Du weisst nichts!

Vierte Runde, 29. September 2012, erstes Spiel in Biel von Tyler Seguin, der NHL-Star kommt, trotz der 3:6-Niederlage gegen die SC Rapperswil-Jona Lakers, wie für einen NHL-Star gewohnt, höflich zum Interview.

Knapp zwei Monate später, gleicher Ort, gleicher Spieler, wieder eine Niederlage (1:2 gegen Kloten). Seguin erscheint wieder zum Interview, dieses mal aber ist er aufgebracht und sagt „you know nothing!“ Wieso sagt er das? Ich habe die Boston Bruins schon gekannt bevor Seguin das Licht der Welt erblickt hat, geht mir leicht verärgert durch den Kopf.

„You know nothing!“

— Tyler Seguin

Ich sage ihm „would you like to talk about the Boston Bruins?“ Ich hätte mit dem Boston-Star gerne über die Bruins gesprochen. Die Situation beruhigt sich und das Interview mit dem Stanley-Cup-Sieger (2011) geht im üblichen Rahmen über die Bühne.

Die Erleichterung

Dennoch bin ich leicht perplex nach seiner Reaktion und frage mich was wohl los gewesen ist. Dann kommt mir ein lachender Bieler Medienchef entgegen und sagt, beim letzten Interview, sei Seguin wütend geworden, weil der Fernseh-Journalist kein Englisch konnte.

Beruhigt nehme ich das zur Kenntnis und werde die Begegnung wohl nie mehr vergessen. Nur vier Tage später habe ich den Nummer-zwei-Draft in Davos, bei einer weiteren Bieler-Niederlage (3:4) schon wieder vor dem Mikrofon, dieses mal aber wieder im höflichen Rahmen.

27. November 2012, ein genervter Tyler Seguin nach der 1:2-Niederlage gegen Kloten. (Hervé Chavaillaz)

Hier gehts zum SRF-Spielbericht und Interview in Biel

Hier gehts zum SRF-Spielbericht und Interview in Davos

Plüschtiger

Bereits nach 26 Sekunden gleicht die Bossard-Arena einer überdimensionalen Kindertagesstätte. Nach dem ersten Schuss- und ersten Treffer durch Corsin Casutt fliegen die Plüschtiere für hospitalisierte Kinder in der Region und Russland aufs Eis. Auch echte Plüschtiger sind dabei, aber auch die «echten Tiger» erweisen sich als Plüschtiger, denn nach 19 Minuten ist die Partie beim stand von 3:0 für die Innerschweizer gelaufen.

Den nächsten längeren Unterbruch nach dem Plüschtier-Regen gibts in der 26. Minute, denn da verschwindet der Puck bei Yannick Blasers Tor spurlos im Emmentaler Kasten, nach langer Suche finden die Unparteiischen die Scheibe in der Plastikfolie des Gehäuses. Die Lockout-Spieler Damien Brunner, Henrik Zetterberg (beide Detroit Red Wings) und Tyler Ennis (Buffalo Sabres) treffen auf beiden Seiten. Für die Doppelrunde des «Entlebuch-Derbys» bin ich am Samstag beim Rückspiel ebenfalls wieder im Einsatz.

23. November 2012

Zug – SCL Tigers 6:2 (3:0, 2:0, 1:2) > Matchbericht SRF
Bossard-Arena. – 6’061 Zuschauer. – SR Hribik/Kurmann (Tsch/Sz), Espinoza/Kohler. – Tore: 1. (0:26) Casutt (Diaz, Holden) 1:0. 9. Björn Christen (Casutt, Patrick Fischer II /Ausschluss Reber) 2:0. 19. Zetterberg (Holden, Omark /Ausschluss Simon Lüthi) 3:0. 26. Yannick Blaser (Herzog, Schneuwly) 4:0. 27. Martschini (Fabian Sutter, Diaz) 5:0. 42. Ennis (Kurtis McLean) 5:1. 44. Damien Brunner (Omark, Zetterberg) 6:1. 56. Froidevaux 6:2. – Strafen: Zug 3-mal 2 Minuten, SCL Tigers 4-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: PostFinance-Topskorer: Damien Brunner; Kurtis McLean. Zug ohne Fabian Lüthi, Lammer, Rossi, Wozniewski, Zurkirchen und Erni, Langnau ohne Popovic, Kim Lindemann, Sandro Moggi, Spurgeon und Simon Moser (alle verletzt). – Timeout Langnau (27.).
Zug: Markkanen; Diaz, Yannick Blaser; Helbling, Patrick Fischer II; Chiesa, Andreas Furrer; Zubler; Fabian Schnyder, Holden, Casutt; Damien Brunner, Zetterberg, Omark; Suri, Fabian Sutter, Martschini; Björn Christen, Schneuwly, Sven Lindemann; Herzog.
SCL Tigers: Hübl; Rytz, Reber; Simon Lüthi, Genazzi; Stettler, Lardi; Christian Moser; Jacquemet, Froidevaux, Lukas Haas; Ennis, Kurtis McLean, Pelletier; Tobias Bucher, Claudio Moggi, Adrian Brunner; Leblanc, Adrian Gerber, Rexha; Sterchi.

Am Vorabend debütiert der 17-jährige Zuger Junior Fabrice Herzog als 13. Stürmer im Fanionteam. Nur 24 Stunden später schiesst der Elite-Junior seine NLA-Tore Eins und Zwei. Drei Punkte aus den ersten zwei Spielen stehen auf dem Punktekonto des einstigen Nachwuchsspielers des EHC Frauenfeld. Die Tigers stehen mit Null Punkten aus dem Zuger-Wochenende weiterhin am Schluss der Tabelle.

24. November 2012

SCL Tigers – Zug 2:7 (0:1, 1:3, 1:3)
Ilfis. – 5474 Zuschauer. – SR Eichmann, Dumoulin/Zosso. – Tore: 11. Damien Brunner (Omark) 0:1. 23. Martschini (Fabian Sutter, Chiesa) 0:2. 32. (31:58) Damien Brunner (Omark) 0:3. 33. Fabrice Herzog (Schneuwly, Sven Lindemann) 0:4. 36. Genazzi (Ennis, Lukas Haas /Ausschluss Yannick Blaser) 1:4. 45. (44:20) Fabrice Herzog 1:5. 45:00 Omark (Damien Brunner) 1:6. 47. Casutt (Holden) 1:7. 52. Leblanc (Genazzi/Ausschluss Fabian Schnyder, Helbling) 2:7. – Strafen: SCL Tigers 2-mal 2 Minuten, Zug 5-mal 2 Minuten gegen Zug. – Bemerkungen: PostFinance-Topskorer: Kurtis McLean; Damien Brunner. SCL Tigers ohne Simon Moser, Sandro Moggi, Popovic, Spurgeon (alle verletzt), Adrian Brunner (überzählig), Zug ohne Björn Christen, Fabian Lüthi, Lammer, Zurkirchen, Wozniewski (alle verletzt). – Pfosten: 30. Damien Brunner, 39. Lardi, 46. Diaz. – 33. Timeout SCL Tigers.
SCL Tigers: Bäumle; Simon Lüthi, Genazzi; Rytz, Reber; Stettler, Lardi; Kim Lindemann, Christian Moser; Sterchi, Pelletier, Tobias Bucher; Kurtis McLean, Ennis, Lukas Haas; Jacquemet, Froidevaux, Claudio Moggi; Leblanc, Adrian Gerber, Rexha.
Zug: Markkanen; Diaz, Yannick Blaser; Helbling, Fischer; Chiresa, Andreas Furrer; Zubler; Damien Brunner, Zetterberg, Omark; Fabian Schnyder, Holden, Casutt; Suri, Fabian Sutter, Martschini; Herzog, Schneuwly, Sven Lindemann.

Falling Down im Herti-Quartier

Wer an einem Freitag Nachmittag von Bern nach Zürich fahren muss, kann nicht früh genug losfahren oder reist wie der Kluge, halt im Zuge. Zuge oder Zug statt Zürich heisst meine Destination, dies ist schon besser als alles ennet dem Gubrist-Tunnel. Kommt dazu, dass die Zuger Bossard-Arena mit der neuen Umfahrung A4a noch besser zu erreichen ist. Rechtzeitig dort zu sein ist heute zwingend, denn beim SC Bern läuft, neben den Lockout-Spielern Roman Josi und Mark Streit, erstmals John Tavares auf und dies bedeutet, ein Interview gibts schon vor dem Spiel um 19 Uhr 10.

Das Unheil beginnt schon in Kirchberg

Nach einem ersten Stau bei Kirchberg, bin ich frühzeitig kurz vor der Ausfahrt Zug, via Zug ist man innert 10 Minuten über die Hauptstrasse im Herti-Quartier, doch an einem Freitag-Abend entscheide ich mich für die Umfahrung, welche mich quasi durch die Hintertür noch schneller an den Zielort bringt. Dummerweise gibts kurz nach der Umfahrung einen Unfall und mein Auto kommt kurz nach der Ausfahrt Zug zum Stehen. Und es kommt, wie es nach Drehbuch eben kommen muss, in etwa wie bei Falling Down.

Du sitzt im Auto, es geht nichts mehr, die Luft im Auto wird stickig, im Radio vermeldet der Moderator den Unfall mit acht Fahrzeugen! Das Navigationsgerät bleibt zeitlich immer noch im Limit, du greifst mehrfach zur Trinkflasche. So verstreicht locker eine halbe Stunde und die Sanduhr beginnt zu laufen. Die Nervosität nimmt zu und du greifst in die Natel-Tasten um den Regisseur und den Journalisten in Zürich über ein mögliches „Worst-Case-Szenario“ zu informieren.

So nah und doch so fern, auf der A4a Richtung Baar oder „holt mich hier raus.“ (Krein)

Die Regie-Besprechung um 18 Uhr ist verpasst, auch der Tontest um 18 Uhr 45 und die Pressekonferenz vor dem Spiel um 19 Uhr sind Geschichte. Tavares aber, wird um 19 Uhr 10 bei der Spielerbank der Gäste zum Interview bereit stehen. Die Zeit drängt und der Stau wegen des Unfalls bleibt ein Nadelöhr. Mein Auto steht in Höhe der Unterführung Zugerstrasse welche direkt zur Arena führt, wenn ich aussteigen würde, wäre ich zu Fuss nur 500 Meter vom Stadion entfernt. Tavares, welchen ich schon dreimal in New York und einmal in New Jersey gesehen habe, werde ich sicher nicht heute Abend in Zug verpassen.

Sämtliche Möglichkeiten werden durchgespielt

Ob ich wie Michael Douglas in Falling Down aussteigen sollte? Ob ich auf dem Pannenstreifen im Rückwärtsgang zur Ausfahrt Zug zurückfahren sollte? Solche Geistesblitze schiessen im Minutentakt durch den Kopf, nicht durch den Kopf, aber durch Harnröhre drückt die ganze Flüssigkeit welche ich in den letzten zwei Autobahn-Stunden zu mir genommen habe. Die Hände sind schwitzig, der Autositz unbequem und die Situation kaum länger zu erdulden, es fehlen nur noch die quälende Fliege und quengelnde Kinder von „Falling Down“, ehe ich Amok laufen würde.

Trotz der misslichen Lage reicht es mir, durch einen Endspurt vom Parkhaus bis zur Arena joggend und telefonischer Ankündigung zum Öffnen der Hintertüre durch einen TPC-Produktionsmitarbeiter, zur Berner Spielerbank. Unter Hochdruck, die Toilette ist jetzt nicht Thema, stelle ich dem bereits wartenden NHL-Star der New York Islanders die drei Fragen zu seinem Einstand in der Schweiz. Das wars, fix und fertig erklimme ich völlig ausgebrannt und durch den Stress gezeichnet die Medientribüne, SRF-Radio-Mann Mathias Marti, der die Ausfahrt Zug nach mir genommen hat, trifft den Nagel auf den Kopf: „Läck gsehsch du Scheisse us,“ und die Partie hat noch nicht einmal begonnen…

Gezeichnet durch die Staustunden, und links hinten der entspannte Radiomann Marti. (Krein)

Zug – Bern 3:1 (1:1, 1:0, 1:0)
Bossard Arena. – 6’395 Zuschauer. – SR Rochette, Mauron /Tscherrig. – Tore: 2. Diaz (Brunner, Omark) 1:0. 14. Danielsson (Hänni, Jobin/Ausschluss Fabian Sutter) 1:1. 31. Brunner (Diaz, Omark/Ausschluss Rubin) 2:1. 55. Omark (Patrick Fischer) 3:1. – Strafen: Zug 5-mal 2 plus 10 Minuten (Blaser), Bern 5-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: PostFinance-Topskorer Brunner; Ritchie. Zug ohne Markkanen, Suri, Erni und Fabian Schnyder, Bern ohne Roche, Flurin Randegger (alle verletzt) und Collenberg (überzählig). Timeout Bern (59.). Bern von 59:01 bis 59:35 ohne Torhüter.
Zug: Zurkirchen; Helbling, Patrick Fischer; Diaz, Blaser; Chiesa, Wozniewski; Andreas Furrer; Björn Christen, Fabian Sutter, Casutt; Brunner, Holden, Omark; Sven Lindemann, Martschini, Fabian Lüthi; Rossi, Schneuwly, Lammer.
Bern: Bührer; Kinrade, Streit; Josi, Beat Gerber; Jobin, Philippe Furrer; Hänni; Danielsson, Ritchie, Pascal Berger; Gardner, Tavares, Rubin; Caryl Neuenschwander, Martin Plüss, Rüthemann; Déruns, Vermin, Scherwey; Bertschy.

Hier gehts zum SRF Spielbericht und Interview.

Und wenn Spezza trifft…

In Rapperswil gibts seit letzten Samstag alles von Lockout-Star Jason Spezza. Da gibts eine Hot-Dog Spezzial Wurst für 7 Franken, ein Spezza Mini-Trikot für 20 Franken und einen Spezza-Schal für 30 Franken, satte 57 Franken kostet der ganze Spezza-Lockout-Spass. Der Star der Ottawa Senators ist in der «Diners» Arena in aller Munde.

Die Hot-Dog SPEZZiAl Wurst im Ottawa-Look gibts für 7 Franken. (Krein)

Was es von Spezza noch nicht gibt sind Spezza-Tore, Spezza-Assists und Spezza-Punkte und dies trotz 14 Lakers-Toren in den letzten zwei Spielen. Beim 8:4-Heimsieg gegen die SCL Tigers hat der NHL-Star sogar eine minus-zwei-Bilanz.

„Jason Spezza, auf Doug Gilmours Spuren?“

— Michael Krein

In der NHL erzielt Spezza mehr als einen Skorerpunkt pro Spiel und in Rapperswil bleibt er nach drei Spielen immer noch punktlos. Doch so einfach ist das nicht, auch ein NHL-Schlüsselspieler braucht seine Anlaufzeit. Ein kleiner Trost, auch Doug Gilmour traf beim ersten Lockout 1994-95 erst in seinem letzten Spiel für die Rapperswiler.

Die Frage ist nicht ob Spezza trifft, sondern nur wann Spezza trifft und dann fehlt in der «Diners» Arena nur noch die «Dieci» Spizza, denn die Pizza zu Spezzas Ehren (Foto oben die normale Lakers-Pizza) ging beim kulinarischen Angebot bisher vergessen.

Meine Wahl fällt auf die zwei NHL-Söldner Jared Spurgeon und «Spezza Hot-Dog.» (Krein)

Die Spezza-Bilanz

DatumGegnerGA+/-
28.9.2012ZSC Lions 0:400-1
29.9.2012a-Biel 6:3001
2.10.2012SCL Tigers 8:400-2

Rapperswil-Jona – SCL Tigers 8:4 (0:2, 4:1, 4:1)
Diners Club Arena. – 4’110 Zuschauer. – SR Massy, Kaderli/Wüst. – Tore: 6. Genazzi (Leblanc) 0:1. 10. Haas (Froidevaux, McLean) 0:2. 22. Wichser (Geyer, Riesen /Ausschluss Claudio Moggi) 1:2. 24. Riesen (Wichser) 2:2. 25. Camichel (Earl) 3:2. 38. Camichel (Wichser, Sejna /Ausschluss Adrian Gerber) 4:2. 40. (39:17) Brunner (Sandro Moggi, Spurgeon) 4:3. 42. Camichel (Neukom, Kolnik) 5:3. 49. Sejna (Thibaudeau, Geiger) 6:3. 55. Leblanc (Adrian Gerber, Reber) 6:4. 60. (59:25) Neukom (Camichel, ins leere Tor) 7:4. 60. (59:41) Kolnik (Neukom) 8:4. – Strafen: Rapperswil-Jona 3-mal 2 Minuten, SCL Tigers 5-mal 2 plus 10 Minuten (Brunner). – Bemerkungen: Rapperswil-Jona ohne Winkler und Derrick Walser, Langnau ohne Bäumle, Ennis, Simon Moser (alle verletzt) und Popovic (überzähliger Ausländer). – Timeout: Rapperswil-Jona (7.); Langnau (25.). PostFinance-Topskorer: Earl; Sandro Moggi.
Rapperswil-Jona: Aebischer; Welti, Camenzind; Gmür, Sven Berger; Geyer, Geiger; Burkhalter, Spezza, Earl; Kolnik, Camichel, Neukom; Riesen, Wichser, Sejna; Thibaudeau, Hürlimann, Rizzello; Jörg, Nils Berger.
SCL Tigers: Hübl; Stettler, Lardi; Spurgeon, Rytz; Simon Lüthi, Reber; Kim Lindemann, Christian Moser; Sandro Moggi, Claudio Moggi, Brunner; Froidevaux, McLean, Haas; Jacquemet, Pelletier, Bucher; Leblanc, Gerber, Genazzi.

Auf Chelios‘ Spuren…

Vor einem Interview bietet sich manchmal die Gelegenheit über ganz andere Dinge als den aktuellen Bieler 4:3-Sieg gegen Lugano zu diskutieren. Die Unterhaltung mit Mathieu Tschantré beginnt bei Rick Nash’s Hattrick in Davos und endet mit dem Bieler-Lockout-Star vor 18 Jahren.

Während des ersten NHL-Lockouts 1994-95 war der aktuelle Biel-Captain Mathieu Tschantré gerade Mal zehn Jahre alt und spielte bei den Moskitos des EHC Biel. Auf meine Frage ob er sich denn an das Engagement von Chris Chelios erinnern könne, antwortet Tschantré mit grosser Begeisterung: «Ich war im Freihockey als der NHL-Star Chelios im Bieler Eisstadion eingetroffen war, für uns war dies das Grösste.»

In dieser Woche trifft mit Tyler Seguin erneut ein ganz grosser aus der NHL in Biel ein. Seguin ist Biels grösster Transfercoup seit der Stippvisite (3 Spiele) Chelios‘ vor 18 Jahren. Der damals zehnjährige Mathieu empfängt dieses Mal den NHL-Star als Biel Team-Captain und womöglich wird auch da wieder ein Bieler Nachwuchsspieler den grossen Seguin bestaunen – und wer weiss in 18 Jahren…

Das verpasste NHL-Duell

Und übrigens… …vor 18 Jahren trafen die zwei grössten Attraktionen auf Schweizer Eis, Doug Gilmour und Chris Chelios mit Rapperswil-Jona und Biel nicht aufeinander. Chelios verletzte sich im dritten Spiel gegen Davos und musste frühzeitig nach Kanada zurückkehren. Eine Woche später mussten die Bieler ohne Chelios gegen Gilmour-Rappi ran. Diesen Samstag kommts nun doch noch zum NHL-Knüller zwischen Biel und Rapperswil, mit den Attraktionen Tyler Seguin (Boston Bruins) und Jason Spezza (Ottawa Senators).

Biel – Lugano 4:3 (1:1, 0:2, 3:0)
Eisstadion. – 4’341 Zuschauer. – SR Massy, Abegglen /Dumoulin. – Tore: 8. (7:44) Jordy Murray (Brett McLean, Blatter) 0:1. 9. (8:53) Füglister (Haas, Gloor) 1:1. 30. (29:17) Vauclair (Rüfenacht, Kamber /Ausschlüsse Wieser; Reuille) 1:2. 31. McLean (Vauclair, Heikkinen /Ausschlüsse Wieser; Reuille) 1:3. 44. Beaudoin (Dominic Meier) 2:3. 47. Wieser (Micflikier, Peter) 3:3. 57. Spylo (Pouliot, Beaudoin) 4:3. – Strafen: Biel 7-mal 2 Minuten, Lugano 8-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: Biel ohne Marco Streit (verletzt), Untersander, Ehrensperger (beide überzählig) und Seguin (noch nicht eingetroffen), Lugano ohne Hirschi, Nummelin, Brady Murray (alle verletzt), Morant (gesperrt) und Sannitz (überzählig). Wetzel vom Puck getroffen und verletzt ausgeschieden (27.). Timeout Lugano (44.). Lattenschuss Spylo (57.). Lugano ab 58:12 ohne Torhüter.
Biel: Berra (Schmid); Dominic Meier, Huguenin; Grieder, Wellinger; Gossweiler, Kparghai; Trutmann; Wieser, Pouliot, Spylo; Micflikier, Peter, Beaudoin; Haas, Gloor, Füglister; Tschantré, Kellenberger, Wetzel; Lauper.
Lugano: Flückiger (Manzato); Heikkinen, Schlumpf; Vauclair, Ulmer; Kienzle, Blatter; Nodari; Diego Kostner, McLean, Jordy Murray; Domenichelli, Metropolit, Bednar; Reuille, Conne, Simion; Daniel Steiner, Kamber, Rüfenacht; Profico.

Der Mann aus Australien

In der 14. Minute erzielt Andreas Camenzind durch ein herrliches Zuspiel Adrian Wichsers den 1:1-Ausgleich gegen den HC Davos. Die SC Rapperswil-Jona Lakers gewinnen das zweite Saisonspiel mit 3:2 nach Verlängerung gegen Davos. Für den zum Verteidiger umfunktionierten Camenzind ist es der erste Treffer der neuen Saison.

Von Brisbane nach Rapperswil-Jona

Und – es ist der erste Treffer seit «nur» knapp vier Monaten, Camenzinds Pause dauerte kürzer als die seiner Teamkollegen. Seinen letzten Treffer erzielte er mitten im Sommer oder im australischen Winter, am 19. Mai 2012, vor 260 Zuschauern in Melbourne mittels Penalty gegen den Australier Fraser Carson im Tor der Melbourne Mustangs.

Irgendwie verrückt, nach sieben Spielen und 17 Punkten bei den Gold Coast Blue Tongues in Brisbane kehrt der gebürtige Wettinger wieder an den Zürichsee zurück. Nun heissen die Gegner wieder ZSC Lions und HC Davos statt Melbourne Ice und Adelaide Adrenaline und die Mitspieler Jason Spezza statt Marco Bertossa.

Dennoch eine spannende Erfahrung für den Zürcher, der mit einer Australierin verheiratet ist und deshalb die Sommerpause in der Heimat seiner Partnerin als Sommertraining der speziellen Art genutzt hat. Ein kurzer SRF-Auszug von Camenzinds Treffer gibts in der Audio-Datei.

15. September 2012 – 2. Runde

Rapperswil-Jona Lakers – Davos 3:2nV (1:1, 1:1, 0:0, 1:0)
Diners-Club-Arena. – 5’711 Zuschauer. – SR Kämpfer, Kaderli/Wüst. – Tore: 9. Reto von Arx (Sykora/Ausschluss Camenzind) 0:1. 14. Camenzind (Wichser) 1:1. 34. Riesen (Walser, Earl/Ausschluss Corvi) 2:1. 37. Reto von Arx (Joggi, Grossmann) 2:2. 61. (60:46) Earl (Penalty) 3:2. – Strafen: Rapperswil-Jona Lakers 5-mal 2 Minuten, Davos 7-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: Rapperswil-Jona Lakers ohne Sven Berger, Geyer und Grauwiler. Davos ohne Jan von Arx, Guggisberg und Schommer (alle verletzt).
Rapperswil-Jona Lakers: Aebischer; Walser, Winkler (2); Gmür, Camenzind (4); Geiger, Welti; Burkhalter, Earl, Kolnik; Jörg (2), Neukom, Nils Berger; Riesen (2), Wichser, Sejna; Thibaudeau, Hürlimann, Rizzello; Duri Camichel.
Davos: Genoni; Joggi (2), Forster (4); Marha, Grossmann; Back, Schneeberger; Guerra, Ramholt (2); Bürgler (2), Reto von Arx, Taticek; Sykora, Rizzi, Corsin Camichel; Dino Wieser (2), Steinmann, Hofmann; Ryser, Corvi (2), Sciaroni.

Von Nufenen bis Avegno

Im Sopraceneri, also oberhalb des Monte-Ceneri ist Ambrì überall, über den Nufenen begegnet man dem HC Ambri-Piotta bereits auf dem Weg zur Passhöhe, später im Val Bedretto. Aber auch tief im Süden, beispielsweise im Vallemaggia in Avegno. Im urchigen aber typischen Tessiner „Antico Grotto Mai Morire“ begegnet man einem bemerkenswerten Autogramm einer ehemaligen Ambrì-Legende.

Im schmucken Grotto ist schon eine grosse Eishockey-Legende abgestiegen. Kaum einer mag dies erahnen, wenn er seine „Polenta e brasato“ oder sein „Bistecca di manzo“, unter Begleitung von Tessiner Folklore-Musik, genüsslich verzehrt. Beim Gang zur Toilette und einem Blick ins innere des Grottos wird Ambrì wieder allgegenwärtig. Waleri Kamensky war am 21. August 2009, letztmals hier zu Besuch.

Der HC Ambrì-Piotta im Antico Grotto Mai Morire in Avegno. (Krein)

Eine Autogrammkarte der New York Rangers und eine Widmung für „Lalo und Monica“, unterstreicht die Wirkungskraft der Leventiner. Weltstar Kamensky spielte während des Lockouts 1994-95 zwölf Partien für die Biancoblù. Sein Sohn Viktor spielte zwischen 2009 und 2011 für den GDT Bellinzona und den HC Locarno Dogs, dies erklärt Waleris Besuch vor drei Jahren.

Kamenskys Autogramm der New York Rangers im Grotto in Avegno. (Krein)

Die Wirkungskraft ist sogar so gross, dass auch wir uns nach einem heissen Sommer-Tag in der Badi Locarno, einen Abstecher nach Biasca (Foto oben) leisten. Der HC Ambrì-Piotta empfängt zum Saisonauftakt das ukrainische Team von Berkut Kiew (2:1).

Die neuste Ausgabe der Leventiner empfängt in Biasca die Ukrainer von Berkut Kiew. (Krein)

21. August 2012

Ambri-Piotta – HK Berkut Kiew 2:1 (0:1, 2:0, 0:0)
Pista-Ghiacco, Biasca. – 1’600 Zuschauer. – SR Kurmann, Ambrosetti /Espinoza. – Tore: 5. Klimentjew (Dewetschka /Ausschluss Sidler) 0:1. 21. Botta (Noreau /Ausschlüsse Gnidenko, Isajenko) 1:1. 32. Pestoni (Kutlak, Trunz /Ausschluss Jakimowitsch) 2:1. – Strafen: Ambri-Piotta 7-mal 2 plus 5 Minuten plus Spieldauer (Stucki), Berkut Kiew 6-mal 2 plus 3-mal 5 Minuten (Gnidenko, Isajenko und Klimentjew) plus Spieldauer. – Bemerkungen: Ambri-Piotta ohne Müller (verletzt), Park (noch nicht eingetroffen), Williams (Kanada), Duca, Raffainer, Kobach und Donati (alle überzählig).
Ambri-Piotta: Croce; Dotti, Noreau; Kutlak, Trunz; Casserini, Schulthess; Sidler, Bonnet; Stucki, Weber, Pedretti; Reichert, Mieville, Pestoni; Elias Bianchi, Schlagenhauf, Grassi; Lakhmatov, Mattia Bianchi, Botta.

Der verpasste Meistertitel

Wenn Rumänien gegen Litauen an der B-Weltmeisterschaft vier Minuten vor Schluss noch 3:5 zurück liegt und die Partie innert zwei Minuten in einen 6:5 Sieg verwandelt, nehmen dies gerade mal 140 Nasen in der Halle von Krynica zur Kenntnis. Der Spielausgang hat im Nachhinein für beide Teams keine Auswirkung über den Klassenerhalt. Im Oktober 2011, führt AIK Solna Stockholm nach zwei Dritteln gegen HV71 Jönköping souverän mit 6:2, in der 42. Minute fällt durch Oscar Ahlström sogar noch das das 7:2. Es geht nur noch darum wie hoch der Sieg bis zur 60. Minute ausfallen würde. Doch alles kommt anders. In der 48. Minute erzielt Jönköping innerhalb von sieben Sekunden zwei Treffer – und für AIK kommts noch schlimmer. Innerhalb von 133 Sekunden gelingt Jönköping zwischen der 51. und 53. Minute der 7:7-Ausgleich! Logischerweise gelingt den Gästen aus Jönköping im Shootout durch Jukka Voutilainen der Siegestreffer zum 8:7-Endstand.

Alles ist angerichtet: Mannheim kann zuhause den siebten Titel holen. (Krein)

DEL-Final

Wer glaubt, solche «Eishockey Wunder» gibts nur in bedeutungslosen Qualifikationsspielen, wird im DEL-Final 2012 eines Besseren belehrt! In der Best-of-five-Serie führen die Adler Mannheim mit 2:1 in der Serie und können im vierten Spiel Zuhause in der proppenvollen SAP-Arena alles klar machen. In der ersten Minute erzielt Christoph Ullmann auch schon den Führungstreffer – die Halle steht bereits Kopf – und die Eisbären Berlin stehen mit dem Rücken zur Wand. Nach einem offenen Schlagabtausch führen die Adler 14 Minuten vor Schluss mit 5:2, Berlin scheint am Boden. Mannheim greift bereits nach dem Pokal und keiner der 13’600 Fans – selbst der optimistischste «Dynamo-Anhänger» im Stadion würde jetzt noch eine Reichsmark (die alte DDR-Währung) auf die Eisbären wetten.

14 Minuten vor Schluss führen die Adler mit 5:2…

die Titelgesänge sind schon im Gang

Nur zehn Sekunden nach dem 5:2, fällt der 3:5-Anschlusstreffer der Berliner durch Jimmy Sharrow. Ab diesem Zeitpunkt stehen die Mannheimer neben den Schlittschuhen und kommen kaum noch über die rote Linie. Innert sechs Minuten läuft der «Dynamo» bis zum 5:5-Ausgleich auf Hochtouren. Wie kann man einen Dreitore Vorsprung in einem Endspiel verspielen? Adler-Trainer Harold Kreis – hat immerhin in der Schweiz schon zwei Titel geholt – kann Mannheims Untergang in den letzten 14 Minuten nicht stoppen und geht mit seiner Mannschaft ehrenhaft unter. Selbst Kevin Schläpfer hätte diesen Vorsprung mit dem EHC Biel verwalten können, lässt mich der Biel-Trainer auf seiner Heimfahrt aus Straubing per Telefon wissen.

Die Eisbären gewinnen in der Verlängerung (64. T.J. Mulock) und holen als Zugabe im fünften Finalspiel Zuhause den sechsten DEL-Titel seit dem Fall der Berliner Mauer. Um es in «Schwyzerdütsch» auszudrücken, die Eisbären Berlin sind die ZSC Lions Deutschlands und die Adler müssen sich als «SCB Deutschlands» trösten lassen.

22. April 2012 (16 Uhr 30) – Spiel 4

Adler Mannheim – Eisbären Berlin 5:6nV (2:1, 1:1, 2:3, 0:1)
SAP-Arena. – 13’600 Zuschauer. – SR Brüggemann /Piechaczek, Schrade /Gemeinhardt. – Tore: 1. (0:42) Ullmann 1:0. 6. Sharrow (Regehr) 1:1. 12. Mitchell (Lee, Ullmann) 2:1. 32. Ullmann (Lehoux, Mitchell /Ausschlüsse Lee, Sim, Hördler) 3:1. 39. Christensen (Talbot, Angell) 3:2. 44. Magowan (Mitchell, Reul) 4:2. 46. MacDonald (Glumac, Sifers) 5:2. 47. Sharrow 5:3. 48. Tallackson (Olver, Busch /Ausschluss Sifers) 5:4. 54. Tyson Mulock (Laurin Braun, Hördler) 5:5. 64. (63:26) T.J. Mulock 5:6. – Strafen: Mannheim 4-mal 2 Minuten, Berlin 3-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: Mannheim ohne Kettemer und Dimitrakos (beide überzählig), Berlin ohne Supis, Rankel (beide überzählig), Pederson und Ustorf (beide verletzt). – Lattenschuss Magowan (25.). Time-out Mannheim (53:03). Torschüsse 24:55 (8:17, 8:18, 7:15, 1:5). Ullmann (Mannheim), Sharrow und Christensen (beide Berlin) als beste Spieler ausgezeichnet.
Adler Mannheim: Brathwaite; Wagner, Lee (2); Sifers (2), Belle (2); Reul, Goc; Magowan, Ullmann, Mitchell; Kink, MacDonald, Glumac; Mauer, Lehoux, Arendt; Seidenberg (2), El-Sayed, Plachta.
Eisbären Berlin: Zepp; Regehr, Hördler (4); Sharrow, Baxmann; Angell, Constantin Braun; Christensen, Talbot, T.J. Mulock; Busch, Olver, Tallackson; Sim (2), Felski, Tyson Mulock; Laurin Braun, Weiss, Bielke.

Kreis gegen Laporte

Harold Kreis nach dem Spiel: «Spiel schnell abhaken und uns auf Mittwoch konzentrieren», lautet seine Antwort. (Krein)

Im Frühling 2008 feiert Harold Kreis mit den ZSC Lions den Meistertitel, gleichzeitig muss der für die Playouts engagierte Trainer Benoît Laporte mit dem EHC Basel in die NLB absteigen. Kreis und Laportes Wege kreuzen sich in der einzigen «gemeinsamen» Schweizer Saison nicht. Vier Jahre später kreuzen sich die Routen von Kreis und Laporte im Viertelfinal der Deutschen-Eishockey-Liga (DEL), die Rollen wieder gleich verteilt, geniessen Kreis‘ Mannheimer in der Viertelfinalpaarung als Favoriten das Heimrecht gegen Laportes Hamburger.

Das Trainerduell welches in der Schweiz nie stattgefunden hat, geht dieses Mal aber an Laporte und die Aussenseiter. Die Adler haben die ersten zwei Partien (4:0 und 8:1) in der «Best-of-Seven-Serie» gewonnen und starten im dritten Spiel dementsprechend dominant ins erste Drittel, nach 20 Minuten lautet die Schussstatistik 22:3, welche auch auf dem Videowürfel angezeigt wird.

In der Pause dient die Fankneipe «Friedrichspark», ernannt nach dem altehrwürdigen Stadion der Adler, für eine gemütliche Geselligkeit. Da tauchst du ab in eine andere Welt, das bunte Treiben mit Bier und lautem Pegel lässt einem kurz aus der modernen Arena in den alten Friedrichspark abtauchen, dies nicht nur des Hopfengetränks wegen.

Zu ehren der altehrwürdigen Mannheimer Kultstätte gibts die Fankneipe Friedrichspark. (Krein)

Abtauchen tun ab dem zweiten Drittel nicht die Gäste sondern das Team von Kreis, der einst noch im alten Friedrichspark als Spieler 1997 den Meisterpott gestemmt hat, denn zwei andere «ex-Schweizer» bringen Laportes Aussenseiter in Führung. In der 28. Minute sind Serge Aubin und Brendan Brooks die Hauptverantwortlichen beim Game-Winning-Goal der Freezers. Mit einem Sieg im Gepäck gehts für die Freezers in einer einer fünfstündigen Carfahrt zurück nach Hamburg und knappe drei Stunden dauert die Fahrt zurück in die Schweiz.

25. März 2012

Playoff-Viertelfinal – Spiel 3

Adler Mannheim – Hamburg Freezers 1:2 (1:1, 0:1, 0:0)
SAP-Arena. – 12’289 Zuschauer. – SR Jablukov/Zehetleitner, Kowert/Schelewski. – Tore: 10. Glumac (MacDonald, Sifers) 1:0. 18. Traverse (Collins, Dolak /Ausschluss Goc) 1:1. 28. Aubin (Brooks, Traverse) 1:2. – Strafen: Adler Mannheim 6-mal 2 Minuten, Hamburg Freezers 7-mal 2 plus 10 Minuten (Collins). – Bemerkungen: Torschüsse 44:19 (22:3, 7:11, 15:5), Adler Mannheim ab 59:00 ohne Torhüter. Pfostenschuss Kink.
Adler Mannheim: Brathwaite (Brückmann); Belle, Sifers; Goc, Reul; Wagner, Kettemer; Magowan, Ullmann, Mitchell; Kink, MacDonald, Glumac; Arendt, Lehoux, Mauer; Seidenberg, El-Sayed, Dimitrakos; Plachta.
Hamburg Freezers: Curry (Treutle); Schubert, Köppchen; Traverse, Cook; Nielsen, Köttstorfer; Schmidt; Flaake, Aubin, Oppenheimer; Polaczek, Collins, Engelhardt; Wolf, Festerling, Dolak; Jensen, Brooks.

Jamaica, Taxi und Hiller

«I think Track six, but i’m not sure, i let you know about this» sagt der Zugbegleiter als ich ihn über die Gleisnummer beim umsteigen in Jamaica frage. Jamaica? Gemeint ist nicht der Karibikstaat, sondern ein Vorort von New York. Rolf Pfeiffer und ich haben keine guten Erinnerungen an Jamaica, gingen wir doch vor einem Jahr beinahe «lost in Jamaica». Viele Immigranten aus dem Karibikstaat wohnen dort, erklärt uns Taxifahrer Serge Mars zwei Tage vorher. Die letzte und fünfte Station des fünftägigen NHL-Road-Trips ist zum zweiten Mal Uniondale.

Flyers, Sabres, Devils, Ducks, Islanders, Hurricanes, Rangers, Blue Jackets und Senators heissen die klingenden Namen des diesjährigen Trips. Wells Fargo Center, Prudential Center, Nassau Veterans Memorial Coliseum und nicht zu vergessen «The Worlds Most Famous Arena» der Madison Square Garden heissen die NHL-Schauplätze. Nirgends sonst auf der Welt sind innerhalb von zwei Stunden vier NHL-Teams stationiert und nirgends sonst auf der Welt kann man innert fünf Tagen fünf NHL-Spiele in solch kurzer Distanz bewältigen.


„Jonas Hiller hinterlässt uns sechs Karten für die Familienzone, wo wir uns nach dem Spiel, zusammen mit Luca Sbisa, treffen.“

— eishockeyblog

New York gilt nicht nur als «Hauptstadt» der Welt, sondern auch als NHL-Headquarter, an der 1185 Avenue of the Americas oder besser bekannt als 6th Avenue logiert die NHL seit Jahren. Die NHL Hauptzentrale ist in New York so unsichtbar wie die geheimen Waffenlabore des britischen Geheimdienstes in den James Bond Filmen. Von aussen findet man nicht einmal ein Türschild oder ein Logo. Erst an der Rezeption erntet man beim Fragen nach der «NHL» einen verblüfften Blick und wird freundlich gebeten die Lobby wieder zu verlassen. Dabei ist man im offiziellen NHL-Reebok-Store nebenan schon näher als man denkt, doch kaum ein Kunde würde im Traum erahnen, dass sich das NHL-Hauptquartier im gleichen Gebäude nur wenige Stockwerke höher befindet.

Das unscheinbare NHL-Headquarter an der 1185 Avenue of the Americas. (Krein)

Streets of Philadelphia

Unser NHL-Road-Trip beginnt aber nicht in New York, sondern in Philadelphia – per Amtrak kommt man innert anderthalb Stunden vom Herzen Manhattans in die «Streets of Philadelphia», sogar Bruce Springsteen hat eine «Retired Number» unter der Stadiondecke – nach einer 15-minütigen Taxifahrt erreicht man das Wells Fargo Center der Philadelphia Flyers. Wir sehen wie die Flyers einen 0:2 Rückstand nach dem ersten Drittel noch in einen 7:2-Sieg gegen die Buffalo Sabres verwandeln. Dabei erleben wir das erste NHL-Tor von Erik Gustafsson und den Ausfall von Daniel Brière. Und ja, das Blut wie zu Zeiten der «Broad Street Bullies» fliesst jetzt nach dem Spiel, wenn zwei betrunkene Schweizer durch die Sitzreihen die Stadiontreppe herunterstürzen.

16. Februar 2012 (19 Uhr, Section 118, Row 20, Seat 12)

Philadelphia – Buffalo 7:2 (0:2, 4:0, 3:0)
Wells-Fargo-Center. – 19’725 Zuschauer. – SR Peel /Rehman, Sericolo /Murphy. – Tore: 6. Pominville (Myers, Roy) 0:1. 10. Vanek (Ennis, Gerbe) 0:2. 21. Talbot (Coburn, Carle) 1:2. 24. Simmonds (Giroux, Hartnell /Ausschlüsse Sestito, Kassian, Myers) 2:2. 27. Simmonds (Hartnell, Giroux /Ausschluss Stafford) 3:2. 34. Gustafsson (Voracek, Giroux) 4:2. 44. Talbot (Wellwood, Couturier) 5:2. 45. Voracek (Hartnell, Giroux) 6:2. 50. Hartnell (Read, Giroux) 7:2. – Strafen: Philadelphia 7-mal 2 plus 5 Minuten (Sestito), Buffalo 4-mal 2 plus 5 Minuten (Kassian). – Bemerkungen: Giroux*, Talbot** und Simmonds*** (alle Philadelphia) als beste Spieler ausgezeichnet.
Philadelphia: Bryzgalov (Bobrovsky); Bourdon, Carle, Coburn (2), Gustafsson, Lilja (2), Timonen; Brière (2), Couturier, Giroux, Hartnell (2), Read, Schenn, Sestito (5), Shelley, Simmonds (2), Talbot (4), Voracek, Wellwood.
Buffalo (2): Enroth (28. Miller); Ehrhoff, Leopold, Myers (2), Regehr, Sekera, Weber; Boyes, Ellis, Ennis, Gaustad, Gerbe (2), Kaleta, Kassian (5), Leino, Pominville, Roy, Stafford, Vanek (2).

Meet-and-Greet mit Hiller und Sbisa

Am zweiten Tag steht Newark auf dem Programm. Beim «Will Call» Schalter hinterlässt uns Jonas Hiller sechs Karten für die Familienzone, wo wir uns nach dem Spiel kurz mit Luca Sbisa und Jonas Hiller unterhalten können. Die Ducks um Hiller und Sbisa, gewinnen zwar den Faustkampf von George Parros gegen Eric Boulton, verlieren aber im Penaltyschiessen mit 2:3 gegen die New Jersey Devils.

17. Februar 2012Spiel 858 (19 Uhr) [Lower Level, Section 5, Row 10, Seat 7]

New Jersey – Anaheim 3:2nP (0:0, 2:1, 0:1, 0:0, 1:0)
Prudential-Center. – 15’312 Zuschauer. – SR Peel /Rehman, Barton /Murphy. – Tore: 22. Henrique (Kovalchuk, Parise) 1:0. 31. Ponikarovsky (Zubrus, Taormina) 2:0. 37. Perry (Getzlaf, Blake) 2:1. 58. Brookbank (Cogliano, Bonino) 2:2. – Penaltyschiessen: Kovalchuk 1:0. Selänne 1:1. Parise -. Perry -. Elias 2:1. Getzlaf -. – Strafen: New Jersey 3-mal 2 plus 5 Minuten (Boulton), Anaheim 1-mal 2 plus 5 Minuten (Parros). – Bemerkungen: Brodeur* (New Jersey), Brookbank** und Perry*** (beide Anaheim) als beste Spieler ausgezeichnet.
New Jersey: Brodeur (Hedberg); Fayne, Foster (2), Greene, Salvador, Taormina, Volchenkov (2); Bernier, Boulton (5), Clarkson, Elias, Henrique, Josefson, Kovalchuk, Palmieri, Parise, Ponikarovsky, Sykora (2), Zubrus.
Anaheim: Hiller (Deslauriers); Beauchemin, Brookbank, Fowler, Lydman, Sbisa, Visnovsky; Beleskey, Blake (2), Bonino, Cogliano, Getzlaf, Hagman, Koivu, Parros (5), Pelley, Perry, Ryan, Selänne.

Warten auf Kartengeber Jonas Hiller, zusammen mit Luca Sbisa in den Katakomben des Prudential Centers in Newark. (Anaheim-Betreuer)

Die nächsten Schweizer sehen wir 24 Stunden später auf Long Island. Zu sechst buchen wir ein Taxi und erleben auf der Hinfahrt eine anderthalbstündige Sightseeing Tour – mit dem besten Taxifahrer Long Islands, wie Serge Mars selber von sich behauptet – durch Queens, Jamaica und Uniondale.

Aussteigen vor dem Marriot’s Hotel in Uniondale: Brom, Bodmer, Zurbuchen (unten), Saxer, Pfeiffer, Krein und hinten Taxifahrer Serge Mars. (Hotelmitarbeiter Marriot’s)

Der Weg ins Nassau Veterans Memorial Coliseum führt immer durchs Marriott’s Hotel. Vor und nach dem Spiel ist die „Champions-Bar“ besser besetzt als das Nassau Veterans Memorial Coliseum während des Spiels. Erstmals sehen wir zwei Schweizer im selben Team, Mark Streit und Nino Niederreiter sind die letzten welche nach dem Warm-Up das Eisfeld verlassen. John Tavares ist der Mann des Spiels, Streit bucht zwei Assists und Niederreiter holt in seiner dezimierten Eiszeit das Optimum heraus, die Islanders gewinnen das «Alpenduell» gegen den Österreicher Andreas Nödl und die Carolina Hurricanes verdient mit 4:3.

18. Februar 2012 (19 Uhr) – Spiel 868 [Lower Gate 12, 205, H12]

NY Islanders – Carolina 4:3 (1:1, 2:2, 1:0)
Nassau-Veterans-Memorial-Coliseum. – 11’818 Zuschauer. – SR Rehman /Rehman, Racicot /Amell. – Tore: 3. Okposo (Grabner, Streit) 1:0. 14. Sutter (Dwyer) 1:1. 21. Tlusty (Samson) 1:2. 25. Tavares (MacDonald, Parenteau) 2:2. 29. Nielsen (Tavares, Parenteau /Ausschluss Brent) 3:2. 31. Spacek (Staal) 3:3. 41. Tavares (Moulson, Streit). – Strafen: NY Islanders 5-mal 2 Minuten, Carolina 4-mal 2 plus 10 Minuten (Harrison). – Bemerkungen: NY Islanders ohne Wishart, Wallace und Nabokov, Carolina ohne Ruutu und Larose (alle verletzt). Tavares*, Parenteau** (beide NY Islanders) und Brandon Sutter*** (Carolina) als beste Spieler ausgezeichnet.
NY Islanders: Poulin (Montoya); Eaton, Jurcina (2), MacDonald, Ness, Staios, Streit (2); Bailey, Grabner, Martin (2), Moulson, Niederreiter, Nielsen, Okposo, Pandolfo, Parenteau, Reasoner (2), Rolston, Tavares (2).
Carolina: Ward (41. Peters); Allen, Faulk, Gleason, Harrison (12), Joslin, McBain, Spacek; Bowman, Brent (2), Dwyer, Jokinen (2), Nödl, Samson, Skinner (2), Staal, Stewart, Brandon Sutter, Tlusty.

The World’s Most Famous Arena

Zurück nach Manhattan und zum Madison Square Garden. Die New York Rangers sind, gemessen an ihrer Zeitachse, das traditionsreichste- aber auch die erfolgloseste Mannschaft New Yorks. Seit der Gründung 1926 holen die Rangers vier Stanley-Cups, die Islanders, holen in 46 Spielzeiten weniger ebenfalls vier mal den Pott. Noch besser sind die New Jersey Devils, denn sie müssen in 76 Jahren nur noch einen Titel holen um das Palmarés der Rangers zu egalisieren. Trotzdem gelten die Rangers als „Kultteam der Original Six“ und der Madison Square Garden ist Weltberühmt. Ruhm und Kult sind grösser als New Yorks Erfolge, umso wichtiger, dass die Rangers aktuell die Rangliste der Eastern Conference anführen.

Gegen den Conference-Letzten aus dem Westen, die Columbus Blue Jackets um Captain Rick Nash, reichts erst zum Overtime–Sieg (3:2). Schlüsselszene ist ein nicht gegebener regulärer Rangers-Treffer im Mitteldrittel. Das Head-Duo Stephane Auger/Don van Massenhoven (pfeifen schon am Vortag in Uniondale) greift zum Telefonhörer nach Toronto – sämtliche Torentscheide werden in Toronto gemanagt, wie uns Luca Sbisa in Newark erzählt – wo sich dieses mal die Verantwortlichen in der Zentrale im 11 Stock an der Bay Street wohl gerade ein Nickerchen gönnen? Denn das Video auf dem Screen zeigt die Puck-Überquerung der Torlinie bei 00:01 Sekunden und führt zu einem kurzzeitigen „raunen“ im Garden.

Hier gehts zum Spiel der New York Rangers

Rick Nash, 2004 in Davos bei mir im Interview, 2012 im Madison-Square-Garden. (Krein)

Howie und die Rookies

Zurück zu meinem Long-Island-Rail-Road-Trip nach Uniondale, nach anderthalb Stunden und einer kurzen Taxifahrt erreiche ich das Marriott’s Hotel in Uniondale. Das Marriott’s ist Dreh- und Angelpunkt des Nassau Veterans Memorial Coliseum, hier logieren nicht nur sämtliche Gästeteams und Gegner der Islanders, sondern auch sämtliche Fans oder die Islanders-Rookies. Mein Gepäck, ich fliege direkt nach dem Spiel, darf ich beim Hotelportier unterstellen. Wer das Marriott’s mit dem Taxi verlässt, kommt kaum an Howie Kats vorbei. Kats ist selbständiger Taxifahrer, gehört aber seit Jahren zum Hotelinventar. Kats ist eine Art fahrendes Islanders-Lexikon oder der Hockey-Journalist unter den Taxifahrern. „Nino is my Buddy“ sagt Kats nachdem ich ihn über meine Herkunft orientiere. Howie begleitet jeden Rookie bei dessen Ankunft und kennt die neuen Spieler zu Beginn besser als Isles-Headcoach Jack Capuano.

Das Marriott’s ist Dreh- und Angelpunkt

Ich selber fahre nach dem letzten Spiel, welches für die Islanders, im dunklen Spezialtrikot, die bitterste Niederlage (0:6) der aktuellen Saison absetzt, zum dritten Mal mit Howie’s Taxi und die Fahrt zum JFK-Airport ist kurzweilig. Wir unterhalten uns über David Ullström, Rick Di Pietro, Evgeny Nabokov, Mark Streit, Nino Niederreiter und über die guten, alten Stanley-Cup-Zeiten (1980 bis 1983) der Isles. Als Schweizer (Mark und Nino sei Dank) kann ich sogar mit Schweizer Franken bezahlen. Unsere NHL-Söldner leisten also nicht nur Pionierarbeit für Sven Bärtschi und Co., sondern auch für „Meier und Müller“, welche zumindest auf Long Island bei Howie Kats nicht mehr mit Andersson und Johansson verwechselt werden.

Gegen die Senators erwärmen nur die «Islanders-Ice-Girls» die Gemüter. (F. Streit)

20. Februar 2012 (13 Uhr) [Upper Gate 10, 302, C1]

NY Islanders – Ottawa 0:6 (0:3, 0:1, 0:2)
Nassau-Coliseum. – 15’818 Zuschauer. – SR Dwyer/Leggo, Murphy/Miller. – Tore: 2. (1:08) Karlsson 0:1. 2. (1:35) Spezza (Foligno, Neil) 0:2. 15. Karlsson (Alfredsson, Gonchar) 0:3. 30. Phillips (Turris, Gonchar/Ausschluss Staios) 0:4. 50. Lee (Karlsson, Condra) 0:5. 51. Spezza (Karlsson, Kuba/Ausschluss Pandolfo) 0:6. – Strafen: NY Islanders 5-mal 2 plus 5 Minuten (Martin) plus 2-mal 10 Minuten (Parenteau), Ottawa 3-mal 2 plus 5 Minuten (Smith). – Bemerkungen: Karlsson*, Spezza**, Anderson*** (alle Ottawa) als beste Spieler ausgezeichnet.
NY Islanders: Poulin; Eaton, Jurcina, MacDonald, Ness, Staios (2), Streit; Bailey, Grabner, Martin (5), Moulson, Niederreiter (2), Nielsen, Okposo, Pandolfo (2), Parenteau (24), Reasoner, Rolston, Tavares.
Ottawa (2): Anderson (Auld); Cowen (2), Gonchar, Karlsson, Kuba, Lee, Phillips; Alfredsson, Butler, Condra, Daugavins, Foligno (2), Greening, Michalek, Neil, O’Brien, Smith (5), Spezza, Turris.

SpielDatumOrtkmGegner
I16.2.Philadelphia160
II17.2Newark45
III18.2.Uniondale96
IV19.2.Manhattan3
V20.2.Uniondale96
Total400

Beim fünften New-York-Trip reisen wir zu sechst und logieren zum zweiten Mal im Hudson-Hotel.

Lugano statt Shawinigan

Zürich, 14. Februar 2012 – die Partie zwischen den ZSC Lions und dem HC Lugano ist die letzte NLA-Partie vor dem US-Roadtrip nach New York. Lugano schlägt die Zürcher um ex-NHL Coach Bob Hartley mit 4:0. Nach dem Spiel spreche ich kurz mit Luganos Dominik Schlumpf, welcher mir mit etwas Wehmut vom diesjährigen Memorial-Cup seines ex-Klubs Shawinigan Cataractes erzählt. Die Cataractes aus der Quebec-Major-Junior-Hockey-League (QMJHL) sind im Frühling 2012 Gastgeber des Memorial-Cups, der quasi des Stanley-Cups auf der höchsten Juniorenstufe: «Zum Zeitpunkt meiner Vertragsunterzeichnung beim HC Lugano wusste ich noch nicht, dass Shawinigan als Gastgeber ausgewählt würde», so kämpft Schlumpf mit Lugano um die Playoff-Qualifikation, statt um die höchste Trophäe des kanadischen Junioren Eishockeys.


„Zum Zeitpunkt meiner Vertragsunterzeichnung beim HC Lugano wusste ich noch nicht, dass Shawinigan als Gastgeber ausgewählt würde.“

— Dominik Schlumpf, über Shawinigan

Vor dem Spiel treffe ich noch Sean Simpson, welcher «beste Grüsse» nach Lyss ausrichten lässt und mir einen guten New-York-Trip wünscht. Auch mit Daniel Steiner und John Gobbi, welcher zum Interview antreten muss gibts noch einen kurzen Small-Talk. Zurück zu New York  – in diesem Jahr startet der Hockeytrip via Amtrak in Philadelphia gegen die Buffalo Sabres. Die weiteren Stationen sind Newark (New Jersey Devils – Anaheim Ducks), Uniondale (New York Islanders – Carolina Hurricanes), Manhattan (New York Rangers – Columbus Blue Jackets) und auf dem Weg zum John-F-Kennedy-Flughafen kurz vor dem Rückflug nochmals Uniondale (New York Islanders – Ottawa Senators).

14. Februar 2012

ZSC Lions – Lugano 0:4 (0:1, 0:1, 0:2)
Hallenstadion. – 7’359 Zuschauer. – SR Massy /Rochette, Mauron /Tscherrig. – Tore: 14. Romy (Sannitz, Bednar) 0:1. 34. Romy (Bednar, Domenichelli /Ausschluss Schnyder) 0:2. 51. Sannitz (Schlumpf, Romy) 0:3. 52. Steiner (Murray, McLean) 0:4. – Strafen: ZSC Lions 6-mal 2 Minuten, Lugano 7-mal 2 Minuten. –Bemerkungen: PostFinance-Topskorer: Tambellini; Bednar. ZSC Lions ohne McCarthy, Breitbach, Blindenbacher, Camperchioli (alle verletzt) und Kolnik (überzählig). Lugano ohne Niedermayer, Hirschi, Rintanen, Reuille (alle verletzt), Nummelin und Burki (beide krank). – Timeout Lugano (59.).
ZSC Lions: Flüeler (52. Sulander); Murphy (2), Seger; Gobbi (2), Geering; Stoffel, Schnyder (2); Down, Pittis (2), Monnet; Bärtschi, Ambühl, Tambellini; Kenins, Cunti, Schommer; Bastl, Bühler (4), Schäppi.
Lugano: Conz; Ulmer, Vauclair (2); Kienzle (2), Hendry; Nodari, Blatter; Schlumpf; Bednar, Romy, Sannitz; Steiner (2), McLean, Murray (2); Kostner (2), Kamber, Domenichelli; Simion (2), Conne (2), Jörg; Profico.

Südafrika in Arosa

Guido Lindemann ist nicht nur der letzte Schweizer Topskorer der Nationalliga A, sondern auch lange Zeit der einzig bekannte Schweizer in Südafrika. Im Habegger-Verlag-Jahrbuch «Eishockey 92» unter «bisherige Clubs», taucht beim Spielerporträt des Churers Guido Lindemann, plötzlich der Name «Swiss Bears Südafrika» auf. Für einen Eishockey-Belesenen meiner Generation hat das für grosses erstaunen gesorgt, nicht so für die ältere Generation, welche dies in den 70ern mitgekriegt hat.

Faszination Swiss Bears

Die Swiss Bears? Wer hat da wohl alles gespielt, wo haben die gespielt, wieviele Titel haben die geholt? Fragen über Fragen und schliesslich konnte man im Buch «Eishockey» von Vico und Lelio Rigassi einen Bericht über die Südafrikaner mit Spielertrainer Tommy Durling finden, die haben an der C-Weltmeisterschaft 1961 in Genf und Lausanne gespielt.

Das Lindemann-Duell

Am 16. Januar 2004, in Kloten, mittlerweile arbeite ich beim Schweizer Fernsehen (SF) als Sportassistent und bin beauftragt, vor dem Spiel den wahren Guido Lindemann zu seinen beiden Söhnen, welche sich heute erstmals in der NLA gegenüberstehen, zu befragen. Südafrika ist zu diesem Zeitpunkt auch bei mir ziemlich weit weg. Heute interessieren mich Sven und Kim Lindemann. Der ältere, Sven gewinnt mit Kloten vor den Augen des berühmten Vaters, gegen Kim und die Lions mit 3:1.

Erst acht Jahre später gehts zurück nach Südafrika, mit dem Schweizer Sportfernsehen (SSF) gastieren wir für ein Wochenende in Arosa, Spender für das Fernseh-Equipment ist Guido Lindemann. Sofort komme ich wieder mit dem umgänglichen Arosa-Original ins Gespräch und er erinnert sich an das Interview in Kloten. Am Abend gehts zum Schlummertrunk oder in die «Verlängerung» in Lindemann’s Overtime Bar, direkt gegenüber der Post.

Diese Lindemann-Vitrine erzählt zwei Geschichten: Das Foto oben zeigt Lindemann 1990 beim EHC Chur im Trainingslager bei Dynamo Moskau, unten hängt das Jersey vom SC Rheintal, welches Lindemann zwischen 1998 und 2000 trägt. (Krein)

Am nächsten Tag, führt mich die Legende durch sein eigenes Hockey-Museum in der Overtime Bar. Da ist es wieder, das Trikot der «Swiss Bears», jetzt kommen wir doch noch nach Südafrika, Lindemann erzählt von der grossartigen Erfahrung in Johannesburg, welche er zusammen mit seinem Bruder Markus, Bruno Plüss (Olten) und Anton Williner (Visp) teilen konnte. Vor den Lindemanns trugen auch Jakob Kölliker, Bernhard Burri, Emil Handschin, Fredy Pargätzi, Marco Torriani und André Jorns das Trikot der Bären. Logo und Trikot ähneln dem SC Bern, die Bears waren wohl eine Art afrikanische Ausgabe des SCB.

Die «Schweizer Bären», mit ihren hochkarätigen Verstärkungen, holten zwischen 1966 und 1974 sechs Meistertitel. Lindemann spielte erst 1975 und 1976 für je fünf Monate in Johannesburg. Gegner waren Kanadier, Deutsche und Österreicher. Der Bündner holte seine beiden Meistertitel nicht in Südafrika, sondern 1980 und 1982 mit dem EHC Arosa.

Die Meisterära der Swiss-Bears

1966 Swiss Bears Johannesburg
1967 Swiss Bears Johannesburg
1968 Swiss Bears Johannesburg
1969 Swiss Bears Johannesburg
1970 Canadian Hush Poppies Johannesburg
1971 Maple Leafs Johannesburg
1972 Edelweis Johannesburg
1973 Swiss Bears Johannesburg
1974 Swiss Bears Johannesburg

Carlsberg, Heineken und der EHC Rheinfelden

Rheinfelden und Feldschlösschen gehören zusammen wie das Bündner Bergdorf Vals und das Valserwasser. Wenn ich in Vals ein «Rhäzünser» bestelle, würde man mich für verrückt erklären. Der Vergleich mag etwas übertrieben sein, denn die Welt von Hopfen und Malz ist weitaus kulanter und kaum mehr überblickbar. Dass aber ausgerechnet in der Stadionbeiz des EHC Rheinfelden kein Feldschlösschen ausgeschenkt wird, grenzt an ein kleines Wunder. Wie geht das?

Seit Jahren – auch aktuell – trägt der Eishockey Club aus Rheinfelden vom «lokalen» Bierschloss die Werbung auf der Brust. Mitbesitzer der Rheinfelder Stadionbeiz ist ein bekannter Ex-Fussballer des FC Basel und aktueller Trainer eines Innerschweizer Super-League-Klubs. Die logische Folge: Der Trikot-Werbung zum trotz, fliesst beim EHC Rheinfelden jetzt das Innerschweizer Eichhof-Bier statt das lokale Feldschlösschen.

Es spielt keine Rolle

Unter Berücksichtigung der wahren Besitzer – Feldschlösschen gehört seit 2000 zum dänischen Carlsberg-Konzern und Eichhof gehört seit 2008 zur holländischen Heineken-Gruppe, welche unter anderem in den 90er Jahren die Britische Eishockeyliga gesponsert hat – spielt es eigentlich keine Rolle, welche Biermarke nun Rheinfeldens Eishockeyaner versorgt, Heineken oder Carlsberg, Holland oder Dänemark oder eben Feldschlösschen oder Eichhof.

Der Weg führt über Zürich

Wie üblich sitze ich im Zug, im Speisewagen auf der Schnellstrecke zwischen Bern und Zürich. Aus der Ferne erblicke ich den ehemaligen Weltklasse-Schiedsrichter – er hat alles gepfiffen vom Iswestija-Cup bis Olympia – und aktuellen Wein-Baron sowie NLA-Spielplan-Gestalter Willi Vögtlin. Vögtlin scheint noch heute nichts zu entgehen. Selbst im Zugwagen scheint er jede Aktion des Service-Boys genaustens zu beobachten um ihn bei einer irregulären Service-Aktion für zwei Minuten in die Kühlbox, die Zugküche des Wagens, zu schicken.


„Ob nach New York oder Moskau, Ammerzwil oder Kirchberg, der Weg führt über Zürich.“

— Krein über Vögtlin, im Zug

NHL-Friendship-Tour

In Gedanken schwelge ich via Vögtlin in die National-Hockey-League. Vögtlin arbitrierte im September 1989 die legendäre NHL-Friendship-Tour der Calgary Flames und der Washington Capitals durch die damalige Sowjetunion bis nach Prag. Vögtlin flog damals direkt nach dem Spiel zwischen dem SC Langnau und dem HC Fribourg-Gottéron am Lysser Industriecup aus der Provinz nach Prag und pfiff die beiden Partien zwischen der Tschechoslowakei und den Calgary Flames (4:2 und 4:1). Ich hätte meinen Pendlertag am liebsten zusammen mit Vögtlin nach Zürich-Flughafen fortgesetzt, um dann die nächste Maschine nach New York zu nehmen, denn Anekdoten und Geschichten hätte es für die ganze achtstündige Flugzeit gegeben.

Knackpunkt Hallenstadion

Immerhin führt unser Weg gemeinsam Richtung Oerlikon, begleitet durch die Themen NLA-Spielplan-Problematik, Weinverkauf – Vögtlin liefert jeweils höchstpersönlich bis vor die Haustüre nach Ammerzwil, irgendwo im Jaussacher – Spiele in New Jersey und die Tücken des Pendlers. Ob nach New York oder Moskau, Ammerzwil oder Kirchberg, der Weg führt immer über Zürich. Und manchmal auch übers Hallenstadion, welches nicht nur Knackpunkt der Spielplan-Problematik ist, sondern auch noch als Weindepot dienen kann.

In den Katakomben von Mannheim

Mannheim, einfach nur «Wow» geht einem durch den Kopf, wenn man die SAP-Arena betritt. Nun habe ich den direkten Vergleich, innert 24 Stunden besuche ich die Bossard-Arena in Zug und die SAP-Arena in Mannheim und beide Spielstätten im Rahmen der NHL-Challenge. Ich muss zugeben, die Bossard-Arena kommt nie und nimmer an das Mannheimer Prunkstück heran. In Mannheim ist alles eine Nummer grösser und imposanter, dazu sind die Sitze komfortabler und es gibt viel mehr Verpflegungsmöglichkeiten.

Spiel statt Stadion

Das Manko liegt lieder auf dem Eis, die Partie zwischen den Adlern und Buffalo Sabres kommt nicht ans Zug-Spiel heran. Anders als die Zuger, geraten die Mannheimer gegen die Sabres, ohne den verletzten «Mannheimer» Jochen Hecht, schon früh in Rückstand. 0:3 stehts nach 20 Minuten und das Spiel ist bereits gelaufen, die Mannheimer Magerkost lässt sich nur durch eine Stadionwurst wettmachen. Auf dem Weg zu einem der zahlreichen Würstchenbuden begegnen mir in den Katakomben der ersten Drittelspause zwei Männer in Schale?


Jim Corsi

„Jim Corsi und Teppo Numminen irren durch die Katakomben der SAP-Arena.“

– Michael Krein, SAP-Arena

Ja klar die Männer in Schale sind Jim Corsi (früherer Azzurri-Hexer und aktueller Torhütertrainer der Sabres) und Teppo Numminen (ex-Spieler und aktueller Assistenzcoach der Sabres).  Diese beiden erwecken kurzzeitig nostalgische-Gefühle, bevor ich mir mein Getränk und meine Stadionwurst zu Gemüte führen kann.

Corbets Nummer 20

Weiter mit Nostalgie gehts in der zweiten Drittelspause, René Corbets Rückennumer 20, wird in einer unvergesslichen Zeremonie, von Corbet selber unter die Hallendecke gezogen, in acht Jahren hat der ehemalgie NHL-Spieler 369 Spiele für die Adler absolviert und war beim Meistertitel 2007 mit dabei. Harold Kreis (Nr. 3), Marcus Kuhl (Nr. 15), Stéphane Richer (Nr. 25) und Robert Müller (Nr. 80) heissen die anderen unsterblichen. Doch auch die Gegenwart hat ihren Platz, geehrt wird auch das erfolgreiche Schülermeister-Team der Jungadler, die Ehrung nimmt Peter Draisaitl’s Sohn Leon für seine Mannschaft entgegen.

Das Spektakel rund um die NHL-Challenge ist gross, nur sportlich fehlt es dem Heimteam an diesem Abend. Im Vorjahr kommen die Adler gegen die San Jose Sharks bis ins Penaltyschiessen, die Sabres um Tyler Ennis (3 Punkte) und Co. schienen gewarnt zu sein.

4. Oktober 2011 – NHL-Premiere-Challenge

Mit Ambühl und Mastercard

Ein herrlicher und sonniger Herbsttag, in Zug pilgern alle in die neue Bossard-Arena. Es liegt was in der Luft, die Atmosphäre ist wie in einem Playoff-Final und die Herbstluft riecht nach einem besonderen Abend. Die neue Halle ist mit 7’015 Zuschauern restlos ausverkauft. Auf dem Eis treten die New York Rangers zum Prestige an. Der ehemalige «Ranger» Andres Ambühl ist Studiogast beim TV-Sender Teleclub, der die Partie live überträgt. Ich bin nicht akkreditiert, statte dem Talk zwischen Ambühl und dem Teleclub-Moderator einen Besuch ab. Ambühl kann sich die Partie nicht ansehen und übergibt mir seinen Presse-Badge. So betrete ich als «falscher Ambühl» die richtige Arena.

Für alles andere gibts Mastercard

Solche Spiele gibts bestenfalls alle zehn Jahre, für alles andere gibts die Mastercard. Nach nur einer Minute ist Timo Helbling schon im Clinch mit Rangers-Star Brandon Dubinsky und die Halle bebt. Bereits beim ersten Powerplay trifft Esa Pirnes gegen einen überraschten Keeper Mathieu Biron. Nach sechs Minuten trifft Duri Camichel zum 2:0, ehe Ryan Callahan verkürzen kann. Zug ist geladen und die spezielle Athmosphäre des Herbsttages überträgt sich aufs Eis. Josh Holden schiesst per Shorthander das 3:1. Manch einer fragt sich wo denn die Rangers sind und was um Himmels Willen Brad Richards (60 Millionen-Dollar-Vertrag) macht? Noch vor der Pause sind die Rangers doch noch da und schiessen zwei Tore innert 13 Sekunden, sechs Tore im ersten Drittel, wie gesagt für alles andere gibts Mastercard.


„Brad Richards ist teurer als das ganze Team des EVZ.“

— World Today News, USA

King Henrik und der Rangers-Clan

Die Rangers formieren sich neu, mit der neuen Sturmreihe Gaborik-Richards-Dubinsky spielen die NHL-Stars zwar ein Powerplay bei 5 gegen 5, doch Tore fallen keine. Kurz nach der zweiten Pause geht New Yorks General-Manager Glen Sather, trotz Rauchverbot, Stumpen rauchend an mir vorbei. 20 Meter neben mir sitzt der ganze Rangers-Clan, «King» Henrik Lundqvist inklusive, dieser wird an diesem Abend durch Biron mehr schlecht als recht ersetzt. In der Zwischenzeit erhöhen die Zuger Glen Metropolit und Holden auf 5:3 und die Halle bebt weiter. Ruslan Fedotenko kommt kurz vor der Pause zum 4:5-Anschlusstreffer. Noch nie zuvor hat ein Schweizer Klubteam fünf Tore gegen ein NHL-Team geschossen.

Zug einfach, New York kompliziert

Zug lässt sich nicht abfertigen wie einst der SC Bern (beim 1:8 gegen den gleichen Gegner) und der HC Davos beim 2:9 gegen die Chicago Blackhawks. Die Zuger sind in der neuen Halle noch ungeschlagen und jeder Angriff aufs Tor der Rangers ist brandgefährlich. Die NHL Stars legen zwei Gänge zu, doch die Innerschweizer können die Führung sogar noch auf drei Tore ausbauen. Zug agiert konterstark, direkt und schnörkellos und die Rangers? Richards und Co. brauchen viel zu lange bis zum Abschluss und spielen untypisch kompliziert. Richards kostet die Rangers gleich viel wie der ganze EVZ.

Fünf Minuten vor Schluss ersetzen die blassen New Yorker ihren schwachen Torhüter durch einen sechsten Feldspieler und es kommt wie erwartet. Der Luzerner Fabian Schnyder setzt den 8:4-Schlusspunkt. Das ist der grösste Sieg einer Schweizer Klubmannschaft. Für die Rangers wäre es selbst mit Lundqvist eng geworden, auch wenn dies kein Pflichtspiel ist, schreibt Zug Geschichte. Leise schleiche ich mich im Dubinsky-T-Shirt aus dem Stadion, keiner kennt mich, nicht einmal GM Sather, auch wenn ich als «Ambühl» unterwegs bin.

EV Zug – New York Rangers 8:4 (3:3, 2:1, 3:0)
Bossard-Arena. – 7’015 Zuschauer (ausverkauft). – SR Joanette/Rochette (Ka/Sz); Devorski/Arm (Ka/Sz). – Tore: 2. (1:18) Pirnes (Blaser, Schnyder/Ausschluss Dubinsky) 1:0. 6. D. Camichel (Sutter) 2:0. 16. (15:40) Callahan (Dubinsky) 2:1. 17. (16:24) Holden (Chiesa/Ausschluss Helbling!) 3:1. 19. (18:47) Rupp (Del Zotto, Zuccarello) 3:2. 20. (19:00) Anisimov 3:3. 35. (34:02) Metropolit (Casutt) 4:3. 35. (34:43) Holden (Lüthi, Lindemann) 5:3. 39. Fedotenko (Anisimov) 5:4. 43. Pirnes 6:4. 45. Brunner (Schnyder) 7:4. 56. Schnyder (Holden, ins leere Tor) 8:4. – Strafen: Je 4×2 Minuten. – Bemerkungen: Zug ohne C. Camichel (rekonvaleszent), NY Rangers ohne Lundqvist und Avery (beide geschont). NY Rangers zwischen 55:10 und 55:55 ohne Torhüter. Torschüsse 27:45 (8:17, 11:10, 8:18). Holden (Zug) und Callahan (NY Rangers) als beste Spieler ausgezeichnet.
EV Zug: Markkanen; Chiesa, Wozniewski; Helbling (4), Fischer (2); Furrer, Erni; Blaser; Christen, Metropolit, Casutt; Brunner, Holden, Schnyder; D. Camichel, Sutter, Pirnes; Lüthi, Oppliger, Lindemann (2); Rossi.

#Spieler#Spieler
BironCallahan
StajcerFedotenko
Del ZottoMcDonagh
GirardiZuccarello
PrustBell
GaborikChristensen
Dubinsky (4)Bickel
RichardsAnisimov (2)
Stepan (2)Eminger
BoyleRupp

Der Rangers-Trip

DatumOrtGegnerResultat
21.9.AlbanyNew Jersey1:2nV
23.9.NewarkNew Jersey4:3
26.9.PhiladelphiaPhiladelphia3:5
29.9.PragSparta Prag2:0
30.9.GöteborgFrölunda Göteborg4:2
2.10.BratislavaSlovan Bratislava4:1

Tour-de-Hockey – 8. Etappe Zug

Hertihalle oder eben Bossard Arena, nun ist auch das neue Aussenfeld bezugsbereit. Die Arena ist wirklich ein Bijou – ich war bereits in der vergangenen Saison ein paar Mal hier. Nach dem zweiten Drittel packt mich der Hunger und ich kämpfe mich zur Theke um einen Hamburger zu ergattern. Doch aufgepasst, Ketchup und Senf müssen an einer separaten Station selber dosiert werden. Ich erinnere mich an die letzte Saison, der Hamburger war eigentlich gut, doch ohne Ketchup etwas trocken. Die optimale Toilette kenne ich auch noch nicht oder doch? Ja gleich neben dem Presseraum in den Katakomben war ich im Vorjahr auf der Toilette, habe aber erst beim Stehklo bemerkt, dass es sich um die Spielertoilette der Gästemannschaft handelte – und ich pinkelte vor dem Spiel neben Mattia Bianchi – vielleicht verirre ich mich ja in einer Pause wieder Mal aufs Gästeklo, selbstverständlich nicht wegen Bianchi. Zurück zum Spiel. Rapperswils neuer Mann heisst Kent McDonell, der Kanadier ist erst heute Mittag von Toronto in Zürich gelandet und hinterlässt dementsprechend einen müden Eindruck. Und wie spricht man seinen Namen korrekt aus? „Kent McDonnl!“

Holpriges Geknorze zum Auftakt

Die erste Station der neuen Meisterschaft heisst Biel, dies ist allerdings bereits meine sechste Partie. Wie viele Male ich wohl schon hier war? Als passiver Tribünengast, als aktiver Tribünengast oder als aktiver Spieler? Ich habe keine Ahnung, könnte es aber zurück bis 1989 eruieren. Vielleicht tuh ich das in einer schwachen Minute.

Auf der Pressetribüne unterhalte ich mich mit Biels Pressechef über das neue Lausanne-Trikot, Rögle BK Ängelholm, Dukla Jihlava und das aktuelle Spiel. Der Gegner heisst HC Ambri-Piotta, die Gäste haben ihre Farben gewechselt und spielen neu wieder in blauen statt roten Hosen.

Die Idee für meine Geschichte, ich habe etwas mehr als 1’100 Zeichen zur Verfügung, entspringt mir regelrecht auf dem Gang zur Toilette. Übrigens, in jedem Stadion gibts einen WC-Geheimtipp – auf welcher Toilette verliere ich während der Drittelspause am wenigstens Wartezeit?

Der Saisonstart ist nicht nur für den Bieler-Stadion-Speaker etwas holprig, sondern für zahlreiche weitere Protagonisten, dazu gehören auch meine 1’100 Zeichen, ein wahres Geknorze…

Schwedische Titelstory aus Biel

Das Foto (Chris Habegger) schafft es ins Helsingfors Dagblad, ein herzlicher Empfang für die Südschweden in Biel. Eine herzliche Begrüssung gibt es für die Südschweden während eines Freundschaftsspiels in Biel. Nicht nur die Spieler des schwedischen Zweitligisten staunten nicht schlecht, sondern auch die Journalistin Sara Johansson, welche das Willkommensfoto für ihre Titelseite des Helsingborgs Daglad haben wollte.

„Vällkommen RBK till Biel.“

— Andreas Freitag (Seeschwalbe Biel)

Schwedische Teams in Biel haben eine langjährige Tradition. Was in den 80er und 90er Jahren mit Huddinge IK begonnen hat, nimmt seine Fortsetzung mit Rögle BK Ängelholm. Und die Aussenseiter aus der zweiten schwedischen Liga Allsvenskan waren mehr als nur ein Sparringpartner, angeführt vom Ex-Bieler Eric Himelfarb forderten sie den Bielern, aus dem Trainingslager von der Lenzerheide kommend, alles ab und siegten im Penaltyschiessen.

Biel – Rögle BK 3:4nP (1:2, 2:0, 0:1, 0:0, 0:1)
Eisstadion. – 1’023 Zuschauer. – SR Eichmann, Bürgi/Mauron. – Tore: 6. Bergström 0:1. 10. Tschantré (Grieder, Peter) 1:1. 20. Panelin-Borg (Himelfarb) 1:2. 25. Wieder (Miéville) 2:2. 34. Gloor (Haas) 3:2. 59. Brithén (Himelfarb/Rögle ohne Torhüter) 3:3. – Strafen: Je 2-mal 2 Minuten. – Bemerkungen: Biel ohne Rouiller, Scalzo, Spylo (alle verletzt) und Streit (krank).
Biel: Berra; Gossweiler, Grieder; Wellinger, Preissing; Huguenin, Steinegger; Fröhlicher, Kparghai; Ehrensperger, Peter, Tschantré; Truttmann, Miéville, Wieser; Lauper, Bordeleau, Beaudoin; Haas, Gloor, Wetzel; Zigerli.

Die Kehrseite der Medaille oder Können statt Wollen

30 Meistertitel seit 1921 – oder 5 Meistertitel in den letzten zehn Jahren – was für eine Bilanz! Die Baumeister aller fünf Erfolge seit 2002 sind Arno Del Curto und Reto von Arx. Das Erfolgsduo funktioniert schon in der Juniorern Nati, als die Schweizer (vorher nur Kanonenfutter) an der Junioren WM 1995 in Boston erstmals die Kanadier an den Rande einer Niederlage bringen. Das Duo ist für den HC Davos ein wahrer Glücksfall, ich behaupte: «Ohne das Duo Del Curto/von Arx wäre Davos höchstens Mittelmass. Für den HCD also ein Glücksfall, nicht aber fürs Schweizer Eishockey.»

Ein Spieler wie von Arx hätte sich in der NHL durchsetzen können/müssen! Seine Klasse ist unbestritten, der Emmentaler hätte es in Übersee packen können, er ist nicht schlechter als Jochen Hecht oder Marco Sturm (um nur zwei Beispiele unseres Deutschen Nachbars zu nennen). Reto von Arx ist lieber ein König in der NLA, als ein Prinz in der NHL. In keinem anderen Land spielt der wohl beste Stürmer nicht fürs Nationalteam – genug Befriedigung für einen Stürmer wie Von Arx? Ist der Schweizermeistertitel oder ein Spenglercup-Pokal das höchste aller Eishockey Gefühle? Auf diese Frage würden mir Mark Streit und Nino Niederreiter wie Arno del Curto mit einem «Kopfschütteln» den Rücken zukehren.

Desselbe gilt für den Davoser Erfolgstrainer. Der König unter den NLA Coaches begnügt sich mit nationalen Meistertiteln und Spenglercup-Pokalen (ein Freundschaftsturnier) – mehr will er nicht? Genau so wie sich Reto von Arx in der NHL hätte durchsetzen können, hätte Arno Del Curto die Schweizer Nati zu einer Medaille führen können. Dennoch begnügt sich der Engadiner lieber in der «Bündner Komfortzone.» Für das Duo Del Curto/von Arx ist ein Schweizermeistertitel die höchste Form ihrer «Selbstverwirklichung des Eishockeys.»

Wie gesagt, für die einen ein wahrer Glücksfall, für die anderen ein Jammer – und – «hätten und wären» gibt es genau so wenig, wie von Arx im Trikot der Blackhawks oder Del Curto hinter der Schweizer Bande. Dennoch, herzliche Gratulation zum fünften oder 30. Meistertitel!

Der American Dream beginnt in Basel

Brüglingerstrasse Basel, es ist Samstag Vormittag, ich stehe mit meinem Auto am Rotlicht, ca. 100 Meter vom St. Jakobs-Areal entfernt. Die Sonne scheint, das Vogelgezwitscher übertönt meinen Radiosender, was für ein herrlicher Frühlingstag. Wohl keiner der sommerlich gekleideten Passanten rund um das Sankt-Jakob-Areal käme auf den Gedanken, dass Eishockey jetzt ein Thema sein könnte, erst recht nicht in Basel.

Zehn Minuten später – der Geruch von Eis und ein Hauch von Kälte sind zu spüren – bremsen von Schlittschuhen und an die Bande knallende Pucks hallen durch die Sankt Jakobshalle, ein «Pfiff» aus der Trillerpfeife von Matt Smith bricht die Übung ab. Auf dem Eis kämpfen 30 Spieler aus Österreich, Italien, Deutschland, Slowenien und der Schweiz um ein Ticket für Toronto.

Die Jungs sind zwischen 15 und 19 Jahren

Scanlon-Creek-Hockey-Canada, mit Matt Smith, Jenya Feldman und Philippe Bohnenblust, bietet jungen Europäern, die Möglichkeit sich im Mai 2011 an einem Showcase Turnier in Toronto für die nordamerikanischen Ligen zu empfehlen. Die Jungs in Basel sind zwischen 15 und 19 Jahren und kommen aus Kloten, Davos, Basel, Salzburg, Varese, Valpellice oder St. Pölten.

Das Basler Camp 2011; hinten links Krein, Bohnenblust, hinten rechts Smith, Malicek. (Feldman)

Einer von ihnen hat bereits eine Saison in Übersee bestritten: Der Baselbieter Remo Hunziker spielte in der aktuellen Saison bei den Hartford Jr. Wolfpack in der Atlantic-Junior-Hockey-League (AJHL). In der kommenden Saison will er sich in Nordamerika eine Stufe höher beweisen, deshalb bestreitet er wieder das Camp von Scanlon-Creek. Für den «American- oder Canadian Dream» gehen die jungen Spieler bis ans Limit. Nicht nur körperlich sondern auch psychisch ist dies kein Zuckerschlecken.

Der Spass steht immer im Vordergrund

Dennoch heisst das oberste Gebot «Spass am Spiel», diesen Eindruck habe ich jedenfalls auf der Spielerbank während das Coachings (ich coache das Team «White») der beiden Trainingsspiele zwischen den Teams «White and Black.» Selbst nach zwei harten und intensiven Trainingstagen, lautet die Frage in den letzten Spielminuten (die Matchuhr ist defekt) jeweils: «Wie lange gehts noch?» oder «wie lange können wir noch spielen?» Keiner hinterlässt den Eindruck von «Müdigkeit oder Unlust», spielen, spielen und spielen ist der Hauptgedanke. Gerade deshalb werden es einige von ihnen auch in Nordamerika packen, da bin ich überzeugt. Und wenn die «Müdigkeit» kurzzeitig doch noch eintritt, gibts, wie könnte es für einen Salzburger auch anders sein «änen Red Bull.»

Telebasel Beitrag zu Scanlon Creek, start bei 17:05

Die Teilnehmer am Evaluation Camp

NrNameJahrgangPositionKlub
1Marco Rennhard1994FKloten
2Stephan Bacher1996GAugsburg (De)
3Iloy Borer1994DBasel
4Lorenzo Broggi1993GVarese (It)
5Nicolo Megioranza1994FVarese (It)
6Kilian Seidl1994GPustertal (It)
7Maco Richter1995FSt. Pölten (Ö)
8Stefan Brügger1992FSeewen
9Nicolo Rocca1993FValpellice (It)
10Jordi Buchholz1994GKaufbeuren (De)
11Fabian Baumann1992D
12Richard Albrecht1995GMexiko
13Orell Trautmann1996DThun
14Armin Trautmann1992FPreussen (De)
15Anton Ranov1994FDavos
16Nik Truden1993FLjubljana (Slo)
17Mattia Laudi1994DTurin
18Sera Bengerman1995D
19Marks Olesko1991DGrefrath (De)
20Fabian Erk1994FFrankfurt (De)
21Stefan Goller1993FKaufbeuren (De)
22Keegan Evangelista1994FBasel
23Davide Ferrari1993GFeltre (It)
24Vincenzo Küng1993FThun
25Tim Odermatt1994FDavos
26Nicolas Paul1993DSalzburg (Ö)
27Remo Hunziker1992FHartford (USA)