Der verpasste Meistertitel

Wenn Rumänien gegen Litauen an der B-Weltmeisterschaft vier Minuten vor Schluss noch 3:5 zurück liegt und die Partie innert zwei Minuten in einen 6:5 Sieg verwandelt, nehmen dies gerade mal 140 Nasen in der Halle von Krynica zur Kenntnis. Der Spielausgang hat im Nachhinein für beide Teams keine Auswirkung über den Klassenerhalt. Im Oktober 2011, führt AIK Solna Stockholm nach zwei Dritteln gegen HV71 Jönköping souverän mit 6:2, in der 42. Minute fällt durch Oscar Ahlström sogar noch das das 7:2. Es geht nur noch darum wie hoch der Sieg bis zur 60. Minute ausfallen würde. Doch alles kommt anders. In der 48. Minute erzielt Jönköping innerhalb von sieben Sekunden zwei Treffer – und für AIK kommts noch schlimmer. Innerhalb von 133 Sekunden gelingt Jönköping zwischen der 51. und 53. Minute der 7:7-Ausgleich! Logischerweise gelingt den Gästen aus Jönköping im Shootout durch Jukka Voutilainen der Siegestreffer zum 8:7-Endstand.

Alles ist angerichtet: Mannheim kann zuhause den siebten Titel holen. (Krein)

DEL-Final

Wer glaubt, solche «Eishockey Wunder» gibts nur in bedeutungslosen Qualifikationsspielen, wird im DEL-Final 2012 eines Besseren belehrt! In der Best-of-five-Serie führen die Adler Mannheim mit 2:1 in der Serie und können im vierten Spiel Zuhause in der proppenvollen SAP-Arena alles klar machen. In der ersten Minute erzielt Christoph Ullmann auch schon den Führungstreffer – die Halle steht bereits Kopf – und die Eisbären Berlin stehen mit dem Rücken zur Wand. Nach einem offenen Schlagabtausch führen die Adler 14 Minuten vor Schluss mit 5:2, Berlin scheint am Boden. Mannheim greift bereits nach dem Pokal und keiner der 13’600 Fans – selbst der optimistischste «Dynamo-Anhänger» im Stadion würde jetzt noch eine Reichsmark (die alte DDR-Währung) auf die Eisbären wetten.

14 Minuten vor Schluss führen die Adler mit 5:2…

die Titelgesänge sind schon im Gang

Nur zehn Sekunden nach dem 5:2, fällt der 3:5-Anschlusstreffer der Berliner durch Jimmy Sharrow. Ab diesem Zeitpunkt stehen die Mannheimer neben den Schlittschuhen und kommen kaum noch über die rote Linie. Innert sechs Minuten läuft der «Dynamo» bis zum 5:5-Ausgleich auf Hochtouren. Wie kann man einen Dreitore Vorsprung in einem Endspiel verspielen? Adler-Trainer Harold Kreis – hat immerhin in der Schweiz schon zwei Titel geholt – kann Mannheims Untergang in den letzten 14 Minuten nicht stoppen und geht mit seiner Mannschaft ehrenhaft unter. Selbst Kevin Schläpfer hätte diesen Vorsprung mit dem EHC Biel verwalten können, lässt mich der Biel-Trainer auf seiner Heimfahrt aus Straubing per Telefon wissen.

Die Eisbären gewinnen in der Verlängerung (64. T.J. Mulock) und holen als Zugabe im fünften Finalspiel Zuhause den sechsten DEL-Titel seit dem Fall der Berliner Mauer. Um es in «Schwyzerdütsch» auszudrücken, die Eisbären Berlin sind die ZSC Lions Deutschlands und die Adler müssen sich als «SCB Deutschlands» trösten lassen.

22. April 2012 (16 Uhr 30) – Spiel 4

Adler Mannheim – Eisbären Berlin 5:6nV (2:1, 1:1, 2:3, 0:1)
SAP-Arena. – 13’600 Zuschauer. – SR Brüggemann /Piechaczek, Schrade /Gemeinhardt. – Tore: 1. (0:42) Ullmann 1:0. 6. Sharrow (Regehr) 1:1. 12. Mitchell (Lee, Ullmann) 2:1. 32. Ullmann (Lehoux, Mitchell /Ausschlüsse Lee, Sim, Hördler) 3:1. 39. Christensen (Talbot, Angell) 3:2. 44. Magowan (Mitchell, Reul) 4:2. 46. MacDonald (Glumac, Sifers) 5:2. 47. Sharrow 5:3. 48. Tallackson (Olver, Busch /Ausschluss Sifers) 5:4. 54. Tyson Mulock (Laurin Braun, Hördler) 5:5. 64. (63:26) T.J. Mulock 5:6. – Strafen: Mannheim 4-mal 2 Minuten, Berlin 3-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: Mannheim ohne Kettemer und Dimitrakos (beide überzählig), Berlin ohne Supis, Rankel (beide überzählig), Pederson und Ustorf (beide verletzt). – Lattenschuss Magowan (25.). Time-out Mannheim (53:03). Torschüsse 24:55 (8:17, 8:18, 7:15, 1:5). Ullmann (Mannheim), Sharrow und Christensen (beide Berlin) als beste Spieler ausgezeichnet.
Adler Mannheim: Brathwaite; Wagner, Lee (2); Sifers (2), Belle (2); Reul, Goc; Magowan, Ullmann, Mitchell; Kink, MacDonald, Glumac; Mauer, Lehoux, Arendt; Seidenberg (2), El-Sayed, Plachta.
Eisbären Berlin: Zepp; Regehr, Hördler (4); Sharrow, Baxmann; Angell, Constantin Braun; Christensen, Talbot, T.J. Mulock; Busch, Olver, Tallackson; Sim (2), Felski, Tyson Mulock; Laurin Braun, Weiss, Bielke.

Kreis gegen Laporte

Harold Kreis nach dem Spiel: «Spiel schnell abhaken und uns auf Mittwoch konzentrieren», lautet seine Antwort. (Krein)

Im Frühling 2008 feiert Harold Kreis mit den ZSC Lions den Meistertitel, gleichzeitig muss der für die Playouts engagierte Trainer Benoît Laporte mit dem EHC Basel in die NLB absteigen. Kreis und Laportes Wege kreuzen sich in der einzigen «gemeinsamen» Schweizer Saison nicht. Vier Jahre später kreuzen sich die Routen von Kreis und Laporte im Viertelfinal der Deutschen-Eishockey-Liga (DEL), die Rollen wieder gleich verteilt, geniessen Kreis‘ Mannheimer in der Viertelfinalpaarung als Favoriten das Heimrecht gegen Laportes Hamburger.

Das Trainerduell welches in der Schweiz nie stattgefunden hat, geht dieses Mal aber an Laporte und die Aussenseiter. Die Adler haben die ersten zwei Partien (4:0 und 8:1) in der «Best-of-Seven-Serie» gewonnen und starten im dritten Spiel dementsprechend dominant ins erste Drittel, nach 20 Minuten lautet die Schussstatistik 22:3, welche auch auf dem Videowürfel angezeigt wird.

In der Pause dient die Fankneipe «Friedrichspark», ernannt nach dem altehrwürdigen Stadion der Adler, für eine gemütliche Geselligkeit. Da tauchst du ab in eine andere Welt, das bunte Treiben mit Bier und lautem Pegel lässt einem kurz aus der modernen Arena in den alten Friedrichspark abtauchen, dies nicht nur des Hopfengetränks wegen.

Zu ehren der altehrwürdigen Mannheimer Kultstätte gibts die Fankneipe Friedrichspark. (Krein)

Abtauchen tun ab dem zweiten Drittel nicht die Gäste sondern das Team von Kreis, der einst noch im alten Friedrichspark als Spieler 1997 den Meisterpott gestemmt hat, denn zwei andere «ex-Schweizer» bringen Laportes Aussenseiter in Führung. In der 28. Minute sind Serge Aubin und Brendan Brooks die Hauptverantwortlichen beim Game-Winning-Goal der Freezers. Mit einem Sieg im Gepäck gehts für die Freezers in einer einer fünfstündigen Carfahrt zurück nach Hamburg und knappe drei Stunden dauert die Fahrt zurück in die Schweiz.

25. März 2012

Playoff-Viertelfinal – Spiel 3

Adler Mannheim – Hamburg Freezers 1:2 (1:1, 0:1, 0:0)
SAP-Arena. – 12’289 Zuschauer. – SR Jablukov/Zehetleitner, Kowert/Schelewski. – Tore: 10. Glumac (MacDonald, Sifers) 1:0. 18. Traverse (Collins, Dolak /Ausschluss Goc) 1:1. 28. Aubin (Brooks, Traverse) 1:2. – Strafen: Adler Mannheim 6-mal 2 Minuten, Hamburg Freezers 7-mal 2 plus 10 Minuten (Collins). – Bemerkungen: Torschüsse 44:19 (22:3, 7:11, 15:5), Adler Mannheim ab 59:00 ohne Torhüter. Pfostenschuss Kink.
Adler Mannheim: Brathwaite (Brückmann); Belle, Sifers; Goc, Reul; Wagner, Kettemer; Magowan, Ullmann, Mitchell; Kink, MacDonald, Glumac; Arendt, Lehoux, Mauer; Seidenberg, El-Sayed, Dimitrakos; Plachta.
Hamburg Freezers: Curry (Treutle); Schubert, Köppchen; Traverse, Cook; Nielsen, Köttstorfer; Schmidt; Flaake, Aubin, Oppenheimer; Polaczek, Collins, Engelhardt; Wolf, Festerling, Dolak; Jensen, Brooks.

Jamaica, Taxi und Hiller

«I think Track six, but i’m not sure, i let you know about this» sagt der Zugbegleiter als ich ihn über die Gleisnummer beim umsteigen in Jamaica frage. Jamaica? Gemeint ist nicht der Karibikstaat, sondern ein Vorort von New York. Rolf Pfeiffer und ich haben keine guten Erinnerungen an Jamaica, gingen wir doch vor einem Jahr beinahe «lost in Jamaica». Viele Immigranten aus dem Karibikstaat wohnen dort, erklärt uns Taxifahrer Serge Mars zwei Tage vorher. Die letzte und fünfte Station des fünftägigen NHL-Road-Trips ist zum zweiten Mal Uniondale.

Flyers, Sabres, Devils, Ducks, Islanders, Hurricanes, Rangers, Blue Jackets und Senators heissen die klingenden Namen des diesjährigen Trips. Wells Fargo Center, Prudential Center, Nassau Veterans Memorial Coliseum und nicht zu vergessen «The Worlds Most Famous Arena» der Madison Square Garden heissen die NHL-Schauplätze. Nirgends sonst auf der Welt sind innerhalb von zwei Stunden vier NHL-Teams stationiert und nirgends sonst auf der Welt kann man innert fünf Tagen fünf NHL-Spiele in solch kurzer Distanz bewältigen.


„Jonas Hiller hinterlässt uns sechs Karten für die Familienzone, wo wir uns nach dem Spiel, zusammen mit Luca Sbisa, treffen.“

— eishockeyblog

New York gilt nicht nur als «Hauptstadt» der Welt, sondern auch als NHL-Headquarter, an der 1185 Avenue of the Americas oder besser bekannt als 6th Avenue logiert die NHL seit Jahren. Die NHL Hauptzentrale ist in New York so unsichtbar wie die geheimen Waffenlabore des britischen Geheimdienstes in den James Bond Filmen. Von aussen findet man nicht einmal ein Türschild oder ein Logo. Erst an der Rezeption erntet man beim Fragen nach der «NHL» einen verblüfften Blick und wird freundlich gebeten die Lobby wieder zu verlassen. Dabei ist man im offiziellen NHL-Reebok-Store nebenan schon näher als man denkt, doch kaum ein Kunde würde im Traum erahnen, dass sich das NHL-Hauptquartier im gleichen Gebäude nur wenige Stockwerke höher befindet.

Das unscheinbare NHL-Headquarter an der 1185 Avenue of the Americas. (Krein)

Streets of Philadelphia

Unser NHL-Road-Trip beginnt aber nicht in New York, sondern in Philadelphia – per Amtrak kommt man innert anderthalb Stunden vom Herzen Manhattans in die «Streets of Philadelphia», sogar Bruce Springsteen hat eine «Retired Number» unter der Stadiondecke – nach einer 15-minütigen Taxifahrt erreicht man das Wells Fargo Center der Philadelphia Flyers. Wir sehen wie die Flyers einen 0:2 Rückstand nach dem ersten Drittel noch in einen 7:2-Sieg gegen die Buffalo Sabres verwandeln. Dabei erleben wir das erste NHL-Tor von Erik Gustafsson und den Ausfall von Daniel Brière. Und ja, das Blut wie zu Zeiten der «Broad Street Bullies» fliesst jetzt nach dem Spiel, wenn zwei betrunkene Schweizer durch die Sitzreihen die Stadiontreppe herunterstürzen.

16.02.12 21:36 [Platz 118-20-12]
Philadelphia Flyers –Buffalo Sabres 7:2 (0:2, 4:0, 3:0)
6′ Pominville (Myers, Roy) 0:1,
10′ Vanek (Ennis, Gerbe) 0:2,
21′ Talbot (Coburn, Carle) 1:2,
24′ Simmonds (Giroux, Hartnell) 2:2,
27′ Simmonds (Hartnell, Giroux) 3:2,
34′ Gustafsson (Voracek, Giroux) 4:2,
44′ Talbot (Wellwood, Couturier) 5:2,
45′ Voracek (Hartnell, Giroux) 6:2,
50′ Hartnell (Read, Giroux) 7:2.

Wells Fargo Center: 19725 Zuschauer
SR: Peel, Rehman; Sericolo, Murphy
Str. (P): 7×2′, 1×5′ (Sestito)
Str. (B): 4×2′, 1×5′ (Kassian)
Beste Spieler: Giroux*(P), Talbot**(P), Simmonds***(P)

Meet-and-Greet mit Hiller und Sbisa

Am zweiten Tag steht Newark auf dem Programm. Beim «Will Call» Schalter hinterlässt uns Jonas Hiller sechs Karten für die Familienzone, wo wir uns nach dem Spiel kurz mit Luca Sbisa und Jonas Hiller unterhalten können. Die Ducks um Hiller und Sbisa, gewinnen zwar den Faustkampf von George Parros gegen Eric Boulton, verlieren aber im Penaltyschiessen mit 2:3 gegen die New Jersey Devils.

Warten auf Kartengeber Jonas Hiller, zusammen mit Luca Sbisa in den Katakomben des Prudential Centers in Newark. (Anaheim-Betreuer)

Die nächsten Schweizer sehen wir 24 Stunden später auf Long Island. Zu sechst buchen wir ein Taxi und erleben auf der Hinfahrt eine anderthalbstündige Sightseeing Tour – mit dem besten Taxifahrer Long Islands, wie Serge Mars selber von sich behauptet – durch Queens, Jamaica und Uniondale.

Aussteigen vor dem Marriot’s Hotel in Uniondale: Brom, Bodmer, Zurbuchen (unten), Saxer, Pfeiffer, Krein und hinten Taxifahrer Serge Mars. (Hotelmitarbeiter Marriot’s)

Der Weg ins Nassau Veterans Memorial Coliseum führt immer durchs Marriott’s Hotel. Vor und nach dem Spiel ist die „Champions-Bar“ besser besetzt als das Nassau Veterans Memorial Coliseum während des Spiels. Erstmals sehen wir zwei Schweizer im selben Team, Mark Streit und Nino Niederreiter sind die letzten welche nach dem Warm-Up das Eisfeld verlassen. John Tavares ist der Mann des Spiels, Streit bucht zwei Assists und Niederreiter holt in seiner dezimierten Eiszeit das Optimum heraus, die Islanders gewinnen das «Alpenduell» gegen den Österreicher Andreas Nödl und die Carolina Hurricanes verdient mit 4:3.

The World’s Most Famous Arena

Zurück nach Manhattan und zum Madison Square Garden. Die New York Rangers sind, gemessen an ihrer Zeitachse, das traditionsreichste- aber auch die erfolgloseste Mannschaft New Yorks. Seit der Gründung 1926 holen die Rangers vier Stanley-Cups, die Islanders, holen in 46 Spielzeiten weniger ebenfalls vier mal den Pott. Noch besser sind die New Jersey Devils, denn sie müssen in 76 Jahren nur noch einen Titel holen um das Palmarés der Rangers zu egalisieren. Trotzdem gelten die Rangers als „Kultteam der Original Six“ und der Madison Square Garden ist Weltberühmt. Ruhm und Kult sind grösser als New Yorks Erfolge, umso wichtiger, dass die Rangers aktuell die Rangliste der Eastern Conference anführen.

Gegen den Conference-Letzten aus dem Westen, die Columbus Blue Jackets um Captain Rick Nash, reichts erst zum Overtime–Sieg (3:2). Schlüsselszene ist ein nicht gegebener regulärer Rangers-Treffer im Mitteldrittel. Das Head-Duo Stephane Auger/Don van Massenhoven (pfeifen schon am Vortag in Uniondale) greift zum Telefonhörer nach Toronto – sämtliche Torentscheide werden in Toronto gemanagt, wie uns Luca Sbisa in Newark erzählt – wo sich dieses mal die Verantwortlichen in der Zentrale im 11 Stock an der Bay Street wohl gerade ein Nickerchen gönnen? Denn das Video auf dem Screen zeigt die Puck-Überquerung der Torlinie bei 00:01 Sekunden und führt zu einem kurzzeitigen „raunen“ im Garden.

Hier gehts zum Spiel der New York Rangers

Rick Nash, 2004 in Davos bei mir im Interview, 2012 im Madison-Square-Garden. (Krein)

Howie und die Rookies

Zurück zu meinem Long-Island-Rail-Road-Trip nach Uniondale, nach anderthalb Stunden und einer kurzen Taxifahrt erreiche ich das Marriott’s Hotel in Uniondale. Das Marriott’s ist Dreh- und Angelpunkt des Nassau Veterans Memorial Coliseum, hier logieren nicht nur sämtliche Gästeteams und Gegner der Islanders, sondern auch sämtliche Fans oder die Islanders-Rookies. Mein Gepäck, ich fliege direkt nach dem Spiel, darf ich beim Hotelportier unterstellen. Wer das Marriott’s mit dem Taxi verlässt, kommt kaum an Howie Kats vorbei. Kats ist selbständiger Taxifahrer, gehört aber seit Jahren zum Hotelinventar. Kats ist eine Art fahrendes Islanders-Lexikon oder der Hockey-Journalist unter den Taxifahrern. „Nino is my Buddy“ sagt Kats nachdem ich ihn über meine Herkunft orientiere. Howie begleitet jeden Rookie bei dessen Ankunft und kennt die neuen Spieler zu Beginn besser als Isles-Headcoach Jack Capuano.

Das Marriott’s ist Dreh- und Angelpunkt

Ich selber fahre nach dem letzten Spiel, welches für die Islanders, im dunklen Spezialtrikot, die bitterste Niederlage (0:6) der aktuellen Saison absetzt, zum dritten Mal mit Howie’s Taxi und die Fahrt zum JFK-Airport ist kurzweilig. Wir unterhalten uns über David Ullström, Rick Di Pietro, Evgeny Nabokov, Mark Streit, Nino Niederreiter und über die guten, alten Stanley-Cup-Zeiten (1980 bis 1983) der Isles. Als Schweizer (Mark und Nino sei Dank) kann ich sogar mit Schweizer Franken bezahlen. Unsere NHL-Söldner leisten also nicht nur Pionierarbeit für Sven Bärtschi und Co., sondern auch für „Meier und Müller“, welche zumindest auf Long Island bei Howie Kats nicht mehr mit Andersson und Johansson verwechselt werden.

Gegen die Senators erwärmen nur die «Islanders-Ice-Girls» die Gemüter. (F. Streit)

Beim fünften New-York-Trip reisen wir zu sechst und logieren zum zweiten Mal im Hudson-Hotel.

Lugano statt Shawinigan

Zürich, 14. Februar 2012 – die Partie zwischen den ZSC Lions und dem HC Lugano ist die letzte NLA-Partie vor dem US-Roadtrip nach New York. Lugano schlägt die Zürcher um ex-NHL Coach Bob Hartley mit 4:0. Nach dem Spiel spreche ich kurz mit Luganos Dominik Schlumpf, welcher mir mit etwas Wehmut vom diesjährigen Memorial-Cup seines ex-Klubs Shawinigan Cataractes erzählt. Die Cataractes aus der Quebec-Major-Junior-Hockey-League (QMJHL) sind im Frühling 2012 Gastgeber des Memorial-Cups, der quasi des Stanley-Cups auf der höchsten Juniorenstufe: «Zum Zeitpunkt meiner Vertragsunterzeichnung beim HC Lugano wusste ich noch nicht, dass Shawinigan als Gastgeber ausgewählt würde», so kämpft Schlumpf mit Lugano um die Playoff-Qualifikation, statt um die höchste Trophäe des kanadischen Junioren Eishockeys.


„Zum Zeitpunkt meiner Vertragsunterzeichnung beim HC Lugano wusste ich noch nicht, dass Shawinigan als Gastgeber ausgewählt würde.“

— Dominik Schlumpf, über Shawinigan

Vor dem Spiel treffe ich noch Sean Simpson, welcher «beste Grüsse» nach Lyss ausrichten lässt und mir einen guten New-York-Trip wünscht. Auch mit Daniel Steiner und John Gobbi, welcher zum Interview antreten muss gibts noch einen kurzen Small-Talk. Zurück zu New York  – in diesem Jahr startet der Hockeytrip via Amtrak in Philadelphia gegen die Buffalo Sabres. Die weiteren Stationen sind Newark (New Jersey Devils – Anaheim Ducks), Uniondale (New York Islanders – Carolina Hurricanes), Manhattan (New York Rangers – Columbus Blue Jackets) und auf dem Weg zum John-F-Kennedy-Flughafen kurz vor dem Rückflug nochmals Uniondale (New York Islanders – Ottawa Senators).

14. Februar 2012

ZSC Lions – Lugano 0:4 (0:1, 0:1, 0:2)
Hallenstadion. – 7’359 Zuschauer. – SR Massy /Rochette, Mauron /Tscherrig. – Tore: 14. Romy (Sannitz, Bednar) 0:1. 34. Romy (Bednar, Domenichelli /Ausschluss Schnyder) 0:2. 51. Sannitz (Schlumpf, Romy) 0:3. 52. Steiner (Murray, McLean) 0:4. – Strafen: ZSC Lions 6-mal 2 Minuten, Lugano 7-mal 2 Minuten. –Bemerkungen: PostFinance-Topskorer: Tambellini; Bednar. ZSC Lions ohne McCarthy, Breitbach, Blindenbacher, Camperchioli (alle verletzt) und Kolnik (überzählig). Lugano ohne Niedermayer, Hirschi, Rintanen, Reuille (alle verletzt), Nummelin und Burki (beide krank). – Timeout Lugano (59.).
ZSC Lions: Flüeler (52. Sulander); Murphy (2), Seger; Gobbi (2), Geering; Stoffel, Schnyder (2); Down, Pittis (2), Monnet; Bärtschi, Ambühl, Tambellini; Kenins, Cunti, Schommer; Bastl, Bühler (4), Schäppi.
Lugano: Conz; Ulmer, Vauclair (2); Kienzle (2), Hendry; Nodari, Blatter; Schlumpf; Bednar, Romy, Sannitz; Steiner (2), McLean, Murray (2); Kostner (2), Kamber, Domenichelli; Simion (2), Conne (2), Jörg; Profico.

Südafrika in Arosa

Guido Lindemann ist nicht nur der letzte Schweizer Topskorer der Nationalliga A, sondern auch lange Zeit der einzig bekannte Schweizer in Südafrika. Im Habegger-Verlag-Jahrbuch «Eishockey 92» unter «bisherige Clubs», taucht beim Spielerporträt des Churers Guido Lindemann, plötzlich der Name «Swiss Bears Südafrika» auf. Für einen Eishockey-Belesenen meiner Generation hat das für grosses erstaunen gesorgt, nicht so für die ältere Generation, welche dies in den 70ern mitgekriegt hat.

Faszination Swiss Bears

Die Swiss Bears? Wer hat da wohl alles gespielt, wo haben die gespielt, wieviele Titel haben die geholt? Fragen über Fragen und schliesslich konnte man im Buch «Eishockey» von Vico und Lelio Rigassi einen Bericht über die Südafrikaner mit Spielertrainer Tommy Durling finden, die haben an der C-Weltmeisterschaft 1961 in Genf und Lausanne gespielt.

Das Lindemann-Duell

Am 16. Januar 2004, in Kloten, mittlerweile arbeite ich beim Schweizer Fernsehen (SF) als Sportassistent und bin beauftragt, vor dem Spiel den wahren Guido Lindemann zu seinen beiden Söhnen, welche sich heute erstmals in der NLA gegenüberstehen, zu befragen. Südafrika ist zu diesem Zeitpunkt auch bei mir ziemlich weit weg. Heute interessieren mich Sven und Kim Lindemann. Der ältere, Sven gewinnt mit Kloten vor den Augen des berühmten Vaters, gegen Kim und die Lions mit 3:1.

Erst acht Jahre später gehts zurück nach Südafrika, mit dem Schweizer Sportfernsehen (SSF) gastieren wir für ein Wochenende in Arosa, Spender für das Fernseh-Equipment ist Guido Lindemann. Sofort komme ich wieder mit dem umgänglichen Arosa-Original ins Gespräch und er erinnert sich an das Interview in Kloten. Am Abend gehts zum Schlummertrunk oder in die «Verlängerung» in Lindemann’s Overtime Bar, direkt gegenüber der Post.

Diese Lindemann-Vitrine erzählt zwei Geschichten: Das Foto oben zeigt Lindemann 1990 beim EHC Chur im Trainingslager bei Dynamo Moskau, unten hängt das Jersey vom SC Rheintal, welches Lindemann zwischen 1998 und 2000 trägt. (Krein)

Am nächsten Tag, führt mich die Legende durch sein eigenes Hockey-Museum in der Overtime Bar. Da ist es wieder, das Trikot der «Swiss Bears», jetzt kommen wir doch noch nach Südafrika, Lindemann erzählt von der grossartigen Erfahrung in Johannesburg, welche er zusammen mit seinem Bruder Markus, Bruno Plüss (Olten) und Anton Williner (Visp) teilen konnte. Vor den Lindemanns trugen auch Jakob Kölliker, Bernhard Burri, Emil Handschin, Fredy Pargätzi, Marco Torriani und André Jorns das Trikot der Bären. Logo und Trikot ähneln dem SC Bern, die Bears waren wohl eine Art afrikanische Ausgabe des SCB.

Die «Schweizer Bären», mit ihren hochkarätigen Verstärkungen, holten zwischen 1966 und 1974 sechs Meistertitel. Lindemann spielte erst 1975 und 1976 für je fünf Monate in Johannesburg. Gegner waren Kanadier, Deutsche und Österreicher. Der Bündner holte seine beiden Meistertitel nicht in Südafrika, sondern 1980 und 1982 mit dem EHC Arosa.

Die Meisterära der Swiss-Bears

1966 Swiss Bears Johannesburg
1967 Swiss Bears Johannesburg
1968 Swiss Bears Johannesburg
1969 Swiss Bears Johannesburg
1970 Canadian Hush Poppies Johannesburg
1971 Maple Leafs Johannesburg
1972 Edelweis Johannesburg
1973 Swiss Bears Johannesburg
1974 Swiss Bears Johannesburg

Carlsberg, Heineken und der EHC Rheinfelden

Rheinfelden und Feldschlösschen gehören zusammen wie das Bündner Bergdorf Vals und das Valserwasser. Wenn ich in Vals ein «Rhäzünser» bestelle, würde man mich für verrückt erklären. Der Vergleich mag etwas übertrieben sein, denn die Welt von Hopfen und Malz ist weitaus kulanter und kaum mehr überblickbar. Dass aber ausgerechnet in der Stadionbeiz des EHC Rheinfelden kein Feldschlösschen ausgeschenkt wird, grenzt an ein kleines Wunder. Wie geht das?

Seit Jahren – auch aktuell – trägt der Eishockey Club aus Rheinfelden vom «lokalen» Bierschloss die Werbung auf der Brust. Mitbesitzer der Rheinfelder Stadionbeiz ist ein bekannter Ex-Fussballer des FC Basel und aktueller Trainer eines Innerschweizer Super-League-Klubs. Die logische Folge: Der Trikot-Werbung zum trotz, fliesst beim EHC Rheinfelden jetzt das Innerschweizer Eichhof-Bier statt das lokale Feldschlösschen.

Es spielt keine Rolle

Unter Berücksichtigung der wahren Besitzer – Feldschlösschen gehört seit 2000 zum dänischen Carlsberg-Konzern und Eichhof gehört seit 2008 zur holländischen Heineken-Gruppe, welche unter anderem in den 90er Jahren die Britische Eishockeyliga gesponsert hat – spielt es eigentlich keine Rolle, welche Biermarke nun Rheinfeldens Eishockeyaner versorgt, Heineken oder Carlsberg, Holland oder Dänemark oder eben Feldschlösschen oder Eichhof.

Der Weg führt über Zürich

Wie üblich sitze ich im Zug, im Speisewagen auf der Schnellstrecke zwischen Bern und Zürich. Aus der Ferne erblicke ich den ehemaligen Weltklasse-Schiedsrichter – er hat alles gepfiffen vom Iswestija-Cup bis Olympia – und aktuellen Wein-Baron sowie NLA-Spielplan-Gestalter Willi Vögtlin. Vögtlin scheint noch heute nichts zu entgehen. Selbst im Zugwagen scheint er jede Aktion des Service-Boys genaustens zu beobachten um ihn bei einer irregulären Service-Aktion für zwei Minuten in die Kühlbox, die Zugküche des Wagens, zu schicken.


„Ob nach New York oder Moskau, Ammerzwil oder Kirchberg, der Weg führt über Zürich.“

— Krein über Vögtlin, im Zug

NHL-Friendship-Tour

In Gedanken schwelge ich via Vögtlin in die National-Hockey-League. Vögtlin arbitrierte im September 1989 die legendäre NHL-Friendship-Tour der Calgary Flames und der Washington Capitals durch die damalige Sowjetunion bis nach Prag. Vögtlin flog damals direkt nach dem Spiel zwischen dem SC Langnau und dem HC Fribourg-Gottéron am Lysser Industriecup aus der Provinz nach Prag und pfiff die beiden Partien zwischen der Tschechoslowakei und den Calgary Flames (4:2 und 4:1). Ich hätte meinen Pendlertag am liebsten zusammen mit Vögtlin nach Zürich-Flughafen fortgesetzt, um dann die nächste Maschine nach New York zu nehmen, denn Anekdoten und Geschichten hätte es für die ganze achtstündige Flugzeit gegeben.

Knackpunkt Hallenstadion

Immerhin führt unser Weg gemeinsam Richtung Oerlikon, begleitet durch die Themen NLA-Spielplan-Problematik, Weinverkauf – Vögtlin liefert jeweils höchstpersönlich bis vor die Haustüre nach Ammerzwil, irgendwo im Jaussacher – Spiele in New Jersey und die Tücken des Pendlers. Ob nach New York oder Moskau, Ammerzwil oder Kirchberg, der Weg führt immer über Zürich. Und manchmal auch übers Hallenstadion, welches nicht nur Knackpunkt der Spielplan-Problematik ist, sondern auch noch als Weindepot dienen kann.

In den Katakomben von Mannheim

Mannheim, einfach nur «Wow» geht einem durch den Kopf, wenn man die SAP-Arena betritt. Nun habe ich den direkten Vergleich, innert 24 Stunden besuche ich die Bossard-Arena in Zug und die SAP-Arena in Mannheim und beide Spielstätten im Rahmen der NHL-Challenge. Ich muss zugeben, die Bossard-Arena kommt nie und nimmer an das Mannheimer Prunkstück heran. In Mannheim ist alles eine Nummer grösser und imposanter, dazu sind die Sitze komfortabler und es gibt viel mehr Verpflegungsmöglichkeiten.

Spiel statt Stadion

Das Manko liegt lieder auf dem Eis, die Partie zwischen den Adlern und Buffalo Sabres kommt nicht ans Zug-Spiel heran. Anders als die Zuger, geraten die Mannheimer gegen die Sabres, ohne den verletzten «Mannheimer» Jochen Hecht, schon früh in Rückstand. 0:3 stehts nach 20 Minuten und das Spiel ist bereits gelaufen, die Mannheimer Magerkost lässt sich nur durch eine Stadionwurst wettmachen. Auf dem Weg zu einem der zahlreichen Würstchenbuden begegnen mir in den Katakomben der ersten Drittelspause zwei Männer in Schale?


Jim Corsi

„Jim Corsi und Teppo Numminen irren durch die Katakomben der SAP-Arena.“

– Michael Krein, SAP-Arena

Ja klar die Männer in Schale sind Jim Corsi (früherer Azzurri-Hexer und aktueller Torhütertrainer der Sabres) und Teppo Numminen (ex-Spieler und aktueller Assistenzcoach der Sabres).  Diese beiden erwecken kurzzeitig nostalgische-Gefühle, bevor ich mir mein Getränk und meine Stadionwurst zu Gemüte führen kann.

Corbets Nummer 20

Weiter mit Nostalgie gehts in der zweiten Drittelspause, René Corbets Rückennumer 20, wird in einer unvergesslichen Zeremonie, von Corbet selber unter die Hallendecke gezogen, in acht Jahren hat der ehemalgie NHL-Spieler 369 Spiele für die Adler absolviert und war beim Meistertitel 2007 mit dabei. Harold Kreis (Nr. 3), Marcus Kuhl (Nr. 15), Stéphane Richer (Nr. 25) und Robert Müller (Nr. 80) heissen die anderen unsterblichen. Doch auch die Gegenwart hat ihren Platz, geehrt wird auch das erfolgreiche Schülermeister-Team der Jungadler, die Ehrung nimmt Peter Draisaitl’s Sohn Leon für seine Mannschaft entgegen.

Das Spektakel rund um die NHL-Challenge ist gross, nur sportlich fehlt es dem Heimteam an diesem Abend. Im Vorjahr kommen die Adler gegen die San Jose Sharks bis ins Penaltyschiessen, die Sabres um Tyler Ennis (3 Punkte) und Co. schienen gewarnt zu sein.

4. Oktober 2011 – NHL-Premiere-Challenge

Mit Ambühl und Mastercard

Ein herrlicher und sonniger Herbsttag, in Zug pilgern alle in die neue Bossard-Arena. Es liegt was in der Luft, die Atmosphäre ist wie in einem Playoff-Final und die Herbstluft riecht nach einem besonderen Abend. Die neue Halle ist mit 7’015 Zuschauern restlos ausverkauft. Auf dem Eis treten die New York Rangers zum Prestige an. Der ehemalige «Ranger» Andres Ambühl ist Studiogast beim TV-Sender Teleclub, der die Partie live überträgt. Ich bin nicht akkreditiert, statte dem Talk zwischen Ambühl und dem Teleclub-Moderator Liniger einen Besuch ab. Ambühl kann sich die Partie nicht ansehen und übergibt mir seinen Presse-Badge. So betrete ich als «falscher Ambühl» die richtige Arena.

Für alles andere gibts Mastercard

Solche Spiele gibts bestenfalls alle zehn Jahre, für alles andere gibts die Mastercard. Nach nur einer Minute ist Timo Helbling schon im Clinch mit Rangers-Star Brandon Dubinsky und die Halle bebt. Bereits beim ersten Powerplay trifft Esa Pirnes gegen einen überraschten Keeper Mathieu Biron. Nach sechs Minuten trifft Duri Camichel zum 2:0, ehe Ryan Callahan verkürzen kann. Zug ist geladen und die spezielle Athmosphäre des Herbsttages überträgt sich aufs Eis. Josh Holden schiesst per Shorthander das 3:1. Manch einer fragt sich wo denn die Rangers sind und was um Himmels Willen Brad Richards (60 Millionen-Dollar-Vertrag) macht? Noch vor der Pause sind die Rangers doch noch da und schiessen zwei Tore innert 13 Sekunden, sechs Tore im ersten Drittel, wie gesagt für alles andere gibts Mastercard.

King Henrik und der Rangers-Clan

Die Rangers formieren sich neu, mit der neuen Sturmreihe Gaborik-Richards-Dubinsky spielen die NHL-Stars zwar ein Powerplay bei 5 gegen 5, doch Tore fallen keine. Kurz nach der zweiten Pause geht New Yorks General-Manager Glen Sather, trotz Rauchverbot, Stumpen rauchend an mir vorbei. 20 Meter neben mir sitzt der ganze Rangers-Clan, «King» Henrik Lundqvist inklusive, dieser wird an diesem Abend durch Biron mehr schlecht als recht ersetzt. In der Zwischenzeit erhöhen die Zuger Glen Metropolit und Holden auf 5:3 und die Halle bebt weiter. Ruslan Fedotenko kommt kurz vor der Pause zum 4:5-Anschlusstreffer. Noch nie zuvor hat ein Schweizer Klubteam fünf Tore gegen ein NHL-Team geschossen.

Zug einfach, New York kompliziert

Zug lässt sich nicht abfertigen wie einst der SC Bern (beim 1:8 gegen den gleichen Gegner) und der HC Davos beim 2:9 gegen die Chicago Blackhawks. Die Zuger sind in der neuen Halle noch ungeschlagen und jeder Angriff aufs Tor der Rangers ist brandgefährlich. Die NHL Stars legen zwei Gänge zu, doch die Innerschweizer können die Führung sogar noch auf drei Tore ausbauen. Zug agiert konterstark, direkt und schnörkellos und die Rangers? Richards und Co. brauchen viel zu lange bis zum Abschluss und spielen untypisch kompliziert. Richards kostet die Rangers gleich viel wie der ganze EVZ.

Fünf Minuten vor Schluss ersetzen die blassen New Yorker ihren schwachen Torhüter durch einen sechsten Feldspieler und es kommt wie erwartet. Der Luzerner Fabian Schnyder setzt den 8:4-Schlusspunkt. Das ist der grösste Sieg einer Schweizer Klubmannschaft. Für die Rangers wäre es selbst mit Lundqvist eng geworden, auch wenn dies kein Pflichtspiel ist, schreibt Zug Geschichte. Leise schleiche ich mich im Dubinsky-T-Shirt aus dem Stadion, keiner kennt mich, nicht einmal GM Sather, auch wenn ich als «Ambühl» unterwegs bin.

EV Zug – New York Rangers 8:4 (3:3, 2:1, 3:0)
2′ Pirnes (Blaser, Schnyder) 1:0,
6′ D.Camichel (Sutter) 2:0,
16′ Callahan (Dubinsky) 2:1,
17′ Holden (Chiesa) 3:1,
19′ Rupp (Del Zotto, Zuccarello) 3:2,
20′ Anisimow 3:3,
35′ Metropolit (Casutt) 4:3,
35′ Holden (Lüthi, Lindemann) 5:3,
39′ Fedotenko (Anisimow) 5:4,
43′ Pirnes 6:4,
45′ Brunner (Schnyder) 7:4,
56′ Schnyder (Holden) 8:4.

Bossard Arena: 7015 Zuschauer (ausverkauft)
SR: Joanette, Rochette (Ka/Sz); Devorski, Arm (Ka/Sz)
Str. (Z): 4×2′
Str. (N): 4×2′
Beste Spieler: Holden (Z), Callahan (N)

EV Zug: Markkanen; Chiesa, Wozniewski; Helbling (4), Fischer (2); Furrer, Erni; Blaser; Christen, Metropolit, Casutt; Brunner, Holden, Schnyder; D.Camichel, Sutter, Pirnes; Lüthi, Oppliger, Lindemann (2); Rossi.
New York Rangers: Biron (Stajcer); Girardi, McDonagh; Eminger, Del Zotto; Bickel, Bell; Gaborik, Richards, Fedotenko; Callahan, Anisimow, Dubinsky (2); Zuccarello, Stepan, Rupp; Prust, Christensen, Boyle.

Der Rangers-Trip

DatumOrtGegnerResul-tatTore
21.9.AlbanyNew Jersey1:2nV
23.9.NewarkNew Jersey4:3
26.9.PhiladelphiaPhiladelphia3:5
29.9.PragSparta Prag2:0Anisimow, Fedotenko
30.9.GöteborgFrölunda Göteborg4:2Newbury, Del Zotto, Christensen, Rupp
2.10.BratislavaSlovan Bratislava4:1Zuccarello, Boyle, Anisimow, McDonagh

Tour-de-Hockey – 8. Etappe Zug

Hertihalle oder eben Bossard Arena, nun ist auch das neue Aussenfeld bezugsbereit. Die Arena ist wirklich ein Bijou – ich war bereits in der vergangenen Saison ein paar Mal hier. Nach dem zweiten Drittel packt mich der Hunger und ich kämpfe mich zur Theke um einen Hamburger zu ergattern. Doch aufgepasst, Ketchup und Senf müssen an einer separaten Station selber dosiert werden. Ich erinnere mich an die letzte Saison, der Hamburger war eigentlich gut, doch ohne Ketchup etwas trocken. Die optimale Toilette kenne ich auch noch nicht oder doch? Ja gleich neben dem Presseraum in den Katakomben war ich im Vorjahr auf der Toilette, habe aber erst beim Stehklo bemerkt, dass es sich um die Spielertoilette der Gästemannschaft handelte – und ich pinkelte vor dem Spiel neben Mattia Bianchi – vielleicht verirre ich mich ja in einer Pause wieder Mal aufs Gästeklo, selbstverständlich nicht wegen Bianchi. Zurück zum Spiel. Rapperswils neuer Mann heisst Kent McDonell, der Kanadier ist erst heute Mittag von Toronto in Zürich gelandet und hinterlässt dementsprechend einen müden Eindruck. Und wie spricht man seinen Namen korrekt aus? „Kent McDonnl!“

Holpriges Geknorze zum Auftakt

Die erste Station der neuen Meisterschaft heisst Biel, dies ist allerdings bereits meine sechste Partie. Wie viele Male ich wohl schon hier war? Als passiver Tribünengast, als aktiver Tribünengast oder als aktiver Spieler? Ich habe keine Ahnung, könnte es aber zurück bis 1989 eruieren. Vielleicht tuh ich das in einer schwachen Minute.

Auf der Pressetribüne unterhalte ich mich mit Biels Pressechef über das neue Lausanne-Trikot, Rögle BK Ängelholm, Dukla Jihlava und das aktuelle Spiel. Der Gegner heisst HC Ambri-Piotta, die Gäste haben ihre Farben gewechselt und spielen neu wieder in blauen statt roten Hosen.

Die Idee für meine Geschichte, ich habe etwas mehr als 1’100 Zeichen zur Verfügung, entspringt mir regelrecht auf dem Gang zur Toilette. Übrigens, in jedem Stadion gibts einen WC-Geheimtipp – auf welcher Toilette verliere ich während der Drittelspause am wenigstens Wartezeit?

Der Saisonstart ist nicht nur für den Bieler-Stadion-Speaker etwas holprig, sondern für zahlreiche weitere Protagonisten, dazu gehören auch meine 1’100 Zeichen, ein wahres Geknorze…

Schwedische Titelstory aus Biel

Das Foto (Chris Habegger) schafft es ins Helsingfors Dagblad, ein herzlicher Empfang für die Südschweden in Biel. Eine herzliche Begrüssung gibt es für die Südschweden während eines Freundschaftsspiels in Biel. Nicht nur die Spieler des schwedischen Zweitligisten staunten nicht schlecht, sondern auch die Journalistin Sara Johansson, welche das Willkommensfoto für ihre Titelseite des Helsingborgs Daglad haben wollte.

„Vällkommen RBK till Biel.“

— Andreas Freitag (Seeschwalbe Biel)

Schwedische Teams in Biel haben eine langjährige Tradition. Was in den 80er und 90er Jahren mit Huddinge IK begonnen hat, nimmt seine Fortsetzung mit Rögle BK Ängelholm. Und die Aussenseiter aus der zweiten schwedischen Liga Allsvenskan waren mehr als nur ein Sparringpartner, angeführt vom Ex-Bieler Eric Himelfarb forderten sie den Bielern, aus dem Trainingslager von der Lenzerheide kommend, alles ab und siegten im Penaltyschiessen.

Biel – Rögle BK 3:4nP (1:2, 2:0, 0:1, 0:0, 0:1)
Eisstadion. – 1’023 Zuschauer. – SR Eichmann, Bürgi/Mauron. – Tore: 6. Bergström 0:1. 10. Tschantré (Grieder, Peter) 1:1. 20. Panelin-Borg (Himelfarb) 1:2. 25. Wieder (Miéville) 2:2. 34. Gloor (Haas) 3:2. 59. Brithén (Himelfarb/Rögle ohne Torhüter) 3:3. – Strafen: Je 2-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: Biel ohne Rouiller, Scalzo, Spylo (alle verletzt) und Streit (krank).
Biel: Berra; Gossweiler, Grieder; Wellinger, Preissing; Huguenin, Steinegger; Fröhlicher, Kparghai; Ehrensperger, Peter, Tschantré; Truttmann, Miéville, Wieser; Lauper, Bordeleau, Beaudoin; Haas, Gloor, Wetzel; Zigerli.

Die Kehrseite der Medaille oder Können statt Wollen

30 Meistertitel seit 1921 – oder 5 Meistertitel in den letzten zehn Jahren – was für eine Bilanz! Die Baumeister aller fünf Erfolge seit 2002 sind Arno Del Curto und Reto von Arx. Das Erfolgsduo funktioniert schon in der Juniorern Nati, als die Schweizer (vorher nur Kanonenfutter) an der Junioren WM 1995 in Boston erstmals die Kanadier an den Rande einer Niederlage bringen. Das Duo ist für den HC Davos ein wahrer Glücksfall, ich behaupte: «Ohne das Duo Del Curto/von Arx wäre Davos höchstens Mittelmass. Für den HCD also ein Glücksfall, nicht aber fürs Schweizer Eishockey.»

Ein Spieler wie von Arx hätte sich in der NHL durchsetzen können/müssen! Seine Klasse ist unbestritten, der Emmentaler hätte es in Übersee packen können, er ist nicht schlechter als Jochen Hecht oder Marco Sturm (um nur zwei Beispiele unseres Deutschen Nachbars zu nennen). Reto von Arx ist lieber ein König in der NLA, als ein Prinz in der NHL. In keinem anderen Land spielt der wohl beste Stürmer nicht fürs Nationalteam – genug Befriedigung für einen Stürmer wie Von Arx? Ist der Schweizermeistertitel oder ein Spenglercup-Pokal das höchste aller Eishockey Gefühle? Auf diese Frage würden mir Mark Streit und Nino Niederreiter wie Arno del Curto mit einem «Kopfschütteln» den Rücken zukehren.

Desselbe gilt für den Davoser Erfolgstrainer. Der König unter den NLA Coaches begnügt sich mit nationalen Meistertiteln und Spenglercup-Pokalen (ein Freundschaftsturnier) – mehr will er nicht? Genau so wie sich Reto von Arx in der NHL hätte durchsetzen können, hätte Arno Del Curto die Schweizer Nati zu einer Medaille führen können. Dennoch begnügt sich der Engadiner lieber in der «Bündner Komfortzone.» Für das Duo Del Curto/von Arx ist ein Schweizermeistertitel die höchste Form ihrer «Selbstverwirklichung des Eishockeys.»

Wie gesagt, für die einen ein wahrer Glücksfall, für die anderen ein Jammer – und – «hätten und wären» gibt es genau so wenig, wie von Arx im Trikot der Blackhawks oder Del Curto hinter der Schweizer Bande. Dennoch, herzliche Gratulation zum fünften oder 30. Meistertitel!

Der American Dream beginnt in Basel

Brüglingerstrasse Basel, es ist Samstag Vormittag, ich stehe mit meinem Auto am Rotlicht, ca. 100 Meter vom St. Jakobs-Areal entfernt. Die Sonne scheint, das Vogelgezwitscher übertönt meinen Radiosender, was für ein herrlicher Frühlingstag. Wohl keiner der sommerlich gekleideten Passanten rund um das Sankt-Jakob-Areal käme auf den Gedanken, dass Eishockey jetzt ein Thema sein könnte, erst recht nicht in Basel.

Zehn Minuten später – der Geruch von Eis und ein Hauch von Kälte sind zu spüren – bremsen von Schlittschuhen und an die Bande knallende Pucks hallen durch die Sankt Jakobshalle, ein «Pfiff» aus der Trillerpfeife von Matt Smith bricht die Übung ab. Auf dem Eis kämpfen 30 Spieler aus Österreich, Italien, Deutschland, Slowenien und der Schweiz um ein Ticket für Toronto.

Die Jungs sind zwischen 15 und 19 Jahren

Scanlon-Creek-Hockey-Canada, mit Matt Smith, Jenya Feldman und Philippe Bohnenblust, bietet jungen Europäern, die Möglichkeit sich im Mai 2011 an einem Showcase Turnier in Toronto für die nordamerikanischen Ligen zu empfehlen. Die Jungs in Basel sind zwischen 15 und 19 Jahren und kommen aus Kloten, Davos, Basel, Salzburg, Varese, Valpellice oder St. Pölten.

Das Basler Camp 2011; hinten links Krein, Bohnenblust, hinten rechts Smith, Malicek. (Feldman)

Einer von ihnen hat bereits eine Saison in Übersee bestritten: Der Baselbieter Remo Hunziker spielte in der aktuellen Saison bei den Hartford Jr. Wolfpack in der Atlantic-Junior-Hockey-League (AJHL). In der kommenden Saison will er sich in Nordamerika eine Stufe höher beweisen, deshalb bestreitet er wieder das Camp von Scanlon-Creek. Für den «American- oder Canadian Dream» gehen die jungen Spieler bis ans Limit. Nicht nur körperlich sondern auch psychisch ist dies kein Zuckerschlecken.

Der Spass steht immer im Vordergrund

Dennoch heisst das oberste Gebot «Spass am Spiel», diesen Eindruck habe ich jedenfalls auf der Spielerbank während das Coachings (ich coache das Team «White») der beiden Trainingsspiele zwischen den Teams «White and Black.» Selbst nach zwei harten und intensiven Trainingstagen, lautet die Frage in den letzten Spielminuten (die Matchuhr ist defekt) jeweils: «Wie lange gehts noch?» oder «wie lange können wir noch spielen?» Keiner hinterlässt den Eindruck von «Müdigkeit oder Unlust», spielen, spielen und spielen ist der Hauptgedanke. Gerade deshalb werden es einige von ihnen auch in Nordamerika packen, da bin ich überzeugt. Und wenn die «Müdigkeit» kurzzeitig doch noch eintritt, gibts, wie könnte es für einen Salzburger auch anders sein «änen Red Bull.»

Telebasel Beitrag zu Scanlon Creek, start bei 17:05

Die Teilnehmer am Evaluation Camp

NrNameJahrgangPositionKlub
1Marco Rennhard1994FKloten
2Stephan Bacher1996GAugsburg (De)
3Iloy Borer1994DBasel
4Lorenzo Broggi1993GVarese (It)
5Nicolo Megioranza1994FVarese (It)
6Kilian Seidl1994GPustertal (It)
7Maco Richter1995FSt. Pölten (Ö)
8Stefan Brügger1992FSeewen
9Nicolo Rocca1993FValpellice (It)
10Jordi Buchholz1994GKaufbeuren (De)
11Fabian Baumann1992D
12Richard Albrecht1995GMexiko
13Orell Trautmann1996DThun
14Armin Trautmann1992FPreussen (De)
15Anton Ranov1994FDavos
16Nik Truden1993FLjubljana (Slo)
17Mattia Laudi1994DTurin
18Sera Bengerman1995D
19Marks Olesko1991DGrefrath (De)
20Fabian Erk1994FFrankfurt (De)
21Stefan Goller1993FKaufbeuren (De)
22Keegan Evangelista1994FBasel
23Davide Ferrari1993GFeltre (It)
24Vincenzo Küng1993FThun
25Tim Odermatt1994FDavos
26Nicolas Paul1993DSalzburg (Ö)
27Remo Hunziker1992FHartford (USA)

New York Marathon

Sechs Spiele in sechs Tagen quer durch Manhattan und durch zwei Staaten. Die Genialität des NHL-Schauplatzes New York und der Spielplan der NHL, lässt zwischen dem 1. und 6. März 2011 sechs Spiele in sechs Tagen innerhalb von 50 Kilometern zu. Die Kilometer allerdings haben es in sich, denn da liegen der East- und der Hudson-River, sowie der Hackensack- und der Passaic-River dazwischen, dazu kommen ein gutes Zeit- und Essmanagement, zahlreiche Knackpunkte und das wichtigste: «Unvorhergesehenes.»

Der Madison-Square-Garden liegt quasi vor der Haustüre, das Prudential-Center ist ab Penn-Station innert 30 Minuten, Fussmarsch inklusive, erreichbar. Die einzige geografische Herausforderung sind die New York Islanders in Uniondale. Via Long-Island-Rail-Road gehts Richtung Hempstead, der Knackpunkt liegt dabei etwas ausserhalb von Queens bei der Haltestelle Jamaica. Beim Vorort, durch einstige Einwanderer nach dem Karibikstaat ernannt, gilt es den richtigen Anschluss Richtung Hempstead zu finden, wenn dir hier ein Fehler passiert bist du verloren, es sei denn du hast die zeitliche Pufferzone „unvorhergesehenes“ eingebaut.

Treffpunkt Starbucks beim NHL-Store

Die erste Anlaufstation am frühen Vormittag ist jeweils der Starbucks beim NHL-Store an der «1185, 6th Avenue.» Bei einem guten «Cup-of-Coffee» wird der Tagesablauf geplant, sechs Spiele an sechs Tagen bedürfen einer sorgfältigen Zeitplanung. Oberstes Gebot ist es die Zeit für «unvorhergesehenes» einzuplanen, ein Stolperstein der sich im Strassen-Jungel von Manhattan immer wieder bemerkbar macht. Sei es nach einer Shoppingtour die Einkäufe vorher noch ins Hotel zu bringen oder die Tickets im Hotel noch holen zu müssen, abgelenkt wirst du dabei durch hunderte von äusseren Einflüssen.

Die erste Station, der Madison-Square-Garden

Die erste Partie steigt bereits am Tag der Ankunft, direkt vor der Haustüre, zu Fuss wird der Madison-Square-Garden vom Hotel-Standort beim Columbus Circle am bequemsten erreicht. Nicht unbedingt bequem sind die alten grünen Polstersessel des Gardens und die Atmosphäre beim Spiel der Rangers gegen die Buffalo Sabres gleicht eher einer grossen Kinovorstellung. Die Ambiance der berühmtesten Arena der Welt, wie sie von sich selber sagt, kommt in der Schweiz dem Hallenstadion am nächsten, dennoch hat der Garden seine Faszination.

Die zweite Station – das Prudential Center

Unterhalb des Gardens, an den Schaltern der Penn-Station, kann das Ticket nach Newark gelöst werden. Die Zugfahrt mit der «New-Jersey-Transit» dauert gerade mal 20 Minuten und der Fussmarsch durch Newark, Richtung Stadion, knappe zehn Minuten. Während des Spiels der Devils gegen die Lightning, bei einem der zahlreichen «Powerbreaks» sorgen wir rein zufällig für Aufsehen, weil wir zwei Devils-Kaffeebecher abstauben. Das Aufsehen erregt auch die Aufmerksamkeit von Mutter und Tochter Morris, direkt hinter uns, Tochter Danielle zeigt sich dabei äusserst hilfsbereit und knipst unser «Selfie.»

Die 34th Street Pennsylvania Station ist der Dreh- und Angelpunkt des sechstägigen New York Marathons. (Rolf Pfeiffer)

Die dritte Station – wieder der Madison-Square-Garden

Spiel drei liegt wieder vor der Haustüre, wir logieren beim Columbus-Circle, Gegner der Rangers sind aber nicht die Blue Jackets, sondern die Wild aus dem State-of-Hockey im Garden. Minnesota, ein Name welcher sich in der Kindheit eingeprägt hat, während der faszinierenden Zeitspanne der guten, alten North Stars, ein Poster der grün-weissen zierte einst die Zimmerwand. Die Wild spielen mit einem «X» auf der rechten Schulter, welches für zehn Jahre Wild steht. Jubiläum feiern auch die Hausherren, im 85. Jahr stehen die Rangers und bitten zum Jubiläums-Duell.

Die vierte Station – das Prudential Center zum zweiten

Nach betreten des Center’s laufen wir quasi den Devils Dancer’s in die Arme, den Cheerleaders der Teufel. Wie schon die letzte Partie in Newark, fallen auch beim zweiten Auftritt der Devils kaum Tore. Der teuerste Devils-Spieler aller Zeiten, Ilja Kovalchuk schiesst die Teufel gegen die Penguins erst in der Overtime in den Himmel.

Die fünfte Station – das Nassau Coliseum in Uniondale

Es gibt zwei Möglichkeiten das Stadion der Islanders zu erreichen, eine Luxus-Version oder die Low-Budget-Version. Für zwei Personen ziehe ich die Low-Budget-Variante per Zuglinie mit der Long-Island-Rail-Road vor, dazu gibts eine Erlebnisfahrt durch die Vororte von Long Island. Knackpunkt der Linie ist die Haltestelle Jamaica, dort gilt es den richtigen Zug weiter Richtung Hempstead zu erwischen. Prompt verpassen wir den Anschluss und das «unvorhergesehene» wird zur Herausforderung. In Manhattan tummeln sich mehrere zehntausend, aber rund um den Bahnhof des Karibikstaates gibts nirgends ein Taxi. Die Rettung kommt durch einen Fan im St. Louis-Trikot, an diesen heften wir uns, denn dieser hat telefonisch ein Taxi bestellt. Freundlicherweise dürfen wir uns an der Fahrt nicht nur finanziell beteiligen und erreichen das Nassau-Coliseum erst bei Spielbeginn. Mit den Worten «what do you think, it’s nobody in there?» erblicken wir zeitgleich mit John Tavares erstem Treffer Gegen die Blues den ruhmreichsten Eisrink unseres Trips. Verteidiger Andrew MacDonald erzielt einen Hattrick.

Das Highlight

Nach der Partie schwemmts einen Grossteil der Fans in die Bar des Marriott’s Hotels Richtung Samuel Adams und Co. Zwischen zahlreichen Bierkübel der US-amerikanischen Brauerei aus Boston gesellt sich wie aus dem nichts der prominenteste Verletzte der Islanders dazu. Im Gespräch mit Mark Streit schlendern wir uns, zusammen, Streit nimmt Wasser, mit der Biermarke, in die nächste Zeitschlaufe «unvorhergesehenes» und verpassen die letzten Züge der gleichnamigen Rail-Road der berühmten New Yorker Insel. Selbst Streit rät uns in dieser Gegend spät Abends auf die Luxus-Budget-Variante «Taxi» umzudisponieren.

Sechste Station – der MSG zum dritten

Ab Mittag regnet es in Strömen, die Stimmung beim Times-Square mahnt an einen Weltuntergang eines Hollywood-Blockbusters. Untergang gilt auch für den ewigen Rivalen aus dem Bundesstaat Pennsylvania, welche bei der gleichnamigen U-Bahn-Station, unterhalb des Gardens dem Untergang geweiht sind. Das Foto wird vor dem Spiel geschossen, zu diesem Zeitpunkt weiss noch niemand, dass Assistenz-Kapitän Ryan Callahan vier Tore schiessen würde.

Die sechs Spiele innert sechs Tagen sind innerhalb von 195 Kilometern quer durch New York zu erreichen. Die drei letzten, von diesen sechs, Partien leitet der kanadische Schiedsrichter François St. Laurent in Serie, ein happiges Programm für den Unparteiischen aus Quebec.

#DatumOrtkmGegner
I1. MärzManhattan3
II2. MärzNewark45
III3. MärzManhattan3
IV4. MärzNewark45
V5. MärzUniondale96
VI6. MärzManhattan3
Total195
Statistik: eishockeyblog

Beim vierten New-York-Trip reisen wir zu viert und logieren im Hudson-Hotel.

Die Hotel-Lobby des Hudson-Hotels, am 5. März 2011. (Krein)

Lakers ab nach Österreich!

Früher gabs noch den traditionellen SC Rapperswil-Jona oder den «SCRJ» – heute spielen die Rapperswil-Jona Lakers in der Diners-Club Arena – und keiner geht hin! An Auswärtsspielen kommen im Schnitt 25 Fans aus der Rosenstadt. Und genau da ist das Problem, was haben Rosen mit eisblauen Trikots zu tun? Durch den Imagewechsel (neuer Name, neue Farben) verliert der Klub seine ganze Identität.

Wer ennet dem Seedamm will die Lakers?

Michael Krein

Es kommt noch schlimmer: Der Clubpräsident verbietet der Fankurve die alten, traditionellen Clubfarben in rot, blau und weiss zu tragen. Die gegnerischen Fangesänge «Rapperswil-Kinderzoo» könnten nicht passender sein. Warum zügeln wir den ganzen «Kinderzoo» nicht in die «österreichische» Erste-Bank-Eishockey-Zirkus-Liga (den Zirkus Knie gibts ja auch in Österreich)? Niemand südlich vom Seedamm würde die Rosen-Lakers vermissen, niemand will die Lakers länger in der National-League-A erdulden.

Eisblau wie die Erste-Bank

Österreich wäre perfekt. Dort spielen ja bereits schon Kroaten, Slowenen und Ungarn. Die Namen lauten Black Wings, Capitals, Red Bull oder 99ers. Mit Gegnern aus Zagreb, Linz und Szekesfehervar könnten die Lakers unter Umständen sogar im vorderen Mittelfeld mitspielen – und einen Österreicher (Thomas Pöck) hat man bereits in den eigenen Reihen. Und nicht zuletzt passt das «eisblau» schon jetzt perfekt zum Logo der neuen Rappi-Liga.

https://www.facebook.com/eishockeyblog.ch/videos/881098061967688/

Wer kennt Shin Yahata?

Selbstverständlich kenne ich den Namen Shin Yahata oder eben Shin Larsson. Ich muss aber zugeben, dass ich Herr Larsson-Yahata am 10. Dezember 2010 in der PostFinance Arena nicht auf anhieb erkenne. Erst als ich seinen Namen höre, ist mir klar wer da zusammen mit Jiri Hrdina, ehemaliger Weltklassespieler und aktueller Scout der Dallas Stars, neben mir sitzt.

1998 in Nagano

Yahata-Larsson ist ehemaliger japanische Nationalspieler und ist als Sohn einer Japanerin und eines Schweden 1974 in Stockholm geboren. Zwischen 1994 und 2002 spielte der ehemalige Stürmer in Japan, für die er auch sieben Weltmeisterschaften- und als Highlight die Olympischen Spiele 1998 in Nagano bestritten hat. Heute ist er als Scout für die San Jose Sharks unterwegs.

So sitzen die zwei NHL-Scouts beim «NLA-Knüller und Ambrì-Nuller» in Bern auf der Medientribüne und mir ist sofort klar welche Spieler sich die beiden anschauen würden, habe mir dies aber von Hrdina noch bestätigen lassen. Interessant, als Hauptproblem bei den Schweizer Spielern mit Jahrgang 1992 und jünger bezeichnet der Dallas-Scout die geringen Körpermasse, dazu gehören Joel Vermin und Grégory Hofmann.

Dallas‘ Liste

Dennoch zeigt er mir eine Liste mit den für die Dallas Stars interessanten Spieler. Und Larsson? Er hat den gleichen Auftrag für die San Jose Sharks, welche übrigens noch nie einen Schweizer gezogen haben. Die beiden Scouts sind für Europa zuständig und werden als nächstes zur U20 Weltmeisterschaft nach Buffalo fliegen.

Bern – Ambrì-Piotta 2:0 (0:0, 1:0, 1:0) – 10. Dezember 2010
PostFinance-Arena. – 15’007 Zuschauer. – SR Reiber, Mauron/Schmid. – Tore: 25. Reichert (Gardner, Jobin) 1:0. 58. Gardner (McLean, Roche) 2:0. – Strafen: Bern 3-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: Bern ohne Dominic Meier, Berger, Hänni und Gigon (alle verletzt), Stettler (krank) und Gamache (überzählig), Ambrì ohne Raffainer, Kobach, Murovic und Westrum (alle verletzt) sowie Lehoux (überzählig). 31. Timeout Bern. 59. Timeout Ambrì und ab 58:31 ohne Bäumle. 60. Lattenschuss Duca.
Bern: Bührer; Roche, Furrer, Jobin, Kwiatkowski; Krueger, Beat Gerber; Vigier, Dubé, Rüthemann; Gardner, McLean, Reichert; Neuenschwander, Plüss, Vermin; Roland Gerber, Froidevaux, Scherwey; Montandon.
Ambrì-Piotta: Bäumle; Kutlak, Gautschi; Bundi, Denissow; Stirnimann, Schulthess; Casserini; Duca, Kariya, Pestoni; Trevor Meier, Landry, Hofmann; Botta, Bianchi, Demuth; Brunner, Zanetti, Isabella.

Shin Yahata-Larsson wurde mit Kokudo fünfmal japanischer Meister, 1999 Liga-Topskorer, sowie ins All-Star-Team gewählt.

70 Sekunden Zurück in die Zukunft

Es gibt viele Kuriositäten im Eishockey aber sowas hab ich noch nicht erlebt. Am Sonntag, 28. November 2010, spielt der SC Bern gegen die ZSC Lions. Beim Stand von 2:1 für den SCB, zeigt die Anzeigetafel 30:44, als Andres Ambühl aufs SCB-Tor schiesst und jubelt, doch Partie und Matchuhr laufen weiter bis zum nächsten Unterbruch.

Da zeigt die Matchuhr 31:54 und den Spielstand von 2:1. Nach der Videokonsultation des Head-Duos Marco Prugger/Daniel Stricker wird Ambühls Treffer bei 30:44 gegeben, ein korrekter Entscheid, wie auch die Bilder der Hintertor-Kamera auflösen.

„Die 70 Sekunden werden zweimal gespielt.“

— Zurück in die Zukunft

Somit muss auch die Matchuhr von 31:54 auf 30:44 zurückgestellt werden und zeigt neu den Spielstand von 2:2. Und jetzt beginnt die Zeitreise: Lions-Stürmer Patrick Schommer erzielt bei 31:49 den 3:2 Führungstreffer für die Gäste. Die 70 Sekunden werden zweimal gespielt.

Die gleiche Zeit von 31:49 erscheint an diesem Abend zweimal auf der Matchuhr, einmal beim Spielstand von 2:1 für Bern und beim zweiten Mal stehts 2:3 für die Lions. Auch ohne Delorean werden die 15’400 Fans Zeuge einer „Zeitreise“, welche die Lions zwar kurz in Führung bringt, jedoch trotz gütiger Mithilfe der „Zeit“ trotzdem nicht zum Sieg führt.

28. November 2010

Bern – ZSC Lions 6:3 (1:0, 2:3, 3:0)
PostFinance-Arena. – 15’420 Zuschauer. – SR Prugger/Stricker, Arm/Küng. – Tore: 12. Dubé (Gamache, Vigier) 1:0. 25. Vigier (Gamache) 2:0. 27. Paterlini (Ryser) 2:1. 31. (30:44) Ambühl (Monnet, Cory Murphy) 2:2. 32. (31:49) Schommer (Thomas Ziegler, Bühler) 2:3. 37. Dubé (Vigier, Krueger /Ausschlüsse Westcott; Gamache) 3:3. 50. Froidevaux (Scherwey, Vermin) 4:3. 55. Kwiatkowski (Dubé, Krueger /Strafe gegen Monnet angezeigt) 5:3. 60. (59:27) Vigier (Plüss) 6:3 (ins leere Tor). – Strafen: Bern 2-mal 2 Minuten, ZSC Lions 5-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: PostFinance-Topskorer: Dubé (Bern); Pittis (ZSC Lions). Bern ohne Roche, Dominic Meier, Hänni und Pascal Berger, ZSC Lions ohne Pascal Müller und Down (alle verletzt). — Timeout ZSC Lions (59:11). – Pfostenschüsse: Thomas Ziegler (55.), Monnet (60.).
Bern: Bührer; Jobin, Philippe Furrer; Krueger, Kwiatkowski; Stettler, Beat Gerber; Roland Gerber; Vigier, Dubé, Gamache; Neuenschwander, Plüss, Rüthemann; Gardner, McLean, Scherwey; Vermin, Froidevaux, Reichert.
ZSC Lions: Flüeler; Stoffel, Seger; Cory Murphy, Daniel Schnyder; Westcott, Geering; Schelling; Nolan, Pittis, Adrian Wichser; Bühler, Thomas Ziegler, Schommer; Monnet, Ambühl, Patrik Bärtschi; Ryser, Schäppi, Paterlini; Bastl.

In drei Stunden in die DEL

Zuviel Eishockey im eigenen Land bringt Langeweile, vor allem Herbst-Spiele wie etwa der SC Bern gegen SC Rapperswil-Jona fördern die Abschaffung der sechs Zusatzrunden. Die Liga ist eine Zweiklassengesellschaft und verkommt im Laufe des langen, kalten und dunklen Winters zur Langeweile. Wo kommt man am schnellsten an ein Spiel in einer obersten Spielklasse im Ausland? Für einen Berner Seeländer heisst die Antwort Mannheim, der Tessiner würde nach Italien gehen, der Welsche nach Frankreich und der Bündner nach Österreich. Nur drei Autostunden entfernt liegt Mannheim, der ideale Standort für Abwechslung zum Nationalliga-Alltag.

Die SAP-Arena ist qualitativ und quantitativ für jedes Schweizer Stadion, dies gilt selbst für die neue Bossard Arena, unerreichbar. Die Multifunktionarena hat alles was eine moderne Multifunktionsarena haben muss, dies gilt für die Parkmöglichkeiten (direkt neben der Halle), das Catering auf jeder Etage, der Sitzplatzkomfort (Getränkehalter inklusive) und die Lichter-Show vor dem Spiel. Udo Scholz, der langjährige Stadionspeaker wirkt dreimal professioneller als die Besten unseres Landes, vielleicht ist es auch die Deutsche Tugend der Begeisterung. Die Speakerin in Langnau (Brätt-Mägg-Liin, Ahren Sbiiilo oder Martin Sunnäbärg) würde in Mannheim nicht einmal in der Trainingshalle «speaken» können.

„Kein Stadion in der Schweiz kann der SAP-Arena das Wasser reichen.“

— Krein

Doch was nützt das beste Stadion, wenn das Kerngeschäft auf dem Eis nicht halten kann was die Arena verspricht? Die Partie der 13. Runde zwischen den Adler Mannheim und den Hamburg Freezers ist nicht besser als das Spiel von vorgestern zwischen Bern und Rapperswil. Da war er wieder, der öde Qualifikationsalltag, auch drei Stunden entfernt. Normalerweise dürfte dies beim sechsfachen Deutschen Meister aber anders sein, denn der Unmut der Fans ist schon zu Beginn der Partie deutlich zu spüren. Es wird geklagt und geklönt über die Leistung der heimischen Akteure. Es läuft überhaupt nicht beim Tabellenachten und die Fehlerquote ist hoch. Auch der Gegner lässt zu wünschen übrig, die Hamburg Freezers liegen derzeit noch einen Rang hinter den Baden-Würtembergern.

Zumindest verleiht die Aura der Arena einen gewissen Glanz und man hat das Gefühl, es sei doch irgendwie besser als in den altersbrüchigen Hallen von Ambrì, Langnau oder Biel. Auch drei Stunden entfernt wird das Spiel schliesslich von einem «ex-Schweizer» entschieden: Verteidiger Jame Pollock trifft 15 Sekunden vor Ablauf der Verlängerung im Powerplay zum 3:2 für die Adler. Tja, ein mittelmässiges Spiel. kann in einem erstklassigen Stadion dennoch zum unvergesslichen Erlebnis werden, so das Fazit des kurzen Deutschland-Abenteuers. Selbstverständlich vergebe ich, wie als Blick-Redaktor üblich, drei Sterne für die Stars und die Pflaume des Spiels.

10. Oktober 2010

Qualifikation – 13. Runde

Adler Mannheim – Hamburg Freezers 3:2nV (1:0, 1:1, 0:1, 1:0)
SAP-Arena. – 8’432 Zuschauer. – SR Dahle. – Tore: 16. Seidenberg (Dietrich /Ausschluss Hamburg) 1:0. 29. Goc (MacDonald) 2:0. 30. Polaczek 2:1. 56. Barta (Ausschluss Reul) 2:2. 65. (64:45) Pollock 3:2. – Strafen: Je 4-mal 2 Minuten.
Adler Mannheim: Lang; Pollock, Nikolai Goc; Scalzo, Périard; Reul, Dietrich; Cespiva; Mauer, Kink, Arendt; King, MacDonald, Klinge; Robinson, Papineau, Seidenberg; Plachta, El-Sayed, Ritter.
Hamburg Freezers: Lamothe; Dück, Trygg, Traverse, Cohen, Coté, Köttstorfer, Pienitz, Dotzler; Bassen, Tenute, Engelhardt, Festerling, Flaake, Polaczek, Ouellet, Oppenheimer, Murphy, Holzmann, King, Ostwald, Barta.
Die Stars: ***Nikolai Goc (Mannheim), **Pollock (Mannheim), *Festerling (Hamburg).
Die Pflaume: Reul (Mannheim) – mit seiner hohen Fehlerquote ein Schatten seiner selbst.

Einfach nur Iggulden

Die SCL Tigers gewinnen erstmals seit drei Jahren wieder ein Derby gegen den SC Bern und dies erst noch in Bern. Matchwinner ist der zweifache Penalty-Torschütze Mike Iggulden. Kurz vor dem Interview, wir haben bereits einen Small-Talk und ein Handshake hinter uns und haben uns gegenseitig mit «Mike» vorgestellt. Doch als es mit dem Interview losgehen kann habe ich ein Blackout… …wie heisst der nette Kanadier mit Vornamen? Der Name ist einfach weg.

Das Interview beginnt man immer mit «Vor- und Nachnamen», die SRF-Kamera läuft, der Belichter steht da, der Aufnahmeleiter gibt das OK zum Interview-Start und der Protagonist wartet auf die erste Frage… …alle Blicke, auch diese von der Tribüne, richten sich auf den Interviewer und ich kann ja nicht beginnen mit «Iggulden, congratulation for the victory…»

Ein Blitzgedanke schiesst durch den Kopf, ich habe noch eine Mannschaftsaufstellung in meiner Hosentasche und das Interview beginnt mit einer kleinen Verzögerung. Und Mike Iggulden? …versteht nicht warum «Mike Krein» kurz vor der ersten Frage nochmals in die Hosentasche greifen muss.

21. September 2010

Bern – SCL Tigers 1:2nP (1:1, 0:0, 0:0, 0:1)
PostFinance-Arena. – 14’951 Zuschauer. – SR Reiber, Fluri/Müller. – Tore: 8. Simon Moser (Steiner, Pelletier) 0:1. 12. Rüthemann (Hänni, Martin Plüss) 1:1. – Penaltyschiessen: Steiner -, Martin Plüss 1:0; Pelletier -, Rüthemann 2:0; Iggulden 2:1, Vigier -; Brooks 2:2, Pascal Berger -; Camenzind -, McLean -; Dubé -, Iggulden 2:3. – Strafen: Bern 5-mal 2 Minuten, SCL Tigers 4-mal 2 plus 10 Minuten (Schild). – Bemerkungen: PostFinance-Topskorer: Gardner; Reber. Bern ohne Dominic Meier und Philipp Furrer, SCL Tigers ohne Christian Moser, Flückiger (alle verletzt). – Pfostenschüsse: Gardner (10.), Pelletier (37./Latte). – Timeout Bern (61.).
Bern: Bührer; Roche, Beat Gerber; Krueger, Kwiatkowski; Jobin, Hänni; Stettler; Neuenschwander, Martin Plüss, Rüthemann; Vigier, McLean, Reichert; Gardner, Dubé, Scherwey; Roland Gerber, Froidevaux, Pascal Berger.
SCL Tigers: Benjamin Conz; Curtis Murphy, Lardi; Reber, Kim Lindemann; Schilt, Simon Lüthi; Steiner, Pelletier, Simon Moser; Sandro Moggi, Camenzind, Claudio Moggi; Helfenstein, Iggulden, Brooks; Schild, Lukas Haas, Aurelio Lemm; Genazzi.

Die Mutter aller Niederlagen

Das WM-Abenteuer «Deutschland 2010» dauert gerade Mal einen Tag, ein Tag in Mannheim oder die «Mutter aller Niederlagen gegen Deutschland.» Der Roadtrip beginnt vielversprechend und voller Euphorie, doch die Niederlage beginnt bereits bei unserer Abfahrt, ja sie beginnt bereits bei unserem Entscheid nach Deutschland zu fahren. Logisch, dass unsere Naivität später bestraft werden sollte.

Nach dreieinhalb Stunden ist die SAP-Arena in Sichtweite. Via Schwetzingen und Karlsruhe fahren wir praktisch vors Stadion. Im Auto «schwetzen» wir (Rolf Pfeiffer und ich) davon, wie schön ein Schweizer Sieg heute Abend sein wird. Haben wir tatsächlich gemeint: «Wir fahren nach Deutschland und sind dabei wenn die Schweiz in den Halbfinal einzieht! Sowas darf man nicht verpassen!» Eigentlich logisch, dass es immer anders kommt, gerade bei Spielen gegen die «verhassten» Deutschen.

Fakt ist: Von zehn Freundschaftsspielen gegen Deutschland gewinnen wir neun. Von zehn WM-Spielen gewinnen wir vier! Von diesen vier Siegen gewinnen wir nur ein Spiel wo’s um wirklich etwas geht. Bei wichtigen Spielen gewinnen also immer die Deutschen, bis auf eine einzige Ausnahme: 1992, da gewinnen wir nur, weil wir als krasse Aussenseiter antreten können.

In Mannheim sind wir gegen die «Schwaben» der Favorit. Im «Horst» des Mannheimer Bundesadlers verlieren wir gegen eine zweitklassige Deutsche Mannschaft (auch bei Deutschland fehlen einige Leistungsträger) mit 0:1. Es ist die Höchststrafe für jeden Schweizer Hockeyfan der in Mannheim im Stadion sitzen muss. Die Sprechchöre «Scheiss Verlieeee-rer!» oder «ihr könnt Nachhause fahr’n!» lassen Wut, Hass und Aggressivität selbst beim «normalen» Schweizer Hockeygeniesser aufkommen, wir müssen uns wirklich beherrschen beim Abgang aus der SAP-Arena. Wie geschlagene Hunde ertränken wir uns anschliessend beim Bier.

Es bleibt die Erkenntnis: Wir Schweizer haben’s einfach nicht drauf. Wir sind ein Verliererland, die Angst zu verlieren ist trotz 13 Krueger-Jahren immer noch grösser als der Wille zu siegen. Im wichtigsten Spiel seit 1998 verlieren wir gegen den bisher schwächsten Gegner in einem Viertelfinal. Genau genommen haben wir gegen eine B-Nation verloren, denn die Deutschen sind an der letzten Weltmeisterschaft in Bern abgestiegen.

Hat der Verkauf des Trikots das Spiel für Deutschland beeinflusst? (Rolf Pfeiffer)

Vor dem Spiel verkaufe ich einem Deutschen Fan, im Elton-Verschnitt, mein Deutschland-Trikot. Krein und ein Deutschland-Trikot? Dieses habe ich einmal gegen ein Russland-Jersey bei meinem Kollegen und Blog-Initiator Simon Strecker spasseshalber getauscht. Nach dem Trikot-Verkauf kurz vor Spielbeginn habe ich mich daher gut und siegessicher gefühlt, doch vielleicht war die Partnerin von «Elton» bereits die Mutter der Niederlage…

Die Schmach zum Zeitpunkt der Niederlage, als Schweizer im Hexenkessel von Mannheim zu sitzen, grenzt an Höchststrafe. (Krein)

Am Nachmittag gehts entspannt zum skandinavischen Knaller zwischen Schweden und Dänemark. Auch Kevin Schläpfer ist Vorort und auf der Suche nach einem neuen Spieler für Biel: «Eigentlich wollte ich einen Tschechen beobachten, jetzt bin ich am falschen Spiel», so der ironische Biel-Trainer.

Nielsens Stock

Nach dem Viertelfinal-Aus Dänemarks beim applaudieren über Dänemarks WM-Auftritt, streckt mir Dänemarks NHL-Star Frans Nielsen seinen Stock hin? Warum denn gibt mir Nielsen seinen Stock?

Mit diesem Stock wird der Däne zu den drei besten Spielern seiner Mannschaft gewählt, gibt die Vorlage zum 1:3 und muss wegen eines Cross-Checks und eines Stockschlags zweimal auf die Strafbank. Dann dämmert es, mein T-Shirt lädt Nielsen zu dieser Geste ein. Ich trage das T-Shirt der New York Islanders und Nielsen hält mich vermutlich für einen Dänen…

Die drei besten Dänen der Weltmeisterschaft 2010: Peter Regin, Patrick Galbraith und Frans Nielsen. (Krein)