Was steckt hinter dem Indianerkopf im Logo von Pilsen? (Krein)
Pilsen gehört schon während der Tschechoslowakei zu den interessanten Klubs des Landes und ist vor allem als HC Skoda Pilsen (Plzen) bekannt. Wie es der Name bereits verrät, trägt „Skoda“ das Logo der damals in Westeuropa noch unbekannten Automarke an. Für die Eishockeyfamilie ebenso wichtig ist die Brauerei „Pilsner Urquell“, welche noch vor Spielbeginn die erste Anlaufstation ist.
An besagtem Sonntag gastiert in der Home-Monitoring-Aréna der Titelanwärter aus der Hauptstadt. Als HC Skoda Pilsen trägt der Klub bis 1997 das unverwechselbare Skoda-Logo, allerdings handelt es sich hier nicht um den Autokonzern, der liegt in Mlada Boleslav, sondern um die Skoda-Transportbetriebe. Dennoch stellt sich immer wieder die Frage nach dem Indianerkopf auf dem Logo mitten im Westen von Böhmen. Oder gilt Pilsen vielleicht schon als „wilder Westen“ Tschechiens?
Nur einer kennt die Antwort
Eine durch uns (mit Chris Habegger) gestartete Umfrage auf den Sitzplätzen ergibt zunächst keine Antwort, keiner weiss warum hier die „Indianer von Cleveland“ spielen. Etwas was mich an Fans, dies ist in der Schweiz nicht anders, immer wieder verblüfft, sie hinterfragen nichts. Sie sind Anhänger eines Klubs und sind bereits durch die erste Frage über ihren Lieblingsverein aus-gecoacht.
In der zweiten Drittelspause kann uns doch noch einer der „Indianer“ eine Antwort geben. Der Indianerkopf symbolisiert die Zweite US-Infanterie-Division während des zweiten Weltkriegs. Nach der Landung am „Omaha-Beach“, kämpft sich die Zweite US-Division durch Frankreich, Belgien und Deutschland bis in die Tschechoslowakei und trifft am 8. Mai 1945 in Pilsen ein. Pilsen wird durch die Zweite US-Division, welche noch heute den Indianerkopf trägt, von den Nazis befreit.
Der Indianer von Pilsen steht vor dem Spiel auf dem Eis. (Krein)
Amerikaner
Gegen Sparta Prag steigen die Indianer aber ohne ihre beiden Amerikaner Nick Johnson und Ryan Hollweg, welche Verletzungsbedingt fehlen, in den Kampf. Seit die Pilsener als «Indianer» unterwegs sind, spielt jeweils mindestens ein Amerikaner im Team. Ohne Amerikaner reichts in der 22. Qualifikationsrunde aber nicht gegen Sparta und dort trifft mit Curtis Hamilton ausgerechnet ein Amerikaner gegen die Indianer.
Stimmung in Pilsen nach dem Ausgleichstreffer in der 48. Minute durch Jakub Lev. (Krein)
HC Škoda Pilseň – HC Sparta Prag 2:4(0:0, 0:1, 2:3) 36′ Kumstát (Eminger) 0:1, 48′ Lev (Kracík) 1:1, 50′ Čajkovský (J. Hlinka, J. Mikuš) 1:2, 52′ Lev (Jeřábek, Kracík) 2:2, 54′ Netík (Polášek) 2:3, 56′ Hamilton (Cingel) 2:4.
Home-Monitoring-Aréna: 6100 Zuschauer SR: Hradil, Hrubý; Komárek, Ondráček. Str. (P): 6×2 Str. (Sp): 5×2 Pilseň: Machovský; Jeřábek, Chalupa; Holý, Pulpán; Kubka, D. Sklenička; Indrák, Kracík, D. Kubalík; Poletín, Bližňák, Johnson; J. Sýkora, Preisinger, F. Suchý; Schleiss, Lev, M. Beran. Sparta Prag: Lukáš; Čajkovský, Barinka; Eminger, Polášek; Hrbas, J. Mikuš; Netík, Klimek, Buchtele; Sabolič, J. Hlinka, Kumstát; Hamilton, Cingel, A. Kudrna; M. Procházka, Pech, Forman.
Dukla Jihlava, der frühere tschechoslowakische Spitzenklub spielt heute in der zweiten tschechischen Liga. Rund ums Stadion, im beschaulichen Iglau, könnte es sich auch um eine Partie der obersten Spielklasse handeln. Die Fans von Motor, ebenfalls ein Traditionsclub der 1951 seinen einzigen Meistertitel feiern kann, pilgern zahlreich ins betagte Stadion von Dukla an der «Tolstého 1566.» Unser Reiseführer Chris Habegger wird von Tschechien-Legende Bedrich Scerban persönlich abgeholt und in die Büroräumlichkeiten geführt. Habegger wird überall schon von weitem erkannt und herzlich empfangen. Es ist wie wenn Wayne Gretzky in Edmonton eintreffen würde.
Motor Budweis und Dukla Iglau sind in den 80er Jahren regelmässige Gäste in der Schweiz, der Bekanntheitsgrad der Iglauer ist bedeutend höher, dies nicht zuletzt dank dem Dutzend von Meistertiteln, sowie durch zahlreiche Europacup- und Spenglercup Teilnahmen. Die Budweiser, eher bekannt durch die Bierbrauerei als durch meisterliche Eishockey-Künste, spielen zwischen 1936 und 2013, mit nur einer Ausnahme 2004-05, immer im Oberhaus.
Lieber Budweiser als Konkurrenzbier
Durch einen Sponsorenwechsel der Extraliga, werden die Südböhmen durch den «Bierskandal» in die zweite Liga zwangsrelegiert. Durch den neuen Liga-Vertrag mit der Radegast-Brauerei, darf in sämtlichen Stadien nur noch das Bier des Hauptsponsors ausgeschenkt werden. Für die Budvar-Arena und die Stadt Budweis keine Option, so dass der Klub seine Rechte an den Zweitligisten Hradec Kralove abtritt. Lieber Budweiser in der zweiten Liga als Konkurrenzbier im eigenen Stadion.
Der frühere Armeesportclub Dukla muss den sportlichen Gang in die Zweitklassigkeit schon 1999 antreten. Seit dem Fall der Tschechoslowakei fliessen in Jihlava keine Staatsgelder mehr, seither gehts an der böhmisch-mährischen Grenze Jahr für Jahr ums Überleben. Die besten Spieler aus dem eigenen Nachwuchs verlassen den Klub in Richtung Extraliga und die Infrastruktur ist immer noch wie zu Spitzenzeiten der 70er und 80er Jahre.
Geblieben sind aber Tradition, Leidenschaft und Herzblut für den tschechischen Nationalsport. Knapp 5’000 Fans wollen den Spitzenkampf gegen Motor sehen und die «1. Liga», wie sich die zweite tschechische Spielklasse nennt, hat es in sich, mit Slavia Prag und Rityri Kladno (Inhaber ist Jaromir Jagr) spielen zwei weitere ehemalige Meisteradressen im Spitzenquartett der Liga.
Angerichtet für das Spitzenspiel gegen Motor Ceske Budejovice. (Krein)Zweiter von links: Chris Habegger, Gründer des Dukla-Jihlava Fanclub Schweiz. (Krein) Das altehrwürdige Horacky-Zimni-Stadion hat schon 12 Meistertitel erlebt. (Krein)
Zlin ist die zweite Station der Tschechien-Kurztournee, die Stadt ist eine Schuhhochburg, wer kennt sie nicht die Bata-Schuhe, schon Eingangs der Stadt sind mehrere Bata-Gebäude zu sehen. Der Schuhkonzert bestimmt auch die Anfangszeit des Hockeyclubs SK Bata Zlin. Zwischen 1949 und 1990 heisst die Stadt Gottwaldov, benannt nach dem tschechoslowakischen Staatspräsidenten Klemens Gottwald. Noch älter als der Name Gottwaldov ist das Hotel Moskva, in Sichtweite des Eisstadions. Der alte Plattenbau wird 1933 fertig gestellt und gibt dir als Gast ein Hauch des Gefühls der kommunistischen Zeit der Tschechoslowakei. In einem kalten Winter könnte zumindest der Innenraum der Unterkunft durchaus an Stanley Kubricks Shining erinnern.
Überhaupt scheint hier vieles noch so wie zu tschechoslowakischen Zeiten. Die Treppenstufen zum Stadion und natürlich die Eishalle selbst, welche von aussen auch ein Schulhaus oder ein «Bata-Schuhaus» sein könnte. Der Sichtbackstein-Bau aus dem Jahre 1957 erstreckt sich über die ganze Eingangsfront, so wie dies in den 50er und 60er Jahren üblich war. Empfangen werden wir Dank Chris Habegger auf der VIP-Tribüne, abgeholt werden wir von Helena Cachotska, die Frau des Stürmers Tomas Cachotsky. Cachotsky, wie könnte es auch anders sein, stammt aus Jihlava, von dort kennt er unseren Reiseführer.
Der VIP-Raum ähnelt einem grossen Wohnzimmer, mit Teppichbelag ausgestattet und mehreren Stehtischen, blickt man durch die «Wohnzimmerfenster» (siehe Foto unten) ins Stadion. Als VIP-Häppchen werden die traditionellen, tschechischen belegten Brote serviert. Trotz aller Gastfreundschaft und dem angenehmen Klima fühlt man sich irgendwie wie zu «Gottwalds Zeiten», die Zeit scheint hier langsamer zu laufen als in Westeuropa, Gottwaldov ist zwar schon seit 25 Jahren vorbei, dennoch könnte man sich an den Gedanken gewöhnen.
An seiner Gegner gewöhnen kann sich das Heimteam an diesem Abend leider nicht. Das Team aus Karlsbad schiesst im zweiten Drittel innert neuen Minuten vier Tore und die Partie ist für die gelb-blauen gelaufen. Nach dem Spiel entgangen wir einen enttäuschten Cachotsky, welchen wir anschliessend zum Dinner im Restaurant «Restaurace Koliba U Cerneho medveda» in der Nähe des Zimni Stadions zu einem feinen Stück Fleisch begleiten. Am nächsten morgen besuchen wir noch eine Trainingseinheit Cachotskys unter der Leitung von Headcoach Rostislav Vlach, dem ehemaligen tschechischen Internationalen, der in seiner achten Spielzeit an der Bande der Zliner steht.
Krein (Litvinov) und Chris Habegger (Jihlava) vor dem Hotel Moskva in Zlin. (Beat Kurt)Wo ist Klemens Gottwald? (Krein)Sichtbackstein-Kunst im Eingangsbereich des Zimni Stadions in Zlin. (Krein)Das Logo hält 42 Jahre bestand, der «G» für Gottwaldov. (Krein)Seit 1929 bestimmt der Sponsor den Auftritt. (Krein) «Ludka Cajky», benannt nach dem tragischen Hockey-Tod Ludek Cajkas 1990. (Krein)Sieben Nummern werden in Zlin nicht mehr vergeben. (Krein)Die Stehrampe des Ludka Cajky Stadion. (Krein)In dieser Arena spielte Zlin noch als TJ Gottwaldov. (Krein)Zlin wird innert neun Minuten überfahren. (Krein)Blick von der VIP-Tribüne, oberhalb des Backsteinbaus. (Krein)In der Loge von PSG Zlin gibts belegte Brote, sowie Hopfen und Malz. (Helena Cachotska)
Die Reise führt mich via Zürich nach Prag, vorher nehme ich aber den Zug nach Genf, so absurd es auch sein mag, die Flugreise «Genf-Zürich-Prag» ist einiges günstiger als ein Direktflug «Zürich-Prag», daher die umständliche Reise in die tschechische Hauptstadt. Der Zeitplan ist eng, denn Chris Habegger (Dukla Jihlava-Koryphäe und Tschechien-Reiseführer) und Beat Kurt (langjähriger Kenner des Ostens- und des Hockeys) reisen bereits am Vortag per Skoda via Jihlava an.
Am Vaclav-Havel-Flughafen (Vaclava Havla) bleiben mir nur wenige Minuten um in den richtigen Bus (100) zu steigen, um dann in Zlicin die Metro nach Cerny-Most zu nehmen. Direkt bei der Haltestelle Českomoravská steht die O2-Arena des HC Sparta Prag, in diesem eishockeytechnischen Prunkstück befindet sich auch die Hall-of-Fame. Dort treffe ich meine beiden Schweizer Kollegen und die Zeit in einer solchen Ruhmeshalle will voll und ganz genutzt werden. Bereits beim Ticket-Automaten habe ich Probleme, weil ich nur grosse Noten habe, das U-Bahn-Ticket kostet gerade mal 32 Kronen (ca. SFr 1.44), beim Wechseln mit 1000 Kronen schaut die Kiosk-Frau etwas verdutzt, willigt aber ein.
Das U-Bahn Ticket nach Českomoravská für 32 Kc (Tschechische Kronen). (Krein)
Českomoravská, mir gefällt der Name, erreicht – erblickt man die imposante O2-Arena, Heimstätte von Sparta Prag, gut zu sehen der Bordeaux-rote «S», welcher Sparta seit jeher symbolisiert. Das Prunkstück der Arena ist aber nicht zwingend «Sparta», sondern das ganze Herz des tschechischen- und tschechoslowakischen Eishockeys, die Hall-of-Fame.
Die bevorstehenden Stunden werden abwechselnd durch glückselige- und ermüdende Momente geprägt. Nach rund zwei Stunden tritt die emotionale Erschöpfung ein, so gilt es, sich in diesen zwei Stunden aufs wesentliche zu konzentrieren, kein leichtes Unterfangen, bei so viel Hockey Know-How, Kollege Habegger, Gründer des Dukla Jihlava Fanklubs Schweiz und Besitzer von 600 Hockey-Jerseys aus der kommunistischen Zeit, hat einen Teil der Ausstellung selber beigesteuert und Beat Kurt kann dir von jedem slawischen Dorf die deutsche Bezeichnung nennen.
Nach langem stöbern, räuspern und staunen erheizt ein goldener Pokal in Form einer nackten Frau die Gemüter. Was zum Teufel für ein Pokal ist das – diesen hochzustemmen muss wohl ein tolles Gefühl gewesen sein, zeihen wir uns gegenseitig auf. Der Hingucker, entpuppt sich bei genauerem hin-gucken als Trophäe von Genf. Die «Perrot-Duval-Challenge» von Genf? Nie gehört und genau da kommt der Punkt, «ich will alles über die Perrot-Duval-Challenge wissen, was man wissen muss», dazu später mehr.
Zum Abendessen sind wir bei einen tschechischen Hockeyfreund «Christophovi» Habeggers in einer keinen Plattenbau-Wohnung in Prag eingeladen. Wie in Tschechien üblich, werden köstliche belegte Brote serviert. Ein Abend, wie er tschechischer nicht sein könnte, in guter und freundlicher Gesellschaft, mitten im Herz von Prag.
In der tschechischen Ruhmeshalle also, erfahren wir von einem längst in Vergessenhgeit geratenen Turniers auf Schweizer Boden, dank des Perrot-Duval-Challenge-Pokals. Eine nackte Frau in Gold zeirt die wirklich spezeille Trophäe, Spender ist Gaston Perrot, Gründer der Perrot Duval Holding in Genf, einem Unternehmer der Automatisierungstechnologie, welches ursprünglich in der Automobilbranche täti ist. Automobil und Genf = Autosalon – und da sind wir beim besagten Turnier. Während des Autosalons witd in den 60er Jahren parallel dazu ein internationales Turnier ausgetragen. 1964 etwa nehmen neben dem Tschechoslowakischen Nationalteam, das sowjetische Klubteam von Chimik Wosskresensk, die Kanadier der Winnipeg Maroons und eine kanadische Auswahl von in Europa tätigen Kanadiern teil.
Inhaber der Trikots in der Dukla-Vitrine: «Christophovi Habegger»
Die Ilfishalle erstrahlt in den französischen Nationalfarben. (Krein)
Im Vorfeld des Spieles vom 17. November 2017 ist alles ein bisschen anders. Langnau Trainer Benoît Laporte fragt den Bund-Journalist schon zwei Stunden vor dem Spiel ob ich schon da sei. Um sechs Uhr treffe ich beim Ilfisstadion ein und werde sogleich in die Trainerkabine zitiert. Im Vorfeld hatte ich bereits Kontakt mit dem Frankokanadier, Grund dafür war Laportes Trikot (mehr dazu ganz unten) aus der Saison 1991-92.
Nun war es soweit, der angenehme und umgängliche Headcoach der Tigers überreicht mir sein Rouen-Trikot. Ein Trikot welches ich seit Kindertagen immer wieder gezeichnet und illustriert habe, ein Jersey meines absoluten Lieblingsturniers und das „Maillot“, es ist ja aus Frankreich, in dem Laporte am 28. Dezember 1991 zwei Tore erzielt hat und als bester Spieler ausgezeichnet wurde. Für mich ein unbezahlbarer Moment, den Konditionstrainer Nik Hess fotografisch festhält.
Benoît Laporte überreicht mir vor dem 7:0-Sieg gegen Biel sein Rouen-Juwel. (Nik Hess)
Und das alles kurz vor dem wichtigen Derby gegen den EHC Biel. Anders präsentiert sich auch das Kleid der Ilfishalle, ganz im Zeichen Frankreichs erstrahlt die Halle, man könnte meinen wegen Laportes Trikot-Übergabe? Nein, natürlich als solidarisches Zeichen und dem Mitgefühl an die Opfer der Terroranschläge in Paris vom 13. November. Neben Langnau-Coach Laporte steht bei Biel mit Eliot Berthon ein weiterer Franzose auf dem Eis.
Höchster Sieg egalisiert
Doch anders ist es auch für Berthon und die Bieler, denn die stehen eher neben dem Eis und gehen in der frankophonen Halle regelrecht unter. Das 7:0 der Langnauer egalisiert sogar den bisher höchsten Sieg, das 12:5 vom 13. Oktober 1981, gegen die Seeländer. Ob das Rouen-Juwel in meiner Tasche einen Einfluss hatte? Ob die in französisch strahlende Ilfishalle einen Einfluss hatte? Oder war es wieder der Wetteinsatz, er wettet immer gegen seine eigene Mannschaft, von SI-Journalist Stefan Sommer?
Für Sommer eine „Win-Win-Situation“, verliert Langnau bezahle ich, gewinnt Langnau bezahlt Sommer. (Krein)
Mitte November 2015 ist Jokerit Helsinkis General-Manager (GM) Jari Kurri in der Schweizer National-League-A (NLA) unterwegs, begleitet wird der fünffache Stanley-Cup-Sieger von Thomas Roost (Central Scouting Europe) und Janne Vuorinen (Direktor of Player Development, Jokerit Helsinki). Seit 2013 ist Kurri bei Jokerit in der KHL als GM tätig und seine Arbeit scheint Früchte zu tragen, denn der finnische Topclub liegt in seiner zweiten KHL-Saison hinter ZSKA Moskau an zweiter Stelle der «Western Conference.»
Salminen im Fokus
Zurzeit spielen mit Niklas Hagman Jesse Joensuu, Niko Kapanen und Peter Regin vier ehemalige Schweizer-Söldner bei Jokerit. Beim Spiel zwischen dem EHC Biel und dem HC Fribourg-Gottéron wird Gottérons Finne Sakari Salminen als Kandidat für die Kontinental-Hockey-League (KHL) ins Visier genommen. Der 42-fache finnische Internationale hat bereits zwei Jahre in Russland bei Torpedo Nischni Nowgorod (ehemals Gorki) gespielt. Die beiden Vertreter aus Helsinki sehen bei Freiburgs 3:1-Sieg in der Tissot-Arena drei Skorerpunkte (1 Tor und 2 Assists) ihres finnischen Kandidaten.
Die lebende Legende Kurri, seine Rückennummer 17 wird in Edmonton, bei Jokerit und im finnischen Nationalteam nie mehr vergeben, ist der prominenteste Gast seit der Eröffnung der Tissot-Arena. Aber zum Erstaunen vieler, ist dies nicht Kurris erste Begegnung mit Biel. Im September 1990 spielte das Hall-of-Fame-Mitglied im 20 Kilometer entfernten Tramelan ein Vorbereitungsspiel gegen den EHC Biel. «Oh yes, i remember, did you play?», antwortet Kurri mit der gewohnten Höflichkeit einer NHL-Legende. Damals war ich erst 13 Jahre alt, dass Kurri mich als ehemaligen möglichen Gegenspieler bezeichnet, könnte nur noch Kurri’s langjähriger Sturmpartner Wayne Gretzky toppen.
Kurri einst gegen Biel
Ein Bieler kann sich an seinen Einsatz gegen den Ausnahmekönner erinnern. «Ich habe damals gespielt», sagt Biel-Sportchef Martin Steinegger (er verteidigte in diesem Spiel zusammen mit Beat Cattaruzza), der Kurri auf der Medientribüne die Hand schüttelt. Ein Dritter sagt, «ich erinnere mich, die Partie ging mit zu eins, gegen uns aus». Die besagte Partie in der Patinoire-des-Lovières endete mit 5:5 und Kurri hatte nur bei zwei Mailänder-Treffern den Stock im Spiel.
Kurri wechselte im Sommer 1990 als frischgebackener Stanley-Cup-Sieger nach Mailand, dieser Transfer scheint heute selbst in einem Lockout-Jahr undenkbar für ein italienisches Serie-A-Team. Durch die finanziellen Mittel von Klub-Besitzer Silvio Berlusconi kam der Transfer, auch der HC Lugano soll ein Angebot vorgelegt haben, zu den Devils Mailand, dem eishockeyspielenden pendant der Fussballer des AC Mailand zustande. Kurri soll für die Saison bei den roten Teufel rund 350‘000 US-Dollar, ein halbes Schloss als Wohnsitz plus einen Mercedes erhalten haben. Einziges Manko, Kurri musste sich das Schloss mit AC-Milan-Star Ruud Gullit teilen.
Am Sonntag, 25. Oktober 2015, wird Hans Kossmann beim HC Ambrì-Piotta als neuer Trainer präsentiert. Der Kanada-Schweizer unterzeichnet beim Tabellenschlusslicht einen Vertrag bis Ende der Saison 2016-17. Dass Kossmann mal in Ambrì anheuern würde, wusste der frühere Eishockey-Ausrüster «Albert Müller» schon vor 26 Jahren.
Amateur in Dübendorf
Seit 30 Jahren lebt und arbeitet Kossmann in der Schweiz. Durch seine Schweizer Wurzeln (sein Vater ist im zweiten Weltkrieg nach Kanada ausgewandert), lancierte Kossmann seine Schweizer Karriere 1985 beim HC Genf-Servette in der NLB. 1989 wechselte der Stürmer zum Erstligisten EHC Dübendorf, wo der Eishockey-Händler Albert Müller im Schlossacher 21 seinen Hauptsitz hatte.
Fotomodell bei Albert Müller
Die Dübendorfer 1. Liga-Cracks standen in dieser Zeit regelmässig als Teilzeit-Models für den Hockey-Katalog ihres Ausrüsters vor der Kamera, so auch der unbekannte Kossmann. Der 27-Jährige stand für einen CCM-Schulterschutz und diverse Trikots Modell. So ist der neue Ambrì-Trainer von 2015 bereits 1989/90 auf der Seite 92 im Ambrì Fan-Jersey abgebildet. Des weiteren präsentierte er sich im Dress des Kantonsrivalen HC Lugano, der Sowjetunion, den Toronto Maple Leafs, New York Rangers, Boston Bruins und Dynamo Riga. Was nicht ist, kann ja noch werden, zumindest bei Hans Kossmann.
Beim Blick jedenfalls wurde man derart auf diese Blog-Zeilen aufmerksam, dass man sie praktisch 1:1 abgedruckt hat, denn, wer ausser Albert Müller und mir hätte dies wissen können? Auf meine Intervention, wurde mir als Entschädigung ein dreistelliger Betrag überwiesen.
Martin Gerber steht zum zweiten Mal als Gegner vor der Langnauer Stehrampe. (Krein)
Am 23. Oktober 2015 gastiert Martin Gerber mit den Kloten Flyers im Alter von 41 Jahren erstmals als Gegner in Langnau. Sämtliche Medien vermelden den ersten Auftritt Gerbers als Langnau-Gegner. Wer aber tief in den Eishockey-Geschichtsbücher stöbert muss sich eines besseren belehren lassen, denn es ist Gerbers zweiter Auftritt als Ilfis-Gegner. Auch der damalige Keeper Werner Eberle, der vor dem Spiel als Feuerwehrmann im Einsatz vor der Halle steht, bestätigt dies.
Vor 22 Jahren in der 1. Liga
In der Saison 1993 steigt der SC Langnau zum zweiten Mal in die 1. Liga ab, gleichzeitig sucht der damals frisch fusionierte SC Thun (Zusammenschluss des SC Thunerstern und der Nachwuchsabteilung des EHC Thun-Steffisburg) einen Ersatztorhüter für das neu formierte 1. Liga-Team. Im Vorjahr spielt der SC Thunerstern ein Kantonalcup-Spiel gegen den Zweitligisten SC Signau, «der Torhüter der Emmentaler zeigte eine sackstarke Partie», sagt der ehemalige Thun-Spieler und aktuelle Thun-Vizepräsident Alex Reymondin über Martin Gerbers Auftritt mit den Signauern.
„In Langnau habe ich gespielt, beim Rückspiel stand Schwendimann im Tor.“
— Martin Gerber
So bietet man dem 18-jährigen Signauer in Thun eine KV-Praktikumsstelle und einen Backup-Goalie-Posten hinter Stammtorhüter Markus Schwendimann und lotzt den in Langnau als ungenügend empfundene Gerber ins Berner Oberland. Bereits in der vierten Runde der Saison 1993/94 gastieren die Thuner beim haushohen Favoriten und NLB-Absteiger Langnau in der Ilfishalle. Thun Coach Christoph Schenk setzt auf den jungen Martin Gerber (19) im Familienduell gegen Vater Simon Schenk und die Langnauer.
Das NHL-Duell von Morgen in der 1. Liga
Vor 3’394 Zuschauer (1. Liga!) können die Aussenseiter mit Gerber zwei Drittel lang mithalten, erst drei Tore im Schlussdrittel besiegeln die Niederlage der Berner Oberländer. Beim fünften Gegentreffer in der 51. Minute muss sich Gerber sogar von einem 17-jährigen Nachwuchstalent geschlagen geben. Der 17-jährige Reto von Arx und Thun-Keeper Gerber schreiben rund ein Jahrzehnt später Schweizer Eishockey-Geschichte in der National-Hockey-League (NHL).
Bei seinem ersten Besuch als Langnau-Gegner muss sich Gerber gegen die übermächtigen Emmentaler noch geschlagen geben. 22 Jahre und über 900 Spiele später gastiert Gerber wieder in der Ilfishalle und holt als 41-Jähriger doch noch seinen ersten Auswärts-Sieg (5:4) gegen seinen Stammclub. Auf Gerbers Seite steht mit Michael Liniger ein weiterer Langnauer, dessen Stiefbruder Res Liniger die Partie 1993 knapp verpasst hat (siehe Telegramm).
Als ob es gestern gewesen wäre
Besonders Beeindruckend ist die Begegnung nach dem Spiel, vor dem Interview frage ich den 241-fachen NHL-Spieler ob er sich noch an seinen Gastauftritt mit dem EHC Thun-Steffisburg in Langnau erinnern könne? «Ja klar aber es war mit dem SC Thun, der Club hat damals fusioniert» antwortet Gerber. «In Langnau habe ich gespielt, beim Rückspiel stand Schwendimann im Tor», so Gerber weiter. Der Schwedische Meister von 2002, Stanley-Cup-Sieger von 2006 und WM-Silber-Held von 2013, erinnert sich auf eindrückliche Art und Weise an sein 1. Liga-Debüt als ob es gestern gewesen wäre. Langnau-Torschütze Yannick Lennart-Albrecht (21) war zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht auf der Welt.
Beim SC Bern sind aktuell fünf ehemalige Protagonisten der Tampa Bay Lightning engagiert. Die Neuzugänge Cory Conacher, Trevor Smith, Sean Bergenheim und Timo Helbling, sowie der bisherige Headcoach Guy Boucher. Sie alle standen einst in der Organisation der Lightning. Die drei Stürmer Bergenheim, Conacher und Smith spielten zwischen 2010 und 2013 unter Boucher bei Tampa in der National-Hockey-League (NHL). Der Pionier unter dem Quintett ist aber Helbling, er stand bereits 2005-06 beim damaligen Stanley-Cup-Sieger unter Vertrag.
In der NHL realisierte das Berner-Quartett in 156 Spielen 70 Skorerpunkte. In der Schweiz kommen die ehemaligen «Blitze» in den ersten 15 Qualifikations-Runden auf 29 Zähler. Am 20. Oktober 2015 gastiert der Tabellenzehnte HC Ambrì-Piotta in der PostFinance Arena. Nach 40 Minuten führen die Leventiner mit 3:1 und Bouchers Trainerstuhl gerät, gezeichnet durch die jüngsten Berner Auftritte und die nordamerikanische Gerüchteküche, ins Wanken. Doch die Blitze am Berner Eishockeyhimmel scheinen die Notsignale ihres ehemaligen NHL-Coaches noch rechtzeitig zu erhören.
Sechs Skorerpunkte der Lightning-Connection
Im letzten Drittel schlagen die «SCB-Blitze» gleich fünfmal in Ambrìs Gehäuse ein und der SCB gewinnt in einem spektakulären Eishockeyabend mit 6:3. Bouchers Lightning-Connection steuert bei der grossen Tampa-Show sechs Skorerpunkte (Helbling 3, Conacher 2, Smith 1) bei und verschafft ihrem ehemaligen NHL-Trainer Luft nach oben. «Thinking to the gameplan under pressure, thats mental toughness», nennt Boucher als Schlüssel zum siegreichen Abend. Anders als die «Bern Lightning» präsentiert sich das Fanionteam in der NHL. Tampa Bay verliert am selben Abend gegen Roman Josi und die Nashville Predators mit 4:5 nach Penaltyschiessen, ob Jon Coopers Gameplan nicht konsequent umgesetzt wurde?
Am 5. Januar 2013 siegte der EHC Biel in einem Qualifikationsspiel gegen die SCL Tigers mit 5:4. Dabei setzte Biel-Trainer Kevin Schläpfer den erst 16-jährigen Junior Nikolaj Ehlers ein. Der Sohn von Heinz Ehlers durfte in seinem zweiten NLA-Spiel in der ersten Linie mit Eric Beaudoin und Emanuel Peter spielen. Nach lediglich 25 Sekunden erwischte der Däne Langnau-Hüter Thomas Bäumle zwischen den Schonern und brachte Biel mit 1:0 in Führung und Ehlers-Junior skorte bereits in seinem zweiten NLA-Spiel.
Auch in Winnipeg zwei Spiele
Auch in der National-Hockey-League (NHL) benötigte Ehlers-Junior nur zwei Spiele für seinen ersten Skorerpunkt. In seiner zweiten Partie für die Winnipeg Jets gab der NHL-Draft von 2014 am 9. Oktober 2015, beim 3:1-Sieg gegen die New Jersey Devils, in der 22. Minute die Vorlage zum 1:0 von Mark Scheifele. Ehlers beendete die Partie mit einer Plus 2 Bilanz und stand 14 Minuten und 14 Sekunden auf dem Eis. Mit seinem ersten Skorerpunkt im zweiten NHL-Spiel ist Ehlers der elfte dänische Punktesammler (siehe unten) in der besten Liga der Welt.
Auch bei den Junioren zwei Partien
In der Quebec-Major-Junior-Hockey-League (QMJHL) brauchte Ehlers ebenfalls zwei Spiele für den ersten Skorerpunkt. Am 13. September 2013 gab der Rechte Flügel der Halifax Mooseheads in der 17. Minute das Zuspiel auf Danny Moynihan’s 1:0 gegen die Charlottetown Islanders, die Partie ging allerdings 2:5 verloren.
Ehlers zweites Spiel
Datum
Liga
(Min)Punkt
5. Januar 2013
NLA
(1.) Tor zum 1:0
13. September 2013
QMJHL
(18.) Assist zum 1:0
9. Oktober 2015
NHL
(22.) Assist zum 1:0
5 Skorerpunkte in 18 Spielen für den EHC Biel: Der 16-jährige Nikolaj Ehlers 2012-13. (EHC Biel)
Die dänischen NHL-Skorer (Stand 10. Oktober 2015)
Spieler
Clubs
Punkte
Frans Nielsen
NYI
297
Jannik Hansen
VAN
185
Mikkel Bodker
ARZ
174
Lars Eller
STL, MTL
130
Peter Regin
OTW, NYI, CHI
67
Philip Larsen
DAL, EDM
31
Nicklas Jensen
VAN
6
Frederik Andersen
ANH
4
Oliver Lauridsen
PHI
3
Nikolaj Ehlers
WPG
1
Artikel im Bulletin 2015/16 des Bieler Fan’s Club Seeschwalbe
Der SC Lyss und der HC Fribourg-Gottéron, war da nicht mal was? In der Saison 1979-80 spielten die aktuellen Cup-Gegner in der Nationalliga-B-Westgruppe (damals war die NLB in zwei Gruppen unterteilt) viermal gegeneinander und viermal gingen die Freiburger als klare Sieger (9:3, 9:2, 13:1 und 8:4) vom Eis. Für die Seeländer spielten die Üechtländer ein Eishockey vom andern Stern, als logische Folge schaffte Gottéron in dieser Saison den Aufstieg in die Nationalliga A und der SC Lyss musste den Gang in die 1. Liga antreten. Lyss kehrte zwischen 1989 und 1993 nochmals vier Jahre in die NLB zurück, Fribourg spielt seither in der NLA.
David gegen Goliath
35 Jahre später treffen die ehemaligen NLB-Gegner im Rahmen des Swiss-Ice-Hockey-Cup wieder aufeinander und wie in der Saison 1979-80 sind die Rollen immer noch klar verteilt. Lyss empfängt als Zweitplatzierter der 1. Liga, Gruppe 2 den Leader der NLA. Zumindest eine Gemeinsamkeit haben die beiden Cup-Gegner, beide sind in der aktuellen Meisterschaft noch ungeschlagen. Der Underdog gibt sich kämpferisch: «Wir sind bereit für Fribourg», sagt Lyss-Stürmer Nicola Pfeiffer vor dem Duell «David gegen Goliath». Apropos «David», in Anlehnung an den langjährigen Lyss-Trainer Hans-David Steiger (1993-2006) sollte man das Duell eigentlich «Hans-David gegen Goliath» nennen.
Beim Underdog stehen mit Torhüter Fabian Zaugg, den Verteidigern Dominique Robert und Manuel Schaad immerhin drei ehemalige Elite-Junioren Schweizermeister im Team von Trainer Patrick Glanzmann. Neben den drei Lyssern gehörte Nashville Predators-Verteidiger Roman Josi 2009 ebenso zum Meisterkader wie Etienne Froidevaux (Lausanne), Joël Vermin, Tristan Scherwey, Pascal und Alain Berger und Kevin Fey (Biel). Zudem hat Torhüter Zaugg im August das Trainingslager mit dem EHC Biel bestritten. Neben Zaugg (2008-09 Backup von Marco Bührer), können aber nur Schaad (zehn Spiele für den SC Bern) und Florin Gerber (24 Spiele für den EHC Biel) auf NLA-Schnuppereinsätze zurückblicken. Allerdings fallen Schaad (Innenband) und Zaugg (Schulter) kurzfristig verletzungsbedingt aus. Der prominente Gegner aus der NLA kann auf die Erfahrung von 783 NHL-Partien, 73 WM-Spiele und zehn Olympia-Einsätze zählen und muss lediglich auf seinen Captain Julien Sprunger (gesperrt) verzichten.
Der historische 2. Januar 1991
Doch da war noch was anderes zwischen Lyss und Gottéron? Eine ähnliche Rollenverteilung wie heute gab es am 2. Januar 1991, als der damalige B-Ligist den HC Fribourg-Gottéron im Rahmen eines Neujahrsschlagerspiels vor 1’900 Zuschauern empfangen hat. Fribourg trat in Lyss mit dem ganzen Kader, inklusive den sowjetischen Superstars Wjatscheslaw Bykow und Andrei Chomutow an und setzte sich schon nach sechs Minuten mit einem brutalen vier-Tore-Vorsprung ab. Ein krasser Klassen-unterschied schien für den Gastgeber Böses zu erahnen. Im Mittelabschnitt wendeten die Lysser mit einem sensationellen 5:0 das Blatt und schafften gegen den übermächtigen Gegner eine unerwartete Überraschung. Lyss siegte im Freundschaftsspiel gegen Bykow /Chomutow und Co. mit 8:5 und die Halle stand Kopf. Gelingt den tapferen Lyssern nach dem Wunder von 1991 auch das Wunder von 2015?
Der 30. September 2015
Es ist fast wie zu den guten, alten Zeiten in der Nationalliga-B, vor der Seelandhalle steht ein grosses Partyzelt, alle wichtigen Leute rund um den Traditionsklub sind vereint. Auch drei von den vier Schiedsrichtern haben Lyss-Bezug, Stefan Marti spielte einst selbst hier im Nachwuchs, Philipp Clément trainiert regelmässig mit den Senioren des SC Biberen und Thomas Wolf ist auch ein Seeländer. Einziger Torschütze ist ebenfalls ein Lysser, Florin Gerber stammt aus der Gerber-Dynastie, diese ist quasi die Lysser Antwort auf den Celio-Clan bei Ambri-Piotta.
Backup-Goalie Andrin Vock, letztes Jahr noch beim EHC Meinisberg in der 2. Liga, spielt das Spiel seines Lebens und hält den Underdog bis zur Schlussminute im Spiel. Freiburg trifft acht Sekunden vor Schluss durch Sakari Salminen, letztes Jahr in der KHL bei Torpedo Nischni Nowgorod, ins leere Tor zum 3:1. Vock und Salminen verkörpern die Cup-Faszination zwischen Amateuren und Profis perfekt, denn wo sonst spielt ein ehemaliger Meinisberger gegen einen ehemaligen KHL-Spieler? Für Lyss ist es, trotz der ehrenvollen Niederlage ein totaler Erfolg und für das Eishockey ist es beste Unterhaltung.
Die 22 Lysser haben die Freiburger 60 Minuten lang gefordert und werden wie nach einem Sieg gefeiert. (Krein)
Ausgebildet in der amerikanischen College-Liga National-Collegiate-Athletic-Association (NCAA) «N-CEEEE-double-A» kam der Kanadier Cory Conacher noch in seinem letzten College-Jahr zu ersten Einsätzen in der American-Hockey-League (AHL) bei den Rochester Americans (Ex-Klub von Daniel Steiner) und den Milwaukee Admirals (zusammen mit Roman Josi). In seiner ersten richtigen AHL-Saison 2011-12 realisierte der Flügelstürmer für die Norfolk Admirals auf Anhieb 95 Skorerpunkte, stand im All-Rookie-Team, spielte im All-Star-Game, stand im Second All-Star-Team, wurde Rookie des Jahres, AHL MVP und Calder-Cup-Sieger. Diese Traumsaison brachte den Mann aus Ontario in Guy Bouchers Kader der Tampa Bay Lightning. Nach Tampa folgten Kurzengagements bei den Ottawa Senators, Buffalo Sabres und den New York Islanders, wo sich Conacher nicht durchsetzen konnte und zuletzt ins Farmteam der Bridgeport Sound Tigers in die AHL abgeschoben wurde. Innerhalb der AHL wechselte der 25-Jährige in der letzten Saison zu den Utica Comets (ins Team von Sven Bärtschi) in die Organisation der Vancouver Canucks.
Wie Conacher, stammt auch Andrew Ebbett aus der NCAA-Talentschmiede, als zweifacher Central-Collegiate-Hockey-Association-Meister (2003, 2005) mit der University of Michigan Wolverines, stiess der Mittelstürmer zu den Binghamton Senators in die AHL. Während neun Jahren spielte der Mann aus British Columbia für sechs NHL-Organisationen (Anaheim Ducks, Chicago Blackhawks, Minnesota Wild, Phoenix Coyotes, Vancouver Canucks, Pittsburgh Penguins). Nur in den Saisons 2009-10 und 2011-12 wurde Ebbett nie in die AHL geschickt, sonst blieb ihm der Gang in die zweitklassige Liga nicht verwehrt. Neben der sechs NHL-Stationen spielte der Spielmacher auch für die Portland Pirates, Iowa Chops, San Antonio Rampage, Chicago Wolves und zuletzt für die Wilkes-Barre Scranton Penguins.
Trevor Smith stand 2011-12 zusammen mit Conacher im siegreichen Calder-Cup-Team der Norfolk Admirals und stand mit 85 Zählern In der internen Skorerliste gleich hinter seinem neuen SCB-Kollegen. In der siegreichen AHL-Saison absolvierte der Stürmer auch 16 Spiele unter Boucher bei den Lightning. Sein NHL-Debüt gab der ehemalige NCAA-Junior im Team von Mark Streit, 2008 bei den New York Islanders. In den letzten zwei Jahren stand der 30-Jährige in der Organisation der Toronto Maple Leafs, wo er unter anderem auch als Kapitän des AHL-Teams Toronto Marlies auflief. Im Schatten von Conacher und Smith stand damals ein gewisser Tyler Johnson. Der Amerikaner hat im Gegensatz zu den Neo-Bernern heute den Durchbruch in der NHL geschafft. Der Mittelstürmer stand in diesem Frühjahr mit Tampa Bay im Stanley-Cup-Final und wurde mit 23 Punkten, vor dem Ex-Bieler Patrick Kane (Chicago Blackhawks), Playoff Topskorer. Sein Vertrag über 3,3 Millionen US-Dollar pro Saison, läuft bei den Lightning noch bis 2017.
Wer kennt den «IJHC Gunco Pandas Rotterdam?» Vielleicht eine Handvoll Hockeyfanatiker – «SCB-Jüre» Jürg Wymann inklusiv – und der langjährige EHC Chur-Trainer (1985-87, 1992-93, 2010-11, 2013-14) Alex Andjelic kennen den klingenden Namen. Der serbisch-holländische Doppelbürger stand 1991/92 nur eine halbe Saison hinter der niederländischen Bande, ehe er noch im selben Winter Leo Schumacher in Chur (NLA) ersetzen musste. Der prominenteste «Rotterdamer» ist der aktuelle Headcoach der Kloten Flyers, Sean Simpson. Mit den Pandas feierte Simpson 1989 seinen ersten Titelgewinn in Holland und seinen zweiten Meistertitel der Karriere. In 43 Spielen buchte der Kanadier 100 Skorerpunkte für die Mannschaft welche den WWF (World-Wildlife-Fund) Panda auf seinen Trikots trug.
Unter den besten Acht Europas
Mit dem Titelgewinn Rotterdam’s qualifizierten sich die «fliegenden Holländer» zum zweiten Mal für den Europacup, wo sie 1989 bis unter die besten acht Klubteams Europas vorstiessen. Bei der knappen 2:3-Niederlage im Europacup-Halbfinalturnier gegen den SC Bern, brachten die Holländer sogar den Schweizermeister an den Rand einer Niederlage. Dabei sass ihr letztjähriger Topskorer Simpson nur noch als Zuschauer unter den 800 Fans in Bern auf der Tribüne, denn der Kanadier hatte in der Zwischenzeit beim SC Lyss in der Nationalliga B angeheuert und stattete seinen ehemaligen Teamkollegen einen Besuch ab.
IJHC Gunco Pandas Rotterdam
Der IJHC Gunco Pandas Rotterdam in der Sasison 1991-92 mit Headcoach Alex Andjelic (unten, fünfter von links). (IJHC Rotterdam)
Eishalle muss einem Parkhaus weichen
Zwischen 1987 und 1990 holten die Pandas, welche zwischenzeitlich auch als Turbana‘s (gesponsert durch den weltweit bekannten Bananen-Importeur) aufliefen, drei Titel (1987, 1989, 1990) in vier Jahren und gehörten zu den Top-Klubs des Landes. Doch der steile Aufstieg war nur von kurzer Dauer. Nach nur neun Saisons in der obersten Spielklasse «Eredivisie», standen die Hafenstädter ohne Stadion da. Die Weena Ijshal an der Schaatsbahn 41 bis 45, beim Rotterdamer Bahnhof, musste 1996 aus finanziellen Gründen die Tore schliessen und einem Parkhaus weichen. Wo einst Meistertitel und Europacup-Abenteuer geschrieben wurden, parken heute beim Rotterdamer Bahnhof bis zu 230 Autos gleichzeitig.
Ungewisse Rückkehr
Seit Mitte der 90er Jahre ist Rotterdam auf Hollands Eishockeylandkarte verschwunden und der ehemalige Glanz an der Schaatsbahn scheint an der Rheinmetropole für immer erloschen. Seither ist die Stadt Rotterdam um den Bau einer neuen Eishalle bemüht, ein idealer Standort scheint in nächster Zukunft aber noch nicht in Sicht. In eine gute Zukunft steuert dafür der Niederländische Eishockeyverband, zusammen mit Belgien startet im Herbst 2015 die neue BeNe-League. 17 Mannschaften aus Holland und Belgien spielen in zwei Gruppen. Der holländische Meister Tilburg Trappers bestreitet neben der BeNe-League auch noch die deutsche Oberliga-Meisterschaft, während die Rotterdamer immer noch auf ihre Eisbahn warten.
In den 90er Jahren ist das Eisstadion an der Brehmstrasse Hauptschauplatz der europäischen Eishockeybühne. Zwischen 1990 und 1993 ist die «Brehmstrasse» vier Jahre hintereinander Austragungsort für das Europacup-Finalturnier. Dazu kommt der Epson-Cup und natürlich sechsmal in Serie das Meisterschaftsfinale der Bundesliga. Alle diese Anlässe laufen zuerst auf Eurosport, dann auf dem Sportkanal in sämtlichen deutschsprachigen Wohnzimmern.
Am 29. Juli 2015, wird mein Navigationsgerät endlich mit «Düsseldorf, Brehmstrasse», gefüttert. Vom Hotel am Hofgarten kommend, biege ich 25 Jahre zu spät, die Düsseldorfer EG spielt längst im ISS-Dome, im Düsseldorfer Zooviertel in die Brehmstrasse ein. Das Stadion, welches Kultstatus erreicht hat, wird glücklicherweise weiterhin für den Trainingsbetrieb und den Nachwuchs genutzt.
Blick auf das Eisstadion an der Brehmstrasse. (Krein)
Parkplätze direkt vor dem Stadion sind rar, direkt gegenüber parkiere ich neben einem «Hyundai» der DEG, mit dem Nummernschild «D EG 1550» und es kommen bereits nostalgische Gefühle auf. Ich höre «hier kommt die DEG», Sprechchöre aus der Halle und sehe endlich den Treppenaufgang, welchen ich seit dem «Eishockey Jahrbuch 1990» von einem Foto auf der Seite 60 kenne. Die Vorfreude ist riesig und das überqueren der «Brehmstrasse» bereits eine Fahrlässigkeit, weil ich die Umwelt nicht mehr wahrnehme.
Dann trete ich ein, ins Stadion an der Brehmstrasse, alles was ich von Fernsehbildern und Fotos dutzende Male angeschaut habe, ist nun da. Sämtliche Tribünen führe ich mir zu Gemüte und setze mich hie- und da einfach mal hin. Grossartig muss es gewesen sein, damals ein Ding der Unmöglichkeit hierhin zu kommen. Bei mir zuhause hängen immerhin zwei Trikots aus der Epson-Ära, Uli Hiemer und Michael Flemming. Ein anderer dieser Zeit ist der Mann mit dem schwarzen Gitter, Oliver Kasper, seine Bilder sind mir des Gesichtsschutzes wegen in bester Erinnerung. Ich weiss in welchen Büchern und Magazinen er abgebildet ist. Ein Griff und das Bild hätte ich vor mir.
Links vom Stadion ist ein kleiner Schlittschuhverleih, der Laden heisst «Eissport Kasper», ein älterer Herr heisst mich herzlich willkommen und entpuppt sich als Ladenbesitzer Kasper. Es kommt noch besser, der gesprächige Mann ist der Vater des einstigen DEG-Cracks. «Er sollte jeden Moment vorbeikommen und mir am Computer helfen», meint Hans Kasper freundlich. An einer Wand hängt noch ein Foto des Sohnes, aus der «Zamek-Ära» von 1985-86, ein perfektes Sujet für das Erinnerungsfoto. Kasper-Junior schwärmt ebenfalls von der grossen Zeit der DEG, von den Spielen gegen die Edmonton Oilers und St. Louis Blues. Wie cool wäre es, gleich jetzt an eines dieser Spiele gehen zu können? Wie es wohl hier im Shop, eine Stunde vor Spielbeginn ausgesehen hat?
Oliver Kasper (rechts), im Schlittschuhchop «Eissport Kasper» an der Brehmstrasse. (Hans Kasper)
Die Spiele von heute steigen im ISS Dome, wo die DEG seit 2006 beheimatet ist. Nach 20-jähriger Abstinenz, gibts diesen Sommer erstmals wieder europäisches Spitzeneishockey in der Rheinstadt. Die Plakate der Champions-Hockey-League hängen in der Innenstadt rund um die Königsallee. Der EHC Black Wings Linz und das altbekannte TPS Turku, gastiert in den 90er Jahren dreimal an der Brehmstrasse, sind die Gegner der Gruppe G.
Champions-Hockey-League in Düsseldorf 2015. (Krein)
Ein Blick zurück ins legendäre Stadion an der Brehmstrasse. Zu dieser Zeit hat die DEG, hinter dem SC Bern, mit rund 11’000 Fans jeweils den zweithöchsten Zuschauerschnitt Europas.
Saison
Düsseldorf
Bern
1985-86
10’020
8’966
1986-87
10’414
11’666
1987-88
10’215
10’502
1988-89
9’530
11’227
1989-90
10’530
11’742
1990-91
10’460
12’731
1991-92
11’160
12’818
1992-93
11’050
11’975
1993-94
10’939
12’041
1994-95
9’158
12’170
Hier gehts zum sportlichen Höhepunkt der Clubgeschichte. Am 30. Dezember 1991 steht die DEG im Europacup-Endspiel gegen Titelverteidiger Djurgardens IF Stockholm, dies vor ausverkauftem Haus an der Brehmstrasse.
Gerade mal 500 Zuschauer verlieren sich beim U18-Viertelfinal in Luzern. (Krein)
Nach Kloten und Weinfelden 2000, treffen sich die besten Junioren der Stufe U18 zum zweiten Mal in der Schweiz. In der neusten Ausgabe kommen Zug und Luzern im Herzen des Landes zum „Zug.“ In die Herzen der Zuschauer spielen sich nicht nur die überragenden Schweizer, sondern auch die US-Amerikaner mit ihrem Supertalent Auston Matthews. Die ehemalige NLB-Stadt Luzern kommt in den Genuss von 13 Partien, davon absolvieren Matthews und Co. heute die fünfte Partie in der „Eishalle Tribschen“ oder der Swisslife-Arena, wo einst unter Arno del Curto parallel zum 1. Liga Team des SC Luzern der Aufschwung der U20-Nationalmannschaft begonnen hat.
Talente und Legenden
Vermutlich spielen die meisten Akteure der heutigen zwei Viertelfinalpartien zum letzten mal auf Luzerner Eis. Nie mehr wieder wird am Vierwaldstättersee so viel Talent zu sehen sein wie heute. Die Talente stehen ständig unter Beobachtung, so sind auch am Nachmittag vom 23. April viele Scouts und NHL-Verantwortliche unter den 542 Zuschauern. Zwei Reihen hinter mir etwa, sitzt ein 1’700-facher NHL-Spieler, Triple-Gold-Club-Mitglied und aktueller Präsident der Toronto Maple Leafs, Brendan Shanahan. Aufmerksam werden die Aktionen der Nachwuchstalente notiert und registriert und prompt sorgt Matthews mit dem ersten Treffer des Spiels für den ersten Aufseher.
Ebenfalls ins Auge sticht Matthew Tkachuk, der auf zwei Matthews-Tore die Vorlagen gibt. Der Sohn von NHL-Legende Keith Tkachuk dürfte ebenfalls eine grosse Zukunft vor sich haben. Das US-Team entscheidet den ersten Viertelfinal nach vier Toren bereits nach 16 Minuten. Tschechien, welches zwei Tage zuvor immerhin die Schweiz mit 5:0 bezwungen hat, kommt gar nie ins Spiel und dies liegt vor allem an der Klasse des Gegners. Dies dürfte auch der tschechische Staff um Headcoach Jakub Petr anerkennen.
Es war einmal in Sydney
Coach Petr hat eine interessante Hockey-Vergangenheit, ich habe ihn zuletzt 2003 in Sydney gesehen. Er spielte drei Jahre in der Australian-Ice-Hockey-League (AIHL) für die Sydney Bears und ist parallel dazu als Assistent der australischen U18-Nationalmannschaft ins Trainermetier eingestiegen. Heuer steht der ehemalige Verteidiger zum zweiten mal als Headcoach an der Bande einer U18-WM. Mit dabei ist ein weiterer Bekannter oder zumindest Verwandter aus Australien. Gleich zwei Onkel von U18-Spieler Simon Stransky spielten mit Petr in Sydney, Vit und Vladan. Letzterer absolvierte, nach neun Jahren in Sydney, sogar noch zwei WM-Turniere für Australien.
Nicht in Australien, sondern in der kanadischen Western-Hockey-League (WHL), spielt Neffe Simon bei den Prince Albert Raiders. Neben Stransky spielen auch Filip Chlapik, Daniel Krenzelok, Pavel Zacha und Jakub Zboril in den kanadischen Juniorenligen. Die älteren U18-Jahrgänge werden diesen Sommer beim Draft gezogen, Matthews muss sich noch bis 2016 gedulden und Shanahan und Co. haben ihre Draft-Notizen in Luzern ergänzt.
Legende Brendan Shanahan (hinten links) beobachtet in Luzern Auston Matthews und Co. (Krein)
Als Premiere zum ersten Länderspiel im Ausland, gehts für mich – vorbei an Saint-Martin-d’Hères – Cristobal Huets Heimat, in die grösste im Hochgebirge liegende Stadt der Alpen in Grenoble. Im Stadion Pôle-du-Sud frage ich mich durch die Katakomben des ansässigen Klubs Bruleurs du Loups, welchem als Premiere eine Präsidentin vorsteht, wo ich zu meiner Presse-Akkreditierung komme.
Die Schweiz gewinnt das Weltmeisterschafts-Vorbereitungs-Spiel in Genoble gegen Frankreich mit 3:2. Für die Schweiz ist es der 34. Sieg im 47. Länderspiel gegen die Franzosen, nach 1984 (7:2) und 2010 (2:1) stehen sich die beiden Mannschaften nicht als Premiere, sondern zum dritten Mal in der Olympiastadt gegenüber. 1984 spielt die Schweiz noch im Olympiastadion «Stade-de-Glace», welches im Oktober 1967 für die Olympischen Winterspiele von 1968 fertiggestellt wird.
Vom Pôle-du-Sud ins Stade-de-Glace
Noch heute, 47 Jahre später, ist das Stadion eine imposante Erscheinung. Architektonisch wirkt die Hülle des Prunkstücks wie eine Mischung zwischen der Oper von Sydney und dem Eisstadion von Davos (Baujahr 1979). Möglicherweise diente das architektonische Meisterwerk von Robert Demartini und Pierre Junillon als Davoser Vorlage. Das Dach besteht aus zwei sich kreuzenden zylindrischen Gewölben. Die Halle mit 12’000 Sitzplätzen befindet sich im Parc-Paul-Mistral, dem zentral gelegenen Stadtpark von Grenoble und dient heute für Konzerte, Messeveranstaltungen und verschiedene sportliche Anlässe, wie etwa das Sechstagerennen.
Die Olympischen Spiele von Grenoble sorgen 1968 für einige Premieren. Die Franzosen präsentieren mit «Schuss», das erste Olympia-Maskottchen der Geschichte, haben mit 37 Ländern einen neuen Teilnehmerrekord und montieren im Stade-de-Glace erstmals durchsichtige Plexiglas-Banden, wie sie erst beim Winter-Classic-Game zwischen Genf-Servette und Lausanne am 11. Januar 2014 im Stade-de-Genève wieder auftauchen.
Grenobles Olympia-Stadion «Stade de Glace» von 1968. (Krein)
Beim Rundgang um den «Palais-des-Sports», wie die multifunktionale Halle mittlerweile heisst, versucht sich das Unterbewusstsein an die alten Zeiten zurück zu erinnern. Es scheint als sei man plötzlich mittendrin, am 15. Februar 1968, eine Stunde vor Spielbeginn (21 Uhr) beim Knüller zwischen der Tschechoslowakei und der Sowjetunion, dem Höhepunkt des Turniers. Das Publikum strömt aus allen Seitenstrassen in den Parc-Paul-Mistral, Richtung Eingänge O (Oest) und E (Est). Fantrikots sind da noch fehl am Platz, die Leute sind elegant in grau, beige oder schwarz gekleidet und betreten das Eisstadion gesittet, wie beim Gang in die Oper oder einme Jacques-Tati-Film. Vor dem Eingangsportal E, am Boulevard Clemenceau ist eine Bushaltestelle, ein blau-weisser Bus bringt die Zuschauer direkt vors Stadion. Die Stimme des Speakers durchdringt die Stadionwände und verstärkt den Drang, endlich ins Stadion zu gelangen und die beiden Weltklassemannschaften aus dem Osten beim Einspielen zu bestaunen.
Der Höhepunkt des Olympiaturniers
Durch Tore von Frantisek Ševčík, Petr Hejma und Jan Havel führt die CSSR nach dem ersten Drittel mit 3:1. Durch zwei weitere Treffer von Jozef Golonka und Jaroslav Jiřík gewinnt die Mannschaft von Coach Jaroslav Pitner mit 5:4 und die Sensation ist perfekt. Was für ein Spiel, für einen kleinen Moment scheint man gedanklich tatsächlich dabei gewesen zu sein. Vor der letzten Runde führen die Tschechoslowaken die Tabelle an, verpassen aber mit einem 2:2 gegen Schweden, Golonka hatte den 3:2-Siegtreffer auf dem Stock, den Gewinn der Goldmedaille. Der Olympiasieg geht am 17. Februar 1968 durch das abschliessende 5:0 der Sbornaja gegen Kanada an die Sowjetunion.
Helblings Premiere
2015 und vier Kilometer südlich hat sich das Stadion mit dem passenden Namen Pôle-du-Sud geleert, Schweizer und Franzosen geben ihre Interviews. Hauptprotagonist ist Verteidiger Timo Helbling, er trifft in seinem 77. Länderspiel zum ersten- und zweiten Mal und avanciert zum Matchwinner. Grenoble hat eben auch 47 Jahre später noch seine Premieren, gestern waren es Plexiglasbanden und Maskottchen, sind ist es Helbling und die NHL-Söldner. Was der Solothurner zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste, er hat an diesem Abend das WM-Ticket für Prag – und da wären wir wieder bei der Tschechoslowakei und Golonka – tatsächlich gelöst.
Frankreich – Schweiz 2:3 (0:0, 1:0, 1:3) 31. Desrosiers (Janil, S. da Costa) 1:0, 43. Helbling (Grossmann) 1:1, 46. Rüfenacht (Bodenmann, D. Wieser) 1:2, 49. (48:24) Auvitu (S. da Costa, Desrosiers) 2:2, 49. (48:58) Helbling (Romy) 2:3.
Pôle-Sud: SR: Barcelo, Bliek; Dehaen, Furet (Fr) Strafen (Fr): 6×2 Strafen (Sz): 5×2, 1×10 (Suri) Frankreich: Hardy (30. Quémener); Manavian, Auvitu; Hecquefeuille, Besch (2); Trabichet, Dieudé-Fauvel; Janil; Desrosiers, S. da Costa (2), Raux; Bertrand, Meunier (2), S. Treille (2); Guttig, T. da Costa, Fleury (2); Claireaux, Ritz, Y. Treille; Lampérier (2). Schweiz: Genoni (Berra); DuBois (2), Streit; Geering, Blum; Helbling (2), Grossmann (2); Loeffel, Kukan; Brunner, Romy, Hollenstein; Ambühl (2), Almond, Suri (12); Walker, Trachsler, Bieber; Bodenmann, Schäppi, D. Wieser; Rüfenacht.
Timo Helbling bietet als Torschütze eine Premiere. (Mario Gehrer)
Seit 1981 ist das HC Davos-Urgestein Paul Berri im Betreuungsstab des 31-fachen Schweizermeisters. In 34 Jahren hat Berri acht Schweizer-Meistertitel (1984, 1985, 2002, 2005, 2007, 2009, 2011, 2015) mit dem HCD gefeiert. Beim achten- und gleichzeitig 31. Titel des Klubs lässt Berri in den Katakomben des Hallenstadions den gelben Plexiglaspokal fallen und der als «unzerstörbar» geltende «Twin-Skate» zerfällt in seine Einzelteile. Kein aktueller Betreuer hat mehr Pokale und Meistertitel gefeiert als der HCD-Teamleiter. In Berris Laufbahn waren schon vier verschiedene Meister-Pokale im Umlauf, drei davon gingen schon durch Berris Hände. Der aktuellste ging eine halbe Stunde nach der Pokalübergabe in die Brüche, das Video ist ein absolutes Highlight. War der Kult-Betreuer etwa zu fahrlässig?
Pokaltechnisch ein Eishockey-Entwicklungsland
Nein. Die Schweiz ist das einzige Land mit einem Plexiglas-Pokal, sogar die Neuseeländer und Spanier jubeln mit traditionsreichem Edelmetall. Seit 1997 feiert der Schweizermeister jeweils in Glas oder Kunststoff. Der SC Bern gewann 1997 als erstes den hässlichen blauen «Schirmständer». Zehn Jahre hat der Schirmständer, welcher auch schon geklaut, zerscherbelt und umgespritzt wurde, überlebt. Den letzten Schirmtitel feierte der HC Davos 2007, ehe der neue postgelbe «Plexi-Ständer» mit dem sechsten Meistertitel der ZSC Lions 2008 seine Premiere feiern konnte. Der von der Designagentur Hug & Dorfmüller gestaltete «Twin-Skate», wurde bei seiner Vorstellung als unzerstörbar betitelt. So kurz wie 2015 war seine Lebensdauer nach einem Titelgewinn aber noch nie, glücklicherweise war es nur ein Replica, denn das Original kommt jewils nicht bis ins Stadion.
„If you pay peanuts, you get monkeys“
— Sir James Goldsmith (1933 – 1997)
2008 hat sich der ehemals Schweizerische Eishockeyverband (SEHV) marketingtechnisch ein neues Label verpasst. Die Swiss Ice Hockey Federation (SIHF) hat sich der Amerikanisierung des Westens angepasst. Seither wird hier nicht mehr in der traditionellen Nationalliga A und B, sondern in der «National-Hockey-Lea…», natürlich der «National League A and B» gespielt. Anstatt sich pokaltechnisch dem Westen, welcher die Tradition sämtlicher Trophäen ehrenhaft zu pflegen weiss, anzupassen hat die sich die Liga leider nur Namenstechnisch angepasst und damit gleich zwei Identitäten verloren: Den Liga-Namen, gegründet 1937, und den Pokal.
Die verlorene Pokal-Kultur
Der letzte, richtige Pokal (gestifted durch die Uhrenfirma Omega) wurde mit dem sechsten Titelgewinn des HC La Chaux-de-Fonds 1973 aus dem Verkehr gezogen, seither gibts in der Schweiz nur noch «Erdnuss-Pokale». Sir James Goldsmith sagte einmal: «If you pay peanuts, you get monkeys» (Wer nur mit Erdnüssen bezahlt, braucht sich nicht wundern wenn er von Affen bedient wird), nichts passt treffender als die Plastik-Krönung des Schweizermeisters und dessen Umgang mit dem Lohn für den Titel. Der «Twin Skate» hat weder Kult noch Tradition, daher ist auch ein «fallen und liegen lassen» für einen frischgebackenen Schweizermeister nur eine Randnotiz. Ein echter und geschichtsträchtiger Pokal wie etwa der erste Omega-Pokal (bis 1957 in einer siebener-Serie vom EHC Arosa gewonnen) würde auch in der Schweiz in ehrenhafter und «nordamerikanischer Tradition» den Respekt von Trainern, Spielern, Betreuern und Medien ohne auch nur den Hauch von Erdnuss-Kontamination geniessen können.
Für den Schweizermeister 2008 wurde der alte blaue Pokal mit dem Übernamen «Schirmständer» durch den neuen goldenen «Twin-Skate»-Pokal abgelöst. Der «Twin-Skate» ist ein goldener Plexiglaspokal, der einen Eiskristall darstellen soll. Diese Trophäe ist kein Wanderpokal und bleibt im Besitz des Meisters. Der Pokal hat einen Wert von 10’000 Franken, wiegt 12 Kilogramm und ist 60cm gross. Gestaltet wurde der Pokal von der Luzerner Designagentur Hug & Dorfmüller. Nicht nur in der National League kommt dieser Pokal zum Einsatz. Er wird auch den Meisterteams der Swiss-League sowie der Junioren Elite A und B vergeben. Jedoch werden sie dort von Liga zu Liga kleiner.
Fünf Tage nach dem Start zum Schweizer Playoff-Final sind auch unsere östlichen Nachbarn zur Endspielserie gestartet. Die beiden Champions-Hockey-League-Teilnehmer EC Red Bull Salzburg und Vienna Capitals stehen sich in der «Best-of-Seven» Serie gegenüber. Die Wiener haben letzten Herbst auf europäischem Parkett immerhin den Schweizer Meister und aktuellen Finalisten ZSC Lions in der Gruppenphase ausgeschaltet. Salzburg blieb gegen schwache Kloten Flyers ebenfalls zweimal siegreich und scheiterte äusserst ärgerlich in den Playoffs am schwedischen Spitzenteam und späteren Cup-Sieger Lulea HF.
Im Zeichen des roten Bullen
Zum Auftakt der Operettenliga-Finals, wie ein Schweizer Chronist die Ösi-Liga jeweils bezeichnet, steht sich die stärkste Mannschaft aus der Qualifikationsphase (Salzburg) und der Tabellenfünfte (Vienna Capitals) im Salzburger Volksgarten, der Spielstätte des Eishockeyteams von Dietrich Mateschitz gegenüber. Hier steht alles im Zeichen des roten Bullen. Selbst die Bandenwerbung lässt neben der Dosen-Werbung nur drei weitere Sponsoren zu, Stiegl, Suzuki und die Erste Bank, der Rest gehört zum Red Bull-Imperium.
Logisch gibt’s auch im «Red Bullschen» Presseraum einen ganzen Kühlschrank des gesamten Salzburger Produktemixes. Selbstverständlich darf sich der Journalist nach belieben der kühlen Dosengetränke und dem Bullen-Wasser LunAqua bedienen. Zum Hauptgang gibt’s Wiener Schnitzel, etwa ein Wink zum Verzehr des heutigen Gegners aus der Hauptstadt? Übrigens, der letzte Wiener-Sieg (4:2) in Salzburg datiert vom 24. März 2013.
Die Vienna Capitals treten mit zehn Legionären an, davon haben acht Spieler Erfahrung in der NHL gesammelt. Der bekannteste unter ihnen ist aber ein Österreicher: Andreas Nödl, in der vergangenen Saison noch bei den Bullen und im Try-Out beim HC Lausanne, bestritt 195 Spiele für die Philadelphia Flyers und die Carolina Hurricanes. Salzburg spielt mit neun Ausländern (mit Ex-Ambrì Verteidiger Zdenek Kutlak) und zahlreichen österreichischen Internationalen, angeführt von Thomas Raffl (Bruder von Philadelphias Michael Raffl). Raffl ist es, welcher in der 20. Minute das Skore der Final-Serie 2015 eröffnet. Trotz des Verzehrs von mehreren Dutzend Wiener Schnitzel in besagtem Presseraum, steht es nach 40 Minuten erst 2:1 für die Bullen.
Hinkender Zuschauerschnitt
In den letzten 20 Minuten werden die «Wiener-Schnitzel» durch vier weitere Bullen-Treffer vor offiziell 3’200 Zuschauern endgültig mit 6:1 verspeist. Gemäss der Salzburger Nachrichten (SN) sollen aber 3’600 Fans in der Halle gewesen sein. Der offizielle Zuschauerschnitt der Mozartstädter liegt unter 3’000 und damit sind die Bullen nicht einmal unter den Top-100 Europas klassiert. Sogar die Schweizer NLB-Klubs Langnau (5’053) und Olten (3’634) haben den höheren Schnitt. Der Finalgegner aus Wien, die Vienna Capitals liegen mit einem Schnitt von 4’569, knapp hinter dem EHC Biel, immerhin auf Rang 71 des europäischen Klub-Rankings. Die 14’000 Karten für die ersten beiden Playoff-Final-Heimspiele gegen Salzburg waren innert Kürze ausverkauft.
In Sachen Zuschauerzahlen mögen die Österreicher mit den Schweizern derzeit (noch) nicht mitzuhalten, aus sportlicher Sicht hatten die Ösis im letzten Direktvergleich aber die Nase vorn. Vor dem nächsten Direktvergleich stehen in den beiden Nachbarländern aber noch zwei heisse Finalserien an.
Kein Durchkommen für Wiens Andreas Nödl gegen die beiden Salzburger Brett Sterling (links) und Ryan Duncan. (Markus Knoblechner)
Nur drei Nationalliga-A Teams sind noch nie aus der obersten Spielklasse abgestiegen, die Kloten Flyers, der HC Fribourg-Gottéron und die SC Rapperswil-Jona Lakers. Die drei Überlebenskünstler gelten in finanzieller- und sportlicher Hinsicht nicht nur in den Medien als unabsteigbar. Nun haben es die Lakers geschafft und stehen zumindest in der Liga-Qualifikation gegen den Meister der Nationalliga-B.
Selbstverständlich hat dies niemand verdient im Umfeld der freundlichen Organisation am Zürichsee, schon gar nicht der flotte Pressechef René Schmid, der nun wie viele seiner Arbeitskolleginnen und Kollegen um seinen Job bangt, wie er nach dem Spiel gegen Ambrì-Piotta im Presseraum erzählt.
Nach verlorener 3:6-Schlacht am Samstag gegen Ambrì-Piotta sagte Trainer Anders Eldebrink «Wenn ich in den Final komme will niemand mit mir reden, wenn ich verliere wollen alle mit mir reden.» Der Schwede hat nicht unrecht, aber Rapperswils Gang in die Liga-Quali schien für die St. Galler bisher noch unwahrscheinlicher als ein Vorstoss in den Playoff-Final.
„Wenn ich in den Final komme will niemand mit mir reden, wenn ich verliere wollen alle mit mir reden.“
— Anders Eldebrink
Seit dem NLA-Aufstieg 1994 konnten sich die Rapperswiler neun Mal vorzeitig in den Playouts retten, ausgerechnet im 70. Jubiläumsjahr verpassen die St. Galler das zehnjährige Playout-Jubiläum. Entgegen der Meldung auf der Club-Homepage und Artikel inkompetenter Medien stehen die Lakers nicht zum ersten-, sondern zum zweiten Mal in der Klubgeschichte in der Ligaqualifikation. Die Saison 1999-00 muss sämtlichen Medien- und Club-Verantwortlichen entgangen sein. Denn da spielte der damalige SC Rapperswil-Jona in der Liga-Qualifikation gegen den NLB-Meister EHC Chur und konnte sich in der «best-of-seven» Serie in fünf Spielen (5:4, 5:1, 4:5nP, 5:2, 3:1) durchsetzen.
Allerdings gibt es dazu ein «aber». Die oberste Spielklasse wurde nach dieser Saison von 10 auf 12 Mannschaften ausgestockt und die beiden NLB-Finalisten EHC Chur und der HC La Chaux-de-Fonds wurden in die NLA promoviert. So gesehen hätten die Rapperswiler wohl (Wobei 1986 der Zürcher SC als A-Letzter gegenüber dem B-Zweiten SC Bern durch den freiwilligen Rückzug Arosas auch nicht oben bleiben durfte) auch nach einer verlorenen Liga-Quali nicht absteigen können. Enger war es nur einmal, in Rapperswils erster NLA-Saison 1994-95 musste der Playout-Final-Verlierer direkt in die NLB absteigen. Die Rosenstädter konnten sich in sechs Spielen (0:7, 5:4nP, 5:4nP, 2:4, 7:4, 7:3) gegen den EHC Biel durchsetzen.
Alles spricht dagegen
2015 spricht eigentlich alles gegen Rapperswil-Jona. Das Jubiläumsjahr (Rapperswil feiert das 70-jährige Jubiläum, Basel stieg 2008 zum 85-Jährigen in die NLB ab, Biel rettete sich im 75-Jährigen erst in der Liga-Quali), die Reduktion in der Liga-Quali von vier- auf zwei Ausländer (im Powerplay spielten stets vier Söldner), der voraussichtliche verletzungsbedingte Ausfall von Kapitän Stefan Hürlimann (wechselt nach der Saison zum EHC Olten) und der Druck der geplanten Zukunft mit dem SC Herisau. Zudem gibts in der Liga-Quali für den Oberklassigen nichts mehr zu gewinnen, sondern nur noch schlimmeres zu verhindern. Dazu ist Topskorer Nicklas Danielsson für die ersten vier Spiele noch gesperrt.
Langnau wie 1998?
Anders als die Lakers werden die SCL Tigers voller Selbstvertrauen in ihre vierte Liga-Qualifikation starten. Zum ersten Mal treten die Langnauer dabei als Aussenseiter an, was sich als Vorteil erweisen kann. Die SCL Tigers haben nicht nur die Qualifikation mit 23 Punkten Vorsprung auf den Tabellenzweiten dominiert, sondern auch die NLB-Playoffs (je 4:0-Siege gegen Thurgau und Langenthal). Erst im Playoff-Final um den B-Meistertitel erwies sich der EHC Olten als echter Prüfstein, also als perfekter Sparringpartner für das bevorstehende Duell gegen die angeschlagenen Lakers.
Die Geschichte spricht allerdings für die St. Galler, drei Mal (2002, 2010 und 2013) besiegten sie die Emmentaler in einer NLA-Playout-Serie. Die Langnauer schickten die Rapperswiler aber bisher in ihre einzige Liga-Qualifikation in der Saison 1999-00. Dazu kommt eine bittere, offene Rechnung aus dem Playout-Final 2013, welche die Tigers nach zwei Jahren endlich begleichen wollen. Statistisch stehen die Chancen für den Underdog bei immerhin 33%, in den letzten 15 Jahren schafften fünf NLB-Meister (zweimal Lausanne, Genf-Servette, Biel und Basel) den Aufstieg. Langnau schaffte die Promotion bereits drei Mal, 1961, 1987 und zuletzt 1998, allerdings noch nach altem Modus.
Duell der Weltmeister von 1987
Mit den beiden Headcoaches Anders Eldebrink (Lakers) und Bengt-Ake Gustafsson (Tigers) stehen sich zwei Weltmeister von 1987 gegenüber. Auch bei ihrem ersten gemeinsamen Weltmeisterschafts-Turnier 1981 in Göteborg holten die ehemaligen Weltklasse-Spieler einst WM-Silber. Danach kreuzten sich ihre Wege als Spieler noch zwei Mal beim Europa-Cup 1994 und 1995, mit Feldkirch (Gustafsson) und Kloten (Eldebrink) gabs zwei Unentschieden (2:2 und 3:3). Nun steht den früheren Teamkollegen als Trainer das brisanteste Direktduell ihrer ganzen Karriere bevor.
Daniel Steiner wechselt auf die kommende Saison nach Biel. (Andreas Hatos)Daniel Steiner ist der letzte Ambrì-Torschütze 2015. (Andreas Hatos)
Stellen Sie sich vor sie gehen am obenstehenden Bild vorbei und erwidern die historische Zeichnung, was tun Sie? Der uninteressierte 08/15-Fan geht weiter ohne das Foto genauer zu betrachten, der etwas ältere Ambrì-Tifosi oder der Eishockey-Historiker wird sich möglicherweise an die drei Spieler erinnern- und deren Namen aus seinem Langzeit-Gedächtnis ausgraben können. Versuchen Sie es gleich selber, bestenfalls werden Sie zwei Namen nennen, denn nicht einmal die Ambrì-Spieler wissen welche ihrer Vorgänger ihren Mannschafts-Car verzieren.
Der erste NHL-Superstar in Europa
Das Luzerner Carunternehmen Gössi aus Horw fährt den HC Ambrì-Piotta jeweils an die Auswärtsspiele. Das Legendentrio ist auf der Rückseite des Cars und lässt einem in längst vergangene Leventiner Zeiten abschweifen. Alle drei Spieler haben in der Valascia Kultstatus erlangt. Links ist Andy Bathgate, der erste grosse NHL-Superstar, der sich in Europa niedergelassen hat. Bathgate bestritt über 1’000 Partien in der NHL und seine Rückennummer 9 hängt unter der Hallendecke des Madison-Square-Gardens. 1971 kam der Kanadier direkt aus Pittsburgh in die Leventina, mit diesem Transfer schaffte es der Tessiner Dorfclub sogar in die «New York Times». Bathgate blieb drei Jahre im Tessin.
Der erste Number-One-Draftpick
Rechts ist das unverkennbare Porträt von Dale McCourt. McCourt wurde 1977 als Nummer 1 von den Detroit Red Wings gedrafted und war 1984 der erste «NHL-Number-One-Draftpick» in der Schweiz (Nationalliga B). Für die Detroit Red Wings, Buffalo Sabres und Toronto Maple Leafs bestritt der Kanadier über 500 Spiele. Zwischen 1984 und 1992 schoss sich der Mann mit indianischen Wurzeln für die Biancoblu in die Unsterblichkeit, sein Trikot mit der Nummer 15 wird in Ambrì nicht mehr vergeben und hängt unter der Hallendecke der Valascia.
Der Mythos um die unbekannte Ambrì-Legende
Doch wer ist der unbekannte Mann in der Mitte? Seine Darstellung im Mittelpunkt von Bathgate und McCourt lässt darauf schliessen, dass es sich hierbei um die grösste Legende handeln muss. Er trägt das älteste bekannte Ambrì-Trikot und braune Lederhandschuhe. Geschichtlich betrachtet ist es Einer aus der ältesten Epoche des Kultvereins. Ein Foto vom Januar 1939 in Origlio zeigt die Mannschaft des HCAP im selben Trikot. Ist es etwa einer aus dem Celio-Clan? Bixio, Cipriano oder Numa? Auch Ambrìs Presseverantwortlicher und sämtliche anwesende Tessiner Journalisten können den Spieler vorerst nicht identifizieren – der Mythos und das Interesse um den Unbekannten steigt. Wer ist der Mann?
Die drei Legenden auf Ambrì-Piotta’s Mannschafts-Car von Gössi verpassen kein Auswärtsspiel. (Krein)
Infiziert durch meine Neugierde wird auch Raffaela Agustoni, freischaffende Journalistin, hellhörig und geht ebenfalls auf die Suche nach der unbekannten Legende. Um die sagenhafte Geschichte noch zu steigern, drohe ich den Leventinern mit Ambrìs Gang in die Ligaqualifikation, falls der Name der Ambrì-Legende bis zum Ende der «best-of-seven» Serie gegen die SC Rapperswil-Jona Lakers nicht bekannt sein wird. Per Whatsapp bleibe ich auch nach dem zweiten Play-Out-Finalspiel zwischen Rapperswil-Jona und Ambrì (3:2) mit Signora Agustoni in Kontakt. Die Tessinerin macht sich während des dritten Spiels in der Valascia auf die Suche, Derek Holmes oder Nani Zamberlani kursieren als mögliche Legenden – trotz des zweiten Ambrì-Sieges (4:3nP), bleibt die Legende aber weiterhin nicht bestätigt.
„Der erste Ausländer und Spielertrainer in der Geschichte des HC Ambrì-Piotta.“
— über Bob Kelly
Spiel vier in Rapperswil, wieder betrachte ich das Legenden-Trio auf Gössis Car und frage den Car-Chauffeur Roberto Zilio. Wie erwartet ist auch ihm der mittlere Spieler unbekannt, doch weiss er, dass es sich um ein Kalenderbild aus der vergangenen Saison handelt. Auf der hcap-Homepage findet Zilio unter «Saldi» den «Serigrafia Vintage» mit dem Bild der gesuchten Legenden. Der letzte Mosaikstein scheint in Griffnähe, denn die Namen der drei sind unter dem Porträt publiziert, die Bildauflösung ist aber zu schlecht um die Buchstaben entziffern zu können.
Nach längerer Betrachtung scheint die Morgenröte der Leventina durch die Buchstaben durchzusickern, Bob Kelly? Es muss Bob Kelly sein. Kelly ging 1953 als erster Ausländer und Spielertrainer in die Geschichte des HC Ambrì-Piotta ein. In fünf Jahren realisierte der Kanadier in 70 Spielen, 126 Tore für die Leventiner. Kelly spielte auch noch für die britischen Spitzenclubs Paisley Pirates, Brighton Tigers und Wembley Lions. Kelly starb 2012 im Alter von 83 Jahren. Und der HC Ambrì-Piotta 2015? Wie von Geisterhand zauberten sich die Tessiner im vierten Play-Out-Spiel durch die Rapperswiler Abwehr, nach 15 Minuten lagen die Leventiner durch Tore von Keith Aucoin, Inti Pestoni und Christian Stucki bereits mit 3:0 in Führung. Meine Drohung scheint sich zu bewahrheiten, die Legende ist bekannt und Ambrì realisierte problemlos den dritten Sieg und liegt damit nur noch einen Schritt vom Ligaerhalt entfernt – vielleicht war es auch der Geist Bob Kellys welcher seine Nachkommen übers Eis fliegen liess…
Tino Celio, damals ETH-Student an der Universität Zürich, hatte im Winter 1953 den Auftrag, den ersten Ausländer der Klubgeschichte am Zürcher Hauptbahnhof abzuholen und über den Gotthard in die Leventina zu bringen. Bob Kelly kam direkt aus Schottland, wo er für die Paisley Pirates in 55 Spielen, 88 Skorerpunkte erzielt-, aber die Playoffs verpasst hat. Für einen Wochenlohn von 400 Franken, schoss Kelly am 29. November 1953, bei der 4:6-Niederlage gegen die Grasshoppers, den ersten NLA-Treffer der Leventiner.
Wenn Playoff-Zeit herrscht, gilt dies Länderübergreifend. Zum Direktvergleich gibts nach dem Viertelfinalknüller zwischen den ZSC Lions und dem EHC Biel, die österreichische Version zwischen dem EC Red Bull Salzburg und dem EC Villacher SV. Durch den Salzburger Medienchef Guido Stapelfeldt kann ich mein Presseticket am Info Point bei der Kasse Nummer zwei beim Salzburger Volksgarten abholen.
Vorher bleibt aber noch Zeit in der „Two Seasons Sportsbar“ direkt im Stadion einzukehren. Da gibts zahlreiche Geschichten von frühzeitig angereisten Villacher Fans zu hören. Die interessanteste Villacher-Story liefert aber der ehemalige Bullen-Stürmer Markus Unterweger, er erzählt die Geschichte von VSV-Trainer Hannu Järvenpää, als er einst die 4. Reihe im Derby gegen den Klagenfurter AC nur sporadisch einsetzen wollte, diese aber ein Tor geschossen habe, so auch bei ihrem nächsten Einsatz – dies zwang Järvenpää die vierte Reihe durchspielen zu lassen.
Auch heute treten die Gäste aus Villach mit vier Reihen an, wie auf dem Matchblatt zu entnehmen ist und wie es sich für Salzburg gehört, steht den Pressevertretern ein Kühlschrank mit Red Bull Dosen zur Verfügung. Selbstverständlich steht eine Dose bei meinem Presseplatz. Als Fotograf mit dabei, ist auch mein Studienkollege Markus Knoblechner, er liefert die Fotos während der Partie für den internen Gebrauch der roten Bullen.
Die Red Bull-Dose (rechts vom Notebook) gehört zum Presse-Standard. (Krein)
Pressetechnisch und spielerisch könnte dieses dritte Spiel der Serie auch in der Schweiz stattfinden. Für mich wirkt natürlich alles einen Tick spezieller in der weiten östlichen Ferne. Beim Eingang gibts das Club-Magazin «Bully», ein Hochglanz-Heft, welches zwei-monatlich und «gratis» erscheint. Dazu gibt einen Medien-Guide, welchem in der Schweiz nur der Guide des HC Ambri-Piotta paroli bieten kann.
Nationalverteidiger Dominique Heinrich präsentiert das neuste «Bully.» (Krein)
Und was bieten die Bullen auf dem Eis? Kyle Beach bringt die Hausherren schon in der 2. Minute in Führung. 13 Sekunden vor der ersten Pause doppelt Aggressiv-Leader Thomas «Pomsche» Raffl nach. Salzburg übersteht auch sämtliche Phasen in nummerischer Unterlegenheit und der Slowene Luka Gracnar feiert einen Shutout. Die Red Bulls halten was Red Bull verspricht und Playoff in Österreich ist auch für einen Schweizer ein Genuss.
Zeremonie vor Spielbeginn. (Krein)Einblick durch das (Red) Bull-Auge. (Krein)