Am 28. März 2019 holt sich der SC Lyss, Dank einem 4:0-Auswärtssieg gegen den EHC Arosa, den 1. Liga Schweizermeister-Titel. Schon mit dem Titel der Westschweizer Gruppe stand am 12. März 2019 der Aufstieg in die MySports-League fest. Am Samstag folgte der offizielle Empfang durch den Gemeindepräsidenten und die Meisterfeier im Hotel Restaurant Kreuz in Lyss.
Zweiter Meistertitel
Die Lysser holten vor genau 30 Jahren, am 16. März 1989 erst- und letztmals den 1. Liga-Schweizermeister-Titel. Drei Helden von damals sind bei der aktuellen Meisterfeier dabei: Noël Gerber, Reto Gerber und Urs Reber. Keiner konnte sich an eine Meisterfeier von einst erinnern. Damals gabs, trotz dem zusätzlichen Aufstieg in die Nationalliga B, nichts. Die grösste anwesende Lysser-Legende ist Bernhard «Benu» Bula. Bula führte die Mannschaft am 3. März 1979 als Kapitän erstmals in die NLB. Mit dabei waren auch Lucien Ramseyer und Kult-Betreuer Rudolf «Ruedi» Krähenbühl, sie alle sind bei der jüngsten Lysser Erfolgsfeier dabei.
Söhne berühmter Väter
Florin Gerber heisst der aktuelle Captain, er hat das «Amt» von Bula und seinem «Götti» Noël Gerber mehr als würdig vertreten, denn er ist erst der dritte Lysser 1. Liga-Aufstiegs-Kapitän der 55-jährigen Clubgeschichte. Der Sohn des langjährigen Verteidigers Reto Gerber ist nicht der einzige mit berühmten Vater. Stürmer Fabio Mattioni (Foto zweiter v. links) fragt mich ob Lyss schon einmal 1. Liga-Meister gewesen sei, verblüfft sagt er, «wir haben schon ein bisschen Geschichte geschrieben?» Klar antworte ich, «etwas was dein Vater nie geschafft hat.» Vater Romeo Mattioni stemmte beim letzten Lysser Meistertitel 1989, den Pokal schon zwei Stufen höher, nämlich beim Schweizermeistertitel mit den SC Bern.
Auf der Kreuz-Toilette, begegnen mir Headcoach Patrick Glanzmann, Lyss-Spieler der ersten NLB-Saison und Stürmer Yanick Kohler, nach meiner Gratulation, selbstverständlich nach dem Händewaschen, erkläre ich Kohler-Junior, ob er wisse, dass sein Vater Thomas bis heute der letzte NLB-Torschütze der Lysser Geschichte sei. Natürlich weiss er dies nicht, denn er war damals, am 27. Februar 1993, gerade mal zweieinhalb Jahre alt. Erstaunt will er, trotz Meisterfeier, mehr darüber wissen. Im gleichen Lysser Abstiegskader von 1993 spielte auch ein Mann Namens «Fiala», die Rede ist von Hans «Jan» Fiala. Sein Sohn Kevin spielt heute in der National-Hockey-League bei den Minnesota Wild. Ein anderer, Dave Baseggio, ist heute Scout bei den Anaheim Ducks.
Wer weiss, vielleicht reden wir in 30 Jahren mit den alten Legenden von 2019 nicht zwingend über die NHL, aber über ihre langjährigen Karrieren und deren Söhne feiern einen weiteren Lysser Meistertitel. Zurück in die Gegenwart, da freuen wir uns auf eine neue Ära auf nationaler Ebene und auf Gegner wie Dübendorf, Basel, Wiki-Münsingen, Thun, Bülach, Düdingen oder Chur. In diesem Sinne «Hopp Lyss», denn der SC Lyss ist mehr als nur ein Club.
Morgen, 6 Uhr 45 in der Früh, der Wecker klingelt – ein Mammut-Programm steht bevor. Die Eishockeytasche meines Sohnes ist schon gepackt. Heute heisst die Hockey-Destination Olten. Olten, verkörpert auch meine alte Hockey-Liebe, wie haben mich doch die NLA-Zeiten der Oltner in der «Blacky-Ära» geprägt. Das Stadion Kleinholz in Olten liegt an der Sportstrasse 95, dies ist die Adresse, mit dem das Navigationsgerät gespeist wird, vor der Eingabe steht da immer noch das Ziel der letzten Destination, «Rue des Mélèzes 2, La Chaux-de-Fonds.» Eine Hockeysaison ist lange, kalt, intensiv und kräfteraubend, aber auch bereichernd, erfüllend und meine einzige Passion, welche ich seit meinem elften Lebensjahr intravenös verabreicht bekommen habe.
Von Lyssern und Oltern
Kurz nach dem Start holen wir noch einen Teamkollegen ab, dann gehts Richtung Solothurn. Um 8 Uhr 30 begrüssen wir, Headcoach Noël Gerber und ich, unsere Mannschaft. Es ist das letzte Turnier der Saison, wir appellieren an den wichtigsten Faktor unseres Hockey-Daseins, der Freude: «Geniesst das letzte Turnier, dann gibts eine lange Pause.» Die Mannschaft schlägt sich gut und der Spassfaktor steigt. Das Highlight ist ein Sieg gegen Lokalmatador EHC Olten. Mit 2:1 kämpfen wir das Heimteam in die Knie und beenden unsere Gruppe auf dem zweiten Schlussrang. Während des Turniers versende ich ein paar «Grüsse» aus dem Kleinholz an den Goalie des Fanionteams, «Simon, wir vertreten dich als Lysser im Kleinholz.» Der Lysser Simon Rytz ist am Vorabend mit dem EHC Olten gegen seinen Bruder Philippe und den SC Langenthal im Swiss-League-Halbfinal ausgeschieden. Hätten Simon und die Oltner gestern gewonnen, hätten sie am Mittag, während unseres Mittagessens, ein Training absolviert.
„Physisch und psychisch meine härteste Saison aller Zeiten.“
— Michael Krein
Während des Turnieres erspähe ich auch EHC Biel-Trainer Antti Törmänen, denn dessen Sohn steht für den EHC Biel-Spirit im Einsatz. Zu unserem Spiel um die Bronze-Medaille, trifft auch noch MySports-Kollege Andreas Hagmann ein, ein Oltner der nur fünf Minuten vom Stadion entfernt Zuhause ist. Die Eishockey-Welt ist klein und einfach wunderbar, sie ist der Puls meines Lebens und infiziert bereits die nächste Generation. Die deutsche Firma «Rookie-Playercards», gibt ihr Know-How zum besten, mit einem Zwei-Mann Fotografen-Team fertigt sie innerhalb eines halben Tages ein komplettes Fotoset sämtlicher Nachwuchs-Akteure an. Für die Kinder ein Leckerbissen, die professionellen Bilder und Karten verkaufen sich wie «warme Semmel.»
Von Olten nach Freiburg
Um 16 Uhr 30 gings wieder zurück ins Berner Seeland, dies für mich allerdings nur als Zwischenstation, denn um 18 Uhr muss ich in Freiburg sein. Meine nächste Destination heisst gleichentags «Allée du Cimetière 1, Fribourg.» Müdigkeit hat heute keinen Platz, ein solcher Tag verkörpert quasi meine übliche Tätigkeit zwischen August und März, da gibts mit Ausnahme der Festtage, kein hockeyfreies Wochenende. Es war zweifellos meine physisch und psychisch härteste Saison, mein wohl intensivster, längster und härtester Winter aller Zeiten. Mit dem letzten Piccolo-Turnier und dem letzten MySports Einsatz Vorort, wird der harte Winter gleich doppelt beendet. Was jeweils im August voller Vorfreude beginnt, endet im März mit einer grossen Genugtuung und entspannter Zufriedenheit.
Nach der Saison ist vor der Saison
Zu Ende geht auch die Ära der ehemaligen «Patinoire St. Leonard», 1982 erbaut, wird die BCF-Arena rundum saniert, die Baustelle ist rund ums Stadion bereits seit längerem im Gang. Zum letzten Mal sitze ich an diesem Abend in der kultigen und brüchigen Kommentatoren-Kombüse (Foto), etwas Wehmut macht sich breit, denn ich bin ein Traditionist, die Vergangenheit pflege ich oftmals besser als die Gegenwart. Nie vergessen werde ich mein erstes Spiel, welches ich mit meinem Vater in der ersten Saison der Bykow/Chomutow-Ära besuchen konnte, oder das Viertelfinal-Wunder Gottérons gegen den damaligen Champions-Hockey-League-Sieger ZSC Lions, im Frühling 2009. Doch nun gilt es wieder nach vorne zu schauen, die Saison mit der Weltmeisterschaft in Bratislava abzuschliessen und sich in den Sommermonaten gut zu erholen, denn bereits im August gehts wieder los, mit dem doppelten Kickoff, bei MySports und bei den Piccolos des SC Lyss.
Vor zwei Wochen habe ich einen langjährigen und guten Freund verloren, für seine Familie und seinen Freundeskreis gibt es in diesem Moment nichts was einem noch wichtig erscheint. Gegen einen solchen Rückschlag ist ein Spiel der 40. Runde, zwischen dem EHC Biel und den SC Rapperswil-Jona Lakers nur noch eine Randerscheinung, für alle im Stadion Anwesenden aber, ist es an diesem Abend das wichtigste Spiel auf der Welt.
Ein Eishockey-Unternehmen ist wie ein Leben eines Menschen, es vermittelt Liebe, Freude und Leidenschaft, bewältigt aber auch Krisen, Rückschläge und Tiefpunkte. Rapperswil-Jona und Biel haben sich beide aus dem zwischenzeitlichen Abstieg in die Swiss-League (Nationalliga B) wieder ins Oberhaus zurück gekämpft. Beide haben sich nach einer kurzzeitigen Klubfarben-Krise wieder erholt und zur ursprünglichen Identität zurück gefunden.
Vielleicht waren es genau diese Tiefschläge und Krisen, welche nötig waren die Organisation einen Schritt nach vorne zu bringen. Wenn ein Klub, durch Fehlentscheide und Misswirtschaft aber für immer verschwindet, gibt es kein zurück mehr. Deshalb sind es eben doch die kleinen Dinge, die das Leben lebenswert machen. So gesehen, ist die Partie der 40. Runde eben doch keine Randerscheinung, denn sie ist Teil unseres Lebens, welches wir in vollen Zügen und in jedem Moment geniessen müssen, auch wenn wir dies manchmal kurzzeitig vergessen.
Vorwort aus dem Matchprogramm, EHC Biel – Rapperswil-Jona, vom 26. Januar 2019
Am 17. April 2013 wurde Reto Berra vom EHC Biel zu den Calgary Flames transferiert. Am 3. November 2013 debütierte der Zürcher in der besten Liga der Welt, als sechster und bisher letzter Schweizer NHL-Torhüter, auswärts mit einem 3:2-Sieg in Chicago. Während seiner Zeit in Übersee und 76 NHL-Partie traf Berra nie auf Jonas Hiller.
Zum Zeitpunkt von Berras Debüt hatte Hiller schon sechs NHL-Jahre hinter sich. Berra wurde am 5. März 2014 von Calgary nach Denver zu den Colorado Avalanche transferiert. Am 1. Juli gleichen Jahres kam dafür Hiller nach Calgary. Nach neun Saisons bei den Anaheim Ducks und Calgary kehrte der Appenzeller als einer der drei erfolgreichsten Schweizer NHL-Goalies in die Schweiz zurück.
Erstes Duell nach der NHL-Karriere
Am 28. September 2018 standen sich Berra und Hiller, welche neben Calgary und der Schweizer Nationalmannschaft auch eine Bieler und Davoser Vergangenheit haben, erstmals nach ihrer NHL-Karriere als Gegner in der Tissot-Arena gegenüber. Nach einer 2:0-Führung der Seeländer, ging das verpasste NHL-Duell noch mit 3:2 an Berra und die Freiburger.
Beim zweiten Aufeinandertreffen, am 16. Oktober 2018 konnte Berra beim 3:0-Heimsieg über Hiller und den EHC Biel sogar einen Shutout feiern. Am 7. Dezember 2018 revanchierten sich Hiller und die Bieler mit einem klaren 4:0-Auswärtssieg. Einen Tag später holte Berra mit Gottéron den zweiten Auswärtssieg gegen Hiller mit einem 4:1 in Biel.
Fünf Duelle vor der NHL-Karriere
Berra und Hiller trafen schon vor ihrem Nordamerika-Abenteuer aufeinander. Die erste Affiche gabs am 5. März 2006 zwischen dem HC Davos und den ZSC Lions. Hiller siegte im letzten Qualifikationsspiel mit den Bündnern gegen Berra und die Lions, welcher als Ersatz für Ari Sulander zum Einsatz kam, mit 5:2.
In den Playoffs 2005-06 standen sich Berra und Hiller während vier Viertelfinal-Partien gegenüber. Auf dem Weg zum 28. Meistertitel der Bündner, ging Hiller dreimal als Sieger vom Eis. Wobei Berra in seiner einzigen siegreichen Partie, für den durch eine Adduktoren-Verletzung ausgeschiedenen Stammkeeper Sulander, nur noch in den letzten neuneinhalb Minuten zum Einsatz gekommen ist.
Hiller führt gegenüber Berra mit 5:3, die nächsten Duelle gibts am 5. Januar 2019 in Biel und am 16. Februar 2019 in Freiburg, sofern die beiden Stammtorhüter eingesetzt werden.
Die Duelle Berra gegen Hiller
5. März 2006, 2:5 in Davos 3. März 2007, 5:2 in Zürich (Berra 9 Minuten und 31 Sekunden im Einsatz) 5. März 2007, 2:4 in Davos 8. März 2007, 1:3 in Zürich 10. März 2007, 0:3 in Davos 28. September 2018, 3:2 in Biel 16. Oktober 2018, 3:0 in Freiburg 7. Dezember 2018, 0:4 in Freiburg 8. Dezember 2018, 4:1 in Biel 5. Januar 2018 in Biel 16. Februar 2018 in Freiburg
Das Mannheimer Eishockey hat mit Jochen Hecht, Erich Goldmann, Dennis Seidenberg, Robert Müller und Denis Reul schon fünf Spieler in den NHL-Draft gebracht. Eine erfolgreichere Draft-Bilanz haben in Deutschland nur noch die Kölner Haie. Auch Leon Draisaitl hat vor seinem Nordamerika-Engagement bei den Prince Albert Raiders, drei Jahre für die Jungadler in Mannheim gespielt.
Der nächste Export der Jungadler heisst Moritz Seider. Bereits im Alter von 16 Jahren hat der Verteidiger vier Partien in der DEL gespielt. In der aktuellen Meisterschaft gehört der 17-Jährige bereits zum Stammkader der Adler. Den Jungspund erblickt man schon beim Warm-up, dies nicht nur wegen seines Gitterhelms, sondern auch wegen seines Engagements.
„Beeindruckend wie der junge Mann mit der Nummer 53 seine Rolle schon spielt.“
— eishockeyblog
Die Partie gegen die Bremerhaven Fischtown Pinguins läuft und Seider setzt sich von Beginn weg gut in Szene. Beeindruckend, wie abgeklärt der junge Mann mit der Nummer 53 und dem Gitterhelm seine Rolle schon spielt. In der 26. Minute verlässt der Jungadler seinen Adlerhorst und stürmt als «vierter Stürmer» in die Offensive und gibt prompt den entscheidenden Impuls zum Game-Winning-Goal der Mannheimer.
Auf der Liste von «Central-Scouting-Europe», liegt das Nachwuchstalent derzeit auf dem sechsten Rang, sämtlicher europäischen Feldspieler. Im Juni 2019, dürfte Seider als einer der höchsten Drafts Deutschlands in die Geschichtsbücher eingehen. Der ehemalige Mannheimer Draisaitl, als Nummer drei dürfte allerdings schwer zu toppen sein, für Mannheim aber wird Seider der höchste Draftpick werden.
Moritz Seider, ganz hinten bei GSK-Stockmann beim Stickhandling. (Krein)
Ein Guide wie Seider
Beeindruckend wie das grösste Talent Deutschlands, ist auch Mannheims Media-Guide. Ein A5-Buch von 334 Seiten, geht im Fanshop für gerade mal 10 Euro über den Ladentisch. «Eishockeystadt MANNHEIM Seit 1938», steht auf dem Cover, welches vom ex-Klotener Chad Kolarik präsentiert wird. Für jeden Zahlen- und Historik-Freak ist dieses Buch mehr als nur ein Weihnachtsgeschenk. Da drin steht alles, sogar sämtliche Spieler bis zur U12 sind porträtiert.
Die Banner der sieben Meistertitel finden sich auch im Media-Guide. (Krein)
Auf den Seiten 84 und 85 ist das Porträt von Seider, welches zusätzlich über sein DEL-Debüt, am 25. Oktober 2017, als zweitjüngster Spieler der Adler-Geschichte informiert. Mannheims Media-Guide hat definitiv das Potenzial für die NHL und dies hat auch Seider. Spätestens im Juni 2019 wird Seider wieder beeindrucken, wenn er vom Mannheimer Media-Guide in die Bücher der NHL wechselt.
Innerhalb der Vsevolod Bobrov-Division steht der Knüller zwischen Dynamo Moskau und SKA St. Petersburg auf dem MySports-Programm. Das viertplatzierte Dynamo empfängt Leader SKA in der Megasport-Arena. Für mich ist es die erste KHL-Partie seit dem Gagarin-Cup-Final am 22. April. Dynamo, eines der besten Teams der Welt in den 90er Jahren, welches in zahlreichen Europa-Cup-Auftritten entzückte. Ich erinnere mich auch an den Churer Goalie Thomas Liesch, welcher sich noch zur Zeit des eisernen Vorhangs eine Saison bei Dynamo als erster Schweizer in «Russland» regelrecht durchbeisst. Vom Glanz der sowjetischen Tage ist bei der neusten Moskau-Ausgabe nicht mehr viel übrig, immerhin sind die Trikots noch fast identisch – das hat Stil und Klasse – so wie die TV-Produktion dieses Spiels. Der Ablauf, die Grafiken, die Einblender und Einspieler und sogar Live-Bilder aus der Kabine geben dem Fernseh-Zuschauer das Gefühl mittendrin- statt nur dabei zu sein.
„Ivan Bocharov pariert 97.6 Prozent der 43 Schüsse.“
– Michael Krein, Kommentator
Mittendrin ist auch SKA-Trainer Vladimir Krikunov: Im ersten Drittel trifft ihn ein Puck am Kopf und er muss kurzzeitig in der Kabine verarztet werden. Bis zur 6. Minute ist Krikunovs Kopf gleich viel getroffen worden wie der gegnerische Kasten seiner Spieler, nämlich nur einmal. 41 Schüsse pariert der Schlussmann des Polizei-Clubs und avanciert, trotz Niederlage, zum Mann des Spiels. Ivan Bocharov ist auf dem Weg zur Nummer eins, Stammkeeper Alexander Yeryomenko dürfte in Bocharov einen Nachfolger an seiner Seite haben. Der 23-jährige Torhüter war bei Lieschs Aufenthalt (1992) noch gar nicht auf der Welt, dennoch kann Liesch im Zusammenhang mit Bocharov beim Live-Kommentar erwähnt werden.
Erwähnenswert sind auch die drei ehemaligen «Schweizer» Patrik Zackrisson (20 Minuten 41 Sekunden Eiszeit), Daniel Rundblad (15 Minuten, 31 Sekunden Eiszeit) und Viktor Tikhonov (5 Minuten, 57 Sekunden Eiszeit). Bei den Gästen sind da noch Weltstar Pavel Datsyuk (1’110 NHL-Spiele) und der Nummer-One-Draft von 2012, Nail Yakupov (350 NHL-Spiele). Datsyuk setzt 26 Sekunden vor Ablauf den Schlusspunkt ins leere Tor, zum schwachen Trost für den überragenden Schlussmann Bocharov…
Am 23. Oktober 2018 schiesst Steve Mason innert 6 Minuten und 39 Sekunden seine National-League-Tore eins und zwei. Beide Treffer fallen im Powerplay und die Lakers gewinnen gegen Genf-Servette mit 4:3. Die Mason-Doublette zum 3:2 und 4:2 ist wegweisend für Rapperswil-Jonas zweiten Sieg im zwölften Spiel. Der holländisch-kanadische Doppelbürger spielt seit 2015 für die Lakers und kam während der Saison 2015-16 vom niederländischen Spitzenklub Tilburg Trappers in die Rosenstadt.
diese Karte habe ich auch noch
Vor dem Interview mit MySports frage ich den holländischen Internationalen, Mason bestritt fünf Weltmeisterschaften, ob er sich an seinen ersten Verein erinnern könne, die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen, «ja den SC Lyss.» Steves Vater Doug Mason wurde im Sommer 1992 vom damaligen NLB-Club Lyss als Nachfolger von Mike McParland verpflichtet, so unternahm «klein-Steve» im alter von vier Jahren bei den Lysser Bambinis die ersten Gehversuche auf dem Eis.
Einst gegen Rapperswil-Jona
Vater Doug wurde, in der schlechtesten Lysser NLB-Saison, mit nur einem Sieg nach neun Spielen im Oktober 1992 entlassen. Mason wurde im Heimspiel gegen den HC Thurgau, in der zweiten Drittelspause beim Stand von 0:4 seines Amtes enthoben. Dennoch erinnert sich Steve immer noch bestens an das kurze Gastspiel: «Diese Karte (siehe Foto) habe ich auch noch», sagt der freundliche Mittelstürmer der Lakers. Übrigens, den Saisonauftakt 1992 verloren die Lysser unter Coach Mason gegen Rapperswil-Jona mit 1:8.
Am 1. Oktober 2018 treffen die New Jersey Devils in der PostFinance Arena, im Rahmen der NHL Global-Series-Challenge 2018 auf den SC Bern. Zum ersten mal in der Klubgeschichte gastiert die Mannschaft aus New Jersey in Europa. Ihre Vorgänger Franchise, die Kansas City Scouts spielen zwischen dem 14. und 18. April 1976 vier Partien in Sapporo und Tokyo gegen die Washington Capitals.
Für Bern ist es nach dem New York Rangers vor zehn Jahren, das zweiten Treffen mit einer Franchise aus dem Grossraum New York. In der Geschichte ist es die achte «NHL-Partie» auf Schweizer Eis. Zusätzlichen Reiz schaffen die beiden Schweizer Nico Hischier und Mirco Müller, welche erstmals mit ihrem Team in der Heimat antreten können.
Bereits am Tag davor werden in der PostFinance Arena fleissig die Hymnen trainiert. In der leeren Halle probt die Sängerin die Akustik. Zu den Beobachtern gehört auch ein älterer Herr mit Brille, es ist der Scouting-Director des Teams, Gaetano Orlando. Bern ist 1994 Orlandos erste Anlaufstation nach seiner grossen Karriere (vier Meistertitel plus Alpenliga-Sieger) in Italien. Auch in der Schweiz hat sich der Italo-Kanadier unsterblich gemacht, in fünf Jahren kommen zwei weitere Pokale (1997, 1999) dazu.
Alles bis ins Detail geplant und bereit für die Gäste aus der NHL. (Krein)
Für seine jetzige Organisation hat er nie in der NHL gespielt, dafür 103 Spiele für die Buffalo Sabres und als Supplement, bereits als Assistenz-Trainer der Albany River Rats, 2003-04 im Alter von 41 Jahren eine Partie für das Farmteam der «Teufel.» Apropos «Teufel», Orlando spielt im Dezember 1992 im Rahmen des Europacups mit den Devils Mailand siegreich gegen den SCB. Orlando pflegt noch heute seine Kontakte mit den Bernern, wie etwa mit Kultfigur «SCB-Jüre» Wymann.
Die Kontakte der beiden Schweizer Söldner sitzen beim Spiel im Stadion. Im Team der Gegenwart hat Hischier mit 87 Spielen Orlando auf dem NHL-Parkett schon fast eingeholt. Müller steht bei 85 Partien für San Jose und New Jersey. Ein Spiel gegen das Fanionteam des SCB haben aber beide noch nie bestritten, da ist ihnen ihr Scouting-Director noch Meilen voraus.
Die Devils beim Warm-up, Hischier beim Bullykreis. (Krein)Mark Streit zum Puckeinwurf zwischen Simon Moser und Mirco Müller. (Krein)Bully nach dem ersten Treffer durch Andy Greene. (Krein)
Europapark Rust, irgendwo zwischen «Silverstar» und «Poseidon» erreicht mich eine Whatsapp-Nachricht meines einstigen Eishockey-Kollegen Jarno Michel. Der ehemalige Lyss-Trainer Cliff Stewart weilt für ein paar Tage in Lyss und wolle sich ein Training der ersten Mannschaft ansehen, ob ich ihm weiterhelfen könne. Natürlich stösst der ehemalige Torhüter und Spieler aus dem Lysser-Nachwuchs bei mir auf ein offenes Ohr, Cliff Stewart wurde 1980 als erster vollamtlicher Profitrainer in Lyss engagiert.
Langjähriger Lyss-Kontakt
Der 71-jährige Kanadier befindet sich auf Europa-Tour und besucht seine ehemaligen Wirkungsstätten, unter anderem war er auch an der Jubiläumsfeier im holländischen Geleen, wo er zwischen 1992 und 1997 als Headcoach bei den «Meetpoint Eaters» im Amt war. Sein Engagement in Lyss kam unter der Präsidentschafts-Ära von Peter Bangerter zustande. Nach nur einer Saison im Seeland, bleibt Stewart – der im Sommer 1981 zum EV Zug gewechselt hat – stets mit dem langjährigen OK-Präsident des Lysser Industriecups, Jürg Michel in Kontakt, der Vater meines aktuellen Whatsapp-Informanden.
„Stewart richtet ein paar Worte an die 1. Mannschaft.“
— Mathias Müller
Wenn Stewart 37 Jahre nach seinem Abgang die Lysser Seelandhalle betreten wird, dann muss dies in einem angemessenen Rahmen passieren. So kontaktiere ich noch aus dem Europapark den neuen Präsidenten Mathias Müller, welcher sofort alle Hebel in Bewegung setzt um die einstige Trainerlegende in Lyss zu empfangen. Bestenfalls hätte man Stewart zum Saisonauftakt gegen den HC St. Imier, am 29. September auf dem Eis begrüssen wollen, der Kanadier allerdings hat seinen Rückflug bereits einen Tag vorher gebucht.
Ein würdiger Empfang
So wird Stewart mit seiner Gattin Gloria am Mittwoch, 26. September, um 19 Uhr von Lyss-Coach Patrick Glanzmann und Präsident Müller zu einem Training des Fanionteams empfangen. In der Kabine richtet Stewart ein paar Worte an die jüngste Ausgabe des Schlittschuhclub Lyss. Stewart seinerzeit erreichte das Saisonziel «Aufstiegsspiele zur NLB» 1980-81 nicht. Übrigens, von Stewarts Mannschaft ist heute noch einer im Nachwuchs-Trainerstaff tätig, Novizen-Trainer und Eisplaner Urs Christen. Vor lauter hektik wird beinahe noch das Erinnerungsfoto für «Socialmedia» vergessen. Die fleissige Club-Sekretärin, womöglich durch eine Info aus dem Europapark beauftragt, eilt noch rechtzeitig vorbei. Stewarts Europa-Tournee geht in Lyss zu Ende, meine im «holländischen Teil» des Europaparks…
Gleich zweimal treten die Berner innert Kürze gegen die «Teufel» an. Nach dem britischen Meister Cardiff Devils als Sparringspartner in der Champions-Hockey-League, gastieren drei Wochen später die grossen New Jersey Devils im Rahmen der Global-Series in der Hauptstadt. Doch auch die Waliser entpuppen sich als ernste Gegner. Die Berner sind gewarnt, denn vor einer Woche setzten sich die Mutzen in Wales erst in der Overtime knapp mit 3:2 durch.
Cardiff schreibt in den 90er Jahren erstmals britische und internationale Geschichte, die Devils holen zwischen 1990 und 1994 drei Meistertitel und spielen im Europa-Cup und verpassen dort knapp den EHC Kloten. Dies veranlasst mich schon damals im Schulalter einen Brief nach Cardiff zu entsenden, welcher durch die Waliser mit grosser Verwunderung, über ihren Bekanntheitsgrad bis in die Schweiz, beantwortet wird und sogar in einem Matchprogramm abgedruckt wird.
Um diesen Bekanntheitsgrad müssen die Briten heute nicht mehr kämpfen, denn Ben Blood (Blut) und Co. verlieren auch ihre zweite Partie gegen die Berner erst in den Schlussminuten. Etwas früher verliert dafür Berns Videowürfel den Kontakt zur Aussenwelt. Ob da der «Teufel» seine Finger im Spiel gehabt hat? Der kurze elektronische Aussetzer bleibt praktisch unbemerkt und der Teufel wird gleich doppelt besiegt.
Time-out in der 55. Minute, beim Stand von 2:2. (Krein)Furchteinflössender Name, Ben Blood mit der Nummer 77. (Krein)
Antti Törmänen und Waltteri Immonen haben zwischen 1990 und 1998 sieben Jahre zusammen beim finnischen Topklub Jokerit Helsinki verbracht. Seit 2008 ist Immonen als Assistenztrainer in der Schweiz tätig, Törmänen kam drei Jahre später zum SC Bern. Heute stehen die zwei Finnen bei Kloten und Biel an der Bande.
Szenenwechsel: Es ist Samstag, sieben Uhr in der Früh, die ersten Eltern treffen mit ihren Kindern in der Rigihalle in Küssnacht ein. Eines von zahlreichen Piccolo-Turnieren, welches Wochenende für Wochenende auf allen Eisbahnen in der Schweiz über die Bühne geht. Erstmals dabei beim Küssnachter SC ist ein Jungtrainer, gleichzeitig spielt der Mann mit «Jokerit Helsinki» Baseballcap im Fanionteam in der 2. Liga.
Riki Immonen (links im Jokerit-Cap), vermutet keinen Törmänen. (Küssnachter SC)
Der Jungtrainer mit der Jokerit-Mütze ist der Sprössling von Waltteri Immonen. Doch er ist nicht der einzige Finne, welcher an diesen Samstag Vormittag in der Rigihalle im Einsatz steht. Bei den Piccolos des SC Lyss steht ebenfalls ein Finne auf dem Matchblatt, dabei handelt es sich um den jüngeren Sohn des Trainers der 1. Mannschaft des EHC Biel. Biel und Lyss arbeiten bei den jüngsten zusammen, so gehören solche Aufgebote zur Tagesordnung. Törmänen Junior trägt sogar noch die Stulpen von IFK Helsinki, dem letzten Klub, vor Papas Wechsel ins Berner Seeland.
Ein aufmerksamer Gegenspieler Küssnachts, neben Törmänen stehend, will mehr wissen und fragt erstaunt: «Tragen die Spieler ihre echten Namen auf ihren Trikots?» Ob dies dem Küssnachter Assistenten finnischer Herkunft ebenfalls aufgefallen ist? Vermutlich nicht, warum auch, denn Riki Immonen hat immer in der Schweiz gespielt. So duellieren sich «heimlich» die Söhne aus der finnischen Hauptstadt im schweizerischen Küssnacht, in der Schweizer-Nachwuchsausgabe mit dem besseren Ende für «Jokerit».
Die Schweizer Reise geht nicht in die Hockeystadt Herning, sondern ins eher «unhockeyhafte» Kopenhagen. Der 16-fache dänische Meister Herning Blue Fox hat schon fünf Dänen in die NHL gebracht. Die dänische Hauptstadt kann da nur mit ihren Vororten mithalten, Rodovre, Rungsted, Herlev, Hvidovre und Gentofte heissen die Erstligisten rund um Kopenhagen. Das WM-Stadion Royal Arena ist aber eine Mehrzweckhalle und dient nicht dem Eishockey.
In Herning da soll die WM-Party abgehen, anders als im beschaulichen Kopenhagen. So bleibt uns nichts anderes (oder Anders?) übrig als am weltberühmten Nyhavn zu Speis und Trank einzukehren. Dies tun wir nicht zufällig, im Restaurant Heering. Um einen Hauch Herning zu haben, essen wir also im Heering, bedient durch Henning, einen Hering, dazu gibts, passend zum WM-Stadion, das Royal-Bier.
Im Kopenhagener Nyhavn… (Krein)…gibts den Fischknusper-Hering bei Heering von Henning. (Krein)
Und Eishockey?
In Extremis steigen wir quasi vom Taxi, das Gepäck noch im Flughafen, direkt ins erste WM-Spiel zwischen Russland und Tschechien. Trotz saftigen Preisen steigert sich der Bierkonsum von Stunde zu Stunde, sodass zumindest ein Jogging durch die Freistadt Christiania fällig wird. Eine eindrückliche Gegend, welche einst durch König Christian den vierten 1617 gegründet- und 1971 zur alternativen Wohnsiedlung umfunktioniert wird.
Zurück zum Eishockey, beeindruckt mit seiner imposanten Erscheinung hat der Russe Nikita Trjamkin (in deutscher Version) oder Tryamkin (in der englischen Trikotversion). Der Hüne aus Jekaterinenburg oder dem ehemaligen Swerdlowsk kann mit seinen 2 Meter 02 und 115 Kilos einfach einen Schritt über die Bande nehmen. Bei Frankreich gibt Sebastian Ylönen, Sohn von Goalie-Legende Petri Ylönen, gegen Tschechien seinen Einstand im Nationalteam und die Österreicher mit Stefan Ulmer und Co. sitzen nach ihrem Ligaerhalt in unseren Lieblingslokal «Cafe Europa 1989.»
Mehr als nur Ligaerhalt gilt für das Heimteam um Assistenzcoach Heinz Ehlers. Das dänische Märchen schreiben aber nicht die Dänen, sondern die Schweizer. Während die «dänen» Dänen in Herning den Viertelfinal-Einzug verpassen, zieht die Schweiz zum zweiten mal innert fünf Jahren ins Endspiel ein. «Unser» Märchen schreibt Hans Christian Andersen in Form eines Kurzfilms, die «1:05» widerspiegeln sämtliche Facetten der wunderbaren Frühlingstage von Kopenhagen.
In der 28. Minute, beim Stand von 5:0 für Tschechien, wird Sebastian Ylönen eingewechselt, es ist die WM-Feuertaufe für den 26-jährigen Torhüter. Damit debütiert der Sohn von Frankreichs Goalie-Legende Petri Ylönen noch zwei Jahre vor seinem berühmten Vater für Frankreich. Petri, damals aus Finnland eingebürgert, hat sechs Weltmeisterschaften und zweimal die Olympischen Spiele für «Les Bleus» absolviert. Ylönen Junior musste, im Blickfeld seiner Freundin, nur noch einen Gegentreffer durch Necas hinnehmen.
Als Kommentator von MySports kommst du auch in den Genuss der Kontinental-Hockey-League (KHL), eine Herausforderung welche mich anspornt. Die Motivation steigert sich zusätzlich wenn es im KHL-Final um den Gagarin-Cup geht. Ak Bars Kasan führt in der «Best-of-Seven-Serie» mit 3:1-Siegen und kann heute Zuhause alles klar machen. Bereits bei Spiel drei in Moskau darf ich ran.
Leider berichte ich nicht in Kasan Vorort von der Tribüne, sondern aus der Kombüse im freiburgischen Rossens, unserem MySports-Studio der Romandie. Dennoch ist die Vorfreude über den möglichen Titelgewinn Kasans bereits in der Vorbereitung ein Genuss. Es ist die zehnte Austragung des Gagarin-Cups und Kasan siegte bereits bei der ersten Titelvergabe 2009.
Pünktlich um 15 Uhr 55 gehts los mit den Worten: «Ich begrüsse Sie zum Final um den Gagarin-Cup 2018 – an diesen schönen Sonntag Nachmittag zur fünften Partie in der Final-Serie zwischen AK Bars Kasan und ZSKA Moskau – zum dritten Mal aus der Tatneft-Arena in Kasan.» Schön wärs, jetzt auf dem Kommentatoren-Platz in der Arena in Tatarstan sitzen zu können, stattdessen sitze ich mutterseelenallein in einer Kombüse zwischen Kuhweide und Autobahnanschluss der A12.
Wie Gagarin?
Juri Gagarin sass am 12. April 1961 alleine in der Raumkapsel «Wostok Eins» und umrundete in 108 Minuten einmal die Erde, fernab vom sowjetischen Festland. So auch ich, ich sitze alleine in der Kommentatoren-Kapsel «MySports Eins» und kommentiere in rund 128 Minuten den Final um den Gagarin-Cup, fernab vom russischen Festland. Der Gedanke ist selbstverständlich (K)reine Selbstironie.
Keine Ironie ist der torarme Final, über die gesamte Finalserie fallen in fünf Spielen gerade mal 16 Tore, so wenig wie noch nie. Kasan gewinnt durch den einzigen Treffer, ausgerechnet durch den Kanadier Rob Klinkhammer, in Spiel fünf den dritten Meistertitel der Clubgeschichte. Das Spektakel ist riesig und wir senden die ganze Zeremonie samt Pokalübergabe, siehe unten auf YouTube, wohl als einziger Sender des deutschsprachigen Raumes. Es hat doch was spezielles, vermutlich war ich weltweit der einzige «deutschsprachige Gagarin», der diese Partie kommentiert hat?
Aus der Organisation der ZSC Lions gibts immer wieder NHL-Kandidaten. (Hervé Chavaillaz)
Tissot-Arena in Biel, die Pressekonferenz wurde von den beiden Presse-Verantwortlichen Sandro Frei und Silvan Andrey abgehalten, da betritt ein gut gekleideter, älterer Herr den Presseraum. Höflich bittet er den Pressechef um eine Aufstellung. Wer noch spät im Presseraum herumlungert, bemerkt den nicht alltäglichen Gast und erkennt ihn durch seine englische Sprache. Sofort ist klar, die Scouts aus der National-Hockey-League bummeln wieder durch die europäischen Stadien, allerdings trägt er ein Logo von ZSKA Moskau auf seiner Jacke.
Eigentlich nichts spezielles und dennoch fragt man sich, wen beobachtet er? Was notiert er? Welcher Akteur imponiert ihm? Auf der Pressetribüne, wie könnte es auch anders sein, nimmt der freundliche, ältere Herr neben mir Platz und fragt vorher ob dieser Sitz noch frei sei. Im Smalltalk gibt Danny Brooks einiges Preis: Als Scout der Washington Capitals tourt er einige Wochen durch Europa, zum Playoff-Beginn weilt er noch in der Schweiz, dann geht er eine Woche nach Schweden.
Europäisches Nashville
Auf die Frage wen er den heute Abend beobachtet, zeigt sich der Scout, wie erwartet bedeckt, «i look for everyone», sagt er lachend. Er füt hinzu, dass ihm die europäische Stadion Atmosphäre imponiert, seine Tochter und seine Frau, wären sie hier, würden sie mitten in der Stehrampe stehen. Statt über mögliche Kandidaten für die Capitals, unterhalten wir uns über die unterschiedliche Fankultur zwischen Europa und Nordamerika. «Am ehesten kommt Nashville an die Stimmung der Europäer, in Nashville ist das Publikum frenetischer als in der NHL üblich», sagt Brooks weiter.
„I look for everyone.“
— Danny Brooks (Scout, Washington Capitals)
Und Brooks weiss wovon er spricht, als Spieler hat er in den neunziger Jahren in Grossbritannien gespielt und als Assistenztrainer war ein Jahr in der Kontinental-Hockey-League bei ZSKA Moskau tätig. Zurück zum Spiel: Die Intensität gefällt ihm, auf dem Eis gehts ziemlich zur Sache, die Bieler führen nach 40 Minuten mit 2:0 und ein erster Vorgeschmack auf die Playoffs ist zu spüren. Am Montag besucht er das «Rückspiel» in Zürich oder das 50. und letzte Qualifikationsspiel.
Erste Saison für Siegenthaler
Washington hat sich 2015 die Rechte von Zürichs Jonas Siegenthaler gesichert und ihn im Draft in der zweiten Runde als Nummer 57 gezogen. Man sei in sehr zufrieden mit Siegenthaler sagt Brooks weiter. Nach zwei Stippvisiten, bestreitet der 20-jährige Verteidiger seine erste «ganze» Saison in Nordamerika und ist im AHL-Team der Hershey Bears parkiert. In Hershey ist Siegenthaler, nach David Aebischer und Timo Helbling, erst der dritte Schweizer in der 80-jährigen Klubgeschichte.
In der Schweiz ist Brooks kein unbekannter, im Juli 2014 sorgte der irisch-amerikanische Doppelbürger beim SC Bern für kuriose Schlagzeilen. Nachdem Brooks als Assistent von Guy Boucher verpflichtet wurde, wurde das Engagement nach knapp einer Woche wieder aufgelöst. Brooks, der bereits zwei Jahre als Assistent von Boucher in Drummondville tätig war, soll gleichzeitig in Frankreich einen Vertrag unterschrieben haben.
Ob sich auch Julian Schmutz ins Notizbuch von Brooks gespielt hat? (Hervé Chavaillaz)
3. März 2018
Biel – ZSC Lions 4:1 (1:0, 1:0, 2:1) Tissot-Arena. – 5’828 Zuschauer. – SR Mollard/Müller, Altmann/Kaderli. – Tore: 14. Schmutz (Diem) 1:0. 39. Rajala (Forster/Ausschlüsse Earl; Kenins, Suter) 2:0. 44. Rajala (Pedretti) 3:0. 57. Chris Baltisberger (Sutter/Ausschluss Wetzel, ZSC Lions ohne Torhüter) 3:1. 59. Schmutz (Neuenschwander, Kreis) 4:1 (ins leere Tor). – Strafen: Biel 10-mal 2 Minuten, ZSC Lions 8-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: PostFinance-Topskorer: Pouliot; Pettersson. Biel ohne Lofquist (überzähliger Ausländer) sowie Dufner, Tschantré und Valentin Lüthi, ZSC Lions ohne Blindenbacher, Nilsson, Sjögren, Marti (alle verletzt), Klein (krank), Pelletier (überzähliger Ausländer) sowie Künzle, Pestoni und Miranda (alle überzählig). 58. Tor von Chris Baltisberger annulliert (hoher Stock). (58:08) Timeout ZSC Lions und ab 56:06 bis 56:39 und von 57:35 bis 58:42 ohne Torhüter. Biel: Hiller; Jecker, Forster; Fey, Kreis; Maurer, Steiner; Hächler; Pedretti, Pouliot, Rajala; Micflikier, Fuchs, Earl; Schmutz, Diem, Neuenschwander; Joggi, Sutter, Wetzel; Fabian Lüthi. ZSC Lions: Flüeler; Seger, Phil Baltisberger; Sutter, Geering; Guerra, Berni; Karrer; Pettersson, Vey, Suter; Wick, Shore, Kenins; Chris Baltisberger, Schäppi, Herzog; Bachofner, Prassl, Hinterkircher; Korpikoski.
Die kalte Kultstätte Ambrìs könnte auch die kultige Kaltstätte heissen. Dies gilt auch für den bitterkalten Januar-Abend 2018 der 44. Runde gegen den EHC Biel. Das eingeschneite Leventiner-Dorf könnte auch jedes Jahr ein perfekter Austragungsort für eine Winter-Classic sein, dies gilt für die Pista la Valascia auch mit dem Dach, denn dieses tut nichts zur Sache.
Vorbereitet für eine Winter-Classic ist auch der welsche Kommentator David Pietronigro, der arme Kerl sitzt als einziger, ich und der Tessiner sitzen im warmen Kabäusschen, draussen. Draussen heisst zwar auf der Presssetribüne oberhalb der Strafbank, jedoch ausserhalb der zusammengeflickten Kommentatoren-Kombüse. So hat Pietronigro neben seinen Unterlagen einen kleinen Heizkörper mitgenommen.
Das ist Winter-Classic. Classic ist auch der Aufstieg zu den Kommentatoren-Plätzen. Zuerst gehts über eine Leiter, dann weiter über einen Holzsteg und Vorsicht, ohne den Kopf einzuziehen gehts nicht. Dies gilt auch für den abenteuerlichen Steg zu den Presseplätzen der schreibenden Medien. Zum Interview kommt Dominic Zwerger, der bei allen Treffern seinen Stock im Spiel hatte. Bis zur Interview-Wand schaffte es auch die Heizung des welschen Kommentators oder wenn der Journalist mit der Heizung zum Interview kommt, dann ist er in Ambrì.
MySports-Kommentator David Pietronigro mit seiner Privatheizung. (Krein)
Kalt ist es auch im Spieltisch-Kabäusschen der Valascia (Krein)
Für die ehemalige Genf-Servette-Legende Philippe Bozon ist schon am 21. Dezember Weihnachten. Vor dem Spiel wird Bozons Rückennummer 12 unter die Hallendecke der Patinoire les Vernets gezogen. Selbstverständlich passt das zum heutigen Gegner aus Kloten, denn dort steht Philippes Sohn Tim unter Vertrag. Papa Philippe ist Trainer des französischen Erstligisten Bordeaux Boxers und steht mit dem Tabellenvierten erst morgen wieder im Einsatz gegen Strasbourg. Ebenfalls von Bordeaux nach Genf gekommen ist Servettes heutiger Keeper Remo Giovannini, dies aber schon am 19. Oktober. Nicht nach Genf gekommen ist dafür der NHL-Scout der Vegas Golden Knights oder «Las Vegas Knights», wie die Genfer den reservierten Platz bezeichnen. Der Platz des ehemaligen 48-fachen SCB-Söldners Alexander Godynyuk bleibt über die 60 Minuten leer.
Bozon und Godynyuk
Godynyuk und Bozon treffen während ihrer NHL-Karrieren zweimal aufeinander, am 7. Oktober 1993 gewinnt Bozon mit den St. Louis Blues gegen Godynyuk und die Florida Panthers mit 5:3 und am 6. Januar 1994 in Hartford nochmals gegen Godynyuk und die Whalers mit 2:1. Bozon und Godynyuks Wege kreuzen sich auf Schweizer Eis nicht, Godynyuk verlässt 1999 den SCB, Bozon kommt 1999 nach Lugano. Am 5. November 1998 gewinnt Godynyuk mit der Ukraine erstmals ein Direktduell gegen Bozon mit Frankreich, im Rahmen der WM-Qualifikation in Ljubljana mit 4:1.
Bozens Ehrung zu Servietten Unsterblichkeit verpasst der einstige Gegner und heutige NHL-Scout der Knights. Montreals NHL-Draft Tim Bozon, durch Vaters Engagement 1994 in St. Louis geboren, übergibt als Kloten-Spieler seinem Vater das Genfer-Trikot mit der Rückennummer 12. Der 198-fache Servettien ist damit einer von sechs unsterblichen in der 113-jährigen Ära der Grenats. Bozon-Junior bleibt in der elften Minuten ein Treffer (zum 0:2) verwehrt, stattdessen wendet der ehemalige Klub seines Vaters den Rückstand in einen 4:1-Sieg und Genf-Junior Thomas Heinimann erlebt seine Tor-Premiere, leider ohne den Scout der Golden Knights…
Nach genau 655. Einsätzen verabschiede ich mich, als „SRFs Antwort auf Mathias Seger“, am 22. September 2017, als dienstältester Sport-Guide. Einst habe ich Reto Brunner als dienstältesten Sport-Assistent abgelöst, nun wird der ehemalige Schiedsrichter Mike Linke das „Amt“ übernehmen.
Nach 15 Jahren als begeisterter Sport-Guide, habe ich die Möglichkeit, in meiner Lieblingssportart live auf den Sender zu gehen. Einerseits freue ich mich sehr auf die neue Herausforderung, andererseits muss ich meinen bisherigen Lieblingsjob aufgeben. Der privilegierte SRF-Job hat mich in all den Jahren stehts erfreut. Ein grosser Dank geht an all jene, mit denen ich in den vergangenen anderhalb Jahrzehnten gearbeitet habe.
Am 26. Oktober 2002, stehe ich erstmals für SRF, damals noch Schweizer Fernsehen (SF), unter Begleitung von Hans Jucker „selig“ und unter der Regie von Armin Fankhauser in Langnau im Einsatz. Die NLA-Partie zwischen den SCL Tigers und dem SC Rapperswil-Jona endet mit 4:3 für die Gäste vom Zürichsee.
„Gibt Krein seinen Einstand oder Abschied in Langnau, gewinnt Nüssli unter der Regie von Fankhauser.“
— Krein
Was einst im Emmental beginnt, soll auch dort beendet werden. So ist mein letzter SRF-Einsatz gleichzeitig mein 99. in der Ilfishalle – und dies, das Drehbuch könnte nicht besser geschrieben werden, wieder unter der Regie von Armin Fankhauser (siehe Foto). Dieses Mal gewinnen die Langnauer gegen den HC Genf-Servette mit 3:2 in der Overtime.
Langnaus Thomas Nüssli bereitet nicht nur den Siegtreffer Aaron Gagnons vor, sondern liefert auch die Vorlage zum 1:0-Führungstreffer. Nüssli ist der einzige Spieler, welcher schon am 26. Oktober 2002, an besagter Spielstätte dabei gewesen ist, damals aber im Trikot des Gegners.
Mein 655. und letzter SRF-Einsatz ist gleichzeitig der 99. in Langnau, mein Debüt gab ich am 26. Oktober 2002 (oberes Ticket), ebenfalls im Emmental. (Krein)
Foto: Zwei Altbekannte, Beat Forster und Jonas Hiller. (Hervé Chavaillaz)
Es gilt bis heute als kuriosestes Eigentor der Schweizer Hockey-Geschichte. Im Weltmeisterschafts-Viertelfinal in Quebec, am 14. Mai 2008, bezwingt Philippe Furrer mit einem Slapshot seinen eigenen Torhüter Martin Gerber und bringt Russland noch im ersten Drittel mit 3:0 in Führung.
Was hat der 14. Mai 2008 mit dem EHC Biel zu tun? An diesem Tag bestreiten die beiden Herisauer Beat Forster und Jonas Hiller (er wird in der 27. Minute, beim Stand von 0:5, für Gerber eingewechselt) ihr letztes gemeinsames Pflichtspiel. Vorher absolvieren die beiden vier gemeinsame Profi-Saisons mit dem HC Davos und die WM 2007 in Russland.
Gemeinsam Meister mit Herisau
Forster und Hiller stammen beide aus der Nachwuchsabteilung des SC Herisau und spielen schon 1990 zusammen bei den Piccolos, später gehören sie zu den Teamstützen bei Herisaus Elite-Novizen. welche unter Trainer Marcel Bruderer sensationell den Schweizermeistertitel ins Appenzell holen. Neben Forster und Hiller gehören auch die Ex-Bieler und aktuellen Langnauer Thomas Nüssli und Emanuel Peter zu Herisaus Meisterkader 1997-98.
Hiller und Forsters erstes gemeinsames Pflichtspiel seit neun Jahren
8. September 2017, in Kloten
Im Sommer 1999 wechselt Forster nach Davos, Hiller folgt dem Weg ins Bündnerland erst ein Jahr später. 2001 wird Forster von den Phoenix Coyotes als Nummer 78 gedrafted und Hiller wird übergangen. Auch Peter (Nr. 142) und Nüssli (Nr. 277) werden 2002 im Draft gezogen. Eine NHL-Karriere macht aber nur der im Draft übergangene Hiller, der sich in 404 NHL-Spielen in neun Saisons zum Dollarmillionär entwickelt.
Schon im ersten NLA-Spiel siegreich
Ihre erste gemeinsame NLA-Partie bestreitet das Appenzeller-Duo am 17. September 2004 mit dem HC Davos gegen den HC Lugano, vor 6’333 Zuschauern bezwingen sie die Tessiner mit 3:2 und Forster erzielt in der 58. Minute das «Game-Winning-Goal.» Durch den NHL-Lockout stehen auch die NHL-Stars Rick Nash und Joe Thornton erstmals auf Davoser Eis. Siegreich sind Forster und Hiller auch bei ihrem ersten gemeinsamen Auftritt seit neun Jahren, beim 3:0-Auswärtssieg am 8. September 2017 in Kloten. Forster spricht in Biel sogar vom Meistertitel, auch für Herisaus Novizen schien dies einst unmöglich…
Artikel im Bulletin 2017/18 des Bieler Fan’s Club Seeschwalbe
Paris und Eishockey? Im Vorfeld der Weltmeisterschaft hält sich die Freude nach Paris zu reisen in Grenzen, nicht nur wegen der Terroranschläge, sondern auch weil in Paris kein WM-Fieber entfacht werden könne oder wie es ZüriWest im Song «Paris» treffend formuliert: «Schiss-Paris». Es ist Sonntag, die Sonne scheint, in der Brasserie Jean Baptiste in Boulogne-Billancourt gibts bereits um 11 Uhr keine Croissants mehr, die Bedienung kommt «tout-de-suite», «sofort» heisst im Pariser Aussenquartier geschlagene 20 Minuten. 1,7 Kilometer entfernt steht die Patinoire de Boulogne-Billancourt, vor rund 60 Jahren ist dies Dreh- und Angelpunkt des französischen und europäischen Eishockeys. Der Athletic-Club Boulogne-Billancourt (ACBB) wird hier im Dezember 1955 vom Pariser Unternehmer Philippe Potin aus der Taufe gehoben.
Boulogne-Billancourt
Die Eisbahn, inmitten eines verschlafenen Quartiers erinnert noch heute an die alte Zeit, nur anhand der parkierten Autos bewegt man sich in Gegenwart. Die gut erhaltene und teilweise renovierte Eishalle hat ihren Charme der 50er Jahre nicht verloren, eine Vitrine erinnert an die grossen Erfolge der Vergangenheit, 1959 gastieren mit den Boston Bruins und New York Rangers sogar zwei NHL-Teams. In der gleichen Epoche wird der französische Schauspieler, Drehbuchautor und Regisseur Jacques Tati durch seine Filme über «Monsieur Hulot» weltberühmt. Die Patinoire in Boulogne-Billancourt, 1955 eröffnet, würde den perfekten Drehort für einen seiner Filme abgeben. Es ist als würden Monsieur Hulot und Monsieur Potin, jeden Moment um die Ecke kommen. Es ist heute noch gut vorstellbar, wie es in den 60er Jahren kurz vor Spielbeginn ausgesehen haben könnte, mit Stürmer Elwin Friedrich und Torhüter Jean Ayer würden wir zwei Schweizer-Söldner gegen den HC Chamonix spielen sehen. Friedrich und das frankokanadische Starensemble holt in seiner Blütezeit drei französische Meistertitel und drei Spenglercup-Siege, ehe die legendäre Mäzenin Madame Janine Potin ihre Meistertruppe samt Friedrich nach Villars verlegt.
Spieler ohne Klubs
Paris ist eishockeytechnisch wichtiger als es scheint, ist aber in der Gegenwart tatsächlich in Vergessenheit geraten. In der obersten französischen Spielklasse, der Ligue Magnus, ist seit dem Abstieg des Pariser-Vorortklubs Jets de Viry-Châtillon im Jahr 2001 kein Klub mehr vertreten. Der letzte Pariser Meistertitel der Français-Volants Paris liegt bereits 28 Jahre zurück, die «Flügel» spielen aktuell in der Anonymität der dritthöchsten Spielklasse. Noch tiefer ist der ACBB Paris gefallen, der ehemalige Spitzenclub spielt noch eine Klasse tiefer als die Français-Volants. Im WM-Kader von Coach Dave Henderson stehen immerhin drei Spieler aus der Nachwuchsabteilung von Viry, Stéphane und Teddy Da Costa, sowie Yohann Auvitu, dazu kommen die in Paris geborenen Antonin Manavian und Ronan Quemener, dies sind 20% der «Equipe-Tricolore».
Durch die WM will der französische Verband den Eishockeysport in Paris wieder ankurbeln, doch die Begeisterung hält sich, trotz der guten Auftritte der «les Bleus», in Grenzen, die Zuschauerzahlen sind schlecht, selbst die Spiele Frankreichs (alle als «trois etoiles» Spiele deklariert und somit die teuerste Kategorie) sind nie ausverkauft. Auch der Bierkonsum hat im Stadion keinen Platz und eine alkoholfreie Brühe kostet 10 Euro. Dafür gibts rund ums Stadion an der Rue de Bercy viele «Brasserien», unser* Favorit ist die Brasserie les Spectacles mit dem Zaubertrank «Pelforth Blonde», welches der Schweizer Fan-Delegation, den Holländern des Eishockeys, ausgiebig ausgeschenkt wird.
Ausserhalb von Bercy ist nichts von der WM zu sehen, an einem Schaufenster an der Champs-Élyssés ist eine kleine Werbung zu sehen, welche aber nur den scharfsinnigsten unter den Hockey-Affinen ins Auge sticht. Dabei steht Paris am 15. Mai 1908 im Zentrum des internationalen Eishockeys, an der Rue de Province 34 wird der IIHF als Ligue Internationale de Hockey sur Glace (LIHG) durch die Landesverbände Belgien, Grossbritannien, Schweiz und Frankreich gegründet. Der Französische Verbandspräsident Louis Magnus (nach ihm sind die Liga und der Meisterpokal in Frankreich benannt) ist zugleich erster IIHF-Präsident. Seit 2007 wird der französische Cup-Final in der AccorHotels Arena vor jeweils fünfstelliger Zuschauerkulisse ausgetragen.
Die Patinoire, von der Metro-Station her kommend, an der Rue Victor Griffuelhes. (Krein)1955 öffnete die Patinoire ihre Tore, vier Jahre später kamen die New York Rangers und die Boston Bruins. (Krein)Die grosse Stadion-Uhr scheint, zu den grossen Zeiten des ACBB’s stehengeblieben. (Krein)Am 4. und 5. Mai 1959 gastieren hier die Boston Bruins und die New York Rangers. (Krein)
Eisgenossen und Schweizergardisten
Mit Andres Ambühl als erster Schweizer WM-Torschütze seit des letzten WM-Treffers 1951 durch Ueli Poltera (Arosa), trifft erneut ein Bündner auf Pariser Boden. Die jüngste Schweizer Ausgabe ist auf dem besten Weg in die Fussstapfen ihrer Vorgänger zu treten, welche vor 66 Jahren unter Headcoach Bibi Torriani die Bronze-Medaille nachhause bringen. Die Mannschaft von Patrick Fischer spielt ihre zweitbeste Vorrunde der Neuzeit und steht im Viertelfinal, nur noch beim WM-Silber 2013 war man vor der Endrunde besser klassiert. Nach einem mirakul(ix)ösen (mit Verdacht auf gallischen Zaubertrank) 3:2-Sieg über Kanada, gelingt einen Tag später beinahe (der Zaubertrank hat nachgelassen) noch der erste WM-Sieg über Finnland seit 1972. Eisgenossen und «Schiss-Paris», eine Wort-Kombination welche im «Vocabulaire» des Eishockeys nicht existiert. In diesem Zusammenhang müssen die Eisgenossen wohl mit den Schweizergardisten verwechselt worden sein, welche während der französischen Revolution auf dem heutigen Place de la Concorde mehr als nur Haare lassen mussten. Apropos rollende Köpfe, an der «gallischen» WM müssen ausgerechnet die Römer (Italien) wieder in die Zweitklassigkeit absteigen.
Majestix und die Gallier unterhalten die Accor-Hotels-Halle… (Pfeiffer)…die Schweizer unterhalten ihre Fans beim 3:2-Overtime Sieg über Kanada… (Krein)…und das Pelforth-Blonde unterhält unsere WM-Mission 2017. (Krein)
Eindrücke und Erlebnisse von Rolf Pfeiffer und Michael Krein, unterstützt durch Pelforth
Nach dem 6:3-Sieg gegen den HC Genf-Servette wird der EHC Biel zum neunten Mal in der Geschichte- und zum vierten Mal seit dem Wiederaufstieg 2008 «grün» im Teletext. Rechtzeitig vor dem Interview-Termin mit den Fernsehsendern überreicht Noè Livio Zanotta Mike McNamara ein grünes Hemd, welches sich der 67-jährige Kanadier extra für die TV-Kamera auf der Spielerbank überstreift. Zanotta, Biels offizieller Mode-Ausrüster, sagt: «Ich habe das schon lange geplant, heute habe ich gespürt, dass ich das grüne Hemd in die Tissot-Arena mitnehmen muss.»
Ein Novum in grün
In der zweiten Drittelspause steht es 3:3 und Biels Playoff-Qualifikation ist noch ungewiss. Trotzdem übergibt mir Zanotta auf der Medientribüne das grüne Hemd der Marke Olymp für McNamara, damit ich es vor meinem Interview dem Headcoach übergeben- und er es gleich überstreifen kann. Nach dem Sieg und der definitiven Playoff-Qualifikation lassen die Bieler aber auf sich warten und so kann der «Schöpfer» sein Hemd gleich persönlich übergeben. Langnau spielte nach seiner bisher einzigen Playoff-Qualifikation 2011 in grün, «ein grünes Hemd für den Headcoach gabs bisher noch nie», sagt der gut informierte Mode-Mann.
Bieler Schützlinge
Zanotta und Eishockey gibts schon seit den 90er Jahren, denn Noès Bruder Ivo spielte einst selber als Aktiver und war später als Nachwuchstrainer beim SC Lyss und Biel tätig, Biel-Kapitän Mathieu Tschantré, Mathias Joggi und auch meine Wenigkeit gehörten einst zu seinen Schützlingen. Stolz auf seine Schützlinge zeigt sich auch McNamara, denn der Interims-Coach schaffte mit Biel erst zum dritten Mal in seiner Karriere, nach 1989 und 1990 mit Fribourg-Gottéron, als Headcoach eine Playoff-Qualifikation. Zanottas neustes Testimonial scheint für die grüne Hemd-Premiere nahezu perfekt.
Im Siegesfall liegt das Zanotta-Hemd bereit. (Krein)