magier» John Slettvoll ist er bei den Meistertiteln 1986 und 1987 dabei, später kehrt er zweimal als Headcoach der Elite-Junioren zurück ins Tessin. Auch mit der Rolle als interims-Trainer ist der ehemalige WHA-Spieler der Quebec Nordiques bestens vertraut. Bereits zum dritten Mal übernimmt er während der Saison einen Trainerposten in der National-League (NL), 2007-08 beim EHC Chur kommt er für Andreas Fischer, 2010-11 übernimmt er in Lugano für Philippe Bozon und am 14. November 2016 in Biel für «Hockeygott» Kevin Schläpfer.

Die Uhr im Presseraum zeigt 19 Uhr 35, es ist höchste Zeit seinen Platz auf der Pressetribüne aufzusuchen. Zugegeben, ohne bevorstehende Eishockey-Partie der 27. Runde, hätte man den Abend – gefüllt mit Anekdoten aus längst vergangenen Zeiten – im gemütlichen Langnauer Presseraum unter der Bewirtung von Frau Schlapbach ausklingen lassen können. Die zwei älteren Herren und Hockey-Koryphäen sind längst auf ihren Plätzen. Tuma auf der Pressetribüne als Beobachter, McNamara hinter der Bande als Trainer, zwei Weltenbummler im besten Alter. Und ja, McNamara und die Bieler gewinnen in einem packenden Spiel mit 5:3 und SI-Mann Stefan Sommer*, er wettet jeweils unter den Gentlemen gegen seine Mannschaft, kassiert 120 Franken Schmerzensgeld.

*gehört seit Jahren zum Tisch der aussergewöhnlichen Gentlemen und berichtet für die Sportinformation.

29. November 2016 – 27. Runde

SCL Tigers – Biel 3:5 (1:0, 0:2, 2:3)
Ilfishalle. – 5’694 Zuschauer. – SR Mandioni /Massy, Abegglen /Kaderli. – Tore: 11. Elo (Schremp, Nils Berger) 1:0. 33. Micflikier (Lundin/Ausschluss Koistinen) 1:1. 38. Horansky (Fabian Sutter, Wetzel) 1:2. 45. Fey (Huguenin/Ausschluss Nils Berger) 1:3. 49. Earl (Julian Schmutz, Lundin) 1:4. 56. (55:02) Schremp (Elo, DiDomenico/Ausschlüsse Horansky, Maurer) 2:4. 56. (55:37) Elo (Schremp/Ausschluss Maurer) 3:4. 60. (59:38) Fey (Ausschluss Jan Neuenschwander!) 3:5 (ins leere Tor). – Strafen: SCL Tigers 3-mal 2 Minuten, Biel 4-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: SCL Tigers ohne Pascal Berger, Blaser, Lukas Haas, Nüssli, Stettler (alle verletzt) und Shinnimin, Biel ohne Pouliot (überzählig), Valentin Lüthi, Tschantré (beide verletzt) und Wellinger (krank). – Timeouts: SCL Tigers (59:03); Biel (55:37).
SCL Tigers: Punnenovs (49. Ciaccio); Seydoux, Koistinen (2); Zryd, Flurin Randegger; Weisskopf, Yves Müller; Currit; Elo, Schremp, Nils Berger (2); DiDomenico, Albrecht, Sven Lindemann; Claudio Moggi, Schirjajew (2), Kuonen; Roland Gerber, Adrian Gerber, Wyss; Rüegsegger.
Biel: Hiller; Lundin, Dufner; Maurer (4), Dave Sutter; Huguenin, Fey; Nicholas Steiner, Jecker; Julian Schmutz, Earl, Micflikier; Rossi, Jan Neuenschwander (2), Fabian Lüthi; Pedretti, Gaëtan Haas, Rajala; Horansky (2), Fabian Sutter, Wetzel.

Hier gehts zum SRF-Spielbericht und zum Interview mit Mike McNamara.

Der Patron von Court

Die Fahrt durchs Vallée-du-Tavannes führt im östlichen Teil ins verschlafene Dörfchen Court. Das ehemalige Strassenzeilendorf liegt im Berner Jura, hier scheint die Zeit noch stehengeblieben, es ist als würde man zurück in die 80er Jahre versetzt. Treffpunkt ist die Rôtisserie La Calèche, zwischen der Hauptstrasse und der Bahnlinie. Im schmucken, typisch welschen Landgasthof sticht ein Service-Tablar mit dem Mannschaftsfoto des EHC Biel ins Auge. Der ehemalige EHCB-Spieler Francis Lardon führt das Restaurant, Lardon gehörte 1978 zum ersten Bieler Meisterteam.

Den Chef des Hauses sehen wir nicht, denn dies ist auch nur die Zwischenstation auf dem Weg zum Haus von Monsieur Charpié. Der 67-Jährige lebt seit Jahren in seinem eigenen Eishockey-Museum in Court. Auf der Fahrt zu Monsieur Charpié erblicken wir, nach dem Überqueren der Birs, den Wegweiser zur Patinoire de Court, die offene Eisbahn auf einer ehemaligen Kuhweide liegt nur 800 Meter von Charpiés Haus entfernt.

ACBB Paris und Wembley Lions

Der Patron, im Team-Kanada-Pullover, öffnet seine Türe wie die Tore zu einem geheimen Nummerndepot einer Schweizer Bank. Bereits der erste Blick bringt uns zurück in die 50er Jahre, das Trikot vom Athletic-Club-de-Boulogne-Billancourt (ACBB) Paris hängt am Treppengeländer, welches zu Charpiés persönlicher Hall-of-Fame in den Dachstock führt. «Das ist das Original-Trikot von Jean Ayer», sagt der passionierte Hockeysammler. Er habe noch mehr von Ayer, unter anderem sämtliche Matchprogramme aus seiner Zeit bei den Wembley Lions in London.


„Du wirst schlichtweg erschlagen.“

– Michael Krein, in Court

Schon nur diese Aussage, lässt uns zumindest im Ansatz erahnen, was sich noch alles in seinem Archiv verbergen könnte. Dann betreten wir das Reich Charpiés, es erinnert an den Bieler Spielzeugladen Schöni an der Kanalgasse 37, hier gibt es alles – alles – vom Trikot des EHC Nidau, über sämtliche Trikots des HC Villars und CP Court, bis zu einer Jacke der Montreal Canadiens 1952 von Doug Harvey, die Lizenzen der Croci-Torti’s (Guy, Jean-Luc und Yves), Presseordner des EHC Olten oder sämtliche Chroniken vom Lausanne HC bis zum HC Le Fuet Bellelay.

Emotionale Erschöpfung

Nach ca. 90 Minuten schleicht sich im Denkzentrum eine psychische Übermüdung ein, man ist nicht mehr in der Lage neue Informationen und Eindrücke einzuordnen. Selbst der hartgesottenste Hockey-Romantiker erreicht hier mit der emotionalen Erschöpfung die erste Stufe eines Burnouts. Allerdings lässt sich das Burnout nicht auf negative-, sondern auf den massiven Überfluss positiver Eindrücke zurückführen. Du wirst schlichtweg erschlagen. Und Monsieur Charpié? Der Patron stöbert, räuspert, erzählt und präsentiert einen Leckerbissen nach dem andern.

Hat er selber noch den Überblick? Weiss er wo er was verstaut hat? Woher hat er nur all diese Zeitzeugen? Und was sagt Madame Charpié? Diese Fragen gehen einem zusätzlich durch den Kopf. Es ist pure Eishockey-Romantik, in diesem Archiv scheint die Zeit noch langsamer zu laufen, als dies im Dörfchen Court der Fall zu sein scheint – und das ist gut so. Es ist ein Eintauchen in eine andere Welt mit einem gutmütigen Patron, der hier einen wichtigen, längst verloren gegangenen Teil des Schweizer Eishockeys in welscher Manier, aber mit grösster Sorgfalt beherbergt.

Schremp-Show in Lyss

Beim sechsten Swiss-Ice-Hockey-Day in Lyss erweist, neben den einstigen Lyssern Philippe und Simon Rytz, sowie Matthias Rossi, Nicolas Steiner, Ivars Punnenovs und Brendan Shinnimin, Langnaus Rob Schremp dem Lysser Nachwuchs die Ehre.

Bei Schremps Posten gehts um das Thema Stickhandling, gespannt beobachten die Kleinsten die Kunststücke des Amerikaners (Foto). Das Highlight folgt beim anschliessenden Penaltyschiessen zwischen dem SC Lyss und den Stars der National-League. Der 114-fache NHL-Spieler zeigt seinen Lieblingsmove gegen den verblüfften Lyss-Goalie Fabian Zaugg.

Wick und Sega-Mega-Drive

Einmal pro Saison laden die ZSC Lions zu einem Retro-Spiel, wo die Lions in einem Trikot – welches durch eine Abstimmung der Fans bestimmt wird – aus vergangenen Zeiten antreten. In der jüngsten Ausgabe treten die Zürcher im Trikot aus den Saisons 1992-94 gegen den HC Genf-Servette an. Das schwarze Trikot von damals war von Adidas und trug die Sponsorenschriftzüge «Inag» und «Lehmann», Hosensponsor von damals war der japanische Softwareentwickler und Spielkonsolenhersteller «SEGA». Die besten Spieler jeder Heimpartie wurden jeweils mit einer SEGA-Mega-Drive Spielkonsole ausgestattet. Die Kinder der 70er und 80er Jahre sind damit bestens vertraut, eishockeytechnisch sind «EA-Hockey» oder «NHLPA Hockey ’93» Kult.

„zwei Minuten später folgt der lupenreine Hattrick und ein weiterer dreifacher Roman“

— Wie einst auf EA-Hockey der Sega-Spielkonsole

Zu jener Zeit, dümpelte Zürichs Retro-Gegner Genf-Servette noch in der Gruppe 3 der 1. Liga, dies ist nicht abwertend gegenüber der Amateurliga gemeint, rum. Auf dem Match-Magazin des Retro-Spiels 2016 ist Roman Wick abgebildet, als ob die Verantwortlichen der Lions oder Stadionspeaker Giovanni «Giovi» Marti dies hätten vorausahnen können. Als Zürichs Topskorer Wick in der 27. Minute das 3:1 erzielt skandiert Marti Wicks Namen gleich dreimal «dä Rrr-oman, dä Rrr-oman, dä Rrr-oman», dies war bei Morris Trachsler (Torschütze zum 1:0) und Ryan Shannon (2:1) nicht der Fall. Marti: «beim dritten Treffer der Lions skandiere ich jeweils dreimal den Vornamen». Beim vierten Treffer der Lions, dem zweiten Wicks, wiederholt Marti spontan den dreifachen Roman und tatsächlich folgt zwei Minuten später der lupenreine Hattrick und ein weiterer dreifacher Roman.

Schnellster Lions-Hattrick

Retro-Wick erzielt drei Tore im 2. Drittel, es ist innert 11 Minuten und 23 Sekunden der schnellste Hattrick oder «HattWick» in der Geschichte der Lions, damit unterbietet Zürichs Topskorer seinen Teamkollegen Morris Trachsler um 20 Sekunden. Einen Hattrick den Mann/Kind selbst im alten SEGA-EA-Hockey mit der Schweiz gegen Spanien kaum hätte unterbieten können. Das Retro-Jersey 2016, Replika durch Ochsner, beschert also nicht nur Retro-Wick, sondern auch den Zürchern einen überlegenen Sonntag-Nachmittag. Der klare 5:1-Sieg über Servette ist der sechste Sieg im sechsten Retro-Spiel und damit rücken die Lions an die Tabellenspitze. Und Wick? In der 93er Ausgabe hätte er als «Best Player» einen SEGA-Mega-Drive erhalten, heute ist es ein Gutschein des Zürcher Reisebüros Cruisetour AG.

Die Lions Retro-Spiele

16.10.2016Trikot 1992-94Genf-Servette 5:1
25.10.2015Trikot 1948-49SCL Tigers 6:3
12.10.2014Trikot 1948-49Davos 4:1
27. 10.2013Trikot 1988-89Bern 6:0
14.10.2012Trikot 1982-83Biel 4:1
6.11.2010Trikot 30er JahreLugano 6:2

16. Oktober 2016 – Hier gehts zum SRF-Beitrag

ZSC Lions – Genf-Servette 5:1 (1:0, 4:1, 0:0)
Hallenstadion. – 9’143 Zuschauer. – SR Eichmann /Vinnerborg, Küng /Wüst. – Tore: 17. Trachsler (Geering, Schäppi) 1:0. 24. Jacquemet (Simek, Ehrhardt) 1:1. 27. Shannon (Chris Baltisberger, Blindenbacher /Ausschlüsse Traber, Rubin) 2:1 28. (27:34) Wick (Sjögren, Bärtschi /Ausschluss Rubin) 3:1. 37. (36:43) Wick 4:1. 39. (38:57) Wick (Rundblad, Nilsson) 5:1. – Strafen: ZSC Lions 8-mal 2 Minuten, Genf-Servette 7-mal 2 plus 10 Minuten (Slater). – Bemerkungen: ZSC Lions ohne Hächler, Karrer, Künzle, Pestoni, Siegenthaler. Genf-Servette ohne Wick, Massimino, Antonietti, Vukovic, Détraz, Almond und Rod (alle verletzt).
ZSC Lions: Flüeler; Geering (2), Blindenbacher; Phil Baltisberger, Rundblad (2); Marti, Seger; Guerra; Thoresen, Shannon, Chris Baltisberger (2); Wick (2), Sjögren (4), Nilsson; Herzog, Cunti (2), Suter (2); Kenins, Trachsler, Schäppi; Bärtschi.
Genf-Servette: Mayer (2, 41. Bays); Ehrhardt (2), Loeffel; Fransson, Jacquemet; Kast, Mercier; Petschenig, Chuard; Riat, Romy, Schweri; Douay (2), Slater (12), Traber (2); Spaling (2), Rubin (2), Simek; Impose, Heinimann, Leonelli.

Weltrekord ohne Goalie?

Das Hinspiel gewannen die Berner in Salzburg mit 4:1, die Gäste brauchen also einen Sieg mit drei Toren Differenz. Nach 25 Minuten liegen die Österreicher aber wieder mit zwei Toren im Hintertreffen. Jetzt hilft nur noch «äänen Red Bull», der den Ösis Flügel verleiht. Der Energiedrink scheint zu wirken, denn innert neun Minuten gleichen die Mozartstädter zum 3:3 aus. Den Bullen fehlen aber immer noch zwei Tore um überhaupt in die Overtime zu kommen.

Der richtige Kraftakt des österreichischen Meisters kommt erst in der Schlussphase. Torhüter Luka Gracnar wird bereits fünf Minuten vor Schluss durch einen sechsten Feldspieler ersetzt, ob das gut kommt? Trotz aller Energie, welche eine Red Bull Dose freisetzen kann, scheint ein weiterkommen der Mannschaft von Greg Poss ein Ding der Unmöglichkeit.


Luka Gracnar

„Während vier Minuten und 51 Sekunden einen leeren Kasten.“

— ein Weltrekord?

Zu einem weiteren Treffer kommen die Salzburger nicht. Beeindruckend ist aber die Tatsache, dass die Red Bulls während 4 Minuten und 51 Sekunden keinen Gegentreffer in den leeren Kasten hinnehmen müssen. Die Berner kommen in dieser Phase zu keinem Abschluss. Nur kurzzeitig kehrt Gracnar, beim Bully in der eigenen Zone, für fünf Sekunden in seinen Kasten zurück.

Trotz dem Aus in den Sechzehntelfinals, scheinen die Männer in den silber-blauen Helmen in Bern einen Weltrekord aufgestellt zu haben. Red Bull verleiht bekanntlich Flügel, oder zumindest einen Eintrag ins Guiness Buch.

Die Red-Bull-Dosen in Form eines Helms verleihen erst am Schluss Flügel. (Krein)

Vom «Röselichöhli» zum Fleisch

Unter Heinz Ehlers spielt der HC Lausanne drei Jahre lang unattraktives, aber sehr erfolgreiches Defensiv-Eishockey. Unter Ehlers erreichen die Waadtländer sogar zweimal die Playoffs und sichern sich im vergangenen Jahr souverän den Ligaerhalt. Mit Daniel Ratushny steht neu ein offensiv-ausgerichteter Trainer an der Bande der Löwen und der defensive Froschkönig verwandelt sich in einen offensiven Kronprinzen.

Oder wie es ein Seeländer Polizei-Spotter, ein ziviler Stadionüberwacher im Eisstadion, passend formuliert: «Es ist wie mit dem Röselichöhli», gibts du deinen Kindern drei Jahre Rosenkohl ist das gut, weil sie nichts anderes kennen. Unter dem neuen Familienoberhaupt Ratushny gibts jetzt erstmals Pommes-Frites serviert und die Mannschaft läuft neuerdings auch offensiv auf Hochtouren.

Erfolgreichster Saisonstart

Auch Lausannes Presseverantwortlicher Omar Guess ist von Ratushnys Arbeit begeistert: «Man bemerkt es im Training, die Stimmung ist super, alle haben Freude am Offensiv-Stil des neuen Trainers». Es war auch unter Ehlers gut, fügt der Pressechef dazu. Aber eben, nur gut wie «Röselichöhli». Nach drei Jahren Magerkost geht Lausanne endlich zu frittierter Offensiv-Kreativität über. Unter Ratushny starten die Waadtländer so erfolgreich wie noch nie in ihrer 22-jährigen NLA-Geschichte und holen sieben Siege in den ersten acht Spielen.

Nach drei Jahren Magerkost geht Lausanne endlich zu frittierter Offensiv-Kreativität über

Der österreichische Meistertrainer führte zuletzt den EC Red Bull Salzburg durch Offensiv-Spektakel 2015 und 2016 zu zwei Meistertiteln. Ratushnys Aufgabe in Lausanne ist so schwer wie einen Veganer zum Vegatarier umzufunktionieren. Statistisch ausgedrückt: Vermittle dem schwächsten Offensivteam der NLA der letzten zwei Jahre den Spielstil des stärksten Offensiv-Teams Österreichs der letzten zwei Jahre.

Vorsicht Fleisch

Die Salzburger erzielten in den vergangenen zwei Spielzeiten unter Ratushny in 54 Spielen 200 (3.7 Tore/Spiel) und 208 Tore (3.85 Tore/Spiel), Lausanne unter Ehlers in 50 Spielen 105 (2.1 Tore/Spiel), respektive 123 (2.5 Tore/Spiel) Treffer. Gespielt ist erst ein Fünftel der Qualifikation, dennoch haben die Lausanner bereits einen Drittel der Punkte der vergangenen Saison auf ihrem Konto. Aber Vorsicht, riecht der ehemalige Veganer erstmals das «Fleisch», genügen in der Waadtländer Kantonshauptstadt auch die vegetarischen Pommes-Frites nicht mehr.

Foto: Hervé Chavaillaz